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 Betreff des Beitrags: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 13.5.2010, 20:53 
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Bei der [KMG-]googelnden Suche nach einer Textstelle ("Dukatenaugen") geriet ich an diese Vergleichslesung, die ich noch nicht kannte:

http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/primlit/erzaehl/dorf/dukatenhof/dukatenhof2.htm

(Die Stelle mit den Augen ist übrigens noch beeindruckender, als ich sie in Erinnerung hatte,

Zitat:
ich mag von Dir nichts wissen. [...] Du aber, wenn Du auch weinst, ich seh' es doch, Du hast Dukatenaugen!


Ein Karl May bzw. ein Köpfle-Franz läßt sich nicht täuschen ... für so etwas hat er halt einen Blick ...)

Die 'Erzgebirgischen Dorfgeschichten' sind ja ein gemeinhin unterschätztes bis kaum wahrgenommenes nicht unwesentliches Mosaik-Teil in Mays Werk.

An der interessanten Vergleichslesung fällt u.a. das Fehlen des Namens "Emma" in zwei Varianten auf ... (Nachtrag: aber nur auf den ersten Blick ... der zweite belehrt einen, daß sie in allen drei Varianten so heißt, der Name nur nicht immer genannt ist)

Schön, solche Arbeiten wie diese von Karlheinz Everts. (Angesichts / eingedenk der Firlefanzlastig- & Belanglosigkeit einiger zeitgenössischer May-'Rezeption' ist man ja fast versucht zu schreiben, schön daß es so etwas halt auch noch gibt ...)


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 18.5.2010, 12:31 
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Man mag sich in Sachen der Mayschen Dorfgeschichten mit m.E. ziemlich belanglosen Fragen beschäftigen, ob es sich nun um Dorf- oder Kriminalgeschichten handelt, um Gattungsmischung oder sonst noch etwas, mit Fragen der Form, der Sprache, dem Zeitbezug usw., man kann solches an der eigentlichen Sache vorbeigehendes auch vernachlässigen und sich mit dem Wesentlichen beschäftigen.

Um konfessionell strenggläubig geprägte „Auge um Auge“ – Thematik, alttestamentarisch 'strafenden Gott' (m.E. geht es übrigens auch im Alten Testament nicht um einen 'strafenden Gott', nicht einmal dort, man versteht es auch dort falsch ...) usw. handelt es sich in dieser Geschichte m.E. ebenfalls nicht, allenfalls sehr vordergründig betrachtet. Es geht um andere Dinge.

Einige Textstellen und Anmerkungen mögen das deutlicher machen,

„Seine Liebe hatte im Laufe der Jahre eine vollständig ideale Richtung genommen“,

die Frau um die es geht ist nämlich tot, und der Rivale und Todfeind hat dem Protagonisten der Erzählung gerade mitgeteilt, daß er sie und ihn seinerzeit nach allen Regeln der Kunst ausgetrickst, sie ihm weggenommen hat, unter Anwendung perfidester Mittel, sie hat ihn, den Rivalen, nur unter Druck und Zwang genommen, um den anderen zu retten,

„er dachte nicht an die bodenlose Schlechtigkeit, welche in dem Verhalten Heinrichs gelegen, dachte nicht daran, daß gerade dieser Beweis von Liebe ihn um ihren Besitz gebracht hatte, sondern er fühlte nur die furchtbare Last von sich genommen, welche der Gedanke, daß ihr Herz dem Dukatengrafen gehöre, auf ihn geworfen hatte. Unter ihrem Drucke hatte er mehr gelitten als unter der äußeren Verstümmelung“ ...

Die Beine sind ihm nämlich seinerzeit zerquetscht worden durch seinen Nebenbuhler, doch das zählt eben alles nicht wirklich ...

Liebe über den Tod hinaus, ideelle Liebe eben, nicht weltliche. (Laß die Haifische das Fleisch fressen, mag man Hemingways altem Mann sagen, das Skelett, das seinerseits auch nur ein Symbol ist, bleibt Dir erhalten ... kein Grund zum Weinen, zum Leiden ...)

„Er hockte sich vor dem Tische nieder, faltete wie andächtig die Hände und richtete sein Auge mit warmem, innigem Blicke auf das Gemälde. So saß er lange, lange Zeit, still und in seliges Anschauen versunken. Seine Züge waren jetzt frei von jenem störenden Ausdrucke und sprachen von nichts als von dem Dasein einer tiefen, heiligen Liebe zu dem Wesen, dem er eine Inbrunst widmete, welche man fast mit dem Worte Anbetung bezeichnen konnte“ ...

und: Vergeben können, Größe, Reife, Wachstum, Erkenntnis, das sind Themen, um die es geht ...

Und um Größe besonderer Art geht es ... auch Moral besonderer Art ...:

„hatte er über Heinrichs Anwesenheit im Walde geschwiegen und gab sich noch jetzt der Hoffnung hin, daß trotz des Vorgefallenen, ja gerade wegen desselben, sobald der Dukatenprinz sich dankbar erweisen wollte, die alte Freundschaft sich von Neuem befestigen werde." Anders und deutlicher gesagt, er ist bereit, einen Mörder zu decken, obwohl er selber dessen Opfer hätte werden sollen ...

Abgründige, existentielle Erfahrung:

„Es war ihm, als habe ein Keulenschlag seinen Kopf getroffen“ ...

„Marie, Du weißt's net, wie mir ist, hier und hier" [– er deutete nach der Stirn und dem Herzen –] "meine Seele ist weg und meine Gedank'n sind alle; es ist grad', als ob ein Mühlrad mir durch's Leb'n gegangen wär'."

„Ich brauch' kein' Pfarrer, brauch' keinen Mensch'n, brauch' von Niemand nix. Ich geh' nach Haus'. Bei der Leich', da ist mein Platz; zur Leich', da gehör' ich hin, denn ich bin auch todt!"

Ein Erzgebirgs-Hiob, der ALLES verliert ...

Als sich später einer, der einen fatalen Irrtum eingesehen hat (Franzens Mutter hielt ihn für schuldig und ist darüber gestorben, der andere hat ihn dafür verantwortlich gemacht), bei ihm entschuldigt, heißt es

„Das brauchst Du mir net zu sagen, das hab' ich schon ganz von selber gewußt. Der Franz hat damals ohne Dich fertig werden müssen, er braucht Dich heut' auch net.“ Sehr schön. Stärke, Konsequenz, wahre Unabhängigkeit. Von nichts und niemandem abhängig sein ...

Um das Resonanzgesetz (vgl. Rüdiger Dahlke) geht es, wenn auch dem „Bösen“ der Geschichte die Beine zerquetscht werden, vom selben Baum, den er einst auf seinen Konkurrenten rollen ließ ... die Dinge holen einen wieder ein, es gleicht sich alles aus, in welcher Form auch immer, so „laut und deutlich“ (so plakativ offensichtlich) wie in dieser Geschichte muß es im Leben gar nicht sein ... (das soll nicht etwa heißen die Geschichte sei insofern "schlecht", in ihr wird mit diesem wiederholten Beinezerquetschen halt ein grelles Bild gewählt für einen Sachverhalt, um ihn zu verdeutlichen ... erst holt es den einen von den Beinen, dann den anderen, wobei es unterschiedliche Lektionen sind, die sie zu lernen haben ...)

Es keimt nach der großen Aussprache doch noch einmal der Haß auf, „Geh fort, Graf, geh, ich kann's net länger hören! Ich hab' vorhin gesagt, daß Du in meiner Stub' alleweil nix zu fürchten hast, d'rum geh, mach schnell zur Thüre hinaus, daß ich mein Wort net brechen thu'!“, aber der andere will die konsequente, radikale Konfrontation mit der Wahrheit, „Nein, Franz, laß mich nur da, denn Du mußt Alles wissen!“ Sehr bemerkenswert. Konfliktfähigkeit, in Extremform ... auf der Basis schonungsloser Offenheit und Konfrontation ist Verständigung möglich ...

Schuld und Sühne ... Vergebung ... (das sind halt keine Floskeln, über die niemand mehr wirklich nachdenkt, sondern ganz handfeste, erlebbare Dinge ... auch ein Begriff wie „Läuterung“ bezeichnet etwas sehr konkretes, und ist keineswegs eine kitschige Worthülse, als die ihn nur die ansehen, die solche Dinge halt nicht nachvollziehen können, keinen Zugang dazu haben ...)

„Ich hab' Dir vergeben!“ ... Es ist ein langer, schmerzhafter Weg bis dahin ...

Heinrich spricht von Buße, Sünde und Vergebung, „Es waren einfache Worte, welche er sprach; der Ton seiner Stimme klang ruhig und unerregt, aber gerade dieser stille, leidende Ernst seiner Rede machte einen tieferen Eindruck, als wenn sie unter Weinen und Klagen vorgebracht worden wäre.“ Sehr schön. Auch das wird ja in unseren geistfernen Zeiten zunehmend weniger begriffen, da muß alles aufgesetzt laut und schrill sein und mit großem Tamtam & Weihei daherkommen, weil man Angst hat, daß sonst vielleicht keiner mehr hinhört ...

All das ist zeitlos aktuell. Selbstverständlich kann die Geschichte auch heute spielen, in einer Verfilmung würde es mich nicht im geringsten stören, wenn da Autos, Motorräder, Computer, Handys usw. vorkämen ... Es geht beim Thema Werktreue oder auch dabei, ein Werk adäquat umzusetzen, nicht um Äußerlichkeiten, sondern um die Substanz. Und die ist zeitlos und von äußeren Begleiterscheinungen unabhängig (ich bin übrigens darüberhinaus der Meinung daß es auch in den 'Wildwest'-Geschichten Karl Mays keineswegs um Indianer geht, sie nur Farbe, Kolorit und eigentlich ziemlich irrelevant sind, und insofern kostüm- und aktionsorientierte Festivitäten der indianischen Art ziemlich an der Sache vorbeigehen ... dazu vielleicht ein andermal separat ...).

Diese 'Dukatenhof'-Geschichte ist sehr weitgehend, ich sehe Karl May hier in Sachen Schuld & Sühne, Möglichkeit der Vergebung, ideelle Liebe, existentielle Erfahrung, Reife, Wachstum, wahre innere Freiheit usw. durchaus „auf der Höhe“ von Dostojewski, Tolstoi und wie sie alle heißen und hießen, das wird vermutlich belächelt werden, aber es ist halt so ... (vor lauter Schubladen und Etiketten, Trivialschriftsteller, Dorfgeschichte, Zeitbezug, Sprache, Form usw. sehen die Leute halt den Inhalt nicht [mehr], den 'Wald vor lauter Bäumen nicht', nämlich: das Wesentliche nicht vor lauter nebensächlichen Einzelheiten ...)

(Weitere ausführliche Plaudereien zu den Dorfgeschichten u.a., unstrukturiert und wie der Schnabel gewachsen sozusagen aus dem Ärmel in die Tastatur, unter www.charlymay.npage.de)

Und nach diesen Schürfereien zur Abwechslung auch mal wieder etwas Profaneres und m.E. auch sehr interessantes, „Wir werden leider erfahren, daß der 'Pascherkönig' in anderen Gegenden des Grenzgebirges später verschiedentlich nachgeahmt worden ist“, heißt es in einer der drei Fassungen der Geschichte am Schluß, hübsch, reizvoll ... Bezug zum übrigen Werk.


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 18.5.2010, 20:00 
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Dein Kommentar, Rüdiger, gefällt mir sehr sehr gut. Ich kann jeden Satz unterschreiben.

Meines Erachtens gehört ›Der Dukatenhof‹ zu den schönsten und gehaltvollsten Dorfgeschichten Karl Mays und überhaupt zu den besten May-Texten. (Vgl. meine Biographie, Bd. I, S. 454.)


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 18.5.2010, 21:31 
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rodger hat geschrieben:
„Um das Resonanzgesetz (vgl. Rüdiger Dahlke) geht es, wenn auch dem „Bösen“ der Geschichte die Beine zerquetscht werden, vom selben Baum, den er einst auf seinen Konkurrenten rollen ließ ... die Dinge holen einen wieder ein, es gleicht sich alles aus, in welcher Form auch immer, so „laut und deutlich“ (so plakativ offensichtlich) wie in dieser Geschichte muß es im Leben gar nicht sein ... (das soll nicht etwa heißen die Geschichte sei insofern "schlecht", in ihr wird mit diesem wiederholten Beinezerquetschen halt ein grelles Bild gewählt für einen Sachverhalt, um ihn zu verdeutlichen ... erst holt es den einen von den Beinen, dann den anderen, wobei es unterschiedliche Lektionen sind, die sie zu lernen haben ...)

Wow! Und sowas schreibst Du mal eben in der Mittagspause ? :wink:
Zitat:
All das ist zeitlos aktuell. Selbstverständlich kann die Geschichte auch heute spielen, in einer Verfilmung würde es mich nicht im geringsten stören, wenn da Autos, Motorräder, Computer, Handys usw. vorkämen ... Es geht beim Thema Werktreue oder auch dabei, ein Werk adäquat umzusetzen, nicht um Äußerlichkeiten, sondern um die Substanz. Und die ist zeitlos und von äußeren Begleiterscheinungen unabhängig (ich bin übrigens darüberhinaus der Meinung daß es auch in den 'Wildwest'-Geschichten Karl Mays keineswegs um Indianer geht, sie nur Farbe, Kolorit und eigentlich ziemlich irrelevant sind, und insofern kostüm- und aktionsorientierte Festivitäten der indianischen Art ziemlich an der Sache vorbeigehen ... dazu vielleicht ein andermal separat ...).

Interessant, dass Du das sagst, ich wollte Dich letztens schon mal fragen, wie Du heute Bibel und Babel inszenieren würdest
Zitat:
Diese 'Dukatenhof'-Geschichte ist sehr weitgehend, ich sehe Karl May hier in Sachen Schuld & Sühne, Möglichkeit der Vergebung, ideelle Liebe, existentielle Erfahrung, Reife, Wachstum, wahre innere Freiheit usw. durchaus „auf der Höhe“ von Dostojewski, Tolstoi und wie sie alle heißen und hießen, das wird vermutlich belächelt werden, aber es ist halt so ... (vor lauter Schubladen und Etiketten, Trivialschriftsteller, Dorfgeschichte, Zeitbezug, Sprache, Form usw. sehen die Leute halt den Inhalt nicht [mehr], den 'Wald vor lauter Bäumen nicht', nämlich: das Wesentliche nicht vor lauter nebensächlichen Einzelheiten ...)


Schön formuliert! Marianne Williamson sagt: Wir überschätzen das,was wir mit unseren physischen Sinnen wahrnehmen und unterschätzen, was wir in unserem Herzen als wahr erkennen. 8)

_________________
People may hate you for being different and not living by society’s standards, but deep down they wish they had the courage to do the same. (Kevin Hart)


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 18.5.2010, 21:56 
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Diese sehr interessanten Ausführungen von rodger werde ich auf alle Fälle mal zum Anlass nehmen, den "Dukatenhof" und die andern Dorfgeschichten nach Jahren auch mal wieder zu lesen. (und hoffentlich nicht nur ich :wink: )
Danke für die Anregung, rodger :)


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 10:16 
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Ich habe nun auch den Dukatenhof gelesen, in Version A. Dabei haette May bleiben sollen, das gelang ihm am besten, besser als das symbolische Spaetwerk allemal. Sehr drastisch alles.

Moellhausen hat irgendwo auch so einen Doppelamputierten. War der das Vorbild fuer May'n? Die Rollwaegen, die uns der Zeichner am Ende zeigt, sind doch noch sehr primitiv. Franz hatte bedeutende Kraefte in den Armen, da er sich doch immer fortstoszen muszte, also ist sehr glaubwuerdig, dasz er Heinrichen niederringen konnte. Viele Motive tauchen auch spaeter immer wieder auf,
die Kette des Silberbauern, der Pascherkoenig, unschuldige Arrestanten, Notizzettel im Astloch, der guetige Koenig, die abgebruehten Abzocker ...

In einer Nacht grau geworden? Giebt es das wirklich? Auch kam es mir immer unglaubwuerdig vor, dasz man an gebrochenem Herze sterben koennte; es findet sich aber immer wieder in Buechern.

Ganz geschickt legt May die Novelle an: Der Krueppel erscheint, dann wird die
Vorgeschichte erzaehlt, dann geht es weiter. Wilhelm, die Neuauflage Franzens,
hat nun mehr Glueck. Seine Charakterisierung ist aber sehr blasz, wie auch diejenige der Frauenspersonen.


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 10:32 
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Helmut Prodinger hat geschrieben:
In einer Nacht grau geworden? Giebt es das wirklich?

Bei Karl May noch in "Die Juweleninsel". Dort wird realiter, will sagen: also auch körperlich, in den Abgrund gestürzt, im "Dukatenhof" "nur" innerlich, bildlich ("eine einzige Nacht hatte ihn aus der Höhe, in der er sich wähnte, in die Tiefe gerissen"), der Effekt ist der gleiche. Ob nun realiter körperlich oder nicht, das bleibt sich halt gleich, wie auch bei „Es war ihm, als habe ein Keulenschlag seinen Kopf getroffen“ ... Es geht halt in den späteren Geschichten um die gleichen Dinge, nur anders verpackt.

Helmut Prodinger hat geschrieben:
Auch kam es mir immer unglaubwuerdig vor, dasz man an gebrochenem Herze sterben koennte; es findet sich aber immer wieder in Buechern.

Woran werden denn letzten Endes z.B. Novalis oder Johnny Cash gestorben sein ... oder der Autor des "Steinernen Herzens" ... Wenn ein Leben "fertig hat", sind die Symptome nicht weit, stellen "von selbst" (vom Selbst ...) sich ein ...

Helmut Prodinger hat geschrieben:
Seine Charakterisierung ist aber sehr blasz, wie auch diejenige der Frauenspersonen.

Über die (einschließlich Wilhelm, wohlgemerkt) gibt's halt weniger zu sagen ...

Alles (selbstverständlich einschließlich Franz und Heinrich) sehr realistisch gesehene Personen, da ist nichts "dick aufgetragen, bar jedes Ansatzes einer Psychologie der Gestalten". Für Ottonormalbattaglia vielleicht schwer nachvollziehbar.


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 10:55 
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In den ersten beiden Versionen heißt es: "...weil ihm beide Beine gänzlich fehlten.". In der Version von 1903 heißt es dann: "weil ihm die Beine gänzlich fehlten.".

Warum mag May es auf die Logik daß jeder Mensch eh nur zwei Beine hat und damit auch nicht mehr verlieren kann, bearbeitet haben? Jedenfalls klingen die ersten beiden Versionen besser, schöner, eleganter.

8)


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 11:00 
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Man weiß ja auch leider bei Fassungen zu Mays Lebzeiten nie so recht, inwieweit Redakteure ihre Wurstfinger im Spiel hatten ... das ist mir seinerzeit bei "Ardistan und Dschinnistan" angesichts der Manuskriptfassung und Wollschlägers Erläuterungen schmerzlich klar geworden; was dieser Idiot vom "Hausschatz" da seinerzeit angestellt hat, geht auf keine Kuhhaut ...


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 11:07 
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Aber die Dorfgeschichten von 1903 erschienen nicht in Regensburg, sondern bei einem Dresdner Verlag. Obwohl der Fehlerteufel sich ja überall einschleichen kann.

Eine Frage an die Experten: Ich besitze den Reprint des KMV. Gibt es die beiden anderen Versionen nur auf den Seiten der KMG als Vergleichslesung, oder auch in Papierform? Habe in der Bücherdatenbank nichts gefunden.

8)


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 11:13 
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markus hat geschrieben:
Aber die Dorfgeschichten von 1903 erschienen nicht in Regensburg.

Sag bloß ... die früheren übrigens auch nicht.

:wink:

markus hat geschrieben:
Gibt es die beiden anderen Versionen nur auf den Seiten der KMG als Vergleichslesung, oder auch in Papierform?

Weiß ich nicht. (Bin ja auch kein Experte ... ("Frage an die Experten) :mrgreen: )

*

Ich habe seinerzeit hier

viewtopic.php?f=7&t=566

späteren Bearbeitern die "Mitmenschen" (statt "Nebenmenschen") angekreidet. Heute mußte ich feststellen, daß von den Mitmenschen auch in den beiden ersten der drei Fassungen die Rede war. Tut mir leid ...

:wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 11:24 
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rodger hat geschrieben:
markus hat geschrieben:
Aber die Dorfgeschichten von 1903 erschienen nicht in Regensburg.

Sag bloß ... die früheren übrigens auch nicht.

:wink:

Hab ich auch nicht behauptet. Aber du hast was von Redakteuren mit Wurstfingern geschrieben, solche die mit diesen Fingern im Hausschatz rumwühlten und es klang so, als ob auch Redakteure die den 1903er "Dukatenhof" zu redigieren hatten, mit solchen Gliedmaßen bestückt waren.

:wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 11:26 
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rodger hat geschrieben:
markus hat geschrieben:
Gibt es die beiden anderen Versionen nur auf den Seiten der KMG als Vergleichslesung, oder auch in Papierform?

Weiß ich nicht. (Bin ja auch kein Experte ... ("Frage an die Experten) :mrgreen: ):

Du warst nicht gemeint, du Laie...

:P :lol:


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 11:47 
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markus hat geschrieben:
Aber du hast was von Redakteuren mit Wurstfingern geschrieben, solche die mit diesen Fingern im Hausschatz rumwühlten

Nein, ich habe im Zuasmmenhang mit den Wurstfingern von "Fassungen zu Mays Lebzeiten" geschrieben, nicht vom "Hausschatz", den habe ich erst später erwähnt. Der war auch vorher durchaus mit gemeint, aber eben keineswegs ausschließlich.

markus hat geschrieben:
und es klang so, als ob auch Redakteure die den 1903er "Dukatenhof" zu redigieren hatten, mit solchen Gliedmaßen bestückt waren.

Daß Redakteure gelegentlich (will sagen: nicht alle gelegentlich, sondern einige, und die eher grundsätzlich) zu einer wurstfingerigen Mentalität neigen bzw. diese haben und zu entsprechendem Redigierverhalten neigen, habe ich durchaus so gemeint ... ob die Fassung von 1903 außer von May auch von Dritten befummelt wurde, weiß ich gar nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: 'Der Dukatenhof' in drei Varianten
BeitragVerfasst: 19.5.2010, 12:07 
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Und hier als Nachtrag noch eine Antwort auf die medizinisch-biochemische Frage von Herrn Prodinger,

http://www.zentrum-der-gesundheit.de/graue-haare.html

:wink:


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