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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 0:15 
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Man nehme sich einfach mal einen (frühen) Band vom Karl-May-Verlag in Radebeul zur Hand, einen ca. bis zum Jahr 1925 oder auch 1930 (die Daten sind von mir geschätzt).
Da steht (merkwürdigerweise, wenn ich manche der Forumsbeiträge lese) häufig genau das geforderte drin. Nämlich bearbeitet von (z.B.) E.A. Schmid und F. Kandolf, und meistens gibt es dann noch ein (kurzes) Vorwort in dem (auch meist von E.A. Schmid) begründet wird, weshalb dieses Buch bearbeitet wurde.
Und das war dann auch von Jedem (auch Feld-, Wald- und Wiesenleser) zu lesen, und blieb nicht als Geheimnis in den Studierstuben wissenschaftlich Interessierter.
Warum sollte dies heute nicht mehr machbar, möglich und sinnvoll sein?

Helmut


Zuletzt geändert von Helmut am 18.10.2007, 0:17, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 0:17 
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Zitat:
D E Brasch bringt gegen meinen Punkt 1 den Einwand: »Wer kauft dann noch diese Bücher? Ein Autor kann so nicht lebendig gehalten werden.«

Aus meiner Sicht eine höchst problematische Argumentation! Wird hier nicht das kommerzielle Interesse eines Verlags über das wissenschaftliche Interesse an der Authentizität der Texte gestellt?

Ja.

Aber Werner Fleischers Ausführungen stimme ich auch zu.


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 7:04 
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Nochmals zur Klarstellung: Bearbeitungen von May-Texten habe ich nie grundsätzlich abgelehnt. Ich bin nur, wie gesagt, der Meinung, dass die Bearbeiter bzw. die Verlage bestimmte Regeln einhalten müssten (s. mein gestriger Eintrag Nr. 1).

Wenn jemand bearbeitete Texte dem Original vorzieht, so bleibt ihm das unbenommen. Ich persönlich aber ziehe das Original der Bearbeitung vor (und zwar generell, nicht nur im Falle Mays). Denn ich will wissen, was der AUTOR geschrieben hat, und nicht, was die Bearbeiter daraus machen.

Herrn Fleischers Vergleich mit der Bibel halte ich für unpassend. Was die Bibel »am Leben erhält«, sind ja nicht irgendwelche Bearbeitungen, sondern die Übersetzungen in andere Sprachen. Solche Übersetzungen sind selbstverständlich auch im Falle Mays erforderlich. Allerdings gilt m. E. auch für Übersetzungen (sei es der Bibel oder welcher Texte auch immer): Sie sind um so besser (d. h. authentischer), je näher sie beim Originaltext bleiben.


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 14:24 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Nochmals zur Klarstellung: Bearbeitungen von May-Texten habe ich nie grundsätzlich abgelehnt...
Herrn Fleischers Vergleich mit der Bibel halte ich für unpassend... ...authentischer), je näher sie beim Originaltext bleiben.


Hallo,

nun ja, dabei wurde sie (die Bibel) grade am meisten verändert!
Ich habe eine altdeutsche Ausgabe von meiner Großmutter zuhause, die sich entscheidend von den neueren Ausgaben unterscheidet.
Selbst Luther hat ja die Bibel nach seinem Verständnis übersetzt und gegebenenfalls verändert. Das haben bestimmt auch schon die Evangelisten etc. Auch bei diversen antiken Geschichtsschreibern läßt sich feststellen, daß abgeschrieben und nach Eigenverständnis verändert wurde. Ich denke, daß genau dies das Problem bei Veränderungen an Texten ist: Der Autor schreibt nach seinem Verständnis, der Urheber und der 'Nachschreiber'! :)
Das ändert allerdings nicht die Richtigkeit ihrer Aussage bzgl. der Authentizität! :wink:

Liebe Grüße
Doro

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People may hate you for being different and not living by society’s standards, but deep down they wish they had the courage to do the same. (Kevin Hart)


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 18:02 
Bereits in den frühen 70iger Jahren tauchten die ersten Vergleiche zwischen Karl May und der Perry Rhodan Serie auf.

Ich halte es für sehr nachvollziehbar das das Lektorat des Deutschen Hausschatz es wagte den "hochwertigen Text" von "In der Heimat" ersatzlos zu streichen. Im Grunde geriet der Urtext im Laufe der Jahre in den Ruf eines unterdrückten Meisterwerks, daß aus irgendwelchen Gründen der Öffetnlichkeit nicht serviert werden darf. Ein ähnliches Phänomen können wir bei John Lennon und seinem Stück "What´s The New Mary Jane" beobachten. Nur die Wahrheit ist, daß beide Veröffentlichungen werden künsterlich wertvoll noch besonders spannend sind. Im Falle Karl Mays hat Kandolf das beste aus den Geschichten herausgeholt was herauszuholen war. Jahrzehtne später durfte ich dann auch den Urtext lesen, runzelte die Stirn und legte das Buch enttäuscht weg. SElbst über den schönen Titel "Old Shatterhand in der Heimat" regten sich die ein oder anderen auf, völlig die Situation verkennend, daß ein Verlag vom Verkauf von Büchern auch leben muss.


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 19:43 
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Die Geschmäcker sind halt verschieden …

Für mich ist „In der Heimath“ einer der schönsten May-Texte. (Der geänderte Titel in Band 79 stört mich übrigens, nebenbei bemerkt, nicht sonderlich, von „Aufregen“ ganz zu schweigen.)

Daß der Professor bei Kandolf in Band 47 plötzlich „Vitzliputzli“ heißt, ist offenbar der Versuch, die ganze Angelegenheit schon mittels eines albernen Namens und Titels kind- oder jugendgerecht etwas zu banalisieren, der Text ist ja auch entsprechend zurechtfrisiert, wer’s mag, bitteschön … auch unter Erwachsenen gibt es ja genug Leut’ die es lieber etwas seichter haben als ein bisserl mehr in die Tiefe zu gucken, aber bei Karl May geht es auch in solchen Geschichten eben nicht nur um Schabernack und lustige Begebenheiten, sondern immer auch um etwas mehr.

Der Effekt solcher Banalisierungen (sei es durch veränderte Texte, entsprechende Freilichtaufführungen, Filme oder was auch immer) ist halt, dass in der Öffentlichkeit ein falsches May-Bild vorherrscht und er völlig unterschätzt wird. Dieses Schicksal teilt er freilich mit Mark Twain, Jack London, Wilhelm Busch und etlichen anderen, die man gern auf den Teilaspekt Jugend- oder Unterhaltungsliteratur reduziert, sei es, weil sie sich so besser vermarkten lassen, auf der einen Seite, sei es aus Unkenntnis auf der anderen, damals wie heute (Mark Twain hat schon zu Lebzeiten darunter gelitten).

Wir werden die Welt nicht ändern, aber gelegentlich ein wenig halblaut nachdenken, das wird noch drin sein …

:wink:


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 19:53 
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Werner Fleischer hat geschrieben:
Bereits in den frühen 70iger Jahren tauchten die ersten Vergleiche zwischen Karl May und der Perry Rhodan Serie auf.

Ich halte es für sehr nachvollziehbar das das Lektorat des Deutschen Hausschatz es wagte den "hochwertigen Text" von "In der Heimat" ersatzlos zu streichen. Im Grunde geriet der Urtext im Laufe der Jahre in den Ruf eines unterdrückten Meisterwerks, daß aus irgendwelchen Gründen der Öffetnlichkeit nicht serviert werden darf. Ein ähnliches Phänomen können wir bei John Lennon und seinem Stück "What´s The New Mary Jane" beobachten. Nur die Wahrheit ist, daß beide Veröffentlichungen werden künsterlich wertvoll noch besonders spannend sind. Im Falle Karl Mays hat Kandolf das beste aus den Geschichten herausgeholt was herauszuholen war. Jahrzehtne später durfte ich dann auch den Urtext lesen, runzelte die Stirn und legte das Buch enttäuscht weg. SElbst über den schönen Titel "Old Shatterhand in der Heimat" regten sich die ein oder anderen auf, völlig die Situation verkennend, daß ein Verlag vom Verkauf von Büchern auch leben muss.


Hallo Werner!

Um mal beim Beatles/Lennon-Beispiel zu bleiben: "Free as a Bird" ist meiner Meinung nach als von Lennon nur mit Gitarre eingespieltem Demo entschieden schöner als das, was man dann unter "The Beatles" 1995" draus gemacht hat. "Real Love" sowieso, da ist die Bearbeitung dann wirklich unerträglich!

Grüße
Rolf


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 22:23 
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Vitzliputzli

ist nur ein anderer Name für Huitzilopochtli, den aztekischen Kriegsgott und Patron der Stadt Mexico/Tenochtitlan.

Gruß Jutta


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 22:35 
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Das wußten die Riesen wohl, oder auch, dem Amte wohlbekannt. Aber das ändert doch nichts.

:roll:


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 22:46 
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Ich behaupte einfach mal die Erklärung von Vitzliputzli spielt auf folgenden Kommentar an:
Zitat:
Daß der Professor bei Kandolf in Band 47 plötzlich „Vitzliputzli“ heißt, ist offenbar der Versuch, die ganze Angelegenheit schon mittels eines albernen Namens und Titels kind- oder jugendgerecht etwas zu banalisieren,

Ich meine, wir alle wissen natürlich, das Du weißt, daß -- jetzt muss ich beim Schreiben aufpassen - Huitzlipochtli - ah da ist es schon passiert - kopieren ist einfacher -- Huitzilopochtli auch Vitzliputzli ist. Ich glaube es war einfach nur gut gemeint... Frei nach dem Motto: Die Lehrerin ihrer Leser.


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 22:47 
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Jutta Laroche hat geschrieben:
Vitzliputzli

ist nur ein anderer Name für Huitzilopochtli, den aztekischen Kriegsgott und Patron der Stadt Mexico/Tenochtitlan.

Gruß Jutta


Und wurde bereits von Heinrich Heine verwendet.


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 22:47 
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Sicher,

ich wollte auch nur klarstellen, dass der Name nichts mit kindlicher Sprache zu tun hat. Dieser Gott war sehr grausam.

Gruß Jutta


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 22:54 
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Jutta Laroche hat geschrieben:
Sicher,

ich wollte auch nur klarstellen, dass der Name nichts mit kindlicher Sprache zu tun hat. Dieser Gott war sehr grausam.



Genauer gesagt, seine Priester waren grausam, weil sie in seinem Namen herzlichst (im wahrsten Sinne des Wortes) gerne Menschen geopfert haben.

Ich möchte aber wohl annehmen, daß "Vitzliputzli" eine bewußt-karikierende Verballhornung des aztekischen Namens sein dürfte.

Grüße
Rolf


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 22:59 
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Soviel ich weiß, nein.

Vitzliputzli war Huitzilopochtli. Das klingt für unsere Ohren kindlich, aber
wir sind nun mal keine Azteken.

Jutta


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BeitragVerfasst: 18.10.2007, 23:11 
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Zitat:
wir sind nun mal keine Azteken.


Und mit Sprachgefühl haben wir es auch nicht so ...

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaah !

(Ist denn hier kein Arzt ...)


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