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 Betreff des Beitrags: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 19:07 
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Zitat:
Die Bewohner der Gesellschaftsinseln hingen ursprünglich einer polytheistischen Religion an, bei deren Ausübung selbst Menschenopfer nichts Ungewöhnliches waren. Ihre Priester, welche zugleich Aerzte und Wahrsager waren, übten einen ungemeinen Einfluß auf sie aus, dem allerdings schon zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts die von den Engländern hier gegründeten Missionen entgegenarbeiteten. Später sandte auch Frankreich seine Bekehrer herüber, um die "armen Heiden", welche ein vollständig zufriedenes und glückliches Leben führten, der ewigen Verdammniß zu entreißen und für den Himmel zu gewinnen, so daß gegenwärtig die einstigen Heiden in Christen umgewandelt sind, ob zu ihrem Vortheile und Segen, daß ist freilich eine Frage, die der Bekenner des Christenthums am liebsten unbeantwortet läßt.

Die Gesittung hat ihren Barbarismus, das Licht seinen Schatten, die Liebe ihren Egoismus, und von dem Orte der ewigen Seligkeit aus kann man, wie das Gleichniß von dem armen Manne und Lazarus lehrt, hinunter in die Hölle blicken. Christi Liebe, Milde und Erbarmung predigende Religion ist, vom unduldsamen Zelotismus auf die Spitzen der Schwerter gehoben und von einer schlau berechnenden Eroberungslust in's Panier genommen, über den größten Theil des Erdkreises gegangen; ganze Raçen und Völker sind verschwunden oder liegen noch jetzt in den letzten, wilden Todeszuckungen; die Geschichte der Zukunft hat durch solche Vernichtung wichtige, kulturhistorische Kräfte und Momente verloren, und der treue Seelenhirt, welcher "mit Aufopferung seiner selbst nach dem verlorenen Schäflein jagt", welches doch niemals zu seiner Heerde gehörte, kehrt den zahlreichen und bösen Krankheiten den Rücken, die im heimischen Stalle ihre Opfer suchen.

Als die Gesellschaftsinseln entdeckt wurden, fand man in ihren Bewohnern ein kindlich-naives, wunschloses und in paradiesischer Unschuld lebendes Völkchen, dem eine reiche Natur alle zu einem zufriedenen, sorgenfreien Leben nothwendigen Bedürfnisse in verschwenderische Weise verliehen hatte. Die Fremdlinge wurden mit freudiger Gastlichkeit aufgenommen, fast als Götter verehrt und erhielten Alles, was ihr Herz begehrte. Sie brachten die Kunde davon in die Heimath, wo der Wunsch nach gleichen Genüssen und das Verlangen rege wurde, die Glückseligkeit der Insulaner durch die Predigt des göttlichen Wortes und das Stellen in politische Abhängigkeit zu erhöhen. Es wurden Schiffe ausgerüstet, welche Waffen, Bibeln, Geistliche und — allerlei moralisches Gesindel nach den Eilanden brachten. Die Bekehrung begann; die Waffen und mitgebrachten Krankheiten begannen ihre Wirkung; die Menschenopfer wurden verpöhnt, aber Herrn Bachus und Frau Venus eine Hekatombe nach der andern gebracht, so daß aus den "armen Heiden" sehr bald gelehrige Schäflein wurden, unter denen nur selten ein widerhaariger Bock auftauchte, der zur "Linken" geschieden werden mußte, wenn er nicht von selbst dahin ging, wo Heulen und Zähneklappen ist. Das gute, theilnehmende Menschenkind ist nie so hassenswerth, als wenn es aufdringlich wird, um seinen Bruder glücklich zu machen. Dieses freundliche Bestreben hat unzählige Ströme warmen Blutes vergossen und Millionen — wer vermag sie zu zählen — Charakter, Heimath, Leben und Eigenthum gekostet. — —


(vor 132 Jahren erschienen und stellenweise über die Thematik Christentum hinaus auch auf allerhand anderes übertragbar)


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 19:12 
Das hat Karl May richtig erkannt, wobei ich ergänzend erwähnen will, dass die Franzosen noch relativ humane Kolonialherren waren, eine Tatsache die noch heute auf den Gesellschaftsinseln erkennbar ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 19:20 
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Ob es Karl May vielleicht gar eigentlich weder ("nicht wirklich" ...) speziell um die Franzosen noch um die Gesellschaftsinseln ging, sondern um übertragbare Muster ? Formulierungen wie die von der "schlau berechnenden Eroberungslust" , "ganze Raçen und Völker", "zahlreichen und bösen Krankheiten den Rücken, die im heimischen Stalle ihre Opfer suchen", "die Glückseligkeit der Insulaner durch [...] das Stellen in politische Abhängigkeit zu erhöhen" oder "Dieses freundliche Bestreben hat unzählige Ströme warmen Blutes vergossen und Millionen — wer vermag sie zu zählen — Charakter, Heimath, Leben und Eigenthum gekostet" lassen das möglich erscheinen.

:roll:


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 20:10 
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Darf ich fragen, wie sicher es ist, dass der Mayster das selbst verfasste??

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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 20:15 
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Sicher ist gar nichts. (Es sei denn es hat vielleicht jemand das Manuskript ...) Er hat ja manchmal plagiiert sozusagen auf Teufel komm raus. Gerade in Sachen Ehri (Gerstäcker!), wie mir gerade einfällt. Vergleichsleser[in(nen)] vor, steht da auch entsprechendes bei Gerstäcker ?


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 20:18 
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rodger hat geschrieben:
Sicher ist gar nichts. (Es sei denn es hat vielleicht jemand das Manuskript ...) Er hat ja manchmal plagiiert sozusagen auf Teufel komm raus. Gerade in Sachen Ehri (Gerstäcker!), wie mir gerade einfällt. Vergleichsleser[in(nen)] vor, steht da auch entsprechendes bei Gerstäcker ?



Hmm, ich weiß nicht, irgendwie kommt mir das .... nun... ich sag mal anders vor, als was ich so von ihm kenne...

Allerdings bin ich kein Original Leser... da nur im Besitz der grünen Bände, deshalb wohl nicht geeignet, das zu beurteilen.

Was meinst Du?

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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 20:29 
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Doro hat geschrieben:

Hmm, ich weiß nicht, irgendwie kommt mir das .... nun... ich sag mal anders vor, als was ich so von ihm kenne...

Tja ... er zeigte sich von ganz verschiedenen Seiten ...

Das ist aus der Frühfassung einer Geschichte, die er mehrmals verändert und unter verschiedenen Titeln erscheinen lassen hat. Einmal für den "Hausschatz", das wurde neulich schon erwähnt. Da hat er aus dem bösen Christen einen bösen Heiden gemacht und vor einer Passage aus dem zitierten Text "Man sagt" eingefügt und danach "Das ist ein gewaltiger Vorwurf" ...

Doro hat geschrieben:

Allerdings bin ich kein Original Leser... da nur im Besitz der grünen Bände, deshalb wohl nicht geeignet, das zu beurteilen.

Da ist zwar (in anderen Fällen) 'etwas dran', aber diese Textpassage ist in Band 71 nachzulesen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 20:34 
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rodger hat geschrieben:
Da ist zwar (in anderen Fällen) 'etwas dran', aber diese Textpassage ist in Band 71 nachzulesen.



Ich weiß, es ist im Band am 'Am Stillen Ozean' ich glaube gleich zu Anfangs...
Es ist schon sehr lange her, dass ich das las, ich erinnere mich nicht mehr wirklich.

Und ja, Du hast recht, er zeigte sich von verschiedenen Seiten.
Bei dieser Geschichte jedoch, hmm, irgendwie klingt da was andres für mich durch. Ich will da nicht schlau sein, aber die Wortwahl, verglichen mit so 'Lovestories' von ihm, die ich kenne...
Es klingt irgendwie, ich weiß nicht, mir fehlt das richtige Wort....

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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 20:45 
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Doro hat geschrieben:

Ich weiß, es ist im Band am 'Am Stillen Ozean' ich glaube gleich zu Anfangs...

Nein, Band 71 ist "Old Firehand" und da stehen zahlreiche Frühfassungen verschiedener Geschichten drin, u.a. eben "Die Rache des Ehri". Aus "Die Rache des Ehri" wurde dann (seinerzeit; für den "Hausschatz") "Der Ehri" und der wiederum ging in Band 11 ein. Außerdem gibt es noch eine weitere Fassung bzw. ähnliche Geschichte, "Tui Fanua", die steht in Band 84 "Der Bowie-Pater".

Doro hat geschrieben:

aber die Wortwahl, verglichen mit so 'Lovestories' von ihm, die ich kenne...
Es klingt irgendwie, ich weiß nicht, mir fehlt das richtige Wort....

Gallig. (?)

Er konnte sehr menschlich sein, warmherzig, liebevoll. Aber auch zynisch, kalt, gallig. Warum auch nicht. Das ist manchmal durchaus angemessen ...


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 20:58 
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rodger hat geschrieben:
Nein, Band 71 ist "Old Firehand"...


Uuuuppppsss, ja sorry :oops:


Zitat:
Gallig. (?)
Er konnte sehr menschlich sein, warmherzig, liebevoll. Aber auch zynisch, kalt, gallig. Warum auch nicht. Das ist manchmal durchaus angemessen

Nein, eben nicht....
Bei der Geschichte ist er eben grade seeehr warmherzig... aber auf eine andere Art, als die, die mir irgendwie von ihm vertraut ist...
Ich geh mal recherchieren... 8)

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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 21:04 
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Doro hat geschrieben:

Nein, eben nicht....
Bei der Geschichte ist er eben grade seeehr warmherzig... aber auf eine andere Art, als die, die mir irgendwie von ihm vertraut ist...

Nächster Versuch ... (wie schriebst Du vorhin, "Ich will da nicht schlau sein", ich schon ... :lol: ) horizonterweitert vogelperspektivisch warmherzig statt alltags-warmherzig ?


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 21:17 
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rodger hat geschrieben:
Nächster Versuch ... (wie schriebst Du vorhin, "Ich will da nicht schlau sein", ich schon ... :lol: ) horizonterweitert vogelperspektivisch warmherzig statt alltags-warmherzig ?


Naaaa gut letzter Versuch für heute...
Irgendwie frau-perspektivisch, ein bisl weiblich angehaucht ???? !!! :roll:

Du wolltest eine Definition, mir fällt grad keine bessere ein... :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 9.1.2010, 21:29 
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Das hat der Dr. Ludwig Klages (einer meiner absoluten Lieblingstexte ...) schon geschrieben, "der neben männlichen Zügen einen stark weiblichen Einschlag aufweist." In einer Handschriftenanalyse Karl Mays, nachzulesen in einer früheren Ausgabe von Band 34. 8)


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 10.1.2010, 11:44 
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Guten Morgen, Mahlzeit, Servus...

*erstmal Fehler richtig stell*

Am Stillen Ozean -> grüne Ausgabe Band 11
Geschichte => 2. Kapitel....

Boah, echt? Da behauptet tatsächlich noch jemand, er hätte eine betont weibliche Seite und das sogar per Schriftbild? *staun*
Und ich dachte schon ich lehn mich extrem weit aus dem Fenster :mrgreen:

Na gut, ich hab die Geschichte noch Mal gelesen und es bestärkt den Eindruck...

UND, ich habe, wie angekündigt etwas recherchiert...
Dabei fiel mir dies in die Augen:

http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg ... i/ehri.htm

Ist da was dran, hat das May tatsächlich mit Emma als Pseudonym geschrieben? :shock:
Das läßt ja Raum fü die waghalsigsten Vermutungen... :roll:

Grüßle

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 Betreff des Beitrags: Re: Gedanken zu diesem & jenem in "Die Rache des Ehri"
BeitragVerfasst: 10.1.2010, 11:51 
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Doro hat geschrieben:
Ist da was dran, hat das May tatsächlich mit Emma als Pseudonym geschrieben?

Das hat er ab und zu schon mal gemacht, auch bei anderen kleinen Geschichten. Aber vermutlich (statt weitergehender Spekulationen ...) eher aus einer Art Gefälligkeit, damit ihr Name auch mal in der Zeitung steht ...


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