Ralf Harder

Die Erblindung – eine entscheidende Phase im Leben Karl Mays

   
Die Sonne krönt den goldnen Tag;
   Der Abend nennt die Sterne sein;
Wo nur ein Aug sich öffnen mag,
   Glänzt ihm ein Licht, ein Himmelsschein.
Doch all die Wonne, all die Pracht,
   Mein todter Blick erfaßt sie nicht;
In meines Daseins dunkler Nacht
   Giebts keine Sonne, giebts kein Licht.
[1]

In jüngster Zeit ist um Mays Blindheit ein Meinungsstreit entstanden. Der Mediziner Dr. Johannes Zeilinger behauptet in seiner Dissertation, Karl May wäre niemals blind gewesen. Zeilinger führt aus:

"Die Angaben Mays über die Erblindung lassen sich folgendermaßen knapp zusammenfassen: Die Erblindung trat nach der Geburt ein, Ursache war mangelnde Hygiene, der Visusverlust während dieser Periode war vollständig, und mit Beginn des fünften Lebensjahres trat durch ärztliche Therapie eine komplette Heilung, eine restitutio ad integrum, ein. Dies sind dann auch die entscheidenden Kriterien, die bei einer differentialdiagnostischen Diskussion von der frühkindlichen Augenkrankheit Mays erfüllt werden müssen."[2]

"Da May explizit von einer dauernden, völligen Blindheit schrieb - 'Ich sah nichts. Es gab für mich weder Gestalten noch Formen, noch Farben, weder Orte noch Ortsveränderungen' (MLuS S.31) – hätte sich diese Erblindung – eine entzündliche Genese vorausgesetzt - nur bei einer morphologisch faßbaren, fortgeschrittenen Schädigung der Kornea durch Einschmelzung, durch Ausbildung eines großflächigen Pannus oder durch ausgedehnte Hornhautvernarbungen ausbilden können - in all diesen Fällen vor 150 Jahren ein irreversibler Zustand, eine endgültige weitgehende Beeinträchtigung, wenn nicht sogar vollständiger persistierender Verlust der Sehfähigkeit."[3]

"So geben also auch die erhaltenen Brillen Mays keinen Hinweis auf eine operativ geheilte frühkindliche Blindheit, mehr noch, sie verweisen sie ebenfalls ins Reich der Legende."[4]

Tatsache ist: Karl May hat niemals 'mangelnde Hygiene', wie Zeilinger vorgibt, als Ursache für seine Erblindung angegeben. May erwähnte in seiner Selbstbiographie lediglich rein örtliche Verhältnisse, der Armut. Und unter Armut verstand man damals - wie in heutigen Entwicklungsländern - Hunger.[5] Auch über die Zeitdauer seiner Erblindung macht May keine Angaben, die eindeutig sind. May äußert sich zweimal:

Ich war weder blind geboren noch mit irgendeinem vererbten körperlichen Fehler behaftet. ...  Daß ich kurz nach der Geburt sehr schwer erkrankte, das Augenlicht verlor und volle vier Jahre siechte, war nicht eine Folge der Vererbung, sondern der rein örtlichen Verhältnisse, der Armut, des Unverstandes und der verderblichen Medikasterei, der ich zum Opfer fiel. Sobald ich in die Hand eines tüchtigen Arztes kam, kehrte mir das Augenlicht wieder, und ich wurde ein höchst kräftiger und widerstandsfähiger Junge, ...[6]

... mir aber brachte ihr [Mays Mutter] Aufenthalt in Dresden großes Glück. Sie hatte sich durch ihren Fleiß und ihr stilles, tiefernstes Wesen das Wohlwollen der beiden Professoren Grenzer und Haase erworben und ihnen von mir, ihrem elenden, erblindeten und seelisch doch so regsamen Knaben erzählt. Sie war aufgefordert worden, mich nach Dresden zu bringen, um von den beiden Herren behandelt zu werden. Das geschah nun jetzt, und zwar mit ganz überraschendem Erfolge. Ich lernte sehen und kehrte, auch im übrigen gesundend, heim.[7]

Folgende Fakten lassen sich aus Mays Ausführungen entnehmen: Er wurde nicht blind geboren, war aber bereits kurz nach der Geburt schwer erkrankt, siechte volle vier Jahre und kehrte auch im übrigen gesundend aus Dresden heim. May wurde nicht operiert, sondern behandelt, was sich irgendwann in den Monaten August 1845 bis Februar 1846 zugetragen haben muß, als Mays Mutter zur Hebamme ausgebildet wurde. Der Beginn von Mays Blindheit wird von ihm nicht genau angegeben. Zumeist wird May dahingehend interpretiert, dass er sein Augenlicht bereits kurz nach der Geburt verlor. Man kann dies aber auch anders deuten, seine Angaben erscheinen nämlich als Aufzählung: Daß ich kurz nach der Geburt sehr schwer erkrankte, das Augenlicht verlor und volle vier Jahre siechte ... Der Verlust des Augenlichtes kann auch später erfolgt sein, zumal sich May ohnehin nicht an dieses Ereignis in so früher Kindheit erinnern konnte. Dass er volle vier Jahre siechte und im übrigen gesundend heimkehrte, lässt auf eine weitere Krankheit schließen. May erwähnte in diesem Zusammenhang die ›Blattern‹. Dr. William E. Thomas nimmt an, dass es sich hier auch um die Rachitis (Englische Krankheit), verursacht durch Vitamin-D-Mangel, gehandelt haben könnte.[8] Allerdings wird die ›englische Krankheit‹ in Mays Gesamtwerk nur ein einiges Mal erwähnt. Er selbst hat nie behauptet, daran gelitten zu haben.

"1842 [Geburtsjahr Mays] war ein sehr trockener und heißer Sommer. Von der Saatzeit an hat es 6 bis 7 Wochen gar nicht geregnet und ist beinahe den ganzen Sommer in hiesiger Gegend kein Gewitter mit Regen gewesen. Es trat allgemeiner Wassermangel ein, so daß vieles Korn nicht gemahlen werden konnte und daher bloß geschrotet wurde. ... Das Vieh mußte außerordentlich leiden und viele Rinder wurden fast ganz dürr und mager dahin geschlachtet. ... 1843 entstand wegen Mangel an Schlachtvieh hoher Preis des Fleisches. ..."[9]  

Somit lässt sich feststellen, dass es u .a. keine ausreichende Kuhmilch gab, die einem Vitamin-D-Mangel (auch Vitamin-A-Mangel!) vorgebeugt hätte. Die "Englische Krankheit" ist in Sachsen anhand von alten Kirchenbüchern nachweisbar,[10] wenn man auch damals noch nichts von 'Vitaminen' wusste; sie wurden erst im 20. Jahrhundert entdeckt. Die Krankheitsbilder existierten freilich schon damals, nur kannte man damals die Ursachen noch nicht. Dementsprechend widersprüchlich sind die Behandlungsmethoden, wie sie in alten Enzyklopädien nachzulesen sind. 

Aus guten Gründen diagnostiziert Dr. Thomas Vitamin-A-Mangel für Mays Blindheit.[11] Die Zustände im 19. Jahrhundert – Hunger, vitaminarme Kost bei der armen Bevölkerung – sind nachweisbar mit den Bedingungen in den heutigen Entwicklungsländern nahezu identisch. Das Elend in Mays Familie ist bekannt: Neun von vierzehn Kindern starben in frühester Kindheit.

"Ja es sind neuerdings [1844] in der That Fälle hier vorgekommen, daß Menschen, die sich zu betteln schämten, buchstäblich verhungert sind.[!] Denn es ist, besonders in kinderreichen Familien, gar nicht selten, daß oft mehrere Tage lang kein Bissen Brod zu zehren ist und einige Kartoffeln in Maßen gekocht und mit Salz genossen, machen oft das einzige Nahrungsmittel dieser Unglücklichen aus. Aber in gar vielen Familien sind auch die Kartoffeln schon aufgezehrt, oder gehen auf die Neige, und dann ist völliges Hungerleiden und Betteln unvermeidlich. ... Es ist in der That herzergreifend, diese Bejammernswerthen mit bleichen abgehärmten Gesichtern, mit trüben eingefallenen Augen, aus denen jeder Funke Lebensfreude verloschen ist, ... Schatten ähnlich umherschleichen sehen zu müssen, ..."[12]

Dessen ungeachtet vermutet Johannes Zeilinger, dass zur Zeit der Geburt Mays 'Xerophthalmie' als "Erblindungsursache eine Rarität darstellte." Zeilinger verweist auf eine Zehnjahresstatistik aus dem Jahr 1839: "Als relevante Ursache von Erblindungen taucht die Xerophthalmie dabei nicht auf."[13]

Sind solche Statistiken wirklich ein gültiger Beweis, dass es Xerophthalmie (Vitamin-A-Mangel) nicht gegeben hat? Die erste Krankenversicherung für Arbeiter wurde erst 1883 von Bismarck per Reichstagsgesetz eingeführt. Zur Zeit des Weberelends in den 1840er Jahren war man noch weit davon entfernt. Damals gab es keine Krankenkassen. Hungernde Menschen konnten keinen Arzt bezahlen. Krankheitsfälle, ausgelöst durch Hunger, wurden statistisch nicht erfasst -: denn wo kein Arzt behandelt, gibt es offiziell auch keine Krankheiten.

Im übrigen war Xerophthalmie eine gut bekannte Krankheit, dokumentiert in der deutschen medizinischen Literatur spätestens seit 1803.[14] Sie ist möglicherweise nicht in die Statistik über dauerhafte Blindheit eingegangen. Jedoch konnten Kinder, die in Deutschland an Xerophthalmie litten, nicht sehen. Wie viele von den Kindern dauerhaft erblindeten, ist nirgends überliefert. Wer wusste damals schon, dass die permanenten Änderungen auf der Hornhaut das Ergebnis eines Mangels an Vitamin A waren, der die Blindheit verursachte? Niemand auf der Welt wusste zu dieser Zeit davon.

"Vitamin-A-Mangel–Xerophthalmie, oder die sogenannte 'Erblindungsfehlernährung', ist auch heute noch der Hauptgrund für eine Erblindung in der Kindheit. Es wird geschätzt, daß jedes Jahr ungefähr 500.000 Kinder auf der Welt erblinden, und 70 % von ihnen wegen eines Vitamin-A-Mangels."[15] Nicht immer sind die Augen selbst betroffen, wenn auch eine Nachtblindheit gewöhnlich besteht. Lediglich die Augenlider sind entzündet und geschwollen; es ist nicht möglich, die Augen zu öffnen. Man müßte unter Schmerzen die Hände zu Hilfe nehmen, was ein Kind allein schon wegen der Blendwirkung nicht ertragen kann. Die Schwellung der Augenlider kann geraume Zeit andauern, ohne dass die Hornhaut der Augen angegriffen wird. Die Bindehaut ist ebenfalls betroffen, aber nicht immer die Hornhaut. Wenn nur Veränderungen der Bindehaut auftreten, bleibt das Sehvermögen unangegriffen. Ein plastisches Beispiel findet man auf einer Tierarztseite im Internet:

"Wenn eine Schildkröte nichts mehr fressen kann, weil sie nicht mehr imstande ist, die Augen zu öffnen, dann muss rasch gehandelt werden! Denn sonst geht sie unweigerlich an Entkräftung zugrunde. Die Krankheitsanzeichen, die hier beschrieben werden (geschwollene Augen) sind charakteristisch für ein Lidödem. Hierunter versteht man eine recht häufig anzutreffende, beidseitige Schwellung der Augenlider. Ursache hierfür ist eine Unterversorgung mit dem lebenswichtigen Vitamin A, das als sogenanntes Epithelschutzvitamin nicht nur Schleimhäute sondern auch Bronchien und Nieren schützt. So wird Vitamin-A-Mangel auch verantwortlich gemacht für generalisierte Bauchwassersucht bei Schildkröten. Sie soll Ausdruck einer starken Nierenschädigung sein. Besonders kleine Schmuckschildkröten sind von Vitamin-A-Mangel betroffen. In harmlosen Fällen genügt es, einmal pro Woche über mehrere Wochen eine Vitaminspritze vom Tierarzt verabreichen zu lassen. In schlimmen Fällen müssen zusätzlich die käsigen Massen aus dem Lidsack herausgespült werden, die sich aufgrund des eingedickten Tränensekrets gebildet haben. Als Prophylaxe sollte auf jeden Fall eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A über die Nahrung erfolgen. Einseitige Ernährung mit Muskelfleisch und Salat kann die Ursache für die Unterversorgung mit Vitamin A sein. Deshalb kann eine ausgeglichene Kost, die beispielsweise aus Dosenfutter für Katzen besteht, der Krankheit vorbeugen. Empfohlen wird auch, einige Tropfen Lebertranöl oder eine Multivitaminmischung der täglichen Futterration beizufügen."[16]

Natürlich ist ein Mensch keine Schildkröte, aber die Krankheitssymptome sind erwähnenswert, und es ist interessant, dieses Krankheitsbild auch aus der Sicht eines Tierarztes einmal erklärt zu bekommen.

Dr. Thomas führt aus:

"Ein Mangel an Vitamin A und D war im 19. Jahrhundert bei Kindern ziemlich verbreitet. Beide Mangelerkrankungen beginnen einige Monate nach der Geburt. Mangel an Vitamin A zeigt sich durch Augensymptome (Xerophthalmie – ein trockener und eingedickter Zustand der Bindehaut, welche anfangs zerknittertem Zigarettenpapier ähnelt, später aussieht wie trockener Seifenschaum, gelbliche dreieckige Stellen mit ihrer Basis in Richtung der Hornhaut, genannt Bitot-Flecke). Die Trockenheit (Xerosis) der Bindehaut kann das einzige Anzeichen sein. Sehstörungen findet man bei älteren Kindern, nicht bei neugeborenen. ... Leichte Formen von Xerophthalmie greifen nicht auf die Hornhaut über. Die Augenlider sind geschlossen und geschwollen."[17]

Dies dürfte genau auf Karl May zutreffen. Auch beklagt er sich in seiner Selbstbiographie über die verderbliche Medikasterei,[18] der er zum Opfer fiel. Sehr wahrscheinlich wurden seine geschwollenen Augenlider völlig sinnlos mit Salben und einer Augenbinde behandelt; die Chance vielleicht kurzzeitig sehen zu können, wurde damit zunichte gemacht. Entscheidend ist: May konnte als Kleinkind sehen, da sich Vitamin-Mangelerkrankungen gewöhnlich erst Monate nach der Geburt oder noch später auswirken. Es gab also genügend Zeit, die unerlässliche Verbindung zwischen den Augen und dem Sehzentrum aufzubauen. Für den Fall, dass Karl May unmittelbar nach der Geburt durch eine Infektion erblindet wäre, diagnostiziert Johannes Zeilinger völlig richtig, dass Karl May nie gelernt hätte, stereoskopisch zu sehen.[19] Ein nächtelanges Schreiben wäre ihm nicht möglich gewesen. May war aber nicht wegen mangelnder Hygiene erblindet; seine Blindheit wurde verursacht durch - - - Hunger![20]

Auch nach heutiger Definition war Karl May blind. Blindheit bedeutet auch "gleichzuachtende Sehstörungen, die ihre Ursachen nicht im Auge selbst haben ... Vorübergehende Sehstörungen sind nicht zu berücksichtigen. Als vorübergehend gilt ein Zeitraum bis zu sechs Monaten."[21]

Karl May war mit Sicherheit länger als sechs Monate blind. Prof. Dr. Oskar Eversbusch, der am 18. Januar 1909 die heutige Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München eröffnete, schreibt 1911 in seinem Buch 'Die Augen-Erkrankungen im Kindesalter':

"Im 3. Lebensjahr stellt sich in der Regel auf Grund gedächtnismäßig festgehaltener Eindrücke, die zusammengesetzt sind und eine Anzahl von Einzelheiten enthalten, die Fähigkeit ein, Raumgrößen zu beurteilen. Weiterhin entwickelt sich durch wiederholte Erfahrungen und Wahrnehmungen das Erlernen des genaueren Sehens: das Augenmaß, die Entfernungswahrnehmung, die Tiefenschätzung und das feinere visuelle Gedächtnis in der Art, daß die Knaben den Mädchen besonders in der Genauigkeit des Augenmaßes durchschnittlich überlegen zu sein scheinen. Auch Verlernen des Sehens [!] kommt vor; so als rein psychische Störung, wenn die Augen eines Kindes vorübergehend durch Blepharospasmus erblindeten; oder wenn die Augen durch Katarakterblindung für lange Zeit außer Funktion gesetzt sind. Ähnlich wie von Blindgeborenen, die mit Erfolg operiert wurden, muß nach Beseitigung der Katarakt und des Lidkrampfes das Sehen wieder erlernt werden."[22]

Eversbusch beschreibt auf 41 Seiten diverse Augenliderkrankungen, die mitunter ein Öffnen der Augen nicht ermöglichen. 'Vitamin A' war 1911 noch nicht bekannt.

Karl May, der als Kind an Vitamin-A-Mangel litt - dämmerungsblind, unfähig die Augen zu öffnen (Blepharitis in Kombination mit einem entzündlichen Blepharospasmus - muß nicht generell durch Vitamin-A-Mangel verursacht sein), hatte das Sehen verlernt, worauf zahlreiche Spuren in seinem Werk hinweisen. Ein Beispiel aus dem Waldröschen:

"Dieser Sternau operirte sodann auch die Augen des Grafen."
   "Wirklich?" fragte Ferdinando rasch. "Wie war der Erfolg?"
   "Ausgezeichnet, denn Don Emanuel lernte sehen. ..."
[23]

"Don Emanuel lernte sehen" ist zunächst ein unsinniger Satz. Der Graf war erst im Mannesalter erblindet, zuvor konnte er sehen! Ein Beispiel aus der Karl-May-Gesellschaft: Der langjährige Redakteur der KMG-Mitteilungen, Hansotto Hatzig, war zeitweise so gut wie erblindet; er litt am Grauen Star. Direkt nach der Operation musste er seine Augen allenfalls schonen, sehen lernen musste er nicht. Was bedeutet sehen lernen? Darüber gibt ein Fachbuch Auskunft:

Ein Blindgeborener berichtet nach einer gelungenen Augenoperation, "dass er sich vor seiner Operation durch die Wahrnehmungen seines Tastsinnes ein ganz anderes Bild von der Grösse der Gegenstände gemacht habe. Er musste seine Tastwahrnehmungen durch Gesichtswahrnehmungen berichtigen."[24]

Als May im Waldröschen schrieb: Don Emanuel lernte sehen, so war dies für die Romanhandlung unsinnig, und kaum ein anderer Schriftsteller hätte diesen Satz gebraucht. Bei May jedoch hatte sehen lernen einen ernsten, persönlichen Hintergrund:

Es gab für mich weder Gestalten noch Formen, noch Farben, weder Orte noch Ortsveränderungen. Ich konnte die Personen und Gegenstände wohl fühlen, hören, auch riechen; aber das genügte nicht, sie mir wahr und plastisch darzustellen. Ich konnte sie mir nur denken. Wie ein Mensch, ein Hund, ein Tisch aussieht, das wußte ich nicht; ich konnte mir nur innerlich ein Bild davon machen, und dieses Bild war seelisch. ... Und so ist es geblieben, auch als ich sehen gelernt hatte [!], von Jugend an bis auf den heutigen Tag. ... Als ich sehen lernte [!], war mein Seelenleben schon derart entwickelt und in seinen späteren Grundzügen festgelegt, daß selbst die Welt des Lichtes, die sich nun vor meinen Augen öffnete, nicht die Macht besaß, den Schwerpunkt, der in meinem Innern lag, zu sich hinauszuziehen.[25]

Diese wenigen Zeilen belegen, dass May Zusammenhänge, die sein Augenleiden und sein späteres Leben betrafen, erkannte. Ob man im Alter oder in der Blüte seiner Jahre erblindet, für den Betreffenden bedeutet es stets eine Katastrophe: Weltbilder werden zerstört. Letzteres trifft auch zu, wenn jemand in früher Kindheit erblindet, später jedoch sehend wird. So einen Fall haben wir mit Karl May vor uns.

Die Entwicklung eines blinden oder schwer sehbehinderten Kindes verläuft naturgemäß in ganz anderen Bahnen als bei einem Sehenden. Wegen des fehlenden Sehvermögens muss es lernen, die übrigen Wahrnehmungen besser auszuwerten. Das Tasten und Hören tritt hierbei in den Vordergrund und wird zur Notwendigkeit – es ist die erste Tuchfühlung mit dem Leben überhaupt.

Kein Blinder vermag je zu entscheiden, auf welches dieser beiden Sinne eher verzichtet werden könnte, gebraucht werden einfach beide. Auch Karl May ist hiervon nicht unberührt geblieben, so dass dieses Symptom immer wieder in seinen Erzählungen auftauchte:

Gehen durfte [konnte] ich nicht, aber beim Kriechen konnte ich mit den langsam und leise vorantastenden Fingerspitzen den Raum vor mir erst vorsichtig abfühlen, ehe ich den Körper folgen ließ. [Ängstliches Umhertasten eines Blinden] So schob ich mich weiter … Ich strengte mein Gehör an und rückte noch einige Zolle weiter. Richtig! Das war das Ticken einer Taschenuhr, jedenfalls der meinigen, die er [Abrahim Mamur] mir abgenommen hatte … Meine Hände schoben sich so vorsichtig und leise vor, wie die Fühlhörner einer Schnecke. Das Ticken wurde vernehmlicher, und jetzt - pst! - jetzt war ich mit der Spitze des Mittelfingers an ein Stück Zeug gestoßen. Er befand sich also unmittelbar vor mir; er durfte nur die Hand auszustrecken, so hatte er mich.[26]

Hier liegt offensichtlich eine Deckerinnerung Mays vor, die noch aus der Phase seiner Erblindung herrührt. Der Vater Heinrich August May – gespiegelt in Abrahim Mamur – will die Aufmerksamkeit seines blinden Kindes Karl gewinnen; er bedient sich des Tickens einer Uhr. Der Knabe reagierte interessiert, worauf sein Vater hocherfreut dieses Experiment wiederholt anwendete.

Selbst noch im Erwachsenenalter beherrschte die einstige Erblindung das Leben Karl Mays:

Die Uhr, deren Zeiger ich mit der Fingerspitze befühlte, sagte mir, daß es bereits Mitternacht sei.[27]

Blinde entwickeln oft im Hören, Tasten, Riechen oder Schmecken erstaunliche Fähigkeiten. Sehende sind immer wieder erstaunt, wenn Blinde größere, stumme Objekte wie einen Laternenpfahl schon im Abstand von etwa einem Meter wahrnehmen und ohne anzustoßen ausweichen können. Sie hören den Schall, der von der Laterne reflektiert wird. Bei sehenden Menschen wird diese Fähigkeit nie ausgebildet.[28]

Mit Hilfe ihres Geruchs- und Temperatursinns erhalten Blinde Vorstellungen über Farben, beispielsweise der Geruch von frischgemähtem Gras für Grün oder die Einwirkung von Wärme und Hitze für Rot.[29] In diesem Zusammenhang wird das bei May immer wiederkehrende Feuer- und Rauchmotiv verständlich.

Der Dichter wurde in eine Zeit hineingeboren, in welcher es noch kein elektrisches Licht gab. Folglich musste man sich abends mit Kerzen oder Petroleumlampen helfen. In Mays Elternhaus war dies nicht anders. Er spricht in seiner Selbstbiographie von einem qualmenden Oellämpchen.[30]

Sehen konnte er jenes Lämpchen in seinen ersten Lebensjahren nicht, um so besser riechen. – Ja, er muss den eindringlichen Geruch unbedingt verspürt haben. Wer erinnert sich nicht daran, dass der Ich-Erzähler, wenn er ein Öltal betritt, zuerst einen starken Petroleumgeruch wahrnimmt; immer wieder erscheint dieses Motiv, welches schließlich zur Katastrophe führt.

Durch eine Explosion setzt das freiwerdende Öl oder Petroleum – beide Begriffe sind bei May synonym – ganze Täler und Flüsse in Brand. Mays Faszination für diese übelriechenden Flüssigkeit ist unverkennbar. Er, der viele seiner Erzählungen nachts schrieb, wird oft dem Flackern seiner Petroleumlampe zugeschaut haben. Dann sah er im Geiste die Lampe umstürzen und das brennende Petroleum auf dem Fußboden sich ausbreiten.

In demselben Augenblicke stürzten sämmtliche vier Lampen von der Decke herab auf die Köpfe der sich darunter Befindlichen. Die Lampen waren mit Petroleum gefüllt. Die Schirme und Cylinder zerbrachen auf den Köpfen; das Oel ergoß sich über sie; einer der Ballons explodirte; da, wo dies geschah, zischte eine grelle Flamme empor, während übrigens tiefes Dunkel herrschte.[31]

Bisher habe ich versucht zu zeigen, dass der blinde Karl May die Umwelt durchaus wahrnehmen und sich von den Dingen zutreffende Vorstellungen machen konnte; einfach war es für ihn dennoch nicht: Versuche mit blinden Kindern aus heutiger Zeit haben ergeben, dass eine sinnvolle Erziehung mit den größten Schwierigkeiten verbunden ist. Nicht selten drohen solche Bemühungen gar zu scheitern. Es gibt nicht wenig Kinder, die das Schulalter entweder effektiv gestört erreichen oder intelligenzmäßig nicht richtig und genügend darauf vorbereitet wurden. Keine leichte Aufgabe also für Mays Märchengroßmutter Johanne Christiane Kretschmar.

Ich war die ganze Zeit des Tages nicht bei den Eltern, sondern bei Großmutter. Sie war mein alles. Sie war mein Vater, meine Mutter, meine Erzieherin, mein Licht, mein Sonnenschein, der meinen Augen fehlte. Alles, was ich in mich aufnahm, leiblich und geistig, das kam von ihr.[32]

Was konnte May in seinen ersten Lebensjahren von ihr lernen? Zunächst ging es darum, Tag von Nacht zu unterscheiden. Tagsüber herrscht ein geräuschvolles Treiben, abends wird es zunehmend ruhiger. So lernt May diese Realität kennen. Das Singen der Vögel im Frühjahr, die Fliegenplage im Sommer, das Rauschen des Windes im Herbst sowie das Prasseln der Hagelkörner im Winter stärken sein Verständnis zur Umwelt. Die Großmutter kann ihm erklärend beiseite gestanden haben. Dabei ist jedoch folgendes zu beachten: Blinde Kinder können nicht die Lippen ihrer Bezugspersonen sehen. Sie begreifen daher nicht so leicht, wie Laute gebildet werden. Sie nehmen die Sprache nur mit dem Gehör auf. Das erschwert natürlich die sprachliche Entwicklung. Viel Geduld und Einfühlungsvermögen sind nötig, wenn man etwas erreichen will. Mays Großmutter wird alles erdenkliche versucht haben, ihrem blinden Enkelkind das Augenlicht zu ersetzen, indem sie das Aussehen der Menschen erklärte, ihre Gesichter, ihre Kleidung. Und dies alles blieb ewig in Mays Gedächtnis haften, denn es finden sich zahlreiche Belege in seinem Werk.

Man denke hierbei an die ellenlangen, subtilen Personenbeschreibungen im Sohn des Bärenjägers.[33] Diese Form des Schreibens, dem Leser alles so verständlich wie eben möglich zu machen, ist in eigenen Kindheitserfahrungen begründet. Hier liegt die Wurzel für seine große Gabe, ferne, nie gesehene Länder mit einer solchen Überzeugungskraft darzustellen, dass viele Leser damals an die Echtheit seiner Erzählungen glaubten. Seine Erblindung und der damit verbundene Zwang, sich alles vorstellen zu müssen, haben somit erheblich dazu beigetragen.

In seiner Selbstbiographie Mein Leben und Streben berichtet May, seine Großmutter habe ihm Märchen erzählt. Johanne Christiane Kretschmar hatte, wohl ohne es zu wissen, den richtigen Weg gewählt. Blinde Kinder sprechen gewöhnlich sehr auf Märchen an. Die Ursache mag darin liegen, dass blinde Kinder mehr als Sehende zum Phantasieren neigen. May lernte bestimmt nur einfache, verständliche Märchen kennen. Das Märchen von Sitara, welches May in seiner Selbstbiographie erwähnt, wäre für ihn unmöglich zu verstehen gewesen.[34] Ein blindes Kind hat schon enorme Schwierigkeiten mit normalen Märchen. Dies zeigt eine simples Beispiel:

Nehmen wir das Märchen von "Schneeweißchen und Rosenrot". Allein die Überschrift hält vier Fragen für ein blindes Kind bereit:

   Was ist Schnee? Was ist weiß?
   Was sind Rosen? Was ist rot?

Die Großmutter stand hier vor großen Problemen. Als blindes Kind war May weit davon entfernt, all das zu begreifen. Im Alter von fast vier Jahren erhielt May nach einer ärztlichen Behandlung sein Augenlicht zurück. Wie bereits erwähnt, musste er jetzt den Gebrauch seiner Augen erlernen. Normalerweise lernt ein Mensch im Säuglingsalter, alle Sinnesorgane gleichzeitig zu gebrauchen. May blieb dies zeitweise versagt. Eindrücke, die er bereits mit seinen verbliebenen Sinnen gewonnen hatte, musste er jetzt auf die Wahrnehmungen seines Augenlichts übertragen.

Und so ist es geblieben, auch als ich sehen gelernt hatte, von Jugend an bis auf den heutigen Tag. Das ist der Unterschied zwischen mir und anderen. Das ist der Schlüssel zu meinen Büchern.[35]

Mays Ausführungen werden in seinem Roman Waldröschen anschaulich bestätigt:

Er warf sich auf sie … er wollte die herrlichen Reize betasten und prüfen … Da sprang er auf … Jetzt sah er noch vielmehr als vorher, welche Schönheit er vor sich hatte. Seine Augen wurden größer …[36]

Wir erkennen betasten und prüfen stehen als Wahrnehmungen im Vordergrund. Erst dann kommen die Augen ihrer Bestimmung nach, genau so, wie May dieses Phänomen in seiner Selbstbiographie beschrieben hat! Ein bemerkenswertes Beispiel solcher Vorgänge findet sich in Charlie Chaplins Film "Lichter der Großstadt".

Charlie lernt dort ein blindes Blumenmädchen lieben, bald jedoch trennen sich ihre Wege. Es vergeht einige Zeit, bis sie das Schicksal wieder zusammenführt. Das Blumenmädchen wurde inzwischen erfolgreich an den Augen operiert. Sie erkennt Charlie nicht, ihre jetzt gesunden Augen haben ihn nie gesehen. Erst als sie sein Gesicht abtastet, weiß sie, wen sie vor sich hat.

Mit dem "Tasten und Prüfen" hat May bei der Karja so etwas wie einen genetischen Fingerabdruck hinterlassen. Eine ähnliche Szene finden wir im Scout; dort wird geradezu exemplarisch seine besondere Wahrnehmung deutlich:

Da hörte ich eilige Schritte. Eine dunkle Gestalt tauchte grad vor mir auf, sprang augenblicklich auf mich ein und warf mich zu Boden. Der Mann kniete auf mir und legte mir die Hände um den Hals, … Ich bäumte mich empor und warf ihn ab. Er flog zur Seite auf den Boden und ich schnellte mich auf ihn, um nun meinerseits ihn beim Halse zu nehmen. … Mit aalglatten Bewegungen suchte er mir zu entschlüpfen. Aber es gelang ihm nicht. Endlich wurden seine Bewegungen langsamer und schwächer, und seine Hände lösten sich von den meinigen. Er lag still. … Dann betastete ich ihn, da es zu dunkel war, ihn betrachten zu können. Welche Überraschung; ich hatte – – Winnetou besiegt! [37]

Keine Frage: Allein durch "Betasten" eine fast noch unbekannte Person zu erkennen, das vermag "nur" ein Blinder, niemals ein Sehender. Die einzige Ausnahme: Jemand hat die Welt zunächst nur durch "Ertasten, Lauschen, Riechen und Schmecken" kennengelernt und lernt erst danach sehen. Da May, als er diesen Abschnitt für den Scout schrieb, nicht blind gewesen sein kann, muss er es als Kind gewesen sein. Menschen – mit stets gesunden Augen – hätten etwa so geschrieben: Er lag still. Das Mondlicht fiel auf das Gesicht des Indianers. Welche Überraschung; ich hatte – – Winnetou besiegt!

Diese Art des Tastens als Erkennen war so selbstverständlich für May, dass es zumeist unbewusst – nicht als autobiographische Spiegelung – in seine Texte gelangte. Ich kenne keinen Autor, der sonst so geschrieben hätte! Hier bestätigt sich Mays Blindheit -: geschwollene Augenlider, die sich nicht öffnen ließen.

Leider aber muß ich, ohne der Zukunft vorzugreifen, sagen, daß meine "Kindheit" jetzt, mit dem fünften Jahre, zu Ende war. Sie starb in dem Augenblick, an dem ich die Augen zum Sehen öffnete.[38]

Mays Wortwahl ist eindeutig: Die starke Betonung liegt auf dem 'Öffnen der Augen'. Wer also die Augen nicht zu öffnen vermag, kann nicht sehen – er ist blind! In den folgenden vier Werk-Beispielen dürfte May seine Kindheitserinnerungen unterschwellig verarbeitet haben:

Ich hörte sie sprechen; ich roch den Duft von Fleisch, welches sie über dem Feuer brieten. Ich wollte sie auch sehen, aber ich konnte die Augen nicht öffnen [!][39]

"O, dann will ich Dir die Augen heilen, die Du nicht öffnen kannst!" [!]
   Und jetzt fühlte sie zwei warme Lippen erst auf dem rechten und dann auf dem linken Auge. Nun drückten sie sich gar auf die beiden neckischen Grübchen in den Wangen. Das war doch sonderbar, so daß man die Augen wirklich öffnen mußte, wenn auch nur ein ganz, ganz klein wenig. Aber sie schlossen sich sofort wieder, denn sie wurden förmlich geblendet [!] von einem Blicke, welcher von oben herab in sie hineinleuchtete …[40]

... aber die Männer, bei denen ich war, segeln im Nebel, ohne die Augen zu öffnen. [!] Ich habe Alles gethan, um sie sehend zu machen [!]; ich habe ihnen meine Ansichten entwickelt; ich habe ihnen den Vorhang der Zukunft gelüftet – sie wollten blind [!] bleiben.[41]

Er hat hier die Augen zu öffnen [!], um dort sehend zu sein. Er hat hier zu lernen, um dort zu bestehen.[42]

Natürlich sind dies Erzähltexte, die man im Kontext der Handlung sehen muß. Dennoch besitzen solche Passagen in dieser Fülle genügend Beweiskraft, wie auch der folgende Brief, den May am 20. März 1897 einer unbekannten Person im Elsaß schrieb:

Da Sie die drei Bände Old Surehand noch nicht zu kennen scheinen, schicke ich sie Ihnen als Geschenk von Ihrem Old Shatterhand. Aus dem ersten Bande werden Sie ersehen, daß auch ich blind gewesen bin und also sehr wohl weiß, welche herrliche Gottesgabe den lieben Zöglingen Ihrer Anstalt versagt worden ist …[43]

1897 gab es für May keinen ersichtlichen Grund, die Unwahrheit zu schreiben. Johannes Zeilinger schreibt jedoch in seiner Dissertation:

"So ist in doppelter Hinsicht die Blindheitsepisode des jungen May eine ophthalmologische Unmöglichkeit, und wie inzwischen 'Der Hakawati', das Lieblingsmärchenbuch von Mays Großmutter und damit auch des blinden Enkels, als Phantasieprodukt des gealterten Schriftstellers entmythologisiert wurde, so muß auch die autobiographische Schilderung der frühkindlichen Blindheit und deren wundersame Heilung als nachträgliche Heroisierung oder gar Allegorisierung verstanden werden."[44]

Allein schon Mays Brief von 1897 zeigt, dass von 'nachträglicher Heroisierung oder gar Allegorisierung' des gealterten Schriftstellers nicht die Rede sein kann. Mays Version seiner Erblindung in der Kindheit ist kein Produkt seiner Phantasie, mit der er Mitleid erheischen wollte. Sie basiert auf einer perfekten rationalen Erklärung - einer Erkrankung, die immer noch in weniger entwickelten Ländern existiert. Als Karl May seine Umwelt im Alter von etwa drei Jahren bewusst wahrzunehmen begann, konnte er nicht sehen, er war für sich selbst und die Leute um ihn herum – blind! Karl Mays Bericht von seiner Blindheit ist völlig verständlich und auch dank des heutigen medizinischen Wissens erklärbar. Die Blindheit bleibt eine entscheidende Phase im Leben Karl Mays.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Mays frühkindliche Erblindung war bestimmend für sein ganzes Leben. Er war primär ein Hör- und Tastmensch. Als seine Kindesaugen zum ersten Mal die harte Realität des Weberelends erblickten, nahm er Abstand von der düstern Wirklichkeit:

Ich blieb ein Kind für alle Zeit, ein um so größeres Kind, je größer ich wurde, und zwar ein Kind, in dem die Seele derart die Oberhand besaß und noch heute besitzt, daß keine Rücksicht auf die Außenwelt und auf das materielle Leben mich jemals bestimmen kann, etwas zu unterlassen, was ich für seelisch richtig befunden habe.[45]

Ralf Harder


"Die Erblindung – eine entscheidende Phase im Leben Karl Mays" erschien erstmals in den Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft, Nummer 68, Mai 1986, S. 35ff. Für die Internetseiten der Karl-May-Stiftung wurde dieser Text überarbeitet und erweitert.


Anmerkungen

[1] Karl May: Blind und doch sehend. In: Himmelsgedanken, Freiburg [1900], S. 114.

[2] Johannes Zeilinger: AUTOR IN FABULA - Karl Mays Psychopathologie und die Bedeutung der Medizin in seinem Orientzyklus, Med. Dissertation, Leipzig 1999, S. 11f.

[3] Johannes Zeilinger: AUTOR IN FABULA, wie Anm. 2, S. 13.

[4] Johannes Zeilinger: AUTOR IN FABULA, wie Anm. 2, S. 15.

[5] Die erste Abteilung Die Sclaven der Armuth des Romans Der verlorne Sohn hätte genausogut "Die Sclaven des Hungers" heißen können -: Hunger und Armut sind in diesem Roman identisch. Eine gegenwärtige Definition: "Insgesamt erblinden jährlich etwa 500.000 Kinder, die meisten davon in den Armutsgebieten [!] unserer Erde. Schlechte Ernährung [!] und fehlende medizinische Versorgung sind die Hauptursachen." Quelle: CBM Christoffel-Blindenmission: www.cbm.or.at/jede.htm 

[6] Karl May: Mein Leben und Streben, Freiburg [1910], S. 16.

[7] Mein Leben und Streben, wie Anm. 6, S. 20.

[8] Dr. William E. Thomas: Karl May & Rachitis

[9] Entstehung und Entwicklung der Bergstadt Hohenstein. Zusammengestellt und herausgegeben von Oberlehrer Otto Sebastian, zweite vervollständigte Auflage, Hohenstein-Ernstthal 1927, S. 211f.

[10] Im Kirchenbuch von Beutha (Sachsen) taucht die 'Englische Krankheit' bereits 1754 auf.

[11] Dr. William E. Thomas: Karl Mays Blindheit I

[12] Aus einem Bittgesuch von 1844, Stadtarchiv Hohenstein-Ernstthal. Zitiert nach Hainer Plaul: Der Sohn des Webers - Über Karl Mays erste Kindheitsjahre 1842-1848. In: Jb-KMG 1979, Hamburg 1979, S. 50.

[13] Johannes Zeilinger: In den Schluchten der Diagnostik. In: M-KMG 122 / Dezember 1999, S. 12.

[14] Vgl. 'Ueber die Krankheiten der Thränenorgane', Wien 1803.

[15] Dr. William E. Thomas: Karl Mays Blindheit I

[16] Dr. André Bigelbach: http://www2.vo.lu/homepages/Bigelbach/TIPS/vitamin.htm

[17] Dr. William E. Thomas: Karl Mays Blindheit II

[18] Mein Leben und Streben, wie Anm. 6, S. 16.

[19] Vgl. Johannes Zeilinger: AUTOR IN FABULA, wie Anm. 2, S. 13ff.

[20] Vgl. Die Hungersnot der 1840er Jahre am Beispiel Karl Mays und seiner frühkindlichen Erblindung.

[21] Vgl. Bayerisches Blindengeldgesetz: http://www.lvf.bayern.de/bayblindg/blind-ges.html 

[22] Prof. Dr. Oskar Eversbusch: Die Augen-Erkrankungen im Kindesalter, Leipzig 1912 (Copyright u. Vorwort 1911), S. 608.

[23] Karl May: Waldröschen oder die Rächerjagd rund um die Erde, Dresden 1882 - 1884, S. 1307.

[24] Ursula Burkhard: Die Blinden werden sehen, Bern u. Stuttgart 1969, S. 16.

[25] Mein Leben und Streben, wie Anm. 6, S. 31 u. 32.

[26] Karl May: In den Schluchten des Balkan, Freiburg 1892, S. 430 u. 432.

[27] Karl May: Der Schut, Freiburg 1892, S. 129.

[28] Vgl. Michael Brambring: Lehrstunden eines blinden Kindes, München-Basel 1993, S. 148.

[29] Vgl. Ursula Burkhard: Farbvorstellungen blinder Menschen, Basel-Boston-Stuttgart 1981.

[30] Mein Leben und Streben, wie Anm. 6, S. 9.

[31] Karl May: Die Liebe des Ulanen, Dresden 1883 - 1885, S. 87.

[32] Mein Leben und Streben, wie Anm. 6, S. 32.

[33] Karl May: Der Sohn des Bärenjägers, Stuttgart 1890, S. 3ff.

[34] Vgl. Ralf Harder: Kara Ben Nemsi und der Wolf

[35] Mein Leben und Streben, wie Anm. 6, S. 31.

[36] Karl May: Waldröschen oder die Rächerjagd rund um die Erde, wie Anm. 21, S. 1009.

[37] Karl May: Der Scout, In: Deutscher Hausschatz in Wort und Bild, Verlag Friedrich Pustet, 15. Jg. 1888/89, Nr. 38, S. 600 u. 602.

[38] Mein Leben und Streben, wie Anm. 6, S. 36.

[39] Karl May: In den Schluchten des Balkan, Freiburg 1892, S. 179.

[40] Karl May: Waldröschen, wie Anm. 21, S. 1258.

[41] Karl May: Robert Surcouf, In: Deutscher Hausschatz in Wort und Bild, Verlag Friedrich Pustet, 8. Jg. 1881/82, Nr. 50, S. 799.

[42] Karl May: Am Jenseits, Freiburg 1899, S. 303.

[43] Zitiert nach: Volker Griese, Karl May - Stationen eines Lebens, Sonderheft der KMG, Nr.104/1995, S. 29.

[44] Johannes Zeilinger: AUTOR IN FABULA, wie Anm. 2, S. 15.

[45] Mein Leben und Streben, wie Anm. 6, S. 33.


Karl May - Leben und Werk

Titelseite: Karl-May-Stiftung

Karl Mays Blindheit.  Das Kurländer Palais – Schicksalsstätte für Karl May (extern)