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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 20:44 
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Hermesmeier hat geschrieben:
1. Plaul 8 "Aus der Mappe eines Vielgereisten"
Hier bin ich auch der Ansicht, dass diese Veröffentlichung im Plaul völlig falsch einsortiert ist. Aus dem Bauch heraus tippe ich eher auf die 90er Jahre. Herr Bartsch könnte vielleicht etwas dazu sagen. Soweit ich weiß, besitzt er das Belegstück.


Laut Ekkehard Bartsch geht die falsche Datierung auf den verstorbenen Sammler Karlheinz Schulz zurück. Bartsch besitzt in der Tat das Belegstück und datiert es ebenso auf die 1890er Jahre.

Beste Grüße, Ralf Harder


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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 21:25 
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Hermesmeier hat geschrieben:
Die Überschrift bezieht sich auf den Teil des 10. Kapitels, der in den Roman "Die Liebe des Ulanen" gehört. Der nicht dazugehörige Einschub steht aber direkt am Beginn dieses Kapitels. Wenn also Münchmeyer selbst diesen Einschub vorgenommen hätte, dann würde es bedeuten, dass Karl May als letzte Zeile übersandten Manuskripts ausgerechntet eine Kapitelüberschrift geliefert hätte.


Ich verstehe das nicht ganz. Ich bin davon ausgegangen, dass Münchmeyer, in Abwesenheit des verhinderten May, ein Manuskript gefunden hat, in einer Schublade, auf dem Schreibtisch, in unsortierter Post, was weiß ich, wo „Ulane und Zouave“ draufstand, und der besagte Text drinstand. Und es ungeprüft verwendet hat, nach dem Motto, soll der Kerl halt die Fäden später zusammenführen.


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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 21:31 
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rodger hat geschrieben:
Ich bin davon ausgegangen, dass Münchmeyer, in Abwesenheit des verhinderten May, ein Manuskript gefunden hat, in einer Schublade, auf dem Schreibtisch, in unsortierter Post, was weiß ich, wo „Ulane und Zouave“ draufstand, und der besagte Text drinstand. Und es ungeprüft verwendet hat, nach dem Motto, soll der Kerl halt die Fäden später zusammenführen.


Die Kapitelüberschrift "Ulane und Zouve" passt nicht zum Inhalt des Textes – also nichts mit Schublade. Mehr dazu unter:
http://www.karl-may-stiftung.de/roxin.html
(Ab Sternchen * Textmitte)

Beste Grüße, Ralf Harder


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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 22:03 
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Ralf Harder hat geschrieben:
Die Kapitelüberschrift "Ulane und Zouve" passt nicht zum Inhalt des Textes


Das weiß ich doch.

Zitat:
– also nichts mit Schublade.


Das verstehe ich nicht.

Roxin schreibt doch auch, ein nicht zugehöriges Manuskript wurde eingefügt.

Wenn da "Ulane und Zouave" drübersteht, heißt das doch bei Karl May nicht, daß da auf den ersten sechzig oder hundert Seiten einer von beiden vorkommen muß. Denken Sie mal an Old Surehand (II) oder den Mir von Dschinnistan ! Oder die Rose von Schiras ! Das Manuskript ist ein Fragment, das ist doch klar.


Zuletzt geändert von rodger am 11.9.2005, 22:04, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 22:03 
rodger hat geschrieben:
Ich verstehe das nicht ganz. Ich bin davon ausgegangen, dass Münchmeyer, in Abwesenheit des verhinderten May, ein Manuskript gefunden hat, in einer Schublade, auf dem Schreibtisch, in unsortierter Post, was weiß ich, wo „Ulane und Zouave“ draufstand, und der besagte Text drinstand. Und es ungeprüft verwendet hat, nach dem Motto, soll der Kerl halt die Fäden später zusammenführen.


Schade eigentlich, dass wir hier eine Diskussion weiterführen, die wir erst kürzlich bei www.karl-may-buecher.de hatten, wo ich mich geweigert hatte, einen Text "Ulane und Zouave" anzulegen. Sie erinnern sich?
Nein. Sie gehen von falschem aus. Es lag kein Text "Ulane und Zouave" in irgendeiner Schublade. "Die Liebe des Ulanen" hat ein 10. Kapitel, das so heißt und das zu Beginn mit einem nicht dahin gehörenden Text aufgefüllt wurde. Dass man in der Sekundärliteratur diesen Einschub gern "Ulane und Zouave" betitelt, gehört mit zu den "Volkstümlichkeiten", von denen ich seinerzeit sprach und die ihren Weg auch in die HKA gefunden haben.
Im Band 4 jener Ausgabe findet sich noch der Hinweis auf den Beginn des 10. Kapitels "Ulane und Zouave" mit Verweis auf den Editorischen Bericht, wohingegen der nach dem Einschub folgende Text offenbar als Fortsetzung des 9. Kapitels "Zum Kriege drängend" verstanden wird, wie sich aus dem Inhaltsverzeichnis des 5. Band zwanglos ergibt. Ich halte das für falsch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Karl-May-Chronik
BeitragVerfasst: 11.9.2005, 22:04 
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Sehr geehrter Herr Dr. Sudhoff,

in Ihrem obigen Beitrag schrieben Sie:

Dr. Dieter Sudhoff hat geschrieben:

Wenn sich keine Sigle-Nachweise finden, so bedeutet das nur, daß hier Informationen aus dem Nachlaß Mays oder aus Privatbesitz oder anderweitige eigene Recherchen vorliegen. Der Oberförster (zu dem übrigens weitere Recherchen laufen) ist allerdings ein schlechtes Beispiel, weil das "möglicherweise" nicht umsonst dasteht.

Noch etwas Grundsätzliches: Selbstverständlich bedeutet eine Sigle am Ende einer Aussage nicht, daß diese gänzlich auf die Quelle zurückgeht. Wir hielten es aber nicht für sinnvoll, in jedem Einzelfall darauf hinzuweisen, daß unsere vermittelten Kenntnisse über die Quelle hinausgehen (und sei es bei Personen nur um die Ergänzung von Lebensdaten).


Bezüglich des Oberförsters als möglichen Vater Heinrich August Mays erwähnen Sie leider die Quelle nicht explizit und laden somit unfreiwillig zu Spekulationen über die Qualität des/der Informanten/in ein, der/die bezweifelt, daß Christian Friedrich May der Vater von H. A. May ist. Es wäre für eine Wertung interessant zu wissen, ob der Hinweis auf die Familie zurückgeht (Mays Schwestern lebten bis 1932 bzw. 1945), auf Indizien in Mays Nachlaß, auf eigene Forschungen oder lediglich auf Spekulationen aufgrund des Taufregistereintrags. Daß die Ehelichkeit von Mays Vater für Sie einige Bedeutung haben muß, zeigt die Aufnahme in die Chronik, während die Eltern von Mays Mutter unter dem 25.02.1842 nicht namentlich genannt werden.

Da der Hinweis auf das Forsthaus Hainholz nur dem Forsthaus an sich dient, bleiben zur Bewertung nur die weiteren genannten Quellenangaben.

Das Karl-May-Handbuch (zweite Auflage, Seite 70) enthält die gleiche Aussage, ebenfalls ohne Nennung der Quelle.

May selbst erwähnt in „Mein Leben und Streben“ (Seite 24) einen Oberförster, zu dem seine Großmutter mit zwei Kindern (Christiane Wilhelmine und Heinrich August) zog, um ihm die Wirtschaft zu führen. Dieser scheidet als Vater aus, da H. A. May zu diesem Zeitpunkt schon geboren war.

Im Jahrbuch der KMG (1979, Seite 20) wird der 04.02.1818 als Todestag von Mays Großvater Christian Friedrich May genannt. Die Seiten 40 bis 42 konkretisieren die Spekulationen um den Vater von H. A. May mit weiteren Vermutungen.

Zu Mays Großvater väterlicherseits gibt es leider nur wenige Fakten (Siehe auch Mein Leben und Streben, Olms-Reprint, Seite 328ff.).

a) Den Eintrag im Taufregister „Der Schwängerer soll ein Unbekannter sein.“ (JbKMG 1979, Seite 41)

b) Einen Eintrag am ersten Advent 1826 im Konfitentenbuch über den Abendmahlsgang von H. A. May. (M-KMG 10, Seite 23; Als Quelle wird Karl Streller genannt).

c) Eine Mitteilung des Pfarramts Hohenstein an das Pfarramt Ernstthal wegen des Aufgebots anläßlich der Eheschließung von H. A. May mit der Aussage „des weil. Chr. F Mai … allhier hinterlassenem ehelich einzigen Sohn.“. (M-KMG 10, Seite 23; Als Quelle wird Karl Streller genannt).

d) Er führte den Namen Heinrich August May und nicht Kretschmar. So wird z. B. im Aufgebot zur Eheschließung zwischen Karl May und Emma Pollmer als Name H. A. May angegeben.

Hieraus läßt sich nur entnehmen, daß der Vater bei der Geburt nicht genannt wurde. Einen Hinweis auf einen Oberförster, enthalten diese Quellen nicht. Diese Vermutung dürfte wohl auf Karl Streller zurückgehen, der schon vor 1979 erfolglose Recherchen nach einem höheren schönburgischen Forstbeamten durchgeführt hat (JbKMG 1979, Seite 92, Anmerkung 101.)

Da die Quelle für diese Vermutung (Mays Großvater war ein Oberförster) nirgendwo genannt wird, bleibe ich sehr skeptisch, was diesen betrifft. In gespannter Erwartung der Ergebnisse Ihrer Recherchen verbleibe ich mit herzlichen Grüßen
Frank Werder


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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 22:11 
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rodger hat geschrieben:
Roxin schreibt doch auch, ein nicht zugehöriges Manuskript wurde eingefügt.


Roxin schreibt: "May, der rasch neuen Text zu liefern hatte, griff in seiner Verlegenheit zu einem liegenden Manuskript, dessen weiterer Druck unbekümmert abgebrochen wurde, als er einige Wochen später mit der Ulanen-Geschichte fortfahren konnte."

Die Kapitelüberschrift heißt "Ulane und Zuave", diese Überschrift passt nicht zum "Verlorenen Sohn", der Inhalt gehört aber sehr wohl zum Stoffkreis dieses Romans. May plante den VS in 6 Abteilungen:

Die Sclaven der Armuth
Die Sclaven der Arbeit
Die Sclaven der Schande [Bertha-Brand-Fragment]
Die Scklaven des Geldes
Die Sclaven des Ehrgeizes
Rettung aus dem Elende

Ulanen und Zouaven passen nicht in den VS.

Sudhoff erwähnt übrigens auch die hier genannten 6 Abteilungen in der KM-Chronik (S. 308), gibt dabei als Quelle "kmw" an. Erstmals erschien jedoch diese Auflistung in "KARL MAY Leben und Werk" von Thomas Ostwald, Braunschweig 1977, S. 104. Ich hatte Hans Wollschläger darüber informiert, bevor er seinen HKA-Bericht verfasste.

Ralf Harder


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 Betreff des Beitrags: Ein Ölbrand / Der Gitano / Münchmeyer
BeitragVerfasst: 13.9.2005, 14:23 
Ralf Harder hat geschrieben:
Für mich ist nicht vorstellbar, dass May seinen Winnetou um 1880 sterben ließ, um ihn wenig später in "Ein Ölbrand" wieder auferstehen zu lassen. Im Herbst 1882 entstand "Die Todeskaravane"; dort überleben Halef und Kara Ben Nemsi nur aus erzählerischer Notwendigkeit – von der Pest gezeichnet. Wenig später lässt May seinen "Winnetou" sterben, beide Texte haben somit eine ähnlich trübe Stimmung. Erst zum Ende seiner Kolportagetätigkeit verfasst May den "Sohn des Bärenjägers", um mit "Winnetou" einen Neuanfang zu wagen.


In der Tat gleichen sich die beiden Erzählungen "Ein Ölbrand" und "im 'wilden westen' Nordamerikas" auch von der Grundstimmung und einzelnen Motiven her (Da ist etwa das Aufeinandertreffen der beiden Blutsbrüder, die sich dabei erstmals jeweils am „Tone“ ihrer Gewehre erkennen - später im „Ölprinz“ wieder aufgegriffen). Ferner 'stirbt' Winnetou auch in "Ein Ölbrand" durch den Verlust aller seiner Haare- also insbesondere auch dessein Erscheinungsbild prägenden sehr langen Haupthaares - quasi symbolisch, bzw. 'auf Zeit'. Bis das wieder nachgewachsen ist, müssen sozusagen erst einmal ein paar Jahre vergehen.


Ein weitere ziemlich spekulative Anmerkung findet sich auch im Eintrag zu „Der Gitano“ [Ein Abenteuer unter Carlisten] unter 1875.08. Dort heißt es – wohl aufgrund des gleichnamigen Titeleintrags Nr. 12.) [sowie auch Nr. 16.) "Das Geheimniß des Contrebandisto"] im „Repertorium“: (...) eine Entstehung Ende der sechziger Jahre ist denkbar: Das verwundert doch arg, denn:
a.) möchte man aufgrund der Genese des Ich-Erzählers trotz der autobiographisch gefärbten Ich-erzählten Fragmente „Offene Briefe eines Gefangenen“ und „Hinter den Mauern“ keine so frühe exotische Ich-Erzählung vermuten.
b.) ist die Erzählung als (Als eine Probe der unter dem Titel »Aus der Mappe eines Vielgereisten« in unserem »deutschen Familienblatte« veröffentlichten Abenteuer und Characterschilderungen. angekündigt – die Rolle des Ich-Erzählers hat dabei ja auch das gleiche passive Niveau wie derjenige in „Inn-nu-woh“.
c.) muß Karl May mit dem „Repertorium“-Eintrag – wenn er denn überhaupt schon damit eine Handlung verband – damit nicht die Geschichte des „Beobachter“-Textes gemeint haben, so ist mit „69.) Ein Celloer. »Wanda«“ mit Sicherheit auch nicht die ganze später abgedruckte Novelle gemeint (zumal es dort gar keinen Cellospieler gibt, Winter z.B. spielt Piano).
d.) ist das Datum der Handlung explizit mit dem ersten Satz: Es war am 29. Juli 1875. angegeben.
e.) begann der gemeinte Karlistenkrieg erst 1872, vgl. etwa den Eintrag Ekkehards Koch ins Karl-May-Handbuch: Angeregt durch zeitgenössische Presseberichte knüpft May an historische Begebenheiten in Spanien an (Karlistenkrieg um die Thronfolge 1872-76) (...).
f.) sind schließlich sind die im Text genannten historischen Figuren wie Don Carlos (1848-1909), General Dorregaray (ca. 1820-1882) und Jovellar (1819-1892) historissche Persönlichkeiten in diesem Karlistenkrieg, vgl. z.B. den zweiten Satz: Zwei Tage vorher hatte Don Carlos bei Tolosa über die Brigaden Dorregarray's große Heerschau gehalten und demselben neue Pläne über den fortzusetzenden Widerstand nach Navarra geschickt..

Ausführliches zum "Gitano" siehe unter:
Ekkehards Koch - »Der Gitano ist ein gehetzter Hund« - Karl May und die Zigeuner
-> http://karlmay.leo.org/kmg/seklit/JbKMG/1989/178.htm

ABER: Es gab zwei Carlistenkriege! Der in den 70er Jahren aktuelle war die Nr. 2. Der erste Carklistenkrieg fand von 1834-39 statt. Und in diesem ersten Krieg gab es tatsächlich auch einen Don Carlos (1788-1855), um dessen Thronfolge gekämpft wurde, theoretisch hätte May hier also eine auf den 1. Carelistenkrieg bezogene Erzählung so umarbeiten können, daß sie dann auf den 2. Carlistenkrieg zuträfe. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob man beim zitierten „Chronik“-Eintrag wirklich so weit gedacht hat.

In gleicher Weise frisierte May ja auch - mehr schlecht als recht -die ursprünglich Ende der 30er Jahre datierte Erzählung „Der Boer van het Roer“ für die Buchausgabe „Auf fremden Pfaden“ auf die 60er/70er Jahre um. Falls es nun aber wirklich einen derartigen Ur-„Gitano“ gegeben haben sollte, müßte dies freilich nicht heißen, daß es sich dabei ebenfalls bereits eine Ich-erzählte Fassung gehandelt hätte. Gerade die Passivität des Ich-Erzählers könnte bedeuten, daß dieser hineingeschrieben – z. B. durch Umwandlung einer Nebenfigur - worden wäre, dergleichen hat May später ja auch bei der Bearbeitung von „Auf der See gefangen“ für die „Old Surehand II“-Buchausgabe gemacht. Insgesamt erscheint mir eine solche theoretische Möglichkeit aber als zu arg spekulativ, als daß sie beim derzeitigen Kenntnisstand eine Anmerkung auf ein mögliches früheres Entstehungsdatum eines Ur-"Gitano" in der Chronik rechtfertigen sollte.


Schließlich noch ein Hinweis auf eine interessante - und dabei nicht mit einer Quellenangabe belegte - Ausgabe, die sich unter 1868.11.-1869.03. (S. 144) findet: „Mehrmals fährt er nach Dresden (angeblich in literarischen Angelegenheiten: laut Aussage vom 3.7.1869 liefert er bereits in dieser Zeit litteraruische Arbeiten für den Dresdner Buchhändler Münchmeier)“; vgl. auch 1869.07.03 (S. 163): „Bis Pfingsten habe er bei seinen Eltern gewohnt und literarische Arbeiten für den Kolporteur Heinrich Gotthold Münchmeyer geliefert (...)“

Mit dieser Deutlichkeit habe ich das noch nirgends gelesen, allenfalls aufgrund eines bereits bekannten May-Briefes an seine Eltern vermutet; siehe auch 1869.04-20. (S. 153): „Ihr bekommt diesen Brief nicht durch die Post, sondern durch einen Geschäftsfreund von mir, der Euch aufsuchen wird, um einige schriftstellerische Arbeiten abzuholen, die er verwerthen soll. Es ist der alte Colporteur Müller, von dem wir früher viel gelesen haben. Gebt ihm alles, was ich zu hause habe; ich traue ihn.

Demnach scheint es also durchaus wahrscheinlich zu sein, daß May schon vor seiner Waldheimer Zuchthauszeit Kontakt mit dem Münchmeyer-Verlag gehabt hatte. Wobei mir hier, wenn ich da mal wild spekulieren würde, als Kandidaten für jene frühen „literarischen Arbeiten“ zunächst einmal „Der Samiel“ sowie „Rache oder das erwachte Gewissen“ einfallen würden – beide Erzählungen regten übrigens unverkennbar zwei Kapitel („Der Silberbauer“ & „Der Samiel“) in „Der Weg zum Glück“ an.

(Beim Waldbauer fiel mir übrigens vor kurzen der folgende Vergleich ins Auge, der in einer typisch treudeutschen Heimatgeschichte eigentlich eher unüblich gewesen sein dürfte, es sei denn man hätte als Autor wie May ein Faible fürs Exotische, insbesondere für die nordarikaniosche Sahara mit ihren Sandstürmen: Der ganze Ausdruck glich (...) dem eines Löwen, der mit gesträubter Mähne und eingestemmten Vorderpranken den ersten verderblichen Stoß des Samums erwartet.)


Und schließlich noch ein kleiner formaler Hinweis: Bei einer Neuauflage des ersten Chronik-Bandes erscheint es außerdem angebracht, unter 1864.07.09 (S. 122) die folgende doppelte Zeile zu eliminieren: “ein paar Hosen von schwar- zen feinen schweren Buckskin,“


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 10.5.2006, 21:11 
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Jetzt bin ich aber neugierig: hat noch keiner den fünften band bekommen? Ich habe die komplette Ausgabe mit Begleitband bereits seit Anfang dieser Woche.

_________________
Oliver


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 Betreff des Beitrags: Chronik Band 5
BeitragVerfasst: 10.5.2006, 21:22 
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Wohnort: Düsseldorf
Hallo
Beides bekommen Chronik Bd. 5 okay. Begleitband mangelhaft,
vermisse gezielte Suche nach erwähnten Zeitungen oder anderen Materialien außerhalb der Sigel muss alles aufschreiben und durchblättern.

Gruss Günther


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 Betreff des Beitrags: Chronik Bürgerliche Ehrenrechte
BeitragVerfasst: 29.8.2006, 15:33 
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Registriert: 12.5.2004, 19:34
Beiträge: 176
Wohnort: Düsseldorf
Hallo Freunde
Bekam folgende Anfrage aus Australien
Steht etwas in der Chronik zu Mays bürgerlichen Ehrenrechte oder kann jemand genaueres dazu sagen.
Danke vorab.

Hello Guenther

Wie war das mit dem 'Buergerlichen Ehrenrechte' welches dem Karl May entzogen wurde im 1874 und welches er 10 Jahre spaeter wieder erhielt ... davon habe ich noch nie gehoert ... war das was von anno dazumal? Oder heisst es heute anders?


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