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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 12:41 
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Das „sein“ in „sein Dschirbani“ kann im Kontext auch eine ironisierende Wieder-in-Erinnerung-Bringung des Wortsinnes „der Räudige“ * sein. Oder im Sinne von „sein geliebter“ gemeint sein. Oder oder oder. Es kann auch ein Versehen sein. Wir wissen es nicht und daher sollte es so stehen bleiben wie es da steht ...

_______________________________

* „Der Sahahr erklärte ihn für innerlich räudig und wahnsinnig, weil er anders denkt und handelt als die Ussul, und hält ihn in einem von Bärenhunden bewachten Stachelzwinger gefangen“ (Figurenlexikon); das klingt ja nach gewissen Ausgrenzungsbedürfnissen in Karl-May-Foren...

:lol:


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 14:01 
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rodger hat geschrieben:
Wir wissen es nicht und daher sollte es so stehen bleiben wie es da steht ...


Nice tray!

Die Leute der KMG ließen es nicht so stehen; wie ich es zeigte.

Mir ist eine weitere Unstimmigkeit aufgefallen, die diesmal aber einem Mitarbeiter des KMV anzulasten sein dürfte.

In dem KM-Atlas, S. 233, gibt es eine Karte von Ardistan und Dschiunnistan, in die die Reiseroute von KBN, HHOBHAAIHDAG und dem Gefolge eingezeichnet ist.

Von El Chatar geht es dann gleich nordöstlich Richtung Ard.

Im Text aber steht, dass man durch Gharbistan geritten sei.

Es war etwas über zwei Monate später. Dschunubistan hatte sich fügen müssen. Der Dschirbani stand mit seinem stark vermehrten Heere nun an der Grenze von Gharbistan, welches keinen besonderen Herrscher besaß, sondern ebenso wie auch Scharkistan dem 'Mir von Ardistan unmittelbar untergeben war. Wir beide aber, nämlich Halef und ich, befanden uns unsern Truppen weit voraus; warum, das wird der Leser bald erfahren. Wir hatten Gharbistan quer durchritten und uns dann bei dem 'Mir von Ardistan als Abgesandte des Dschirbani melden lassen.

A&D II, Kap. 4 Ard
Text bei der KMG.


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 15:14 
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Hallo FritzR,

Gharbistan und Scharkistan sind Übersetzungen von West-Land und Ost-Land.
(Ähnlich wie im Film "Terminal", arab. "Al-Hudud")

Schöne Grüße

Sven


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 15:48 
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sven.becker.kiel hat geschrieben:
Gharbistan und Scharkistan sind Übersetzungen von West-Land und Ost-Land.


Danke, Sven!

Nicht, dass mir das neu wäre.

Bild

Vergleiche auf der Karte die Reiseroute mit dem im Text Gesagten. Siehe oben.

Es ist ganz offensichtlich, dass der Zeichner der Karte ganz andere Vorstellungen von der Geografie A&Ds hatte als KM.

Und dass KM sich eventuell zu wenig um eine klare Vorstellung dieser Geografie gekümmert hat.

Aber das ist wohl schon wieder schulmeisterliche Besserwisserei.


Zuletzt geändert von FritzR am 26.11.2009, 15:57, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 15:55 
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Tja, dann haben wohl die Kartenzeichner
den Text nicht genau genug gelesen 8)


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 16:13 
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FritzR hat geschrieben:
Nice tray!


Hm ... ob hier tatsächlich wortspielerisch Nice tray gemeint ist oder aber der Lektor gefragt wäre ...

:mrgreen:

FritzR hat geschrieben:
Die Leute der KMG ließen es nicht so stehen; wie ich es zeigte.


Ja, eine - stellenweise, will sagen: an einzelnen Stellen - gewisse Fahrlässigkeit im Umgang mit Mays Texten auf den Seiten der KMG ist mir auch schon aufgefallen ...


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 16:14 
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FritzR hat geschrieben:
Und dass KM sich eventuell zu wenig um eine klare Vorstellung dieser Geografie gekümmert hat.


Wenn wir das "zu" weglassen, stimmt der Satz ...


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 16:42 
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Zitat:
Und dass KM sich eventuell zu wenig um eine klare Vorstellung dieser Geografie gekümmert hat.

Es war ihm offensichtlich nicht so wichtig. Er hat für mein Empfinden größtenteils die richtigen Prioritäten gesetzt. Andere lesen in einem Roman lieber Zahlen, Daten, Fakten. Gut, da gibt es sicher genug Schriftsteller die das bieten. Bei Karl May ist man da aber zum überwiegenden Teil falsch.

8)


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 20:26 
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Zitat:
Und dass KM sich eventuell zu wenig um eine klare Vorstellung dieser Geografie gekümmert hat.


Bei Phantasiegebilden wie Sitara vielleicht. Da gibt es ja auch schwankende Angaben. Märdistan z.B. fehlt in A&D grad so wie die Geisterschmiede von Kulub.

In seinen Reiseerzählungen aber hielt sich KM sehr getreu an die realen, geografischen Gegebenheiten. Da ich als Knabe die grünen Bände las, waren mir die Karten vorne und hinten höchst willkommen und wissenserweiternd. Diese halfen mir auch im Geografieunterricht.

Zitat:
Es war ihm offensichtlich nicht so wichtig. Er hat für mein Empfinden größtenteils die richtigen Prioritäten gesetzt.


Das halte ich für eine Fehleinschätzung. Man muss da - denke ich - durchaus genauer differenzieren. Man schaue doch bloß mal wieder in die "Geographischen Predigten"!

Zitat:
Andere lesen in einem Roman lieber Zahlen, Daten, Fakten. Gut, da gibt es sicher genug Schriftsteller die das bieten. Bei Karl May ist man da aber zum überwiegenden Teil falsch.


Auch dies halte ich für eine unstatthafte Simplifiezierung. Wieso hätt er er sich sonst so viele Mühen gegeben, reale und fiktive Lokalitäten ausführlich und präzise zu beschreiben?

Aber bitteschön: SUUM CUIQUE!


Zuletzt geändert von FritzR am 27.11.2009, 10:20, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 20:42 
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Nur mal ne Zwischenfrage, auch wenns nicht zum Thema gehört ( warum denk ich jetzt an das andere Forum ? :mrgreen: )

Was bedeutet eigentlich dieses "SUUM CUIQUE" ?


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 20:43 
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Zitat:
Aber bitteschön: SUUM CUIQUE!

Und mir das meiste! :D

Übrigens, der Erklärer, warum Karl May dieses und jenes so und so und nicht anders gemacht hat, wird gleich erscheinen und mit seinen Ausführungen beginnen. Ich habe da keine lust zu :wink: 8) .


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 20:45 
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markus hat geschrieben:
Zitat:
Aber bitteschön: SUUM CUIQUE!

Und mir das meiste! :D



Danke


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 20:47 
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Rene Grießbach hat geschrieben:
Nur mal ne Zwischenfrage, auch wenns nicht zum Thema gehört ( warum denk ich jetzt an das andere Forum ? :mrgreen: )

Was bedeutet eigentlich dieses "SUUM CUIQUE" ?

Laß dich umarmen Rene :D . Ich als Auch-Nichtlateiner mußte eben mühsam ergoogeln daß es soviel bedeutet wie "Jedem das seine".

Da soll mal einer sagen googeln macht dumm :mrgreen: .


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 20:58 
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markus hat geschrieben:
Da soll mal einer sagen googeln macht dumm :mrgreen: .


Nein, dumm soll keine/r sterben:

Jedem das Seine! Geschichte eines Schlagworts
von Hermann Klenner
Überliefert seit zweieinhalb Jahrtausenden, ist Jedem das Seine! zu einem der dienstältesten Schlagworte der Welt geworden. Zudem ist es infolge der Weltgeltung gleicherweise griechischer Philosophie wie römischen Rechts in seiner lateinischen Ursprungsversion Suum cuique! über viele Ländergrenzen hinweg verbreitet. Man verwendet es zuweilen schablonenhaft, also ohne sich dabei überhaupt etwas zu denken, und jedenfalls nichts Allgemeingültiges. Oder mit einem banalen Hintergedanken, etwa: »Jedem das Seine, und mir ein bißchen mehr!« Unmißverständlich ist der Sinn von Jedem das Seine! jedenfalls nicht. Doch ist ohnehin nicht die Eindeutigkeit, sondern die Deutungsvielfalt intelligenter Sätze das Normale. Schon deshalb, weil sich der geistige Gehalt eines Textes ohne dessen jeweiligen Kontext nicht erschließen läßt. Und dieser wandelt sich wie alles in der Welt; rascher jedenfalls als Worte, die versteinerten Gedanken. Worten wohnt kein Begriff inne. Es sind die Menschen, die etwas bezeichnen und begreifen – oder auch nicht!
Zum Schlagwort ist Jedem das Seine! dadurch geworden, daß der (übrigens in einem Dorf bei Skopje geborene) oströmische Kaiser Justinian das Suum cuique! seinen fünfzig Bücher umfassenden Pandekten von 533 u. Z. als Rechts- und Gerechtigkeitsprinzip zu Grunde legen ließ. So ist noch ein Jahrtausend danach bei Shakespeare zu lesen: Suum cuique is our Roman justice (Titus Andronicus I, 2). Und Justinians Gesetzgebungswerk erwies sich als die folgenreichste Kodifikation der Weltgeschichte: Ihre Regelungen wurden in ganz Europa rezipiert; sie galten in Deutschland zumindest partiell bis ans Ende des 19. Jahrhunderts und sind noch im heutigen Bürgerlichen Gesetzbuch nachweisbar; europäisches Recht wiederum infizierte mittels europäischer Macht das Recht im Rest der Welt.
Und damit wurde auch Jedem das Seine! zur Gerechtigkeitsformel schlechthin: »Das Recht ist die Kunst des Guten und Gerechten.…Gerechtigkeit ist der unwandelbare und dauerhafte Wille, jedem sein Recht zu gewähren. Die Regeln des Rechts sind die folgenden: ehrbar leben, andere nicht verletzen, jedem das Seine zubilligen« (Digesten 1, 1, 1 u. 1, 1, 10).
Wenn auch Justinians Corpus iuris civilis als Quelle des künftigen Schlagwortes Suum cuique! und dessen deutschsprachiger Version Jedem das Seine! gelten mag (womit dieses den Status eines über Jahrhunderte hin verbindlichen Rechtsprinzips innehatte!), so ist das Recht Roms doch nicht die Quelle des diesem Schlagwort zu Grunde liegenden Gedankens. Die Digesten selbst verwiesen auf den 223 u. Z. von einer Prätorianergarde ermordeten Ulpian, aus dessen Regelwerk die Suum-cuique-Passagen exzerpiert worden seien. Und von diesem höchst produktiven Juristen darf angenommen werden, daß er zumindest einige der Schriften des Cicero kannte, welcher wiederum in mindestens acht seiner Werke den Suum-cuique- Gedanken anerkennend erörterte. Vor Cicero hatten schon Seneca (Epistolae morales 81, 7) und, wie Aulus Gellius (Noctes Atticae XIII, 24) berichtet, der ältere Cato das Suum cuique! formelhaft verwendet.
Daß die Römer wie in so manchem anderen auch hierbei in der geistigen Schuld der Griechen standen, war zu vermuten; es ist nachweisbar: Bereits Aristoteles definierte die Gerechtigkeit als eine Tugend, durch die Jeder das Seine erhält (Rhetorik 1366 b), und Platon ließ aus dem Munde von Sokrates unter Berufung auf den Dichter Simonides von Keos (556-468 v. u. Z.) behaupten, das Gerechtsein bestehe darin, daß man einem jedem erstattet, was ihm gebührt (Politeia 332). – Man verzeihe die aufdringliche Akkuratesse bei der Spurensuche. Aber bei nicht allzu vielen Schlagworten dürfte neben seiner eigenen Quelle auch noch deren intellektuelle Vorgeschichte detailliert nachweisbar sein. –
Nun aber, endlich, in die Gegenwart. Und die hat es in sich! Denn Jedem das Seine! ist ins Gerede gekommen. Sehr sogar, und mit politischer Brisanz. Ein Schlagwort also, das Schlagzeilen macht. Auch das ist nicht das Gängige, zumal dieses Schlagwort uralt und der Skandal brandneu ist. Normalerweise droht Schlagworten eher das Schicksal, daß sie bis zur buchstäblichen Sinnlosigkeit abgegriffen werden. Oder sie rutschen ins Banale. So hätte die Gerechtigkeitsformel Jedem das Seine! zum Spaßgesellschaftsmotto Jedem Tierchen sein Pläsierchen! abflachen können.
Es kam jedoch ganz anders. Die Reklametexter einiger Großfirmen hatten sich nämlich auf das Sprüchlein mit seinem werbeträchtigen Allquantifikator »jeder« besonnen. Statt die mediale Fremdbestimmung des Käuferverhaltens mit: »Katzen würden Whiskas kaufen« oder mit: »Persil, da weiß man, was man hat« zu fruktifizieren, suggerierten unter anderem Microsoft, Burger King, Nokia, REWE und Telekom dem ehrenwerten Publikum mit Jedem das Seine!, daß sich eben ein »jeder«, der etwas auf sich hält, »sein« Handy, »sein« Grillzubehör, »sein« Laptop-Programm oder »seinen« Hackfleisch-Sandwich der entsprechenden Handelsmarke kaufen müsse.
Es waren nicht etwa die Altphilologen, die dagegen protestierten, daß des schnöden Mammons wegen mit antikem Gedankengut Schindluder getrieben und ein Sakrileg begangen werde, indem ein ehrwürdiges Gerechtigkeitsmaß zu einem profanen Werbeslogan herabgewürdigt worden sei. Vielmehr empfand es eine historisch-politisch sensibilisierte Öffentlichkeit als obszön, daß für Kapitalistenkommerz mit einem Text geworben werde, den die Nazibarbaren in das Eingangstor ihres Konzentrationslagers Buchenwald hatten einschmieden lassen, um ihre Opfer auch noch zu verhöhnen.
In das auf dem Ettersberg bei Weimar eingerichtete KZ Buchenwald mit seinem Einlieferungsmotto Jedem das Seine waren von 1937 bis 1945 an die 240 000 Menschen aus 32 Nationen verschleppt worden, von denen etwa 56 000 den Terror nicht überlebten, darunter der Kommunist Ernst Thälmann, der Sozialdemokrat Rudolf Breitscheid und der Pfarrer Paul Schneider. In den 136 Außenkommandos dieses KZ waren die Häftlinge zu Sklavenarbeit gezwungen worden, unter anderem bei den kapitalistischen Rüstungsbetrieben BMW, Bochumer Verein, Braunkohle-Benzin-AG, IG-Farben, Junkers, Krupp, Rheinmetall-Borsig und Wintershall.
Daß die Nazis Meister perversester Demagogie waren, gehörte bekanntermaßen zu ihren Wirkungsbedingungen. Daß zu den Geschäftsbedingungen von Werbetextern nicht grade Sensibilität für inhumane Assoziationen ihrer Slogans gehört, sondern bedenkenlose Interessenwahrnehmung für die Warenproduzenten und - verkäufer, ist eine Binsenwahrheit. Den Reklamemachern von heute entgeht doch nicht, daß die Schlüsselkategorie der bürgerlichen Gesellschaft, was auch immer der Verfassungstext besagt, nicht die Würde der Menschen ist, sondern deren Wert für die Mehrwertgewinner. Empörend ist es allerdings, daß sich bundesrepublikanische Firmen angesichts eskalierender neofaschistischer Untaten in Deutschland, einer immer wieder in Nationalismen entgleisenden Offizialpolitik und der jämmerlichen Querelen um die Entschädigungszahlungen an die NS- Zwangsarbeiter weigerten, die in ihrem Auftrag hergestellten (steuerabzugsfähigen!) Werbematerialien mit Jedem das Seine! umgehend aus dem Verkehr zu ziehen, wenn sie schon der Hinweise von außen bedurften, um ihrer frivol, wenn nicht gar sadistisch wirkenden zumindest Gedankenlosigkeit gewahr zu werden.
Hatten aber seinerzeit die Nazis mit ihrer jedenfalls provokativen Verwendung von Jedem das Seine! für ihr Ausbeutungs- und Mordregime dieses Schlagwort mißbraucht oder doch bloß gebraucht? So einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, ist diese Frage gar nicht zu beantworten. Die Meinungen, ob im Falle des KZ Buchenwald ein Gebrauch oder ein Mißbrauch des Schlagwortes vorliegt, gehen diametral auseinander. Während der deutsche Rechtsphilosoph Arthur Kaufmann die Benutzung von Jedem das Seine! durch die Nazis als Beweis für deren Frivolität wertete, mit der sie Recht und Gerechtigkeit verhöhnten, meinte der österreichische Philosoph Ernst Topitsch, daß gegen diese Inschrift »vom rein logischen Standpunkt nichts einzuwenden« sei.
In diesem Meinungskontrast widerspiegelt sich zugleich der noch fundamentalere Deutungsgegensatz über den eigentlichen Sinn des Schlagwortes selbst. Die einen würdigen nämlich Jedem das Seine! als Ausgangspunkt eines jeglichen Nachdenkens über das Wesen der Gerechtigkeit und zählen es zu deren grundlegenden Prinzipien (so Helmut Coing), während andere diese in der Gedankengeschichte der Menschheit jedenfalls am häufigsten verwendete Gerechtigkeitsformel für inhaltsleer halten: Da sie kein Kriterium dafür anbiete, was einem jeden als das Seine zusteht, sei sie tautologisch (so Hans Kelsen).
Auch wenn es hier nur paradigmatisch belegt werden kann: In seiner zweieinhalbtausendjährigen Verwendungsgeschichte ist mit dem gedanklichen Inhalt von Jedem das Seine! auch Verschiedenartiges, ja Gegensätzliches gemeint und damit gerechtfertigt worden. Selbst die begnadetsten Hermeneutiker dürften außerstande sein, eine Deckungsgleichheit zwischen den Auffassungen über Jedem das Seine! zutage zu fördern, wie sie etwa (in zeitlicher Reihenfolge) von Platon, Aristoteles, Cato, Seneca, Cicero, Ulpian, Paulus (Galater VI, 5), Augustinus (De civitate dei XIX, 21), Hobbes (Leviathan I, 15), Spinoza (Tractatus politicus II, 23), Kant (Einteilung der Rechtslehre A) oder Nietzsche (Menschliches, Allzumenschliches I, 92) vertreten wurden.
Um konkret zu werden: Als sich am 18. Januar 1701 der Kurfürst von Brandenburg eigenhändig zum Preußenkönig gekrönt hatte, stiftete anläßlich dieses Ereignisses der nunmehrige Friedrich I. als höchste preußische Dekoration den Schwarzen Adlerorden, ein achtspitziger silberner Stern mit schwarzem Adler in orangefarbenem Felde und darüber als Devise SUUM CUIQUE. Der jeweilige Preußenkönig war Großmeister, jeder seiner Söhne geborener Ritter dieses Ordens, der auch an auswärtige Fürsten, deren allervornehmste Würdenträger sowie an inländische Militärs und Beamte höchsten Ranges verliehen werden konnte. Beim Schwarzen Adlerorden handelte es sich also nicht wie bei anderen Orden um »Spielzeug für alte Knaben«, wie Kuno Fischer solcher Art von Dekor bezeichnete, den allerdings auch sein Meister Hegel ein Jahr vor seinem Tode nicht verschmähte, als man ihm in Berlin den – freilich nur – Roten Adlerorden 3. Klasse verlieh. War aber das Suum cuique auf dem Preußenorden (seit 1918 Hohenzollernorden) ein Gebrauch oder ein Mißbrauch von Ulpians Gerechtigkeitsformel? Hatte die mit dem Gesetzestext der Digesten geadelte Selbstbeweihräucherung gekrönter Adliger etwas mit zum Beispiel der Ansicht des Großdenkers Leibniz (De Jure et Justitia; Tria Praecepta) zu tun, der zwei Jahrzehnte zuvor das Suum cuique! zu den drei ewigen Gerechtigkeitsmaximen gezählt hatte, woran im September 2001 der in Berlin tagende VII. Internationale Leibniz-Kongreß aus gegebenem Anlaß in einer speziellen Resolution zu erinnern für erforderlich hielt?
Oder, um einen anderen Gesichtspunkt ins Argumentationsspiel zu bringen, verbietet des Thomas von Aquino Inanspruchnahme von Suum cuique! als Begründung für die Rechtmäßigkeit von Sklaverei und Leibeigenschaft (Summa theologica II-II, 57, 4) jedem, der diese beiden Ausbeutungs- und Herrschaftsformen hinter sich gelassen haben will, sich in welchem Zusammenhang auch immer auf das Schlagwort zu berufen? Und könnte man nicht die Nazi-Verwendung von Jedem das Seine! als angemessene Fortsetzung jener Legitimation des Herr/Knecht- Verhältnisses durch den Scholastiker betrachten? Aber was hält man dann davon, daß sich die 1956 gegründete Schule für Feldjäger der bundesdeutschen Bundeswehr das Suum cuique! zum Motto erkoren hat?
Ernst Bloch jedenfalls setzte dem patriarchalischen Suum cuique! als dem Maßstab einer Gerechtigkeit von Oben die Kardinaltugend einer Moral ohne Herr und Knecht, doch mit dem radikalen Anspruch: »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!« entgegen, womit auch Marx mit eben dieser von den Saint-Simonisten angeregten Formel zum Zuge käme, dessen Jedem das Seine! ein ganz anderes Kriterium dafür anböte, was einem jeden als das Seine zusteht.
Um noch einmal auf das Skandalon in der Verwendungsgeschichte von Jedem das Seine! zurückzukommen: Der Mißbrauch eines Schlagwortes hebt dessen künftige Brauchbarkeit nicht auf; eher umgekehrt, denn eine unbrauchbare Formel kann gar nicht mißbraucht werden. Freilich setzt der weitere Gebrauch eines inzwischen mißbrauchten Schlagwortes eine Sensibilität voraus, die man zumindest von denjenigen wird erwarten dürfen, deren Beruf im Umgang mit Worten und deren Bedeutung besteht.
Die Historiker Kurt Pätzold und Manfred Weißbecker hatten die Idee, die Sinngeschichte von Schlagwörtern zu erforschen. Aus der Idee entstand ein zweibändiges Werk, das zur Leipziger Buchmesse vorgestellt werden wird: »Schlagwörter und Schlachtrufe. Aus zwei Jahrhunderten deutscher Geschichte« (Militzke Verlag Leipzig). Der Rechtsphilosoph Hermann Klenner ging dafür dem Schlagwort Jedem das Seine! auf den Grund.


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 Betreff des Beitrags: Re: A & D Abd el Fadl
BeitragVerfasst: 26.11.2009, 21:00 
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Ach ja, das gute alte google, hätt ich auch drauf kommen können ;-) (danke auch an Fritz)


Übrigens, wegen Märdistan, das der Karl in A&D vergessen hat (und womit ich die Rückkehr zum Thema geschafft hätte):
Im Märchen von Sitara (In "Mein Leben und Streben") heißt es
"... zwischen Ardistan und Dschinnistan liegt Märdistan, jener steil aufwärtssteigende Urwaldstreifen ..." (OLMS-Reprint, Seite 4)

Aber für so vergesslich halte ich May in dem Falle nicht, er wird es für den Roman einfach nicht gebraucht haben und hat daher auf nähere Beschreibung verzichtet. An irgendeiner andern Stelle, ich weiß mal wieder nicht, wo, hat er ja auch geschrieben, dass er einen Ritt genau dorthin in einem weiteren (nicht mehr erschienenen Band) beschreiben will


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