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 Betreff des Beitrags: Interpretation von Textstellen
BeitragVerfasst: 2.3.2008, 17:45 
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"Da gab es eben immer wieder Sachen, die mir komisch aufgestoßen sind" äußert der Schauspieler und Entertainer Götz Alsmann in einem Interview in Bezug auf sein, sagen wir, eher halbherzig positives Verhältnis zu Karl May, und führt u.a. eine Stelle aus "Der Schut" an, mit den Worten

"Oder dieses alte Mütterchen, das auf der Jagd nach den beiden Aladschy[s] auftaucht und ein Rosenkranzsymbol am Gürtel trägt, worauf Kara Ben Nemsi es gleich mit "Gelobt sei Jesus Christus, Mütterchen" anspricht - das fand ich schon alles ein bißchen dick aufgetragen."

Schauen wir uns die Stelle etwas genauer an (man befindet sich vor einem Haus; die Frau wird von ihrem, den Fremden gegenüber mißtrauischen Mann herausgerufen):

Eine vor Alter krumm gebogene Frau kam mit Hülfe eines Krückstockes herbei und betrachtete uns. Ich sah einen Rosenkranz an ihrem Gürtel hängen, darum sagte ich:

»Hazreti Issa Krist ilahi war, anatschykim - Gelobt sei Jesus Christus, mein Mütterchen! Kowar sen bizi kapudanin taschra - willst Du uns von Deiner Thüre weisen?«

Da ging ein freundliches Lächeln über ihr faltiges Gesicht, und sie antwortete:

»Herr, Du bist ein Christ? O, die sind zuweilen die Schlimmsten! Aber Dein Gesicht ist gut. Ihr werdet uns nichts zu Leid thun?«

»Nein, gewiß nicht.«

»So seid Ihr uns willkommen. Steigt von den Pferden und kommt herein zu uns.«


Es ist wirklich ganz einfach. Kara Ben Nemsi merkt, daß der Mann mißtrauisch ist. Der Mann ruft seine Frau heraus, damit sie sich die Fremden ansehe. In solch einer Situation tut Kara Ben Nemsi Recht daran, bewußt Vertrauen zu erwecken, eine gemeinsame Ebene herzustellen, einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt zu finden. Da sieht er das Rosenkranzsymbol, realisiert, Aha, eine Christin, und hat es damit natürlich leicht, einen "Einstieg" zu finden, deshalb der entsprechende Gruß. Daß es keineswegs um schmalzige Frömmelei dabei geht, wird ja unmittelbar darauf deutlich, als die Frau immer noch Zweifel äußert, und es letztlich nicht die gemeinsame Religion ist, die den "Schlüssel" bildet, sondern der vertrauenswürdige Eindruck ("Dein Gesicht ist gut") des Erzählers. - Was ist daran "dick aufgetragen" ?


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BeitragVerfasst: 2.3.2008, 19:48 
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Registriert: 18.10.2007, 23:48
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Recht hast du Rüdiger.

Wenn man zitiert dann nicht aus dem Zusammenhang reissen, sondern das sinngemäß wieder geben wie es da steht.

Und wenn mans nicht versteht lieber lassen (auch im Zweifelsfall lieber lassen).


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