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 Betreff des Beitrags: Charaktäre bei Karl May
BeitragVerfasst: 26.11.2004, 12:07 
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Ich verspreche das letzte (ok, vielleicht das vorletzte) Thema das ich wahllos anfangen werde.

Mein Karl May comic is angekommen und beinhaltet Winnetou I, II und Der Sohn des Bärenjägers. Weil ich die also schnell nacheinander gelesen habe (war überigens von sehr bemühten Werktreue beeindruckt) sind mir gewisse Ähnlichkeiten aufgefallen.

Zum Beispiel das Stereotyp des rachsüchtigen Jünglings. So Teenagers die mit auf Abenteuer mitgeschleppt werden und in der Regel hasserfüllt ihre tragische Familiengeschichte erzählen. Da hätten wir Harry in Winnetou II, Martin Baumann und seinen Hass auf Bären, Bloody Fox, und, wenn auch weniger intensiv, Fred, der Junge der Tante Droll im Silbersee begleitet.

Interessant dass diese Art von Person vor allem in den Westernbüchern aufscheint. Ich kann mich nicht wirklich an eine ähnliche Person in den Orientbüchern erinnern.



Der andere Punkt betrifft die Frauen. Grade ein wenig älteren Romanen und bei Kolportage im Allgemeinen wird oft Frauenfeindlichkeit nachgesagt. In der Regel signalisiert durch böser Frauen Charaktäre. Zum Beispiel die Frau die aus verschmäter Liebe wilde Rache an der neuen Frau nimmt und sucht sie zu verderben. Oder intrigante Frauen die durch falschen Rat, motiviert durch Rachsucht oder Geldgier ihren Mann ins verderben stürzen. Oder Frauen die als bösartig dargestellt werden weil/dadurch das sie promiskuitiv sind. Eitle Frauen die Männer gegeneinander auspielen.

Nun, es mag selektive Erinnerung sein (vielleicht erinnere ich mich nur an die Guten), aber ich erinnere mich an kaum böse Frauen oder Frauen die böses tun bei Karl May. Die wenigen die mir einfallen wie Karja aus dem Waldröschen oder die Zigeunerin aus Szepter und Hammer werden eher so dargestellt als ob sie der Verrat der untreuen Männer die ihnen die Ehe versprochen haben ins Unglück gestürzt worden wären. Also eher Personen die unser Mitleid haben sollten.

Leider erinnere ich mich nur mehr wenig an Emilia aus dem Waldröschen, kann jemand meine Erinnerung auffrischen und mir erzählen was ihre Ende war?

Ich möchte unseren May nicht unbedingt als großen Frauenkenner oder gar Femministen hinstellen, aber so scheint er doch den Großteil seiner Frauengestallten eher positiv gezeichnet zu haben; in seiner Definition von positiv (weise, sittsam, treu, stolz, humorvoll, sanftmütig oder wehrtüchtig).


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 Betreff des Beitrags: Re: Charaktäre bei Karl May
BeitragVerfasst: 26.11.2004, 14:27 
Lola hat geschrieben:
(...) das Stereotyp des rachsüchtigen Jünglings. (...)

Interessant dass diese Art von Person vor allem in den Westernbüchern aufscheint. Ich kann mich nicht wirklich an eine ähnliche Person in den Orientbüchern erinnern.


Das liegt sicherlich auch ein wenig am Western-Genre, vorallem aber doch daran, daß sämtliche von dir genannten Jünglinge Identifikationsfiguren für speziell für die (mänliche) Jugend geschriebene Erzählungen sind. Dies gilt insbesondere für Martin Baumann, Bloody Fox und Fred Engel, aber auch für Harry in Winnetou II, da diese Figur von May in der speziellen Jugendbearbeitung 'Im Fernen Westen' seiner 'Old Firehand'-Novelle für die ursprüngliche Old-Firehand-Tochter Ellen eingetauscht wurde, und May sich dann später bei Übernahme dieser Geschichte in Winnetou II sich dann leider an dieser Harry-Version orientierte. Der jungendliche Rächer findet sich auch in der kurzen Erzählung von der 'Windhose', welche auch ursprünglich für eine Jugendzeitschrift verfaßt wurde, und erst später von May in den (ursprünglich) 2. Surehand-Band (bzw. Kapitän Kaiman) übernommen wude. Daß aber der jugendliche Rächer nicht nur in Wildwest vorkommt, sieht man etwa an der 'Sklavenkarawane', wo der 'Sohn des Geheimnisses' die gleiche Funktion einer jugendlichen Identifikationsfigur für die Leser des 'Guten Kameraden' ausfüllt.


Zitat:
Der andere Punkt betrifft die Frauen.


Frauencharaktere bei May sind natürlich ein weites Feld, zumal da mancher Leser der alten These anhängt, daß da die pikanteren Szenen nicht von May selbst stammen, sondern von Dunkelmännern in Hinterzimmern hineingeschrieben wurde.

Prinzipiell aber würde ich es aso sehen, daß May seine weiblichen Charaktere eher schwarzweiß als böse und gute zeichnet. Allerdings verschwimmen die Grenzen in sofern, als daß die guten Mädels auch in nicht ganz sittlich einwandfreie Situationen geraten können, wärend die bösen oft mit geringer oder gar keiner Strafe davonkommen. Judith aus der 'Satan und iIchariot'-Trilogie ist so ein Beispiel für einen 'bösen' Frauentyp, bei dem May nicht so recht weiß, ob er fasziniert oder abgestoßen sein soll. Dagegen ist die tugendhafte Martha ja eher schwach und langweilig gezeichnet.

Viele Grüße
Thomas


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.11.2004, 14:54 
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Ich schätze was mir so seltsam an der ganzen Sache erscheint dass von den 4 von mir genannten eigentlich nur Martin Baumann eine positive Charakterisierung hat. Fred Engel hat außer seinem kleinen Beitrag zu der Verbrechensgeschichte überhaupt keine Funktion. Und sowohl Bloody Fox als auch Harry sind in meiner Erinnerung eindeutig negativ gezeichnet (genau wie die erwachsenen rachsüchtigen Charaktäre). In meiner Erinnerung gibt es sogar eine Referenz in Winnetou II wo Old Shatterhand vorgreift und erwähnt das Harry ein negatives Ende gefunden hat, wie es seinem rachsüchtigen Charakter entspricht. Ich würde Harry und Bloody Fox eher in eine Ecke mit Old Wobble stellen.

Bezüglich der Harry/Ellen Transformation muss ich sagen dass mir Harry lieber ist. Ich fand es immer schon seltsam dass die selben Charaktereigenschaften bei einer Frau anscheinend eine interessanten und begehrenswerten Charakter ergeben sollen, bei einem Jungen aber als bösartig gewertet werden.

Zitat:

BeitragVerfasst am: 26.11.2004, 13:27 Titel: Re: Charaktäre bei Karl May
Frauencharaktere bei May sind natürlich ein weites Feld, zumal da mancher Leser der alten These anhängt, daß da die pikanteren Szenen nicht von May selbst stammen, sondern von Dunkelmännern in Hinterzimmern hineingeschrieben wurde.

Prinzipiell aber würde ich es aso sehen, daß May seine weiblichen Charaktere eher schwarzweiß als böse und gute zeichnet. Judith aus der 'Satan und iIchariot'-Trilogie ist so ein Beispiel für einen 'bösen' Frauentyp, bei dem May nicht so recht weiß, ob er fasziniert oder abgestoßen sein soll. Dagegen ist die tugendhafte Martha ja eher schwach und langweilig gezeichnet.


Ich finde es in erste Linie interessant die weiblichen Bäsewichter oder nicht-guten im Kontrast zu den männlichen Bösewichtern wie Santer, der rote Cornel, den Derwisch, verschiedene Indianerhäuptlinge oder den Mübarek zu sehen. Die ja viel konsequenter als böse gezeichnet werden.

Zitat:
Allerdings verschwimmen die Grenzen in sofern, als daß die guten Mädels auch in nicht ganz sittlich einwandfreie Situationen geraten können, wärend die bösen oft mit geringer oder gar keiner Strafe davonkommen.


Beispiele?


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.11.2004, 16:07 
Bloody-Fox ist vom zeitgenössischen Standpunkt aus gesehen eigentlich nicht negativ gezeichnet, natürlich aber war die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber den Töten damals eine andere als heute

Lola hat geschrieben:
In meiner Erinnerung gibt es sogar eine Referenz in Winnetou II wo Old Shatterhand vorgreift und erwähnt das Harry ein negatives Ende gefunden hat, wie es seinem rachsüchtigen Charakter entspricht.


Das ist eine Fehlerinnerung. In der 'Winnetous Erben'-Bearbeitung gibt es einen Passus über den Verbleib der alten Westleute, dabei wird auch Harry (uund z.B. auch Drolls Tod) erwähnt. Dieser Einschub ist aber kein Originaltext von May, sondern stammt von den Bearbeitern und wurde bei der seinerzeitigen Umwandlung von Pappermann in Hammerdull & Holbers eingefügt (damals noch ausführlicher, u.a. auch eine längere Reminiszens an Sam Hawkens),diese eine zusätzliche Textpassage ist dann auch nach der 'Rückbearbeitung' in 'Winnetous Erben' verblieben.

Zitat:

Zitat:
Allerdings verschwimmen die Grenzen in sofern, als daß die guten Mädels auch in nicht ganz sittlich einwandfreie Situationen geraten können, wärend die bösen oft mit geringer oder gar keiner Strafe davonkommen.


Beispiele?


Judith war eigentlich schon ein Beispiel. Aber welche Frau außer Miß Admiral muß bei May überhaupt schon den Löffel abgeben. selbst wenn sie ihren Konkurrentinnen Säure ins Gesicht spritzt?

Psychologisch betrachtet würde ich sagen, daß May Männer eindimensionaler schildert, entweder sie ordnen sich dem 'Ich' unter und sind 'gut' oder aber sie sind Konkurrenten und 'böse' und werden deshalb mit einem Federstrich kaltgestellt. Eine Ausnahme ist da vorallendingen Old Wabble, der zwischen den beiden Lagern hin und her wackelt.

Dagegen schildert er Frauen, grob betrachetet, entweder als gesittet, gut aber etwas langweilig oder verführerisch, oder eher böse aber dafür interessanter, die 'ideale' Mischung, die May etwa mit der Figur der Old-Firehand-Tocher Ellen skizzierte, entstand noch vor dem Kennenlernen seiner Frau und war deshalb wohl noch eher einem Wunschideal verpflichtet, was sich in der Ehe mit Emma dann in die beiden Frauentypen aufspaltete.


Zuletzt geändert von Thomas Schwettmann am 27.11.2004, 16:17, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Charaktäre bei Karl May
BeitragVerfasst: 26.11.2004, 16:18 
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Lola hat geschrieben:
Ich verspreche das letzte (ok, vielleicht das vorletzte) Thema das ich wahllos anfangen werde.


Das wäre aber sehr schade.
Hast Du doch gerade das Forum aus tiefem Koma sozusagen wachgeküßt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Charaktäre bei Karl May
BeitragVerfasst: 26.11.2004, 16:55 
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Registriert: 23.11.2004, 13:18
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rodger hat geschrieben:
Lola hat geschrieben:
Ich verspreche das letzte (ok, vielleicht das vorletzte) Thema das ich wahllos anfangen werde.


Das wäre aber sehr schade.
Hast Du doch gerade das Forum aus tiefem Koma sozusagen wachgeküßt.


Ihr könntet euch ja mir anschließen. Denn obwohl ich nichts gegen das Wachküssen habe, weiß ich nicht sicher ob ich eine langfristige Mund-zu-Mund Beatmung durchhalten kann. :wink:

Wobei ja auch zu hinterfragen ist wie wirklich notwendig es ist ein aktives Forum zu haben. Wenns nichts zu sagen gibt, gibt es halt nichts zu sagen.

Bei mir ist es halt so dass ich noch einen ganzen Packen von "Fragen über Karl May die Sie schon immer stellen wollten" habe. Wollte euch nur nicht auf die Nerven gehen.

Zitat:
Bloody-Fox ist vom zeitgenössischen Standpunkt aus gesehen eigentlich nicht negativ gezeichnet, natürlich aber war die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber den Töten damals eine andere als heute


Ich weiß nicht. Ich habe die negative Darstellung auf die Unnachgiebigkeit in seinem Charakter bezogen. Da ja Karl May seinen echt positiven Figuren gerne Edelmut, Sanftmut, Weichherzigkeit, Humor, herzliche Freundschaft oder außergewöhnliche Intelligenz (besonders im Vermeiden von Blut) andichtet.

Natürlich gibt es auch Charaktäre die den Wunch nach Wendung haben, wie Old Death oder Hiller in Weihnacht. So etwas ist mir bei Bloody Fox aber nicht so aufgefallen. (kann dran liegen dass Llano Escado nicht eines meiner Lieblingsbücher ist. Lese aus Unter Geiern in der Regel nur den Bärenjäger und überspringe die Llano.

Zitat:
Dieser Einschub ist aber kein Originaltext von May sondern stammt von den Bearbeitern und wurde bei der seinerzeitigen Umwandlung von Pappermann in Hammerdull & Holbers eingefügt


Schade. Fand das hat gut zu Harry gepasst.

Zitat:
Psychologisch betrachtet würde ich sagen, daß May Männer eindimensionaler schildert, entweder sie ordnen sich dem 'Ich' unter und sind 'gut' oder aber sie sind Konkurrenten und 'böse' und werden deshalb mit einem Federstrich kaltgestellt.


Wirkt auf mich ein bißchen als ob May bei den weiblichen Charaktären irgendwie nachsichtiger war. Als ob er ihnen keine wahre Bösartigkeit zutrauen würde. Wahrscheinlicher ist vermutlich dass er Frauen einfach nicht allzu sehr verstanden hat, sonst gebs ja mehr und wichtigere Frauencharaktäre. Ich würde ihn trotzdem als "wohlmeinend" gegenüber Frauen bezeichnen. Allein schon wegen der Stelle in Winnetou I als er sich selbst (positiv) mit einer liebevoll lenkenden Ehefrau vergleicht, im Umgang mit den anderen Surveyors.


Zuletzt geändert von Lola am 26.11.2004, 16:57, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Charaktäre bei Karl May
BeitragVerfasst: 26.11.2004, 16:56 
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Registriert: 12.5.2004, 18:35
Beiträge: 221
Lola hat geschrieben:
Bei mir ist es halt so dass ich noch einen ganzen Packen von "Fragen über Karl May die Sie schon immer stellen wollten" habe. Wollte euch nur nicht auf die Nerven gehen.


na, davon kann nun wirklich keine rede sein! nur zu! :)


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