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 Betreff des Beitrags: Nena Sahib
BeitragVerfasst: 30.7.2006, 22:45 
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Habe gerade gesehen,das Retcliffe's Nena Sahib bei Olms neu verlegt wurde.Lohnt sich der Roman zum Kaufen ?Von Retcliffe weiss ich leider nichts,ausser dass er angeblich ein paranoider Regierungsspitzel gewesen sein soll.


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BeitragVerfasst: 31.7.2006, 12:35 
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Hallo Herr Math,

ich bin immer wieder amüsiert erstaunt, welch drastischer Ausdrucksformen Sie sich bedienen, denn Sir John Retcliffe d.i. Hermann Goedsche (1815-1878) als paranoiden Regierungsspitzel zu bezeichnen ist schon stark. :)

Sein Werk "Nena Sahib", dessen weitverzeigte Handlung im Kern den Sepoy-Aufstand in Indien 1857/58 zum Inhalt hat, ist absolut zu empfehlen, besonders die neue Ausgabe im Olms-Verlag, die als Originaltext bezeichnet werden kann.

Ich kann Ihnen guten Gewissens das Buch sehr empfehlen.

Für weiterreichende Informationen empfehle ich Ihnen www.retcliffe.de

Viele Grüße
Kurt Altherr


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BeitragVerfasst: 31.7.2006, 16:46 
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Lieber Herr Altherr,
Verzeihen sie die "drastische"Formulierung,wie gesagt ich weiss nichts ueber Retcliffe ausser ,dass mir vor vielen Jahren mein Onkel mal erzaehlte,nachdem ich eine KMV Ausgabe von Nena Sahib sah,der Autor waere in Wirklichkeit ein preussischer Regierungsspitzel gewesen,der von einer britischen Weltverschwoerung besessen war.
Vielen Dank fuer den Link.


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BeitragVerfasst: 31.7.2006, 18:28 
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Ginge es alleine um die britische Weltverschwörung, Herr Math, könnte man das Retcliffe noch verzeihen. Weit bedenklicher, geradezu unerträglich, ist sein latenter Antisemitismus, der - wie Historiker festgestellt haben - historisch falsch und letztlich sogar Zugang in die Ideologie der Nazis gefunden hat. Mit fatalen Folgen, wie die Geschichte zeigt.


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BeitragVerfasst: 2.8.2006, 8:53 
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Hier Retcliffe's Credo. [einige TeX-Steuerbefehle bitte ich geeignet
zu interpretiren.]

%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%


In diese Gesellschaft müssen wir den Leser führen. Sie wird überhaupt bald die {\frqq}gute Gesellschaft{\flqq} von Berlin bilden, denn die Herrschaft des Judenthums wächst in der Preußischen Hauptstadt seit 17 Jahren, das heißt seit 1848, mit einer so rasenden Schnelligkeit, daß das ehemalige Bürgerthum immer weiter zurückgedrängt wird und zuletzt noch einmal selbst in den Jüdenhof eingesperrt werden kann. Es fällt dem Verfasser nicht im Traum ein, eine Philippika gegen den jüdischen Glauben zu schreiben, er achtet und ehrt den gewaltigen, seit Jahrtausenden den Orkanen der Weltgeschichte trotzenden Bau, und zählt unter seinen Bekennern wahre und geschätzte Freunde. Er ehrt ihren Fleiß, ihre Strebsamkeit, ihre sittlichen Tugenden, ihr festes Zusammenhalten, ihre Treue gegen die alten
Satzungen, was Alles den Christen ein wichtiges Beispiel sein sollte! Und dieser Bau wird auch ferner ausdauern und trotzen den Stürmen der Zeit, wenn der selbst erzeugte Wurm ihn nicht untergräbt und seine Grundvesten erschüttert.

Was der Verfasser unter {\frqq}\emph{Judenthum}{\flqq} versteht, ist etwas ganz Anderes -- eine Wucherpflanze aus dem kräftigen Stamm, die ihn selbst der besten Säfte beraubt und unter ihren Ranken erdrückt; ein Auswuchs, der so gewaltig wird, daß zuletzt nicht das Messer des Gärtners mehr ausreichen kann, sondern der Axthieb nöthig ist! ein Kriechpflanzenthum, was den ganzen kräftigen Eichenwald des bürgerlichen Lebens überwuchert und erstickt. Das Judenthum ist auch ein Kind von Achtundvierzig, gleich dem französischen Kaiser, und beide zusammen sind die wahre Revolution Europas, nicht die Hängegensd'armen Polens oder die mazzinistischen Verschwörungen!

Mit dem Bettelsack auf dem R"ucken einwandernd, fri"st es sich, wie ein humoristischer j"udischer
Schriftsteller sagt, gleich {\frqq}Oleum{\flqq} "uberall durch, sprengt die seitherigen Ordnungen der
Gesellschaft, macht den Handwerker durch die Macht des Kapitals zum Sclaven, rodet dem Landmann
seine W"alder aus, wirft den Besitzer aus seinem vielhundertj"ahrigen Erbe, steigert durch seine
raffinirte Genu"ssucht die Bed"urfnisse und vertheuert dem Armen sein sauer verdientes Brod, macht Kunst und Wissenschaft zur Speculation, m"astet sich mit dem durch gute Freunde ihm in die H"ande gespielten Eigenthum des Staates, und baut sich Pal"aste Unter den Linden! Schlimmer noch als sein
Einwirken auf die materielle Gesellschaft ist sein Drängen in die Politik, seine Vergiftung der großen politischen und staatlichen Prinzipien, eine Thätigkeit, die ganz gegen den guten conservativen Geist des alten jüdischen Glaubens ist.

Man deckt das schützende Dach ab, um Wind und Regen freies Spiel in das Innere des Baues zu verschaffen! --

Gegen \emph{dies} Judenthum, das allein die Blindheit der bürgerlichen Gesellschaft, die Binde, welche der mißverstandene Fortschritt ihr um die Augen gelegt hat, ermöglicht, kämpfen wir und werden wir immer kämpfen. Also gegen die rücksichtslose Ueberhebung des Kapitals über die Arbeit, gegen die Entnervung des Bürgerthums, gegen die Unterjochung und Ruinirung des Grundbesitzes zum Vortheil der Börsen-Agiotage, gegen das Eindrängen in fremde Kreise, gegen die Schätzung von Ehre und Recht, Ruhm und Heiligthum nach Thalern und Aktien! Dagegen, daß das christliche Mädchen für die kummervolle Arbeit noch ihren Körper in den Kauf giebt! -- dagegen, daß der Börsenjobber steuerfrei bleibt, und der Schweiß des Landmanns, des Handwerkers, die Sorge des Grundbesitzers den Unterhalt des Staates tragen, sein Blut die Schlachtfelder tränken soll -- dagegen daß man unsern Glauben profanirt und zersetzt, unsere Heiligthümer zu Contracten herunter zerrt, die Fürstenkronen von Gottes Gnaden zum Ausverkauf eines speculativen Baumwollenfabrikanten oder raffinirten Tribünenschwätzers machen will! -- \emph{Dagegen} Krieg auch mit diesem Buch! -- -- --


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BeitragVerfasst: 11.8.2006, 11:09 
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Das Thema Antisemitismus in Verbindung mit der Literatur des 19.Jh. ist komplex und wohl nicht mit einigen Schlagworten abzuhandeln. Man bewegt sich hier auch in gefährlichem Fahrwasser, wenn man versucht, zu differenzieren. Man sollte jedenfalls berücksichtigen, dass negative Darstellungen von Juden in der Unterhaltungsliteratur dieser Zeit vielfach zu finden sind. Neben Retcliffe nur zwei Beispiele von vielen, Karl May (Satan und Ischariot) und Balduin Möllhausen (Der Kesselflicker). Möllhausen hat sofort nach dem „Kesselflicker“, vermutlich bemüht um Ausgewogenheit, einen Juden als positive Hauptfigur (Das Finkenhaus) verwendet. Soll man nun Karl May und Balduin Möllhausen als Antisemiten bezeichnen? Auch Retcliffe hat mit Samuel Mortara einem positiv gezeichneten Juden eine wichtige Rolle eingeräumt (Villafranca).

Zu empfehlen ist die Lektüre des Buchs von Prof Volker Neuhaus: „Der zeitgeschichtliche Sensationsroman in Deutschland 1855-1878. Sir John Retcliffe und seine Schule.- Berlin: Verlag Erich Schmid. 1980.“


Unangenehm ist mir die Formulierung von Herrn Altherr „... Antisemitismus, der - wie Historiker festgestellt haben - historisch falsch ...“.
Gibt es auch „historisch richtigen Antisemitismus“ ?

Herrn Prodinger danke ich für das Zitat, hätte mich aber gefreut, wenn er einen Hinweis auf die Quelle gegeben hätte.


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BeitragVerfasst: 11.8.2006, 14:19 
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Leider haben Sie, Herr Remy, nur einen Teilsatz von mir zitiert, mich völlig mißverstanden und sich zudem polemischer Formulierungen meiner Person gegenüber bedient. Macht mir nichts aus, kann aber nicht unerwidert bleiben.

Der Antisemitismus in Deutschland und in Europa ist wissenschaftlich erforscht und dokumentiert.
Retcliffe dagegen hat sich wissentlich mit den Ereignissen auf dem Judenfriedhof in Prag und der von ihm geschilderten Weltverschörung der Juden falscher historischer Fakten bedient und mit diesen antisemitischen Schilderungen noch den braunen Machthabern Argumente für ihre kriminelle Politik in die Hände geliefert.

Retcliffe kann nicht als antisemitischer Brandstifter betrachtet werden, gleichwohl hatte er zumindest Streichhölzer in seiner Jackentasche.

Überhaupt ist Retcliffes historisches Weltbild auch in anderen Bereichen völlig diffus und Vergleiche mit Möllhausen und Karl May verbieten sich absolut..


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BeitragVerfasst: 11.8.2006, 17:14 
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Zitat:
Leider haben Sie, Herr Remy, nur einen Teilsatz von mir zitiert, mich völlig mißverstanden und sich zudem polemischer Formulierungen meiner Person gegenüber bedient. Macht mir nichts aus, kann aber nicht unerwidert bleiben.


In keiner Weise wollte ich irgendeiner Person zu nahe treten. Das Problem liegt in meinen eigenen Schwierigkeiten, Sprache zu verstehen, wofür ich um Nachsicht bitte.
Ich kann dieses Problem auch anhand des letzten Beitrags verdeutlichen.
Nach der folgenden Demonstration meines Unvermögens werde ich auf weitere Beiträge dieser Art nicht mehr antworten. Es ist einfach zu mühsam für mich.


Zitat:
Retcliffe dagegen hat sich wissentlich mit den Ereignissen auf dem Judenfriedhof in Prag und der von ihm geschilderten Weltverschörung der Juden falscher historischer Fakten bedient und mit diesen antisemitischen Schilderungen noch den braunen Machthabern Argumente für ihre kriminelle Politik in die Hände geliefert.


Fakt (l. factum), Tatsache, Tatbestand.
Was sind falsche Fakten?

Argument (l. argumentum), Beweis(grund).
Kann es Argumente für die kriminelle Politik der braunen Machthaber geben?


Zitat:
Überhaupt ist Retcliffes historisches Weltbild auch in anderen Bereichen völlig diffus und Vergleiche mit Möllhausen und Karl May verbieten sich absolut.


diffus (l. diffusus), ausgebreitet, ohne bestimmte Grenze; zerstreut, verschwommen.
Gerade diese Eigenschaft bezeichnet wohl genau das Gegenteil dessen, was man über das Weltbild von Retcliffe sagen kann.
Und was sind „andere Bereiche“?

absolut (l. absolutus), für sich allein bestehend, durch nichts bedingt.
Welche göttliche Macht verbietet Vergleiche? Wodurch, wenn nicht durch Vergleiche, kann man Unterschiede erkennen?


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BeitragVerfasst: 11.8.2006, 19:32 
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Der Argumentation von Herrn Remy laesst sich nichts hinzufuegen,obwohl sie ein bischen wie heisst es im Deutschen oberlehrerhaft klingt.
Im uebrigen geniesse ich es sehr. wenn jemand Wert auf eine exakte Sprache legt .Sie sollten mehr schreiben.


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BeitragVerfasst: 12.8.2006, 22:31 
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Hallo Herr Math,

am 18. Juli 2006 schrieben Sie an anderer Stelle in diesem Forum, dass die KMG eine "Vereinigung älterer Herren und mittelmäßiger Literaturwissenschaftler" sei.

Nun, Herr Math, mit Herrn Remy haben Sie einen typischen Vertreter der KMG, wie sie sich heute repräsentiert. Das ist jetzt "absolut" positiv gemeint.

Liebe Grüße nach Minnesota
Kurt Altherr


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BeitragVerfasst: 12.8.2006, 23:07 
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Wie gesagt von Retcliffe habe ich keine Ahnung,bin ein bischen ueberrascht,dass sich eine Diskussion ueber Antisemitismus in literarischen Werken von Autoren des 19.Jh. entwickelt hat (ist wohl eine deutsche Eigenart immer wieder zu der Geschichte der 30/40er Jahre zurueckzukehren),war trotzdem interessant dem thread zu folgen.
Ich finde Remy's Beitrag gut formuliert.Wie gesagt als naturwissschaftlich gebildeter Mensch bevorzuge ich eine exakte Sprache.Der ironische Unterton ist etwas stoerend gebe ich zu,wo ich lebe wuerde man sagen passive-aggressive.
Apropos auch ich benutze machmal eine sagen wir mal wischiwaschi Sprache,for lack of a better term.
Was die KMG angeht,so gebe ich gerne zu,dass ich befuerchte, dass wenn es mit dem Nachwuchsmangel so weiter geht ,es bald tatsaechlich eine Vereinigung ergrauter Maenner sein wird.


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BeitragVerfasst: 13.8.2006, 12:41 
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Hallo Herr Math,

das Thema Antisemitismus ist in unserem Land ein sehr sensibles Thema, das überlegter Formulierungen bedarf, um nicht missverstanden oder gar in die "rechte Ecke" gestellt zu werden.

Etwas off-topic Herr Math.
Wird in den USA noch Walt Whitman gelesen und wie ist sein heutiger Stellenwert in der amerikanischen Literatur. Ich habe in meiner Jugend sehr gerne Walt Whitman gelesen.

Viele Grüße nach Minnesota
Kurt Altherr


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 13.8.2006, 14:58 
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Ach wissen sie Whitman ist fuer die amerikanische Literatur sowas wie Goethe fuer die deutsche,ein Klassiker eben.Meist wird er in der Highschool spaetens am College durchgenommen,staende er nicht auf dem Lehrplan wuerde er befuerchte ich kaum mehr gelesen.
Freut mich im uebrigen einen Deutschen zu finden,der Whitman kennt.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 9.10.2006, 15:31 
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Robert Kraft's Nena Sahib Version ist nun im Internetz: Zunaechst allerdings nur Band 1 (von 4).


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 Betreff des Beitrags: Anakondas nicht in Indien!
BeitragVerfasst: 30.12.2006, 18:30 
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Wohnort: Neu Wulmstorf
Hallo,

vor kurzem habe ich den ersten Band von Nena Sahib „Volk in Folter“ gelesen.

Hierzu habe ich ein paar Anmerkungen.

Es ist zwar eine interessante Abenteuergeschichte aber zum Teil doch sehr verworren, erinnert mich an die vielen Handlungsebenen von Karl Mays Kolportageromane.

Außerdem scheint meine Ausgabe „bearbeitet und herausgegeben von Barthel-Winkler. Retcliffe-Verlag GmbH, Berlin 1926“, doch sehr bearbeitet zu sein. Was unter anderem auch schon durch die geänderten Titel und Inhaltsverzeichnisse verdeutlicht wird.

In meiner Ausgabe:

    I. Band: Volk in Folter
      Das Testament des Inders
      Der Mord in der Mount-Street
      Der Schwur von Longwood
      Spiele um Gold und Leben
      Ein wahnwitziger Zweikampf
      Richter Lynch
      In den Händen der Würger
      In der Hölle der schwarzen Göttin
      Volk in Folter
      Der Nabob
      Die Anakonda
    II. Band: Maharani Margarethe
      Eine verbrecherische Wette
      Frauen in Flammen
      Unter Rebellen
      Tod den Faringi!
      Dolch, Schleier und Spitzaxt
      Maharani Margarethe
    III. Band: Ram, Ram, Mahadeo!
      Das Volk steht auf!
      Entronnen!
      Der Blutbrunnen von Cawnpur
      Eine tolle Tat
      Ram, Ram, Mahadeo!
      Der Untergang
      Aus dem Jenseits
      Tyrannenrache
      Ein indischer Scheiterhaufen
      Nena Sahibs Ende

Im Gegensatz dazu unter http://www.retcliffe.ablit.de/bib/inhalt/inhalt.htm:

    Band I: Die Tyrannen der Erde
      Die indische Universität
      Babylon – Sordes – Rom – London
      In den Apenninen
      Die Tiger-Verfolgungs-Gesellschaft
      Gulma
      Ein Duell in San Francisco
      For ever!
      Die Feuersbrunst
      Der blutige Arm
      Wer der Mörder?
      Weiss und schwarz
      Der 2. December
      Sanct Helena
    Band II: Die böse Saat
      Die indische Wüste
      Die Geheimnisse der alten Burg
      Das Reich der ostindischen Compagnie
        Der Ryot
        Der Nabob
        Im Meß-Bungalow
        Die Sotti und die Tigerjagd
        Der Pavillon
      Der Derwar
      Tod den Faringi !
      Schlange und Tiger
    Band III: Der Sünden Ernte
      Der Ball
      Das goldene Delhi
      Der Blutbrunnen zu Cawnpur
        Des Irländers Ende
        Der Verrath
        Der Eid
      Aus dem Jenseits!




Zudem sind mir zwei Eigenheiten aufgefallen; beide hauptsächlich im letzten Kapitel des I. Bandes „Die Anakonda“.

Zum einen ist dort mehrfach die Rede von „Rolläden“ – doch was soll man darunter verstehen? Garantiert keine Rolläden aus heutiger Sicht. Nach meiner Meinung müsste es sich eher um „Fensterläden“ handeln.

Zum Beispiel bei folgenden Textpassagen:
Zitat:
…sah er den Vorhang sich leicht bewegen, und glaubte zwischen den Spalten der Rolläden einen Augenblick lang eine feine weiße Hand …
…herrschte ein mildes Halblicht hinter den geschlossenen Rolläden und niedergelassenen Gardinen. …
… Die Rolläden waren geschlossen, ließen aber im verein mit dem vergoldeten Eisengitter der Decke genügendes Licht ein. …
… und eilte an die Läden. … Sie riß den Fensterladen auf. …
… gegen ein Fenster gerichtet, dessen Markise die Lady vorhin geöffnet hatte …



Zum anderen die Beschreibung der Anakonda.
Diese hatte mich stutzig gemacht und da ich mich nicht so genau auskenne, habe ich mich im Internet bei Dr. Lutz Dirksen erkundigt; siehe auch unter http://www.anakondas.de.
Danach kommen Anakondas nur in Südamerika und niemals in Asien vor.

Hier seine Stellungnahmen:
Dr. Dirksen hat geschrieben:
… die Herkunft des gebräuchlichen Namens Anakonda ist bis heute nicht eindeutig geklärt, hat aber vermutlich seinen Ursprung auf Sri Lanka und heißt übersetzt Elefantenkiller. Im tamilischen bedeutet anai = Elefant und kolra = Killer. Ursprünglich würde sich dann der Name auf den dort vorkommenden Tigerpython beziehen. Irgendwann müsste demnach der Begriff nach Südamerika gelangt und für die Anakondas eingeführt worden sein. Eventuell ist also mit diesem Namen ein Python gemeint gewesen. Es kann aber auch sein, und ist wahrscheinlicher, dass der Autor nicht wußte, dass die Anakondas nur in Südamerika leben.

Man muss davon ausgehen, dass der Text der Phantasie des Autors entsprungen ist und keinerlei wahre Begebenheiten dahinter verborgen sind.


Und noch ein paar direkte Kommentare zu einzelne Textstellen:

Zitat:
… In dem Rahmen bewegte sich eine widerliche Ungestalt – zwei stechende Augen schossen grünliche Blitze auf das arme Kind, ein weit geöffneter Rachen mit zwei Reihen spitzer Zähne, eine züngelnde, gespaltene Spitze – an dieses entsetzliche Haupt ein langer, hochgebäumter Körper bis hin zum Stamm der nächsten Palme gedehnt und mit dem Ende um diesen geschlungen …
Dr. Dirksen hat geschrieben:
Riesenschlangen bäumen sich nicht auf, wie z.B. Kobras.


… Ein unglücklicher Zufall muß eine der gefürchteten Riesenschlangen aus den unzugänglichen Wildnissen des Gebirges hinab in die Täler getrieben haben. Sie hat sich auf diesen Hügel verirrt und war im Begriff, sich durch den geöffneten Rolladen in den Kiosk zu stürzen. …
Dr. Dirksen hat geschrieben:
Anakondas leben nicht in Gebirgen, sondern nur in Sümpfen, Seen und Flüssen.


… Er schlug vor, die ihm noch übrig gebliebenen Schüsse des Revolvers gegen die Schlange zu versuchen, wenn sie in die Nähe des Pavillons käme. Aber er selber begriff, wie schwer es sein würde, bei den schnellen Bewegungen des Ungetüms den Kopf, den einzig empfindlichen Teil, zu treffen, und dass die schwachen Kugeln an jeder anderen Stelle versagen würden. …
Dr. Dirksen hat geschrieben:
Große Riesenschlangen sind an Land nicht schnell.


… dass wir mit Lärm die Schlange verscheuchen. …
Dr. Dirksen hat geschrieben:
..die ja bekanntlich nicht hören können.


… Die Anakonda schien jetzt die hin- und herbewegte Stange mit dem wehenden Fähnchen zu bemerken; sie hielt es für etwas Lebendiges, schnellte mit einem gewaltigen Sprung darauf zu, und wand ihren langen Schuppenleib um das Dach. Man sah, wie das Fähnchen in ihren Ringen zerbrach und wie ihr aufgesperrter Rachen an dem Gitterwerk des Daches entlangfuhr, das aber zu breit und glatt war, um ihrem Körper einen Angriffspunkt zu bieten. …
Dr. Dirksen hat geschrieben:
Anakondas sind zu keinem Sprung fähig


… Etwa zwanzig Schritte von dem Kiosk entfernt, wiederholte es sein Wiehern, als ein langer, dunkler Streif von der Spitze eines Baumes mit der Geschwindigkeit eines Pfeils durch die Luft zu schnellen schien und die fernen Zuschauer ein lautes Zischen vernahmen. Ängstliches Schnauben folgte – ein schmerzliches Wiehern –
Rookeby hatte mit der Kraft, die die Todesangst verleiht, die Bande seiner Füße gesprengt und versuchte zu fliehen. Es war zu spät – die Anakonda hatte ihn erreicht – kerzengerade stieg das edle Roß auf den Hinterfüßen in die Luft, um den schlanken Leib die dicken Windungen der widerlichen Schlange.
Man sah Rookebey kämpfend sich auf der Erde wälzen; sein Widerstand wurde immer schwächer; öfter und öfter zog die Schlange ihre lebenden Würgeschlingen um die zuckenden Glieder – ein stummer, erschütternder Zweikampf – endlos und doch nur im Maße von Sekunden. Ein Knacken und Krachen, wie von zerbrochenen Knochen – ein Schrei durchzitterte die Luft, schneidend und schrill, wie eine Kinderstimme, und doch wieder so laut, so durchdringend, so unmenschlich - …
… dass der Tod dieses Pferdes der Tod der Anakonda ist. – Sieh, wie sie den Kadaver nach dem Palmenstamm hinschleift. Die Dunkelheit wird uns ein scheußliches Schauspiel ersparen – aber wenn die Schlange ihre Beute verschlungen hat, wird sie so unbehilflich sein, dass ein Knabe sie Töten kann. …
Dr. Dirksen hat geschrieben:
Keine Riesenschlange ist in der Lage ein ganzes Pferd zu verschlingen




Derzeit bin ich mit den 2. Band zu lesen angefangen und dieser erinnert mich am Anfang sehr an den BOLLYWOOD-Film „Aufstand der Helden – The Rising“.


Gruß Wolfgang

_________________
"Alles Große wirkt still, bescheiden und geheim. Was Aufsehen erregt, betrachte man mit Mißtrauen." (Karl May)


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