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 Betreff des Beitrags: Von lichter Höhe in den Schlamm ...
BeitragVerfasst: 20.2.2017, 16:28 
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Auf dem Karl May – Wanderweg bei Sulzbach / Saar

Als der Wanderer oder auch wackere Spaziergänger nach genau vier Stunden ohne Pause wieder am Auto eintrifft, weiß er, daß er sich mit den drei Stunden, auf die er die Gehzeit geschätzt hatte, arg vertan hat. Was zum einen daran lag, daß er vorher irgendwo etwas von 12 km Weglänge gelesen hatte, was sich dann im Laufe der Strecke als unzutreffend erwies, zum anderen an zwar gut verkraftbaren, aber relativ häufigen Bergaufstrecken. Und am Schlamm und Kampf durchs Gestrüpp. (Dazu später …)

Der Parkplatz am Schürer Weg liegt recht versteckt, ohne Navi wär's schwierig gewesen, und auch mit Navi kann man sich kurz vor dem Ziel ein paarmal verfahren, da die Navisoftware in Sachen Straßenführung manchmal sozusagen so ihre eigenen Ansichten hat … (eine Vorfahrtsstraße muß z.B. nicht zwangsläufig die zu befahrende sein … das weiß eigentlich auch das Navi, aber manchmal eben auch nicht …)

Der Weg ist schön ausgesucht, reizvoll und abwechslungsreich. Zahlreiche schön anzusehende, informative Hinweistafeln führen durch Karl Mays Leben und Werk. Auch Holzskulpturen sind vereinzelt zu begutachten. Eine schöne Idee und feine Sache.

Zunächst hat man den Eindruck, es gehe um Chronologie, in diesem Sinne fängt es recht stimmig mit "Ardistan" an (ob es tatsächlich nur aufwärts, hinauf nach Dschinnistan ging für unseren Autor frage ich mich noch, oder ob nicht Mays letzte Jahre, letztes Jahrzehnt zum großen Teil eher eine elende Biesterei war nach vorherig vermeintlichem Aufstieg ...), nach "ICH" und den Erzgebirgischen Dorfgeschichten kommt Old Surehand (wie als Vertreter der klassischen Reiseerzählungen), dann "Am Jenseits", danach schon das Grabmal in Radebeul … Später dann geht es aber sozusagen noch einmal von vorne los mit dem Frühwerk und der Lebens- und Werkreise.

(Schreiber diese stellt soeben fest daß er die Notizen, die er sich während des Weges per Handy gemacht hat, nicht gespeichert hat … insofern nun der Rest, vielleicht etwas kürzer als angedacht, aus der Erinnerung …)

Manchmal passen die Tafeln thematisch zum Weg; kurz nachdem es um Pferde ging, muß man an ebensolchen vorbei, die Pferde nah links, der Elektrozaun rechts, ein ängstlich Gemüt hat sich schon wohler gefühlt. (Ach ja, bei der Gelegenheit, die zahlreichen Hunde, die mir unterwegs entgegenkamen, sind auch nicht jedermanns Sache … die einen schrill kläffend, die anderen trotz beeindruckender Größe zunächst einmal frei herumlaufend, bis es den Besitzern freundlicherweise denn doch noch einfällt, sie festzuhalten … und daß besagtes schrilles Gekläffe für feinnervige Gemüter eine schwer erträgliche Zumutung ist, darauf kommen die problembewußtlosen freundlich grüßenden Halter offenbar sozusagen im Traum nicht … das hat nun nicht wirklich mit dem Weg zu tun, sollte aber einmal gesagt bzw. geschrieben werden … :D )

Wo waren wir, beim thematisch zum Weg passen, später bei "In den Schluchten des Balkan" fällt es noch einmal auf.

Nach zwei Stunden stellt der Geher an einer Hinweistafel überrascht fest, daß er erst gut die Hälfte der Angelegenheit hinter sich hat, und daß es insgesamt nicht 12, sondern 13,6 oder 13,8 km sein werden … Man kann hier abkürzen, aber wenn ich schon mal da bin, bringe ich es halt hinter mich …

"[Lichte] Höhe[n]" gilt es an entsprechender Stelle tatsächlich zu ersteigen … insgesamt alles vergleichsweise harmlos, aber im Laufe der Stunden kommt halt schon einiges an kleinen Steigungen zusammen.

Kurz nach "Ich bin so müd'…" verwandelt sich der Weg für einige Zeit in nicht wirklich begehbaren schwarzen, feuchten Schlamm … Wer da nicht durch will und sich völlig vollsauen, muß mühsam am Rand durch Zweige klettern und gucken daß er am Hang nicht stürzt … Ein Manko. Ein unterwegs vorbeikommender meinte, in einem solchen Zustand gehöre der Weg an dieser Stelle gesperrt. Für die hier offenbar in großer Zahl durchkommenden Reitpferde oder abenteuerlustige Geländegänger vielleicht noch annehmbar, für Zivilisten in Halbschuhen wirklich nicht.

Am Ende zieht es sich und will nicht enden. Als die dreizehnkommasoundsoviel Kilometer gefühlt längst zuende sein müßten, kommen immer noch welche hinzu … Auf einer der letzten Tafeln erfahren wir noch, eigenartigerweise recht bezugslos, "Hinweise auf homosexuelle Neigungen sind in Karl Mays Lebensbeschreibung jedoch nirgendwo zu finden". Manch hier vorbeikommender Sonntagsspaziergänger, der von Arno Schmidt noch nichts gehört hat, geschweige denn von dessen These zu May, wird sich verwundert fragen, wie kommen sie nun just darauf … der Zusammenhang ist wohl der, daß auf der betreffenden Tafel die zwei Ehen und "etliche Liebschaften" genannt werden, die wohl sozusagen auch als Gegenargument zur Schmidtschen These dienen sollen … nur wird die gar nicht erwähnt …. Eine oder zwei Tafeln später folgt noch die Information, daß der Streit um die Bearbeitungen "mittlerweile beigelegt" sei. Jenun … (Nicht alles das nicht mehr thematisiert wird oder auch nicht mehr thematisiert werden soll, ist damit wirklich aus der Welt …)

Insgesamt: durchaus reizvoll und empfehlenswert.


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