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 Betreff des Beitrags: Ritter und Rebellen
BeitragVerfasst: 22.5.2007, 16:58 
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Hallo,
ich bin zur Zeit damit beschäftigt, "Ritter und Rebellen" durchzuarbeiten. In der Auflage, die ich besitze (262. Tausend), befindet sich im Vorwort ein Faksimile des Romananfangs, wie er den Lesern vor etwa 130 Jahren geboten wurde. Ich habe beide Texte vergleichsweise gelesen und war ziemlich schockiert, in welchem Maße der KMV damals Änderungen vorgenommen hat (fast kein einziger Satz hat noch die Gestalt, die er ursprünglich hatte).
Wurde der Rest dieses Romans ebenfalls so radikal bearbeitet wie die ersten zwei Seiten? In dem Fall könnte man ja kaum noch rechtfertigen, dass der Name Karl May als einziger Autor des Bandes 69 genannt wird. Außerdem: Mussten die 2. und die 3. Erzählung in dem Buch auch von fremden Mitarbeitern beendigt werden oder hat Karl May diese zwei ehemaligen Handlungsstränge selbst abgeschlossen? (Leider gibt das Vorwort da keine Antwort)

Herzlichen Dank
Stefan Schawe :shock:


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BeitragVerfasst: 22.5.2007, 17:18 
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Das ist halt so, ja.

vgl. Band-Rezension unter

http://141.30.89.80/~thomas/maybuecher/ ... 72&_sort=A

Andererseits: mitlerweile finde ich die Idee, aus Mays Nachlass sozusagen mundgerechte Portionen zu formen, so übel nicht. Man hätte halt deutlicher (im Buch selbst) auf die Tatsache der Bearbeitung hinweisen sollen.

Aber immerhin kann man mittlerweile in „Der geschliffene Diamant“ allerhand zu den Bearbeitungen nachlesen, und auf den Internetseiten des KMV sind sie auch des öfteren als solche benannt.

Ich tendiere mehr und mehr in die Richtung, die Bearbeitungen als Alternative zum Original zu akzeptieren, wobei mir das bei den im großen Stil umgeschriebenen Bänden leichter fällt als bei den Reiseerzählungen mit ihren eher unauffälligen Veränderungen. Bei ersteren liegt es einigermaßen offen zutage, dass es sich um zwei Paar Schuh’ handelt, bei letzteren besteht eine gewisse Verwechslungsgefahr …


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BeitragVerfasst: 22.5.2007, 17:41 
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Hallo,
im KMG-Reprint "Feierstunden am häuslichen Heerde" (dort ist der "Urtext" "Der beiden Quitzows letzte Fahrten.", wie Karl May die Erzählung nannte, abgedruckt), ist im Vorwort (von Siegfried Augustin) ein Brief von Franz Kandolf an E.A. Schmidt abgedruckt.
Aus diesem Brief möchte ich einige Sätze zitieren:

Zitat:
Nach meiner Ansicht ist es das allein Richtige, wenn man zwei oder drei Einzelerzählungen aus dem Roman herausschält wie wir es ja wiederholt gemacht haben, und ihnen so gut wie möglich eine Abrundung gibt. ...
Meine persönliche unmassgebliche Meinung ist, daß es ein paar ganz niedliche Erzählungen abgeben würde, die vielleicht sogar ganz besonders für die Jugend geeignet wären, weil der Inhalt ziemlich geschlechtslos ist und die Helden außerdem in sehr jugendlichem Alter stehen. ...
Ein großer Teil des Romans von Karl May würde dabei freilich unter den Tisch fallen. Aber darum wäre es nicht schade, weil dabei alles ausgemerzt würde, was anstößig ist. besonders die schlechte Behandlung der Geistlichkeit.
...


Dieser Brief stammt aus dem Jahr 1933 und es hat mehr als 30 Jahre gedauert, bis diese Kandolf'schen Ideen beim KMV in "Ritter und Rebellen" umgesetzt wurden.

Helmut


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BeitragVerfasst: 22.5.2007, 18:10 
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Aus Helmuts Beitrag geht sehr schön hervor, dass die ART der Bearbeitung (älterer Bände) allerdings mittlerweile wirklich völlig veraltet ist, heutige Jugendliche würden sich ja totlachen, wenn sie das läsen, was Kandolf da (in dem obigen Zitat) über Geschlechtslosigkeit und Ausmerzen von sich gegeben hat.

Und was die schlechte Behandlung der Geistlichkeit betrifft: in der originalen „Juweleninsel“ z.B. werden die Früchte des traulichen Tuns von Nonnen und Mönchen im Kirchhof verscharrt; dass Karl May auch so etwas geschrieben hat, verschwieg man über die Jahrzehnte geflissentlich …
Zitat:
Es gibt in dem Klosterkirchhofe einen Winkel, in welchem man beim Nachgraben nichts finden würde als die Ueberreste neugeborener Kinder."
"Nicht möglich! Wer wären dann die Väter?"
"Die Mönche. Wer anders?"
"Alle Teufel!"
"Ja. Die frommen Väter und Mütter haben einander sehr lieb, und der alte Basaltfelsen hat nicht umsonst so tiefe Klüftungen und unterirdische Gänge."


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BeitragVerfasst: 23.5.2007, 7:43 
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rodger hat geschrieben:
Und was die schlechte Behandlung der Geistlichkeit betrifft: [...]

Geistlichkeit im allgemeine, v.a. aber katholische Geistlichkeit: auch die Jesuiten spielen eine Rolle, als rabenschwarze Verschwörer. Gerade in der "Juweleninsel" finden wir einen anti-katholischen May, wie er uns sonst nie mehr begegnet.

May, ein Fall von »Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'«? (Womit er ja, wenn ich das jetzt noch richtig im Kopf habe, in bester Gesellschaft wàre: Schon Walther von der Vogelweide soll das gesagt haben.)


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BeitragVerfasst: 23.5.2007, 20:08 
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Danke für die Antworten. Rodgers Meinung über die Bearbeitungen gefällt mir sehr gut, ihr könnte ich mich problemlos anschließen. Aber weiß irgendjemand, ob "Der Falkenmeister" und "Wildwasser" auch von Kandolf beendet werden mussten? (Mich persönlich würde es ungemein interessieren, in welcher Weise May diese drei Handlungsstränge später verbinden wollte, Goldmanns Lösung sei jedenfalls "unbefriedigend".
Vielleicht sollte ich mir mal "Der beiden Quitzows letzte Fahrten" in der Weltbild-Ausgabe zulegen. Hoffentlich ist da relativ genau angegeben, welche Episoden von May und welche von H. Goldmann stammen; um den Originaltext dürfte es sich ja handeln.

Stefan


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BeitragVerfasst: 23.5.2007, 20:43 
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Die Weltbild-Ausgabe ist verläßlicher, als man es erwarten kann, wenn man den Text auf der Titelrückseite liest. Dort steht nämlich:

"Diese Ausgabe erscheint unter Zugrundelegung der zwischen 1877 und 1879 erschienenen Zeitschriftenausgabe und der 1903 erschienenen Buchausgabe." Das mit mit Buchausgabe ist barer Unsinn, die gab es zu der angegebenen Zeit nicht.

Goldmann hat May fortgesetzt, daher ist es relativ einfach, seinen Einstieg festzustellen. Im Vorwort von Band 1 der Weltbild-Ausgabe ist die ungefähre Stelle genannt.

Grüße

Rolf Dernen


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BeitragVerfasst: 23.5.2007, 21:19 
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Ich steuere mal einen Link zum Volltext bei:
http://karlmay.leo.org/kmg/primlit/roma ... /index.htm

Da sieht man sehr deutlich, wo Goldmann eingesetzt hat.

Ansonsten noch der Link zum Karl-May-Wiki:
http://141.30.89.80/~thomas/wiki/index. ... te_Fahrten

ta

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BeitragVerfasst: 25.5.2007, 11:17 
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Registriert: 12.5.2004, 18:21
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Im Forum der Bücherdatenbank (http://www.karl-may-buecher.de) beginnt übrigens gerade eine Leserunde zu den Quitzows.

ta

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