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 Betreff des Beitrags: Verführung der Jugend
BeitragVerfasst: 24.1.2005, 17:08 
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Gibt es irgendwelche Angaben oder Vermutungen warum die Kolportageromane Mays jugendgefährdend sein sollten? Irgendwelche Ideen an welchen Szenen oder Geschichten man sich gestossen hat?

Es wurde anderweitig bereits die Szene wo sich Alfonso Karja aufdrängt erwähnt, aber wie ist es mit den anderen Kolportageromanen? Was macht sie so viel anders, so viel liederlicher als zum Beispiel die Reiseerzählungen?


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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 17:19 
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Es gibt in allen 5 (originalen) Kolpartageromanen die besagten "wogenden Busen" und "durchsichtigen Negliges" und ähnliches, und dann auch noch die eine oder andere Bordellszene. Dieses wurde teilweise bereits in der "Fischer"-Ausgabe "gestrichen". May hat später behauptet, dass diese Szenen von Münchmeyer oder dessen Handlangern "hieneininterpoliert" wurden.
Ausserdem gab's da mal eine Statistik wiviele und welche Art von Tötungen z.B. im Waldröschen vorkommen, und es waren (wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lasst) einige zigtausend.

Gruß, Helmut


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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 17:40 
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Im „Waldröschen“ geht’s allerdings des öfteren regelrecht fies zur Sache, werden Ohren abgeschnitten, Augen ausgestochen und was weiß ich was. Und einer läuft, glaube ich mich zu erinnern, längere Zeit mit einer abgeschnittenen Hand in der Tasche herum. Ich könnte auf solche Grusel-Einlagen gut und gerne verzichten.

:(


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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 17:57 
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Thehe, das klingt ja recht amüsant. Es ist schon eine ganz Weile her dass ich das Waldröschen gelesen habe, aber anscheinend habe ich das alles nicht mitgeschnitten. In meiner Erinnerung ist es mehr kitschig als brutal.

Muss es vielleicht doch wieder lesen.

Allgemein hat man aber doch den Eindruck dass sich die meißten Vorwürfe gegen das Waldröschen wenden. Oder gibt es vergleichbares auch für den Ulanen oder die Deutschen Herzen?

Zitat:
Ausserdem gab's da mal eine Statistik wiviele und welche Art von Tötungen z.B. im Waldröschen vorkommen, und es waren (wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lasst) einige zigtausend.


Wäre sehr nett wenn jemand die noch mal auftreiben könnte :lol:


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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 18:09 
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Dann setz' ich doch gern noch einmal das folgende Zitat hierher (auch wenn "Herr W H aus B" :lol: sowas nicht mehr hören mag und vielleicht einmal mehr Missionarseifer unterstellt) :wink:

"Im übrigen bleibt noch einmal festzuhalten: am »Waldröschen« in der Form, wie es die Olms–Edition oder die neue Leipziger Ausgabe anbietet, kommt niemand vorbei, der mit dem Schriftsteller Karl May umfassend Bekanntschaft schließen will; wer das »Waldröschen« aus der Bearbeitung der Radebeuler und Bamberger Ausgabe zu kennen meint, befindet sich etwa in der Rolle desjenigen, der seine Schwimmkünste in der Badewanne ausprobiert und sich alsdann für einen potentiellen Bezwinger des Ärmelkanals hält."
(Helmut Schmiedt im Literaturbericht des Jahrbuch der Karl May Gesellschaft 1991)

Es ist halt so, Missionieren hin oder her.

In "Ulan" und "Deutsche Herzen" geht es nicht so brutal zur Sache, und es wird auch nicht so oft getrieben :lol: In letzterer Hinsicht stehen "Waldröschen" und "Juweleninsel" an der Spitze.


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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 18:20 
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Nun, bei der Juweleninsel hat sich die Atmosphere von Brutalität und Lästerlichkeit anscheinend eher, auch trotz Bearbeitung, erhalten. Wenn ich mich jedenfalls so an meine persönlichen Eindrücke erinneren.

(Obgleich das natürlich immer noch zahm ist im Vergleich was man heutzutage gewohnt ist. Aber man kriegt wenigstens den Eindruck dass zumindest der Autor und die Charaktäre alles für höchst verworfen halten.)


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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 18:38 
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Sowas

"Hoheit, der Weg zur Vollendung ist nicht glatt und eben, sondern mit rauhen schmerzhaften Dornen bewachsen, und das göttliche Wort sagt bereits, daß die Pforte eng und klein sei, durch welche man zum Heile gelangt. Auch die nach Erlösung, nach Seligkeit dürstende Seele strauchelt, aber das Auge der Gnade wacht über ihr und richtet sie auf. Der Geist trachtet nach himmlischen Gütern, aber der Körper ist zuweilen schwach. Die Wünsche und Lüste des Fleisches sind nur schwer zu tödten, und wenn man sie gestorben meint, so erheben sie sich doch oft plötzlich wie ein gewappneter Mann, dem kaum zu widerstehen ist. Dann fliehen die frommen Schwestern dorthin, wo sie Rettung finden, in die Arme der Buße, und ich gewähre ihnen dieses Mittel, um sie zu stärken gegen die späteren Anstrengungen, die sie auf ihrem rauhen einsamen Pfade zu überwinden haben. Die sündhaften Gedanken des Fleisches werden besiegt durch die Kraft der heiligen Pönitenz."
"Und worin besteht nun diese, Hochwürden? Ich bin wirklich wißbegierig."
"In der Kasteiung und Tödtung des aufrührerischen Fleisches, in der Gewöhnung an eine höhere Kaltblütigkeit und Gleichgiltigkeit gegenüber der Sünde, welche den Körper empört und den Geist mit verderblichen Wünschen erfüllt. Die heilige Pönitenz findet statt in besonders dazu eingerichteten Zellen des Schwesterhauses. Diese liegen verborgen hinter den Kellerräumen und sind mit dem Bruderhause durch einen unterirdischen Gang verbunden."
"Ah! Die Kasteiung und Abtödtung des Fleisches wird also wohl von den frommen Vätern und Brüdern unternommen?"
"Ja, denn keine der Schwestern ist zu einer solchen priesterlichen Handlung befugt. Die Büßerinnen werden in einzelne Zellen eingeschlossen, welche verriegelt werden, nachdem je ein Bruder bei ihnen Zutritt genommen hat. Er ertheilt ihr die Ruthenschläge auf den entblößten Rücken und bewirkt unter frommen liebevollen Worten das Verschwinden der sündhaften Wünsche und Regungen. Erst dann, wenn sie denselben abgestorben ist, ertheilt er ihr seine Absolution und gibt das Zeichen, daß er die Zelle verlassen will."
"Interessant, höchst interessant, diese fromme priesterliche Bemühung um das Heil einer strauchelnden Seele!"
"Ja; diese Bemühung aber dient auch zur Uebung für den Bruder selbst. Auch er ist ein schwacher Mensch, den nur die Gnade stärken kann; auch er hat Augenblicke, in denen sein Geist mit dem Körper ringen muß, und dann bittet er die Schwester, ihm die Kasteiung zu ertheilen."

findest Du aber in der Bearbeitung nicht. Und auch noch ein paar andere zweideutige Scherze wären erwähnenswert.

>>> den Eindruck dass zumindest der Autor und die Charaktäre alles für höchst verworfen halten

Und das ist eben nur in der Bearbeitung so. In den Kolportageromanen wird schon gelegentlich einigermaßen deutlich, daß Karl May in der Hinsicht, sagen wir, empfänglich war.

:wink:


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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 19:20 
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Lola hat geschrieben:
Wäre sehr nett wenn jemand die noch mal auftreiben könnte :lol:


"In Karl Mays Roman 'Waldröschen oder Die Verfolgung rund um die Erde`, Enthüllungsroman über die Geheimnisse der menschlichen Gesellschaft - erschienen in 109 Lieferungen, 2612 Seiten (Verlag von H. G. Münchmeyer, Dresden-Niedersedlitz) - werden 2293 Menschen getötet.
Davon werden erschossen rund 1600, skalpiert 240, vergiftet durch Gift oder Gase 219, erstochen 130, mit der Faust niedergeschmettert 61, ins Wasser geworfen 16, dem Hungertod preisgegeben 8, hingerichtet 4, den Krokodilen lebend zum Fraß vorgeworfen 3, an einem Baum über dem Krokodilteich aufgehängt (zwei Männer und eine Frau) 3, durch Gift wahnsinnig gemacht 3, durch Aufschneiden des Bauches getötet 2, den Ratten zum Fraß vorgeworfen 1, geblendet und auf ein Floß gebracht 1, lebend in die Erde gegraben 1, erdrosselt 1.
Ferner werden Menschen als Sklaven nach Afrika verkauft 2, durch Faustschläge betäubt 23, durch Würgen betäubt 12, durch Kolbenhiebe betäubt 12, durch Fußtritte verletzt 30, geknebelt 10, mit dem Dolche gestochen 6, Menschen Hände abgeschlagen 2, eine Frau genotzüchtigt 1, Frauen verführt 4, einem Menschen 50 Stockhiebe erteilt 1, Männer gefoltert 3, geblendet 3, bis zum Wahnsinn gekitzelt 2, am Kronleuchter erhängt 1, als Kranker im Schnee zum Sterben ausgesetzt 1, einem Manne ein Loch in den Kopf gebohrt 1, einem Manne bei lebendigem Leibe Nasen und Ohren abgeschnitten und die Kopfhaut abgezogen 1.
Weiter kommen vor: Ohrfeigen 26, Raub und Diebstahl 11, Leichenschändung und Leichenraub 8, Selbstmorde 6, Menschenraub 2, Meineid 1, eine genau beschriebene Steinoperation 1, Heilung eines Rippenbruches durch Fußtritte 1."

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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 19:47 
Klingt nach einem ganz normalen Tag im heutigen Irak. Aber mal ehrlich: In unserer sensations- und gewaltgeilen Zeit wäre das eigentlich ein Top-Werbetext für eine Neuausgabe des "Waldröschen". Sollte der KMV in seine neue Werbekampagne aufnehmen.

Wo steht diese famose Zusammenstellung eigentlich? Gelesen habe ich sie zwar vor Urzeiten auch mal, kann mich aber an die Quelle nicht mehr erinnern.

Grüße

Rolf


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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 20:22 
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´Tschuldigung, ja die Quellenangabe.

Ich habe sie aus dem Buch `Karl Mays Werke` von K.Hoffmann.
Original: Paul Schumann im Dresdener Anzeiger vom 07. März 1911.

Im Olms Reprint des WR auf S. 2650 (Bd. 6) wurden die Zahlen auch nochmals aufgeführt, in einem Zeitungsartikel von 1927.

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BeitragVerfasst: 24.1.2005, 23:38 
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Und noch ein Zitat:
"Wohl aber vermesse ich mich, die ganzen unsittlichen Bände in kurzer Zeit von allen Schlacken zu säubern, indem ich einfach die schamverletzenen Busen absäble und an Stelle der ahnungsvollen Gewänder so hochanständige Kattunkleider setze, daß auch derjenige, der darauf geeicht ist, nichts mehr ahnen kann."
Dr. E.A. Schmid
z.B. nachzulesen in "Ich".


Helmut


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