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 Betreff des Beitrags: Venanz Müller - der Förderer Karl Mays
BeitragVerfasst: 3.6.2004, 8:41 
Bringt man Karl May mit dem Deutschen Hausschatz in Verbindung, so werden die Namen Friedrich Pustet, Otto Denk und vorallem Heinrich Keiter genannt, weniger aber der Name des ersten Redakteur des DH -Venanz Müller (1831-1906).
Müller übernahm 1874 die Redaktion des DH und leitete das Blatt bis 1888. Seit 1879 war May Hausautor des DH und wurde von Müller gefördert. Auch während der Kolportagezeit Karl Mays von 1882-1887 - wo dieser die Mitarbeit beim DH sehr vernachlässigte - stand Müller stets zu seinem Autor und bastelte an der späteren Legende Mays, daß dieser auf Reisen sei, da das Manuskript des späteren Orientzyklus nur mit großen Unterbrechungen in der Redaktion eintraff.
Auch die bedeutsamen Romane Mays, wie "Der Scout" und "El Sendador" wurden noch unter Müllers Redaktionszeit begonnen.

Venanz Müller war selbst schriftstellerischt tätig und verfasste u.a. die Romane "Der letzte Novize in Andechs" (1870) und "Die Sonnengöttin" (1874).

Die ganz großen Reiseerzählungen Mays "Der Mahdi", "Satan und Ischriot" und die ersten Teile von "Im Reiche des silbernen Löwen" erschienen unter Heinrich Keiter, der aber Karl May durchaus nicht sonderlich gewogen war, aber das ist eine andere Geschichte.

Viele Grüße
Kurt


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 3.6.2004, 13:45 
Hallo Kurt!

Ein obskures Kapitel im Zusammenhang mit Venanz Müller ist die Diskussion um eventuelle Kürzungen und Bearbeitungen von May-Texten auch schon unter diesem Redakteur, insbsondere im Zusammenhang mit 'Durch das Land der Skipetaren'

So schreibt Christoph F. Lorenz in seinem Essay 'O, diese Herren Redakteure' (in 'Der geschliffene Diamant'):

Auch unter der Regie Venanz Müllers waren Kürzungen gang und gäbe, wie folgendes "Redaktionstelephon" verrät:

"Wir selbst bedauern, daß die Erzählung 'Durch das Land der Skipetaren' mehr Raum einnimmt, als es im Interesse der Mannigfaltigkeit des gesammten Heft-Inhaltes zuträglich ist. Aber diese Erzählung muß im laufenden Jahrgang unserer Zeitschrift zu Ende geführt werden, und deshalb bleibt uns nichts* Anderes übrig, als redactionelle Änderungen darin vorzunehmen, wo sie eben thunlich sind (...)


*: im 'Diamant' fälschlich: nicht

allerdings geht das "Redaktionstelephon" ja noch weiter:

(...), und sonstige größere Novellen auszuschließen
(14. Jg, Heft 15, August 1888, zitiert nach KMG-Mitteilungen 18, S. 17)

Wenn ich den überproportional großen Umfang betrachte, den Mays Text in den bewußten 'Hauschatz'-Nummern einnimmt, dann würde ich das "Redaktionstelephon" allerdings so interpretieren, daß Müller einfach nur meint, daß in den betreffenen Heften Mays Text sehr stark dominiert und deshalb Texte anderer Autorn sowie redaktionelle Rubriken dort nur eingeschränkt abgedruckt wurden; keinesfalls aber, daß er an Mays Texten oder solchen anderer Autoren großartig herumgefummelt hat. Die Auffassung von Lorenz, nach welcher Änderungen praktisch Kürzungen bedeutet hätten, welche zudem noch gang und gebe gewesen wären, scheint mir doch eher ein Fall von suggestiver Argumentation zu sein, denn ein wirklicher Beweis, daß May tatsächlich auch schon unter Venanz Müller inhaltlich bearbeitet wurde.


Viele Grüße,
Thomas


Zuletzt geändert von Thomas Schwettmann am 4.6.2004, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 3.6.2004, 16:33 
Hallo Thomas,

eigentlich ging es mir darum, auf die Verdienste Venanz Müllers hinzuweisen, der im Gegensatz zu den Redakteuen Heinrich Keiter und Otto Denk etwas in Vergessenheit geraten ist. Letztlich war es Müller, der Karl May zum "Star-Autoren" des DH emporhob. Inwieweit daran direkt auch Friedrich Pustet jr. beteiligt war, vermag ich zur Zeit noch nicht zu beurteilen.

Ob er in diesem Zusammenhang auch Texte von May ein wenig bearbeitet hat, ist für mich - da ich kein unbedingter Textpurist bin - nur von zweitrangiger Bedeutung. Sein engagiertes Wirken für Karl May zählt alleine.

Ferner gilt auch mein Interesse den schriftstellerischen Arbeiten Venanz Müllers, wobei ich an dieser Stelle nochmals die beiden Romane "Der letzte Novize von Andechs" und "Die Sonnengöttin" erwähnen möchte, die ich in den letzten Tagen erwerben konnte aber noch nicht in Händen habe.
Gerade sein Werk "Die Sonnengöttin" könnte darüber Aufschluß geben, warum er die Arbeiten Karl Mays so schätzte.

Viele Grüße
Kurt


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BeitragVerfasst: 4.6.2004, 13:13 
Hallo Kurt!

Ich wollte die Intention deines Beitages, die Verdienste Venanz Müllers zu preisen, auch keineswegs unterlaufen. Eher im Gegenteil .Die Bearbeitungs-Thematik fiel mir nur auf, als ich für einen anderen Thread über Keiters Eingriffe recherchierte, wobei ich aus meinem Beitrag dann den oben zitierten Passus über die Möglichkeit, das Müller ebenfalls schon bearbeitet haben könnte, vor dem Eintrag in Forum herausstrich.

Man sollte schon davon ausgehen, daß Mays Rechtschreibung mitunter minimal verändert worden sein könnte, aber
eine der wenigen Stellen, an denen mir eine inhaltliche Bearbeitung Müllers möglich erscheint, ist die folgende
Textpassage im 'Ehri'-Abdruck:

DH 256, R52: Auf Seite 64 des laufenden Jahrganges brachte der "Deutsche Hausschatz" die Bemerkung, daß Deutschland auf der Samoainsel Upolu einen Marinestation gegründet habe. Dort und zwar in Saluafata (...)

Ansonsten gibt es auch einige Fußnoten, in denen auf frühere May-Hausschatztexte verwiesen wird, so wird etwa im 'Kiang-lu' angesichts der Flußpiraten auf die Wüstenräuber der Gum in 'Unter Würgen' erinnert.

Allerdings kann man auch nicht ausschließen, daß May als ehemaliger Redakteur mitgedacht hat und solche Verknüpfungen selber eingefügte, so wurde , im Falle
der Samoainsel in der besagten Ausgabe (Nr. 4, 1879) auf den Seiten 58-62 auch die erste Fortsetzung von 'Der Girl-Robber' abgedruckt, sodaß ihm der Text dieser Hausschatz-Ausgabe also möglicherweise vorlag. Der genaue Wortlaut in der Rubrik 'Allerlei-Wochenrundschau', auf dem sich der Hinweis bezieht, ist übrigens dieser:

Deutschland besitzt bereits vier Marinestationen im stillen Ocean: Bavau auf den Tonga-Inseln, Mioko auf der Insel Duke of York (Neubritannien), Jalluit auf den Marshall-Inseln und als vierte und jüngste Saluafata auf der Samoa-Insel Upolu.

Welche Art Romane sind denn "Der letzte Novize von Andechs" und "Die Sonnengöttin"? Sind dies auch katholisch-religiös geprägte Abenteuerbücher? Der erstere klingt ja nach heimischen Gestaden, der zweite nach exotischen Gefllden. Ob sich Müller wohl auch durch seine Hausschatz-Autoren, insbesondere May, beeinflußen ließ? Hat er denn auch selber für den Hausschatz geschrieben?

Viele Grüße,
Thomas


Zuletzt geändert von Thomas Schwettmann am 5.6.2004, 13:27, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 4.6.2004, 20:25 
Hallo Thomas,

Karl May hat auf Venanz Müller keinen Einfluß genommen, denn die beiden genannten Werke von Müller erschienen 1870 bzw. 1874.

"Der letze Novize in Andechs" (1870) nimmt praktisch Umberto Ecos "Im Namen der Rose" ein wenig vorweg. Ich habe heute mit der Lektüre begonnen, kann daher noch nicht viel dazu sagen, aber es ist ohne jeden Zweifel ein ausgeprägt katholisches Buch mit einer spannenden und sehr mysteriösen Geschichte. Das Buch handelt 1803 zur Zeit der Säkularisierung der bayerischen Klöster und spannt einen Bogen bis in das Jahr 1853.

"Die Sonnengöttin" handelt zur Zeit der Eroberung des Inkareiches durch Pizarro, aber das Buch erhalte ich wohl erst in etwa einer Woche.

Ob Karl May die beiden Bücher kannte, ist natürlich eine sehr interessante Frage, die sich ohne weiteres nicht beantworten lässt.
Aber am 28. Juni bin ich ja mal wieder auf dem Hügel und erfahre da eventuell näheres, ob May die beiden Werke von Venanz Müller kannte. :D :lol:

Viele Grüße
Kurt

P.S. Kennst Du das Buch von Volker Griese "Karl May - Personen in seinem Leben"? Es ist sehr hilfreich wenn es um Menschen in Karl Mays
Umfeld geht. Das Buch ist bei der Edition Octopus erhältlich.
Siehe www.edition-octopus.de


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 5.6.2004, 13:47 
Hallo Kurt

Nein, von Volker Griese kenne ich nur die Chronik, die auch auf der Werke-Cd zu finden ist.

Die Frage nach der Art von Literatur, die Müller schreibt, finde ich deshalb so interessant, weil es im Hausschatz auch einige wenige Kleintexte exotisch-abenteuerlicher Thematik zu Abbildungen gibt, wie der vollständige Jahrgang auf den KMG-Internetseiten zeigt.

Da gibt es etwa einen Kurztext zu einer Fahrt auf den Magdalenenstrome zu einem Stich Rious, der ein ganz klein wenig an Mays Beschreibung der Fahrt auf den Rio de la Plata in 'El Sendador' erinnert (ohne daß es dabei allerdings zu irgendwelchen markanten Parallelen kommt). Obwohl sich der Text nun einem Bericht des französischen Botankiers und Autor André zu folgen scheint - wahrscheinlich stammt auch die Illustration aus dessen Bericht - wird von diesem Manne dabei doch in der dritten Person erzählt. Der Text ist also mindestens bearbeitet worden, vielleicht aber besaß der Verlag auch nur die Rechte am Bild, und der anonyme Autor mußte selber etwas hinzuerfinden. Da fragt sich, ob dies Müller selber gemacht hat, oder ob er dazu einen 'Hausautor' beauftragt haben könnte.

Diese kurze Skizze habe ich ich übrigens als E-Text vorliegen, ich könnte diesen also - falls gewünscht - hier zitieren. Er ist allerdings stilistisch nicht besonders auffällig, sodaß man in dieser Hinsicht wohl keinerlei Rückschlüsse auf den Autor ziehen kann.

Viele Grüße,
Thomas


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