Diskussionsforen der Karl-May-Stiftung

Online-Treffpunkt des Magazins ›Der Beobachter an der Elbe‹
Aktuelle Zeit: 18.12.2017, 4:07

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: 'Da lacht sogar Winnetou'
BeitragVerfasst: 8.9.2011, 13:06 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 12.5.2004, 17:10
Beiträge: 6575
Wohnort: Mannheim
Winetou, mag sein, ich nicht ... ich habe ca. achteinhalb mal ansatzweise innerlich geschmunzelt (Seiten 20, 38, 41, 42, 45, 48, 49, 50, 115), fast ausschließlich aufgrund der Zeichnungen. 1 x fand ich einen Reim originell, auf S. 20. Eine rindsgemütig unsensible Stelle (S. 57) verursachte inneres Kopfschütteln. 1 x habe ich, glaube ich, kurz & fast unhörbar gelacht (auf S. 50).


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: 'Da lacht sogar Winnetou'
BeitragVerfasst: 10.9.2011, 10:04 
Offline

Registriert: 16.6.2010, 13:21
Beiträge: 171
Wohnort: Köln
Ich kenne den Effekt. Jüngst schenkte mein ganz persönliches Herzle mir anläßlich meiner Motivationsschwäche bei der Diplomarbeit das aus der Remittendenkiste gerettete (ich liebe sowas, das ist nicht despektierlich bemerkt!) Reclam-Büchlein "Karl May zum Vergnügen". Abgesehen davon dass das ein wunderbare Bezeichnung der gewünschten Funktion des Schriftstellers für Frau Pollmer darstellen könnte - das Buch hatte von Vergnügen leidlich wenig, in jedwedem - vulgo: keinem Sinne. Die "Narren, Clowns und Harlekine" halten sich sehr zurück. Ich sammle für mein eigenes Weblog semiregelmäßig "Stil und Blüten bei Karl May" und er hat eben beides.

Die Auswahl von Vollmer nun ist redlich bemüht, aber letzteres mehr als ersteres:

Vorweg: Die Bildauswahl ist fast schon phänomenal, da sie sich nicht nur auf die vielzitierte Fotoserie, oder schlimmer noch: Filmbilder der 60er Jahre reduziert. Eine Leserin im Indianerkostüm, ein Vordruck mit der Bitte um Verständnis, dass nicht alle Zuschriften beantwortet werden können...

Aber die Textsammlung ausgerechnet mit einem Gedicht der Himmelsgedanken zu beginnen, das zumindest May selber noch ernst genommen haben dürfte. Der folgende "Brief an den Linzer Buchhändler Fidelis Steurer" ist wunderbar, weil hier echter May durchscheint, der sein Wollen durch einen Witz verdeckt, indem er denselben bis über den Anschlag ausreizt. Aber dann: Aus den Texten gerissene (und ja, man kann auch vorsichtig hinauslösen, wenn man weiß, was man sucht) Zitate ohne große Pointe, verbrämt mit ausgerechnet den Textstellen, bei denen mein Herz beim Lesen schwer wird, weil ganz wie beim guten Herrn Kappus, da so viel ist, "was sich herauswünscht", was ein Wollen und Sehnen sonder Erfolgsgefühl ist... Eine Grußkarte wird lediglich abgedruckt, aber nicht entziffert.

Zugegeben: Mittendrin gibt es Textstellen, wie den Brief über seine Sprachkenntnisse (mit Pointe, und die ist wunderbar: "Lappländisch will ich nicht mitzählen."), oder die Liebe als "Senf für die Pfeffergurke des Lebens" oder der wunderbare Dialog "Ich bin Privatgelehrter und studiere die Vorwelt." "Und ich bin Laie und studiere die Mitwelt.", sowie die Beobachtung "Wenn ein Deutscher im Orient reist, so hält man ihn entweder für einen Arzt oder für einen Gartenkünstler.". Hübsch gemacht, aber es erinnert mich eher an blinde Hühner als an Aschenputtel.

Denn es fehlt, was ich impusiv erhoffte: Knackige Zitate, die sich anwenden lassen. Kleine Aphorismen, Apspercusse (Asperci?) und Prolegomena - whatever.

Da fällt mir immer der Satz aus dem Vermächtnis des Inka ein:
Zitat:
"Sie sind jedenfalls Fachmann, und es freut mich, daß Sie nun auf Grund eigener Erfahrung eine Wahrheit, die wir längst kannten, feststellen können."

Und wo ist bitteschön das wunderbare
Zitat:
"Pferde nimmt man zurück, aber Frauen nicht."
, sowie
Zitat:
"Winnetou traut der Nacht nicht, denn sie ist ein Weib."
?
Wo ist die unfreiwillige Komik als etwa Winnetou sich
Zitat:
"immerfort würgend an die Fersen der Flüchtenden geheftet hatte."
(Da gibt's doch was von Ratiopharm...)?

Und sprachlich genial gelöster Wortwitz in meiner Lieblingsstelle im Silbersee:
Zitat:
"Old Firehand hatte noch vor der Ankunft des Apachen von dem Ingenieur ein Stübchen angewiesen bekommen; dorthin begab er sich jetzt mit Winnetou, um den auffälligen Jagdanzug mit dem andern zu vertauschen, in welchem er von den Bahnarbeitern für einen neu angeworbenen Kameraden gehalten werden konnte; denn diese Leute durften heute noch nicht wissen, daß etwas so Ungewöhnliches im Anzuge sei."

Für den, der May kennt gibt es nicht viel Neues, für den, der ihn nicht kennt wirkt es hingegen trocken und altbacken. Schad drum - denn die Idee war wunderbar. Es kriegt nur (ich zitiere sinngemäß Rüdiger: Ich muß nicht alles mögen, aber ich sag's ja nur...) keiner hin. Ich erinnere mich kaum an die beiden von Nik Ebert durchaus kenntnisreich illustrierten Bände. Schad.

_________________
"So scheint mein Rohr besser zu sein als das Eurige, obgleich es viel kleiner ist."
[Der Schatz im Silbersee, 217.]

"Der Deutsche pflegt zwar albern, aber auch ehrlich zu sein."
[Der Sohn des Bärenjägers, 508.]


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Yahoo [Bot] und 3 Gäste


Sie dürfen keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie dürfen keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron

Café el Kahira

Redaktion: Der Beobachter an der Elbe, Moderation: Dr. Giesbert Damaschke
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Thème 3myl_sable réalisé par SGo