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BeitragVerfasst: 8.1.2005, 18:12 
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Es gibt Stellen in der Literatur, die sind so herrlich, radikal und jenseits aller gängigen Moral, dass ich den Verfasser noch nach gut hundertfünfzig Jahren posthum gleichsam in den Arm nehmen möchte. Bisher ging mir das vornehmlich bei Karl May so, eben habe ich in „Moby Dick“ das Folgende gefunden:

„Und nun geht einmal am Samstagabend auf den Fleischmarkt und guckt euch das Gewimmel lebender Zweifüßer an, die da zu den langen Reihen toter Vierfüßer hinaufstarren. Erscheint euch nicht bei solch einem Anblick der Kannibale in versöhnlicherem Licht ? Kannibalen ! wer ist denn keiner ? Ich sag euch: dem Fidschi-Insulaner, der sich in seinem Keller für kommende Notzeiten einen dürren Missionar einpökelt – diesem vorsorglichen Fidschi wird es am Tage des Gerichts erträglicher gehen als dir, du höchst gesitteter, höchst aufgeklärter Fresser, der du Gänse an den Boden pflöckst, auf dass ihnen die Leber schwelle und du dann an deiner fetten Straßbuger Gänseleberpastete prassen mögest.“
(Übersetzung von Alice und Hans Seiffert, insel taschenbuch, S. 407)

Melville hätte mit einem solchen Text heutzutage vielleicht in Literaturforen oder Talkshows keine Chance – er würde sofort hinausgeworfen werden !

:lol:

(Das sind so die Mechanismen, man stellt die Literatur auf ein Podest, damit sie einem ja nicht zu nahe komme, man nicht merke, dass sie einen unmittelbar betrifft, ordnet sie einer Epoche zu, klassifiziert sie, erklärt sie, schön abstrakt, zur Weltliteratur.

Dabei ist sie zeitlos. Und unmittelbar.)


Zuletzt geändert von rodger am 10.1.2005, 17:34, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 8.1.2005, 20:56 
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Hallo Rodger,

damit sprichst Du wohl nicht nur mir aus dem Herzen.
Aber! Vielleicht ist Literatur und Philosophie ja nicht dasselbe. Das eine ist wohl etwas wissenschaftlich, während das andere eher Aussagen sind.

Meint
Wau


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BeitragVerfasst: 24.3.2005, 8:57 
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Im März-Heft der m.E. teilweise sehr empfehlenswerten Zeitschrift LITERATUREN ist ein umfangreicher (11 Seiten) Artikel der Literaturkritikerin Beatrix Langner über Herman Melville und sein Werk abgedruckt.


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