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Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"
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Autor:  WalterJoergLangbein [ 12.11.2012, 6:06 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Ich habe jedenfalls diese wichtige Publikation bestellt und bin schon sehr gespannt.

Walter

Autor:  Hermann Wohlgschaft [ 12.11.2012, 8:36 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Der Beitrag von Ohle/Schmidt mag etwas schwierig zu lesen sein. Für mich ist es eine wichtige Abhandlung. Sie ist ein weiterer Beleg dafür, dass Karl May von Theologen theologisch ernst genommen wird. Über lange Jahrzehnte hatte ich den Eindruck, dass ich - neben meinem verstorbenen Freund Ernst Seybold - der einzige Theologe sei, der May theologisch ernst nimmt und wertschätzt. Umso erfreulicher, dass es mittlerweile eine stattliche Reihe von Theologen gibt, für die unser Autor weit mehr ist als eine harmlose Jugendreminiszenz, über die man überlegen schmunzelt.

Autor:  Rene Grießbach [ 12.11.2012, 11:37 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Im Beitrag von Hermann Wohlgschaft, Die "Lebens- und Sterbensphilosophie" Karl Mays und der "Unsinn des Spititismus" wird im Rahmen des Sammelbandes ein Thema behandelt, das sehr wichtig ist, nicht nur im Zusammenhang mit Karl May.

Mal abgesehen vom natürlich vorrangig behandelten theologischen Inhalt haben mir persönlich schon die Ausführungen auf der ersten Seite des Beitrags (S.111) einiges gegeben, wohl auch, weil ich über das Thema Tod relativ oft nachdenke.
Auf Seite 111 lesen wir:
Zitat:
Sterben und Tod bleiben für uns Lebende ein Geheimnis. Das Fragen aber kann uns niemand verwehren. Trennt der Tod uns von allem, was uns auf Erden wichtig erschien? Oder wird unsere Lebensgeschichte vollendet in der Ewigkeit Gottes? Gibt es eine Chance des Nachreifens, der Ganzwerdung? Gibt es eine Macht, die uns hält und im Steren noch trägt? (...) Ein dem "Zeitgeist" entsprechender Trend ist freilich nicht zu verkennen: Anders als in früheren Zeiten wird der Tod heute weithin als bloßes Ende verstanden, nicht als Bücke zu einem letzten und eigentlichen Ziel und schon gar nicht als Weg zu Gott.

Wichtige Fragen, die wir uns , unabhängig von der jeweiligen Weltanschauung auch gar nicht verwehren lassen dürfen.
Und für mich ist z.B. die Frage, ob der Tod als ein bloßes Ende verstanden werden darf, sowohl einfach als auch schwer zu beantworten. Ich sags mal so:
Der Tod als bloßes Ende - als individuelles Ende ja; alles andere liegt bei jedem selbst, in seiner Art zu leben, zu handeln, zu wirken.

Auf Seite 123 lesen wir, passend dazu:
Zitat:
Im Tod, in der Heimkehr zu Gott, sah May die Erfüllung des irdischen Lebens und eben nicht das Versinken ins Nichts.

Es ist (in meinen Augen) die entscheidende Frage, was man hier unter "Erfüllung des irdischen Lebens" zu verstehen hat. In meinen Augen (und damit sicher im Unterschied zur theologischen Auffassung) ist das die Frage, ob man - mehr oder weniger vielen Menschen bzw. "der Welt" - etwas hinterlässt, womit diese umgehen, etwas anfangen kann. Das kann "nur" die Erinnerung an den Verstorbenen sein, das kann ein mehr oder weniger umfangreiches materielles und /oder geistiges Vermächtnis sein. Das kann die Einheit von allem sein und/oder manches mehr. Was dann auch das "Versinken ins Nichts" verhindert. (dass hier aus theologischer Sicht auch das Thema Jenseits eine oder wohl die wesentliche Rolle spielt, weiß ich natürlich)

Auch das schwere Thema "Sterben" wird in dem Beitrag behandelt und der Aussage auf Seite 118:
Zitat:
Grundsätzlich ist zu sagen, dass viele Menschen den Tod bzw. den Zustand danach nicht fürchten - wohl aber das Sterben.

stimme ich, auch aufgrund eigener persönlicher Erfahrungen mit einem unbedingten JA zu.
Passend dazu wird dann die Eingangspassage des 2 Kapitels von "Im Reiche des silbernen Löwen" Band III, die mit Halefs Frage "Sihdi, wie denkst du über das Sterben?" beginnt, zitiert.
und danach lesen wir :
Zitat:
Dass die Erörterung dieses schwierigen Themas im "Silbenen Löwen" hinausgeschoben wird, könnte als erzählerischer Kunstgriff des Autors gewertet werden. Das Zögern Kara Ben Nemsis könnte aber auch ein Indiz für die Annahme sein, dass das Sterbeproblem nicht nur das fiktionale Ich des Erzählers, sondern ebenso den Autor Karl May bedrückte.

Für mich persönlich ist die Variante 2 die wahrscheinlichere.

Das schließlich noch behandelte Thema, ob Karl May ein Spiritist war, lasse ich abgesehen von der Zustimmung zum Inhalt des Textes unkommentiert.

Autor:  Helmut [ 12.11.2012, 12:20 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Zum Absatz "Die Naturwissenschaft und das Jenseits", in dem für mich doch ein an den Haaren herbeigezogener Vergleich zwischen der Quantenphysik und der Theologie gezogen wird, fiel mir spontan Georg Cantor, der Erfinder der modernen Mengenlehre, mit der mittlerweile viele Kinder von Lehrern, von denen auch die wenigsten diese Mengenlehre wirklich verstanden hatten, gequält wurden.
Jener Cantor stand in regem Schriftwechsel mit einem katholischen Bischof, und dem schreibe er einst sinngemäß:
"Das es Mengen mit überabzählbar unendlich vielen Elementen gibt, das liegt an der Allmacht Gottes. Das wir (die Mathematiker) damit umgehen können, liegt an der Allgüte Gottes."
(Bösartigerweise sei noch hinzugefügt, dass Cantor selbst an dem Beweis, dass es zwischen Alef 1, der Mächtigkeit der reellen Zahlen, und Alef 2, der Mächtigkeit der reelwertigen Funktionen keine weitere Mächtigkeit mehr gibt, und landete in der Heilanstalt.)

Ansonsten kann und will ich mich weitestgehend Rene's Ausführungen zu diesem Beitrag anschließen.

Helmut

Autor:  Helmut [ 12.11.2012, 12:22 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Zum nächsten Beitrag:
"Diethard Sawicki : Karl Mays spiritistisches Jenseits"
steht auf meinem "Spickzettel" als einzige "provokante" Bemerkung:
"versteh' ich nicht, und will ich auch nicht verstehen."

Helmut

Autor:  Hermann Wohlgschaft [ 12.11.2012, 12:44 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Nur zur Information: Mein EZW-Beitrag ist eine Kurzfassung meines Beitrags im Jb-KMG 2011. Die Seiten 131-135 der EZW-Version sind allerdings neuer Text, in der Jahrbuch-Fassung nicht enthalten.

Autor:  rodger [ 12.11.2012, 13:08 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Helmut hat geschrieben:
(Bösartigerweise sei noch hinzugefügt, dass Cantor selbst an dem Beweis, dass es zwischen Alef 1, der Mächtigkeit der reellen Zahlen, und Alef 2, der Mächtigkeit der reelwertigen Funktionen keine weitere Mächtigkeit mehr gibt, und landete in der Heilanstalt.)

Also zum einen kann ich mit dem Satz nicht allzuviel anfangen, weil da offenbar ein Wort fehlt; was tat er denn nun an dem Beweis, scheitern, verzweifeln, zugrunde gehen ?

Zum anderen könnte ich, auch wenn der Satz vollständig wäre, mit dem "Bösartigerweise" wenig anfangen, das klingt ja in etwa so als solle so etwas mitgeteilt werden wie "In der Heilanstalt landete er, da sieht man was man von ihm zu halten hat ..." Jenun, diese Anschauung vertrat [in anderen Fällen] hier bislang eher jemand anders ... Kratzt es auch nur ansatzweise an Nietzsche, Hölderlin oder wem auch immer, daß sie irgendwann, sagen wir, aus üblichen Verhaltensmustern herausfielen ?

Autor:  Helmut [ 12.11.2012, 15:35 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

"scheiterte" fehlt in der Tat.
Drastisch sollte der Satz in etwa ausdrücken: "selbst der Erfinder der Mengenlehre wurde beim Versuch, sie vollständig zu beherrschen, verrückt. Da sieht man, was man davon (von der Mengenlehre) zu halten hat."

Helmut

Autor:  rodger [ 12.11.2012, 15:49 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Ich fand und finde die Mengenlehre immer sehr interessant. Vor allem aufs Leben übertragbar. In Sachen Überschneidungen und Nichtüberschneidungen [zwischen Menschen, Mentalitäten und Wellenlängen, Vorlieben, Ansichten etc. etc.], das ist doch unser täglich Brot, im Alltag wie im Forum ...

:D

Autor:  Helmut [ 12.11.2012, 16:46 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Zu all dem braucht man keine Mengenlehre.
Mengenlehre ist (in der Mathematik) u.a. die Beschäftigung mit Mengen, die z.B. überabzählbar unendlich viele Elemente enthalten; Mengen, die andere Mengen als Elemente enthalten und das mehrstufig.
Dieses führte z.B. zum sog. Russel'sches Antinom, einen unauflösbaren Widerspruch in sich (den Bertrand Russel "entdeckte"). Die Mathematiker haben versucht dies zu reparieren, in dem sie gewisse Mengen von Mengen per definitionem ausschlossen.
Was in der Schule davon "übriggeblieben" ist, ist dass die Schüler lernten "die Lösungsmenge der Gleichung hat 2 Elemente", während man früher sagte "die Gleichung hat 2 Lösungen". Letzteres ist das Gleiche, einfacher verständlich und auch noch kürzer.

Aber ich sehe schon, ich hätte damit nicht anfangen sollen; und das Ganze nur wegen dem "Gag mit dem Cantor'schen Gottesbeweis."

Helmut

Autor:  Hermann Wohlgschaft [ 12.11.2012, 16:58 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Um auf mein EZW-Kapitel 'Die Naturwissenschaft und das Jenseits' (S. 120-121) zurückzukommen: Es geht hier nicht um einen "Gottesbeweis", sondern lediglich um die (wie ich meine, plausibel begründete) These des Mathematikers Günter Ewald, dass ein individuelles Fortleben nach dem Tode naturwissenschaftlich immerhin DENKBAR ist.

Autor:  rodger [ 12.11.2012, 17:04 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Helmut hat geschrieben:
Zu all dem braucht man keine Mengenlehre.

Braucht man nicht, nun gut, aber ein Bild vor Augen kann gelegentlich helfen bzw. Dinge vereinfachen ...

Z.B. kann man, wenn man wellenlängentechnisch einerseits ganz gut miteinander klarkommt und andererseits es immer wieder zu haarsträubenden Inkompatibilitäten kommt (an uns beide denke ich jetzt eher nicht, bei uns ist es nicht ganz so schlimm ... :D ), dieses Bild imaginieren, mit den zwei Kreisen die teilweise übereinander liegen aber andererseits halt Teile haben, die in ganz unterschiedliche Richtungen zeigen, und damit hat es sich ... Von längeren Ausführungen, Problembewältigungsversuchen usw. kann dann gelegentlich ganz abgesehen werden ...

:D

(Das mit den Bildern und Ahaerlebnissen funtkioniert nicht nur in Sachen Mengenlehre, "Zuschnittsoptimierung für Platten" habe ich mal samt Zeichnung gesehen und darauf umgehend die Welt besser verstanden ... Oder das Wort "Flickenteppich" gelesen, selbigen vor mir gesehen und von da an hatte ich das eine oder andere Problem weniger ... Von den verschiedenen bunten Biersorten in Belgien schrieb ich ja schon mal. Das war auch sowas ...)

Zitat:
"die Lösungsmenge der Gleichung hat 2 Elemente", während man früher sagte "die Gleichung hat 2 Lösungen". Letzteres ist das Gleiche, einfacher verständlich und auch noch kürzer.

Das ist nicht ganz das gleiche ... Bei der ersten Formulierung empfinde ich einen Subtext, dergestalt, daß es eben auch mehr sein könnten, oder weniger, wie Fische im Netz ...

Autor:  Helmut [ 12.11.2012, 17:20 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Um auf mein EZW-Kapitel 'Die Naturwissenschaft und das Jenseits' (S. 120-121) zurückzukommen: Es geht hier nicht um einen "Gottesbeweis", sondern lediglich um die (wie ich meine, plausibel begründete) These des Mathematikers Günter Ewald, dass ein individuelles Fortleben nach dem Tode naturwissenschaftlich immerhin DENKBAR ist.


Natürlich ist dies denkbar, und war dies immer denkbar.
Für mich ganz persönlich, ist dies allerdings sehr schwer vorstellbar und dabei hilft mir auch der Verweis auf die Quantenphysik nichts; genauso wenig wie mir der "Cantor'sche Gottesbeweis" einleuchtet, deshalb mein (sicher an den Haaren herbeigezogene) Vergleich.
Das "Auferstehen der Toten" aus dem Glaubensbekenntnis verstehe ich deshalb auch eher in einem "übertragenem Sinne".

Helmut

Autor:  WalterJoergLangbein [ 12.11.2012, 19:26 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Mich hat noch kein Gottesbeweis überzeugen können. Und wenn Karl May erst gar nicht versucht, uns einen solchen aufzutischen, so sagt mir das zu.

Walter

Autor:  rodger [ 12.11.2012, 19:33 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Neuer Sammelband über "Karl May und die Religion"

Es ist nicht zu "beweisen" ...

Warum auch ...

[Der späte] May war überzeugt, und hat das (in den "Himmelsgedanken" u.a.) überzeugend herübergebracht. Mehr kann [und braucht] man nicht tun, und alle kann man eh nicht erreichen ...

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