Diskussionsforen der Karl-May-Stiftung

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BeitragVerfasst: 17.5.2007, 19:19 
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Beim Hemingway gefällt mir auch diese klare Sprache, dieses Tacheles reden ohne Sentimentalitäten, und dabei ist er sehr wohl feinfühlig, ja: zart besaitet, aber das verbirgt er hinter einer Art Macho-Fassade ... Aber davon abgesehen, macht er sich und andern nichts vor.

Zitat:
„Hast du deine Mutter nicht mehr lieb, mein Junge ?“
„Nein“, sagte Krebs.
Seine Mutter sah ihn über den Tisch hinweg an. Ihre Augen glänzten. Sie begann zu weinen.
„Ich hab niemanden lieb“, sagte Krebs.
Es hatte keinen Sinn. Er konnte es ihr nicht erklären; er konnte es ihr nicht klarmachen. Es war dumm, daß er es gesagt hatte. Es hatte ihr nur weh getan.

Ernest Hemingway, Soldaten zu Haus


Eine meiner Lieblingsstellen ...

Oder das

Zitat:
Die Welt zerbricht jeden, und nachher sind manche an den zerbrochenen Stellen stark


Ach ja, wir waren bei Epochen und Schubladen.

Hemingway ? Abenteurer, Abenteuerschriftsteller ...

:wink:


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BeitragVerfasst: 17.5.2007, 23:58 
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Einigen wir uns doch einfach darauf,das verschiedenen Menschen unterschiedliche Literatur gefaellt.
Etwas als literarisches fast food abzuqualifizieren nur weil es Viele lesen ist gleichermassen Unsinn wie etwas als esoterisches Gestammel zu bezeichnen nur weil es wenigen gefaellt.
Mir gefaellts schon wenn ueberhaupt freiwillig gelesen wird.

Apropos rodger wie kommst Du immer so schnell zu Deinen Zitaten,Du hast ja ein phaenomenales Gedaechtnis.


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 5:39 
det hat mich ooch schon gewundert ... das mit rodgers blitzschnellem zitieren

to Jenny:
>>>Es ist ja nun leider so, dass man in der Schule nur die "Schubladen" gelehrt bekommt - die Ausnahmen entdeckt man allein und oft später. <<<
Das hat der May, und sein Freund Hobble Frank :wink: auch immer gesagt.

Sandhofer: define Neuromantik, Romantik und Barock (verzeih meine ignorance, unter Roman-tik verstehe ich etwas ganz spezifisches, und das geht ueber Literatur hinaus [ganz schoen erklaert in einem alten ‘Schinken’ meiner Freundin, leider auf English und nicht in greifbarer Naehe – da kann ichs mit dem zitieren nicht mit rodger aufnehmen]), mit ‘Barock’ kann ich leider nichts anfangen (ausser wenn’s um Architektur geht) da ich nicht weiss wie man in der Barock era schrieb (ich weiss auch nicht alles :-) und gebe gerne zu dass ich Literatur ueberhaupt nie studiert habe – bin nur an May interessiert - was Buecher betrifft - fuer den Moment).

Trivialliteratur, yes and no, sicherlich nicht alles, ein Grossteil. Heimatkunst ganz sicher. Wohin gehoeren die autobiografischen elemente? Die sind in allem.
Ich habe auch Schwierigkeiten May’s spaetere Texte symbolisch zu sehen – auf gewisser Ebene schon, aber nicht durchgehend.
Mir kommt burlesque in den Sinn, gehoert das wieder zur Heimatkunst?
Travel Fiction sicher irgendwo, aber alles andere?
(Und zudem sind hier ‘Epochen’ und ‘Style’ gemischt, auch da hat May munter gemischt.)

Aber mit all dem kommen hier noch zwei weitere Fragen auf fuer mich – schon wegen dem Erwaehnun von Rosegger … WEN hat May beeinflusst? Wie hat May die kommenden Epochen und Style (in Literatur) beeinflusst? (if at all). Ich denke da an Hollywood (zum Beispiel) welches doch ganz sicher aus manchen Deutschen Migranten zusammengestellt ist (wenn ich es mal so sagen darf), und die haben doch ganz sicher das Deutsche Unterhaltungsprodukt ‘Karl May’ wenn auch nicht woertlich, so doch als ‘idee’ mit sich gebracht. Wenn mein Mann Old Death, Old Firehand etc las brach er sofort verschiedene Hollywood Westerns als ‘Kopie’ von was er las. Auch hat Karl May (um beim Film zu bleiben, und das auch in einem ‘roundabout way’) Sergio Leone beeinflusst die Filme zu drehen die er ohne den ‘Silbersee’ Erfolg von 1963 nicht gefilmt haette.

Und auch – da Barock zum Beispiel doch meerschtenteels europaeisch ist (Gottseidank hat niemand Roccoco erwaehnt – seine ‘Reimereien’ in diesem Falle?)… wie erklaer ich May’s NICHT-‘Einordnung’ in den Literatur-‘Schubladen’, zu jemand von non-European origin, der sich aber fuer May interessiert? jedoch keine Ahnung von ‘Barock’ etc Literatur Epochen in Europa hat? … und die Leute gibts schon. Zum Beispiel ich interessiere mich fuer die Japanischen Filme von Akira Kurosawa, obwohl die Untertitel mir ganz sicher nicht den wahren Sinn des Dialoges geben, (und es sind auch nicht Buecher), ich nenne die nur da ich als non-Japanese mich doch fuer dieses gewisse Unterhaltungsprodukt von Japan interessiere. Und mir wurde erklaert wohin in Epoche die gehoeren – mehr oder weniger, und wo sie stehen in der Stuffierung zwischen trivial und hoch-? und auch wie Kurosawa Western Filmmaking beeinflusst hat und wie er beeinflusst war von nicht nur Western sondern auch ‘Unterhaltungsprodukten’ von anderen Kulturen. (Ich nehme die Filme als Beispiel da es mir gerade zuvorderst liegt).

Dann ist da noch Werner Fleischers: >>>Ich habe allerdings den Eindruck das auch der größte Teil der Leser mit dem Alterswerk Karl Mays nichts anzufangen wissen.<<< Da kommt es allerdings darauf an welcher Altersstufe die Leserschaft angehoert … wie ich kuerzlich jemandem so ungefaehr gesagt habe (und das ist natuerlich meine eigene Meinung, und um das geht es hier schlussendlich – Meinungsaustausch) Winnetou, Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi, Hadji Halef und die Abenteuer gehoeren der ‘juengeren’ Leserschaft, Karl May der ‘reiferen’ Leserschaft. Das zeigte mir die ‘interaction’ mit anderen ‘reiferen’ Uebersetzern … wir uebersetzen die Abenteuer, ja, aber diskutieren ueber May, den Mann wie er sich spaeter mit seinen Gedichten (jemand [nicht im Forum] hat es Reimereien genannt kuerzlich, deshalb das oben) und mit seinen Texten wie Winnetou IV oder spaeter dargestellt hat.

Ich bezeichne ihn ‘unashamedly’ als Poet, viele seiner ‘quatrains’ sind ho hum, aber dann liest man ‘Es war am Tag …’ die Widmung in einem seiner Buecher in einer Wiener Sammlung (immer vorausgesetzt dass es von ihm ist, und nicht von jemand anders abgeschrieben … KMG hat es als ‘moeglicherweise’ sein letztes literarisches Werk), und dann denkt man – der war gar nicht so ohne – was dann wiederum die Anregung gibt, auch sein ganzes Werk ‘anders’ als nur Trivialliteratur oder Volksschriftstellerei zu sehen.

Thomas Math: >>>Was die Einteilung in Epochen/Schubladen angeht ,ueberlassen wir das den Berufsliteraturdeutern,schliesslich muessen sie ja irgendwie ihre ansonsten recht ueberfluessige Existenz rechtfertigen.<<< Denke ich auch, nur … was sagen die Berufsliteraturdeuter? Die hatten doch seit den 1970er Jahren genug Zeit gehabt ‘ernsthaft’ ein ‘Urteil’ zu faellen? Haben die es? Ist es Volksschriftsteller? Trivialliteratur Autor? Was denn?

und: >>> Hemingway,der hat sich schon zeitlebens gut verkauft,verkauft sich immer noch<<< bringt eine neue Frage: Wie ‘verkauft’ man May? Winnetou und Old Shatterhand verkaufen sich jetzt so quasi von selbst, aber das ist NICHT May. May hat die Figuren erfunden, ja, aber ‘May’ ist NICHT nur Winnetou und Old Shatterhand.

rodgers Aufklaerung: >>> Nietzsche hat am Ende seine Schriften auf eigene Kosten drucken lassen, wenn ich das kürzlich richtig verstanden habe. Melville hat NACH "Moby Dick" jahrelang im Zollamt am Schreibtisch gesessen (irgendwie tröstlich ...), Kafka in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt ...<<< - makes me feel a whole lot better now … als Selbstverleger darf ich mich mit Nietzsche vergleichen. (Und wenn noch oefters von Hemmingway und seinem Alten Mann auf dem Meer sprichst muss ich halt denn doch noch das kleine alte deutsche Leinenumschlag Buechlein das ich im Secondhandbookshop gefunden habe vor ein paar Tagen holen – es stand neben einer ‘Vatikan Konzil’ These von Ratzinger, na sowas).


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 6:14 
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Ich halte es für völlig verfehlt, Karl Mays Werke pauschal als Trivialliteratur zu bezeichnen. Alle seine Erzählungen enthalten trivialliterarische Elemente, das stimmt. Auch noch im Spätwerk finden wir recht banale Partien, z. B. die Episode mit dem Christbaumschmücken in A & D. Über weite Strecken hinweg erreichen die Alterswerke aber – nach Inhalt und Form – ein Niveau, für das die Bezeichnung Trivialliteratur nun wirklich nicht passt.

Im übrigen stimme ich dem letzten Eintrag von Marlies und dem Eintrag von J. Florstedt (17.5., 10.41 Uhr) natürlich gerne zu.

Mit besten Grüßen an die Runde
Hermann Wohlgschaft


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 7:27 
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Guten Morgen!

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Ich halte es für völlig verfehlt, Karl Mays Werke pauschal als Trivialliteratur zu bezeichnen. Alle seine Erzählungen enthalten trivialliterarische Elemente, das stimmt. Auch noch im Spätwerk finden wir recht banale Partien, z. B. die Episode mit dem Christbaumschmücken in A & D. Über weite Strecken hinweg erreichen die Alterswerke aber – nach Inhalt und Form – ein Niveau, für das die Bezeichnung Trivialliteratur nun wirklich nicht passt.


Na ja - immerhin gibt es welche, die meine Ausführungen gelesen haben :lol:

Ich weiss, dass ich mit meiner Ansicht der - ich sage mal - seriösen Karl-May-Forschung auf die Füsse trete. Dennoch bleibe ich dabei: Das Repetitive dominiert auch im Alterswerk zu sehr. Wo May abheben will, symbolisch oder symbolistisch, spirituell oder spirituös oder wie auch immer schreiben will, kopiert bzw. imitiert er inhaltlich - vielleicht unbewusst - barocke Themen und Techniken. Sprachlich ... nun ja: Im Gegensatz zu Arno Schmidt will mir nicht einleuchten, dass seitenweises Leiern in Jamben eine hohe sprachliche Perfektion darstellen soll.

Es gibt wenige Sequenzen, die wirkliches Niveau erreichen: die Höllen ... äh ... Höhlenfahrt im silbernen Löwen, das Gericht der Toten in Ardistan und Dschinnistan, sogar die eine oder andere Traumsequenz in Friede auf Erden. Doch solche Sequenzen gibt es auch schon früher: die Schilderung des Elends im Verlornen Sohn, die Pestsequenz im Orientzyklus.

May hätte ein Grosser werden können, wenn ... - ja, da hatte Bloch schon recht. Manchmal sehen wir die Pranke des Löwen. Zu selten, als dass wir den Löwen daran aus der Trivialliteratur herausziehen könnten ...

Grüsse

sandhofer

PS, @Marlies: Ich könnte jetzt ein literaturgeschichtliches Kompedium verfassen. Ich schlage Dir aber vor, doch lieber in der (deutschsprachigen) Wikipedia nachzulesen ... :wink:


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 7:52 
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Ich habe mich auch gerade durchs Wiki gelesen.
Interessant, was es da alles zum Thema "Trivialliteratur" zu lesen gibt. Das gab es vor Jahren noch nicht, als wir das Thema mal im KM&Co.-Forum diskutiert haben (an dieser Stelle ein kurzer Jammer-Aufschrei, dass das "alte Forum" nicht mehr zur Verfügung steht, man könnte jetzt herrlich vergleichen und sehen, was uns damals dazu eingefallen ist)

"Trivialliteratur" klingt abwertend. Im Wiki wird stattdessen der Begriff "Schemaliteratur" vorgestellt.

Mich ärgert jetzt eigentlich der Satz, dass May ein ganz "Großer" hätte werden können. ..
Ja may, wie groß muss man denn werden, um so ein Großer zu sein. Und was dann damit?
Für seine Verhältnisse ist May ein ziemlicher "ganz Großer" geworden.


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 8:17 
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Zu Sandhofer (ein Pseudonym?): Ist ein Roman allein schon deshalb trivial, weil er teilweise Themen berührt, die auch bei früheren Dichtern, z. B. in Paul Gerhardts Kirchenliedern oder in Klopstocks ›Messias‹, angesprochen werden? Im landläufigen Sprachgebrauch bedeutet trivial so viel wie ›platt‹ und ›anspruchslos‹. ›Karl May ist ein Trivialliterat‹, das klingt wie: KM ist nicht ernst zu nehmen. Wer das sagt oder suggeriert, ist in meinen Augen zu arrogant.


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 8:22 
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Zitat:
wie kommst Du immer so schnell zu Deinen Zitaten,Du hast ja ein phaenomenales Gedaechtnis.


Wenn man einen Teil des Zitats (manchmal reichen ein oder zwei Stichworte) im Kopf hat, läßt sich der Rest oft ganz leicht ergoogeln. - Die Qualität meines Gedächtnisses ist sehr ungleich verteilt. Ich weiß zwar manchmal in der Tat noch was einer vor fünfunddreißig Jahren zu mir gesagt hat oder was ich vor dreißig Jahren irgendwo gelesen habe, aber wo mein Auto steht, was ich gestern gegessen habe oder wo die und die Schlüssel sind, das wüßte ich manchmal gerne ...

Zitat:
immerhin gibt es welche, die meine Ausführungen gelesen haben


Das Wort Trivialliteratur fiel bereits vorher des öfteren im Thread - aber das hast Du vielleicht nicht gelesen ...

:wink:

Ich mit meiner unmaßgeblichen Meinung nehme das Alterswerk [selbstverständlich] von der Bezeichnung Trivialliteratur aus.

Zitat:
Doch solche Sequenzen gibt es auch schon früher: die Schilderung des Elends im Verlornen Sohn, die Pestsequenz im Orientzyklus.


Da sind wir uns aber wieder einig. Insbesondere daß einer mal merkt, was im "Verlornen Sohn" manchmal los ist, freut mich.

:wink:


Zuletzt geändert von rodger am 18.5.2007, 8:52, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 8:26 
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@ Hermann Wohlgschaft

Für mich ist der Begriff Trivialliteratur nicht negativ besetzt und beinhaltet auch keine Wertung. Als ich einmal las, daß Robert Kraft "Dann schreibe ich eben nur noch Kolportage" gesagt hat, hat mir das sehr gefallen, weil es eben auch eine Gleichgültigkeit & Unabhängigkeit gegenüber herrschender öffentlicher (oder auch: "maßgeblicher") Meinung zeigt.


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 8:57 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Zu Sandhofer (ein Pseudonym?)

Ja :wink: . In der "Szene" allerdings unterdessen aufgelöst ...

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Ist ein Roman allein schon deshalb trivial, weil er teilweise Themen berührt, die auch bei früheren Dichtern, z. B. in Paul Gerhardts Kirchenliedern oder in Klopstocks ›Messias‹, angesprochen werden?

Es ist die Art und Weise, wie er sie berührt. Und die Tatsache, dass May eindeutig inhaltlich wie formal Rekurs nimmt auf ihrerseits schon aus Hoch- und Volksliteratur destillierten und trivialisierten Ritter- und Artusepen. (Was man daraus auch machen konnte, zeigen uns Cervantes und Rabelais. Dies nur nebenbei.)

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Im landläufigen Sprachgebrauch bedeutet trivial so viel wie ›platt‹ und ›anspruchslos‹. ›Karl May ist ein Trivialliterat‹, das klingt wie: KM ist nicht ernst zu nehmen. Wer das sagt oder suggeriert, ist in meinen Augen zu arrogant.

Der Vorwurf der Arroganz wurde mir schon zu oft gemacht, als dass ich mich daran stossen würde. Im übrigen aber stimme ich rodger zu, wenn er schreibt:

Zitat:
Für mich ist der Begriff Trivialliteratur nicht negativ besetzt und beinhaltet auch keine Wertung.
:wink:

Waukel hat geschrieben:
Das gab es vor Jahren noch nicht, als wir das Thema mal im KM&Co.-Forum diskutiert haben (an dieser Stelle ein kurzer Jammer-Aufschrei, dass das "alte Forum" nicht mehr zur Verfügung steht, man könnte jetzt herrlich vergleichen und sehen, was uns damals dazu eingefallen ist)

Die Zeit, als Waukel noch Waukel hiess? Ach ja ... tempora mutantur ... :wink:

Waukel hat geschrieben:
"Trivialliteratur" klingt abwertend. Im Wiki wird stattdessen der Begriff "Schemaliteratur" vorgestellt.

Finde ich äusserst passend, den Begriff.

Waukel hat geschrieben:
Mich ärgert jetzt eigentlich der Satz, dass May ein ganz "Großer" hätte werden können. ..
Ja may, wie groß muss man denn werden, um so ein Großer zu sein. Und was dann damit?
Für seine Verhältnisse ist May ein ziemlicher "ganz Großer" geworden.

Ja sicher. Ein für mich ähnlicher gelagerter Fall ist Balzac, den ich deshalb gern als Beispiel heranziehe. May hätte m.M.n. durchaus das Zeug gehabt, der "deutsche Balzac" zu werden (bei aller Vorsicht, mit denen solche Ausdrücke zu brauchen sind!). Gerade in seinen Kolportagewerken deutet er ein grosses, wenn auch noch undiszipliniertes Potential an. (Erste Klammerbemerkung: Weshalb mir dieser May auch fast der liebste ist.) (Zweite Klammerbemerkung: Auch Balzac hat mit Kolportage begonnen.) Dass May im Gegensatz zu Balzac von hier aus nicht wirklich abheben konnte, lag wohl an verschiedensten Dingen: Daran, dass das deutsche Reich kein eindeutiges kulturelles Zentrum aufzuweisen hatte wie Frankreich mit Paris ebenso, wie in persönlichen Gegebenheiten Mays, der sich in der Ich-Figur des Old-Shatterhand-Kara-Ben-Nemsi-Übermenschen immer wohler zu fühlen begann und sich völlig auf diese künstlerische Sackgasse festlegte, und in vielem anderem noch ...


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 9:48 
Sandhofer schrieb: >>>Dass May im Gegensatz zu Balzac von hier aus nicht wirklich abheben konnte, lag wohl an verschiedensten Dingen: Daran, dass das deutsche Reich kein eindeutiges kulturelles Zentrum aufzuweisen hatte wie Frankreich mit Paris ebenso, wie in persönlichen Gegebenheiten Mays, der sich in der Ich-Figur des Old-Shatterhand-Kara-Ben-Nemsi-Übermenschen immer wohler zu fühlen begann und sich völlig auf diese künstlerische Sackgasse festlegte, und in vielem anderem noch ...<<<
Das sehe ich auch so, speziell die Sackgasse - und das wurde ihm zum Verhaengnis. Dass natuerlich Talente besser zum bluehen kommen in einer 'peer' umgebung die unterstuetzend ist, anstatt in einer 'existenz-bedrohenden' armut ist ja auch klar. Wobei kulturell/emotionell grosse Werke aus existenz-bedrohenden situationen gekommen ist - ich denke da an das Tagebuch der Anne Frank oder Musik/Bilder die in Konzentrationslagern erschaffen wurden.
Also fuer meine Begriffe (looking in from the outside) sind viel zu viele Fragen offen in Bezug auf 'serioese' May Forschung (wo diese Fragen doch eigentlich addressiert werden sollten). Schade eigentlich ... oeffentliche Gelder werden fuer viel mindere Gruende der 'Kunst' nachgeworfen, aber mit May, der doch und ganz bestimmt, fixer Anteil des Deutschen Gedankengutes ist, wascht man (figuratively speaking) den Boden (immer noch). Ich sage nicht dass man 'Trivialliteratur' als 'Hochliteratur' verkaufen soll (und ich sage nicht dass er Hochliteratur ist oder Trivialliteratur, er ist alles von oben bis unten, und unten bis oben - anscheinend), beide Pole haben ihren Platz, doch zumindestens sollte doch der Umstand dass jemand wie May existierte in der Zeit in der er existierte, schrieb was er schrieb, angesehen wurde wie er angesehen worden ist, verfogt wurde wie er verfolgt worden ist [am ende] im Zusammenhang mit der Entwicklung des Deutschen Landes/Reiches/Nation (wie man es auch immer nennen moechte) untersucht und ausgewertet werden.

Er selber hat gesagt, 'das Ganze hat die Verantwortung fuer die Aktion des Einzelnen' oder so aehnlich ... das stimmt schon. Es stimmt auch umgekehrt, und May ist doch ein Spiegelbild von Deutschland damals - jeder 'Kuenstler', wenn er auch noch so kitschig ist, ist ein Spiegelbild seiner Umgebung/Zeit/Era/Kultur, etc (wobei ich jetzt nicht sage dass May kitschig war, jedoch hatte er Kitsch Elemente wie auch Religioese, Tatkraeftige, etc - Die Szenen um Helldorf und Hankock Mountain haben alle drei Elemente).

Die Encyclopaedia Britannica - ich weiss nicht ob diese Enzyclopaedia bekannt ist - hat ihn als 'one of the world's all-time fiction best-sellers', Hemingway oder no Hemingway ... DAS ALLEIN verdient doch schon die 'serioese Forschungs' Frage ... warum ist das so?


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 10:03 
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Die Old-Shatterhand-Sackgasse - ein denkwürdiger Begriff!

Der Sandhofer immer mit seinem Balzac! :roll: :? (Jetzt muss ich auch mal so einen Smiley anbringen, sonst meint noch jemand, ich meine das böse).
Hatte nicht Balzac sich auch selber ein "de" verpasst? Das erinnert an den "Dr." von Karl Friedrich.
Und May als einer der Milieustudien betreibt, kann ich mir nicht vorstellen. May wollte das raus aus dem Mili-ö, er hat sich mächtig aufgeplustert, er wollte unterhalten. Balzac, soweit ich das sehe, hat das verwertet, was um ihn herum war.


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 10:07 
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Zitat:
ich sage nicht dass er Hochliteratur ist oder Trivialliteratur, er ist alles von oben bis unten, und unten bis oben


:!:


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 10:13 
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Zitat:
Die Old-Shatterhand-Sackgasse - ein denkwürdiger Begriff!


In der Tat, bzw.:

Zitat:
immer wohler zu fühlen begann und sich völlig auf diese künstlerische Sackgasse festlegte


Den merk' ich mir; selbst Foren-Beiträge können am frühen Morgen Aha-Erlebnisse auslösen ...

:!:

*
Zitat:
Balzac, soweit ich das sehe, hat das verwertet, was um ihn herum war.


May auch. Wobei dessen "Studien" vermutlich recht einfach funktionierten, so wie Hans Dieter Hüsch es einmal formulierte: Zuhören - aufschreiben. Oder auch: gucken - sehen - schreiben.

:wink:


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 12:04 
ja smileys sind gut. :shock: also von allem was ich in diesem thread bis jetzt gelesen (oder auch nicht gelesen - oder zwischen den Zeilen gelesen) habe, meine 'idee' von May, ist so gut wie jede andere - no? (whereby man das von Hemingway nicht sagen koennte - ich meine dass meine Meinung von Hemingway so gut wie jede andere sein wuerde) :twisted: selbst ein genocidal maniac kann in May einen Seelenfreund sehen mit all den mass-executions (ich denke and die Mapimi Episode mit Old Death zum Beispiel), genau wie ein 'bible basher' dem Old Wabble recht geben kann.

Eigentlich ... wenn's man's so anguckt, May betrieb ganz intensive selbst-analysis mit seiner Schreibwut ... manchmal hab ich das Gefuehl dass er aus lauter Frustration, und mit viel Wut 'in the belly' geschrieben hat, und nicht 'cool, calm and collected', sondern: schreib erst, ask questions later ... die Feder war wirklich seine Steinschleuder, in a way.


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