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 Betreff des Beitrags: 13. März 1877 - Halbzeit für Karl May
BeitragVerfasst: 17.6.2004, 15:17 
Am Dienstag, 13. März 1877 ist Karl May 35 Jahre und 18 Tage alt - und er er wird noch genau solange zu leben haben.

Als ich das errechnete war ich doch etwas erstaunt, denn an diesem Tag an dem Karl May sein halbes Leben gelebt hatte, hatte er keine Erfolgsbilanz vorzulegen

Es war knapp kein Jahr her, daß er unter Polizeiaufsicht stand, die Redakteurszeit bei Münchmeyer näherte sich einem Ende, literarisch hatte er bisher nicht viel erreicht. Selbst die Stollberg-Affäre sollte noch vor ihm liegen.

Laut Ralf Harder war am 10. März 1877 die letzte Folge von "Der beiden Quitzows letzte Fahrten" aus der Feder Mays erschienen, die kommenden Folgen verfasste Dr. Goldmann.

Erst die kommenden 35 Lebensjahre sollten dann alles für ihn bringen, den schriftstellerischen Erfolg, den sozialen Aufstieg, aber auch noch viele bittere Jahre für ihn bereithalten.

Als Fazit komme ich zu dem Schluß, daß Karl Mays Lebensleistung und das erst nach über 35 Lebensjahren uns den nötigen Respekt abverlangt - gleichgültig wie man über ihn als Menschen und Schriftsteller denken mag.

Viele Grüße
Kurt


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BeitragVerfasst: 4.7.2004, 0:40 
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Lieber Kurt, alle anderen,

ist das nun wirklich so erstaunlich?
Er war ein Mann von 35 Jahren, also gerade am Anfang der Jahre (wenn überhaupt), die man die besten Jahre zu nennen pflegt.
Und gehört nicht auch ein gutes Stück Lebenserfahrung dazu, als Schriftsteller erfolgreich sein zu können? Und hier meine ich nicht Ausnahmen wie einen Goethe (wobei ich nun gern zugeben, gar nicht zu wissen, wann der gute Johann Wolfgang seine besten - zu übersetzen mit: bekanntesten - Werke verfasste). Ich meine auch nicht die unselige Modeerscheinung, mit der schon so wichtige Persönlichkeiten wie 18- und 19jährige "Größen" ihre Memoiren verfassen.

Karl May scheint mir gewirkt zu haben durch die Weise, wie er in seinen Werken zum Leser sprach. Er war ja nicht nur der Abenteuerschriftsteller, sondern auch der (verhinderte) Lehrer, der "Bildende" und "Erziehende".
Ich denke, genau das macht seinen so lange anhaltenden Erfolg aus.

Und vergessen wir nicht: 35 Jahre sind durchaus eine erkleckliche Zeit, immerhin eine ganze Generation.

Und als letztes: er lebte selbst zu einer Zeit, die wohl doch um einiges bedachtsamer und geruhsamer war, als unsere Zeit.

Von daher finde ich es wenig überraschend, daß er "erst" nach 35 Jahren begann, seine - ihm so ureigene - Form zu finden.

_________________
Mit freundlichen Grüßen,

Ralf Grosskurth


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BeitragVerfasst: 4.7.2004, 10:10 
Hallo zusammen,
lieber Ralf,

Hans Wollschläger und Arno Schmidt - um nur zwei zu nennen - kamen zu dem Ergebnis, daß es sich bei Karl May um einen Spätentwickler handelt, sei es in seinem Privatleben oder literarischen Werk.

Ich hatte lediglich einmal das genaue Datum seiner Lebensmitte errechnet und dieses Datum dokumentiert die Auffassungen von Wollschläger u.a. auch statistisch nüchtern.

Gewiß, J.F. Cooper schrieb seinen ersten Roman 1822 - er war damals 33 Jahre alt - hatte aber in anderen Lebensbereichen eine eindruckvolle Vita vorzuweisen.

Überhaupt sind Vergleiche mit Cooper, Goethe und anderen Literaten wenig sinnvoll, die Literaturerscheinungen der Gegenwart sind da noch weniger hilfreich und völlig indiskutabel.

Letztlich ist es ja auch egal, daß Karl May ein Spätentwickler war. Die Freude an seinem Werk ist ungebrochen und das Fazit seines Lebens sehr beindruckend, auch wenn das alles in der 2. Lebenshälfte geschah.

Viele Grüße
Kurt


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BeitragVerfasst: 4.7.2004, 14:49 
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Registriert: 7.6.2004, 1:10
Beiträge: 92
Wohnort: Ein kleiner Ort im Hunsrück...
Lieber Kurt, alle anderen,

natürlich ist es müßig, so unterschiedliche Schriftsteller zu vergleichen.
Ein solcher Vergleich beinhaltet ja unweigerlich auch immer eine Betrachtung der Persönlichkeit, welche wiederum von den Lebensumständen geprägt wird.
Und in diesem Bereich mag man dem "Mayster" vielleicht schon eine gewisse Ausnahmestellung zubilligen.

"Spätentwickler". Welch grausig' Wort. Es klingt in meinen Ohren so sehr nach "um ein Haar ZU spät Entwickelter".
Immerhin hat sich Karl May entwickelt, sein ganzes Leben lang. Vom Schreiberling, der mit Behagen das Blut vom schädelspaltenden Tomahawk tropfen ließ, zum Schriftsteller, der - vielleicht ahnend, wohin die Zeitläufte steuerten - so energisch, wie es in seinem Vermögen stand, gegen Ignoranz und nationalen Chauvinismus - und ich meine hiermit nicht nur den deutschen - anschrieb.

In diesem Sinne wünschte ich mir noch viel, viel mehr "Spätentwickelte" - weltweit.

_________________
Mit freundlichen Grüßen,

Ralf Grosskurth


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 Betreff des Beitrags: Spätwntwickler - Zu-spät-Entwickler
BeitragVerfasst: 4.7.2004, 20:30 
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Beiträge: 274
Hallo zusammen!

Ralf Grosskurth hat geschrieben:
"Spätentwickler". Welch grausig' Wort. Es klingt in meinen Ohren so sehr nach "um ein Haar ZU spät Entwickelter".

Wenn wir die literarische Entwicklung betrachten: Ich fürchte, Karl May war - und nicht nur um ein Haar - ein zu spät Entwickelter ... Im Gegensatz zu z.B. Fontane, der ja seine grossen Romane erst im Alter geschrieben hat. Karl May wollte, aber er konnte nicht mehr wirklich. Zu spät, zu spät ...

Grüsse

Sandhofer


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 4.7.2004, 23:28 
Die Karl-May-Forschung sieht Karl May als eine Persönlichkeit an - und dem kann ich mich nur anschließen - dessen private wie literarische Entwicklung spät begann, eben erst in der 2. Lebenshälfte. Eigentlich sogar erst im letzten Lebensndrittel nach 1888.

Den Argumenten Sandhofers vermag ich schon deshalb nicht zu folgen, da das Werk Karl Mays ja eine gewisse Vollendung erlebt hat. Da sei an erster Stelle an Mays Werke "Im Reiche des silbernen Löwen III/IV" und "Der Mir von Dschinnistan" erinnert. Für mich persönlich nimmt "Und Friede auf Erden" den ersten Platz ein. Nur müssen diese Werke vorurteilsfrei gelesen, gewertet und verstanden werden.

Ob aber Sandhofer & Co. dies begreifen - ja begreifen wollen - muß an dieser Stelle bezweifelt werden. Schade eigentlich.

Viele Grüße
Kurt


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 Betreff des Beitrags: Literarische Entwicklung
BeitragVerfasst: 5.7.2004, 8:20 
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Registriert: 12.5.2004, 23:06
Beiträge: 274
Hallo zusammen!

Ich weiss, dass die meisten Karl-May-Leser meine Meinung nicht teilen :) . Dennoch: Ich spreche jetzt nicht vom - nennen wir's mal: philosophischen - Inhalt des Spätwerks. Da herrscht zwar auch Kuddelmuddel, aber ich achte Mays Versuche, zu einer Art aktiven Pazifismus zu gelangen.

Literarisch aber orientieren sich Mays Alterswerke Silberlöwe III + IV, A & D an Mustern wie Bunyans "Pilgrimage" - hoffnungslos veraltet; und dadurch, dass er sich letzten Endes nicht von den Mustern seiner 'klassischen' Zeit lösen konnte (reiten-gefangen werden-sich befreien-reiten-Bösewichter einfangen-reiten-Bösewichter freilassen-reiten-gefangen werden-reiten ... etc. ad nauseam ...) - dadurch also wird sogar der literarisch auch nicht gerade hochstehende Bunyan als Vorbild vollends entwertet. Winnetou IV unterscheidet sich nur graduell, und vor allem dadurch, dass Winnetou hier zu einem Idol mutiert, ohne dass der Autor uns zu sagen vermöchte, warum. Winnetous Testament wird ja zwar den andern, nicht aber dem Leser zu Hause vorgelesen. Das könnte sogar als literarisches Mittel eingesetzt werden, ist hier aber wohl eher ein Zeichen dafür, dass es May nicht gelingen wollte, diese höher stehende Kultur Winnetous darzustellen. "Und Friede auf Erden" ist als Roman Bild schlicht und ergreifend einschläfernd. Als psychologisches Denkmal über May-himself, als Beitrag zu Mays Spiritualismus ist es hochinteressant. Generell gilt m.E., dass May - abgesehen von Schlaf-, Traum- und Ohnmachtsszenen, wo er wirklich Weltliteratur geschaffen hat (schade, sind diese Schätze in einer Verpackung geliefert, die ... na ja ...) - im Gegensatz zu Arno Schmidts Diktum, von dem man sich langsam lösen sollte, nur wenig (eben nur szenenweises) literarisch Hochstehendes aufzuweisen hat.

Trotzdem (oder deswegen?) empfinde ich Mays Faszination genauso wie andere in diesem Forum.

Grüsse

Sandhofer


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