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BeitragVerfasst: 25.12.2007, 11:51 
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Zitat:
"Meisterwerk an Mystik und Gleichnissen" würde ich diesen Versuch Mays, an der barocken christlichen Erbauungsliteratur à la Bunyan anzuschliessen, auch nicht nennen


Das ist halt der Denkfehler, das so zu sehen. "Versuch, ... anzuschließen", allein mit dieser Wortwahl kann man doch der Angelegenheit gar nicht gerecht werden. - Ein "Meisterwerk an Mystik und Gleichnissen" ist es für mich auch nicht unbedingt (ich kann und mag das Werk auch nach mehrmaligem Lesen noch immer nicht so recht wirklich beurteilen), aber die Argumentation gefällt mir nicht. Nur mal so in aller Friedfertigkeit und Entspanntheit angemerkt.


Zuletzt geändert von rodger am 25.12.2007, 12:02, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 25.12.2007, 12:01 
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Zitat:
zu einem völlig unvorhergesehenen und auch inkongruenten Ende - eigentlich einem Abbruch des Werks.


Sicher, die genannten Dinge werden eine Rolle gespielt haben. - Darüberhinaus kann man sich fragen, ob nicht dieses unvorhergesehene und inkongruente Ende vielleicht dem Werk durchaus angemessen sei, ihm also entspräche ... wie Wittgenstein gesagt hat, worüber man nicht sprechen kann darüber muß man schweigen (neulich hat einer in einem anderen, mayfremden Forum den Braten gerochen oder auch mich ertappt, daß ich das ganze [Wittgenstein-]Buch vielleicht gar nicht gelesen habe; Obacht), oder auch, laxer ausgedrückt, bis hierhin und nicht weiter.

Wir wissen es nicht.

:wink:


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BeitragVerfasst: 25.12.2007, 13:45 
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rodger hat geschrieben:
Das ist halt der Denkfehler, das so zu sehen. "Versuch, ... anzuschließen", allein mit dieser Wortwahl kann man doch der Angelegenheit gar nicht gerecht werden. - [...] die Argumentation gefällt mir nicht.


Erläuter: stellen wir uns z.B. einen Koch May vor. Bekannt für gute, außerordentlich schmackhafte, schlichte Kost, Würstchen mit Kartoffelsalat, Roulade mit Rotkohl, Jägerschnitzel, usw. Und stellen uns einen Dreisternekoch Bunyan (habe ich noch nicht gegessen) vor, bekannt für Küche gehobenen Anspruchs. So. Jetzt kocht der Bunyan z.B. auch chinesisch (mystisch), und der May sagt sich, ach, das könnte ich auch mal versuchen, und kocht auch mal chinesisch. Auf seine, wohlbekannt schmackhafte, schlichte Art. Nun wird es Leut' geben, die generell die schlichte Kost der dreisternigen vorziehen, weil sie ihnen einfach besser schmeckt. Und es wäre doch Unsinn, oder, meinetwegen gefälliger: (was übrigens auch Geschmackssache ist ...), unangemessen zu sagen, jetzt hat er versucht, an die Kocherei des anderen anzuschließen, iwo, der eine kocht so wie er es immer getan hat und es ihm gemäß ist, halt mal chinesisch, zur Abwechslung. Völlig unabhängig von der Dreisternekocherei des anderen, mit der er gar nichts am Hut hat. Nicht einmal das mit dem Chinesisch muß er vom anderen abgeschaut haben, sondern im Laufe des Lebens kommt vielleicht mehr oder weniger jeder Koch mal an den Punkt, wo er auch mal chinesisch kochen möchte (Parallelen zu anderen Deutungsmöglichkeiten sind nicht beabsichtigt. Manchmal steht Kochen halt für Schreiben. Oder einfach für Kochen. Oder auch erst für Kochen, zwischendrin für was anderes und dann wieder für Kochen (alles fließt ...). Ist schon kompliziert, das Leben ...)

(Für Helmut (wovon redet der jecke Tünn [also ich] jetzt wieder): ich wollte eigentlich nur sagen, May ist May und Bunyan ist Bunyan. Und die Geschmäcker sind verschieden.)

:wink:


Zuletzt geändert von rodger am 25.12.2007, 14:13, insgesamt 3-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 25.12.2007, 13:46 
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rodger hat geschrieben:
Das ist halt der Denkfehler, das so zu sehen. "Versuch, ... anzuschließen", allein mit dieser Wortwahl kann man doch der Angelegenheit gar nicht gerecht werden.

Na ja - insofern als May diesen "Versuch" wohl kaum bewusst unternommen hat. Es ist aber m.M.n. halt so, dass, was May für "hohe" und "symbolische" Schreibe hielt, an der barocken Allegorie von Bunyan & Co. ausgerichtet war: Das Leben allegorisch als Pilgerweg, auf dem man auf Personen und Ortschaften mit sprechenden Namen trifft, die einem weiterhelfen, sich einem in den Weg stellen oder denen man weiterhilft / -helfen sollte. Das Ganze vermischt May mit seiner alten Reiten-gefangennehmen-freilassen-gefangenwerden-sichbefreien-Reiten-Leier - et voilà der wohl letzte Grossmystiker. (Ich frage mich ja: Mystifizierte Schmidt da uns, seine Leser, oder sich selber?)

rodger hat geschrieben:
Darüberhinaus kann man sich fragen, ob nicht dieses unvorhergesehene und inkongruente Ende vielleicht dem Werk durchaus angemessen sei [...]

Wohl wahr. Ähnlich wie Am Jenseits hat May auch Ardistan und Dschinnistan, weil eben konzeptlos geschrieben, derart in den Sand gesetzt, dass er es, selbst wenn er gewollt hätte, nie mehr hätte ausbuddeln können. Er hätte zur Auflösung in beiden Fällen ein Paradies schildern müssen, das Paradies zu beschreiben aber liegt wohl wirklich jenseits der Fähigkeiten eines Menschen. Auch den grossen Dante verlässt im Paradiso seine schriftstellerische Fähigkeit und er wird zum Theologen. Milton ganz ähnlich. :wink:


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BeitragVerfasst: 25.12.2007, 13:51 
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Sandhofer und ich. Gleichzeitig. Mich zitiert. Bzw., nicht ganz gleichzeitig, der eine um 13 h 45 und der andere um 13 h 46. Aber immerhin.

:mrgreen:

:lol:

(Nix in den Sand gesetzt. Nix Nix Nix. Nach formalen oder was weiß ich für Kriterien vielleicht, auf die es den einen durchaus ankommen mag, den anderen hingegen überhaupt nicht.)

:!:


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BeitragVerfasst: 26.12.2007, 6:06 
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Zitat:
Es ist aber m.M.n. halt so, dass, was May für "hohe" und "symbolische" Schreibe hielt, an der barocken Allegorie von Bunyan & Co. ausgerichtet war: Das Leben allegorisch als Pilgerweg, auf dem man auf Personen und Ortschaften mit sprechenden Namen trifft, die einem weiterhelfen, sich einem in den Weg stellen oder denen man weiterhilft / -helfen sollte. Das Ganze vermischt May mit seiner alten Reiten-gefangennehmen-freilassen-gefangenwerden-sichbefreien-Reiten-Leier - et voilà der wohl letzte Grossmystiker. (Ich frage mich ja: Mystifizierte Schmidt da uns, seine Leser, oder sich selber?)


Nun, was dies betrifft, so sehe ich die Sache da schon etwas anders:
Was Sitara für May bedeutete, wurde von ihm in seiner Biografie und auch später in seinem Wiener Vortrag eingehend erläutert.
Der Weg von Ardistan nach Dschinnistan, vom Gewaltmenschen empor zum Edelmenschen - ein Thema, daß ihn in den letzten Jahren seines Lebens nicht mehr losließ.
Sein Problem war und ist bis heute, daß er mit diesem seinen letzten großen Gedanken eben einfach nicht verstanden wurde.
Das zeigte sich am besten an seinem "Babel und Bibel".
Zitat: "Ich habe ein einziges Mal etwas Künstlerisches und Formvollendetes geschrieben, mein 'Babel und Bibel'. Was war die Folge? Es ist als 'elendes Machwerk' bezeichnet und mit Spott und Hohn überschüttet worden."
Im "Mir von Dschinnistan" griff er dagegen wieder auf die alte Schreibweise seiner "Reiseromane" zurück, wenngleich die Konturen längst nicht mehr so dick aufgetragen wurden. Damit wurde die Erzählung auch für die breite Masse wieder zugänglicher, da sie eben nicht das Schicksal der letzten beiden Bände des "Silberlöwen" teilen mußte.
Das mußte May gespürt haben, denn heraus kam das meiner Meinung nach beste Werk seines Schaffens.
Leider wurde es von vielen, die bereits vom "Silberlöwen" abgeschreckt waren, nicht mal gelesen.
Die geringe Auflagenzahl und ein jahrelanges Verbot des Werkes taten ein übriges.
Übrigens kann ich nur jedem empfehlen, sich weniger auf die Interpretationen anderer zu berufen, sondern sich eher seine eigenen Gedanken zu machen.
Das ist nicht böse gemeint, sondern fiel mir im Verlauf dieses Threads nur so auf:
Herr Schmid schrieb dieses, Herr Wollschläger schrieb jenes usw...
Auch diese Herren waren nicht unfehlbar und vertreten eben nur IHRE Meinung.

Was nun Mays Konzept bei Ardistan und Dschinnistan betrifft, so war dies meiner Meinung nach von Anfang an klar.
Dies hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, sich die Manuskripte zurückschicken zu lassen, um den Ansatz zur Fortführung zu finden.
Man kann ein klares Konzept für ein Werk haben, aber sich selbstverständlich nach längerer Unterbrechung nicht mehr an jedes einzelne, zuvor geschilderte Detail erinnern. Kein Autor wird sein gesamtes Werk wortwörtlich im Gedächtnis haben, aber selbstverständlich die Handlung wissen.
Nur reicht das für eine Fortführung leider nicht ganz aus...

Wem das Ende des Bandes nicht zusagt, nun bitte! Jeder sieht das eben anders und hat seine eigene Meinung (wäre ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre).
Da nun allerdings nach einem Paradies zu fragen, kommt mir nun doch etwas abwegig vor.
Dschinnistan ist nur Paradies im übertragenen Sinne; Es ist "...das Territorium der wie die Berge aufwärtsstrebenden Humanität und Nächstenliebe, das einst verheißende Land des Edelmenschen."
Ein Traum freilich, der in seiner Gesamtheit niemals in Erfüllung gehen wird.
Im einzelnen muß es jeder selbst wissen, ob er in seinem eigenen Ardistan stecken bleibt, oder nicht...

MfG,
Rene Jochade


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BeitragVerfasst: 26.12.2007, 10:00 
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Rene Jochade hat geschrieben:
Das zeigte sich am besten an seinem "Babel und Bibel". [...] Im "Mir von Dschinnistan" griff er dagegen wieder auf die alte Schreibweise seiner "Reiseromane" zurück


Zwischen dem Entstehen der ersten Teilen des Silberlöwen und der Veröffentlichung des Dramas liegen mehr als zehn Jahre. Von "Rückgriff" kann da also keine Rede sein.


Frohe Weihnachten noch allerseits!

Jenny Florstedt

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BeitragVerfasst: 27.12.2007, 6:44 
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Und wieso, bitteschön, kann man nicht auf etwas zurückgreifen, was bereits 10 Jahre zurückliegt?
Außerdem war der Übergang ja nicht abrupt.
Ich fasse das aus meiner Sicht mal so zusammen:

1897 - Weihnacht und im Reiche des silbernen Löwen (Band1 & 2): alter Stil, aber schon etwas vorsichtiger, die Farben nicht mehr ganz so dick aufgetragen
1898 - Am Jenseits: Ein Wandel wird erkennbar
1901 - Und Friede auf Erden: Der Wandel setzt sich weiter fort, von den üblichen Abenteuergeschichten endgültig entfremdet
1902/3 - Im Reiche des Silbernen Löwen (Band3 & 4): Der Wandel ist vollzogen, die Handlung rückt völlig in den Hintergrund, Aktion weicht der Mystik, die Symbolik beherrscht endgültig Mays Schreibweise
1907/8 - Ardistan und Dschinnistan: Altes und Neues vereint - ein Werk voller Symbolik und Mystik, aber wieder mit Aktion und ausgeprägter Handlung im Stile der ersten beiden Bände des "Silberlöwen" - die einzige Art der Erzählform, um sein Anliegen auch einer breiteren Masse zugänglich zu machen, ohne daß diese dabei "einschläft" bzw. die Lust verliert, sich überhaupt weiter damit zu beschäftigen

Das 1906 erschienene "Babel und Bibel" lasse ich dabei mal unberücksichtigt, da für dieses als Drama völlig andere Berwertungskriterien gelten.

"An seinen Taten sollt ihr ihn erkennen": Diese, in seinen Werken von May selbst mehrmals zitierte Bibelstelle, traf im Prinzip auf alle seine Reiseromane zu.
Im "Silberlöwen" 3 & 4 völlig in den Hintergrund geraten, erwachte sie in "Ardistan und Dschinnistan" zu neuem Leben.
Das ist es, was ich damit zum Ausdruck bringen wollte...

MfG,
Rene Jochade


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BeitragVerfasst: 27.12.2007, 7:38 
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Alles klar. War ein Missverständnis auf meiner Seite.

Jenny Florstedt

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