Diskussionsforen der Karl-May-Stiftung

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BeitragVerfasst: 3.6.2007, 13:56 
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husband der alles lesen MUSS das ich schreibe


Armer Kerl ...

Da hat es meine besser. Ich lebe in einer rundum glücklichen Beziehung, was unter anderem auch daran liegen mag, daß meine Lebensgefährtin weder Karl May noch [normalerweise] meine Forenbeiträge liest ...

:lol:


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BeitragVerfasst: 3.6.2007, 14:33 
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Karl May bringt immer wieder atemberaubende Bilder, ob jedes Mal bewusst, ob nicht, vermag ich nicht mit letzter Sicherheit zu beurteilen.

Es ist heute nicht das erste Mal, daß ich ein Indianerpferd damit täusche. In einigen Stunden ist dieser Geruch verschwunden, und wenn ich dann die Decke ablege und den Hut aufsetze, wird der Gaul die Täuschung erkennen und sich wehren. Dann wird es bei Tage und in der offenen Prairie den Kampf geben, den ich jetzt umgangen habe, weil ich allerdings das Leben riskiert hätte
[…]
es war das Vorzeichen des nahen Kampfes. Im Nu flog die Decke herab und zu Old Wabble hinüber; ebenso schnell warf ich mir den Lasso über die Schulter; mit der einen Hand die improvisierten Zügel ergreifend, zog ich mit der andern den Hut unter dem Rocke hervor, um ihn aufzusetzen und fest anzudrücken. Da warf das Pferd den Kopf herum, einen einzigen kurzen Augenblick nur sah es mich, dann wieherte es laut und zornig auf und stieg vorn empor


Die Sache mit dem Hut, dem fest andrücken und dann dem „einen einzigen kurzen Augenblick nur sah es mich“, ich habe mich heute fast erschrocken, als ich das las. Es erinnerte mich nämlich an

Das, das wollte ich dir sagen, ja, sagen, denn das Anspeien ist ja die deutlichste der Sprachen! Du bist der elendeste, der armseligste Mensch, der mir jemals vorgekommen ist! Mit Worten der Liebe hast du dich in mein Herz gestohlen, während in dem deinigen nur der Haß regiert! Du gabst dir den Anschein der Seelenreinheit, der Gedankenhöhe und wälzest dich doch in dem tiefsten, niedrigsten Schmutze des Verbrechens! Du hast das Kleid der Güte, der Barmherzigkeit um dich geschlagen und hetzest doch die Menschen wie Hunde, die sich zerreißen sollen, auf einander. Du heuchelst Wahrheit, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Treue und bist doch voller Falschheit, Lug und Trug! Ja, deine Gelehrsamkeit ist groß, wohl größer als das Wissen, welches ich mir mühsam erworben habe, aber du hast sie in den Pfuhl der sittlichen Verdorbenheit geworfen, aus dem heraus sie nur verderbend anstatt Segen bringend wirken kann! Du giebst vor, himmelan zu streben und stehst doch nicht nur auf dem Weg zur Hölle, sondern bist schon jetzt und selbst ein Abgrund schlimmster Teufelei! Du thust, als liege dir der Menschen Seligkeit am Herzen und bist doch ein Verführer zum Verbrechen und trägst die Schuld an all der Schlechtigkeit, die hier geschehen ist! Ihr sprecht von einem Kanz el A'da, der eine unverschämte Lüge ist, du aber hast einen Raub an mir begangen, hast meine Seele betrogen und bestohlen und mir einen innern Verlust zugefügt, für den es keinen Ersatz giebt! Das mußte ich dir sagen; nur darum ließ ich mich jetzt zu dir führen, um dich des Seelenraubes, ja, des Seelenmordes anzuklagen und dir in das Gesicht zu speien, damit du erfährst, wie der von dir denkt, dem du das Herz nur öffnetest, um es noch ärmer und elender zu machen, als es vorher war! Das erblindete Auge meines Körpers ist trocken, aber mein inneres Auge weint.

(aus „Am Jenseits“. Münedschi zu Kara Ben Nemsi, wohlgemerkt.)

Oder das (wieder aus Old Surehand I), etwas ganz anderes, aber nicht minder eingänglich:


Als sie fort waren, standen wir auf und sahen einander an, obgleich wir in der Dunkelheit unsre Gesichter nicht erkennen konnten. Das, was wir gehört hatten, war von größter Wichtigkeit.

Bedürfnis nach Resonanz und Nichterkennbarkeit von Resonanz, allenfalls ein dunkler Umriß, welch Bild. Erinnert mich an den toten Fallschirmspringer bei Golding, „a ruined face“ hiess es da, glaub’ ich, statt des erhofften Erlösers …


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BeitragVerfasst: 3.6.2007, 15:42 
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Wie nun aber das lange, lange zweite Kapitel (Old Surehand I hat im Original nur vier Kapitel !) in der Oase inmitten des Llano bei „Bloody Fox“ unbeschwert-heiter besinnlich ausklingt, mit einem friedlich-glücklich zigarettenrauchenden Old Wabbel, „mit einem Behagen, welches aus jeder Falte und jedem Fältchen seines Gesichtes hervorlugte“, das hat wieder diese Maysche Menschlichkeit, für die ich ihn dann immer wieder posthum innerlich in den Arm nehme, da guckt er wieder der Welt mit großen Kinderaugen ins Gesicht, und was der Wabble [auch] wirklich für einer ist, das weiß sein Autor zu dem Zeitpunkt vermutlich selber noch nicht … „Schurken“ können halt auch richtig gemütlich und sympathisch daherkommen, wie z.B. weiland Conte Fosco alias Eric Pohlmann (oder umgekehrt …) in der Fernsehverfilmung der „Frau in Weiß“ …


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BeitragVerfasst: 4.6.2007, 0:54 
>>>da guckt er wieder der Welt mit großen Kinderaugen ins Gesicht, und was der Wabble [auch] wirklich für einer ist, das weiß sein Autor zu dem Zeitpunkt vermutlich selber noch nicht … „Schurken“ können halt auch richtig gemütlich und sympathisch daherkommen<<<

...ein gutes argument 'gegen' Konzipierung.

***

das Pferdezureiten hab ich dem Karl May abgeguckt ... damals wo ich noch Gelenke hatte die auch mitmachten. Davon vielleicht spaeter ... unter 'Reiseerzaehlungen (well...mini-episoden) eines Karl May Uebersetzers' ... 8)


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BeitragVerfasst: 6.6.2007, 22:05 
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Noch'n Strich:

Warum hatte ich ihm nur Winnetou, einen Menschen, einen Indianer, zur Nachahmung genannt? Gab es nicht höhere Vorbilder? Warum hatte ich nicht das höchste, das heiligste erwähnt? Weil es ihm in dieser Kürze unverständlich, unbegreiflich gewesen wäre; war ihm doch schon Winnetou zu viel, obgleich er diesen vor sich sah und hundert Züge des Edelmutes und der Liebe aus seinem Leben kannte! Man muß auch mit der Darreichung geistiger Nahrung vorsichtig sein. Jedenfalls hatte ich das verschwundene »Maiskorn« wieder aus der unfruchtbaren Tiefe emporgeholt, und die Folge zeigte, daß es von heute an zu keimen begann.

Weitschweifig ?

:roll:


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BeitragVerfasst: 6.6.2007, 22:52 
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Noch einmal zurück zum eigentlichen Thread-Thema, dem nächtlichen Ritt in Old Surehand I, die Stelle ist wirklich zu schön und sei teilweise hier wiedergegeben:


... ähnlich ist es, wenn man auf leichtfüßigem Pferde oder Dromedar über die Wüste fliegt. Man kennt nichts Störendes, nichts Hemmendes, denn das einzige Hindernis, welches es giebt, ist der Boden, der hinter einem verschwindet und mehr einen Halt als eine Hemmung bietet. Das Auge haftet nicht auf ihm, sondern auf dem Horizonte, der sich wie eine sichtbare aber nicht zu greifende Ewigkeit immer von neuem gebiert; es richtet sich nach oben, wo zwischen den strahlenden Lichtern des Himmels immer andre und andre, immer mehr und mehr Lichter erscheinen, bis der Blick sie nicht mehr zu fassen vermag. Und wenn der Sehnerv an dieser Anfangs- und Endlosigkeit ermüdet, und die staunend erhobene Wimper sich niedersenkt, so währt die Unendlichkeit im eigenen Innern fort, und es entstehen Gedanken, die nicht auszudenken sind; es steigen Ahnungen auf, die man vergeblich in Worte fassen möchte, und es wallen und wallen Gefühle und Empfindungen empor, die man aber nicht einzeln zu fühlen und zu empfinden vermag, weil sie eine einzige, endlose Woge bilden, auf und mit welcher man weiter und weiter schwebt; immer tiefer und tiefer hinein in ein andächtiges Staunen und ein beglückendes Vertrauen auf die unfaßbare und doch allgegenwärtige Liebe, welche der Mensch trotz des Wörterreichtums aller seiner Sprachen und Zungen nur durch die eine Silbe anzustammeln vermag: - - Gott - - Gott - -Gott - -!


Diese Unio mystica fällt im grünen Band am Ende eine Portion kleiner aus, "es wallen" statt "es wallen und wallen", statt "fühlen und empfinden" nur noch "fühlen", es ist auch keine "einzige, endlose Woge", sondern entsprechend dem nur 1-maligen Wallen eine "einzige Woge", auf der man auch nicht mehr "weiter und weiter schwebt" sondern schlicht "weiterschwebt", "immer tiefer hinein" statt "immer tiefer und tiefer hinein", das Vertrauen ist nicht mehr beglückend, sondern ohne alles, und statt "anzustammeln" heißt es "zu sammeln". - Erleuchtung light, sozusagen.

:wink:


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BeitragVerfasst: 7.6.2007, 6:52 
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Ja, das ist so schön unser Karl May, der wenn es lyrisch und gefühlsintensiv wird, trotz des Wörterreichtums aller seiner Sprachen und Zungen nur ein Stilmittel kennt: die Wiederholung. :)


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BeitragVerfasst: 7.6.2007, 7:18 
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(Ruhe auf den billigen Plätzen)

:wink:

(Karl May geht es [hier] um Inhalte, nicht um Stil)

*

Unmittelbar darauf, nach der inhaltlich wie sprachlich überzeugend vorgetragenen Gotteserfahrung, kommt die Religiosität des Erzählers dann aber auch wieder einmal etwas penetrant, aufgesetzt wirkend und moralisierend daher, als er sich ob der Tatsache, dass Old Wabble nicht betet und nicht glaubt, entrüstet und entsetzt als ginge sozusagen die Welt unter …

Wenn der alte Wabble noch nicht so weit ist, dann ist das seine Sache, und die „jenes“, um aus einem Spielfilm mit Dieter Hildebrandt zu zitieren, „höheren Wesens das wir verehren“, und dieses „höhere Wesen“ oder auch „der liebe Gott“ hat Geduld, jedwedes Ding hat bekanntlich seine Zeit. Da soll sich der Ich-Erzähler mal keine Sorgen machen und hübsch bei sich selber bleiben …

Auch das Mitleid mit der „Einsamkeit“ des Alten berührt eher kleinlich … „Keinen Vater, keine Mutter, keinen Bruder, keine Schwester! “, immerhin ist er FREI, der king of the cowboys, und das ist auch nicht übel.

*

Auch bei diesen Passagen fallen im grünen Band leider wieder ganz unglückliche Zurechtstutzereien auf, so wird aus

Ich war tief, tief --- was denn? Verstimmt? Nein, das war das richtige Wort nicht. Ich war traurig, traurig wie noch selten; ich fühlte ein unendliches, heiliges Mitleid mit dem Alten


Ich war tief traurig wie selten; ich fühlte ein unendliches Mitleid mit dem Alten


aus


Keinen Vater, keine Mutter, keinen Bruder, keine Schwester!



Keinen Vater, keine Mutter!


und

und es dauerte lange, ehe die Vorwürfe, die ich mir darüber machte, zum Schweigen kamen.



und es dauerte lange, bis ich darüber hinwegkam


Im ersten Fall ringt der Erzähler nach Worten und findet sie schließlich mühsam, das gesteht man ihm in der gekürzten Fassung nicht zu, und auch inhaltlich bringt man etwas anderes herüber; im zweiten Fall betrachtete der Bearbeiter das Vorhandensein von Geschwistern offenbar als verzichtbar (auch das kann man indes nachvollziehen …), und im dritten ist es durchaus etwas anderes, ob Vorwürfe verstummen, weil man eben irgendwann erkennt, dass man sie sich nicht zu machen braucht, oder eben ob man „darüber hinwegkommt“ (ohne es offenbar wirklich verarbeitet und überwunden im Sinne von aufgelöst, „erlöst“ zu haben …)

Das lange folgende Gespräch mit Old Surehand über den Glauben blieb dann erfreulicherweise von Veränderungen so gut wie unangetastet. In diesem Gespräch wird auch die albern-oberflächliche These, die man immer wieder hört und die man in etwa mit den Worten „Wie kann es einen Gott geben, der so viel Unrecht, Unglück usw. zulässt“, überzeugend widerlegt.


Zuletzt geändert von rodger am 7.6.2007, 8:03, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 7.6.2007, 7:24 
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rodger hat geschrieben:
(Ruhe auf den billigen Plätzen)

:wink:

(Karl May geht es [hier] um Inhalte, nicht um Stil)

Ich wusste gar nicht, dass Du hier zu bestimmen hast, worum es geht ... :wink:

Im übrigen hat hier der Bearbeiter der KMV eben ganz eindeutig an Mays Stil gefeilt. Ich bin gegen Bearbeitungen, und wenn das Ding mal schon so veröffentlicht wurde, soll es auch so bleiben. Allerdings hätte da noch zu Mays Lebzeiten ein Lektor korrigierend eingreifen müssen ...


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BeitragVerfasst: 7.6.2007, 7:30 
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(wendet sich gelangweilt ab und geht auf einen Sprung in den Saloon)


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BeitragVerfasst: 8.6.2007, 18:35 
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Vielleicht ist dem Leiter verschiedener Schulen im In- und Ausland entgangen, dass

"es wallen und wallen"

etwas anderes aussagt als „es wallen“,

„Es kommen, es kommen die Wasser all“ und „Sie rauschen herauf, sie rauschen nieder“ heißt es bei Schiller, auch der bediente sich schon, wenn es nach Sandhofer ginge unbotmäßigerweise, des Stilmittels der Wortwiederholung; ein zackig-schneidiger Bearbeiter könnte ja auch daraus z.B. „Es kommen die Wasser und rauschen auf und nieder“ machen, nur wäre es dann, u.a., mit dem vorm geistigen Auge des Betrachters entstehenden Bild vom SICH WIEDERHOLENDEN Vorgang der Wellenbewegungen, sei es des Wassers oder der Gefühle und Empfindungen, vorbei, bei Schiller wie bei May.

Ein weiter und weiter Schweben auf einer einzigen, endlosen Woge ist auch durchaus etwas anderes als ein Weiterschweben auf einer einzigen Woge, indes, die zweite Kürzung ist hier durchaus konsequent, ja wenn es nur eine einzige Woge ist und keine unendliche mehr dann kommt man natürlich auch nicht allzu weit, das ist schon richtig. Begrenzter Horizont, begrenzter Weg.

Zu "immer tiefer hinein" statt "immer tiefer und tiefer hinein" fällt mir mindestens die Geisterschmide ein und auch noch „Geht nicht gibt’s nicht“; und dass ein „so hochgelahrter Mann“ in Zusammenhang mit alledem sowie dem ursprünglich beglückenden Vertrauen, das jetzt so ganz ohne Eigenschaftswort dasteht, und „zu sammeln“ statt „anzustammeln“ von „Feilen am Stil“ spricht, führt zu relativ fassungslosem Ohrenschlackern meinerseits sowie dazu, dass ich mich in meinem gelegentlich an sarkastischer Verzweiflung grenzenden Kulturpessimismus einmal mehr voll und ganz bestätigt fühle; arme Sprache, arme Schüler; Gute Nacht. - Er habe, so Hermann Hesse, in der Schule nur Latein und Lügen gelernt, es hat sich, scheint’s, nicht viel geändert.

*

„Allerdings hätte da noch zu Mays Lebzeiten ein Lektor korrigierend eingreifen müssen ...“,

meine Güte, ja, bei offensichtlichen Nachlässigkeiten, die es bei May durchaus gab, aber doch nicht bei einer solchen Stelle. Und natürlich nur in Absprache. Woher will denn der Herr Lektor im Einzelfall wissen, was Absicht (aus welchen Gründen auch immer), was Stilmittel, und was Nachlässigkeit oder Schlamperei ist. - So läuft es übrigens auch bei anständigen Verlagen, wenn es um Literatur geht, habe ich mir sagen lassen, Korrekturen in Absprache zwischen Lektor und Autor. Und dieser Lektor ist dann auch jeweils nicht irgendein Hansel, sondern einer, der wirklich etwas von seinem Metier versteht, weit über Rechtschreibregeln und gängige Nullachtfünfzehnrichtlinien hinaus.

*

(Nachtritt ? Bitteschön …)


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BeitragVerfasst: 8.6.2007, 19:19 
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Du musst das ja nicht immer gleich persönlich nehmen, persönlich nehmen (frei nach Lehrer Schnauz), Rüdiger, der Sandhofer mag May, sonst wäre er ja nicht hier. May wäre vielleicht ganz froh gewesen, wenn manchmal jemand mit ihm über seine Arbeiten diskutiert hätte. Aber er hatte halt niemanden und hat geschrieben und produziert, was das Zeug hielt.

Sylvia


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BeitragVerfasst: 8.6.2007, 20:18 
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Ist ja gut gemeint (Gruß an Gottfried Benn ...), Mutter Flick, aber ob er ihn mag oder nicht, das bleibt sich gleich, und wo er danebenhaut, da tut er eben solches, da hilft alles nichts. Amt und Würden schützen nicht vor gelegentlicher Torheit, guck mal der Lübke, der war gar Bundespräsident ...

:wink:

Den Unterschied zwischen Nachlässigkeiten und gelegentlichen Unbeholfenheiten auf der einen Seite und bewußten Stilmitteln auf der anderen erwähnte ich bereits, da brauchste mir bzw. May nicht noch mal mit diesen gurlittigen guten Ratschlägen zu kommen.


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BeitragVerfasst: 8.6.2007, 20:29 
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Königs Erläuterungen:

Gottfried Benn, deutscher Schriftsteller. Prägte u.a. das Zitat „Das Gegenteil von Kunst ist gut gemeint“.

Mutter Thick, Figur bei Karl May. Im Sinne der Bedeutung Mutter Beimerscher Harmoniebedürftigkeit hier zu Mutter Flick abgeändert

(Mutter Beimer, Figur aus der „Lindenstrasse“, einer Fernsehsendung.)

Ludwig Gurlitt, Prof. Dr., schrieb Anno Tobak gutgemeinte (s.o.) Ratschläge über die Bearbeitung Mayscher Texte. Diese (die Ratschläge) stehen noch heute in GW Band 34.

(Das sollte jetzt ironisch sein. – Jetzt wird der, der immer abwechselnd „Bitte nicht so kryptisch“ und „Tja, wenn man selber alles erklären muß …“ sagt, ja wieder voll auf seine Kosten kommen …)


Zuletzt geändert von rodger am 8.6.2007, 22:00, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 8.6.2007, 21:25 
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Sandhofer schrieb, durchaus polemisch:

>>Ja, das ist so schön unser Karl May, der wenn es lyrisch und gefühlsintensiv wird, trotz des Wörterreichtums aller seiner Sprachen und Zungen nur ein Stilmittel kennt: die Wiederholung<<

Sicher war das nicht sein einziges Stilmittel, und sicherlich ist die Wiederholung per se nicht abzulehnen. Bei May kommt sie allerdings so permanent vor, daß sie oftmals penetrant wirkt; so, als habe er wirklich nichts anderes auf der Pfanne. Hatte er aber durchaus. Ihm allerdings dieses hier zu bearbeiten, nämlich: "Weihnacht! / Welch ein liebes, liebes, inhaltsreiches Wort!", indem man ein "liebes" streicht, zeugt von dem, was Arno Schmidt mal "Rindsgemüt" genannt hat.


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