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 Betreff des Beitrags: Hans Wollschlägers "Karl May"
BeitragVerfasst: 20.7.2004, 21:38 
Vor einigen Monaten erwarb ich Hans Wollschlägers "Karl May - Grundriss eines gebrochene Lebens" in einer sehr schönen Ausgabe des Wallstein-Verlages, die ich seither mit großem Genuß zweimal gelesen habe.

Wollschläger schrieb diese Monografie zwischen April und Oktober 1964 als er noch unter dem Einfluß bzw. Dunstkreis seines Freundes, Mentors, Gönners - was war das Verhältnis wirklich? - Arno Schmidts stand. In jenem Jahr soll das Verhältnis zwischen Schmidt und Wollschläger sich jedoch schon merklich abgekühlt haben. Wollschläger hatte sich wohl von Arno Schmidt freigeschwommen.
"Er braucht mich nicht mehr", schreib Arno Schmidt einem Freund oder Bekannten.

Mich würde jedoch sehr interessieren, ob diese Arbeit Wollschlägers stilistisch - nicht inhaltlich - sich an dem Stil Arno Schmidts orientiert.
Hat Schmidt wesentlichen Anteil am Stil Wollschlägers allenthalben?

Wer kann mir diesbezüglich weiterhelfen, zumal ja einige GASL-Mitglieder auch in diesem Forum regen Anteil haben.

Viele Grüße
Kurt


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 Betreff des Beitrags: Re: Hans Wollschlägers "Karl May"
BeitragVerfasst: 20.7.2004, 23:11 
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Kurt Altherr hat geschrieben:
Mich würde jedoch sehr interessieren, ob diese Arbeit Wollschlägers stilistisch - nicht inhaltlich - sich an dem Stil Arno Schmidts orientiert.

Für mein Empfinden: überhaupt nicht. Wollschläger schreibt einen sehr eigenen Stil, der eher an Karl Kraus und Thomas Mann als an Arno Schmidt geschult ist.

(Natürlich sind solche Behauptungen immer mit sehr großer Vorsicht zu genießen, es mag da unterirdische Strömungen geben, die unsereins, die wir ja immer nur an der Textoberfläche paddeln, niemals bemerken.)


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BeitragVerfasst: 23.7.2004, 14:58 
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Ich finde Wollschlägers Stil sozusagen ganz unvergleichlich. Blitzgescheit, brillant, originell, präzis auf den Punkt bringend, trocken und sarkastisch oft, vieles in wenigen Worten sagend. :!:

Einer meiner Lieblingssätze, den kann ich auswendig, ist:

„Über Rudolf Lebius ausführlich die Wahrheit zu sagen, verbietet, da noch Nachkommen leben, das Strafgesetz.“

(Nein, das verrat’ ich Euch Allen jetzt nicht, an wen und an welche Nachkommen ich da immer denken muß, Schluß mit den Frechheiten. Hoffentlich kommt keiner drauf, - Nachkommen, Strafgesetz ...)


:lol:


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BeitragVerfasst: 23.7.2004, 23:33 
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Hallo Rodger,

was Ihre Ausführungen zu Hans Wollschläger betrifft, stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Das von Ihnen zitierte Wollschläger-Zitat (das auch mir - nebenbei erwähnt - sprachlich sehr gut gefällt) inspirierte mich sogleich zu folgender Mitteilung:
Ich hatte vor etwa 2 Jahren Kontakt mit dem Enkel von Rudolf Lebius. Der Hintergrund dieses Kontaktes war (und ist es auch jetzt noch) die Recherche nach Material über die Beziehung May/Lebius. Herr Lauterbach - so der Name des Enkels - erklärte mir, dass seine Familie kein Interesse an der wie auch immer gearteten Aufbereitung des Themas besitze. "Lassen wir doch die alten Geschichten ruhen", lautete nach einem ansonsten recht freundlichen Telefonat sein Schlusswort. Diesen Gefallen können wir ihm von Seiten der May-Forschung natürlich nicht tun. Was nun das Strafgesetzbuch angeht - das ich aus meiner beruflichen Praxis doch ein wenig kenne - , so befürchte ich keinerlei ernsthaften Hinderungsgrund. Die Wahrheit über Rudolf Lebius zu sagen verbietet jedenfalls unser Strafgesetzbuch nicht. Und das ich das innerhalb meiner May-Forschung tun werde, kann ich Ihnen versprechen.

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Seul


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BeitragVerfasst: 24.7.2004, 9:12 
Natürlich verbietet das Strafgesetzbuch in keiner Weise Karl-May-Forschung zu betreiben, die Affäre Rudolf Lebius ./. Karl May von allen Seiten auszuleuchten.

Allerdings darf dies nicht dazu führen, daß der Ruf und das Ansehen der Nachfahren von Rudolf Lebius beschädigt wird.

Hier hat z.B. Herr Lauterbach durchaus das Recht und die Möglichkeit, durch gerichtliche Verfügungen und weitergehenden juristischen Schritten einer allzu ausufernden und einseitigen Karl-May-Forschung in Bezug auf den Vorfahren Rudolf Lebius entgegenzuwirken.

Viele Grüße
Kurt Altherr


Zuletzt geändert von Gast am 24.7.2004, 20:34, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 24.7.2004, 14:13 
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Ich zitiere einfach mal zum Stilvergleich einen Ausschnitt aus einem der frühen Aufsätze Arno Schmidts zu Karl May:
Zitat:
In seinem Werk hat man 4 Epochen zu unterscheiden. In der ersten schreibt er roseggerhaft=harmlose ‹Erzgebirgische Dorfgeschichten›; sowie von Sachkenntnis unbeschwerte ‹Historische Novellen›, meist vom ‹Alten Dessauer› – einer gekrönten Bestie in Menschengestalt, die aber in ihrer unwiderstehlich=volkstümlichen Brutalität mit allen SS=Größen wetteifern kann. Etwa gleichzeitig läuft eine zweite Serie Hundert=Heft=Romane elendester Sorte; ausgesprochene Kolportageware von erschütternd geringem Wortschatz: ‹Das Waldröschen / oder / die Verfolgung rund um die Erde. / Enthüllungsroman / über die Geheimnisse der menschlichen Gesellschaft.› Hierhin gehören ‹Die Liebe des Ulanen›; der immer wieder beliebte ‹Verlorene Sohn›; auch ‹Deutsche Herzen – deutsche Helden› – alle unter diversen wohlklingenden Pseudonymen, vom noch einfach verantwortbaren ‹Karl Hohenthal› an (er war ja aus Hohenstein-Ernstthal) bis hinauf zu ‹Ramon Diaz›: stolz lieb’ ich den Spanier!

Die dritte Epoche umfaßt die der sogenannten ‹Reiseromane›: rohe, eilfertige Erfindungen aus Arabien oder Wildwest; wer also zwei kennt, kennt alle. Unerbittlich gütige Apostel, christliche ‹Politiker der Stärke›, auf volkswagenschnellen Pferden beherrschen die gobelinbunte und =flache Szene; die Bösen werden gejagdhiebt; der ‹Henrystutzen› überzeugt auch heute noch als MP, in jeder ‹Schmetterhand›!

Diese seine ersten 3 Epochen sind literarisch nicht ernst zu nehmen; wie es bei einem Mann ja auch nicht wunder nehmen darf, der selbst handwerksburschenhaft naiv von sich bekannte: »Die Wahrheit ist, daß ich auf meinen Stil nicht im geringsten achte .... Ich verändere nie, und ich feile nie.«

So schrieb er immer alla prima, bis er 60 Jahre alt war. Dann begannen sich mit ihm, dem bei der Jugend zu einer unbestreitbaren Großmacht gewordenen, die Gegner zu befassen. Die meisten machten es sich leicht, arbeiteten revolverblattmäßig mit ‹Enthüllungen›, und ritten auf seinen Vorstrafen herum. Die ehrlichere Gruppe verschmähte dergleichen argumenta ad hominem; sie stellte kurzerhand – und völlig berechtigt! – fest, daß es sich bei May’s bisher vorgelegten Werken um literarischen Bodensatz handele.

Litt der alte Mann schon unter den abgefeimten Attacken der Neider, so noch mehr unter der kühlen Feststellung der Hochkritik, daß er ein Schriftsteller fünften Ranges sei. Da, auf der Schwelle des Greisenalters, finanziell durch den Erfolg seiner bestseller gesichert, nach abgelieferten 50000 Druckseiten, nachdem man ihn doch bestenfalls noch einen abgenützten Vielschreiber nennen möchte, rafft er sich auf – und nun wird es wahrhaft ernst: es beginnt die letzte, die vierte, Schaffensperiode.

Arno Schmidt, Vom neuen Großmystiker, 1957


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BeitragVerfasst: 24.7.2004, 16:09 
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Beiträge: 158
Hallo zusammen,

"literarischer Bodensatz" ! ! - !!
Du liebe Güte! Sowas dachte ich auch, als ich zum ersten Mal was von Arno Schmidt gelesen habe.
In gewisser Weise ist Arno Schmidt ja eine literarische Schmetterhand, und was seine Bemerkungen zu May betrifft, so ist es doch erstaunlich, dass er so hart urteilt, hat er sich doch anscheinend blendend unterhalten durch Mays gesamtes Werk "gequält".

Gruß
wau


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