Diskussionsforen der Karl-May-Stiftung

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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 13:03 
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O je, da stellt man eine Frage und löst eine mehrseitige Diskussion aus. Mehrere Antworten gefallen mir sehr gut, z.B. die gestrige von Sandhofer (16:39 Uhr).
May ist mal wieder ganz eigene Wege gegangen, aber nicht ohne sich an anderen zu orientieren. Dadurch ist wohl eine bunte Mischung aus allen Zeiten und Epochen entstanden, die von der Trivialliteratur bis zur Hochliteratur reicht und beides auch noch miteinander vermischt. :shock:
Aber für den Ottonormalleser wie mich ist und bleibt die Hauptsache immer noch, dass Karl May Werke schrieb, die halt einfach "Karl-Mays" sind und die dadurch ihre faszinierende Einzigartigkeit erreichen, ob man sie nun in das Schubladisierungsschema der Literaten quetschen kann oder nicht. :D

Vielen Dank für die Antworten (Man darf natürlich gerne weiter diskutieren...)
Stefan Schawe :roll:


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 13:16 
nee - wir haben uns erschoepft :wink:


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 13:29 
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Nochmals: War May ein Trivialliterat? Das Spätwerk ist, da bin ich mir sicher, nur zum geringeren Teil trivial. Aber die früheren Werke? Ich halte es mit Roxin: Die Verlegenheit, die May der Literaturwissenschaft bereitet, hat vor allem darin ihren Grund, dass dieser Autor sich »unterfing, die größten Themen mit weithin trivialliterarischen Mitteln anzupacken. Gleichwohl liegt in dieser außenseiterischen Position Mays ein wesentliches Element seiner Originalität und Wirkung.« (Jb-KMG 1982, S. 8)


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 13:58 
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»unterfing, die größten Themen mit weithin trivialliterarischen Mitteln anzupacken. Gleichwohl liegt in dieser außenseiterischen Position Mays ein wesentliches Element seiner Originalität und Wirkung.«

Diese Formulierung gefällt mir aus mehreren Gründen recht gut. Zum einen wegen des treffenden "unterfing", und unter anderem auch wegen des nun auch nicht so sonderlich nicht-trivial klingenden "anzupacken", das dem Autor da in vermutlich unbeabsichtigter / unbewußter themenrelevanter Solidarität zum Objekt seiner Betrachtungen hineingeraten ist.

:wink:


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 14:19 
Einiges kann sicher zu Trivialliteratur gezaehlt werden - qualitativ schrieb er auf verschiedenen Ebenen. Das geht mir als Zeichner/Maler auch so, es geht davon aus ob ich das sujet 'mag' das ich zeichnen 'muss' oder malen 'darf'.

Eine persoenliche Beobachtung die ich hier noch festhalten moechte (mich selber anstatt wen anders zu zitieren) ... und ich weiss dass ich damit wohl die 'mainstream' Meinungen strapaziere: ... ich empfinde (und ich meine: empfinde - es ist eine nicht ganz rationelle sondern abstrakte Gedanken Reihenfolge) dass May in gewissen 'Schichten' seines Schreibens bewusst schrieb um das eigenmaechtige/individuelle/unabhaengige 'Denken' des Lesers anzuregen (konservativ ausgedrueckt) ... so etwa: 'ist das was man lernt / aufgetischt bekommt wahr oder ein Schwindel?' Ich meine damit dass er bewusst Motive 'malte' die dem Leser die Moeglichkeit von etwas 'anderem' vor Augen stellte; dem Leser Alternativen gab ... nicht leicht ersichtlich, erst erkennbar nach dem zurueckschaelen der oberen 'Abenteuer' Schichten, wie zum Beispiel die Konfrontation zwischen Old Wabble und Old Shatterhand wenn Old Wabble ihm den Schaefchenhirt an den Kopf wirft.

Ist das trivial? I think not.

Trotz allem 'bowing to authority' er war doch irgendwie anarchistisch - damit meine ich 'free thinking' - er machte seine eigene Meinung ab ueber das 'Universum' und folgte nicht blind dem was ihm als 'norm' vorgegeben war. Das zeigte schon das 'Ding' mit der Uhr. Die Uhr war ihm gegeben worden zum teilen fuer den Unterricht. Da hatte er doch den gleichen Anspruch darauf wie 'der andere'. Das heisst doch, er hatte die gleiche Verantwortung fuer die Uhr wie 'der andere', das heisst aber auch dass mit Verantwortung auch Rechte da sind - oder? Wenn man was 'teilt' mit jemand, dann tut man es nur wenn man 'ihm' vertraut - warum sonst? Heute nennt man das 'fairness'. Er hatte das so gesehen, wie ich es sehe (ich weiss, ich weiss, man kann nicht in den Kopf eines anderen sehen), und er hat nach seinem 'fairness gefuehl' gehandelt. Die Uhr waere wieder da gehangen nach den Ferien, an demselben Nagel, davon bin ich ueberzeugt.
Und dieses 'alternative' sehen/empfinden hat er dem Leser 'beigebracht'. Oder bin ich da wirklich meilenweit daneben? Ich glaube nicht ...

Mit Dingen die er schreiben 'musste' konnte es Trivialliteratur werden, Dinge die er schreiben 'durfte' sicher nicht.


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 17:25 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Nochmals: War May ein Trivialliterat? Das Spätwerk ist, da bin ich mir sicher, nur zum geringeren Teil trivial.

Ich weiss, dass wir genau da auseinandergehen. Mays Werk - egal ob früh oder spät - ist grösstenteils trivial.

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Ich halte es mit Roxin: Die Verlegenheit, die May der Literaturwissenschaft bereitet, hat vor allem darin ihren Grund, dass dieser Autor sich »unterfing, die größten Themen mit weithin trivialliterarischen Mitteln anzupacken. Gleichwohl liegt in dieser außenseiterischen Position Mays ein wesentliches Element seiner Originalität und Wirkung.« (Jb-KMG 1982, S. 8)

Roxin kann auch ich zustimmen. Ganz sicher dem zweiten Satz (obwohl ich auch hier mir erlaube, auf das enorme verlegerische Talent der Dynastie Schmid hinzuweisen, ohne die May schon vor dem Ersten Weltkrieg in Vergessenheit geraten wäre und nach dem Zweiten wohl dem Braunen Sumpf zugeordnet). Auch dem ersten Satz stimme ich zu. Wir unterscheiden uns aber darin, dass Sie das Gewicht auf die Themen legen, ich hingegen auf die Mittel. M.a.W.: Der gute Wille allein reicht nicht. Und Mays tatsächliches schriftstellerisches Können war im Spätwerk seinem Wollen bei weitem nicht gewachsen.

Dass May ein Phänomen ist, und ein äusserst interessantes dazu, streite ich nicht ab. (Sonst wäre ich gar nicht in diesem Forum. ) :wink:


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BeitragVerfasst: 18.5.2007, 17:51 
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Sandhofers Argumentation folgend von der avantgardistischen Hochliteratur muesste ein Trivialautor der 1950er Jahre wie Fontane schreiben und ein Autor des spaeten 20.Jh wie sagen wir mal Thomas Mann.

Er hoert sich im Uebrigen genauso an,wie ein Berufsgermanist.Ich will ja nicht nochmal eine Diskussion ueber Sinn und Unsinn von Geisteswissenschaftlern starten.
Der Jurist Roxin ist im uebrigen auch ein Kind seiner Zeit und ihr Deutschen musstet ja schon immer irgendwelche Schubladen und Klassifizierungen erfinden.

Ich stimme allerdings zu,dass der KMV ganz erheblich zur Langlebigkeit von May beigetragen.
Und was das Spaetwerk angeht was auch jemand anderer darueber meint,ich finde es langweilig und oede.Aber wie gesagt jedem seine eigene Meinung.Und in diesem Sinne ist fuer mich die Ansicht eines Wollschlaegers,Roxins,Wohlgschafts oder eines Sandhofer interessant aber nicht massgebend.
Einzig bestimmte psychoanalytische Interpretationen von May's Werk der 1970er Jahre halte ich fuer unsinnig.Da straeubt sich denn doch mein wissenschaftlich erzogenes Ueber-Ich


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BeitragVerfasst: 19.5.2007, 4:42 
Sandhofer schrieb: >>>Und Mays tatsächliches schriftstellerisches Können war im Spätwerk seinem Wollen bei weitem nicht gewachsen. <<<
In den technischen Elementen sicher nicht ... haette er ja nicht unbedingt sein muessen, da ein Verleger groesstenteils die technischen Elemente 'putzt' (oder putzen soll) befor das Buch verlegt wird - heutige 'bestseller autoren' haben einen ganzen Stall voller Lektoren die ja fast das halbe Buch umschreiben befor's in die shops geht. Manchmal denke ich dass sich May geradezu 'entschuldigt' fuer das 'nichtkoennen' seines derzeitigen Verlegers with bravour phrasen wie ... 'ich habe korrekturen und [wasesauchimmerwar] nie geduldet'.

Thomas Math schrieb: >>>Ich stimme allerdings zu,dass der KMV ganz erheblich zur Langlebigkeit von May beigetragen. <<<
Ob dafuer oder dagegen, die Arbeit die DR EA Schmid in May's Werke investiert hat, hat zum groesstenteil das obenerwaehnte nachgeholt, ohne welches er 'verschwunden' waere, da seine Frau da sicher nicht die Kraft oder Mittel gehabt haette, May's Werke auferstehen zu lassen (pardon the pun) und wirklich, der Karl May als "Leseprodukt" war tot. Die 'modernisierungen' (lassen wir's bei dem Ausdruck) sind ein etwas anderer Fall. Auch die modernisierungen haben zum Teil die Fluechtigkeitsfehler nicht beiseitigt (among other sins) ...

Uebrigens: besten Dank fuer die 'lessons' -- ich lerne da viele neue grosse Woerter in dem thread - ob ich sie jemals anwenden kann? ick weess nich. :lol: :roll:


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BeitragVerfasst: 19.5.2007, 6:26 
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Daß jemand, der Texte übersetzt, also literarisch tätig ist, so etwas schreibt, so leichtfertig-hopplahopp mit dem Thema Textredaktion umgeht, ist, gelinde gesagt, verblüffend.

Zitat:

… und wenn ich an anderer Stelle das »thou« dem »you« einmal gegenübersetze, so geschieht es in einer höchst wichtigen, psychologischen Absicht, für welche Fräulein Silling kein Verständnis besitzen kann. Psychologische Rätsel durch verbotene persönliche Fürwörter zu beleuchten, das sind ja böhmische Dörfer! Wenn ich in meinen Erzählungen, um das Verhältnis zwischen Geist und Seele deutlich zu machen, das Innere des Menschen in mehrere befreundete oder gar verwandte Personen spalte, so habe nur ich allein, nicht aber diese Dame, die Anrede zu bestimmen, welche diesem Vergleiche angemessen ist.

Und hier bin ich bei dem Punkt angelangt, bei welchem gewissen Leuten der Verstand stehen zu bleiben pflegt. […] In diesem Büchlein steht sehr deutlich zu lesen, daß man in meinen Büchern auf jene Stelle zu achten habe, von welcher an nur noch »innere Ereignisse Geltung haben«. Da aber diese Dame während ihres ganzen Aufsatzes nur auf Äußerlichkeiten trumpft und von der »Seele« eines Buches nicht die geringste Ahnung zu haben scheint, so wird es am besten sein, hierüber wohl zu schweigen.

Und die Herren vom »Dresdner Anzeiger« bitte ich, folgendes zu bedenken:

Sie sind berechtigt, über meine Werke zu kritisieren, ja; aber wenn es geschieht, dann unbedingt von einer Kraft, welche dieser Arbeit vollständig gewachsen ist und den hierzu nötigen Ernst besitzt. Sie nehmen eine geachtete, eine hohe Stelle in der Presse Sachsens, in der Presse Deutschlands ein. Ist es dieser Stellung und dieser Achtung entsprechend, wenn sie einen Autor, den einige Millionen Deutsche lesen, in der Weise behandeln lassen, wie es am Sonntag in Ihrem Blatte geschah? Verfahren Sie gegen meine Werke so streng, als es Ihnen beliebt, aber Persönlichkeiten und altjüngferliche Bliemchenkaffeewitze muß ich mir verbitten. […] Ich möchte nicht glauben, daß Sie nicht begreifen, was ich schreibe. [...]

Ich gehe meinen eigenen Weg, einen Weg, den noch niemand vor mir beschritten hat. Er ist einsam, und ich mute keinem Menschen zu, mir zu folgen. So verlange man auch nicht von mir, hinter anderen herzulaufen. Ich störe und beleidige keinen; man lasse auch mich in Ruhe! - - -

Radebeul, den 5. November 1904.

May.


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BeitragVerfasst: 19.5.2007, 6:38 
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Sandhofer schreibt: Mays Wollen blieb hinter seinem Können zurück. Ist das nur bei May so? Bleibt menschliches Wollen nicht immer und grundsätzlich hinter dem Können zurück? Ist nicht auch insofern »das Karl-May-Problem das Menschheitsproblem«?


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BeitragVerfasst: 19.5.2007, 6:49 
:lol: what's it all mean, rodger? :lol: I go by the KISS principle :lol: works for me ..... gucken - sehen - schreiben :lol: was ist verblueffend? Dass ich dem Dr EA Schmid doch auf einer Seite recht gebe? Oder dass ich non-sesquipedalian Sprache beforzuge?


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BeitragVerfasst: 19.5.2007, 6:54 
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Guten Morgen! Schon so früh versammelt, die Gemeinde?

Genau das ist der Punkt, denke ich, bei May ist es manchmal so offensichtlich, wie sehr er nach "oben" strebte, das ist manchmal zum Kopfschütteln und auch wieder anrührend. Mit seinen Geschichten zeigt er einfach viel von sich selber.
Wenn man in der "Menschlichen Komödie" liest, dann kriegt man 100 von verschiedenen Menschlichkeiten aufgeführt, die ganze bunte Palette von Charakteren - auch schön, aber es trifft einen nicht persönlich. Finde ich.

Gruß
Sylvia


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BeitragVerfasst: 19.5.2007, 7:10 
Der Unterschied zwischen Wollen und Koennen, hat May schon in seinen Predigten erkannt: '''...aber das, was uns die Wirklichkeit nicht bieten will, duerfen wir wenigstens traeumen. Und ein Traum, der uns, wenn auch nur fuer eine kurze Stunde, liebe Gaben spendete, ist er denn so gar nichts gegenueber einem Wachen unter unerfuellten Wuenschen? Und ist es etwa nicht moeglich, dass der einzelne mit Erfolg wenigstens fuer s e i n e n Frieden sorgen und s e i n Leben mit Eintracht schmuecken kann?'''

Nicht jeder hat eine Erziehung und Schulung geboten bekommen die es ihm erfordert haette sein Wollen mit seinem Koennen zu erreichen (da gehoere ich auch hin, habs noch nie verschwiegen – vor oder nach meinem Namen stehen keine Buchstaben).
Es ist offensichtlich dass May viele Werke anderer 'Hochliterarischer' Autoren gelesen hat und sich deshalb voll bewusst war dass er denen das Wasser in Technique und 'Koennen' nie halten koennte ... DEN Mut, trotzdem weiterzuschreiben und mich dem Publikum hinzuwerfen moechte ich auch haben.

@ Hermann: Ich sehe das als Teil der Menschheitsfrage … die ich eigentlich am 11ten schon mal ansprach, aber die ist dann mit Mayism und Inspector Rex untergegangen (na ja Spass muss trotzdem sein) … seinem eigenen Weg folgen, trotz allen Widersachern … und selbst wenn man dann ganz und gar ‘neben’ allen Schubladen liegt, oder von allen anderen verdammt wird (das meine ich nicht als Fluchwort … sondern als ‘in die Verdammung geschickt’ … ich pflege nicht zu fluchen). Seine eigene Wahrheit finden, und ihr zu folgen – NICHT dem ‘Pack’; und das hat er getan der May, so gut wie er konnte … he did his best … und mehr kann man von niemandem verlangen.


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BeitragVerfasst: 19.5.2007, 7:21 
PS @ rodger - ich hab nicht geredet von dem was der May in 1904 schrieb in dem zitat. May's originale (die welche online vom KMG zu haben sind) haben ziemlich viele 'Fluechtigkeitsfehler' - die haben mit 'intent of content' nix zu tun, im Gegenteil, die machen es manchmal echt schwierig dem 'plot' zu folgen, weil man am 'Fluechtigkeitsfehler' haengenbleibt. Ich sprach rein von den 'technischen elementen' in einem Text - nicht den 'inhaltlichen'.

Addendum:
Oder anders ausgedrueckt ... 'catch 22' ... wenn der Dr EA Schmid nicht getan haette was er tat, waere May 'verschwunden' ... dass er getan hat was er tat, hat May's original veraendert. Ich gebe meinen Segen den 'modernisierungen' nicht, aber 'catch 22' ist ... ohne die waere May verschwunden, deshalb wars gut dass der Dr EA Schmid getan hat was er tat, May's originale 'modernisiert'. Das heisst aber noch lange nicht, dass die 'basics' beachtet wurden - die Fluechtigkeitsfehler (wobei Sandhofer nicht unbedingt von Fluechtigkeitsfehlern gesprochen hat).
Meine Uebersetzungen sind, mit grossem 'attention to detail' oder beachtung des 'intent of content' auf authenticity angezielt soweit es eben in einer Uebersetzung geht ... ABER ... ich korrigiere Fluechtigkeitsfehler, wo es angebracht ist und dem 'intent of content' nicht schadet, die Fluechtigkeitsfehler welche schon zu May's Lebzeiten haetten 'geputzt' werden sollen. (Soll ich den May dem modernen Leser in English als unzulaenglich vorstellen?)
Ich aendere kein 'thou' zu 'you', wobei es immaterial und ganz unwichtig ist da es ein Sie und Du in English nicht gibt.
Clear as "Mehlsuppe"?


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BeitragVerfasst: 19.5.2007, 8:31 
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Hi,

egal, ob „schlecht“ oder „gut“, „Korrekturen“ verfälschen.
Es gibt z.B. von Euchar Albrecht Schmid und Franz Kandolf bearbeitete Texte, und es gibt z.B. von Hans Wollschläger bearbeitete Texte (Winnetou I in der aktuellen Ausgabe). Ich möchte aber weder oberflächlich-bieder bearbeitete noch gut durchdacht bearbeitete Texte lesen, sondern will wissen, was Karl May geschrieben hat.

(Völlig umgeschriebene Bände wie 60-63 [die mir gefallen] z.B. sind etwas ganz anderes, das steht auf einem anderen Blatt, und darauf bezieht sich obiges nicht. Ich meine oben diese kleinen „Korrekturen“, Änderung von Formulierungen, Glättung, Vereinfachung usw. Der Bearbeiter hat ja keine Ahnung, was er da manchmal kaputtmacht.)

Korrekturen ohne Absprache mit dem Autor sind indiskutabel, und ich würde eher darauf verzichten, irgendetwas zu veröffentlichen, als darin nach Belieben herumfuhrwerken zu lassen. (Bevor Rolf jetzt mit dem Argument des Geldverdienenmüssens kommt: dann muß man sein Geld halt anders verdienen).

Woher will ein Lektor denn wissen ob es sich um einen Flüchtigkeitsfehler oder Absicht handelt ? Korrekturen nach Absprache sind ok, da kann der Autor auch ohne weiteres mal sagen „Ok, da hab’ ich nicht aufgepasst, kannste ändern“, aber des öfteren wird er auch sagen: „Ich habe es so und so gemeint, und deshalb soll das so stehen bleiben“.

Oder nehmen wir z.B. mal die Sache mit dem Namen „Zimmermann“ im „Verlornen Sohn“. Das ist ja egal, ob es von hundert Lesern nur einer merkt (vielleicht auch keiner) dass das eine Anspielung auf Münchmeyer ist. Wenn aber nun ein [gewöhnlicher …] Lektor daherkäme und den Namen mal eben auf Müller, Meier oder Schulze änderte (wie es in anderen Fällen zig Dutzende mal vorgekommen ist), wäre der hübsche Gag im Eimer.

Karl Kraus sagte „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ – Als ich das seinerzeit zitierte, sagte jemand, das sei aber falsch, umgekehrt sei es richtig. Meine Erklärungsversuche scheiterten, der Mann war von seiner Sicht nicht abzubringen. - So ungefähr in der Art waren auch einige „Verbesserungen“ Mayscher Texte …

:mrgreen:


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