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 Betreff des Beitrags: Eine Parallele / Vom Sehen
BeitragVerfasst: 19.1.2013, 10:59 
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Zitat:
Die Priester der orthodoxen Kirche waren und sind weniger »Diener Gottes« als Handlanger und Zeremonien-Vollstrecker. Sie waren nicht die Mittler zwischen Gebet und Erhörung. Gewissermaßen über ihre Köpfe hinweg ging der Glaube der Massen. Sie hatten keine bevorzugte Stellung, sie hatten nur Einnahmen. Sie nahmen die traditionellen Abgaben entgegen nicht wie Priester, sondern wie Tempeldiener.

(Joseph Roth, Reise in Rußland)

fiel mir diese wieder ein

Zitat:
Der Bonze war - eben ein Bonze, und damit ist alles gesagt. Seine ganze Bildung bestand in der Kenntnis der rein mechanischen Opfergebräuche, und ich fühlte die Meinung bestätigt, welche ich mir vorhin über ihn gebildet hatte, als er die beiden Nebengötter für Phu-sa und 0-mi-to erklärte. Er kannte nicht einmal die richtigen Namen der Figuren, welche er anbetete. Die Bonzen sind im allgemeinen höchst unwissende Menschen; sie leben teils von der Mildthätigkeit anderer und teils von den Gaben, welche sie erhalten, um die Sünden anderer auf sich zu nehmen und durch ein frommes Leben abzubüßen. Da sie jedoch im Cölibate leben, sind sie kinderlos, kaufen sich aber gewöhnlich ein Kind, einen Sohn armer Eltern, den sie sich zum Nachfolger erziehen, indem sie ihm die wenigen Handgriffe und die kurzen Gebete lehren, die ihr ganzes Können und Wissen ausmachen.

(Karl May, Am stillen Ocean)

Regionen- und zeitenübergreifend: die gleichen Erscheinungen …

Bei Zweitausendeins gibt es übrigens derzeit den großformatigen Bildband zu Roths Leben und Werk für 9,95 €.

Auf Roth wie May trifft das zu, was Joachim Fernau über Albertus Magnus schrieb:

„Was dieser kleine schmächtige Mensch hier in seinem Schädel umschmilzt, ist das ganze Weltbild und Wissen des Mittelalters. Das Bild. Das Auge ist sein Werkzeug. Er sieht.“

(Wobei es natürlich nicht um klein und schmächtig und auch nicht ums Mittelalter geht, nicht daß wieder jemand sein persönliches Unverständnis an so etwas festmacht …)

(Das Fernauzitat bezieht sich nicht auf den Zitatvergleich oben, das eine ist das eine, eine Parallele, das andere eine zusätzliche Feststellung.)

In Sachen Sehen noch dies, Thomas Mann schrieb einmal sinngemäß, er müsse nur dem Kaiser Wilhelm ein paar Minuten beim Exerzieren zuschauen, dann wisse er mehr über Preußen, Militär usw. als wenn er mehrere Bücher darüber gelesen habe ... Das ist ganz unwissenschaftlich, ja, und das ist auch gut so. Wer ganz ohne Fachbegriffe nicht mag: man nennt's Intuition.

:D


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