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Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
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Seite 4 von 6

Autor:  rodger [ 11.1.2010, 0:44 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Aber daß auch besagte Stelle ihr Vorbild hatte war mir nicht bekannt.

Gerstäcker der bessere Autor ? Von ihm habe ich kaum etwas gelesen, von May alles und das meiste mehrmals ... das wird sich auch nach heute nicht groß ändern ... Ist halt Geschmackssache, was einem liegt. (Da erinnere ich mich wieder an die Sache mit "Weihnacht" in der KMG-Liste vor sechs Jahren, das waren ja vermutlich Sie der da meinte, ihn mal eben in großem Stil in die Pfanne hauen zu können ...) :wink:

Autor:  Jutta Laroche [ 11.1.2010, 0:48 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Hi,

ich würde nicht sagen, dass Gerstäcker grundsätzlich der bessere Autor ist. Immerhin hatte er May einiges an persönlicher Erfahrung voraus. Er war in Amerika und hat dort vieles erlebt, was ihm natürlich bei der Niederschrift eine große Hilfe gewesen ist.

Autor:  Zwockel [ 11.1.2010, 0:52 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Genau so ist es, Frau Laroche. Bei Möllhausen liegt der Fall übrigens genauso. Möllhausen hatte gesehen über das er schrieb.

Autor:  rodger [ 11.1.2010, 0:54 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Thomas Mann ist auch der "bessere Autor" ... Aber Karl May lese ich lieber. Der hat ein Herz, der Thomas Mann hingegen, so sehr ich ihn teilweise schätze, an der Stelle einen Eisklumpen ...

8)

Autor:  Jutta Laroche [ 11.1.2010, 0:59 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Es ist gewiss müßig über den "besseren Autor" zu philosophieren.

Aber ich bewundere May dafür, dass er es geschafft hat (ohne dort gewesen zu sein), Land, Leute und die damaligen Zustände so zu beschreiben, dass man glaubte, er hätte alles selbst erlebt.

Das soll ihm erst mal einer nachmachen!

Autor:  Zwockel [ 11.1.2010, 1:04 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

@ Frau Laroche

Der Leser des ausgehenden 19. Jahrhunderst hatte noch nicht so den Überblick wie heute, glaubte, mußte glauben was Karl May schrieb.

Möllhausen hatte Karl May schon um 1895 durchschaut, schwieg aber. Das ehrt Möllhausen.

Autor:  Jutta Laroche [ 11.1.2010, 1:10 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

@ Zwockel

Natürlich ehrt das Möllhausen und selbstverständlich haben Sie recht, dass die Informationsmöglichkeiten von heute mit denen früherer Zeiten nicht zu vergleichen sind.

Allerdings ändert das nichts. May hat sich glaubwürdig dargestellt.

Autor:  rodger [ 11.1.2010, 1:18 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Karl May (zu "besser[wisserisch]en" Autoren) hat geschrieben:
Soll ein Buch etwas erreichen, so muß es eine Seele haben, nämlich die Seele seines Verfassers. Ist es bei zugeknöpftem Rock geschrieben, so mag ich es nicht lesen.

(Old Surehand)

»Wir haben in Deutschland eine Redensart, welche lautet: Rede, wie dir der Schnabel gewachsen ist! Verstehst du das?«
»Ja. Man soll offen und natürlich sprechen.«
»Gerade so schreibe ich.«

(Im Lande des Mahdi)


:wink:

Autor:  Zwockel [ 11.1.2010, 1:21 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Jeder Schriftsteller, Frau Laroche, versucht als Autor beim Leser glaubwürdig rüberzukommen.

Auch Sie haben ja mit Erfolg versucht, in ihrem Buch "Arminius" die Zeit Germaniens 9 n. Chr. so zu schildern, dass der Leser sich in diese Zeit versetzt fühlt. Ob natürlich das alles so war, wer weiß das schon.

@Rüdiger

Stimmt. Eine Seele hatten seine Bücher schon. Da stimme ich ihnen zu.

Autor:  markus [ 11.1.2010, 1:31 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

rodger hat geschrieben:
Karl May (zu "besser[wisserisch]en" Autoren) hat geschrieben:
Soll ein Buch etwas erreichen, so muß es eine Seele haben, nämlich die Seele seines Verfassers. Ist es bei zugeknöpftem Rock geschrieben, so mag ich es nicht lesen.

(Old Surehand)

»Wir haben in Deutschland eine Redensart, welche lautet: Rede, wie dir der Schnabel gewachsen ist! Verstehst du das?«
»Ja. Man soll offen und natürlich sprechen.«
»Gerade so schreibe ich.«

(Im Lande des Mahdi)


:wink:

Oberes Zitat ging mir dieser Tage auch durch den Kopf, wußte nur nicht mehr aus welchem Buch es stammt. Aber es trifft genau der Schraube auf die Mutter (das untere ebenso).

:wink:

Autor:  Jutta Laroche [ 11.1.2010, 1:40 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

@Zwockel

Ja, das habe ich versucht - wie Karl May. Mehr kann man als Schriftsteller nicht tun - soweit es entweder vergangene Zeiten oder Länder betrifft, in denen man nie zuvor gewesen ist. Ich denke aber, das macht einen Schriftsteller aus, dass der Leser sich dahinein versetzen kann. Es gibt Schriftsteller, die - obwohl sie "vor Ort" gewesen sind - dennoch das Interesse ihrer Leser nicht zu entfachen verstehen. May konnte das, dafür gebührt ihm Respekt. Denn über etwas zu schreiben, das man kennt, ist m.E. leichter als umgekehrt. Es kommt aber noch etwas anderes dazu: So zu schreiben, dass es den Leser gefangen nimmt.

Autor:  rodger [ 11.1.2010, 1:46 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Zitat:
»Kann man nur dann sehen, wenn man die Lider öffnet? Schließ deine Augen, Hanneh, und versetze dich in das Lager des Haddedihn?«

»Ich thue es,« nickte sie, indem sie die Augen zumachte.

»Geh jetzt zu deinem Zelte!«

»Ich sehe es.«

»Deutlich?«

»Ja, ganz genau so, wie es ist. Der Vorhang ist zurückgeschlagen; der helle Teppich glänzt heraus; mein Hündchen sitzt darauf. Im Nebenzelte bäckt man Brot. Ich sehe den dünnen Rauch, und ich rieche --- ja, Sihdi, ich rieche, daß der Teig sich schon zu bräunen beginnt. Ich rieche es wirklich, gewiß, wahrhaftig! Ist das nicht sonderbar?«

»Nein, gar nicht sonderbar! Deine Seele war jetzt dort! Wer das nicht begreift, der nennt es Phantasie.«


(Im Reiche des silbernen Löwen III)

Autor:  markus [ 11.1.2010, 1:54 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Jutta Laroche hat geschrieben:
So zu schreiben, dass es den Leser gefangen nimmt.

May nimmt mich sozusagen jedesmal wenn ich was von ihm lese u.a. mit auf seine Reise.

Autor:  rodger [ 11.1.2010, 2:13 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

Schön gesagt. Und wie er das macht schildert er sehr schön in "Und Friede auf Erden" im fünften Kapitel:

Zitat:
Die Fenster sind geöffnet, und auch meine Balkontür steht offen, grad so gegen Süden wie damals die Fenstertür im Kratong zu Kota Radscha, als der malaiische Priester von uns Abschied nahm. Es ist ein ebenso heller, sonniger Morgen wie der damals auf Sumatra. Der Altan tragt ungezählte, blühende Pelargonien; auf den Tischen stehen herrlich duftende Reseden und Nelken, denn meine Frau, die immer engelsähnliche, weiß ganz genau, wie lieb mir Blumen sind. Von unten herauf steigen die köstlichen Grüße der Marschall Niel-, La france- und Kaiserin Augusta Viktoria-Rosen. Die Blätter der Oelweide flüstern leise. Im leicht geaserten Baumschlag des Ahorn flötet ein Kehlchen. Das Rankengefieder der chinesischen Glycinen steigt hoch am Hause und zu seiten meiner Fenster bis an das Dach empor, mit genau solchen Ferndurchblicken wie von meiner Wohnung aus auf der großen Sundainsel. Es ist mir, als ob ich mich heut in dieser Wohnung befände. Ich denke mich in sie zurück. Das Zimmer Raffleys nebenan steht offen. Ich trete hinein. Er sitzt mit dem Onkel und dem alten Heidenpriester am Tische. Der letztere ist gekommen, um uns Ade zu sagen - - -

Autor:  Zwockel [ 11.1.2010, 17:17 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"

....und in "Friede auf Erden" fällt auf, dass er in den Hotels in Kairo und Colombo stets am Tisch sitzt und lauscht, was am Nachbartisch gesprochen wird. Im Clifton-House in "Winnetou IV" macht er das übrigens auch.

Noch eins. Hätte ich mich in den Ardennen 1944 so an den Feind angeschlichen wie es May in seinen Büchern schildert, ich hätte den 2. Weltkrieg kaum überlebt.

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