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Spiegel Lebius
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Autor:  rodger [ 14.3.2014, 16:57 ]
Betreff des Beitrags:  Spiegel Lebius

Hermann Wohlgschaft (in einem anderen Thread) hat geschrieben:
Natürlich konnte auch May gelegentlich ein Fiesling sein.

Ob Fiesling oder nicht das bleibt sich gleich, es geht schon etwas tiefer …

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Aber Lebius' Verhalten gegenüber May war in einer Weise böswillig und gemein, die Mays eigene Schattenseiten doch weit überbietet.

May konnte da, denke ich, recht gut mithalten … :D

Wenn ich so an eine Reaktion auf den Tod von Adalbert Fischer denke, oder an gewisse Schreiben an Marie Hannes, oder an Verhaltens- und Vorgehensweisen in Sachen Ehescheidung … oder gegenüber Fehsenfeld … wenn ich noch ein wenig warten würde fiele mir sicher noch allerhand mehr ein. (So beschränke ich mich auf das, was mir innerhalb weniger Augenblicke sofort in den Sinn kam.) Unser lieber guter Karl May, dessen menschliche Qualitäten ich durchaus schätze, konnte sehr wohl eben auch kalt, brutal, unmenschlich sein. Von dem Bild des, ich formulier’s mal bewußt salopp karikierend, lieben Friedens-Onkels können wir uns getrost verabschieden … (Das Buch mit dem Titel „Karl Mays Friedenswege“ habe ich mir gar nicht erst gekauft, ich wußte schon vorher, daß es mir nicht gefallen würde, nebenbei bemerkt …)

Ich las heute in einem Brief Hermann Hesses sinngemäß, man sei nun einmal so zur Hälfte halt ein kleiner Halunke, oder auch, ein Mensch mit allen üblichen Schwächen; die gelassene Entspanntheit, mit der Hesse das vorträgt, gefällt mir wesentlich besser als Mays fatale Eiferei … (mit der 'Rudolf-Lebius-Liste' z.B. (GW 83 S. 281 ff.) hat er sich allenfalls lächerlich gemacht, in peinlicher Weise bloßgestellt …) Wirkliche Zugeständnisse, könnte man kritisch formulieren, hat er doch nur gemacht wenn es offenbar wirklich nicht mehr anders ging …

Autor:  Thomas Math [ 14.3.2014, 20:30 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Es mag ja sein,dass alle Menschen grau sind aber es gibt auch schwarze Charaktere und eher sehr hellgraue.
Ich habe in meinem Leben zwei durch und durch gute Menschen kennengelernt (beide waren ueberzeugte Christen (was meiner Atheistenseele wehtat),es gibt sie also.
Ich bin nun wirklich kein Apologet Mays und sehe seine mittel bis dunkelgraue Toenung sehr wohl ,aber er war kein mieser Erpresser wie der rabenschwarze Lebius.

Autor:  rodger [ 15.3.2014, 0:35 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Thomas Math hat geschrieben:
Es mag ja sein,dass alle Menschen grau sind

Die grauen, die Lauen ...

:D

Zitat:
aber es gibt auch schwarze Charaktere und eher sehr hellgraue.

Bei denen wird's interessanter ...

Zitat:
Ich habe in meinem Leben zwei durch und durch gute Menschen kennengelernt

Wäre mal interessant deren Schattenseiten kennenzulernen ... (Ich verwette meine Fehsenfeldreprints, mein Auto, mein Elektrorad und sonstnochwas, daß es sie gibt ...)

Zitat:
er war kein mieser Erpresser wie der rabenschwarze Lebius.

In Sachen manipulatives Verhalten, Fähnlein nach dem Winde hängen u.a. hätten er und Lebius sozusagen einen Verein gründen können ... Und ob seine Vorgehensweise in Sachen Scheidung und danach von reiner Erpressung so fern war, können wir auch mal dahingestellt sein lassen ...

Ich halte es nach wie vor mit den großartigen Worten von Walther Ilmer,

Zitat:
wenn er in den Spiegel sah, starrte ihm der ›Kupferstecher Hermes‹ entgegen, der im Angesicht der Leipziger Thomaskirche, dem Wahrzeichen der Gottesmacht, schimpfliche Büberei beging an arglosen Mitmenschen.


Das heißt nun nicht daß er ein schlechter Mensch gewesen sei, sondern daß er um diese [zum Zeitpunkt dieses Spiegelblickes nach wie vor vorhandenen] Anteile in ihm wußte.

Autor:  Hermann Wohlgschaft [ 15.3.2014, 10:18 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Dass JEDER Mensch (abgesehen natürlich von mir und evtl. Markus :wink: ) seine Schattenseiten hat, denke ich auch. Es ist aber ein Unterschied, ob mir meine Schattenseiten bewusst sind oder ob ich sie ein Leben lang verdränge und mir ständig weis mache, ich sei ein guter Mensch. Es ist auch ein Unterschied, ob ich mich einfach treiben lasse, d.h. meine Schattenseiten hemmungslos auslebe, oder ob ich dagegen steuere und an mir arbeite - wenigstens versuchsweise.

Und noch was: Ich meine, man sollte die "Schattenseiten" vom wirklich Bösen unterscheiden. Die Schattenseiten sollten wir vielleicht gar nicht unbedingt bekämpfen, sie vielmehr integrieren ins eigene Selbst (was May im "Großen Traum", im "Silbernen Löwen IV", mit sehr schönen Bildern illustriert). Das wirklich Böse hingegen kann man nicht integrieren, man muss es hinauswerfen (was May ja ebenfalls in seinen Romanen beschreibt).

Autor:  rodger [ 15.3.2014, 14:47 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Hier noch das erwähnte wirklich schöne Hessezitat,

Zitat:
Was den schwachen Petrus zum Fels machte, kann jeden zum Fels machen. Das ist es, was wir glauben sollen. Das andre, nämlich daß wir Menschen zur Hälfte Viecher und jeder Dummheit und Feigheit fähig sind, brauchen wir ja nicht zu glauben, wir wissen es, es genügt ein Blick in den Alltag, ein Blick in die Geschichte, ein Blick ins eigene Leben und Herz. Diesem traurigen Wissen steht der befreiende Glaube gegenüber, darum ist er "höher denn alle Vernunft".

(Gesammelte Briefe Band 3, S. 108)

Autor:  Hermann Wohlgschaft [ 15.3.2014, 15:32 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Das Hesse-Zitat ist wirklich sehr schön. :wink:

Autor:  Thomas Math [ 16.3.2014, 6:51 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Genau das ist fuer mich eine Schwaeche ( oder Schattenseite) vieler Menschen.
Dummheit statt Intelligenz ,Glaube statt Wissen und Gefuehle statt Vernunft.
In diesem Sinne kann man das Hesse Zitat auf den Kopf stellen,dann wird ein Schuh draus.

Apropos Rodger ,Was ist ein Elektrorad ?

Autor:  Hermann Wohlgschaft [ 16.3.2014, 11:21 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Glaube und Wissen, Gefühl und Vernunft sollte man nicht gegeneinander ausspielen. Aber das hatten wir ja schon hunderttausend Mal ...

Autor:  Thomas Math [ 16.3.2014, 16:48 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Will ich gar nicht gegeneinander ausspielen.Glaube ist eine menschliche Schwaeche die man mit Vernunft und Wissen bekaempfen muss.
Glaube ist zu Wissen wie Astrologie zu Astronomie.

Autor:  Ralf Harder [ 16.3.2014, 21:57 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Allen glauben, ist zu viel, keinem glauben, zu wenig. Und man muss manches glauben, was man nicht versteht. – Nichts wissen, ist keine Schande, aber nichts lernen wollen.

Autor:  Hermann Wohlgschaft [ 17.3.2014, 0:43 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

"Glauben" und "Wissen" liegen auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Ich weiß, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Ich glaube, dass sich mein Dasein keinem blinden Zufall verdankt, dass ich vielmehr gewollt und geliebt bin von einer Macht, die mein Begreifen übersteigt. Ich will damit sagen: Glaube im eigentlichen Sinn ist kein Defizit, keine Flucht ins Nebulöse, wenn es am Wissen mangelt. Nein, Glaube ist ein Akt des Vertrauens - des Vertrauens in einen letzten Sinn des Daseins.

Ich bin mir sicher, dass Karl May in diesem Sinne ein gläubiger Mensch war. Ohne dass man ihn - oder Hermann Hesse oder J.W. Goethe usw. - aufgrund seines Glaubens der "Dummheit" bezichtigen könnte.

Autor:  rodger [ 17.3.2014, 10:12 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Thomas Math hat geschrieben:
Was ist ein Elektrorad ?

Eines, bei dem man zwar nach wie vor selber in die Pedalen treten muß, aber dabei elektronische Unterstützung durch einen Motor bekommt. Hilft an Steigungen, bei Gegenwind, längeren anstrengenden Strecken ... :D

Autor:  Hermann Wohlgschaft [ 17.3.2014, 12:34 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Nochmals zum eigentlichen Thread-Thema: Manche oder viele Psychologen meinen, dass wir in der (evtl. zum Hass gesteigerten) Abneigung gegen andere Personen die ungeliebten Seiten im eigenen Selbst ablehnen. Das mag in manchen oder vielen Fällen so sein. Aber kann man daraus eine allgemeine Regel ableiten? Ich bin da eher skeptisch.

Hat z.B. May in seinem Abwehrkampf gegen Lebius nur die eigenen Schattenseiten bekämpft? Ich bezweifle das sehr. Lebius wurde zu einem böswilligen, höchst gefährlichen Feind Karl Mays (nachdem dieser sich von Lebius nicht erpressen ließ). Da hatte May allen Grund, sich zu wehren. Ob er in den Rechtsstreitigkeiten immer zu den richtigen Mitteln gegriffen hat, ist freilich eine andere Frage.

Autor:  Thomas Math [ 17.3.2014, 14:04 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Warum intelligente Menschen glauben weiss ich nicht,vielleicht hat das mit einer gewissen Arroganz zu tun nicht akzeptieren zu wollen das es keinen Sinn gibt es sei denn man schafft in sich selber.
Was May glaubte ,wissen sie Herr Wohlgschaft am besten und ich bin sicher das sie recht haben,wobei ich nicht glaube,dass May dumm war im Gegenteil.Es fasziniert mich wie intelligente Menschen manchmal das Absurdeste glauben können.
Goethe hatte von moderner Naturwissenschaft wenig Ahnung,dass er an Gott glaubte (wenn es denn so war) darf man seiner wissenschaftlichen Ignoranz und Naivität zuschreiben.
Hesse erscheint mir ungebildet.
Also auf dieses Elektrofahrrad verzichte ich mal,wenn ich den Berg nicht mehr hochkomme,nehme ich lieber das Auto.

Autor:  Thomas Math [ 17.3.2014, 14:09 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Spiegel Lebius

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Nochmals zum eigentlichen Thread-Thema: Manche oder viele Psychologen meinen, dass wir in der (evtl. zum Hass gesteigerten) Abneigung gegen andere Personen die ungeliebten Seiten im eigenen Selbst ablehnen. Das mag in manchen oder vielen Fällen so sein. Aber kann man daraus eine allgemeine Regel ableiten? Ich bin da eher skeptisch.


Ich halte dies für unwissenschaftliches Psychobabbel.Leider gibt es in der Psychologie noch immer Vertreter,denen moderne empirische Wissenschaft fremd ist

Zitat:
Hat z.B. May in seinem Abwehrkampf gegen Lebius nur die eigenen Schattenseiten bekämpft? Ich bezweifle das sehr. Lebius wurde zu einem böswilligen, höchst gefährlichen Feind Karl Mays (nachdem dieser sich von Lebius nicht erpressen ließ). Da hatte May allen Grund, sich zu wehren. Ob er in den Rechtsstreitigkeiten immer zu den richtigen Mitteln gegriffen hat, ist freilich eine andere Frage.


Stimme ich voll und ganz zu.

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