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 Betreff des Beitrags: Der letzte Ritt
BeitragVerfasst: 26.3.2006, 7:47 
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Die späteren Teile des Orient-Zyklus spielen nicht nur geographisch auf anderem Territorium als die ersten Bände, sondern sind auch entstehungsgeschichtlich von diesen getrennt (dazwischen lagen die Kolportageromane, wobei es allerdings auch zeitliche Überschneidungen gab).

Die Reise geht weiter, der Schwung ist nicht mehr so ganz der alte, wenn auch die Gestimmtheit des Verfassers in diesem Band deutlich entspannter zu sein scheint als zuvor in „Von Bagdad nach Stambul“, wo das Leben ihn, auch gemütsmäßig, doch arg beutelte.

Bei Nachtwächter und Kjaja fällt die „neue Großkotzigkeit“ des Ich-Erzählers auf. Es reiht sich dann Episode an Episode, der Rosenzüchter, Schimin, der Schmied (der über ein erstaunliches politisches Bewusstsein verfügt), Ali, der Buchhändler und Kolporteur, die reizende Begegnung mit der Bäckersfrau und später ihrer Familie, dann der Hinterhalt im Wald mit der detaillierten Schilderung einer Nahtoderfahrung. Hier tauchen Hadschi Halef und die anderen wieder auf, nachdem der Ich-Erzähler eine ganze Weile ohne die Gefährten unterwegs war.

Selbst wenn es um Leben und Tod geht oder ging, fließt hier gleichsam etwas Spielerisches, Burleskes hinein, der Ich-Erzähler verzeiht dem Bäcker, der ihm doch ans Leben wollte, als wenn nichts gewesen wäre (das mag auch mit im Grunde geringer Selbstachtung unseres Autors zu tun haben), und auch die Pascherei wird wohl fröhlich weitergehen, sobald der Ich-Erzähler den Leuten den Rücken gekehrt hat. Es herrscht eine ganz andere Atmosphäre als in Band 3, alles ist irgendwie oberflächlicher, leichter, lockerer, vielleicht hinterläßt hier schon die Kolportagezeit ihre Spuren.

Und wieder Episoden, die alle eigentlich herzlich wenig miteinander zu tun haben: die halbnackte Frau, die bestraft werden soll, ein äußerst flüchtiges Intermezzo mit Albani, dem Skatfreund und Lebenskünstler, den wir aus „Durch die Wüste“ in so angenehmer Erinnerung haben (der bleibt dann sang- und klanglos und ohne Verabschiedung in Melnik, ich habe fast den Eindruck, der Erzähler hat ihn dort mehr oder weniger vergessen), diverse zwielichtige Wirte, der Altar der Christin, der Taubenschlag, unheimliche Fleischer und Barbiere, schließlich die Vampirgeschichte (diese völlig für sich stehende Episode ist für mich ziemlich zweifelsfrei eine eingearbeitete Geschichte, vielleicht sogar von einem anderen Autoren abgeguckt). Und mit dieser Episode endete seinerzeit im „Hausschatz“ der Text „Der letzte Ritt“ (Ende Band 3 bis Vampir-Geschichte in Band 4), der erst nach einer weiteren Unterbrechung mit „Durch das Land der Skipetaren“ (so hieß seinerzeit der ganze restliche Teil des Orient-Zyklus ab letztem Teil von Band 4) seine Fortsetzung erhielt.


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