Diskussionsforen der Karl-May-Stiftung

Online-Treffpunkt des Magazins ›Der Beobachter an der Elbe‹
Aktuelle Zeit: 13.12.2017, 16:16

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: ... nicht aber wie der Redakteur mich zustutzt.
BeitragVerfasst: 4.3.2014, 18:28 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 21.5.2004, 13:50
Beiträge: 124
Wohnort: Würzburg
Im Februarheft 1880 gab die Redaktion der „Daheim“-Zeitschrift – sie mag in diesem Fall für den Redaktionsapparat all der vielen Familienzeitschriften des 19. Jahrhunderts stehen – ihren fleißigen Mitarbeitern einige Paragraphen mit auf den Weg, an die sie sich doch geflissentlich halten sollten. § 15 aus dem „Merkbüchlein für gelegentliche Mitarbeiter des Daheim und solche, so es werden wollen“ lautete:

Zitat:
§ 15. Merke: Du sollst dich nicht ärgern, wenn du deine Arbeit liest und gewahr wirst, daß hier oder dort ein Stücklein fehlet. Denn bedenke: wollte die Redaktion alle Artikel so bringen, wie sie sind, so würde nie eine Nummer fertig, denn die Artikel passen nicht aufeinander wie Ziegelsteine, sondern es muß hier oder dort ein Ecklein abgebrochen werden, damit sie sich vertragen und ineinander fügen.

[Daheim. Ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen. 16. Jg. Ausgegeben am 7. Februar 1880. Nr. 19, Seite 308]


Karl May freilich ärgerte sich dem Paragraphen 15 zum Trotz ganz gewaltig über die Eigenmächtigkeit, die sich in seinem Falle etwa der Redakteur des „Deutschen Hausschatzes“ Heinrich Keiter herausnahm. Sein Ärger war sogar so groß, daß er dem „Deutschen Hausschatz“ seine Mitarbeit aufkündigte. Was Wunder auch? Begnügte Keiter sich doch nicht damit, hier und dort ein Ecklein abzubrechen, sondern er riß den ganzen Vorbau des von Karl May geschaffenen Gebildes (nämlich seines Romans Die Jagd auf den Millionendieb) ein. Ganz bedeutend gekürzt, ohne mich um Erlaubnis zu fragen, habe Keiter, so May empört noch in seiner Autobiographie.

Zitat:
Ich habe Korrekturen und Kürzungen nie geduldet. Der Leser soll mich so kennen lernen, wie ich bin, mit allen Fehlern und Schwächen, nicht aber wie der Redakteur mich zustutzt. Darum teilte ich Pustet mit, daß er von mir kein Manuskript mehr zu erwarten habe. Er versuchte, mich brieflich umzustimmen, doch vergeblich. Da kam er, der alte Herr, persönlich nach Radebeul. Das war rührend, hatte aber auch keinen Erfolg. Er schickte dann seinen Neffen, ganz selbstverständlich mit demselben negativen Resultate, denn sie beide waren es doch nicht, die sich an meinen Rechten vergriffen hatten. Da kam der Richtige, Heinrich Keiter selbst. Er versprach mir, daß es nie wieder geschehen solle, und daraufhin nahm ich meine Absage zurück.

[Karl May: Mein Leben und Streben und andere Selbstdarstellungen. Hrsg. v. Hainer Plaul u.a. Karl Mays Werke. Historisch-kritische Ausgabe für die Karl-May-Stiftung. Abteilung VI: Autobiographische Schriften; Bd. 1. Karl-May-Verlag, Bamberg und Radebeul 2012, S. 197.
]



Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: ... nicht aber wie der Redakteur mich zustutzt.
BeitragVerfasst: 4.3.2014, 23:31 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 12.5.2004, 17:10
Beiträge: 6575
Wohnort: Mannheim
Das hätte sich der arg selbstgefällige, sich selber kurioserweise offenbar als eine Art Maßstab ansehende Keiter sicher nicht träumen lassen, daß ihm seine 'redaktionelle Besonnenheit', bzw. das, was er dafür hielt, im Nachhinein noch so um die Ohren fliegen sollte ...


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: ... nicht aber wie der Redakteur mich zustutzt.
BeitragVerfasst: 5.3.2014, 18:14 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 21.5.2004, 13:50
Beiträge: 124
Wohnort: Würzburg
Denn Pustet und sein Neffe, so May in seiner Autobiographie, waren es doch nicht, die sich an meinen Rechten vergriffen hatten. Auf der Werke-CD lautet es noch ein klein wenig anders: Denn sie beide waren es doch nicht, die sich an meinen Renten vergriffen hatten.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste


Sie dürfen keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie dürfen keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  

Café el Kahira

Redaktion: Der Beobachter an der Elbe, Moderation: Dr. Giesbert Damaschke
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Thème 3myl_sable réalisé par SGo