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 Betreff des Beitrags: Blindheit
BeitragVerfasst: 11.1.2006, 9:22 
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Hallo zusammen!

Wir wissen nicht, woran Nietzsche erkrankt ist, wir wissen nicht, ob und weswegen May in seiner frühen Kindheit blind war.

Diese neueste Theorie (Blepharospasmus) klingt wiederum sehr interessant. Wenn ich als medizinischer Laie im Internet suche, finde ich Bemerkungen wie diese, dass dieser Lidkrampf [nur] über Stunden anhält, dass er üblicherweise erst Patienten >45 befällt, dass er auch mit heutigen medizinischen Mitteln nicht zu heilen ist. (Quellen: U.a. wikipedia und Homepage einer Selbsthilfegruppe)

Damit scheint mir medizinischem Laien Mays frühkindliche "Erblindung" nicht besser erwiesen oder auch nur als "möglich" dargestellt als vorher :roll: .

"Augenzeugen" (ein in diesem Zusammenhang durchaus doppelbödiges Wort ... ) scheint es ja keine gegeben zu haben. Was bleibt, ist Mays Selbstzeugnis. Und über den Wert desselben brauchen wir hier wohl nicht zu streiten.

Grüsse

Sandhofer


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.1.2006, 12:37 
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Hallo auch!

Kann man das nicht einfach als Aussage von May so akzeptieren, wie er es gesagt hat? Er fühlte sich als Blinder, d.h. er konnte sich an keine visuellen Eindrücke erinnern. Was er dagegen anscheinend verstärkt wahrgenommen hat und woran er sich erinnern konnte, sind Stimmen und Gefühle. Und das umso stärker.
Es muss ja fatal sein, wenn man das Blindsein nun medizinisch beweisen möchte. Was, zugegeben, wiederum auch interessant ist, weil es nach heutigem Wissen (Autor in fabula habe ich mir mittlerweile besorgt, Herr Hermesmeier :wink: ) ja nicht nachweisbar ist, dass er tatsächlich blind war, also nicht sehen konnte. Es sind zwei Paar Stiefel von denen wir sprechen.

Gruß

Sylvia


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 11.1.2006, 14:45 
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Sandhofer hat geschrieben:
Diese neueste Theorie (Blepharospasmus) klingt wiederum sehr interessant. Wenn ich als medizinischer Laie im Internet suche, finde ich Bemerkungen wie diese, dass dieser Lidkrampf [nur] über Stunden anhält, dass er üblicherweise erst Patienten >45 befällt, dass er auch mit heutigen medizinischen Mitteln nicht zu heilen ist. (Quellen: U.a. wikipedia und Homepage einer Selbsthilfegruppe)


Diese Form des Blepharospasmus ist nicht identisch mit dem entzündlichen Blepharospasmus im Kindesalter. Ich verweise nochmals auf das Buch von O. Eversbusch, Professor der Augenheilkunde, »Die Augen-Erkrankungen im Kindesalter«, Leipzig 1912:

»Blepharospasmus. […] Der […] hartnäckige sog. entzündliche Blepharospasmus ist in der Regel doppelseitig, auch wenn nur ein Auge krank ist; mit vermehrter Tränenabsonderung und Lichtscheu verknüpft, begleitet der Lidkrampf auch die Rezidive des Hornhautekzems, Wochen und Monate dauernd, mitunter auch gleiche Zeit über die Heilung der Hornhautkrankheit fortbestehend. Der Lidkrampf führt zumal bei jüngeren Kindern – ohne irgendwelche Schädigung der percipierenden Teile des Auges – zu einem Verlernen des Sehens, zu einer Schwachsichtigkeit aus Nichtgebrauch, die erst nach Beseitigung des andauernden Lidverschlusses im Laufe mehrerer Wochen durch neues Sehenlernen verschwindet. […]

»Im 3. Lebensjahr stellt sich in der Regel auf Grund gedächtnismäßig festgehaltener Eindrücke, die zusammengesetzt sind und eine Anzahl von Einzelheiten enthalten, die Fähigkeit ein, Raumgrößen zu beurteilen. Weiterhin entwickelt sich durch wiederholte Erfahrungen und Wahrnehmungen das Erlernen des genaueren Sehens: das Augenmaß, die Entfernungswahrnehmung, die Tiefenschätzung und das feinere visuelle Gedächtnis in der Art, daß die Knaben den Mädchen besonders in der Genauigkeit des Augenmaßes durchschnittlich überlegen zu sein scheinen. Auch Verlernen des Sehens kommt vor; so als rein psychische Störung, wenn die Augen eines Kindes vorübergehend durch Blepharospasmus erblindeten [!]; oder wenn die Augen durch Katarakterblindung für lange Zeit außer Funktion gesetzt sind. Ähnlich wie von Blindgeborenen, die mit Erfolg operiert wurden, muß nach Beseitigung der Katarakt und des Lidkrampfes das Sehen wieder erlernt werden.«

Ich empfehle die Lektüre von ›Karl Mays frühkindliches Augenleiden‹ (Karl-May-Haus-Information Nr. 19/2005, S. 38-44) von der Berliner Augenärztin Christina Alschner.

Ralf Harder


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BeitragVerfasst: 11.1.2006, 14:54 
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So einfach ist das also: Weil Karl May zeitweilig behauptet hat, mit seiner Romanfigur Old Shatterhand identisch zu sein, deshalb muß – wenn ich Herrn Hermesmeier recht verstehe – auch alles andere, was May geschrieben hat, von Grund auf verlogen sein. Nein, die Rede vom „sächsischen Lügenbold“ ist in meinen Augen nur oberflächliches Geschwätz, das dem Ansehen Karl Mays sehr nachhaltig schadet. Daß das ‚Phänomen Karl May‘ nicht simpel auf die Old-Shatterhand-Legende der 1890er Jahre reduziert werden kann, daß Karl May ein ernstzunehmender Autor und ein bedeutender, im wesentlichen (trotz dunkler, rätselhafter Züge) glaubwürdiger Mensch war, dies aufzuweisen ist ein Hauptanliegen meiner May-Biographie. Zu diesem Kernpunkt des Mayschen ‚Lebens und Strebens‘ wünsche ich mir eine sachliche Diskussion.

Hermann Wohlgschaft


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 11.1.2006, 15:59 
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Mir ist bewusst, dass Karl May DIESES Buch von Eversbusch nicht gekannt hat, aber hat er mit dem Thema beschäftigt? gab es in seiner Bibliothek einschlägige Werke?

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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 11.1.2006, 17:59 
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JennyFlorstedt hat geschrieben:
Mir ist bewusst, dass Karl May DIESES Buch von Eversbusch nicht gekannt hat, aber hat er mit dem Thema beschäftigt? gab es in seiner Bibliothek einschlägige Werke?


Hallo Jenny, hallo in die Runde!

Ein Fachbuch zum Thema Blindheit bzw. Augenheilkunde habe ich im Bibliotheksvereichnis nicht gefunden. Ich beziehe mich auf den Beitrag im Karl-May-Jahrbuch 1931. Das Verzeichnis selbst wurde laut Franz Kandolf schon 1923 erstellt. Nun weiß man aber nicht, was Klara nach Mays Tod alles entfernt hat. Abenteuerliteratur beispielsweise scheint sie - ich weiß im Moment nicht, wo ich das gelesen habe - großzügig aussortiert zu haben.

Grüße

Rolf


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 Betreff des Beitrags: Re: Blindheit
BeitragVerfasst: 11.1.2006, 18:18 
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JennyFlorstedt hat geschrieben:
Mir ist bewusst, dass Karl May DIESES Buch von Eversbusch nicht gekannt hat, aber hat er mit dem Thema beschäftigt? gab es in seiner Bibliothek einschlägige Werke?

ta


Sehr geehrte Frau Florstedt,

es gibt keine Literatur in Sachen "Blepharospasmus" in der Bilbliothek. Und in der Tat kann May das Werk von Eversbusch, das 1912 erschien, nicht gekannt haben – Tote lesen nicht.

Dass Karl May infolge einer Blindheit "sehen lernen" musste, daran zweifle ich nicht. Ein Beispiel aus dem Waldröschen:

»Dieser Sternau operirte sodann auch die Augen des Grafen.«
»Wirklich?« fragte Ferdinando rasch. »Wie war der Erfolg?«
»Ausgezeichnet, denn Don Emanuel lernte sehen. ...«

»Don Emanuel lernte sehen« – als May diesen Satz im ›Waldröschen‹ schrieb, war er für die Romanhandlung selbstverständlich unsinnig. Welcher andere Schriftsteller hätte diese Formulierung gebraucht? Der Graf war erst im Mannesalter erblindet, musste das Sehen nicht erlernen. Bei May jedoch hatte sehen lernen einen ernsten, persönlichen Hintergrund ...

Mit freundlichen Grüßen
Ralf Harder


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 12.1.2006, 13:38 
Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
So einfach ist das also: Weil Karl May zeitweilig behauptet hat, mit seiner Romanfigur Old Shatterhand identisch zu sein, deshalb muß – wenn ich Herrn Hermesmeier recht verstehe – auch alles andere, was May geschrieben hat, von Grund auf verlogen sein.


Nein, Herr Wohlgschaft, Sie haben mich nicht verstanden. Man kann nur hoffen, dass Sie bei Karl May nicht gar so einfache Denkstrukturen in Anwendung gebracht haben wie bei der Interpretation meines Schreibens.

Wir haben es bei Karl May mit einem Menschen zu tun, der, solange er in der Öffentlichkeit stand, zu lügen nie aufgehört hat, und zwar dort, und nicht nur im stillen Kämmerlein. Es geht nicht allein um die Old-Shatterhand-Legende und ihre skurrilen Ausformungen. Es geht um seine kriminellen Verfehlungen, um seine Hochstapeleien, auch in literarischer Hinsicht. Es geht um den falschen Doktortitel. Schauen Sie sich mal an, welchen Aufwand Karl May getrieben hat, nur um die Amerika-Reise länger erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich war. Er ließ Manuskripte mehrfach mitten im Text beginnen und gaukelte durch falsche Paginierungen einen bedeutend größeren Umfang vor. Sämtliche Veröffentlichungen Mays, ob mündlich oder schriftlich, waren darauf ausgerichtet ihn selbst gut aussehen zu lassen, ein Geschäft, das May durchaus manisch betrieb. Und das soll bei der 'Selbstbiografie' alles anders gewesen sein, ausgerechnet auch anders als bei allen anderen Autobiografien, Memoiren und sonstigen Selbstzeugnissen, die durch Druckerpressen in die Welt hinaus gelangt sind?

... bei einem Autor, der dieses Werk gegenüber seinem Verleger - nicht-öffentlich! - folgendermaßen kommentiert:
Karl May an Friedrich Ernst Fehsenfeld, 14.11.1910 hat geschrieben:
... Darum habe ich das Buch nicht so geschrieben, daß es mir den Lesepleps wiederbringt, sondern so, daß es mir die Prozesse gewinnen hilft. Es hat nur diesen einen Zweck, weiter keinen, trotz des hohen biographischen und psychologischen Werthes, den es besitzt. Hat es diesen Zweck erreicht, kann es in Gottes Namen verschwinden.
Wir brauchen das Buch also gar nicht so herzustellen, daß es von ewiger Dauer ist. Also billiges, aber gut aussehendes Papier.


Ein Blendwerk also. Angesichts einer solchen Aussage darf ein Biograf - zumal in einer historisch-kritischen May-Ausgabe - nicht nach der Maxime verfahren: Ich glaube erst einmal alles, was Karl May schreibt, bis andere mir das Gegenteil bewiesen haben. Angesichts der oben zitierten Offenbarung hätte man statt dessen jede Äußerung Karl Mays kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, und vor allem unter dem Gesichtspunkt zu untersuchen, welchen Vorteil diese oder jene Darstellung ihm in Bezug auf die Prozesse brachte, die er durch sie erklärtermaßen zu gewinnen trachtete.

Es ist ein Unding, dass diese kritische Würdigung in einer sogenannten historisch-kritischen May-Ausgabe unterblieb, womit dieses Etikett denselben Wert hat wie Mays Doktortitel.

Es kann nicht sein, dass eine historisch-kritische Biografie sich darauf beschränkt, das Glaubenszeugnis des Autors zu sein.


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BeitragVerfasst: 12.1.2006, 14:26 
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Lieber Hermann,

ich frage mich manchmal, ob der Karl-May-Gegner Rudolf Lebius, wenn er noch leben würde, auch Mitglied der Karl-May-Gesellschaft sein könnte, um diese Plattform für eine Verunglimpfung des Dichters zu nutzen.

Herzlichst, Ralf


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BeitragVerfasst: 12.1.2006, 15:36 
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Sehr geehrter Herr Harder,

vielen Dank Ihnen (und auch Rolf Dernen) für die Information betreffs des Evernbusch-Buchs.

Mich verwirrt Ihr letzter Beitrag.
Ist es für Sie "Verunglimpfung", wenn sich jemand kritisch mit Karl May auseinandersetzt?
Die KMG ist doch kein Fanclub. Es tut auch meiner Liebe keinen Abbruch, wenn ich meiner Tochter nicht alles glaube, was sie mir erzählt.

Karl May hat seine Autobiographie als Verteidungsschrift benutzt und man sollte sie entsprechend behandeln. Dazu gehört auch eine kritische Prüfung. Das ist nicht nur ein "Darf", sondern ein "Muss". Und keineswegs eine Verunglimpfung.

In die Blindheitsdebatte selbst will ich mich mangels Fachkenntnis nicht weiter einmischen.

Mit besten Grüßen

Jenny Florstedt

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BeitragVerfasst: 12.1.2006, 16:01 
Sehr geehrter Herr Harder!

In dem, was Sie hier schrieben:

Ralf Harder hat geschrieben:
ich frage mich manchmal, ob der Karl-May-Gegner Rudolf Lebius, wenn er noch leben würde, auch Mitglied der Karl-May-Gesellschaft sein könnte, um diese Plattform für eine Verunglimpfung des Dichters zu nutzen.

... belegen Sie das grundsätzliche Missverständnis, dem Sie erlegen sind, seit Sie in Sachen Karl May publizieren.

Die KMG ist eine Vereinigung von Menschen, die sich um wissenschaftliche Forschung bemühen. Und die Ergebnisse stehen erst am Ende der Forschungsarbeit fest.
Sie dagegen wissen bereits, was herauskommen soll/herauskommen darf, und suchen sich die Argumente entsprechend zusammen.
Sie halten die KMG offenbar für einen Fanclub, der nichts Negatives über den Forschungsgegenstand herausfinden, geschweige denn publizieren darf.

Auch wenn es Sie schockt: Ich hätte Rudolf Lebius als Mitglied der Karl-May-Gesellschaft gern begrüßt, und sei es nur, um das Prinzip der Freiheit in der Forschung sichtbar werden zu lassen. Manchmal wünschte ich Ihnen die Größe eines E. A. Schmid, der auch dem Lehrer Fronemann Raum in den Jahrbüchern zur Verfügung stellte und die Restauflage der Streitschrift "Eine Abrechnung mit dem Karl-May-Verlag" aufkaufte, um sie kostenlos als Kuriosum Leserkorrespondenzen beizulegen.

Noch eine Frage: Sie missverstehen dieses Forum nicht etwa als Publikationsplattform der KMG?

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Hermesmeier


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BeitragVerfasst: 12.1.2006, 16:21 
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Seitdem ich mich mit der Persönlichkit von Karl May beschäftige, um so mehr schätze ich ihn, mit allen Facetten seine Charakters, soweit wir heute noch in der Lage sind, diese festzustellen. Trotzdem bzw. gerade deshalb lege ich jedes Wort auf die Goldwage, wenn ich irgend etwas lese, das er über sich selbst geschrieben hat. Daher sehe ich es nicht als Verunglimpfung an, wenn man ihm, salopp gesagt, erst mal gar nix glaubt.

Grüße in die Runde

Rolf Dernen

P.S.: Lebius in der KMG? Wäre sicherlich interessant, aber der Mann schien mir doch geradezu von Haß auf May zerfressen zu sein.


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BeitragVerfasst: 12.1.2006, 17:55 
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Wohnort: Karl-May-Geburtsstadt Hohenstein-Ernstthal
JennyFlorstedt hat geschrieben:
Ist es für Sie "Verunglimpfung", wenn sich jemand kritisch mit Karl May auseinandersetzt?


Nein ist es nicht, das habe ich auch nicht behauptet, sehr geehrte Frau Florstedt. Meine rethorische Frage an Hermann Wohlgschaft bezog sich auf Personen, die pauschal Karl May als Lügner und Krimineller abzustempeln versuchen. – Könnte Lebius Mitglied der KMG, vielleicht sogar Vorsitzender werden?

Zitat:
Die KMG ist doch kein Fanclub.


Nein, wir wollen Karl May keinen Heiligenschein umhängen, es geht um die historische Wahrheit; es sollte jedoch fair und sachlich über ihn diskutiert werden. Letztlich ist es eine Gesellschaft für und nicht gegen Karl May. Sind Sie übrigens nicht aus der KMG ausgetreten, nachdem der Jahrbuchaufsatz von Dr. Andreas Graf ›Lektüre und Onanie‹ 1998 erschienen war?

Zitat:
Karl May hat seine Autobiographie als Verteidungsschrift benutzt und man sollte sie entsprechend behandeln. Dazu gehört auch eine kritische Prüfung. Das ist nicht nur ein "Darf", sondern ein "Muss".


Richtig! Und dies hat u.a. sachkundig und exzellent Dr. Hainer Plaul (Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates Karl-May-Haus Hohenstein-Ernstthal) getan:

»[Es] tritt das erstaunliche Ergebnis zutage, daß der so ungeheuer phantasievolle Schriftsteller mit dieser Lebensbeschreibung bei allem verständlichen Bemühen um Selbstschutz ein sehr ehrliches und vom festen Willen zur Wahrhaftigkeit durchdrungenes Bekenntnis abgelegt hat.«
[Hainer Plaul im Anhang zum Olms-Reprint ›Mein Leben und Streben‹, Hildesheim 1997, Umschlag hinten.]

Auch Hermann Wohlgschaft hat die Autobiographie gründlich studiert, ausgewertet und bewertet. Er kann sich momentan nicht selbst dazu äußern, weil er bis nächste Woche verreist ist.

Mit freundlichen Grüßen
Ralf Harder


Zuletzt geändert von Ralf Harder am 13.1.2006, 13:38, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 12.1.2006, 18:04 
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Ralf Harder hat geschrieben:
Sind Sie übrigens nicht aus der KMG ausgetreten, nachdem der Jahrbuchaufsatz von Dr. Andreas Graf ?Lektüre und Onanie? 1998 erschienen war?


Yep. Allerdings nur im zeitlichen, nicht im sachlichen Zusammenhang. Ich habe in meinem Austrittschreiben drei - für mich - gravierende Gründe aufgeführt und nie eine Antwort erhalten. Seitdem engagiere ich mich außerhalb der KMG und fühl mich sehr wohl dabei.

Ansonsten werde ich Ihre rhetorischen Fragen in Zukunft als solche behandeln.

Mit herzlichen Grüßen

Jenny Florstedt

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BeitragVerfasst: 13.1.2006, 2:07 
Herr Harder zitierte Hainer Plaul:
Zitat:
»[Es] tritt das erstaunliche Ergebnis zutage, daß der so ungeheuer phantasievolle Schriftsteller mit dieser Lebensbeschreibung bei allem verständlichen Bemühen um Selbstschutz ein sehr ehrliches und vom festen Willen zur Wahrhaftigkeit durchdrungenes Bekenntnis abgelegt hat.«

Wie es zu den Textwandlungen kam und welche Quelle Herr Harder hier zitiert, weiß ich nicht. Er verrät es ja auch nicht. Ich selbst kenne den Text im folgenden Wortlaut:
Zitat:
»Der so ungeheuer phantasiereiche Schriftsteller hat mit dieser Selbstschilderung im Prinzip ein sehr ehrliches und vom festen Willen zur Wahrhaftigkeit durchdrungenes Bekenntnis abgelegt.« (Mein Leben und Streben. Olms Presse, 1975, S. 532*)

Dabei ist zu berücksichtigen, dass dieses Zitat einen 30 Jahre alten Kenntnisstand reflektiert und die neueren Forschungen gar nicht berücksichtigen kann.
Hainer Plaul beginnt seine "Wertung" (a. a. O., S. 530*) übrigens folgendermaßen:
Zitat:
Eine quellenkritische Einschätzung der vorliegenden Selbstbiographie wird immer zwei Aspekte besonders zu berücksichtigen haben. Einmal den Umstand, daß ihr Verfasser ein außerordentlich phantasiebegabter Autor war, der es zudem verstand, diese beinahe dämonische Kraft sprachlich zu binden. Und zum anderen die Tatsache, daß er mit dieser Biographie versucht hat, sein Leben und Streben vor anderen und vor sich selbst zu erklären und zu rechtfertigen, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, wo die in Diffamie ausgeartete "Kritik" kulminierte.

und zwei Seiten weiter:
Zitat:
Die Grenzen der Wahrheitsliebe werden in dieser Selbstschilderung von der Kritik, von der Haltung der Gegner bestimmt. Sie werden vor allem dort sichtbar, wo sich ihr Verfasser mit dem schwärzesten Kapitel seiner Biographie, mit seinen Verfehlungen und Strafen auseinandersetzt.

Im Zusammenhang mit den Straftaten lesen wir bei Plaul schon auf S. 521*:
Zitat:
Zu den vieldiskutierten Mitteilungen der Selbstbiographie gehören besonders die ausführlichen Schilderungen Mays über seine seelische Zuständlichkeit bei der Vorbereitung und Durchführung seiner Straftaten. Die erst in den letzten Jahren gelungene Wiederentdeckung von Dokumenten über jene Verfehlungen lassen heute allerdings die "Authentizität dieser Schilderung" mit Recht zumindest "problematisch" erscheinen.

Und diese zweifelhaften Seelenzustände werden von May in einer Kausalkette als Folge der frühkindlichen Erblindung beschrieben. 1919 schon äußerte der Heilpädagoge Richard Engel:
Zitat:
Mir sind nun Zweifel darüber aufgestiegen, ob Karl May, der Vielleser, nicht einige Kenntnisse der psycho-analytischen Literatur gehabt hat und darnach seine "Bekenntnisse" eingerichtet hat.

Plaul zitiert dies auf S. 521* und bringt darauf auf insgesamt 6 Seiten Textvergleiche aus einschlägiger Fachliteratur, die sich in Mays Bibliothek befand, mit den korrespondierenden Stellen in "Mein Leben und Streben".

Warum beschränkt Herr Harder sich nur auf das eingangs Zitierte?


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