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BeitragVerfasst: 19.1.2005, 23:33 
Hallo Herr Schwettmann,

Ihre Beiträge lese ich schon seit geraumer Zeit - lange Zeit bevor ich mich in diesem Forum registrieren ließ - mit großem Interesse und bin immer wieder von Ihren Gedankengängen fasziniert, wenn es um die Frühwerke Karl Mays geht.

Daher habe ich die Frage - sie ist absolut nicht böse gemeint - können Sie ihre Erkenntnise zu Arbeiten Mays vor 1874 belegen oder bewegen Sie sich da auf rein spekulativen Raum.

LG Cornelia


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BeitragVerfasst: 20.1.2005, 14:54 
Hallo Cornelia,

Nun, ich bewege mich sicher bei meinen meisten Überlegungen im spekulativen Raum. Wer tut dies nicht, der sich Mays literarrischen Schaffen vor 1875 nähert? Gesichert sind da bislang ja nur die Kompositionen, die Mappe mit der Titelliste, die May im Zuchthaus Osterstein anfertigte und ein paar Gedichte und die Mitteilung an die Eltern bei seiner Flucht vor der Justiz im Jahre 1870 (wobei dieses Dokument wenn ich es richtig in Erinnerung habe, heute leider auch nur noch als Abschrift existiert).

In dem Zusammenhang ist natürlich zu fragen, was 'gesicherte Erkenntnis' überhaupt bedeutet. Mays Selbstaussagen zu dieser Zeit sind ja nun mit Vorsicht zu geniessen, allerdings sollte man sie meineserachtens auch nicht als haltlose Unwahrheiten betrachten. Mir scheint da eher der Begriff 'Übertreibung' angebracht. Sprich, wenn er damals tatsächlich eine Humoreske oder eine Dorfgeschichte geschrieben und gar noch in einer Zeitung untergebracht hat, so beschrieb er sich in seiner Biographie deshalb wahrscheinlich gleich als relativ gefragten Schriftsteller in diesen Genres.

Nein, Spezialkenntnisse habe ich nun wirklich nicht, ich betreibe auch keine Frontforschung und suche nach alten Zeitschriften oder so was, bin nicht einmal ein Sammler von Ausgaben, sondern ziehe meine Schlüsse nur aus den allgemein zugänglichen May-Texten bzw. dem reichlich vorhandenen Sekundärmaterial, welches etwa auf der Site der Karl-May-Gesellschaft zu finden ist. Belegen, daß es etwa wirklich einmal eine Frühform der 'Wanda' gegeben hat (wie May selbst schrieb), kann man nur, wenn man diese findet, oder ob die Waldbauern-Erzählung 'Rache oder das erwachte Gewissen' oder 'Die beiden Kulledschi' zweifelsfrei von May stammen, läßt sich ohne eindeutige Belege z.Z. auch nicht sagen. Da bewegt man sich leider immer im Spekulativen (was übrigens auch für gegenteilige Ausagen gilt, wenn etwa die Autorenschaft an dem 'Präriebrand' angezweifelt wird)

Viele Grüße,
Thomas


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BeitragVerfasst: 20.1.2005, 18:13 
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Thomas Schwettmann hat geschrieben:
Nein, Spezialkenntnisse habe ich nun wirklich nicht


:lol: :lol: :lol:

Das sagt einer DER zeitgenössischen Karl May - Experten
(der zwar von der Betrachtungs- und Herangehensweise her in einem völlig anderen Lager sitzt als unsereiner, aber neidlose Anerkennung über "Parteigrenzen" hinaus darf auch mal erlaubt sein.)


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BeitragVerfasst: 21.1.2005, 14:58 
Nach diesem kleinen Zwischenspiel von "Kurtnelia" und Rüdiger soll nochmals auf die Thematik des Thread eingegangen werden.

Weiter oben in diesen Thread wurde zwei Zusammenstöße zwischen jeweils einem Floß und einem Schaufelraddampfer in ‚Die Liebe des Ulanen‘ und in ‚El Sendador II‘ (bzw. in dem ‚Pampero‘-Kapitel‘ der Buchfassung ‚Am Rio de la Plata‘) diskutiert. Genau diese Art von Szenario schildert Friedrich Gerstäcker auch in der kurzen Skizze "Rafters", aus der May längere Pasagen fast wortwörtlich für "Der Schatz im Silbersee" übernommen hat. Während nun der südamerikanische Doppelroman etwa zeitgleich mit der Kamerad-Jugenderzählung entstand, ist der Münchmeyerroman aber wesentlich früher niedergeschrieben worden. Da aber May das Rafterwesen auch schon vor der Niederschrift des ‚Silbersees‘ bereits in ‚Deutsche Helden, deutsche Herzen‘ thematisiert hatte, spricht nichts dagegen, daß May die „Rafters“-Skizze Gerstäckers bereits in den 80er Jahren ausgewertet haben könnte. Allerdings kann man im Falle der Dampfer-Floß-Kollision keine wortwörtlich eindeutigen Übernahmen von Textphrasen nachweisen, die Übereinstimmungen sind also nur rein inhaltlicher Natur.

Gleichwohl könnte es durchaus wahrscheinlich sein, daß Karl May die Idee zu einer derartigen Havarie aus dem Gerstäcker-Text übernommen hat. So ist etwa der dichte, kompakte Nebel auf den Fluß, den Gerstäcker bei Schilderungen von Schiffsunglücken auf dem Mississippi stets parat hat – man denke etwa an das Auflaufen eines Dampfers auf eine Sandbank oder den mißglückten Versuch, einen Dampfer zu entern in „Die Flußpiraten des Mississippi“, auch auf der Mosel zu finden, wenngleich das eigentliche Unglück bei May in beiden Texten schließlich durch ein heftiges Unwetter ausgelöst wird. Ferner ist die Gefahr des Wassereinbruches in den Dampfer, die bei May jeweils zur Realität wird und zu ganz unterschiedlichen Ausgängen der beiden Unglücksfälle führt, auch bei Gerstäcker bereits als Möglichkeit angedacht.

Im folgenden sind die einzelnen Phasen der drei Schiffsunglücke jeweils gegenübergestellt:

1

Gerstäcker, Rafter: Es war erste Morgendämmerung, der feuchte Nebel entstieg dem Vater der Wasser in ungeheuren dichten Schwaden und legte sich wie ein Leichentuch auf die Oberfläche des Stromes, Flat- und Kielboote suchten das sichere Ufer, ja selbst die auf dem höchsten Verdeck eines stromauf kommenden Dampfers stehenden Steuerleute konnten kaum noch die Baumwipfel des nächtlichen Ufers erkennen, um nach diesen ihren Cours zu steuern.

May, Die Liebe des Ulanen: Es war nach dem gestrigen schönen Tage ein minder angenehmer Morgen eingetreten. Dichter Nebel lag auf dem Flusse, und es schien nicht, daß er sich bald theilen und erheben wolle. Die Luft lag schwer und regungslos auf der Gegend, und anstatt der gewöhnlichen Morgenfrische war eine laue, unerfreuliche Pression zu bemerken, welche die feuchten Ausdünstungen der Wiesen und des Flusses beinahe greifbar machte.

May, El Sendador II: Das Wetter hatte uns bisher begünstigt, jetzt aber schien es dessen müde zu sein. Der südliche Horizont nahm eine schmutzig gelbe Färbung an, und die hohen Halme des Schilfes, die Zweige der Büsche begannen sich zu bewegen

2

Gerstäcker, Rafter: Die Matrosen oder Deckhands läuteten allerdings auf dem Vordertheil des Bootes fortwährend die Glocke und stießen in lange Blechhörener, um das Zusammenstoßen mit einem anderen Fahrzeug zu vermeiden; der Mate hatte den Capitain aber schon zweimal gebeten, anzulegen, und ihn vor einem Unglücksfall gewarnt. Dieser behauptete jedoch auf seine rohe Art, „er könne mit seinem Persian fahren, und wenn es noch so dunkel wäre wie in der Hölle“, und mißachtete jede Warnung.

May, Die Liebe des Ulanen: (...) Die Nebel schwanden, aber anstatt daß es heller wurde, legte sich eine unheimliche Dunkelheit auf die Erde nieder. (...)und nun brach ein Regen los, so massenhaft, so fluthenähnlich, daß man meinen sollte, die Wellen eines ganzen Meeres stürzten von der Höhe hernieder.
(...) Der Regen goß so dicht herab, daß der Mann, welcher vorn am Buge stand und die Glocke läutete, kaum zehn Fuß weit zu sehen vermochte.
(...) Der Mann an der Glocke gab sich alle Mühe, mit seinem Blicke die Regenmasse zu durchdringen, welche ihm, von dem orkanartigen Sturme entgegengeschleudert wurde.

May, El Sendador II: (...) Und nun war es auch schon vollständig Nacht um uns. Haselnußgroße Regentropfen fielen, erst einzeln, dann aber in geschlossener Masse, als ob ein See herniederstürze.
»An die Glocke! Läuten, läuten, ohne Unterbrechung läuten!«
So rief der Kapitän mit einer Stimme, welche im Heulen des Sturmes kaum gehört werden konnte. Ich vernahm den Klang der Glocke dann leise, wie aus weiter Ferne, und mußte nun bedacht sein, unter Deck zu kommen.

3

Gerstäcker, Rafter: Endlich erklärte der Steuermann, nicht mehr weiter zu wollen, und klingelte eben zum Anhalten des Bootes, als dieses, ehe nur dem Befehl Folge geleistet werden konnte, vollen Laufes auf das stromab kommende Raft oder Floß unser alten Bekannten hinaufjagte und natürlich auf der breiten Holzfläche desselben wie festgemauert sitzen blieb.

May, Die Liebe des Ulanen: Da - er horchte auf; es war ihm, als ob er vor sich ein Krachen und Stöhnen, ein eigenartiges Rauschen und Prasseln vernommen habe, welches nicht mit dem Heulen des Sturmes und dem Brausen der Wogen identificirt werden konnte. Schnell drehte er sich zurück und hielt die Hände an den Mund, um den Warnungsruf erschallen zu lassen – zu spät, denn in demselben Augenblicke ertönte ein lauter schmetternder Krach; das Schiff erzitterte in seinem ganzen Baue, und der Mann, welcher den Ruf hatte ausstoßen wollen, wurde von dem Buge des Fahrzeuges auf eine gewaltige, sich da draußen aufthürmende Holzmasse geschleudert.
(...) wie sich später herausstellte, hatte sich weiter oben ein sehr tief gehendes Floß losgerissen, und war von dem Sturme und den wilden Wogen mit rasender Schnelle hinabgetrieben worden.

May, El Sendador II: (...) Wir erhielten nämlich alle einen Stoß, dem auch eine Riesenkraft nicht hätte widerstehen können.
(...) während einer Pause, welche der Sturm machte, hörte ich deutlich jenes eigenartige Geräusch, welches entsteht, wenn die Räder eines Dampfschiffes in die Luft anstatt in das Wasser greifen.
(...) Das Schiff war auf ein gewaltiges Floß gefahren und hatte sich, vorn mehr und mehr sich hebend, in den Vorderteil desselben hineingearbeitet. Es stak zwischen mächtigen Baumstämmen.

4

Gerstäcker, Rafter: Nur die Räder hatten sich glücklicher Weise freigehalten und entgingen dadurch einer gänzlichen Zerstörung; das Vordertheil des außerordentlich großen Dampfbootes ritt aber vollkommen auf dem Raft, und an ein Wiederabfahren oder Herunterdrücken war gar nicht zu denken.

May, Die Liebe des Ulanen: (...) Hier hörte man das Kreischen des Buges in die Stämme des Flosses hinein, und das Krachen, Stöhnen und Prasseln der schweren Hölzer, welche von den Fluthen vor dem Schiffe auf- und übereinander geschoben wurden. Der Heizer war mit dem Maschinisten vor Angst auf das Deck gesprungen, und die nun sich selbst überlassene Maschine arbeitete, ohne gestoppt zu werden, gegen die mächtigen Massen des Flosses an. Dadurch stieg das Schiff vorn in die Höhe und sank hinten tiefer in den Strom.

May, El Sendador II: Die Räder hingen über Wasser, bewegten sich aber nicht mehr, da die Maschine gestoppt worden war. Dagegen wurde das Hinterteil so tief niedergedrückt, daß nur noch das Steuerrad aus dem Wasser hervorragte

5

Gerstäcker, Rafter: Die Raftsleute hatten dieses urplötzliche Zusammenrennen übrigens sehr ruhig und gleichgültig mit angesehen, denn für ihr Fahrzeug brauchten sie allerdings nichts zu fürchten, dem hätten hundert Dampfboote keinen Schaden zufügen können. Desto ängstlicher und besorgter stürzte aber auf dem Dampfboot Alles aus einem Raum in den anderen, untersuchte auf das Genauste und Sorgfältigste die keineswegs stark gearbeiteten Seitenwände, und beruhigte sich erst dann, als man fand, daß das schöne Boot nicht den mindesten Schaden genommen, sondern nur mit dem Vordertheil gerade zwischen zwei ungeheure Cypressenstämme eingeschnitten hatte und, durch die Gewalt der Maschine getrieben, wohl an dreißig Fuß auf das Raft hinaufgestoßen war.

May, Die Liebe des Ulanen: Ein Krach ertönte ganz vorn am Vordertheile, und sofort drang das Wasser des Flusses in einem armesdicken Strahle zu der durchbrochenen Wand herein.
(...)Das Schiff war hinten bereits so tief gesunken, daß das Wasser bis an die Fenster der Kajüte stieg.
(...)Die Fluth hatte soeben die Scheibe des einen Fensters eingedrückt und drang herein. In wenig Augenblicken mußte das Schiff sinken.

May, El Sendador II: (...) Die Flößer hatten zwar die Glocke läuten gehört, aber erst dann, als es zu spät gewesen war. Der Dampfer war, von dem Sturme getrieben, auf das Floß gefahren und mit dem Vorderteile auf dasselbe gehoben worden.
Glücklicherweise hatte sich beim Zusammenprall der Himmel so weit gelichtet, daß die Flößer ihre habt. Die eine Hälfte arbeitete vorn, die andere hinten an den langen Rudern. Die ersteren hatten kaum Zeit, schnell zurück zu springen, so schmetterte der Dampfer auch bereits auf das erste Feld des Floßes und schob sich auf dasselbe empor.
(...)Der Kapitän hatte die Maschine stoppen lassen, aber doch zu spät. Das Vorderteil hatte sich auf die Stämme gearbeitet und saß nun fest.

6

Gerstäcker, Rafter: (...) Die Rafters trennten nur die Bänder, welche das Hauptfloß zusammenhielten, so daß dieses sich nach wenigen Minuten theilte und das Dampfboot schwerfällig zwischen die einzelnen Stämme hinausgleiten ließ.

May, Die Liebe des Ulanen: (...) Das Vordertheil des Schiffes hatte sich hoch emporgearbeitet, während das Hintertheil sichtbar immer tiefer sank. Mächtige Stämme und Hölzer, welche sich vom Flosse losgerissen hatten, schossen vorüber.

May, El Sendador II: (...) Die starken Lianen, welche die Stämme des Floßes verbanden, rissen teilweise, und die gewaltigen Hölzer schlugen und stampften unaufhörlich gegen den Schiffskörper. Bohrten sie ein Leck, so mußte das Schiff binnen wenigen Minuten sinken.

7

Gerstäcker, Rafter: „Back her out!“ rief jetzt der Missourier dem Piloten zu. Die Klingel ertönte, der Ingenieur ließ die Räder zurückarbeiten – wenige Secunden lang jagten sie vergebens die Wellen auf das Floß, während das Boot keuchte und qualmte und die Fuhrleute und Deckhands sich mit langen Stangen abmüthen, der Maschine nachzuhelfen. Da endlich that es einen plötzlichen Ruck – die beiden Stämme, auf denen es unter Wasser festgesessen hatte, waren darunter fortgeschlüpft.

May, Die Liebe des Ulanen: (...) Der Regen hatte mittlerweile etwas nachgelassen, sodaß man wieder in eine größere Entfernung sehen konnte. Der Bauer und seine Knechte erblickten den Schornstein des Schiffes, welcher schief aus den Fluthen ragte. Am Ufer war kein Mensch zu sehen. Das Floß war zerrissen worden und verschwunden; es gab Nichts zu retten.

May, El Sendador II: (...) Der Kapitän ließ Rückdampf geben; da aber die Räder nicht in das Wasser griffen, war das Schiff auf diese Weise nicht loszubringen. Vielleicht war es möglich, den Dampfer dadurch zu befreien, daß die Stämme, auf denen er saß, mit Hilfe von Aexten losgeschlagen wurden.
(...) Indessen war es fast vollständig hell geworden. Das Schiff hing gar nicht allzuweit vom Ufer auf dem Floße und wir sahen jeden einzelnen der Passagiere, welche sich jetzt alle auf den aus dem Wasser ragenden Teil des Verdeckes gedrängt hatten. Wir hörten ihr Geschrei durch den Sturm hindurch und ersahen aus ihren Bewegungen, daß sie sich in großer Angst befanden. Das Schiff sank hinten immer tiefer. Die vier Steurer hatten sich endlich nach vorn begeben müssen, denn das Rad wurde von den Wogen vollständig überspült. Auch vorn begann es, zu sinken. Die Flößer hatten sich mit ihren Aexten auf das zweite Feld gewagt, um das erste, auf welchem das Schiff saß, loszutrennen. Die Lianen wurden durchhauen, und das Wasser riß einen Stamm nach dem andern mit fort, wobei es nicht zu vermeiden war, daß die mächtigen Baumriesen scharf gegen den Schiffskörper stießen.
Jetzt konnten die Räder wieder Wasser fassen. Das Schiff ging mit Rückdampf ein wenig abwärts und kam dann wieder vor, um sich am flachen Ufer festzusetzen. Es war die allerhöchste Zeit, denn es hatte sich herausgestellt, daß ein Loch in den Bug gestoßen worden war. Das Wasser drang durch dasselbe ein und begann den unteren Raum zu füllen.


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 Betreff des Beitrags: Der Pampero & die Mission in Retcliffes "Villa Fran
BeitragVerfasst: 15.7.2005, 13:50 
Nachdem auf den KMG-Internetseiten dankenswerterweise die ersten drei Bücher von Sir John Retcliffes „Villa Franca“ eingestellt worden sind, kann man nun auch endlich den Artikel „Muß man Retcliffes „Villa Franca“ gelesen haben? Ein Quellenbefund.“ von Hedwig Pauler in den KMG-Mitteilungen 63 (S. 30-38) diskutieren.

Links:
-> http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg ... /index.htm
-> http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg ... /index.htm

Der Roman beginnt mit einigen Szenen am Rio del Plata, genauer mit einer Seeschlacht während eines Pamperos, den Retcliffe analog zu Gerstäcker und im Unterschied zu Zöller und May als Unwetter auf See beschreibt. Der Verlauf des Sturmes erinnert hingegen deutlich mehr an May als an Zöller und Gerstäcker. Entsprechend schreibt Pauler:

Dies könnte anklingen in Mays Reiseroman ‚El Sendador‘, der nicht nur in der gleichen Gegend seinen Anfang nimmt, sondern auch Kapitän Turnerstick etwas unmotiviert die Planken seines Schiffes mit dem Pferderücken vertauschen läßt, um den Ich-Erzähler auf seinen abenteuerlichen Unternehmungen zu begleiten. Es ist unnötig zu betonen, daß die gleichen politischen Wirren Uruguays den Hintergrund in beiden Romanen bilden.

Der wesentliche Unterschied der Pamperos bei Recliffe und May zu den realen Stürme, die kurz bei Zöller und Gerstäcker beschrieben werden, ist, daß Retcliffe wie später auch May zu den gewaltigen orkanartigen Winden ein schweres Gewitter hinzufügen. Damit aber kann Mays Pampero-Schilderung nun nicht mehr nur als eine stereotype Unwetterbeschreibung gewertet werden, die von ihm lediglich standortunabhängig in nahezu ähnlicher Weise in Südamerika wie auf der Mosel verwendet wurde, sondern die darüber hinaus auch durchaus pampero-typisch gemeint gewesen sein dürfte.

Jedenfalls stellt sich nun die Frage: Hat May Retcliffes Pampero-Schilderung gekannt und sich diese zum Vorbild genommen. Da ein Zusammenhang zwischen den entsprechenden Szenen in „Ulan“ und „Sendador“
relativ eindeutig ist, stellt sich natürlich wiederholt die Frage, ob der Moselsturm nicht doch von einer Ur-„Pampero“-Erzählung beeinflußt wurde.

Auf die erste Frage läßt sich, wenn auch keine endgültige, so doch eine vorläufige Antwort geben. Falls May die Pampero-Beschreibung Retcliffes gelesen hat, so hat er daraus jedenfalls nicht wörtlich zitiert. Dies schließt natürlich eine Beeinflußung nicht gänzlich aus, diese könnte ja auch durch Erinnern an eine frühere Lektüre von „Villa Franca“ bedingt sein. Grundsätzlich ist aber anzunehmen, daß die Pampero-Schilderungen bei Zöller, Gerstäcker und Retcliffe nicht die einzigen zeitgenössischen Darstellungen waren, bei denen sich May – sofern er überhaupt etwas wortwörtlich übernommen hat – bedient haben könnte.

Kommen wir also zur Gegenüberstellung der entsprechenden Textpassagen bei Retcliffe und May, die dabei nach den Ablauf in Retcliffes Roman geordnet sind:

Villa Franca: Indeß schienen die untrüglichen Anzeichen des drohenden Unwetters - eines mit wolkenbruchartigem Regen verbundenen Gewittersturms, der auf dem La Plata unter dem Namen Pamperos bekannt und gefürchtet ist, und oft mit der größten Schnelligkeit, zum Glück aber nie ohne seine eigenthümlichen Vorzeichen sich erhebt (...). In dieser Entfernung auf dem morastigen tonigen Untergrund war das Schiff sicher vor den Gefahren des herannahenden Sturmes und dem furchtbaren Aufschlagen der Brandung, die an den Felsen und der Barre tobte (...)

Sendador, Pampero: Der südliche Horizont nahm eine schmutzig gelbe Färbung an, und die hohen Halme des Schilfes, die Zweige der Büsche begannen sich zu bewegen.

Villa Franca: Die Landbrise, mit jedem Augenblick schärfer über die Fläche des Stromes daher kommend, hatte die Nebel gehoben und ballte sie zu Wolken zusammen, die den Himmel verfinsterten und das nahende Ungewitter verkündeten. Der Gipfel des Felsens war jetzt in diese Wolken gehüllt, die bisher die Wasserfläche zu ihren Füßen verdeckt hatten, während diese frei sich ausdehnte. Aus der zunehmenden Dunkelheit leuchtete der weiße phosphorische Glanz der schäumenden Brandung, wie sie an der Barre emporgischte.

Sendador, Pampero: So wenig Zeit dieses kurze Gespräch in Anspruch genommen, hatte sich doch der Himmel während desselben stark verändert. Es war, als ob es schnell Nacht werden wolle, und ein starker aber unhörbarer Luftstrom bog die Pflanzen tief zum Boden nieder. (...) Als ich unter diesem Zeltdache hervortrat, war der Himmel rundum schwarz geworden (...). Der bisher glatte Spiegel des Flusses wurde tief aufgewühlt und schickte seine schäumenden Wogenkämme hoch an dem Buge des Dampfers empor.

An dieser Stelle ist es vielleicht ganz nützlich, daran zu erinnern, daß May hier für ihn typische Wörter in einen typischen geschehen verwendet, dieser Teil des Geschehens korrespondiert jedenfalls stark mit den entsprechenden Passagen aus „Der Kiang-lu“, die May bereits 180, Also weit vor dem „Ulan“ und „El Sendador“ niederschrieb: Der ganze Himmel hatte sich mit einer schwarzen Decke umzogen, und die Wogen besaßen jetzt eine tief dunkle, fast möchte ich sagen infernalisch drohende Farbe. (...) Das Sturmloch hatte sich verschlossen, und wir befanden uns in vollständiger Nacht, durch deren Finsternis nur der sprühende Schaum der Wogenkämme gespenstig leuchtete.

Auffällig ist weiterhin, daß May in seiner Pampero-Schilderung keinen Nebel einsetzt, was um so mehr auffällt, als dieser dem vergleichbaren Unwetter im „Ulanen“ vorausgeht. Allerdings wurde in diesem Thread ja bereits gezeigt, daß der Nebel auch aus der Beschreibung der Dampfer-Floß-Kollision in Gerstäckers „Rafters“ rezipiert worden sein dürfte. (...) und nun endlich zog der Nebel in langen, beweglichen Schwaden über die Wellen dahin. (...) / Die Nebel schwanden, aber anstatt daß es heller wurde, legte sich eine unheimliche Dunkelheit auf die Erde nieder. Der Himmel hatte sich schwarz umzogen, und die Wolken hingen schwer und tief hernieder, so daß es schien, als ob man sie greifen könne. Ein lang andauerndes Wetterleuchten umzuckte rundum den ganzen Horizont; einzelne schwere Tropfen fielen; dann fuhr ein blendender Blitzstrahl hernieder, es war, als ob ein großer, ungeheurer Feuerklumpen vom Himmel falle - ein entsetzlicher Donnerschlag erfolgte, und nun brach ein Regen los, so massenhaft, so fluthenähnlich, daß man meinen sollte, die Wellen eines ganzen Meeres stürzten von der Höhe hernieder.

Villa Franca: In der That begann das Unwetter fühlbar seinem Ausbruch näher und näher zu kommen. Die Luft umher, ohnehin schon beengt in dieser Kluft, wurde unerträglich dick und schwül, und von Zeit zu Zeit fuhr der grelle Schein von Blitzen darüber hin - in der Ferne hörte man das dumpfe Rollen des Donners. (...) Ein Geheul wie von tausend Dämonen brach vom Meere her in den Kessel der Schlucht, und schien über ihren Häuptern im tollen Wirbel zu kochen und zu brausen. - Der ganze Himmel stand von zuckenden Feuerstrahlen in Flammen und verbreitete eine Tageshelle, die jeden Gegenstand deutlich erkennen ließ.

Sendador, Pampero: Dazu das Heulen und Pfeifen des Sturmes; das Brausen des Regens, welcher das Deck durchschlagen zu wollen schien (...)

Villa Franca: Die Seeleute waren schon mit ihrer Last voran - einige Augenblicke noch zögerte ihr kühner Führer, während bereits schwere Tropfen aus den tief niederhängenden Wolken herabfielen und der Sturm mit jedem neuen Stoß an gewaltiger Heftigkeit zuzunehmen schien.

Sendador, Pampero: Haselnußgroße Regentropfen fielen, erst einzeln, dann aber in geschlossener Masse, als ob ein See herniederstürze.

Villa Franca: Ihr Ruf - ihr Wort verhallte in dem Toben des jetzt gleich einem Gießbach aus den geöffneten Schleusen des Himmels herabströmenden Regens, und der Mohr umfaßte die halbohnmächtige Gestalt und trug sie in den Schutz des überhangenden Felsens, wo er die geliebte Gebieterin zwischen der rauhen Wand und dem zitternden Pferde vor dem Nahen des Wetters zu schützen suchte. – cEine Stunde war vergangen, die rinnenden Regenbäche an den Felsen zu stürzenden Strömen geworden, die Nacht zum Tage in dem zuckenden Schein der Blitze - betäubt war Ohr und Geist von dem gewaltigen Donner, der Wasser und Land aus seinen Grundfesten zu reißen schien; - fortgerauscht war der grimme Pamperos, den riesigen Strom entlang zu seinem Bruder, dem Meere - leise nur rieselte es die Felsenrinnen noch hinab zum Grunde der Schlucht - klar und hell brach der Strahl des Mondes durch das fliehende Gewölk, und weit über den ganzen Horizont breitete sich mit Windesschnelle der lichte, klare, sternenfunkelnde Raum.

Sendador, Pampero: Desto deutlicher aber hörte man die Donnerschläge, wie ich sie so fürchterlich noch nie vernommen hatte. Durch die starken Scheiben der kleinen Fenster sahen wir Blitz auf Blitz herniederkommen. Aber diese Blitze bildeten nicht zuckende Linien oder Bänder, sondern sie fielen wie große, dicke Feuerklumpen herab. (...) Vor und über uns sah der Himmel noch schwarz aus; im Süden aber färbte er sich bereits heller. Infolgedessen begann die Finsternis zu weichen, und wir konnten sehen, wie es mit uns stand.

Auch hier ist nochmals ein Vergleich mit der frühen Erzählung „Der Kiang-lu“ angezeigt, der verdeutlicht, daß manche typische Formulierung Mays schon früher zu finden ist: Kaum waren diese Worte des Kapitäns verklungen, so zuckte ein blendender Blitzstrahl hernieder, es erfolgte ein Donnerschlag, unter dem die ganze See erkrachte und die Erde zu bersten schien (...)

So beschreibt May bereits im „Teufelsbauer“ (1878) ein Gewitter mit dem für ihm typischen Begriff Donnerschlag (das Wort wurde von ihm darüber hinaus schon beim Ölbrand in „Old Firehand“ [1875] benutzt) Ein grelles, blendendes Licht zuckte an den Fenstern des Saales vorüber; ihm folgte ein krachender Donnerschlag, unter dem das Haus zu beben schien, und bei der augenblicklich eingetretenen tiefen Stille war das Brausen des Windes zu vernehmen, welcher draußen heulend die Wipfel der Bäume schüttelte. Das Gewitter war da (...)

Villa Franca: Von der Höhe des Stroms, wo der Horizont sich zu den Gewässern verlief, blitzte es auf. - Die letzten Luftwellen des Orkans trugen auf ihren Schwingungen den dumpfen Schall eines schweren Geschützes an ihr Ohr. / Der Pamperos tobte in seiner tollsten Wuth. - Die Luft schien eine feste, greifbare Finsterniß, so ungeheure Massen von Staub, aufgewirbelt auf den großen trockenen Ebenen, kamen sausend auf seinen Fittichen dahergefahren und vermischten sich mit den Strömen von Regen, daß oft nicht einmal das Licht der Blitze sie zu durchdringen vermochte, obschon deren oft mehr als zwanzig mit einem eigenthümlich rasselnden Laut ringsum von allen Seiten die Luft durchfuhren, begleitet von so gewaltigen Knallen und Schlägen, daß sie die Sinne zu betäuben drohten.

Sendador, Pampero: (...) und der heranheulende Sturm überschüttete mich mit einer sehr großen Menge von Staub, Sand und Schmutz.

Villa Franca: (...) das kleine, durch keine Segel belästigte Fahrzeug gehorchte - ein Spiel der Wogen - doch dem Steuer, und flog regelrecht auf ihren Kämmen dahin, oder tauchte in ihre tiefen Höhlen. / Aber wie - was soll das bedeuten? Die Hand an dem Steuer wendet dasselbe; - statt hinaus auf die tobende, aber sichere Höhe der wilden Gewässer beschreibt die Barke einen weiten Bogen, und kehrt zurück zu dem Ufer nach der Stelle, wo das Licht der Blitze am Horizont wieder die mächtigen Schatten der verlassenen Felsen zeigt! - Und näher noch als das gefährliche Ufer von Stein taucht in diesem unaufhörlichen Feuer des Himmels ein andrer Schatten auf, eine dunkle Masse, schwankend und fliegend auf dem Kamm der Wellen, mit schlanken Spieren und Masten sich abzeichnend gegen den flammenden Himmel - die Goelette von ihren Ankern geschützt, harrend auf die Beute, die sie sich gesichert wähnt - lebendig oder todt; denn, selbst wenn es den Verfolgten gelungen wäre, sich in die Schlucht zu retten - kein athmendes Geschöpf kann die Wuth des Pamperos zwischen den engen Felswänden überdauern

Senddor, Pampero: Der Sturm blies der Richtung des Flusses gerade entgegen. Seine Gewalt staute das Wasser und wühlte tiefe Wellenthäler in dasselbe, aus welchen hohe Wasserkämme aufstiegen und sich überstürzten, zu Schaum geschlagen und in Gischt zerstäubt..

Auch die Wortwahl bei der Schilderung des aufgewühlten Wassers läßt sich auf eine frühere Erzählung – in diesem fall „Der Girl-Robber“ von 1880 - zurückführen: Die Wellenthäler möglichst benutzend, ließen wir uns, auf den Wogenkämmen angelangt, mehr treiben als daß wir arbeiteten; so vermieden wir allen verräterischen Schaum und Gischt und gelangten glücklich an die Seite des Chinesen.

Gleichwohl also Retcliffes und Mays Pampero-Darstellungen fast (bis auf den Nebel) einen völlig gleichartigen Verlauf der jeweiligen Unwetter schildern, läßt sich sich keine Abhängigkeit der Mayschen Beschreibung nachweisen.


Ein weiteres Detail, welches natürlich auch schon Hedwig Pauler beschreiben hat, ist die „Mission von San Dolores“: Die kleine Armee Garibaldis wird in einen Hinterhalt gelockt und erreicht die verlassene Missionsstation von San Dolores, in deren Gebäuden sich ein alter Weißer, „Die große Medizin“ genannt, zum Segen der umwohnenden Indianer niedergelassen hat und zu deren Wohle wirkt, indem er sie in Feldbau und Medizin unterrichtet und sich in ähnlicher Weise um seine roten Schützlinge kümmert, wie „el viejo Desierto“ in dem bereits erwähnten ‚El Sendador‘ (...)

Auch hier ist bei einem Textvergleich kein Einfluß durch wortwörtliche Übernahmen beweisbar, wobei allein schon die Konstruktion der Gebäude völlig unterschiedlich ist, zumal bei May die Felsenwohnung des alten Desierto völlig hinter Schlingpflanzen verborgen ist. Außerdem dürfte es wahrscheinlicher sein, daß May in „El Sendador“ sich von der Örtlichkeit der alten Mission am Silbersee und der Figurenkonstellation der „Taube des Urwalds“ und ihres Vaters aus seinem eigenen Roman „Deutsche Herzen, deutsche Helden“ inspirieren ließ. Die dortige Mission hat dann zwar mehr Ähnlichkeit mit Retcliffes spärlich skizzierten Gebäude, ist aber mit Sicherheit diesem nicht nachempfunden.

Villa Franca: Die Entdeckung, daß eine der alten Missionen, welche sich über ganz Südamerika bis tief hinein in die Steppen und Urwälder erstrecken, sich in der Nähe befand, war so überraschend als wichtig. Diese oft weitläufigen und von Stein errichteten Gebäude sind größtentheils noch ein Werk des frommen christlichen Eifers vergangener Jahrhunderte und gleichsam die ersten Vesten der Civilisation, mit denen die kühnen Patres der Gesellschaft Jesu in die Einöden vordrangen, um den Indianern das Christenthum zu bringen und zugleich vortheilhafte Handelsstationen unter ihnen zu gründen. Der Commodore erfuhr jetzt rasch auf seine Fragen, die sich der junge Indianer nach der einmal erfolgten Entdeckung nicht mehr zu beantworten weigerte, daß die Mission in einem Seitenthal, kaum eine Legua entfernt, sich befand und aus einem großen massiven Gebäude, mit halb verfallenen Mauern umgeben, bestand. Die Missionare hatten das ‚Thal des Friedens‘, wie der Jüngling den Ort nannte, schon zur Zeit der ersten Unabhängigkeitskriege verlassen, und die Gebäude waren seit etwa fünfzehn Jahren blos von einem alten weißen Mann bewohnt, den Mato-Topah als die ‚Große Medizin‘ bezeichnete, und dem kleinen Rest eines untergegangenen friedlichen Indianerstammes, den der Greis im Ackerbau und Gartenzucht unterrichtet hatte. Der weiße Vater dieser kleinen Gemeinde stand durch sein Wissen, durch seine medicinischen Kenntnisse und seine Güte und Milde rings umher in einem Ruf, der Weiße und Indianer abhielt, den Frieden seines Asyls auf irgend eine Weise zu stören.

Deutsche Herzen, deutsche Helden“: An seinem diesseitigen Rande, da wo sich das Flüßchen in ihn ergoß, stand das alte Gebäude der Mission. Es war gebaut wie ein Kloster, durchweg aus Steinen aufgeführt. Diejenigen, welche es vor alter Zeit errichtet hatten, waren gezwungen gewesen, sich gegen feindliche Angriffe zu schützen. Sie hatten den Mauern eine bedeutende Stärke gegeben und im unteren Stocke keine Fenster, wohl aber zahlreiche Schießscharten angebracht. Aus demselben Grunde gab es auch nur einen einzigen Eingang, welcher durch ein mächtiges hölzernes Thor verschlossen wurde. Neben demselben befand sich eine Klingel, die jedenfalls erst in neuerer Zeit angebracht worden war.

Ein weitere auffällige Parallele seitens der ersten beiden „Villa Franca“-Kapitel „Auf dem La Plata“ und „Die Mission von San Dolores“ besteht natürlich zu Gerstäcker: So beschreibt der Weltreisende in dem hier im Thread schon von mir zitierten Text „Das Hospital auf der Mission Dolores“ einerseits die kalifornische Mission „Dolores“, und zwar ausdrücklich mit dem Hinweis auf ein namenloses Klostergebäude am Rio de la Plata:

Bei Buenos Aires besuchte ich einst, noch zu Rosas Zeiten, ein in der unmittelbaren Nähe der Stadt gelegendes altes Kloster, das der Diktator einem Stamm der Pampasindianer zum Wohnort und zugleich zu einem halben Gefängnis angewiesen hatte, und in der Kapelle selbst lagerten die wilden, halbnackten Gestalten der braunen Krieger, während der Altar noch die Überreste einer wohl zerrissenen und in Fetzen hängenden, aber reich gestickten Decke trug. Dieser Text erschien freilich erst 1867 (Zeitschrift: Steffens Volkskalender) bzw. 1869 (Buch „Kreuz und Quer“)

Allerdings beschreibt Gerstäcker die Mission bereits ausführlich in „Reisen, Band I – Südamerika“ (1853) in dem Kapitel: „Buenos Ayres und seine Umgebung“, im selben Buch findet sich im vorherigen Kapitel „Rio de Janeiro und weiter“ auch eine Schilderung des Pampero. Und in „Reisen, Band II - Californien“ (1853) stellt er in dem Kapitel „Mission Doleres“ das nordamerikanische Klostergebäude vor, allerdings ohne dieses dabei explizit mit dem in Südamerika zu vergleichen. Trotzdem hätte Retcliffe, von Gerstäcker inspiriert, einfach den kalifornischen Missionsnamen „Dolores“ auf seine südamerikanische Mission übertragen können. Beweisen aber läßt sich dies nur anhand von Textvergleichen auch nicht.


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