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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 6.6.2009, 17:04 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Gleichwohl ging es mir im obigen Eintrag gezielt um die Möglichkeit bzw. Wahrscheinlichkeit einer KÖRPERLICHEN Erblindung des kleinen Karl.


Das war mir, wie gesagt ("zusätzliche Aspekte"), schon klar.

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Mit der vorschnellen Bestreitung dieser frühkindlichen Erblindung wird ja nicht selten – direkt oder indirekt – die Unterstellung verknüpft, unser Autor sei insgesamt ein notorischer Lügner, gerade auch in der Selbstdarstellung ‚Mein Leben und Streben’. Mir geht es um die grundsätzliche Glaubwürdigkeit der Mayschen Selbstbiographie!


Jetzt wird's interessant.

Auch wenn Sie das jetzt sicher nicht hören wollen: meines Erachtens war er in der Tat ein notorischer Lügner (was ihn übrigens beträchtlich von mir unterscheidet, nebenbei bemerkt. Ich reite ja ansonsten gerne auf den in der Tat beträchtlichen Parallelen herum).

Zu "Mein Leben und Streben" habe ich mich schon einmal im Forum der Bücherdatenbank bewußt recht krass geäußert. Gerne noch einmal in Kurzform: eine Mischung aus schamloser Trickserei, manchmal ein bißchen peinlich in seiner weinerlichen Attitüde, und erschütternden, aufrichtigen Bekenntnissen.

Das geht nicht zusammen ? Doch, das geht. Bei Karl May schon. Den kriegen Sie (alle) in keine Schublade.

Das ist ja der 'Witz', die Dinge schließen sich nicht aus. Nichts ist nur weiß oder nur schwarz. Immer eine Mischung. Gern noch einmal: ein Flickenteppich.

:!:

(Und der Service - Link zu besagten Äußerungen:

http://141.30.89.80/~thomas/maybuecher/ ... 696,page=1)


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 6.6.2009, 18:36 
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„Nichts ist nur weiß oder nur schwarz“ (Rüdiger Wick), das meine ich schon auch. Trotzdem möchte ich Herrn Wick – teilweise – widersprechen. Ihm missfällt die „weinerliche Attitüde“ in ‚Mein Leben und Streben’, und er sieht in Mays Selbstbiographie – neben „erschütternden, aufrichtigen Bekenntnissen“ – auch „schamlose Trickserei“. Ich denke, wir müssen noch feiner differenzieren.

Auch ich empfinde manche Passagen in ‚Mein Leben und Streben’ als eher peinliche Selbstbemitleidung des Autors. Aber es sind eben nur einige Partien. Im Großen und Ganzen halte ich Mays Autobiographie für ein großartiges, menschlich anrührendes, grundsympathisches Buch. Von „schamloser Trickserei“ würde ich nicht sprechen, wohl aber – gelegentlich oder auch häufiger – von subjektiven Irrtümern und von Selbstreklame.

Dass May in ‚Mein Leben und Streben’ bewusst irgendwelche FAKTEN gefälscht oder verdreht hat, glaube ich aber nicht. Gerade die Schilderung der frühkindlichen ERBLINDUNG – wie auch der Hungersnot in Ernstthal und der krankhaften psychischen Störungen während der Straftäterzeit – halte ich für plausibel und im wesentlichen für glaubwürdig.


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 6.6.2009, 19:03 
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Nennt mir mal einer eine Selbstbiografie wo der Autor nicht subjektiv schreibt, nicht beschönigt, wegläßt oder hinzufügt. Autobiografien haben immer ihre Vor- und Nachteile.

Übrigens kann ich mich kaum an meine ersten vier Lebensjahre erinnern. Ich weiß zwar wo ich wohnte, auch daß ich mit 4 Jahren schon im Urlaub war (Kleinwalsertal :wink: ), aber das wars schon fast. Ich will damit nur sagen daß ich mich nicht mal richtig erinnern kann was ich letzten Samstag um die Uhrzeit gemacht habe, also muß man einen fast 70jährigen nachsehen wenn sein Erinnerungsvermögen etwas zu wünschen übrig läßt wenn es um seine früheste Kindheit geht. Ich meine, er selbst wird sich kaum an seine Blindheit erinnern, sondern weiß es durch Erzählungen beispielsweise durch seine Eltern, Großmutter, im Laufe seines heranwachsens (mir wurde später immer gesagt, als Kleinkind hätte ich Angst vor meinem Großvater gehabt, der starb als ich 6 war, ich kann mich da überhaupt nicht dran erinnern, auch an meinem Großvater habe ich nur nebulöse Erinnerungen). Insofern gebe ich Rüdiger recht wenn May auch von einer anderen, inneren Blindheit spricht. Nur wer innerlich Blind war, kann nachher umso besser sehen. Ardistan und Dschinistan. Wer unten war, weiß es zu schätzen wenn er oben ist. Die die immer oben waren, tun mir leid, die wollen immer noch weiter hoch, die aktuelle Wirtschaftskriese beweist es.

Aber jetzt bin ich mal wieder zuweit abgeschweift :lol: .


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 6.6.2009, 22:56 
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Ein Großteil der Ereignisse, die ‚Mein Leben und Streben’ aus der frühen Kindheit des Autors berichtet, ist die – poetisch ausgeschmückte – Wiedergabe von Erzählungen der Eltern oder Großeltern. Darin hat Markus sicher Recht.

Allerdings beginnt die eigene Erinnerung nicht erst mit dem fünften Lebensjahr. Ich z. B. erinnere mich sehr genau an den 31. Dezember 1947, den Sterbetag meiner damals 26-jährigen Tante Sigrid. Als sie starb, war ich noch keine vier Jahre alt. Auch an die äußeren Umstände ihres Sterbens, auch an manche Gegenstände in ihrem Sterbezimmer, erinnere ich mich in Details. Und nicht nur das – auch so manche persönliche Begegnung mit der, noch quicklebendigen, Tante ist mir in guter Erinnerung. Wie sie z. B. durch die Wohnzimmertüre trat, eine Hängetasche um die Schulter trug und mich herzlich begrüßte. Damit will ich nur sagen: Meine eigene, natürlich partielle, Erinnerung reicht zumindest an den Anfang des vierten Lebensjahres zurück.

Ich glaube nicht, dass Karl May ein schlechteres Gedächtnis hatte als ich. Dass er in sehr frühen Jahren nichts sehen konnte – und dies über einen längeren Zeitraum hinweg –, dieses nun wirklich einschneidende und seinen Charakter prägende Erlebnis blieb, davon bin ich überzeugt, in seinem Gedächtnis gespeichert.


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 6:40 
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Mir seien auch ein paar Anmerkungen erlaubt.

Was die von Herrn Wohlgschaft angefuehrten Augenaerzte abgeht,so war zu deren Zeit die wissenschaftliche Medizin mal abgesehen von der fruehen Bakteriologie noch in den Kinderschuhen .Sie moegen die Symptome des blepharospasms beschrieben haben,hatten aber von Ursache und richtiger Behandlung keine Ahnung.Anzunehmen Armut oder Unterernaehrung spielen eine Rolle,ist voellig spekulative und wahrscheinlich falsch.

SO - Neurology. 2002 Nov 12;59(9):1306-12.
Benign essential blepharospasm is a common focal dystonia characterized by involuntary eyelid closure. Its etiology, supported by animal models, appears to be multifactorial, representing the influence of a genetic background and an environmental trigger. The genetic background could be responsible for the reduced brain inhibition, identified with physiologic studies that would set up a permissive condition for increased brain plasticity. Reduced D2 receptors identified with PET might be an indicator of this reduced inhibition. The trigger could be repetitive use or local ocular disease. Although symptomatic therapy is available, better approaches are needed and will likely become available as the genetics and pathophysiology become well understood.


Er hat gelogen zur Marginalisierung seiner Straftaten (diese angebliche Geisteserkrankung wobei ich von keiner aerztlichen Diagnose weiss,die Mays Schutzbehauptung bestaetigt,auch interessant,dass er ohne intervention geheilt wurde)

Er log in Stollberg

Er log um den Absatz seiner Werke zu befoerdern (Old Shatterhand Legende )

Er hat seinen Verleger angelogen

Er log ueber seine Beziehung mit Klara zumindest als er noch offiziell mit Emma verheiratet war.

Und ich bin ueberzeugt er log ueber seine Blindheit.

Fool me once shame on you fool me twice shame on me


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 7:43 
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Herr Math, was Sie hier betreiben, May als generellen Lügner abzustempeln, ist nach meiner Auffassung nicht seriös. Eine Hungersnot ist wohl gesundheitsfördernd und gut für das Immunsystem? Auch handelt es sich nicht um einfache Augenärzte, sondern um anerkannte Persönlichkeiten. - Eversbusch und Uhthoff waren bedeutende Professoren der Augenheilkunde, die damals wegweisende Fachartikel und Lehrbücher verfasst haben.

Thomas Math hat geschrieben:
Er hat gelogen zur Marginalisierung seiner Straftaten [...]
Er log in Stollberg


Durch die Intrige eines Buchhalters – viele Indizien sprechen dafür – wurde May des Diebstahls einer Taschenuhr bezichtigt und kam später auf die falsche Bahn. Zu Stollberg: Das Urteil gegen May ist nicht korrekt. Das haben Strafrechtler festgestellt.

Zitat:
Er log um den Absatz seiner Werke zu befoerdern (Old Shatterhand Legende )


Gekonntes Marketing, wenn auch Mays Verhalten zuweilen töricht war.

Ralf Harder


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 10:33 
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Wenn ich Formulierungen wie „notorischer Lügner“ oder „schamlose Trickserei“ verwende, bedeutet das übrigens keineswegs, daß ich Karl May „in die Pfanne hauen“ will. Nichts liegt mir ferner. Ich betrachte ihn sozusagen als sehr guten Freund, der mich durchs Leben begleitet, geistig, (wenn ich „spirituell“ schreibe, lachen die, die halt damit nichts anfangen können, sich wieder ’nen Ast,) und auch ‚just für fun’, je nachdem.

(Und „notorischer Lügner“ heißt auch nicht „genereller Lügner“. Er ist immer wieder, auch in „Mein Leben und Streben“, auch sehr aufrichtig. Wann jeweils was zutrifft, ist halt nicht immer erkennbar … da wird’s schwierig, insbesondere für ausschließlich wissenschaftliche Herangehensweise …)

Nur, was spricht dagegen, jemanden den man mag, schätzt, liebt, auch kritisch zu sehen, auch sehr kritisch … Ich würde mit mir selber ebenso hart ins Gericht gehen (bzw., pflege das auch zu tun).

Was mich bei „Mein Leben und Streben“, „Frau Pollmer“ u.a. stört, ist diese Haltung „ich armes Opfer“ … Man selber ist auch für allerhand mitverantwortlich, nicht nur die Anderen, nicht nur das „Außen“. - Und die kitschig wirkende Schönfärberei, in Sachen Eltern u.a., die stört mich auch.

Zur Sache mit der Mitverantwortlichkeit und schonungslosen Selbstkritik hat Karl May in der frühen Geschichte „Three carde monte“ etwas sozusagen sehr überzeugend vorgetragen. Da gibt es den Abraham Lincoln, der den Erzähler wirklich knallhart, regelrecht brutal, mit dessen Fehlern konfrontiert (die Geschichte wurde später in den zweiten von drei Old Surehand - Bänden eingebaut).

„Das wäre nicht geschehen, wenn Ihr mit dem Schusse bis zur rechten Zeit gewartet hättet. Ich rechne, das wenige Pulver und die kleine Kugel kosten Euch die Braut und den Vater“ haut er dem Betroffenen unmittelbar nach dem Geschehen gnadenlos um die Ohren, und das wird akzeptiert, „Das war die rechte Lehre, im rechten Augenblick gegeben, Gentlemen. Ich habe sie und diesen Augenblick niemals vergessen, darauf könnt Ihr Euch verlassen“. Da geht es auch um Dinge wie angemessene Härte, Streitkultur, Konfliktfähigkeit.

Und als sie sich später wiedertreffen, begrüßt Lincoln den armen Kerl mit den Worten „By god, das ist Master Kroner, der sich um seine Braut geschossen hat!“, so etwas gefällt mir, das muß man aushalten können. Man kann sich natürlich auch immer gegenseitig in Watte packen und sich etwas vorsülzen, aber das wäre nicht angemessen.

Und man braucht keinen Lincoln, um schonungslos in sich selbst hineinzugucken, man kann das auch alleine bewerkstelligen. Ich traue Karl May das auch durchaus zu. Das ist der Punkt. Ich bin mir sicher, daß er in autobiographischen Schriften allerhand wider besseres Wissen beschönigt hat, um besser „anzukommen“. Wie schrieb er seinem Verleger: „Darum habe ich das Buch nicht so geschrieben, dass es mir den Lesepleps wiederbringt, sondern so, dass es mir die Prozesse gewinnen hilft. Es hat nur diesen einen Zweck, weiter keinen, trotz des hohen biographischen und psychologischen Werthes, den es besitzt“.


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 18:23 
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Ich habe nicht gemeint das May ein "genereller Luegner" war.Ich sage nur, dass May haeufig log wenn es darum ging sein Verhalten zu beschoenigen oder sonst einen Vorteil zu erreichen.
Ich sehe es so wann immer etwas unglaubwuerdig oder seltsam klingt nehme ich an er log ,wie gesagt looking at his track record.

Es mag durchaus sein das am Anfang seiner Verbrecherkarriere eine Intrige stand,trotzdem hat May eine angebliche Geisteskrankheit erfunden um seine Taten spaeter zu rechtfertigen,quasi im Sinne "ich wusste nicht was ich tat".
Ehrlicher waere gewesen,zu sagen ich habe minderschwere Betruegereien und Diebstaehle begannen,bin aber seit Jahrzehnten nicht meh♠r straffaellig geworden.Eigentlich ist May ein Beispiel einer sehr erfolgreichen Rehabilitation.

Was die beiden angefuehrten Augenaerzte angeht,die haben ihre Ausbildung in der 2.Haelfte des 19.Jh.erhalten,mittlerweile hat sich die wissenschaftliche Medizin ganz erheblich weiterentwickelt.
Aussagen oder Thesen aus dieser Zeit muss man mit Vorsicht lesen,eine Koryphae von damals ist heute ein unwissender Ignorant.

Wo habe ich behauptet,das Hunger gut fuers Immunsystem ist,wobei blepharospasm natuerlich auch nichts mit dem Immunsystem zu tun hat.
Ich mag im uebrigen kein Augenarzt sein,aber vom Immunsystem verstehe ich eine ganze Menge.


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 19:18 
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Thomas Math hat geschrieben:
Es mag durchaus sein das am Anfang seiner Verbrecherkarriere eine Intrige stand,trotzdem hat May eine angebliche Geisteskrankheit erfunden um seine Taten spaeter zu rechtfertigen,quasi im Sinne "ich wusste nicht was ich tat".


"Verbrecherkarriere"? Das hört sich ja gewaltig an. Der Schaden, den May mit seinen phantasievollen Delikten anrichtete, erreichte insgesamt keine 1000 Mark. Dafür war er insgesamt fast 8 Jahre inhaftiert. Die Höhe der Strafe ist aus heutiger Sicht unvorstellbar. - May hat übrigens nie behauptet Geisteskrank gewesen zu sein, er hielt sich für Seelenkrank. Der Psychiater und Neurologie Edgar Bayer (Klinikarzt in Günzburg) vermutet eine "dissoziale Persönlichkeitsstörung" in der Vagantenzeit Mays und somit eine verminderte Schuldfähigkeit. Wie Claus Roxin feststellte, lässt es sich nicht ausschließen, "dass May unter Bewusstseinsstörungen gelitten haben kann, die seine strafrechtliche Verantwortlichkeit im Sinne des § 51 StGB ausschließen oder wenigstens eine erheblich verminderte Zurechnungsfähigkeit begründen würden."

Zitat:
Was die beiden angefuehrten Augenaerzte angeht,die haben ihre Ausbildung in der 2.Haelfte des 19.Jh.erhalten,mittlerweile hat sich die wissenschaftliche Medizin ganz erheblich weiterentwickelt.


Unter anderem aufgrund beider Professoren hat sich die Augenmedizin weiter entwickelt.

Zitat:
Aussagen oder Thesen aus dieser Zeit muss man mit Vorsicht lesen,eine Koryphae von damals ist heute ein unwissender Ignorant.


Sie missarten wertvolle historische Quellen. Es gibt übrigens mehrere Formen von Blepharospasmus. Ähnlich wie beim Krebs gibt es verschiedene Ursachen für diese Erkrankung. Was sich freilich deutlich verbessert hat, sind die Behandlungsmethoden. Ein monatelanger 'entzündlicher Blepharospasmus' ist heute in Deutschland nicht mehr vorstellbar.

Ralf Harder


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 19:34 
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Ich stelle ja gar nicht in Abrede,dass es verschiedene Ursachen und Formen des blepharospams gibt,deshalb auch das angefuehrte abstract.

Was ich wie gesagt bezweifle ist, dass May je blind war,da wir als einzige Quelle in selbst haben und er im Laufe seines Lebens all zu oft gelogen hat.
Verbrecherkarriere war wirklich zu drastisch aber wenn ich geschrieben haette kriminelle Laufbahn waere mir das wohl auch angekreidet worden.

Es steht fuer mich ausser Frage,dass Mays Straftaten viel zu hart bestraft wurden,aber so war es leider im 19.Jh.

Mir ging es darum am Beispiel seiner Straftaten zu demonstrieren wie er log um seine Biografie zu beschoenigen,wie gesagt seine angebliche zeitweilige Geisteskrankheit als Erklaerung.

Mein lieber Herr Harder Kredit wem Kredit gebuehrt aber trotzdem glaube ich kaum,dass sie bei einer schweren Krankheit zu einem Arzt gehen,dessen Wissen auf dem Stand von vor 120 Jahren ist und das nicht nur weil sich unsere Behandlungsmethoden verbessert haben,oder ?


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 19:41 
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Zitat:
Es steht fuer mich ausser Frage,dass Mays Straftaten viel zu hart bestraft wurden,aber so war es leider im 19.Jh.


Ein Vorbestrafter war damals nicht mehr gesellschaftsfähig. Und eben deshalb fiel es May so schwer darüber zu schreiben.

Zitat:
Mein lieber Herr Harder Kredit wem Kredit gebuehrt aber trotzdem glaube ich kaum,dass sie bei einer schweren Krankheit zu einem Arzt gehen,dessen Wissen auf dem Stand von vor 120 Jahren ist ,oder ?


Karl May konnte sich nur einen Arzt des 19. Jahrhunderts aussuchen, er wurde nicht wie ich 1962 geboren. Heute ist man krankenversichert, damals musste man in Ernstthal froh sein, Hilfe bei einem Armenarzt zu bekommen.

Ralf Harder


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 20:03 
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Nochmals zu Thomas Math:

Niemand wird bezweifeln, dass sich die Medizin und auch speziell die Augenmedizin weiterentwickelt. Das ändert aber doch nichts am Befund: Die von May in ‚Mein Leben und Streben’ geschilderte frühkindliche Erblindung ist wissenschaftlich nicht widerlegt. Es KANN mit einiger – oder hoher – Wahrscheinlichkeit so gewesen sein, wie May es beschrieben hat. Also sehe ich keinen Grund, warum ich der Darstellung Mays, was die Blindheit betrifft, nicht glauben sollte. (Dasselbe gilt für die psychische Erkrankung während der Straftäterzeit, doch das gehört nicht hierher in den Thread.)


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 20:11 
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Ich habe versucht darzulegen,dass man die Aussagen von Aerzten des 19.Jh. kritisch nehmen soll,damals war das Wissen schlicht unzureichend.

Auch heute ist ein Vorbestrafter stigmatisiert.

Ich verstehe absolut,dass May seine Vorstrafen nur zugab,als es nicht mehr anders ging.
Um sich rechtfertigen hat er dann aber gleich eine Geisteskrankheit erfunden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 7.6.2009, 23:35 
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Thomas Math betont unentwegt, dass den Ärzten des 19. Jahrhunderts nicht zu trauen sei, weil die Medizin inzwischen hinzugelernt habe.

Wie gesagt, den medizinischen Fortschritt bestreitet ja keiner. Aber dieser Fortschritt besagt im besten Falle doch nur, dass der kleine Karl, wäre er 150 Jahre später in besseren Verhältnissen zur Welt gekommen, schneller kuriert worden wäre bzw. gar nicht erblindet wäre.

Doch darum geht es ja gar nicht. Es geht hier nur um die Frage, ob es sein kann, dass Karl May als kleines Kind zeitweilig blind war. In seinem neuen Artikel im ‚Beobachter an der Elbe’ hat Ralf Harder nun schlüssig dargelegt, dass die frühkindliche Erblindung unseres Autors nicht nur theoretisch möglich war, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich stattgefunden hat.

Wer Harder widersprechen will, möge doch vorher den besagten Artikel lesen und DANN – in unpolemischer, sachkundiger Weise – seine Gegenargumente vortragen. DAS würde die Diskussion weiterbringen. Und DAS würde Ralf Harder die Möglichkeit geben, seine Argumente, sofern dies erforderlich wäre, zu präzisieren oder zu ergänzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 8.6.2009, 0:16 
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Um es nochmal zu sagen ich glaube, dass May was seine Blindheit angeht schlicht gelogen hat.
Mein Argument dafuer waren die haeufigen Luegen in seinem Leben und der sehr unwahrscheinliche Verlauf seiner angeblichen Erkrankung.

Herr Harder,dessen Texte ich im uebrigen mit grossem Vergnuegen lese,hat angedeutet,dass May moeglicherweise an blepharospams litt und hat dazu auf eine Schilderung dieser Erkrankung aus dem 19.Jh zurueckgegriffen,ich habe angemerkt,dass man solche Schilderungen kritisch lesen muss, da damals wenig ueber die Ursache so mancher Erkrankung bekannt war.Ein Zusammenhang von blepharospasm und Unterernaehrung zum Beispiel ist pure Spekulation.


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