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 Betreff des Beitrags: Kürzlich (wieder) entdeckt
BeitragVerfasst: 25.4.2011, 18:20 
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In Beiheft einer CD mit Orchesterwerken Franz Léhars (sowas gibts auch, er hat eben nicht nur Operetten und nicht nur die "lustige Witwe" und nicht nur "Heut geh ich ins Maxim" komponiert ) fand ich letztens folgenden Text (von Eckhardt van den Hoogen)
Zitat:
...
Der Frankfurter Schreiber traf den Nagel auf den Kopf. Ähnlich wie Karl May, zu dessen Abenteuergeschichten und Reiseberichten man sich allenfalls in entsprechenden Vereinen oder in gleichgesinnten Freundeskreis bekennen darf, repräsentiert Franz Léhar eine Kunst, die ungeachtet ihrer Popularität mit dem Hautgout des "Unanständigen" behaftet ist - ...
Mit Karl May dem Vielgelesenen verbindet Franz Léhar, den Vielgehörten, einiges mehr. Beispielsweise der selbst unter massiven Leugnern immer wieder geäußerte Satz, wonach der eine wie der andere "das Zeug gehabt hätte, einer der ganz Großen zu werden."
Fragen wir also: ein großer Wer? Johann Wolfgang von Goethe vielleicht oder Heinrich Heine oder Thomas Mann der eine, Giuseppe Verdi oder Gustav Mahler oder Paul Hindemith der andere? Es ist wohl nicht abzustreiten, daß der sogenannte Volksschriftsteller ebenso wie der volkstümliche Komponist auf ihrem ureigensten Gebieten zu den auffallendsten Erscheinungen, zu den "Größten" überhaupt gehören; daß sie Erfolge errungen haben, von denen manch "Großer" nur träumen konnte; und daß sie womöglich einen erheblichen Teil ihrer Fähigkeiten hätten preisgeben müssen, wären sie auf Gedeih und Verderb den Pfaden jener Leitbilder gefolgt, deren Wiederauflage zu werden sie das "Zeug gehabt hätten".
Daß sie es versucht haben steht auf einem anderen Blatt. Während der May der letzten Romane unwidersprochen das Gebiet der "hohen Literatur" streifte, stand Franz Léhars Komponistenlaufbahn von Anfang an unter dem Vorzeichen des seriösen Musikertums.



Es gibt eben mehr May-Kenner (und Freunde), als man gemeinhin glaubt.

Helmut


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 Betreff des Beitrags: Re: Kürzlich (wieder) entdeckt
BeitragVerfasst: 26.4.2011, 17:21 
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Im Beiheft zur CD mit dem Ballett OGELALA von Erwin Schulhoff, die beim gleichen Label ("cpo") erschienen ist, schreibt der gleiche Autor:

Zitat:
Hätte der Kantor emeritus Matthäus Aurelius Hampel aus Klotzsche bei Dresden sein Versprechen wahr gemacht und seine zwölfaktige Heldenoper aus dem Wilden Westen komponiert, er wäre vermutlich als Vorläufer des Balletts Ogelala in die Musikgeschichte eingegangen. Doch das Projekt wurde nie realisiert, besser: es konnte gar nicht realisiert werden, obwohl Hempel seine praktischen Studien mit außerordentlicher Akribie und vor Ort betrieben hat - denn er war die komische Figur in Karl Mays Ölprinz und in dieser Reiseerzählung dafür zuständig, daß den Protagonisten nicht langweilig wurde.
Die fiktive Gestalt blieb dennoch nicht ganz ohne Einfluß auf das Ballettmysterium in einem Akt nach einem antikmexikanischen Original, dessen Klavierauszug Erwin Schulhoff am 23. November 1922 vollendete: Damals nämlich erfreute sich die volkstümliche Indianerliteratur à la Karl May selbst in "Ästhetenkreisen" (so Schulhoff) einer außerordentlichen Beliebtheit, so daß Ogelala nicht nur von dem allgemein im Expressionismus verbreiteten Interesse an archaisch-heidnischen Sujets, nicht nur aus der allemal vorbildhaften Partitur des Sacre du Printemps - sondern auch aus den Abenteuern eines Old Shatterhands ein erhebliches Kapital zog.


Jener Komponist (Erwin Schulhoff) wurde 1942 von den Nazis umgebracht, weil er
- Jude war
- Kommunist war
- russischer Staatsbürger war
- "entartete Musik" schuf.

Helmut


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 Betreff des Beitrags: Re: Kürzlich (wieder) entdeckt
BeitragVerfasst: 26.4.2011, 21:52 
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Zitat:
...selbst in "Ästhetenkreisen..."
Ist das sowas wie ein Ritterschlag? 8)

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andrea


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