II. Etymologische Eigentümlichkeiten
  1. Allerdings, jedenfalls, vollständig und wirklich
  2. Ah und hm
  3. Wortspiele
  4. Wortakrobatik
  5. Alles, Alles
  6. Komposita mit Doppel
  7. Endungen mit -us
  8. Geistreich
  9. Hochinteressant
10. Ein Meisterstück
11. Forschen
12. Psychologie
13. Rache
14. Stecken
15. Fliegen
16. Elektrische Spannungen und Magnetismus
17. Pulsiren
18. Heiligthum und Entweihung
19. Venus, Kleopatra, Houri, Diana, Hebe, Flora und Juno
20. (Be)tasten und (be)fühlen
21. (Sinn)berückend
22. Reseda
23. Schwellen

III. Mays Erotik
1. Einstimmung
2. Berückende Damenskizzen
3. Kußforderungen
4. Der Kuß
5. Eifersucht
6. Bedrängte Schönheit und Retter in der Not


// 18 //

II. Etymologische Eigentümlichkeiten

1. Allerdings, jedenfalls, vollständig und wirklich

Diese vier Füll- oder auch Flickwörter gebrauchte May bemerkenswert häufig. Etwa 85% seiner für Münchmeyer gedruckten Seiten enthalten mindestens eines dieser Worte. Gelegentlich treten sie derart häufig auf, daß es störend wirkt:

Aber sie stand, als er eintrat, vollständig angekleidet am Fenster, und ihr Aussehen war ein so gutes, als ob sie die letzten Tage vollständig überwunden habe. (17)

"Sie bemerkten, daß er einen Panzer trug, und verzichteten in Folge dessen jedenfalls sofort auf den geplanten Angriff?"
   "Das fiel mir nicht ein! Es wäre jedenfalls gut gewesen, wenn ich verzichtet hätte, denn dann wäre er jedenfalls über meine Absicht im Unklaren geblieben."
(18)

"Das genügt vollständig, vollständig" rief Curt ... (19)

Recht hat er, dieser schneidige Gardelieutenant Curt Helmers aus dem Waldröschen; was hätte er aber von solchen Stilblüten gehalten?

Man fand, daß von einer bloßen Verwundung keine Rede war; er war vollständig todt. (20)

Es war vollständig dunkel ... (21)

"Ich wünsche, vollständig unkenntlich gemacht zu werden." (22)

"Hast Du von Deinem Schwälbchen vollständigen Abschied genommen?" (23)

Kombinationen von Füllwörtern sind ebenfalls möglich:

"Donner!" meinte er. "Also wirklich gelungen."
   "Wirklich und vollständig."
(24)


// 19 //

"... Allerdings habe ich geträumt," antwortete er.
"Wirklich? ..."
(25)

"Der fehlt allerdings vollständig." (26)

"Es ist daher allerdings am Besten, ich lasse Dich festnehmen."
   Sie stand vor ihm, als ob sie sein Richter sei.
   "Weib," sagte er, "Du bist wirklich ein Teufel!"
(27)

Sie verhielten sich vollständig ruhig und bewegungslos. Wirklich, nach kurzer Zeit drangen Töne an ihr Ohr, ... (28)

Das Wort "allerdings" findet sehr oft Verwendung als einfache Antwort:

"Allerdings," antwortete Müller, indem er die Achsel zuckte. (29)

"Das allerdings." (30)

"Allerdings." (31)

"Wirklich" wird gelegentlich verdoppelt:

"So lieben Sie mich? Wirklich, wirklich?" (32)

"Wirklich? Wirklich? Ist das möglich!" (33)

Auch in den von Kritikern beanstandeten Sätzen, die interpoliert sein sollen, kommen diese für May typischen Wörter vor. Wir haben somit vier immer wiederkehrende Bestandteile von Erzähltexten Mays und ihre Anwendung im Satzgefüge kennengelernt. Es gibt aber noch zwei weitere Worte, die unaufhörlich gebraucht werden.


// 20 //

2. Ah und hm

Einen Dialog ohne diese beiden Interjektionen gibt es bei May kaum.

"Ah!" rief Franz von Helfenstein. "Der Polizeispion! ..." (34)

"Ah! Hm! Wieso?" (35)

"Hm! Du denkst, wir werden mit der Bahn fahren?" (36)

"Ah! Sie liebten ihn?" (37)

Gelegentlich kommt es auch zu einem Verbund mit den bereits besprochenen Füllwörtern:

"Ah! Wirklich! Hm!" (38)

"Ah! Er hielt Dich wohl gar fest?"
   "Ja, allerdings."
(39) 

Die ständige Verwendung der Füllwörter 'allerdings, jedenfalls, vollständig und wirklich' sowie der beiden Interjektionen 'ah und hm', stellen zweifellos eine stilistische Schwäche dar. Streckenweise hat der Erzähltext nur noch formelhaften Charakter. Dem Autor muß aber zu Gute gehalten werden, daß er unter erheblichem Zeitdruck schrieb. Zweifellos werden derartige Wörter auch von anderen Schriftstellern gebraucht, aber selten in dieser Konstellation und wohl kaum in solcher Häufigkeit. Bereits 1878 hat May fast "vollständig" seinen Stil gefunden. So entdecken wir auf den 128 Seiten der Erzählung Auf der See gefangen (40) die Wörter:

Allerdings - 49mal, davon je 3mal auf den Seiten 420 und 643.

Jedenfalls - 58mal.

Vollständig - 76mal, davon 4mal auf Seite 691.

Wirklich - 61mal, davon 5mal auf Seite 435.


// 21 //

Ah - 37mal.

Hm - 73mal, davon 7mal auf Seite 532.

Bei dieser Aufstellung ist zu berücksichtigen, daß May in Auf der See gefangen Teile von Old Firehand aus seiner frühen Redakteurzeit 1875 mit verarbeitet hat. Ich wähle deshalb auch einen Text, der parallel mit dem Verlornen Sohn von ihm verfaßt worden ist. - Der letzte Ritt (41), veröffentlicht im Deutschen Hausschatz, enthält auf 139 Seiten:

Allerdings - 57mal.

Jedenfalls - 75mal.

Vollständig - 21mal.

Wirklich - 113mal.

Ah - 69mal.

Hm - 26mal.

In der 480 Seiten langen ersten Abteilung vom Verlornen Sohn, sieht das Ergebnis folgendermaßen aus:

Allerdings - 155mal.

Jedenfalls - 66mal.

Vollständig - 50mal.

Wirklich - 221mal.

Ah - 197mal.

Hm - 132mal. (42)

Man sieht, May benutzte diese Wörter überall regelmäßig, wenn auch zahlenmäßig nicht so häufig wie in den Münchmeyer-Romanen; aber die Art und Weise ihrer Anwendung - Sachverhalte besonders zu betonen - ist absolut identisch. Auch ließ sich May offenbar für die renommierten Unterhaltungsblätter mehr Zeit und arbeitete sorgfältiger. Außer den bereits genannten Interjektionen "Ah und Hm" gebrauchte May vorwiegend: "O(h)" oder "Oh weh", "Brr(rr)", "Fi" oder "Fi donc", "Pah", "Ist's wahr" oder "Ist's möglich", "He", "Sapperment" oder seltener "Sakkerment",


// 22 //

"Himmelelement" sowie "Donnerwetter" oder auch "Donnerwetter, das ist stark"; die letzten vier Interjektionen erschienen fast nie im "Deutschen Hausschatz", da es sich um eine katholische Wochenzeitschrift handelte.

Eine besondere Aufzählung habe ich mir hier erspart. Der Karl-May-Leser weiß, daß diese Ausdrücke oft in den Büchern vorkommen.

 

3. Wortspiele

Äußerst charakteristisch sind Mays humorvolle Wortspiele, wie er sie mit virtuosem Geschick bildete; sie tauchen unaufhörlich in seinen Erzähltexten auf:

"… Er hat das studirt, was bei den Gelehrten 'Viele so ein Vieh' [Philosophie] genannt wird. Verstehst?"
   "So war er Vieharzt?"
   "Wo denkst hin! Wird ein Vieharzt die Schleswig-Holsteiner Grammadicka kennen! Diese berühmte Wissenschaft heißt 'Viele so ein Vieh', weil gar viele Professors dazu gehören, um aus einem Studenten so ein gelehrtes Vieh herauszubringen …"
(43)

"Das sind lauter Noten für Deine Vigoline. Da ist das erste Stuck. Das hat die dumme Ueberschrift: Ein runder Blechofen!" ...
   "Ein runder Blechofen? Das ist freilig lustig. Hier steht: Rondeau von Bethoven."
   "So klingst? Da hab ichs falsch versetzt. Aber hier, das weiß ich gewiß. Da steht geschrieben oder gar gedruckt: Ein Rock vorne und ein halbes Vieh."
   "Unsinn! Ein Nocturne von Halevy."
   "Himmelsakra! Bei Dir klingts freilich viel anders. Nun aber jetztund. Das kannst mir nicht bestreiten. Das heißt: Ein Fizzlifazzlo von Hühnerwurst. Das ist doch so ein schnackischer Titel, daß man ihn gar nimmer für möglich halten sollt! Ein Fizzlifazzlo! Was ist das für ein Ding! Und von Hühnerwurst hab ich auch nie nicht was gehört!"
   "Sprich es nur richtig aus, lieber Sepp! Es heißt: Ein Pizzicato von Hühnerfürst; Hühnerfürst ist nämlich ein Dresdner Componist. Und ein Pizzicato ist ein Stück, welches nicht mit dem Violinbogen gestrichen, sondern mit dem Finger geklimpert wird."
   "Wann zehnmal! Warum setzens diese fremden Worte her! Sie könnten doch drucken: Eine Klimperei anstatt ein Fizzlifazzli. Jetzt weiter! Das weiß ich ganz genau. Es steht da: Ein Kuriosum von Mückenschwanz."


// 23 //

Er blickte den Fex forschend und neugierig an. Dieser aber erklärte lachend:
   "Es heißt: Ein Furioso von Schicketantz ..."
(44)

May entwickelte mit Hilfe von Wortspielen ein didaktisches Konzept, um auf humoristische Weise dem einfachen oder jugendlichen Leser allgemeines Bildungsgut aus Geschichte, Musik und Literatur zu vermitteln. Diese Fertigkeit erreichte mit Erschaffung des Hobble-Frank in der Jugenderzählung Der Sohn des Bärenjägers ein individuelles Gepräge, eine völlige Verschmelzung von Spannung, Humor und Bildung in der Handlung:

"Hier, Dicker, ist meine Hand! Schlagen Sie ein! Wir wollen in trauter Eenigkeet die Pfade unseres Lebens wandeln. Ich rufe Ihnen mit Schillern zu: Soyongs, Anis, Emma!"
   Leider brach bei diesen letzten Worten das lang verhaltene Gelächter kräftig los. Der Kleene sah sich erstaunt im Kreise um.
   "Was gibt's denn schon wieder?" fragte er.
   "Einen Fehler, den Sie gemacht haben, oder vielmehr mehrere Fehler," antwortete Jemmy.
   "So? Welche denn?"
   "Diese Worte sind nicht von Schiller, sondern von dem französischen Dichter Corneille und heißen Soyons amis, Cinna! Es ist also weder von Anis, noch von einer Emma die Rede."
   "Ah? Meenen Sie wirklich? Ich biete Ihnen meine Hand zum großen Versöhnungsfeste, und zum Dank dafür wollen Sie mich abermals korrigieren? Da kann ooch die beste Wasserleitung platzen ..."
(45)

Emma anstatt Cinna, derartige Assoziationen, entstanden durch Wortspielereien, charakterisieren May vortrefflich; sie zeigen eine bizarre Ambition, die manchmal an das Groteske grenzt.

Gräfin Furchta Angstina von Entsetzensberg. (46)

Es gibt bei May keine Silbe, auf die man nicht gefaßt sein sollte, jedoch ergeben seine Wortspiele praktisch immer einen Sinn. Beispielsweise tritt seine Romanfigur Gustav Brandt aus taktischen Gründen stets inkognito auf, ohne aber jemals den Namen "Brandt" zu verleugnen:

Gustav B r a n d t = B r e n n e r = A r n d t (B ar ndt)


// 24 //

May liebte das Kuriose. Wir werden in diesem Zusammenhang noch manches erfahren.

 

4. Wortakrobatik

"Seine Methode ist hier genauso simpel wie rigoros. Um aus Hochdeutsch Bayerisch zu machen, läßt er zum Beispiel die Vorsilbe 'ge' weg ('ich hab nicht wußt'), hängt an die Hauptwörter nach Belieben ein 'n', fügt an Wörter wie hinauf, hinab oder herauf ein 'i' an, und dergleichen mehr. Aus aber wird 'aberst', aus der 'dera' und aus nachher ganz unerwartet 'nachhero'. ...
   An Schimpfwörtern, Ausrufen und Flüchen stehen den Gebirglern laut Karl May folgende Ausdrücke zur Verfügung:
   Sapristi - verduseli - verteuxeli - schlipperment - verdimmi verdammi - o himmeljerum - ach Gottel - alter Sakrafizi - lackierter Affen - alter Heuchlering - kreuzmillionenhageldonner - Binsenkraut und Giftschierling - du Schalksnarr - verbuxbaumi - sappermentski - du Ungeziefern - da soll doch gleich der alte Ziethen (!) aus dem Busch fahren - beim alten Dessauer!!!
   Als besonders origineller Jodler sei vermerkt: holldrio juch juch judirullilla juch!" (47)

Autor dieser Zeilen ist Herbert Schneider, ein waschechter Bajuware, also jemand, der bestens über seinen Dialekt Bescheid weiß. Anschaulich entlarvt er Mays Schreibtechnik im Weg zum Glück und liefert gleichzeitig die Gebrauchsanweisung, wie man seltsame, akustische Fehlleistungen lebensecht auf dem Papier zustande bringt. Alles klingt frappierend unproblematisch: Aber ist es für einen Schriftsteller wirklich einfach, solch blühenden Unsinn auf über zweitausendsechshundertsechzehn Seiten beizubehalten? Die Antwort lautet kurz: nein. Man halte sich allein den Zeitdruck vor Augen, fortlaufend in einer wöchentlichen Tretmühle spannende Romanhandlung produzieren zu müssen, dazu garniert mit gekünstelter, urkomischer Sprache! May hat hier mit seiner Dialektparodie einzigartige Arbeit geleistet und seinen Lesern großes Vergnügen bereitet. Freilich steht ein "Bajuware" dem Ganzen zwiespältig gegenüber; der Humor hält sich halt immer in Grenzen, wenn man von einem "Sachsen" einen Streich gespielt bekommt.

Jetzt nun will ich mir einen Tobak in die Pfeifen stopfen; dann nehm ich meine Kraxen und mache mich halt auf die Hachsen. (48)

In der Tat ist hier von einem Streich zu sprechen: May konnte nämlich streckenweise, wenn auch gewiß kein perfektes, doch ein besseres Ober-


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bayrisch am Schreibtisch fabrizieren. Christoph F. Lorenz hat überzeugend nachgewiesen, daß Autoren des Alpengebietes hinsichtlich Sprache und Motive eine wichtige Quelle darstellten.

Besonders intensiv hat May ... Schmids Erfolgsroman "Almenrausch und Edelweis" (1863) für seinen Roman benutzt. Nicht nur, daß der ganze Anfangsteil des Romans eine Variante der Schmidschen Handlung darstellt ..., auch die stilistische Gestaltung der Eingangsszene von Mays Roman geht auf den Anfang der Schmidschen Erzählung zurück. (49)

Lorenz weist ferner auf den Autor Ludwig Anzengruber hin, der recht deutlich auf Mays Alpendialekt eingewirkt hat. Dennoch wird diese Mundart im Weg zum Glück weitgehend ironisiert. Größere Interpolationen Münchmeyers scheiden deshalb von vornherein aus, die eigenartige Wortwahl ist ausschließlich auf Karl May selbst zurückzuführen. Zeitweilig arbeitet er derart konzentriert an seinem Kunstdialekt, daß die unzweckmäßigen Füllwörter "allerdings, jedenfalls, vollständig und wirklich" in den Hintergrund treten.

Auf den folgenden Seiten stelle ich Wortbeispiele zusammen, die charakteristisch sind für Mays Texte und die ich etymologisch für bedeutsam halte. Ihre Zahl ließe sich erweitern; ich beschränke mich auf diese Beispiele.

 

5. Alles, Alles

Zu Mays besonderen Stileigentümlichkeiten gehört die Verdoppelung bestimmter Wörter in einem Satz wie: schrecklich, schrecklich oder wirklich, wirklich. Bei anderen Schriftstellern findet man sie höchst selten.

"Herr, rette meine Tochter vom Tode," jammerte eine der Frauen, "und wir werden Dir Alles geben, was wir besitzen."
   "Ja," bestätigte der Mann, welcher mich geholt hatte. "Alles, Alles sollst Du haben, denn sie ist unser einziges Kind, unser Leben."
(50)

"... - Alles, Alles, Bäume, Büsche, Felsen, Berg und Thal flogen an mir vorüber, ..." (51)

"Sie werden Dir Alles, Alles nehmen, was Du hast, vielleicht sogar das Leben!" (52)


// 26 //

"Ich wollte, ich dürfte Ihnen Alles, Alles mittheilen!" (53)

"Nun erst begreife ich, wie der Capitän Alles, Alles wissen konnte, ..." (54)

"Die Länge, die Breite, die Tiefe, das Gewicht, der Umfang, der Kubikinhalt, Alles, Alles klappt auf’s Beste." (55)

Sie stand vor ihm in einer so hinreißenden Schönheit, daß er im Stande gewesen wäre, sie an seine Brust zu reißen und ihr Alles, Alles zu gestehen. (56)

Er sah im Spiegel Alles, Alles. Er hatte von ihrer Schönheit noch gar keine Ahnung gehabt. (57)

 

6. Komposita mit Doppel

Neben den häufig verwendeten, aber noch recht gewöhnlichen Wortverbindungen wie beispielsweise: Doppelduell, Doppelmord, Doppelpistole, Doppelseil oder Doppelschlinge, hatte May eine offensichtliche Vorliebe für skurrile Eigenkonstruktionen, die sich sehr vom allgemeinen Genre unterscheiden; hier kommt ausschließlich May als Verfasser in Frage!

... er that das Maul auf und ließ einen Doppeltriller erschallen ... (58)

... und nur das Grabmal mit seinen beiden Thürmen streckte seine flammende Doppelzunge noch immer zum Himmel empor. (59)

"Ich bin soeben erst in den Besitz dieser Kostbarkeiten gekommen, welche zu einer Doppelgarnitur für die Herzogin von Oerstädt bestimmt sind." (60)

Hinter der Doppelsäule öffnete sich da eine tunnelartige Aushöhlung ... (61)

"Mir ists so ganz eigenthümlich im Kopfe, und die Flaschen tanzen Doppelpolka vor meinen Augen." (62)


// 27 //

"Ich soll mich in das Loch setzen?"
   "Ja. Ich kann Euch da am Besten überzeugen, daß keiner dieser vier Gefangenen entkommen wird."
   "Gut! Ich werde es einmal versuchen. Es soll mir eine Freude sein genau zu wissen, wie fest wir diese Menschen haben."
   "Ja, Vater auch ich muß das wissen!" meinte Josefa. "Wollt Ihr es auch mir zeigen, Sennor?"
   "Gern," antwortete der Pater. "Ich habe da rechts ein Doppelloch, welches zu einem solchen Versuche wie gemacht ist. Ich werde öffnen."
(63)

"Sie sind kein Schurke sondern ein Doppelschurke, ein Elender!" (64)

Ich wandte mein Gesicht der Gegend zu und sah in demselben Augenblick das Aufleuchten zweier Schüsse, welche auf mich und Mohammed gerichtet waren. Sofort nach dem Doppelknalle rannte das Pferd des Haddedihn mit seinem Reiter durch die Büsche. (65)

Der lustige Sam band zwei Stühle mit den Lehnen zusammen. Die beiden Frauenzimmer mußten sich darauf setzen, mit dem Rücken gegen einander, und dann wurden auch sie zusammengebunden.
   "So!" lachte er. Nun könnt Ihr meineswegen ruhig sitzen bleiben oder wie ein Doppelfrosch in der Stube umherspringen ... Ich möchte dabei sein, um zu sehen, wie die beiden Weibsbilder wie ein Doppeladler in der Stube herumflattern, dem die Flügel gebunden sind."
(66)

"Diese Deutschen sind allesammt rechte, ächte Bären, und Sie in'sbesondere sind - - " Sie stockte.
   "Was? Was bin ich?" fragte er.
Sie blickte ihn wie furchtsam von der Seite an und antwortete rasch:
   "So ein ganz gewaltiger Doppelbär."
(67)

"Ich beanspruche diesen Kuß als ganz besondere Erkenntlichkeit."
   "Nun gut, sollst ihn haben. Und weißt, wie?"
   "Wie denn?"
   "Ich gebe ihn meinem Vatern, und der giebt ihn Dir. So ists ganz genau dasselbe, als ob Du ihn von mir selber bekommen hättst. Weißt, der Vatern kann halt noch ganz besonderen Druck drauflegen. Dann ist ein Doppelbusserl."
(68)


// 28 //

"So ist ihre Brust, wie diejenige einer mageren Giraffe, o Emir!"
   "Nein. Ihr Busen ist voll wie ein Doppelbrunnen, der nie von der Sonne leidet, und ihre Hüften sind schöner als die Schönheit von Ayescha, welche das Lieblingsweib des Propheten war, den Allah segnen möge!"
(69)

"Also das Medicament?"
   Er deutete mit dem Finger auf sich und sagte:
   "Hier sitzt es."
   "Sie? Ah! Arzt und Medicin zugleich?"
   "Freilich!"
   "Aber in welchen Dosen könnte man Sie genießen?"
   "Das werde ich verschreiben, und Sie haben zu gehorchen! Zunächst werde ich mich Ihnen als Doppelkataplasma verordnen."
   Sie stieß ein heiteres Lachen aus.
   "Das heißt als Doppelpflaster? Wie wollen wir das arrangiren?"
   "Eins auf das Herz und eins auf den Mund. So!"
Er legte ihr die rechte Hand wieder auf das Herz, dessen Schlag er bei der Fülle ihrer Büste kaum zu fühlen vermochte, schlang den linken Arm um sie, so daß er sie an sich zu ziehen vermochte, und drückte dann seinen Mund auf ihre Lippen, welche sie ihm fest und ohne Widerstreben hinreichte.
(70)

 

7. Endungen mit -us

Gern zeichnete May einige seiner Figuren aus einem spöttischen Blickwinkel, indem er das lateinische suffix -us benutzte:

Commissarius, Politikus, Musikus, Juristikus, Theologikus, Schuftikus (71), Chirurgius (72), Petersilius (73), Luftikus (74), Pfiffikus, Melancholikus (75), Mechanikus (76), Secretarius (77), Kritikus, Botanikus. (78)


// 29 //

"Servus, Salvus, Malvus!"
   Er sprach gern in Ausdrücken, welche mit "us" endigen, ...
(79)

Hier wird der Einfluß jener Lateinstudien sichtbar, die May in seiner frühen Jugend auf Anordnung seines Vaters betreiben mußte:

Ein buer lernen muß,
Wenn er will werden dominus,
Lernt er aber mit Verdruß,
So wird er ein asinus!
   Vater war ganz entzückt über diesen Vierzeiler und meinte, ich solle nur ja dafür sorgen, daß ich kein asinus, sondern ein dominus werde.
(80)

 

8. Geistreich

Oft taucht bei May dieses Wort auf, meist ironisch, seltener positiv gemeint:

"Du bist gefangen," bemerkte er ebenso treffend wie geistreich. (81)

"Dieser Grandeprise ist selbst in seinem Verbrechen geistreich!" (82)

"Witty, ingenious, geistreich im höchsten Grade!" (83)

"... Welch geistreiche Persiflage auf die göttlichen Musen! Welch ein granitner Witz eines vorsündfluthlichen Geistes! ..." (84)

"Warum verstecktest Du Dich, anstatt den Herrschaften beizustehen?" fragte ihn Mariano.
   "Ach, Sennor, ich lag ja hinter dem Wagen," lautete die geistreiche Antwort.
(85)

"Hm! Was spielen Sie für ein Instrument?"
   "Die Maultrommel oder das Brumeisen."
   "Das ist jedenfalls das schwierigste und geistreichste Instrument!"
(86)


// 30 //

Er konnte sich auf die geistreiche Schwester verlassen, von der er wußte, daß sie den Franzmann so bedienen werde, wie es der Bruder von ihr erwartete. (87)

Es war die Photographie eines Jünglings mit schönen, hochinteressanten, geistreichen Zügen. (88)

 

9. Hochinteressant

Selten genügt es Karl May, eine Sache nur interessant zu finden; es bedarf einer Steigerung:

"Hm, hm!" brummte Schneffke. "Das Ding ist höchst interessant!" (89)

"Der Gegenstand unseres Gespräches war bisher so hoch interessant, daß ich noch gar nichts anderes sagen konnte." (90)

"Dieser Aurelius Hieronymus Schneffke ist in Wirklichkeit ein psychologisch höchst interessanter Mensch." (91)

Es war ein reizendes Bild, eine höchst interessante Gruppe, welche diese beiden Mädchen boten. (92)

... ein ebenso mystisches wie hochinteressantes Dunkel, ... (93)

 

10. Ein Meisterstück

Erneut findet sich hier die besondere Neigung Mays, Details oder Sachverhalte enthusiastisch überzubetonen:

"Wer es nicht versteht, der kann dieses Gedicht nicht würdigen. Es ist ein geistreiches Gemälde einer südlichen, fremdartigen Landschaft, in kurzen, kräftigen und doch so tief durchdachten Worten - ein Meisterstück, welches eben nur von Meistern beurtheilt werden kann." (94)


// 31 //

"... Eure Leggins sind vom feinsten Elennleder; Euer Jagdhemde ist ein Meisterstück aus der Hand einer indianischen Sqaw; ..." (95)

"... Ein Meisterstucken kanns freilich nimmer sein, aberst passen thäts wohl prächtig für die erste Probe, die Du ablegst, ..." (96)

Es ist ein Meisterstück der Kolportagepfiffigkeit ... (97)

Diese letzten Worte sprach der Fremde allerdings mit Müllers Stimme. Aber sein Gesicht war doch ein ganz anderes. Der Arzt trat ganz nahe zu ihm heran, um ihn zu betrachten.
   "Welch ein Meisterstück!" rief er aus. "Ja, Sie sind es, Herr Doctor, oder vielmehr, Herr Rittmeister. ..."
(98)

Haller war hinzugetreten und betrachtete den feinen Kopf mit den wunderlieblichen Gesichtszügen.
   "Ein Meisterstück," bemerkte er.
   "Ja, ein Meisterstück des Malers, aber auch ein Meisterstück der Schöpfung! ..."
(99)

Er deutete nach dem Baume, auf welchem eine Rabenkrähe sich niedergelassen hatte. Anstatt aller Antwort stand Steinbach auf und zog das Beil aus dem Gürtel. Es einige Male um den Kopf schwingend, schleuderte er es fort, scheinbar gar nicht gegen den Baum. Es flog eine Strecke waagerecht fort, stieg dann plötzlich in die Höhe und beschrieb einen wirbelnden Bogen nach dem Baume hin. Ein Schrei der Bewunderung entfuhr dem Maricopa. Das Beil hatte die Krähe getroffen und getödtet. Es kam im Bogen zurückgeflogen und fiel nur wenige Schritte von Steinbach zur Erde nieder. Das war ein Meisterstück, viel, viel größer als der meisterhafteste Schuß aus einem Gewehre. (100)

"Dein Leben wäre zu wenig gewesen," sagte er zu ihm. "Büffelstirn mochte es nicht haben. Nun hat er Dir gezeigt, einen Lebenden zu scalpiren, ohne ihn zu fesseln. Das ist ein Meisterstück, welches unter tausend Männern kaum Einer bringt. Du kannst davon erzählen, wenn Du in das Land zurückkehrst, in welchem die Hunde Deiner Brüder wohnen." (101)


// 32 //

11. Forschen

Der Begriff Forschen spielte für May eine besondere Rolle, war er doch selbst stets bemüht, mit detektivischem Gespür seinen Gesichtskreis zu erweitern, hinzuzulernen, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das drückt sich durch den Gebrauch des Wortes Forschen in seinen Texten aus.

... und es wäre für einen ungesehenen Beobachter von Interesse gewesen, die Herzensgesinnung der beiden Männer zu erforschen. (102)

... und forschten nach der Richtung, in welche sie sich zu wenden hatten, ... (103)

... und es schien mir, als ob die dunklen Augen mit einem überraschten und ängstlich forschenden Ausdrucke durch die Schleierlücke hindurch auf mir ruhten. (104)

"Sie sind ja Alle fort, um nach der Verschwundenen zu forschen." (105)

"Es war eine leise forschende Hand, welche die Tasten niederdrückte, ..." (106)

"Der heilige Apostel sagt, man solle in dieser Schrift suchen und forschen, da sie das ewige Leben enthalte. Mögest Du Dir dieses Leben daraus erforschen!" (107)

Sie warf ihm einen forschenden Blick zu. (108)

"Forschen Sie, forschen Sie!" (109)

 

12. Psychologie

May sah sich im Alter gern als "Psycholog". (110) Man möchte dies als Lebensweisheit auffassen, um so überraschender ist es, sein Interesse für die Psychologie bereits in den Münchmeyer-Romanen bekundet zu sehen:


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"Ich habe in Regensburg gehört, daß Sie ein sehr geschickter Ringer und Fechter sind, aber für einen Raufbold halte ich Sie nicht. Sie haben sich vielmehr heut geprügelt als - - Lehrer und als Psycholog." (111)

"Sie haben Recht. Wir sind heut von einander geschieden - für immer. Wir können uns niemals wiederfinden; denn eine psychologische Unmöglichkeit ist eben auch eine Unmöglichkeit." (112)

"Als Stylübung einer jungen Dame ist es psychologisch sogar interessant; aber als Gedicht, welches veröffentlicht werden soll, ist es geradezu unmöglich!" (113)

Dort hatte der Graf oft gesessen und sich im Stillen dadurch unterhalten, daß er an den so verschiedenartigen Gesichtern der Gäste psychologische Studien machte. (114)

Er war Psycholog und wußte, daß die jetzt erwartete Antwort von großer Bedeutung sein werde. (115)

"Wir sehen uns heute erst zum dritten Male. Sie müßten ein ausgezeichneter Psycholog sein, wenn Sie mich richtig beurtheilten!"
   "So werde ich Ihnen sogleich Gelegenheit geben, meinen psychologischen Scharfblick kennen zu lernen: Sie haben außerordentlich werthvolle seelische und körperliche Anlagen für die Liebe."
(116)

 

13. Rache

Aus den bitteren Erfahrungen seiner frühen Mannesjahre resultiert Mays immer wiederkehrendes Rachemotiv:

Die Hauptsache war, daß ich mich rächen sollte, rächen an dem Eigentümer jener Uhr, der mich angezeigt hatte, nur um mich aus seiner Wohnung loszuwerden, rächen an der Polizei, rächen an dem Richter, rächen am Staate, an der Menschheit, überhaupt an jedermann! (117)

Man sieht, nicht ohne Grund gab May seinem Waldröschen den vielsagenden Untertitel Die Rächerjagd rund um die Erde; so nannte er die zweite und


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dritte Abteilung des Romans folgerichtig Die erste Rachejagd sowie Der Sieg der Rächer. Die "Rache" ist stets ein fester Bestandteil des Erzähltextes:

Sein Blut kochte förmlich in den Adern; er fühlte sich auf eine Weise gedemüthigt, welche die grimmigste Rache herausforderte ...

Die Rache wurde für später aufgeschoben.

"Alle Teufel! Nun ist Alles aus!"

"Alles! Nur die Rache nicht!"

Es entging ihnen jenes zähe Selbstbewußtsein, welches die Männer besaßen, welche selbst in Ketten sich ihres Werthes vollständig bewußt waren und keinen einzigen Augenblick die Ueberzeugung verloren, daß der Tag der Rache einst ganz sicher kommen werde.

"... Wem eine Rache mehr werth ist, als fünf Millionen, dem darf man Vertrauen schenken. ..."

"Hier ist Alles Tod, Tod, Tod, und das einzige Leben, welches es noch giebt, das ist ein unstillbares Lechzen nach Rache, Rache, Rache!" (118)

Die Rache ist bei May ein ausgeprägtes Motiv, auf das hier leider nicht ausführlich eingegangen werden kann. Es sei aber darauf hingewiesen, daß bereits eine Arbeit zu diesem wichtigen Thema vorliegt. (119)

 

14. Stecken

Dieses Wort setzte May in all seinen mannigfachen Verwendungsmöglichkeiten ein, obwohl zuweilen ein treffenderes Wort angebracht gewesen wäre.

"Herr, habe ich es ihnen nicht fein gesteckt? Habe ich es ihnen nicht deutlich gesagt?" (120)

Die Pflanzen waren kaum vier Fuß hoch. Hinter ihnen konnte der Bettler nicht stecken, außer wenn er sich niedergelegt hatte. (121)


// 35 //

... und ich hob den Dolch auf und steckte ihn zu mir. (122)

Das in niedrigen Schuhen steckende Füßchen ... (123)

Und auch ich rief ihnen, ..., zu, daß sie sich hinter die Bäume stecken ... sollten ... (124)

In der vierten oder fünften Laube gab es eben so dicke Epheugehänge wie in der ersten. Er steckte sich dahinter. (125)

Sie hatte seine Schritte gehört und sich hinter die Gardine gesteckt, denn sie hatte im Begriffe gestanden, ihre Toilette zu wechseln. (126)

 

15. Fliegen

Gelegentlich kombiniert mit "wehen", benutzte May dieses Wort, um rasante Bewegungsabläufe diverser Körperteile oder Kleidungsstücke darzustellen.

... Jungfer Adeline rauschte mit wehendem Morgenkleide und fliegenden Haubenbändern herein ... (127)

..., da sauste es die Gasse herein, und mit fliegender Mähne und wehendem Dolman setzte es über den letzten Wagen weg ... (128)

... kam ihm Toska mit wehendem Haare und fliegendem Gewande entgegen ...
   "So mein Schätzchen," lachte er. "Eine solche kleine Jagd ist interessant, aber entkommen kannst Du mir nicht!"
   "Meinen Sie?" antwortete sie mit keuchendem Athem und fliegendem Busen.
(129)

..., aber in demselben Augenblicke stand sie bei ihm, mit wallendem Busen und fliegendem Athem. (130)


// 36 //

16. Elektrische Spannungen und Magnetismus

Mays Erzählungen waren für das 19. Jahrhundert in vielerlei Hinsicht fortschrittlich. Er war ständig um Aktualität bemüht. So ist es nicht verwunderlich, daß er in seinen Texten naturkundliche Phänomene geschickt unterbrachte.

"Electrisiren?" fragte er. "Was ist das?"
   "Das weißt Du nicht? So muß ich es Dir erklären. Man reibt nämlich das Messer mit dem Fell und hält dann das Erstere hier an diesen Draht. Das nennt man electrisiren."
   "Das verstehe ich auch nicht. Was geht mich der Draht an!"
   "Dann fährt der electrische Funke im Drahte weiter bis in den Kiosk des Gebetes, wo die Patrone liegt, und zerschmettert den Herrscher von Tunis."
(131)

Fast wäre ich wie elektrisirt emporgesprungen. (132)

Dieses Wort elektrisirte mich. (133)

... das Geräusch des klirrenden Schlüssels schien ihn elektrisch zu durchzucken ... (134)

Sie streckte ihm ihre Hand entgegen, und als er diese ergriff, war es ihnen Beiden, als ob ein elektrisches Fluidum von dem Einen auf das Andere überströme. (135)

... sie umwebt mich wie ein magisches Fluidum ... (136)

Diese Worte durchzuckten ihn wie ein electrischer Schlag. (137)

Ihr leises, leises Flüstern klang wie das Knistern elektrischer Funken durch den stillen Raum. (138)

Berührt man ihren wunderschönen, herrlich geformten, alabasterweißen Arm, so ist es bei Gott, als ob man die vorüberspringenden electrischen Funken knistern hörte! (139)


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Es war nur eine leise, kaum bemerkbare Berührung, aber sie durchzuckte dennoch seinen Körper wie ein magnetisches Fluidum. (140)

Von den warmen, nackten Armen, welche ihn umschlangen, und dem vollen Busen, den er an seinem Herzen fühlte, drang eine Wärme zu ihm über, die ihn wie ein magnetischer Strom durchfluthete. (141)

Während Schakara ihr Haar bewegte, war jenes laut knisternde, ganz eigenartige Geräusch zu hören, welches entsteht, wenn elektrische Fünkchen überspringen. (142)

Der Lauscher unter der Treppe hörte jedes Wort; er hörte jetzt auch das leise, galvanische Geknister der Küsse. (143)

Fast alle Beispiele gehen indirekt auf den zeitgenössischen Spiritismus zurück. Über May ist bekannt, daß er als kritischer Beobachter, durch seine Frau Emma angeregt, an diversen Sitzungen teilnahm. (144) Damals war die Lehre vom sogenannten "Tischrücken und Geisterklopfen" lebhaften Anfeindungen durch die Presse ausgesetzt. Befürworter versuchten dagegen, nicht erklärbare Phänomene des Spiritismus wissenschaftlich zu untermauern. Man brachte das Nervenfluidum, "Od" genannt, ins Spiel. Meyers Konversationslexikon schrieb hierzu:

"Od, eine eigenthümliche, zwischen Elektricität, Magnetismus, Wärme und Licht stehende Kraft, welche der Freiherr Karl von Reichenbach entdeckt haben will. Das Od soll nach ihm eine eigene Gruppe sinnlich wahrnehmbarer Vorgänge veranlassen, für die wir bis jetzt weder ein Maß, noch ein Reagens haben als den menschlichen Nerv und auch diesen nur unter den eigenthümlichen Umständen der sensitiven Reizbarkeit. Das O. soll von diesen sogen. Sensitiven durch das Allgemeingefühl, durch die Zunge und durch das Auge empfunden werden, ..." (145)

Mays Romantexte zeugen demzufolge von einer intensiven Beschäftigung mit dem heute längst vergessenen Nervenfluidum.


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17. Pulsiren

Vielleicht eine Reminiszenz an Mays Traum, Arzt zu werden, ist die Verwendung des Wortes "pulsiren":

... der junge Mann erblickte das unvergleichliche Profil eines Angesichtes, dessen Schönheit ihm das Blut siedend durch die Adern pulsiren machte. (146)

Ich fühlte neue Kraft, neues Leben durch die Adern pulsiren, ... (147)

"Auch durch meine Adern pulsirt eine Woge jenes Meeres, ..." (148)

... da in Folge seiner Fesselung das Blut noch nicht in der früheren Weise durch die Adern pulsirte. (149)

 

18. Heiligthum und Entweihung

Auffallend ist auch der häufige Gebrauch der Begriffe "Heiligthum" und "Entweihung", die Karl May durchaus unterschiedlich verwendet, sowohl im ernsthaften als auch im humorvollen und sogar im kitschigen Sinne.

Hinter ihr flog ein großer, nasser Hader, der so vortrefflich gezielt war, daß er ihre kleinen, wirren Knackwurstzöpfe erreichte und sich sehr liebevoll um ihr ehrwürdiges Haupt herumschlang. Zugleich ertönte aus dem Innern des auf solche Weise entweihten Heiligthums die Stimme von Hadschi Halef Omar hervor:
   "Warte, alter Drache!" rief er; "Du sollst mir noch einmal über meinen guten Kaffee kommen!"
(150)

"... er hat eine ganz werthvolle Bibliothek hinterlassen, und seine liebsten Bücher waren ihm die Eurigen. Ich kann sie nicht lesen; aber ich kenne ihre Titel und habe sie als Heiligthum hier in meinem Zimmer aufbewahrt." (151)

Jetzt war er gegangen, um das Nöthige selbst anzuordnen, denn keiner seiner Diener durfte ahnen, daß er einem Fremden Eintritt in das Heiligthum verstatte. - (152)


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"... und wenn Sie mein Arbeitskabinet betreten wollten, so könnte ich Ihnen den sichersten Beweis für diese Behauptung liefern."
   "Für ein solches Heiligthum dürfte mein Fuß doch vielleicht zu profan sein."
(153)

Den Beschauer überkommt das Gefühl, als habe er eine Entweihung begangen, als sei er unberufen in ein Heiligthum getreten, welches er bei Todesstrafe nicht betreten dürfte. So war es auch hier. Ich sah in ein Gesicht ... (154)

Die seidene Schleife des Schlafnegligés war aufgegangen - er wendete den Blick ab, um dieses Heiligthum einer schönen, reinen Jungfräulichkeit nicht zu entweihen ... (155)

Er trug sie nach dem Sopha und öffnete ihr das dunkle Kleid, damit ihre Brust besser zu athmen vermöge. Er tauchte sein Taschentuch in Wasser und kühlte ihr Stirn und Schläfe ... Sie bemerkte nicht, daß er ihr Kleid geöffnet hatte, und daß sein Auge einzudringen vermochte in ein Heiligthum, welches noch von keinem Blicke entweiht worden war. (156)

In diesem kleinen, zärtlichen Kampfe kam seine linke Hand auf ihre Brust zu liegen. ... Er selbst erschrak über sich. Er fühlte ganz deutlich, daß eine tiefe, tiefe Gluth sich über sein Gesicht verbreitete. Es war im, als habe er ein hohes Heiligthum entweiht. (157)

 

19. Venus, Kleopatra, Houri, Diana, Hebe, Flora und Juno

Die schillernden Persönlichkeiten aus der griechisch-römischen Götterwelt sowie die besonderen Schönheitsideale einer Kleopatra oder H[o]uri müssen eine faszinierende Anziehungskraft auf May ausgeübt haben. Damit lag er ganz im Trend seiner Zeit. In der Malerei waren damals erotische Reize real existierender Damen nicht salonfähig (158) und wurden daher oftmals durch Gestalten einer entrückten Welt auf die Leinwand gebracht. Karl May flüchtete ebenfalls in Vergleiche:


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"O, sie ist schön, wie die Rose ..., und ihre Stimme klingt, wie der Gesang der Houris." (159)

"O, Sihdi, sie ist wie eine Houri des Paradieses." (160)

"... Du mein Engel, meine Huri, meine Fee?" (161)

"Recht so, meine Venus, mein unvergleichlicher Engel!" (162)

... ein solches Gewand à la Kleopatra ... (163)

"Ich habe sie gesehen, erst verschleiert und dann auch ohne Hülle, wie der Selige im Paradiese die Houris der sieben Himmel erblickt." (164)

"Marga ist eine Venus, eine Göttin, die selbst einen kälteren Mann, als ich bin, verrückt machen könnte ..." (165)

"Sie ist eine Vermählung mit den Göttinnen von Juno, Venus und Flora." (166)

"Ja, sie ist eine wirkliche Schönheit."
   "Eine Venus!"
   "Eine Diana!"
   "Eine Juno!"
   "Pah, sie hat das Göttliche und Menschliche von allen anderen Göttinnen zusammen."
(167)

Sie war das verkörperte Bild einer Juno, einer Hebe, und einer Kleopatra zu gleicher Zeit. (168)

"Himmelelement!" sagte der Maler drin am Fenster. "Ein Engel! Eine Houri aus Muhameds Himmel! Eine Kleopatra! Wer da noch?" (169)

Dabei fuhr sie sich mit der feinen Hand nach der Stirn und verwirrte sich unterwegs in das Negligee, welches sich verschob, daß dem Graf die Schönheit eines Busens geöffnet wurde, um die eine Venus hätte neidisch werden können. (170)


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20. (Be)tasten und (be)fühlen

Die Texte eines ehemaligen Blinden enthalten viele Berührungspunkte:

So schmutzig der Balzer aussah, der König legte ihm doch die Hand prüfend auf das wirre Haar. ... Der Letztere betastete mit den Fingerspitzen den Kopf. Balzer duldete es, ohne eine Miene zu verziehen. Plötzlich aber schrie er laut auf. Der König hatte eine Stelle getroffen, welche schmerzte. (171)

Die Büchse war nicht zu sehen. Ich hatte keine Zeit, sie mühsam dadurch zu suchen, daß ich den Boden betastete. (172)

Er zog seinen alten Beutel, suchte drei Geldstücke hervor und gab sie dem Knecht. Dieser befühlte das Geld mit den Fingern, um zu erfahren, wie viel es sei. (173)

Tschita horchte. Sie hörte seine sich langsam entfernenden Schritte. ...; dann tastete sie nach dem Ringe, der ihr beschrieben worden war. (174)

Da lag ein Thier, riesig groß und lang und dicht behaart, grad wie ein Bär. Das Flämmchen erlosch; es war nun wieder dunkel. Welch ein Thier war das? ... Ich ... bückte mich nieder und befühlte das Thier. (175)

Dann ging sie in ihre "nackte Stube", zog sich aus, setzte sich vor dem Spiegel auf den Nachtstuhl und betastete und bewunderte sich stundenlang, bis der Schlaf sie endlich zwang, sich niederzulegen. (176)

Da stand sie nun, hoch und schlank, vor Scham bebend und doch stolz wie eine Fürstin. Das durchsichtige Gewand ließ ihre ganze Gestalt erkennen. Denn das blendend weiße Fleisch der vollen, üppigen Formen leuchtete durch die feinen Maschen. Der Sultan fühlte sich bei allen Sinnen gefangen.
   "Darf ich sie berühren?" fragte er.
   "Ueberzeuge Dich, wie schön sie ist," nickte der Emir.
   Nun befühlte der Herrscher die Arme und Schenkel, die Schultern und den Busen; er betrachtete die feinen Hände und die nackten Füßchen. Sie konnte sich nicht wehren; sie mußte dies Alles mit sich geschehen lassen, und es bedurfte ihrer ganzen Anstrengung, sich aufrecht zu erhalten und nicht vor Scham zusammenzubrechen.


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"Was kostet sie?" fragte nun der Sultan.
   "Fünftausend Aschrafi," antwortete der Händler.
(177)

Der Herrscher befühlt zunächst Arme, Schenkel, Schultern und Busen, erst dann betrachtet er die feinen Hände und die nackten Füßchen; was es damit auf sich hat, werden wir noch später erfahren.

 

21. (Sinn)berückend

Alle Wahrnehmungen, welche geeignet sind, in irgend einer Form die Sinne zu erregen, waren für Karl May bedeutsam; seine frühkindliche Erblindung hat auch hier ihre dauerhaften Spuren hinterlassen.

So wenig Sympathie man für den männlichen Theil der levantinischen Christen hegt, so berühmt sind die Frauen der Levante wegen ihrer oft geradezu sinnberückenden Schönheit und ihrer Herzenseigenschaften ... (178)

"Wie oft habe ich die Klinge schon hinter ihr gezückt und sie doch wieder in die Scheide gestoßen, weil mich ein einziger Ton ihrer berückenden Stimme wieder in die alten Banden schlug." (179)

Diese hatte den prachtvollen Arm, welcher berückend unter dem leichten, seidenen Gewebe hervorschimmerte, auf die Balustrade gelegt ... (180)

Welch' süßer, lieblicher, sinnbethörender Duft strömte und fluthete doch hier um mich! (181)

 

22. Reseda

In den alten Zeiten, wo das diskrete Parfümieren von Räumen noch als eine Kunst betrachtet wurde und man keine ekelerregenden Sprays benutzte, da sog man den feinen, sinnberückenden Duft exotischer Pflanzen ein. Reseda odorata, auch Duftresede genannt, spielte hier keine unbedeutende Rolle.


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Der künftige Kaiser Napoleon Bonaparte soll während des Ägyptenfeldzuges 1798/99 auf sie aufmerksam geworden sein. Er wußte, seine geliebte Josephine bevorzugte ausgefallene Parfüms, deshalb übermittelte er ihr diese erregende Duftkomposition in Form einiger Samenkörnchen. (182) So verhalf Napoleon einer neuen Duftpflanze zum Einzug in die Pariser Salons. Schon bald darauf etablierte sich die Reseda auch außerhalb Frankreichs. Heutzutage ist sie leider in Vergessenheit geraten. Man findet sie nur noch vereinzelt in Gärten vor, als Parfüm hat sie ausgedient. Für Karl May wäre dies kaum zu verstehen, hatte er doch eine ganz besondere Schwäche für die Reseda, so daß er wahrhaftig eine seiner Romanfiguren nach ihr benannte:

"Welchen Geschmack habt Ihr den eigentlich in Beziehung auf die Blume?"
   "Ich liebe die Reseda am Meisten."
   Er gab diese Antwort, weil er bereits wußte, daß die Tochter Resedilla hieß.
(183)

Auch anderswo bekundet May seine Vorliebe für die Reseda. Ob vielleicht seine erste Frau Emma jenes Parfüm benutzte, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben.

"... sie duftet wie die Blüthe der Reseda ..." (184)

Auch hier bemerkte er den feinen Duft, welcher ihm bereits aufgefallen war; es konnte nichts anderes sein als Reseda, vermischt mit einem anderen leisen orientalischen Parfüm. (185)

... und aus dem Garten drang der süße Duft der Reseda herauf zum geöffneten Fenster, ... (186)

Margot hielt die Hände wie zum Gebete gefaltet, aber nicht zu einem Gebete, welches sich in Worte kleidet, sondern zu jenem Gebete, welches unbewußt aus dem Auge blickt, von der Wange strahlt, um die Lippen lächelt und um den ganzen Menschen weht, wie der süße, reine Duft den Kelch der bescheidenen Resedablüthe umzittert. (187)

... er kniete nieder und küßte die Stelle, auf welcher sie gesessen hatte und von welcher noch der feine Resedaduft ausströmte, den sie so sehr liebte. (188)


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"Ganz wie Treibhausblumen, ah! Aber wo? Vielleicht draußen im Cabinet!"
   Er sog den Duft ein. Es war wie Veilchen und Reseda.
(189)

 

23. Schwellen

May zeigt hier, wie virtuos man ein und dasselbe Wort verwenden kann:

Ein steifer Nordost wehte und schwellte die Segel ... (190)

...  flüsterte er aus überschwellendem Herzen ... (191)

... er hätte um keinen Preis der Erde die Fülle von Ahnungen und unbewußten Wünschen, welche seine Brust schwellten, hingegeben. (192)

... und schlief nach langer Zeit zum ersten Male wieder zwischen schwellenden Federn. (193)

Auf dem reichen schwellenden Sammetpolster ruhte ein Wesen ... (194)

..., dessen glänzendes, dunkelbraunes Haar das edle Oval ihres Gesichtes einrahmte und in schweren, ungezwungenen Locken auf die schwellenden Schultern niederfiel. (195)

Er drückte sie noch inniger an sich und küßte sie wiederholt auf die schwellenden Lippen. (196)

Diese May-typischen Beispiele sind übrigens in Texten, die vor den Münchmeyer-Romanen entstanden sind, zu finden. Weitere Zitate mit "schwellen" folgen - in einem anderen Zusammenhang - auf S. 51.


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III. Mays Erotik


1. Einstimmung

Es gibt eine ganze Reihe von Werken erotischer Literatur, von der Kritik hoch angesehen und gewürdigt. Bereits im 10. Jahrhundert existierte eine frühe, orientalische Sammlung von "Tausendundeiner Nacht". Der Italiener Boccaccio setzte weitere Maßstäbe mit seinem Werk "Decamerone". Viel später gab es die Lebenserinnerungen eines Giacomo Girolamo Casanova. Auch Goethe trug zur erotischen Literatur bei. Bezeichnet man aber diese literarischen Erzeugnisse als "abgrundtief unsittlich" oder gar pornographisch? Wohl kaum! Karl May wurde dies vorgeworfen, dabei reichen nicht einmal die erotischsten Passagen seiner Münchmeyer-Romane an die genannten Vorbilder heran. Dennoch soll es heute nicht wenige geben, die in das feindselige Kesseltreiben Hermann Cardauns' mit einstimmen, wenn sie auch alle Schuld dem bösen Münchmeyer geben. Wer jedoch die Originalfassung des Doppelromans Scepter und Hammer/Die Juweleninsel aufmerksam studiert hat, müßte es eigentlich besser wissen:

"Wenn nicht bei 'Für alle Welt' haargenau der gleiche Redakteur saß wie bei Münchmeyer, um den armen Karl May die ungewollt komischen Schlüpfrigkeiten in den Text zu schmuggeln, dann sind sie wohl doch von ihm selbst." (197)

Selbstverständlich muß hier nicht besonders betont werden, daß in Stuttgart und Dresden verschiedene Redakteure beschäftigt waren, sonst hätte für das Blatt "Frohe Stunden" ebenfalls derselbe Redakteur tätig sein müssen, und der hieß eindeutig - Karl May. In seiner gesamten schriftstellerischen Laufbahn hat er streng genommen nie etwas sittlich Unreines geschrieben. Mays Erotik beschränkt sich vorwiegend auf die Schilderung weiblicher Reize. Gelegentlich kommt es zu - meist dezenten - Berührungen sowie einigen Kußszenen. Liebesdialoge spiegeln in der Regel die seelische Seite der Liebe wider und sind nicht von sinnlich-geschlechtlichem Charakter. Kommt es einmal zu


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sexuellen Straftaten, werden sie in keiner Weise verherrlicht, sondern finden stets die gerechte Strafe.

Klaus Hoffmann ging als erster May-Forscher in seinem kenntnisreichen Waldröschen-Nachwort auf mögliche Interpolationen ausführlich ein. Er entdeckte, daß der ebenfalls für den Münchmeyer-Verlag tätig gewesene Schriftsteller Paul Staberow in Stil und Schreibweise May sehr ähnelte:

"Pikante Stellen aus Staberows Roman ELSA, DIE TOCHTER DES WAFFENSCHMIEDES (1897), ... finden sich fast wörtlich in WALDRÖSCHEN und in den anderen Romanen Mays! ... Staberows Kolportageroman Elsa (100 Lieferungen) ist von der Anlage her eine Synthese aus der LIEBE DES ULANEN und WALDRÖSCHEN." (198)

Klaus Hoffmann sah dies darin begründet, daß sowohl der deutsch-französische Krieg 1870/71 als auch die Mexiko-Ereignisse um Benito Juarez von beiden Autoren thematisiert wurden. Da er gleichermaßen bei Staberow und May den Ausdruck "schwellende Formen" für erotische Reize fand, vermutete er bei beiden, May wie Staberow, den gleichen Bearbeiter, etwa Walther. Um es vorweg zu nehmen: Hoffmanns These ist nicht länger haltbar! Staberow dürfte von Pauline Münchmeyer vielmehr den klugen Auftrag erhalten haben, einen Roman im Stile der beiden Bestseller Waldröschen und Die Liebe des Ulanen zu schreiben; seine Synthese "Elsa" ist folglich eher ein Plagiat. Als Adalbert Fischer zwei Jahre später (1899) den Münchmeyer-Verlag übernahm, sah er in Staberow einen Sachkenner, der sich geradezu anbot, Mays Kolportageromane für die Neuausgabe umzuarbeiten.

"Oftmals drängt sich bei der Feststellung des Austauschs einzelner, für sich meist gar nicht verfänglicher Worte die Vermutung auf, Staberow habe diese sehr subtilen Änderungen nur an Hand der Originalmanuskripte Mays bewerkstelligen können." (199)

Dem muß entgegengehalten werden, daß Schriftsteller zuweilen gern eigene Akzente setzten, der Austausch einzelner Worte bedeutet nichts Ungewöhnliches. Nebenbei bemerkt wurden die Originalmanuskripte bereits kurz nach der ersten Drucklegung vernichtet. Mag dies auch noch so bedauerlich sein, Münchmeyer handelte absolut branchenüblich; selbst May äußerte:

Das hielt ich zwar nicht für ordnungsmäßig, doch aber für begreiflich, da 26000 Seiten viel Platz verlangen, um aufbewahrt zu werden. (200)


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Was auf diesen Seiten wirklich stand, will ich im nachfolgenden versuchen zu rekonstruieren. Zunächst zeige ich die Ingredienzen in Mays erotischem Schaffen auf; dabei werden die bisher gewonnenen Erkenntnisse zu Mays Wortgebrauch herangezogen und ergänzt.

 

2. Berückende Damenskizzen

Die Gestalt dieser Dame war voll, aber nicht unschön, üppig, obgleich ein pedantischer Kritikus vielleicht gesagt hätte, daß der Busen, welcher seine sommerlich leichte Hülle zu zersprengen drohte, die Blicke der Männer ein ganz klein Wenig zu sehr auf sich zu ziehen vermöge. (201)

Gleich auf der zweiten Seite findet sich im Ulanen diese Beschreibung der Marion de Sainte-Marie. Man könnte also auf den Gedanken kommen, Münchmeyer hätte interpoliert, um den Beginn eines neuen Romans aufzuputzen, was aber prinzipiell ein ungeheures Wagnis des Verlegers voraussetzten würde, da die Blicke eines jeden Autors naturgemäß intensiv auf die allerersten Seiten seines gedruckten Werkes fallen müssen: die Gefahr einer Entdeckung wäre viel zu groß!

Zunächst weist jedoch lediglich ein pedantischer Kritikus mit der bereits besprochenen Us-Endung auf May selbst hin. Darüber hinaus ist das hier gebrauchte "pedantisch" kein Einzelfall:

Sie zog die Brauen empor und bemühte sich, die strenge gelehrte Miene eines pedantischen Lehrers anzunehmen. (202)

Die Busenfülle hingegen kann man auch inmitten der Münchmeyer-Romane bewundern, wo es überhaupt nichts mehr aufzuputzen gab und, wie noch dargelegt werden wird, wichtige Gründe dafür sprechen, daß Mays Manuskript oftmals im letzten Augenblick den Setzer erreichte.

Und sie stand hinter der ihrigen, holte tief Athem, hielt die Hände über dem Busen gefaltet, der seine Hülle beinahe zersprengen wollte, ... (203)

Sie mußte die Hand auf den vollen Busen legen, damit derselbe nicht so unruhig woge und vielleicht gar das Mieder zersprenge. (204)


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Er brauchte nur den Blick zu senken, so fand er Halt an dem üppig vollen Busen, welcher den Stoff des Kleides zu zersprengen drohte. (205)

Umso mehr traten die vollen Arme, der schlanke und doch fleischige Hals und besonders der herrlich gebildete Busen hervor, über welchem silberne Spangen besorgt zu sein schienen, das Platzen des Mieders zu verhüten. (206)

Während der letzte Teil dieses Satzes eher komisch wirkt, macht der Verfasser sich im folgenden Satz über die "vollen Formen" gewollt lustig:

Ihre vollen Formen wollten fast die ganze Taille zersprengen; ... (207)

In der Beschreibung der künftigen Sängerin Magdalena Berghuber wird die Wirkung des Wortes "sprengen" durch die feinen Plissees gemildert:

Das dunkelgrüne Sammetmieder war tief ausgeschnitten, so daß über den drei silbernen Spangen, welche es zusammen hielten, die ganze Fülle des Busens zu sehen war, welcher, wenn sie während des Gesanges tief Athem holte, die feinen Fälteleien des weißen Hemdes zu sprengen drohte. (208)

Im Verlornen Sohn heißt es in einem völlig unerotischen Abschnitt:

Dazu fiel der Kranke in ein Husten, welches ihn zu zersprengen drohte. (209)

Beweist nicht die folgende Passage in der Humoreske Auf den Nußbäumen ein weiteres Mal Mays Urheberschaft an den beanstandeten Stellen?

Auch der Reiter schien im Unklaren sein, was er mit seinen Beinen anzufangen habe, und da sie in seiner nächsten Nähe jedenfalls am Besten aufgehoben waren, so hatte er sie mit Hülfe der kurzgeschnallten Steigbügel so viel wie möglich in die Höhe gezogen und seinem runden Bäuchlein damit einen unbezahlbaren Dienst geleistet, denn dasselbe hatte, weil es ihm unter dem bunten Rocke zu eng wurde, einige Knöpfe desselben losgesprengt und legte sich nun mit vertrauensvoller Bequemlichkeit auf die über den Rücken des Pferdes emporragenden Kniee seines geliebten Herren. (210)

Schließlich stoßen wir auch in Scepter und Hammer auf eine May-spezifische Wendung mit "sprengen":

Was seit jenen schweren Tagen tief in seinem Inneren vergraben gewesen war, in diesem Augenblicke sprengte es seine Hülle und bäumte sich mit Riesengewalt


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empor, hochauflodernd wie ein Feuer, welches durch den Zutritt der Luft neuen Raum und neue Bahnen gewinnt. (211)

Unverkennbar ist somit die Verbindung zu Marion de Sainte-Marie, deren sommerlich leichte Hülle zu zersprengen drohte. Solche Formulierungen, hervorgebracht durch die Literatur (212), hatten mehr den Anstrich von Ironie und Komik als von Unsittlichkeit.

"Evis Wangen glühten, ihre Pulse flogen; der Athem stockte, und der Busen schien das Mieder sprengen zu wollen, dennoch gewann sie es über sich und vermochte gelassen zu antworten." (213)

Der Verfasser dieser Zeilen, Hermann Schmid, feierte in der "Gartenlaube" mit "Almenrausch und Edelweiß" große Erfolge. Er gehörte zu den begehrtesten und anerkanntesten Schriftstellern seiner Zeit. 1876 verlieh man ihm sogar den Adelstitel.

Wie bereits erwähnt, wurde May von "Almenrausch und Edelweiß" stark inspiriert. (214) Busen, die Mieder zu sprengen drohen, sind in seinen Kolportageromanen daher ein beliebtes Motiv. (215) Mays Pech war, daß man in der "Gartenlaube" keinen Anstoß an derlei Formulierungen nahm, während sie bei Münchmeyer als "abgrundtief unsittlich" galten.

"Ihre vollen, halbnackten Brüste blähten sich vor Erregung und drohten das Mieder zu sprengen, und ihre aufgerafften Röcke ließen die breiten Hüften noch breiter erscheinen." (216)

Auch dieses Mieder-Zitat stammt nicht von May, sondern von dem Schriftsteller Gerhart Hauptmann, der vielleicht, als er 1887 seinen "Bahnwärter Thiel" verfaßte, kurz vorher einen Blick in den "Deutschen Wanderer" geworfen hatte. Noch im Jahr 1911 gebrauchte der Erfolgsschriftsteller Hanns Heinz Ewers in seiner "Alraune" dieses effektvolle Sujet:

... ihr Atem keuchte, ihre mächtigen Brüste drohten das Mieder zu sprengen. (217)

Jetzt ist es an der Zeit, einmal solche Damenreize Mays unter die Lupe zu nehmen, die fern von Münchmeyers Verlagsproduktion entstanden:

... unter dem dunklen Jäckchen blickte das sammetne Mieder hervor, dessen Ausschnitt verrätherisch das feingefältete, blüthenweiße Hemde frei gab, welches sich in


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seiner Krause um den schönen Hals legte und eine wundervolle Büste leicht verhüllte. (218)

Sie trug heut eine Kleidung, welche die Schönheit und Fülle ihrer Formen noch mehr hervortreten ließ als das gestrige Hausgewand. (219)

... über den vollen Busen hob sich auf einem schneeig zarten Halse, ihr kleiner, wunderbar schön geformter Kopf, ... (220)

Sie trug ein einfaches weißes Negligékleid, welches sich schlafrockähnlich um die üppig vollen Formen legte und nur mit einem schmalen blauseidenen Gürtel um die Taille befestigt war. ... Der dünne Stoff legte sich verrätherisch eng an die Hüften und Beine ..., so daß es ganz den Anschein hatte, als sei diese Dame eine jener Phrynen, welche es verstehen, durch eine raffinirte Toilette ihre Reize zu verdoppeln und ihr Opfer unwiderstehlich zu fesseln, wie die Schlange, welche mit ihrem Blicke den unschuldigen Vogel bezaubert, daß er ihr nicht zu entfliehen mag. (221)

Das leichte, durchsichtige Gewand ließ die herrlichen Formen mehr erblicken als errathen, und die Weise, wie das schöne Wesen sich in seine Arme schmiegte, hätte wohl auch einen Anderen, als er war, nicht kalt gelassen. (222)

Sie lernte die Männer verachten und verspotten, die für den Anblick zweier Milchdrüsen auf Gesundheit, Geld und Ehre verzichten. (223)

All diese Beispiele dokumentieren: leicht verhüllte, üppige Formen zeigt May gleichermaßen anderswo! Ich wende mich jetzt einem weiteren Streitpunkt zu:

Er sah nur diese Augen, diese unter der Seidengag[z]e schwellenden Formen; er befand sich wie im Traume, ... (224)

Klaus Hoffmann vermutete bekanntlich in den "schwellenden Formen" eine Interpolation:

"Auch hier sind Münchmeyers wohlbekannte 'Stapfen' sichtbar: Dem ehemaligen Lehrer May wäre dieser orthographische Fehler sicher nicht unterlaufen, dem Setzer möglicherweise, dem Bearbeiter ganz bestimmt." (225)


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Jeder Münchmeyer-Roman enthält unvorstellbar viele Schlampereien, - Druckfehler, die kaum zählbar sind, insbesondere bei fremdländischen Eigennamen:

Das ist ja der Hauptort von Yavahai County im Territorium Arig[z]ona! (226)

Wenn Hoffmann recht hätte, müßte dieser orthographische Fehler, der gleiche wie oben, wieder auf den Bearbeiter zurückzuführen sein. Aber daß dieser "Arizona" in den Text hineingeschmuggelt haben soll, dürfte gänzlich ausgeschlossen sein. Auf die fatalen Irrtümer der Münchmeyer-Schriftsetzer werde ich später noch ausführlich eingehen. (227)

Die folgenden nicht durch Münchmeyer beeinflußbaren Textbeispiele zeigen einmal mehr Mays Gebrauch des Wortes "schwellen"

Sie mochte kaum siebzehn Jahre zählen, aber ihre Formen waren beinahe diejenigen eines vollendeten Weibes, schwellend und üppig ... (228)

Sie bog sich in die weiche Lehne zurück, schloß die Augen und träumte süße, holde Bilder, die ihrem selig ahnenden Herzen entstiegen und ihren reinen Busen höher schwellen ließen. (229)

Sie erhob sich ebenfalls wie er und wand sich den Gürtel von den schwellenden Hüften. (230)

... und zu ihr sprach mit sanfter, wohltönender Simme, deren Klang tief in ihr Herze drang und ihren jungfräulichen Busen erschwellen ließ ... (231)

Lieblingswörter Mays sind die eigentlich klischeehaften Adjektive herrlich und prächtig. Man findet sie typischerweise auch in den erotischen Beschreibungen:

Sie lag regungslos auf dem Rücken und hatte die Augen geschlossen. Durch diese Lage wurde der herrliche Busen hervorgehoben, auf dessen schöner Formung Müller's Blicke trotz der Gefahr, in welcher er schwebte, immer wieder zurückkehrten. (232)

Sie pflückte eine nahestehende Rose ab und enthüllte dabei einen Arm, dessen herrliche Formen ihm die Pulse schneller klopfen machten. (233)


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Den schlanken und doch vollen Oberkörper bedeckte eine rothe, mit Gold gestickte türkische Jacke, unter welcher ein blausammetnes, von massiven Silberspangen verschlossenes Mieder die herrlichste Büste mit einer Taille verband, die man mit den Fingern zu umspannen vermochte. (234)

Da lag sie, so herrlich und prächtig, wie er trotz ihrer Schönheit sie sich niemals hätte ausmalen können. (235)

Jetzt aber war es, als ob die Decke ihr zu schwer werde. Sie zog die Arme unter derselben hervor und man konnte nun die immer noch prächtige Büste und den üppigen Bau der Arme bewundern. (236)

Sie war nur mit einem leichten Gewande bekleidet, welches sich so eng an ihre vollen herrlichen Formen schmiegte, daß er deutlich das Klopfen an seinen Schläfen hören konnte. (237)

Der Gebrauch von herrlich und prächtig bleibt, wie angedeutet, nicht auf erotische Szenen beschränkt. Sir David Lindsay werden von May die Worte Herrlich! Prächtig! in den Mund gelegt (238), der italienische Konzertmeister Rialti bevorzugt in seinem gebrochenen Deutsch herrlick und prächtick. (239)

Zum Schluß dieser Betrachtungen sei noch auf eine Theaterveranstaltung im Weg zum Glück hingewiesen. Dort gibt es: herrliche, herrliche Leute; herrliche Freskogemälde; die prächtig aufgeputzte Barbara; herrliche Musikstücke; ein herrliches, rechtes Bein und nicht zu vergessen, einen prächtigen Busen. (240)

 

3. Kußforderungen

"... Ich bitte um einen Kuß, Hoheit!"
   "Frecher! Gehen Sie!"
   "Einen Kuß!"
   "Ich rufe um Hilfe!"
(241)


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Für das Motiv "Kußforderung" legte May wahre Begeisterung an den Tag; es erscheint auch in den merkwürdigsten Situationen:

"Welch aan lieb's und schön's Vögele! ... Soll er wirklich in den Käfig kommen?"
   "Ja."
   "Aber wenn ich nun recht schön bitt, ihn frei zu lassen!"
   "So kann ich doch net ja sag'n. Der Vater ernährt sich von dem Vogelhandel ..."
   "Dann will ich Dir den Stieglitz abkauf'n!" ...
   "Gibst wirklich dafür, was ich verlang?"
   "Ja"
   "Aber ich werd von Dir kaan Geld fordern. Alma! Die Freiheit ist auch für so aa Geschöpfle mehr werth als kalte, herzlose Münz."
   "Was willst' denn?"
   "Aan Kuß ist's, für den ich Dir ihn geb."
   Eine glühende Röthe ergoß sich über ihr Gesicht.
(242)

"Du darfst mich küssen, Katombo, denn Du bist mein Bruder."
   "Dein Bruder? Ich will den Kuß der Liebe, aber nicht den Kuß einer Schwester!"
(243)

"Nun wohl Alte, ich will mich auch jetzt noch gnädig finden lassen. Ich hetzte den Hund auf diesen Burschen, der sich von Zarba küssen ließ, und er tödtete ihn, weil dann ich sie küssen wollte. Wenn jetzt Zarba vor allen Euren Augen mich dreimal küßt, soll Alles vergeben sein." (244)

"Sage einmal, hast Du bereits einen Schatz?"
   "Sind solche Fragen hier in der Sitte?" antwortete sie.
   "Nicht nur hier, sondern überall. Ich muß wissen, ob Du einen Geliebten hast." ...
   "... Dann will ich Ihnen lieber gleich sagen, daß ich bereits versehen bin." ...
   "Auch gut! Aber einen Kuß hast Du doch wohl auch an einen Anderen übrig?"
(245)

"Wanka, einen Kuß!"
   Sie bot ihm lächelnd die vollen, rothen Lippen. Er zog sie fest an sich und küßte sie wiederholt.
   "Du bist ein listiger Satan, Wanka! ..."
(246)

Mit der skurrilen Romangestalt Franza von Stauffen zeichnet May nicht nur ein spöttisches Bild über die weiblichen Laienautoren damaliger Zeit, sondern er richtet ferner einen Spiegel gegen sich selbst, indem er das


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von ihm überstrapazierte Kußforderung-Sujet ironisiert. Franza, an dichterischer Überspanntheit leidend, will jeden, der ihr sympathisch ist, küssen:

"... Komm her; ich muß Dich küssen!"
   Sie trat auf ihn zu und wollte ihn auf die Stirn küssen. Er wehrte ihr erschrocken ab.
   "Laß sein! Ich mag kein Geschmatz. Ich kenn Dich ja gar nicht."
   "... Ich muß Dir das Wort des Dichters entgegenrufen: 'Dem Verdienste seine Kronen!' Komm her zu mir, trauter Fex! Ich muß Dich küssen!"
   Sie streckte die Arme nach ihm aus. Er aber sprang ganz erschrocken zurück und rief aus:
   "Himmelsakra! Was will Die mit mir! Fangt sie ein, und sperrt sie hinein ins Spritzenhaus!"
(248)

 

4. Der Kuß

"O, laß mich den Strahl Deiner Augen und den Glanz Deines Angesichtes trinken, Du Holde, Du Reine, Du Unvergleichliche. Laß mich Deine Lippen küssen und dann sterben vor Wonne, vor Entzücken und vor Seligkeit!"
   Er bog sich zu ihr nieder und berührte mit seinem Munde zweimal, dreimal ihre Lippen, ohne daß sie es ihm wehrte. Ihr Angesicht erglühte, aber sie griff weder zum Schleier noch suchte sie sich seinem Arme zu entziehen.
(249)

Sie erglühte noch tiefer. Er konnte sich nicht halten; er zog sie an sein Herz und küßte sie auf die rosigen Lippen.
   "Almah, ich habe Dein gedacht mit heißer Sehnsucht, seit ich Dich damals aus dem Wasser trug. Sag, o sag, darf ich, nun ich Dich gefunden habe, Dich festhalten für das ganze Leben?"
   Sie neigte ihr Köpfchen an seine Brust.
   "Arthur, Du darfst!"
   "Habe Dank, Du liebes, Du süßes, Du herrliches Wesen!"
   Er zog sie fester an sich und küßte sie wieder und immer wieder.
(250)


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Küsse nach diesem Grundmuster, wie hier aus Scepter und Hammer, wird man in den Münchmeyer-Romanen stets wieder begegnen. Zuweilen geht es dort recht geräuschvoll zu:

Er nahm sie bei der Taille, zog sie an sich und drückte ihr einen schallenden Kuß, den sie auch ruhig litt, auf die Lippen. (251)

Sie lachte hell und munter auf, schlang die Arme um seinen Hals und gab ihm einen - zwei - drei schallende Küsse. (252)

May war stets ein glühender Bewunderer des Märchens. Nicht nur sein Werk, auch sich selbst wollte er gern als solches verstanden wissen. In seiner Selbstbiographie findet sich deshalb folgende aufschlußreiche Äußerung:

Ich brauche nur die Augen zu öffnen, so sehe ich sie aufgespeichert, diese Hunderte und Aberhunderte von fleischgewordenen Gleichnissen und nach Erlösung trachtenden Märchen. In jeder Zelle eins und auf jedem Arbeitsschemel eins. Lauter schlafende Dornröschen, die darauf warten, von der Barmherzigkeit und Liebe wachgeküßt zu werden. (253)

Das Sujet vom Wachküssen à la Dornröschen erwähnt May nicht grundlos, er gebrauchte es tatsächlich gleich an mehreren Stellen:

Er legte sie vorsichtig in' s weiche Moos nieder und wollte sich entfernen, ...; aber als er noch einen Blick zurückwarf auf die Daliegende, wurde er von dem Zauber ihrer Schönheit so erfaßt, daß er wieder zurückkehrte und neben ihr niederkniete.
   Er nahm ihr schönes, von weichen, blonden Locken umwalltes Köpfchen in seine Arme und drückte Kuß um Kuß auf die jetzt bleichen Lippen, gerade so wie damals, als sie in der Höhle des Felsenbruches vor ihm lag und dann bei dem Erwachen vor Zorn erglühend aufgesprungen war.
   Auch jetzt schlug sie die Augen, diese wunderbaren Augen auf; aber nicht zornig blickte sie, als sie seinen Kuß fühlte, sondern selige Freude leuchtete aus ihnen, und beide Arme schlang sie, ihn fest an sich ziehend, um seinen Nacken.
(254)

Das leichte Gewand war durchnäßt und legte sich eng an die wunderbar schöne Gestalt; ... Ich nahm sie in die Arme, strich ihr das lange, reiche, aufgelöste Haar aus der Stirn, rieb ihr die zarten Schläfe, legte, um der regungslosen Brust Athem zu geben, meinen Mund auf ihre Lippen, rief sie bei den zärtlichsten Namen, die ich jemals gehört, und - da ging ein Zittern über ihren Körper erst leise, dann immer be-


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merkbarer; ich fühlte das Klopfen ihres Herzens, trank den Hauch ihres Athems, sah die langen, seidenen Wimpern sich öffnen - sie lebte, sie erwachte, sie war dem Tode entgangen!
   Ich drückte sie an das Herz und küßte vor seliger, unendlicher Freude die sich mehr und mehr erwärmenden Lippen.
(255)

Die letzten beiden Zitate sind original Karl May. Man beachte jetzt folgenden Abschnitt aus Die Liebe des Ulanen !

Da lag sie bleich und regungslos. Das nasse Gewand legte sich eng an die herrlichen Glieder und ließ die Formen derselben so deutlich erscheinen, als ob sie unbedeckt seien. Müller achtete nicht auf den Regen; er vergaß das Brausen des Sturmes und das Brüllen des Wassers; er sah nur die Heißgeliebte vor sich. Er ließ sich neben ihr nieder, nahm ihren Kopf in den Arm und legte seine Lippen auf den Mund, welcher, leise geöffnet, die köstlichen Zahnperlen sehen ließ. Er küßte, küßte und küßte sie wieder und immer wieder, bis er fühlte, daß ihre Lippen warm wurden. (256)

Beweist die direkte Gegenüberstellung nicht, daß Karl May, der Verfasser des Old Firehand-Textes, auch der Verfasser der Stelle aus dem Ulanen ist? Hier mag noch auf ein leidiges Thema eingegangen werden, das die Münchmeyer-Romane nur am Rande berührt. Es herrscht in einigen Kreisen die Meinung vor, Karl May sei homosexuell gewesen. Diese Ansicht beruht auf den nicht haltbaren, vermutlich auch nie ernstgemeinten Thesen des Schriftstellers Arno Schmidt in seinem Buch "Sitara und der Weg dorthin". Obwohl wissenschaftlich längst widerlegt (257), findet man seine Satire als Tatsache weitergetragen, um May abzuqualifizieren! (258)

Walther Ilmer nahm zu der angeblichen Homosexualität Mays wie folgt Stellung:

"Im Überschwang der Gefühle küßt Old Shatterhand seinen Blutsbruder Winnetou gern und jubelnd ...; wer wollte das bestreiten?

Er gab sich gar nicht die Mühe, sein Pferd im Laufe anzuhalten; er ließ die Büchse zur Erde gleiten, und schnellte sich, während es an mir vorüberschoß, herab und mir in die ausgebreiteten Arme, um mich an sich zu drücken und wieder und wieder zu küssen.


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    Ja, wir waren Freunde, Freunde in des Wortes vollkommenster und bester Bedeutung, und waren doch einst Todfeinde gewesen! Sein Leben gehörte mir und das meinige ihm; damit ist alles gesagt. Wir hatten uns solange nicht gesehen; ...

... Zu den Zeiten des Entstehens solcher Szenen war man in weiten Teilen Deutschlands offenbar ganz unbefangen gegenüber derartigen 'Zärtlichkeiten'. (Ausgerechnet heute, im Zeitalter der Toleranz, sind sie 'suspekt'.) Dazu gehört illustrierend auch dies:
   Da ich selbst allmählich zu einem Relikt aus vergangenen Zeiten werde, soll eine Gepflogenheit meiner Altvorderen ... exemplarisch 'zur Ehrenrettung Karl Mays' herangezogen werden, bevor sie im Nebel des Vergangenen auf immer versinkt: In den Zweigen meiner kaum noch überschaubar großen Familie, die sich von Nordhessen (szt. Fürstentum Waldeck) über Thüringen und Sachsen ausbreitete, war es eine Selbstverständlichkeit, daß bei Feiern und ähnlichen Zusammenkünften auch die männlichen Mitglieder nach längerer Trennung einander mit herzlicher Umarmung und Kuß begrüßten. Alle meine Urgroßväter und Urgroßonkel, Großväter und Großonkel machten mit, und die wachsende Schar der Onkel und Vettern tat es ihnen nach.
   ... Über Ähnliches aus Bayern, aus Schwaben, aus den Küstenländern weiß ich nicht zu berichten; aber auch dort gab es in den alten Zeiten sicher nicht nur lauter zurückhaltende Männer. Und trau schau: Zu Karl Mays Lebzeiten hat kein Mensch, einschließlich Hermann Cardauns und Fedor Mamroth, Rudolf Lebius und Oskar Gerlach, die ihm doch so gern so viel am Zeug flicken wollten, Anstoß genommen an den Küssen von Held zu Held. Damals geriet ein Mann eben nicht so leicht in Verdacht, seine eigene Spezies der holden Weiblichkeit vorzuziehen, sondern durfte Gefühl zeigen." (259)

Die Quintessenz: Suchen wir doch nicht in jedem Kuß, den May schildert, einen tieferen Sinn. Wer dies dennoch tut, geht fehl:

Der Kuß als Dankzahlung gehört in das Ressort des Finanzministers, der Kuß als Opfer in dasjenige des Cultusministers, der Kuß als Aeußerung einer innerlichen Gesinnung in dasjenige des Ministers des Innern, der Kuß als Friedenszeichen in dasjenige des Kriegsministers und der Kuß als Buß- und Sühnezeichen in dasjenige des Justizministers. (260)


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5. Eifersucht

... und bemerkte dabei, über den Zaun blickend, den Silberheiner mit dem Mädchen, welche noch immer auf dem Felde standen. Beide Fäuste ballend, knirschte er:
   "Dort stehn sie mit 'nander und lach'n mich aus! ..."
(261)

Er mußte sie mit jedem Gedanken seiner Seele lieb gehabt haben, das war aus dem knirrschenden Grimme zu hören, mit welchem er seine letzten Worte sprach. Der Schweiß stand in Tropfen auf seiner Stirn; seine Zähne waren zusammengepreßt, und sogar die aufgetragene Farbe vermochte nicht, das tödtliche Bleich seiner Wangen vollständig zu verdecken. (262)

Er hatte versäumt, die Hand nach diesem Schatze auszustrecken, und nun war ein Anderer gekommen. Er knirrschte die Zähne zusammen und blieb scheinbar ruhig. (263)

Kein Mensch sprach ein Wort mit ihm, und er mußte sehen, mit welcher mehr als schwesterlichen Herzlichkeit Emma mit dem Verhaßten verkehrte. Er knirschte heimlich mit den Zähnen und nahm sich vor, diesen Fremden unschädlich zu machen. (264)

Aus diesen wenigen Beispielen läßt sich ersehen: Zähneknirschen, gelegentlich auch geballte Fäuste, deuten bei May gewöhnlich auf Eifersucht hin.

 

6. Bedrängte Schönheit und Retter in der Not

"O, ich habe schon manches Vögelein gekirrt; auch Sie werden bald zahm werden, wenn Sie eines der Löcher betreten, in denen ich Widerspenstige zu zähmen weiß."
   "Ich werde sterben!"
   "Es stirbt sich nicht leicht."
   "Gott wird mich beschützen und retten!"
   "Meinen Sie? Ich möchte doch wissen, wie er dies anfangen wollte. Wenn ich jetzt zu Ihnen trete und Sie in meine Arme nehme, wie will er Sie da retten? Sie sind schwach; ich bin stark. Ich werde es Ihnen beweisen."


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Er erhob sich und trat auf sie zu.
   "Wagen sie es mich anzurühren!" drohte sie jetzt mit blitzenden Augen. "Ich werde mich vertheidigen."
   "Womit?"
   "Mit meinen Händen, mit meinen Zähnen - -"
   "Pah! Wollen es versuchen!"
   Er wollte sie umfassen, wich aber schreckensbleich zurück, denn die Thüre hatte sich geöffnet, und unter ihr war der General erschienen.
   "Elender!" donnerte dieser.
   Dieses Wort brachte den Prinzen sofort wieder zu sich. Wer sprechen kann, der ist kein Gespenst.
   "Mein Vater, o Gott, mein Vater!" schrie Magda und warf sich in die Arme des Generals, in denen sie bleischwer und leblos hängen blieb.
(265)

Dieser Text stammt aus keinem Münchmeyer-Roman, es handelt sich hier wieder einmal um Mays Juweleninsel. Der kundige Leser hätte jedoch die bedrängte Magda ohne weiteres im Verlornen Sohn vermuten können. Derlei Szenen sind immerfort aus demselben Holz geschnitzt, wie die beiden folgenden Kabinettstückchen dokumentieren; zunächst Die Rose von Ernstthal, dann erneut Die Juweleninsel:

Zitternd und mit niedergeschlagenen Augen stand sie vor ihm; die Gluth der Scham bedeckte ihr Gesicht von der Stirn bis zum Nacken und die bebenden Lippen vermochten vor Angst keinen Laut auszusprechen. Sie fühlte die Gier, mit welcher sein leidenschaftlicher Blick sie verschlang, und wußte sich doch zu schwach zum Widerstande gegen den starken, riesenkräftigen Mann.
   "Also komm, mein Täubchen, und fürchte Dich nicht. Heut darfst Du mir nicht entfliehen, wie Du bisher immer gethan hast!"
   Er zog die Widerstrebende an sich und suchte ihren Mund zu finden. Sie sträubte sich mit allen Kräften gegen die Umarmung des Verhaßten und warf, vor Schreck noch immer wortlos, das verschleierte Auge hülfesuchend im Kreise umher.
   Da ertönte ein scharfer, gellender Pfiff. Ueberrascht ließ der Zudringliche seine schöne Beute fahren und drehte sich um.
   Dort am Haselstrauche stand, ... der Handwerksbursche, und verfolgte mit sichtlicher Befriedigung die Bewegungen des Mädchens, welches das Körbchen ergriffen hatte und beflügelten Fußes davon eilte.
(266)


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Sie versuchte von ihm loszukommen, aber ihre Kraft reichte der seinigen gegenüber nicht aus. Schon spitzte er die Lippen zum Kusse, als er einen Schlag gegen den Kopf erhielt, unter welchem er zu Boden taumelte.
   "Kurt!" rief das Mädchen, ihm die Hände entgegenstreckend. "Du bist es!"
(267)

Und der Lohn für Kurts Heldentat läßt nicht lange auf sich warten:

Er bog sich zu ihr nieder und küßte sie lange und innig auf die rothen Lippen, dann schritten sie, Arm in Arm und dicht an einander geschmiegt dem Schlosse weiter zu. (268)

Fassen wir doch einmal unsere bisherigen Erkenntnisse an Hand eines konkreten Beispiels aus dem Weg zum Glück zusammen, als erstes die Beschreibung:

Die Wunderliebliche hatte ein Bein über das andere gelegt, so daß das kurze Röckchen sich noch höher als gewöhnlich emporgezogen hatte. Ueber den kleinen, kinderzarten Füßchen, welches in niedrigen Schuhen steckte, legten sich weißglänzende Strümpfe um die kräftigen, über das Alter entwickelten Waden, welche bis an die rothledernen Strumpfgürtel zu sehen waren. Oben umschloß eine Taille, welche man mit den Fingern umspannen konnte, obgleich sie aus vollen, runden Hüften herauswuchs, ein rothsammetnes, tief ausgeschnittenes Mieder, von der weißen Krause des Hemdes umsäumt und von breiten, silbernen Schlössern zusammengehalten. Diese Schlösser bildeten den einzigen Metallschmuck, welchen das reizende Mädchen trug. Die glänzenden Schultern waren entblößt, da Paula das Jäckchen ab- und neben sich gelegt hatte, die schön geformten Arme ebenso. Das rosige Gesicht war von einer unbeschreiblichen Lieblichkeit, und die zwei starken Zöpfe, in die das reiche Haar geflochten war, hatte Paula nach vorn genommen, so daß sie weit über die Brust herabhingen.
   Dieses Bild jugendlicher Anmuth und Schönheit wurde belebt durch eine wunderhübsche und seltene Staffage. Nämlich rund auf den Steinen hockten in den possirlichsten Stellungen eine ganze Zahl rother und schwarzer Eichhörnchen. Eins ... war dem Mädchen auf den Schooß gesprungen, hatte den Verschluß des Hemdes aufgerissen und sich nun in den warmen, keuschen Busen gehuschelt, aus welchem beneidenswerthen Plätzchen es vergnügt hervorlugte.
(269)

Der Störenfried erscheint:

"Schau, die Paula!" rief er mit rücksichtsloser Stimme. "Da futterst und hätschelst wieder die Viehzeuger; Unsereinen aber läßts hungern und dursten. Wann ich nur


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auch mal da drin stecken könnt, im Mieder, da wo das Eichthier steckt! Da wollt ich mich schon auch so wohl befinden."
   Das Mädchen sprang erschrocken auf. Ihr Gesichtchen glühte vor Scham, so halb entblößt überrascht zu werden. Während sie schnell nach der Jacke griff, um sie anzuziehen, entflohen die Eichhörnchen blitzschnell an den Bäumen empor.
(270)

Die obligate Kußforderung:

"... Ein jeds Dirndl wär froh, wenn der Fingerlfranz nach ihm ausschaun that. Du allein thust apart und rabiat; aber damit hast freilich bei mir kein Glück. ... Jetzt wird ich ein Busserl von Dir fordern, und Du wirst mirs geben!" (271)

Der Retter naht:

"Halt!" rief sie laut. "Ich schrei um Hilf!"
   "Was soll Dirs helfen? Wer wird kommen?"
   "Der Fex!"
   Er lachte laut und verächtlich auf. ...
   "Der, der Lodrio? Der kann gleich ganz nebenbei stehn, so küß ich Dich, daß die Funken fliegen. Da, paß mal auf! Jetzt gehts los!"
   Er packte sie bei den Armen.
   "Fex, Fex!" rief sie, so laut sie konnte.
   "Fex, Fex, komm!" rief auch er lachend, indem er sie an sich riß, sie mit einem Arme an sich drückte, mit der andern Hand ihr Köpfchen festhielt und nun seinen Kopf niederbeugte, um sie zu küssen. ...
   Da aber that es einen Krach, als ob man mit einem Axthelm auf Holz geschlagen habe, und der Fingerlfranz stürzte wie ein Stock zu Boden. Der Fex hatte ihn mit einem einzigen Faustschlag an den Kopf niedergeschmettert.
(272)

Der Besiegte räumt mehr oder weniger kleinlaut das Feld:

Franzens Gesicht war vor Grimm zu einer förmlichen Fratze verzerrt. Er erhob den linken Arm und that einen Schritt gegen den Fex zu; aber er besann sich, ging zu seiner Jacke, welche am Boden lag, hob sie auf und schritt langsam weiter, dem Rande der Lichtung zu. Dort angenommen, drehte er sich um, erhob die geballte Linke und drohte:
   "Das bezahlst theuer, Fex! Dich zertret ich wie einen Wurm. Merk Dirs gut!"
   Dann verschwand er hinter den Sträuchern.
(273)

Der Fex erhält als Sieger selbstverständlich einen angenehmeren Lohn:


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"... einen Kuß auf das Patscherl darfst mir geben. Willst oder nicht?"
   "Ich möchte halt schon. Weißt, es muß das schon eine große Delicateß sein!"
   "Das weiß ich nicht, kannst aber probirn. Da!"
   Sie hielt ihm die Hand wieder hin; er ergriff sie, beugte sich darauf nieder und küßte sie.
(274)

Bis auf wenige Ausnahmen läuft das Ritual stets in dieser Form ab. Sollte es tatsächlich einmal zu unerlaubten Küssen kommen, muß der Übeltäter mit einer äußerst schmerzhaften Züchtigung oder gar mit dem Tod rechnen; Mays strenge Moral waltet hart, aber gerecht:

In diesem Augenblicke neigte sich der Baron über die Lehne des Stuhles herüber und küßte sie auf den Mund. Sie hatte nicht gewußt, daß er hinter ihr gestanden hatte. Sie stieß einen lauten Hilferuf aus, da aber sagte ihr Bruder schnell:
   "Halt! Keinen Laut! Sobald Du rufst, bekommst Du einen Knebel in den Mund;
   ... "Gott, was soll ich da noch sagen!" klagte sie. "Ihr seid keine Menschen!"
   "O, wenigstens ich bin ein Mensch," meinte der Baron. "Ich werde Ihnen beweisen, daß mein Herz sehr menschliche Regungen verspürt."
   Er näherte sich ihr, um sie zu küssen.
   "Gehen Sie, gehen Sie, Ungeheuer!" rief sie.
   Er spitzte dennoch den Mund. Sie konnte den Kopf nicht wenden; sie hatte kein anderes Mittel der Vertheidigung, sie spuckte ihm in das Gesicht.
   "Da, Du Widerwärtiger!" rief sie. ...
   Er schob ihr das Tuch wieder auf den Mund. Dadurch wurde der Hals frei, welcher alabasterweiß und verlockend aus dem dunklen Kleide hervorleuchtete. Hierher richtete jetzt der Baron seine Küsse. Er sah, das der ganze Körper des schönen Mädchens unter diesen Berührungen zusammenzuckte; aber die herrlichen Formen, welche da vor ihm lagen, erweckten seine Gluth, ...
(275)

Keine Angst um die schöne Margot, die von ihrem Halbbruder Albin Richemonte zur Hochzeit mit dem Baron Reillac gezwungen werden soll: Weitere Untaten läßt der Autor keinesfalls zu, denn er sendet als Retter den historischen Feldmarschall von Blücher persönlich! Auf seinen Befehl wird schließlich auch die Bestrafung vorgenommen:

Zweihundert Hiebe sind für jeden Menschen eine böse Strafe, für einen Officier aber geradezu eine fürchterliche. Der Capitän hielt sie aus, ohne einen Laut auszustoßen. ... Jetzt nun war an dem Baron die Reihe.
   "Dieser hat ein Mädchen entführt und auf einen Officier geschossen," entschied Blücher. "Er erhält auch zweihundert. Und für die Küsse, welche er gegeben hat, soll


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er ein Gegengeschenk von fünfzig Hieben außerdem haben. Schont ihn nicht, Jungens!"
   ... Dem Baron wurde der Mund verbunden; ihm war die Selbstüberwindung des Capitäns nicht zuzutrauen. Er erhielt die ihm zugesprochenen zweihundertfünfzig Streiche ohne allen Abzug, und dann war das Tagewerk der Grenadiere vollbracht.
(276)

Das nötige Grundwissen ist jetzt vorhanden, und somit können auch die heikelsten Münchmeyer-Passagen näher untersucht werden.


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Anmerkungen

(17) Die Liebe des Ulanen. In: Deutscher Wanderer, Illustrirte Unterhaltungs-Bibliothek für Familien aller Stände, Dresden 1883-1885, 8. Bd., Lfg. 61, S. 966.

(18) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 13, S. 199.

(19) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 104, S. 2478.

(20) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 48, S. 1135. Vgl. auch "Die Liebe des Ulanen", Lfg. 19, S. 290.

(21) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 26, S. 620. Vgl. auch "Die Liebe des Ulanen", Lfg. 65, S. 1027.

(22) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 26, S. 621.

(23) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 61, S. 965.

(24) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 49, S. 773.

(25) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 65, S. 1026.

(26) Der verlorne Sohn oder der Fürst des Elends, Dresden 1884-1886, Lfg. 54, S. 1295.

(27) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 3, S. 64.

(28) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 86, S. 1367.

(29) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 69, S. 1091.

(30) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 70, S. 1107.

(31) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 58, S. 917.

(32) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 54, S. 854.

(33) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 70, S. 1109.

(34) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 1, S. 22.

(35) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 2, S. 44.

(36) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 3, S. 49.

(37) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 8, S. 188.

(38) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 1, S. 16.

(39) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 8, S. 170.

(40) Auf der See gefangen. In: Frohe Stunden, Unterhaltungsblätter für Jedermann, Sammlung der neuesten und besten Romane und Novellen unser beliebtesten Schriftsteller der Gegenwart, Verlag Bruno Radelli, Dresden und Leipzig 1878, 2. Jg., Nr. 21-52, S. 321-824, durch Fremdtexte unterbrochen; Redakteur Karl May.

(41) Der letzte Ritt. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 11. und 12. Jg. 1884-1886.

(42) All diese Zahlen wurden beim Lesen ermittelt. Man kann deshalb eine geringe Fehlerquote nicht ganz ausschließen, jedoch ist die Zählung sehr repräsentativ. Eine Statistik mit dem Computer zu erarbeiten, gestaltet sich derzeit wegen der damaligen deutschen Frakturschrift als sehr kompliziert.

(43) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 12, S. 273.

(44) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 8, S. 179.

(45) Der Sohn des Bärenjägers. In: Der Gute Kamerad, Spemanns Illustrierte Knaben-Zeitung, Verlag W. Spemann, Stuttgart 1887, 1. Jg., Nr. 22, S. 329.

(46) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 3, S. 56.

(47) Herbert Schneider: Karl May in der Lederhose, München 1961, S. 32f.

(48) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 1, S. 3.

(49) Christoph F. Lorenz: Karl Mays zeitgeschichtliche Kolportageromane, Frankfurt am Main 1981, S. 258.

(50) Der Ruh 'i Kulyan. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 7. Jg. 1880/81, Nr. 48, S. 758.

(51) Die Todes-Karavane. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 8. Jg. 1881/82, Nr. 30, S. 474.

(52) Der letzte Ritt, wie Anm. 41, 11 Jg., Nr. 50, S. 790.

(53) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 84, S. 1336.

(54) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 85, S. 1345.

(55) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 82, S. 1299.

(56) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 8, S. 191.

(57) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 22, S. 526.

(58) Der Merd-es-Scheitan. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 7. Jg. 1880/81, Nr. 39, S. 621.

(59) Der Merd-es-Scheitan, wie Anm. 58, Nr. 42, S. 667.

(60) Auf der See gefangen, wie Anm. 40, Nr. 26, S. 404.

(61) In Damaskus und Baalbeck. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 9. Jg. 1882/83, Nr. 14, S. 223.

(62) Auf den Nußbäumen. In: Deutsches Familienblatt, Wochenzeitschrift für Geist und Gemüth zur Unterhaltung Jedermann, Münchmeyer, Dresden 1875/76, 1. Jg., Nr. 52, S. 827; Redakteur Karl May.

(63) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 85, S. 2035.

(64) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 41, S. 967.

(65) Reise-Abenteuer in Kurdistan. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 8. Jg. 1881/82, Nr. 22, S. 349.

(66) Deutsche Herzen - Deutsche Helden, Dresden 1885-1888, Lfg. 92, S. 2206.

(67) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 41, S. 646.

(68) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 3, S. 63.

(69) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 55, S. 1320.

(70) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 11, S. 258.

(71) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, S. 2433, 2515, 2174, 1792, 273, 812.

(72) Der Giftheiner. In: All Deutschland! Illustrirtes Hausblatt, Göltz u. Rühling, Stuttgart 1879, 3. Jg., Nr. 45, S. 718.

(73) Reise-Abenteuer in Kurdistan, wie Anm. 65, Nr. 23, S. 365.

(74) Der letzte Ritt, wie Anm. 41, 12 Jg., Nr. 22, S. 340.

(75) Durch das Land der Skipetaren. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 14. Jg. 1887/88, Heft 4, S. 134 u. Heft 8, S. 337.

(76) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 5, S. 107.

(77) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 96, S. 2299.

(78) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, S. 2, 1442.

(79) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 56, S. 1325.

(80) Mein Leben und Streben, Verlag von F. E. Fehsenfeld, Freiburg i. Br. 1910, S. 68f.

(81) Reise-Abenteuer in Kurdistan, wie Anm. 65, Nr. 22, S. 350.

(82) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 81, S. 1922.

(83) Die Todes-Karavane, Zweiter Theil. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 9. Jg. 1882/83, Nr. 1, S. 11.

(84) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 7, S. 162.

(85) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 4, S. 79.

(86) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 91, S. 1442.

(87) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 7, S. 97.

(88) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 1, S. 8.

(89) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 91, S. 1447.

(90) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 67, S. 1058.

(91) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 94, S. 1489.

(92) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 33, S. 782.

(93) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 109, S. 2612.

(94) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 35, S. 840.

(95) Im "Wilden Westen" Nordamerika's. In: Feierstunden am häuslichen Kreise. Druck und Verlag Heinrich Theissing, Köln 1883, 9. Jg., Heft 1, S. 30.

(96) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 19, S. 449.

(97) Ein Schundverlag, wie Anm. 6, S. 354.

(98) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 103, S. 1633.

(99) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 65, S. 1032.

(100) Deutsche Herzen - Deutsche Helden, wie Anm. 66, Lfg. 47, S. 1118.

(101) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 69, S. 1649f.

(102) Wanda, Der Beobachter an der Elbe, Unterhaltungsblätter für Jedermann, Münchmeyer, Dresden 1874/75, 2. Jg., Nr. 32, S. 512; Redakteur Karl May.

(103) Wanda, wie Anm. 101, Nr. 30, S. 478.

(104) Leilet, Feierstunden am häuslichen Heerde, Belletristisches Unterhaltungs-Blatt für alle Stände, Münchmeyer, Dresden 1876/77, 1. Jg., Heft 2, S. 23; Redakteur Karl May.

(105) Der letzte Ritt, wie Anm. 41, 12. Jg., Nr. 17, S. 266.

(106) In Damaskus und Baalbeck, wie Anm. 61, Nr. 12, S. 190.

(107) Der letzte Ritt, wie Anm. 41, 12. Jg., Nr. 14, S. 211.

(108) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 26, S. 603.

(109) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 11, S. 250.

(110) Damals war die Schreibweise "Psycholog" anstelle von "Psychologe" korrekt. Vgl. Duden, Orthographisches Wörterbuch, Siebente Auflage, Leipzig und Wien 1902, S. 271.

(111) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 27, S. 638.

(112) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 27, S. 637.

(113) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 10, S. 240.

(114) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 91, S. 2166.

(115) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 12, S. 281.

(116) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 11, S. 258.

(117) Mein Leben und Streben, wie Anm. 80, S. 118.

(118) Waldröschen, wie Anm. 4, S. 999, 1019, 475, 1132, 1154, 2374.

(119) Vgl. Wolfgang Hammer: Die Rache und ihre Überwindung als Zentralmotiv bei Karl May. In: Jb-KMG 1994, Husum 1994, S. 51ff.

(120) Durch das Land der Skipetaren, wie Anm. 75, Heft 6, S. 247.

(121) Durch das Land der Skipetaren, wie Anm. 75, Heft 5, S. 190.

(122) Reise-Abenteuer in Kurdistan, wie Anm. 65, Nr. 6, S. 91.

(123) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 1, S. 1.

(124) Der letzte Ritt, wie Anm. 41, 12 Jg., Nr. 11, S. 163.

(125) Deutsche Herzen - Deutsche Helden, wie Anm. 66, Lfg. 2, S. 39.

(126) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 81, S. 1942.

(127) Auf der See gefangen, wie Anm. 40, Nr. 52, S. 818.

(128) Die Rose von Ernstthal. In: Deutsche Novellen-Flora, Sammlung der neuesten, fesselndsten Romane u. Novellen unserer beliebtesten Volksschriftsteller der Gegenwart, Hermann Oeser, Neusalza 1874/75, 1. Bd., Lfg. 14, S. 219.

(129) Die Juweleninsel, Für alle Welt!, vormals All Deutschland!, wie Anm. 72, 5. Jg. 1881, Nr. 5, S. 67.

(130) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 81, S. 1943.

(131) Deutsche Herzen - Deutsche Helden, wie Anm. 66, Lfg. 16, S. 375.

(132) Der Merd-es-Scheitan, wie Anm. 58, Nr. 40, S. 638.

(133) Die Todes-Karavane, Zweiter Theil, wie Anm. 83, Nr. 1, S. 11.

(134) Des Kindes Ruf. In: Weltspiegel, Illustrirte Zeitschrift zur Unterhaltung und Belehrung für Jedermann, Adolph Wolf, Dresden 1878/79, 3. Jg., Nr. 22, S. 347.

(135) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 17, S. 392.

(136) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 32, S. 762.

(137) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 32, S. 757.

(138) Deutsche Herzen - Deutsche Helden, wie Anm. 66, Lfg. 23, S. 539.

(139) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 60, S. 1429.

(140) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 33, S. 789.

(141) Deutsche Herzen - Deutsche Helden, wie Anm. 66, Lfg. 23, S. 536.

(142) Im Reiche des silbernen Löwen, 4. Band, Verlag von F. E. Fehsenfeld, Freiburg i. Br. 1903, S. 207.

(143) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 29, S. 674.

(144) Vgl. Fritz Maschke: Karl May und Emma Pollmer. Die Geschichte einer Ehe, Bamberg 1972, S. 40. Vgl. ferner Ernst Seybold: Fürst des Elends, Onkel Gottfried, Spiritismus. In: M-KMG 104, 1995, S. 26-31.

(145) Meyer's Konversationslexikon, 3. Auflage, Bd. 12, Leipzig 1876, S. 195. Vgl. "Spiritismus" in: Bd. 14, Leipzig 1878, S. 842f.

(146) Scepter u. Hammer, All-Deutschland!/Für alle Welt!, wie Anm. 72, 4. Jg. 1880, Nr. 28, S. 435.

(147) Old Firehand, Deutsches Familienblatt, wie Anm. 62, Nr. 8, S. 124; Redakteur Karl May.

(148) Old Firehand, wie Anm. 147, Nr. 15, S. 236.

(149) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 41, S. 983.

(150) Der Ruh 'i Kulyan, Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 7 Jg. 1880/81, Nr. 48, S. 759.

(151) Ein Dichter, All-Deutschland!, wie Anm. 72, 3. Jg. 1879, Nr. 33, S. 526.

(152) Leilet, wie Anm. 104, Nr. 1, S. 11.

(153) Auf der See gefangen, wie Anm. 40, Nr. 41, S. 643.

(154) Scepter u. Hammer, wie Anm. 146, Nr. 12, S. 180.

(155) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 84, S. 1335.

(156) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 65, S. 1540f.

(157) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 23, S. 540.

(158) Maler wie Manet waren erheblichen Angriffen ausgesetzt. So löste sein Bild "Olympia", eine Venus mit gewöhnlichem Gesicht und schmächtigem Körper, an eine Prostituierte erinnernd, große Empörung aus. Vgl. Impressionisten, Weltbild-Verlag, Augsburg 1994, S. 8.

(159) Die Tschikarma. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 7. Jg. 1881, Nr. 22, S. 346.

(160) Eine Wüstenschlacht. In: Deutscher Hausschatz, wie Anm. 1, 7. Jg. 1881, Nr. 33, S. 523.

(161) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 30, S. 467.

(162) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 15, S. 227.

(163) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 5, S. 66.

(164) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 18, S. 276.

(165) Ein Dichter, wie Anm. 151, Nr. 35, S. 554.

(166) Deutsche Herzen - Deutsche Helden, wie Anm. 66, Lfg. 40, S. 940.

(167) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 60, S. 1429.

(168) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 50, S. 1181.

(169) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 82, S. 1298.

(170) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 24, S. 574.

(171) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 35, S. 837.

(172) Durch das Land der Skipetaren, wie Anm. 75, Heft 13, S. 578.

(173) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 81, S. 1934.

(174) Deutsche Herzen - Deutsche Helden, wie Anm. 66, Lfg. 106, S. 2534.

(175) Der letzte Ritt, wie Anm. 41, 11. Jg., Nr. 51, S. 801.

(176) Frau Pollmer, eine psychologische Studie, Manuskriptseite 912. Faksimile der Handschrift in: Karl May. Prozeß-Schriften 1, Bamberg 1982.

(177) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 56, S. 1323.

(178) Leilet, wie Anm. 104, Heft 4, S. 57.

(179) Auf der See gefangen, wie Anm. 40, Nr. 26, S. 403.

(180) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 17, S. 258.

(181) Leilet, wie Anm. 104, Heft 1, S. 11.

(182) Vgl. Bernd Dittrich: Duftpflanzen, München 1992, S. 39f.

(183) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 60, S. 1435.

(184) Die Tschikarma, wie Anm. 159, Nr. 22, S. 346.

(185) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 14, S. 211.

(186) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 27, S. 418.

(187) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 47, S. 739.

(188) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 52, S. 1229.

(189) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 81, S. 1942.

(190) Ein Dichter, wie Anm. 151, Nr. 36, S. 567.

(191) Ein Dichter, wie Anm. 151, Nr. 34, S. 540.

(192) Ein Dichter, wie Anm. 151, Nr. 34, S. 540.

(193) Ein Dichter, wie Anm. 151, Nr. 34, S. 540.

(194) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 12, S. 178.

(195) Ein Dichter, wie Anm. 151, Nr. 34, S. 540.

(196) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 23, S. 353.

(197) Volker Klotz: "Die Juweleninsel" - und was man draus entnehmen könnte. In: Jb-KMG 1979, Hamburg 1979, S. 264.

(198) Klaus Hoffmann: Waldröschen-Nachwort, wie Anm. 15, S. 2663.

(199) Klaus Hoffmann: Waldröschen-Nachwort, wie Anm. 15, S. 2656.

(200) Ein Schundverlag und seine Helfershelfer, Privatdruck, Dresden 1909, S. 91.

(201) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 1, S. 2.

(202) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 41, S. 645.

(203) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 53, S. 1260.

(204) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 50, S. 792.

(205) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 41, S. 961.

(206) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 74, S. 1770f.

(207) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 95, S. 2271.

(208) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 1, S. 2.

(209) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 6, S. 121.

(210) Auf den Nußbäumen, wie Anm. 62, Nr. 52, S. 826.

(211) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 28, S. 435.

(212) Laut Bibliographischen Institut ( Brief vom 12. Juli 1996) sind sprengende Hüllen oder Mieder rein literarische Bilder und keine stehende Redewendungen.

(213) Herman(n) Schmid: Almenrausch und Edelweis. In: Die Gartenlaube, Verlag von Ernst Keil, Leipzig 1863, Nr. 15, S. 225.

(214) Vgl. Kapitel "Wortakrobatik", S. 25.

(215) Karl May war ein eifriger Leser der "Gartenlaube". Vgl. Mein Leben und Streben, wie Anm. 80, S. 99.

(216) Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel, Stuttgart 1970, S. 16.

(217) Hanns Heinz Ewers: Alraune, Georg Müller Verlag, München 1911, S. 48.

(218) Der Waldkönig, All-Deutschland!, wie Anm. 72, 3. Jg. 1879, Nr. 23, S. 365.

(219) Der Pflaumendieb, All-Deutschland!, wie Anm. 72, 4. Jg. 1880, Nr. 5, S. 75.

(220) Ein Dichter, wie Anm. 151, Nr. 34, S. 540.

(221) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 5, S. 66.

(222) Nach Sibirien. In: Frohe Stunden, wie Anm. 40, Nr. 49, S. 773; Redakteur Karl May.

(223) Pollmer-Studie, wie Anm. 176, Manuskriptseite 816.

(224) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 24, S. 555.

(225) Klaus Hoffmann, Waldröschen-Nachwort, wie Anm. 15, S. 2666.

(226) Deutsche Herzen - Deutsche Helden, wie Anm. 66, Lfg. 44, S. 1047.

(227) Vgl. Kapitel "Verstümmelungen", S. 199ff.

(228) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 19, S. 290.

(229) Ein Dichter, wie Anm. 151, Nr. 36, S. 567.

(230) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 16, S. 244.

(231) Old Firehand, wie Anm. 147, Nr. 14, S. 223.

(232) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 1, S. 13.

(233) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 13, S. 195.

(234) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 15, S. 225.

(235) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 16, S. 243.

(236) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 9, S. 205.

(237) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 16, S. 243.

(238) Eine Wüstenschlacht, wie Anm. 160, Nr. 35, S. 554.

(239) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 16, S. 364.

(240) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 106/107, S. 2542-2545.

(241) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 47, S. 737.

(242) Der Giftheiner, wie Anm. 72, Nr. 41, 651.

(243) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 19, S. 290.

(244) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 20, S. 306.

(245) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 4, S. 50.

(246) Nach Sibirien, wie Anm. 222, Nr. 47, S. 742.

(247) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 3, S. 58.

(248) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 7, S. 161f.

(249) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 29, S. 449.

(250) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 51, S. 807.

(251) Auf der See gefangen, wie Anm. 40, Nr. 35, S. 548.

(252) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 13, S. 294.

(253) Mein Leben und Streben, wie Anm. 80, S. 137.

(254) Wanda, wie Anm. 102, Nr. 43, S. 686.

(255) Old Firehand, wie Anm. 147, Nr. 8, S. 125.

(256) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 2, S. 17.

(257) H. Stolte u. G. Klußmeier: Arno Schmidt & Karl May - Eine notwendige Klarstellung, Hamburg 1973. Ferner Walther Ilmer: ... Karl Mays "Weihnacht" II. In: Jb-KMG 1988, S. 245, Anm. 102.

(258) "Kindlers Neues Literatur Lexikon", München 1990, Band 11, S. 403, verweist auf Arno Schmidt und sieht bei May "unterschwellige Homoerotik"!

(259) Walther Ilmer: Randbemerkungen..., M-KMG 98, S. 21, Karl May zitiert nach Satan und Ischariot, Bd. 1, Verlag von F. E. Fehsenfeld, Freiburg i. Br. 1897, S. 255.

(260) Wanda, wie Anm. 102, Nr. 28, S. 446.

(261) Der Giftheiner, wie Anm. 72, Nr. 46, S. 731.

(262) Scepter und Hammer, wie Anm. 146, Nr. 20, S. 307.

(263) Der verlorne Sohn, wie Anm. 26, Lfg. 22, S. 526.

(264) Waldröschen, wie Anm. 4, Lfg. 18, S. 418.

(265) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 54, S. 849.

(266) Die Rose von Ernstthal, wie Anm. 128, Lfg. 11, S. 170f.

(267) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 37, S. 580.

(268) Die Juweleninsel, wie Anm. 129, Nr. 40, S. 626.

(269) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 6, S. 142.

(270) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 6, S. 142f.

(271) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 7, S. 148.

(272) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 7, S. 148f.

(273) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 7, S. 150.

(274) Der Weg zum Glück, wie Anm. 16, Lfg. 7, S. 156.

(275) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 16/17, S. 250 u. 257.

(276) Die Liebe des Ulanen, wie Anm. 17, Lfg. 17, S. 263f.



Titelseite: Karl May und seine Münchmeyer-Romane