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 Betreff des Beitrags: Waldläufer - Waldröschen - Old Surehand - Schloß Rodriganda
BeitragVerfasst: 6.11.2004, 15:29 
Als Argument für die Bearbeitung des 'Waldröschens' seitens Mays Erben wird ja gerne auch auf des Maysters Eigenbearbeitung in 'Old Surehand II' verwiesen. So schreibt etwa Christoph F. Lorenz im 'Geschliffenen Diamanten' (S. 154-156): Aber zweifellos wusste May sehr wohl, welche Passagen seinem stil und willen entsprachen und welche auf die fremden federn der Herren Münchmeyer und Walther zurückgingen. Die sehr präzisen und gelungenen Kürzungen in der Königsschatz-Geschichte beweisen es. (..) So wichtig es sein mag, die alten Texte heute zu Forschungszwecken wieder zu veröffentlichen, so ist doch Mays Wille eindeutig dokumentiert, die Münchmeyer-Romane in ihrer kolportagehaften Gestalt aus dem Buchhandel verschwinden zu lassen und sie durch sorgfältig revidierte Versionen zu ersetzen. Wie das geht, machte er selbst bei der Übernahme der Königsschatz-Episode 1895 mustergültig vor. das war denn auch die Aufgabe, der sich Dr. E.A. Schmid und seine Mitarbeiter zu stellen hatten, als sie ab 1924 die Münchmeyer-Romane für die Gesammelten Werke in Mays Sinne sorgfältig zu überarbeiten begannen.

Abgesehen davon, daß die alten Texte hofentlicht nicht nur zu Forschungszwecken sondern hoffentlich auch zum Vergnügen gelesen werden, erscheint das Argument, von den sehr präzisen und gelungenen Kürzungen in der Königsschatz-Geschichte auf dem ersten Blick ja sehr einleuchtend. Leider ist es nur nicht zutreffend, da Mays radikale Kürzungen gar nicht vollständig übernommen wurden, wie ein Vergleich zwischen allen drei Versionen zeigt.

Die erste größere Kürzung Mays betrifft eine Erinnerung an eine Fahrt mit dem Schiff von Kapitän Dangerlahn. Da die entsprechende Episode bereits in der Fischer-Ausgabe gestrichen wurde, ist die entsprechende Auslassung in der KMV-Ausgabe aber nicht notwendigerweise der 'Königschatz'-Kürzung geschuldet:

»Woher?«
»Aus Mainz.«
»Ah, haben Sie Verwandte dort, die ebenso heißen?«
»Einen Bruder.«
»Ist er Steuermann?«
Er blickte ganz erstaunt zu ihr hinüber.
»Allerdings.«
»Den kenne ich!«
»Unmöglich!«
»Wirklich!«
»Woher?«
»Ich bin mit ihm gefahren.«
»Das wäre ja ein wunderbares Zusammentreffen!«
»Ja. Ich ging mit dem Vater nach dem Kontinente. Wir mußten eines Sturmes wegen auf Helena landen, um ein Leck auszubessern. Dort lag auch die »Jeffrouw Mietje« -«
»Ja, das ist sein Schiff!«
»Und Kapitän Dangerlahn nahm uns mit nach Hull.«
Dieses abgerissene Zwiegespräch war von einem Pferde herab zum andern hinüber während des eiligsten Rittes geführt worden. Jetzt ergriff der Deutsche den Zügel der Spanierin.
»Wollen Sie sich mir anvertrauen?«
»Gern.«
»Auch auf dem Wasser, ganz so wie meinem Bruder?«
»Ja. (...)«


Ferner wurde dann bei 'Old Surehand' die folgende Passage herausgestrichen, in welcher die Heldenfigur Karl Sternau vorgestellt wird, da diese ja in der ausgekoppelten 'Königschatz' überhaupt nicht vorkommt:

»(...)da fällt mir einer jener berühmten Namen ein.«
»Welcher?«
»Matava-se.«
»Ja, der ist einer der Berühmtesten. Haben Sie von ihm gehört?«
»Viel. Er soll da oben in den Felsengebirgen gewesen sein.«
»Allerdings; darum nennen ihn die Indianer Matava-se, die englischen Trapper Rockyprince, und die französischen Coureurs sagen Prince du roc. Alle diese drei Namen bedeuten Ein- und Dasselbe, nämlich Fürst des Felsens.«
»Er ist ein Weißer?«
»Ja.«
»Haben Sie ihn gesehen?«
»Nein, aber ich habe gehört, daß er ein Landsmann von mir ist.«
»Ein Deutscher?«
»Ein Deutscher,« nickte Helmers. »Er soll Karl Sternau heißen und eigentlich ein Arzt sein. Er hat Amerika bereist und ist mehrere Monate lang mit unserem braven Bärenherz hier durch die gefährlichsten Regionen des Felsengebirges gestrichen. Jetzt befindet er sich längst wieder drüben auf dem Kontinente.«


Und was ist mit der KMV-Fassung? Natürlich ist diese Passage dort nicht gestrichen. Als nächste 'Surehand'-Streichung folgt nun eine romantische Stelle. Ist diese nun etwa ein Streichkandidat in der KMV-Fassung?

»O,« lächelte sie, »ich sehe, daß er es aushalten wird.«
»Woher vermuthen Sie das?«
»Aus den Blicken, mit denen er Karja betrachtet.«
»Ha! Sie beobachten richtig, wie ich auch schon bemerkt habe. Aber ich denke, die Indianerin liebt bereits den Grafen?«
»Gewiß. Bärenherz sollte mich dauern, wenn er sich hinreißen ließe.«
»Dauern? Pah! Er ist von einem eisenharten Stoffe gemacht. Er wird nie um Liebe winseln und sich auch einer unerwiderten Neigung wegen nicht zu Tode jammern.«
»Aus welchem Stoffe sind denn Sie gemacht?« neckte sie.
»Vielleicht aus demselben.«
»So würden auch Sie nicht jammern?«
»Nie!«
»Und doch habe ich gehört, daß der Deutsche ein Herz hat, wie kein Anderer, so tief und so weich. Er soll sogar ein Herzenswort besitzen, welches in keiner anderen Sprache vorkommt.«
»Sie meinen das Wort »Gemüth«? Ja, dieses Wort hat kein anderes Volk. Der Deutsche allein hat ein Gemüth, aber er hat zugleich einen Charakter, und ein Prairiemann, mag er nun stammen von welchem Volke es nur immer sei, bettelt selbst um die Liebe nicht.«
»Das ist stolz!«
»Aber richtig. Das Weib, welches ich liebe, soll mich auch achten. Aber bitte, wir bleiben zurück. Der Apache eilt, weil es vor allen Dingen gilt, einen sicheren Lagerplatz aufzusuchen, und das wollen wir ihm durch unser Zögern nicht erschweren.«


Mitnichten. Auch diese Stelle findet sich vollständig in 'Schloß Rodriganda'. Aber vielleicht sind es doch eher die kleinen Streichungen, die Schmid und seine Helfer berücksichtig haben. So fehlt etwa in der folgende Szene in der Surehand-Fassung der unterstrichene Satz:

» (...) Mir ist so unendlich angst!«
Er erglühte vor Wonne, und sein Auge traf mit einem glühenden Strahle das ihrige.
»Sennora,« sagte er, »sprechen Sie aufrichtig (...)«


Und richtig, in der KMV-Fassung fehlt der vollständige Satz auch. Allerdings mochte man sich vom 'Augenblick' nicht ganz trennen und amputierte und kühlte den Text deshalb nur : Sein Auge traf mit einem warmenen Strahle das ihrige.

Nun gibt es freilich auch in der 'Surehand'-Fassung Textstellen, bei denen sich May nicht nur mit Streichung begnügte, sondern z.B. das ihm für die Reiseerzählungen ungezieme Liebesgeflüster durch eine knappe aseptische Zusammenfassung ersetzte. Man lausche einmal dieser Szene zwischen dem Gafen und Karja:

(...)der Graf jedoch ließ sich nicht sehen. Er hatte sich bereits nach den Oelbäumen geschlichen, in deren Nähe das Wasser so vertraulich rauschte und plauderte. Um die angegebene Zeit kam die Indianerin. Er umfaßte sie und zog sie zu sich nieder. Sie zeigte sich schweigsamer, als er sie bisher kannte.
»Was hast Du, meine Süße?« fragte er. »Liebst Du mich nicht mehr?«
»Ja doch, obgleich ich Dich nicht mehr lieben sollte,« sagte sie.
»Warum nicht?«
»Weil Du Dich nicht freust, daß ich gerettet worden bin.«
»Ah! Wie kommst Du auf diesen Gedanken?«
»Hättest Du sonst meine Retter so beleidigt?«
»Sie gehören hinaus auf die Weide, nicht aber in die Estancia.« Sie schüttelte den schönen Kopf. »Du bist nicht edel, Alfonzo.«
»O doch, aber ich hasse alles Häßliche.«
»Ist dieser Donnerpfeil häßlich?«
»Donnerpfeil? Der große Reiter und Rastreador? Den habe ich ja noch gar nicht gesehen!«
»Du hast ihn gesehen. Helmers ist es.«
»Verdammt! Nun begreife ich auch die Forderung!«
»Wirst Du Dich mit ihm schlagen?«
»Fällt mir nicht ein! Er ist mir nicht ebenbürtig!«
Sie liebte ihn, und sie hatte Angst um ihn, darum sagte sie:
»Daran thust Du Recht.«
»Recht? Wieso?«
»Du wärst verloren.« Es ist nicht angenehm für einen Mann, von der Geliebten zu hören, daß sie einen Andern für stärker und tapferer hält, darum meinte er:
»Du täuschest Dich. Sahst Du mich einmal schießen?«
»Nein.«
»Oder fechten?«
»Nein.«
»Nun, so kannst Du auch nicht urtheilen. Ein Ritter, ein Graf muß in solchen Dingen jedem Jäger überlegen sein. Du wirst mich erst kennen lernen, wenn ich Dich zu meiner Gemahlin erhoben habe.« »O, das wird nie geschehen!«
»Warum zweifelst Du?«
»Ich ahne es.«
»So glaubst Du allen meinen Versicherungen und Schwüren nicht?«
»O, Alfonzo, ich möchte so gern glauben. Ich liebe Dich, und wir würden glücklich sein.«
»Wir werden es, aber ob bald oder später, das kommt auf Dich an, mein süßes Herz.«
»Inwiefern?«
»Kennst Du nicht die Bedingung, die ich Dir gesagt habe?«
»Sie ist hart!«
»Nein, sie ist leicht.«
»Sie verlangt, daß ich meinen Schwur breche, daß ich zur Verrätherin an meinem Volke werde.«
»Der Schwur bindet Dich nicht, denn Du gabst ihn als Kind, und Dein Volk ist kein Volk mehr. Wenn Du mich liebst und die Meinige werden willst, so ist nur mein Volk das Deinige. Ich bin jetzt nach der Hacienda del Erina gekommen, um mir Gewißheit zu holen. Muß ich auch dieses Mal ohne Dich abreisen, so gehe ich nach Spanien, und wir sind getrennt für immer.«
»Du bist grausam.«
»Nein, ich bin nur vorsichtig. Ein Herz, welches keine Opfer zu bringen vermag, kann nicht wirklich lieben.«
»O,« rief sie, ihn umschlingend, »ich liebe Dich unendlich! Glaube es mir doch!«
»So beweise es mir!«
»Muß es wirklich sein?«
»Ja. Wir brauchen die Schätze der Königshöhle, um dem Vaterlande einen neuen Herrscher zu geben. Und die erste That dieses Herrschers wird sein, Dich in den Adelstand zu erheben, damit Du Gräfin Rodriganda werden kannst.«
»Das wird wirklich geschehen?«
»Ich schwöre es Dir zum tausendsten Male!«
»Und Du wirst meinem Bruder niemals verrathen, daß ich es war, welche Dir das Geheimniß mittheilte?« »Niemals. Er wird gar nicht erfahren, wer die Schätze geholt hat.«
Alfonzo fühlte die Indianerin nachgiebig werden, und seine Brust schwoll vor Entzücken. Er heuchelte ihr nur Liebe, um ihr das Geheimniß zu entlocken. Er hätte ihr jetzt Alles, Alles versprochen, um sie nur zum Reden zu bringen.
»Nun gut, Du sollst erfahren, wo sich der Königsschatz befindet.«
»Ah, endlich!« jubelte er.
»Aber nur unter einer Bedingung.«
»Sage sie!«
»Du erfährst es am Tage unserer Verlobung.«
»Das geht nicht,« sagte er enttäuscht.
»Warum, Alfonzo?«
»Du erhältst den Adel nur in Folge des Schatzes, und eher darf nach den Gesetzen des Landes unsere Verlobung nicht sein.«
»Dies ist wirklich wahr?« fragte sie.
Er umschlang sie, drückte sie an sich und küßte sie zärtlich auf die schwellenden Lippen.
»Es ist so, glaube es mir doch, meine liebe, liebe Karja. Du weißt ja, daß ich ohne Dich nicht leben kann! Du bist zwar ein Fürstenkind, aber das gilt nach spanischen Gesetzen nicht als Adel. Meinem Herzen bist Du theuer und ebenbürtig, vor der Welt aber ist dies anders. Magst Du mir denn nicht vertrauen, mein Leben?«
»Ja, Du sollst es erfahren,« sagte sie, deren Widerstand unter seinen Zärtlichkeiten zusammenschmolz.
»Aber dennoch wirst Du mir eine ganz kleine Bedingung erlauben?«
»Welche? Sprich, mein Leben!«
»Du giebst mir vorher eine Schrift, in welcher Du sagst, daß ich gegen Ueberantwortung des Schatzes Deine Frau werden soll.«
Diese Bedingung war ihm höchst fatal; aber sollte er jetzt, so nahe am Ziele, einer Albernheit wegen zaudern? Nein. Diese Indianerin war nicht die Person, mit einigen geschriebenen Worten irgend welche Ansprüche rechtfertigen zu können; darum antwortete er bereitwillig:
»Gern, sehr gern, meine Karja! Ich thue ja damit nur das, was ich selbst von ganzem Herzen wünsche. Also sag, wo liegen die Schätze?«
»Erst die Schrift, lieber Alfonzo!«
»Ach so! Aber sie ist ja noch nicht fertig!«
»So warten wir.«
»Wie lange?«
»Wie es Dir gefällt.«
»Schön! Ich werde sie bis morgen Mittag anfertigen.«
»Und Dein Siegel darunter setzen!«
»Jawohl!« versetzte er, obgleich ihm dies nicht willkommen war.
»So werde ich Dir am Abend den Ort beschreiben.«
»Warum erst am Abend?«
»Früher noch?«
»Ja. Die Schrift ist ja bereits am Mittage fertig. Darf ich da zu Dir kommen?«
»Nein. Ich muß jeden Augenblick gewärtig sein, daß Emma oder eine der Dienerinnen zu mir kommt. Man könnte uns sehr leicht überraschen.«
»So kommst Du zu mir.«
»Ich zu Dir?« fragte sie zögernd.
»Fürchtest Du Dich?«
»Nein. Ich werde kommen.«
»Ich kann mich darauf verlassen?«
»Ja, gewiß!«
Da nahm er sie abermals an sich und küßte sie, obgleich ihm diese Zärtlichkeit eine gewisse Ueberwindung kostete. Sein Herz war zwar weit, aber eine Indianerin war doch nicht nach seinem Geschmacke. Er liebte - wenigstens für jetzt - eine Andere, und diese Andere war Emma Arbellez, wegen der er so oft von Mexiko nach der Hazienda kam, Emma Arbellez, die ihn doch stets so kalt und schroff zurückwies und ihm noch heute ihre Verachtung in so deutlichen Ausdrücken zu verstehen gegeben hatte.


Mays mustergültige Bearbeitung für 'Old Surehand II' ist dagegen doch etwas knapp geraten:

Er ging nach den Oelbäumen am Bache und fand sie schon da, seiner wartend. Sie war zornig auf ihn, weil er sich so beleidigend gegen ihre Retter verhalten hatte, doch gelang es seiner Gewandtheit sehr bald, ihren Unmut zu zerstreuen. Dann ging er auf sein Ziel los. Er versprach ihr, sie adeln zu lassen, um sie dann zu seiner Frau machen zu können, denn der Adel sei ihr notwendig, obgleich sie in seinen eignen Augen für vollständig ebenbürtig gelte, weil sie der Abkömmling von Königen sei. Um den Adel zu erhalten, sei aber Geld, sehr viel Geld nötig, was er für sie von seinem Vater nicht erhalten könne; dazu sei der Schatz der Könige nötig, den er auch schon deshalb haben müsse, weil sein Vater ihn wegen Karja enterben und er also arm, ganz arm sein werde. Wenn er aber bereit sei, ihr dieses große Opfer zu bringen, und ihr also beweise, wie gut und ehrlich er es mit ihr meine, dürfe sie nun auch ihrerseits nicht länger zögern, ihm das Geheimnis mitzuteilen. Seine Ueberredungsgabe siegte mit diesen Gründen. Sie versprach, ihm den Ort, wo der Schatz liege, zu sagen, stellte aber die Bedingungen, daß er ihrem Bruder nie verrate, daß sie das Geheimnis nicht gehütet habe, und daß er ihr ein schriftliches und mit Unterschrift und Siegel versehenes Dokument des Inhaltes gebe, daß er sie gegen Auslieferung des Schatzes zur Gräfin von Rodriganda machen werde. Er ging auf diese Bedingung ein und sagte ihr, daß sie sich dieses Dokument morgen persönlich bei ihm holen solle. Wie froh war er, seinen Zweck erreicht zu haben. Hatte er doch in der Ueberzeugung, zum Ziele zu gelangen, schon Leute mitgebracht, welche die Schätze nach der Hauptstadt transportieren sollten! Das Dokument machte ihm keine Sorgen; die niedrig stehende, verachtete Indianerin war selbst mit einem solchen Schriftstücke vollständig machtlos, ihm, dem hochgeborenen Grafen gegenüber. Aber nur erst die Schätze haben!

Als Drehbuch für eine romantische Telenovella hätte diese puritanische Fassung sicher nur eingeschränkten Wert, denn das ganze pralle Leben findet sich nur in der Urausgabe. Was aber ist wohl in 'Schloß Rodriganda' zu lesen? Nun gut, statt meine Süsse heißt es dort züchtig bloß Karja, auch mußte er Fluch Verdammt! einem unverfänglicheren, weil nicht jedem Leser verständlichen Ascuas! weichen, auch wird mal eine Dialogzeile wie etwa »So glaubst Du allen meinen Versicherungen und Schwüren nicht?« oder »Wir werden es, aber ob bald oder später, das kommt auf Dich an, mein süßes Herz.« gestrichen und schwellende Lippen und Zärtlichkeiten sind selbstverständlich auch tabu, doch auf die Idee, dem Vorbild Mays zu folgen und dessen Textfassung aus 'Old Surehand' zu benutzen, ist Schmid nicht gekommen.

Insofern, es mag ja May-Verleger und Leser geben, die eine 'Entschärfung' des 'Waldröschens' für richtig halten, aber man sollte diese nicht mit unredlichen Argumenten verteidigen. Daß Mays 'Königsschatz'-Bearbeitung in irgendeiner Form vorbildhaft für die Busensäbelei sei, der das 'Waldröschen' in der Fassung des KMV zum Opfer fiel, ist schlicht eine Legende. Wäre man den 'Surehand'-Maßstäben gefolgt, so hätte man wohl wesentlich radikaler kürzen müssen.


Zuletzt geändert von Thomas Schwettmann am 1.4.2005, 15:15, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 6.11.2004, 16:45 
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Wieder mal ein hochinteressanter Beitrag, der mich in einem Verdacht bestärkt, den ich seit einiger Zeit hege: nämlich dass Karl May, wäre er noch dazu gekommen, vielleicht ebenso wenig zimperlich mit seinen ungeliebten Münchmeyer-Werken umgegangen wäre, wie es später die Bamberger taten. Was mich an deren Bearbeitungen ja am meisten ärgert, ist das glätten, ebnen, gefälliger machen, Streichen von schlüpfrigen oder gesellschaftskritischen Stellen, herrlichen Albernheiten oder sonst irgendwie auffälligem. Ich ging immer davon aus, dass diese Änderungen eben nicht im Sinne von May seien, bin mir da aber nicht mehr so sicher, ob er nicht eben auch dem (vermeintlichen ?) Massengeschmack sich angepasst hätte. Sinn fürs Pragmatische und Merkantile hatte er ja durchaus auch.

Ich habe auch den Eindruck, dass Karl May schon zu Lebzeiten gelegentlich sein eigenes Werk auf Wunsch von außen ganz erheblich verändert hat, im Fall von Ardistan & Dschinnistan gibt es ja eine ziemlich eindeutige Brief-Äußerung, hier im Forum unter A & D nachzulesen, und im Falle vom „Verlornen Sohn“ springt doch auch ins Auge, dass der kitschige, unrealistische Schluß überhaupt nicht zu der oft schonungslosen Krassheit des Vorangegangenen passt, auch da scheint er mir einem Verlegerwunsch nachgekommen zu sein.

Und so stehen sie denn in meinen Regalen mehr und mehr friedlich beieinander, die Bücher aus Bargfeld, Augsburg und Bamberg. (Was freilich nicht heißen soll, dass ich kritische Informationen über gewisse Mißstände und Halbwahrheiten nun überflüssig fände. Viele der posthumen Bearbeitungen gehen mir nach wie vor erheblich zu weit, und die Information und Aufklärung darüber ist unvollständig und erscheint mir oft nicht objektiv.)


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BeitragVerfasst: 8.11.2004, 13:17 
rodger hat geschrieben:
Wieder mal ein hochinteressanter Beitrag, der mich in einem Verdacht bestärkt, den ich seit einiger Zeit hege: nämlich dass Karl May, wäre er noch dazu gekommen, vielleicht ebenso wenig zimperlich mit seinen ungeliebten Münchmeyer-Werken umgegangen wäre, wie es später die Bamberger taten.


Eben weil diese Münchmeyer-Werke bei ihm so unbeliebt waren, hege ich eher den Verdacht, daß er sie am liebsten begraben und friedlich hätte ruhen lassen wollen.

Davon abgesehen hatte er natürlich das Recht seine Werke so oft zu bearbeiten, wie ihm beliebte und solche Bearbeitungen dann unter seinem Namen erscheinen zu lassen (ja er hätte die Texte sogar fremdbearbeiten lassen können und dem Ergebnis seinen Segen geben können).

Daß Goethes 'Faust' eine revidierte Fassung darstellt, ist ja auch kein Argument dafür, den 'Urfaust' zu unterdrücken. Und so kann man scgließlich ja heute etwa die Old Firehand-Erzählung in verschiedenen Versionen lesen. Die 'Mappe'-Urfassung (kaum merklich bearbeitet im KMV-GW 71), die nicht-autorisierte Münchmeyer-Fassung (auch bei Pawlak bzw. Weltbild), die erste Buchfassung 'im Fernen Westen' (vergriffener KMV-Reprint), die originale Winnetou-II-Fassung. die nach Motiven aus 'Der Selfman' bearbeitete und nicht-autorisierte KMV-Fassung (in GW 8). Die Krux ist nur, daß bei Pawlak/Weltbild/KMV ein deutliches 'Bearbeitet' ins Impressum gehören würde. Und dasselbe sollte natürlich auch für GW 51-55 gelten.


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BeitragVerfasst: 1.4.2005, 15:22 
Vom Waldläufer zum Waldröschen

Im Nachwort des 'Waldläufer'-KMV-Reprints findet sich auf auf Seite N 42 die Wiedergabe einer Seitenzahl-Tabelle von Karl May im hinteren Deckel seines Pflichtexemplars der Erstausgabe von 1879.

109.
151 125 Vegetation. 475
131 Wundkraut
146 Reiter.
339 Büchsen
Kleidung

Sujet Engländer


Vergleicht man nun die auf den angegebenen Seiten jeweils thematisch angesprochenen Textzeilen mit Hilfe der Werke-CD mit dem Gesamtwerk Karl Mays, so wird schnell klar, daß May die dort eingestreuten Informationen fast exklusiv im 'Waldröschen' wiederverwendet hat, diese Tabelle also wohl im Zuge der Arbeit an diesem Kolportageroman entstanden sein dürfte.

Die erste Seitenzahl in Mays Tabelle ist ohne Stichwort, doch dürfte sich der Vermerk auf den Salon der Hacienda del Benado und den darin reich gedeckten Tisch beziehen. Hier zunächst die Textvorlage Ferrys in der "Waldläufer"-Übersetzung von Füllner [1. Buch 161/162]: Es war dies ein weiter Saal, welcher, durch eine Luftströmung, wie es in den heißen Ländern gewöhnlich ist, beständig kühl erhalten wurde. Feine chinesische, ausgezeichnet gearbeitete Matten bedeckten den Fußboden, der aus großen Werksteinen bestand, und andere noch reicher gezeichnete Matten dienten als Vorhänge an den Fenstern.
Die mit Kalk geweißten Mauern hoben sich durch einige seltene ausgemalte Kupferstiche in goldenen Rahmen, lederne Putacas (Große Schaukelsessel), kleine Gesimse in den Ecken, auf denen in silbernen Braseros für die raucher Kohlen, mit weißer Asche bedeckt, bereit lagen, Sessel und einPfühl aus palmrinde von englisch-amerikanischen Gepräge bilderten das ganze Hausgeräth.
Auf einem Tisch von geplätteten Balsamholz ließen poröse Krüge das frische Wasser durchduften, das in ihnen sich befand. Breite Melonenschnitten boten auf einer großen silbernen Platte ihr röthliches Fleisch dar, das ein schmackhafter Saft mit rosigen Tröpfenchen überstreute[.] Pitallas (Früchte einer Cactusart) zeigten den dunklen Purpur ihrer Kerne neben Melonen und halbgeöffneten Granatäpfeln. Endlich waren noch Orangen, Grenadillen und süße Limonen da und alle Früchte der heißen Klimate, den Durst zu reizen und zu löschen, zeugten von den gastfreundlichen Absichten Sennor Don Augustin's.


Karl May hat dann bei seiner Paraphrasierung der Vorlage an einer Stelle eine unschöne 'bedeckten'-Wortdopplung eingebaut, dafür aber zusätzlich auch so schöne Wörter wie 'Rotang', 'Pasteques' und 'Ameublement' verwendet. Daß sich May bei seiner Bearbeitung nur auf die Füllner-Übersetzung (1951) und die Kurzfassung von Hoffmann (1952, übrigens keine eigenständige Übersetzung, da gut 50% des Textes mit Füllner identisch ist, während die anderen 50% entweder aus synonymen Begriffen oder Phrasen bzw. Zusammenfassungen bestehen - die zitierte Beschreibung des Salons und der Früchtetafel fehlt übrigens bei Hoffmann) gestützt hat, ist übrigens sehr zweifelhaft, da Karl May, u.a. bei den Textbeispielen hier, aber auch an zahlreichen anderen Stellen, Begriffe verwendet hat, die nicht allein durch Synonymbildung zu erklären sind. Ein markantes Beispiel ist etwa der Name José für einen der Piraten, welche die Gräfin Luisa de Mediana ermorden. Füllner verwendet John, Hoffmann läßt den Mann unbenamst, aber in der erst später erfolgten Kühne-Übersetzung von 1897 liest man ebenfalls José. Auffällig ist allerdings, daß bei dieser Benamsung wie auch den oben angesprochenen Begriffen May keinesfalls auf eine weitere Übersetzung zurückgegriffen haben mußte, ein Blick ins französische Original hätte es ebenso getan. Zwar wäre es sicherlich übertrieben, May trotz des 'Angle et diable'-Manuskriptes übermäßige Französisch-Kenntnisse zuzutrauen, um aber aus Ferrys Text Wörter wie 'José', 'Rotang', 'Pasteques', 'Ameublement' sowie - siehe unten - 'Mangles' und 'Cirkus' herauszuextrahiern und korrekt in seine Bearbeitung zu verwenden, dürften seine Fähigkeiten wohl ausgereicht haben.

Waldläufer-May, S. 109: Dieser Salon war ein großes Gemach, in welchem, dem Gebrauche der heißen Länder zufolge, ein unaufhörlicher Luftdurchzug eine beständige Kühle hervorbrachte. Feine und schön gearbeitete chinesische Matten bedeckten den aus großen Werksteinen bedeckten Fußboden, und andere, reichere Matten dienten an den Fenstern als Jalousien. An den geweißten Wänden hingen einige werthvolle Kupferstiche, und das Ameublement bestand aus ledernen Schaukelstühlen, Putacas genannt, silbernen Braseros, wie die Kohlenbecken heißen, an deren glühendem Inhalte der Raucher seine Cigarritta anbrennt, einem Sopha von Rotang und Polsterstühlen aus dem gleichen Stoffe.
Auf einem Tische von polirtem Balsamoholze ließen poröse Krüge das in ihnen enthaltene Wasser ausdünsten. Große Schnitten von Wassermelonen, in der Sprache des Landes Pasteques, zeigten auf einer silbernen Platte ihr leibfarbenes Fleisch, welches ein wohlschmeckender Saft mit rosigen Tropfen beperlte. Neben halbgeöffneten Granaten entfalteten Pitallas (Früchte von einer Varietät des Kerzenkaktus) den dunklen Purpur ihrer Körner, und Orangen, Grenadillen, süße Limonen, mit einem Worte, alle Arten südlicher Früchte, welche zum Durste reizen und ihn stillen, zeugten von den gastfreundlichen Absichten Don Augustins.


Während nun die Beschreibung des Salons in Mays weiterem Werk nicht kopiert wurde und somit mit der Notiz "S. 109" nicht gemeint sein dürfte, ist das nachfolgende Südfrüchtearrangement fast wortwörtlich im "Waldröschen" bei der Schilderung eines gleichartigen Gelages auf der Hacienda del Erinia im Kapitel 'Die Höhle des Königschatzes' wiederzufinden: Da gab es große Schnitten von Wassermelonen mit fleischfarbigem Innern, deren wohlschmeckender Saft in rosigen Tropfen auf die silbernen Platten perlte; halb geöffnete Granaten, Früchte des Kerzenkaktus, Orangen, süße Limonen, Grenadillen und alle die Fleisch- und Mehlspeisen, an welchen die mexikanische Küche so überaus reich ist.

Als nächster Punkt der Liste folgen drei Seitenzahlen zur Vegetation. Auch in diesen Fällen sei zunächst einmal die entsprechenden Stellen aus Fükllner Übersetzung des "Waldläufer" zitiert und anschließend die korrespondierenden Textpassagen in Hoffmanns und Mays Bearbeitung, wobei bei Hoffmann die Beschreibung des Wechselspiels zwischen Mondlicht und Lagerfeuer ganz ausspart ist. Die zweite Beschreibung demonstriert hingegen sehr schön, wie Hoffmann einerseits bei Füllner abschrieb und May seinerseits an dieser Textstelle aus beiden Versionen schöpfte.

Waldläufer-Füllner [2. Buch 83/84]: Der Mond warf ein lebhaftes Licht auf den Wald. Seine Strahlen breiteten über das düstre, grüne Laubdach, das sich endlos ausdehnte, eine leuchtende Decke, auf= und niederwogend wie die Wellen des Meeres, und fielen hier und dort durch die leeren Räume zwischen den Stämmen. Sie färbten mit bläulichen Scheine die graue Rinde der Wurzelträger und Summachs, beleuchteten den rauhen Stamm der Korkbäume und das bleiche Laub des Eisenholzes.
Tausendmal durch das Netz der Zweige gebrochen fiel das Licht geheimnisvoll in die dichtetsen Gebüsche. Die grünen und gelben Moose funkelten in Sammetglanz unter den breiten Blättern des "Arum," dessen Blüthen wie silbernen Schalen sich darstellten. In einem Feuer von röthlichem Glanze sahen im Gegensatz zu den bleichen Lichte des Mondes die herabhängenden Lianen wie Eisendraht aus, welcher eben aus der Glut gezogen wird. Diesen durch die Flamme erleuchteten Stellen gegegnenüber war der Anblick der entfernten Waldgründe noch finstere und drohender.


Waldläufer-May, S. 125 (Vegetation): In der Nähe dieses Weges und etwa in der gleichen Entfernung zwischen der Hazienda und der genannten Brücke brannte das Feuer, welches Tiburcio gesehen hatte. Seine flackernde Helle erleuchtete die dunkelgrüne Baumdecke und traf die graue Rinde der Mangles (Wurzelbäume), der Summache, die runzeligen Stämme der Korkeichen und das bleiche Laub der Eisenbäume. Die grünen und gelben Moose flimmerten unter den sammetnen Netzen der großen Aronblätter, welche mit Blüthen, silbernen Bechern ähnlich, geschmückt waren. Die herabhängenden Lianen glühten unter dem Einflusse der Flamme wie aus einem Feuerofen hervorgehende Eisendrähte, und die fernen Tiefen des Waldes, über welchem ein Schweigen lag, das kaum durch die dumpfe Stimme des zwischen seinen steinernen Ufern dahinbrausenden Flusses gestört wurde, lagen hinter der von dem Feuer erhellten Stelle wie ein düsteres, unheimliches Mysterium, dessen Schleier die menschliche Hand nur unter tausend Gefahren zu lüften vermag.

Waldläufer-Füllner [2. Buch 187/188]: Gerade unter ihm dehnte sich ein unregelmäßiger Kreis aus, der durch einen natürliche Hecke von großen Caktus mit scharfen Spitzen und stacheligen Feigenbäumen gebildet wurde. Einige wenige Eisenholzgebüsche mischten ihr bleiches Laub unter die Feigenbäume und die Caktus.
An dem einen Ende dieses Kreises erhob sich ein Hügel mit flachem Gipfel einige Fuß hoch und beherrschte diese Umzäumung nach allen seiten hin. Rings um diese Verschanzung, bei deren Errichtung die Hand des Menschen nicht beteiligt hatte, lagen kalkige Strecken, sandige Haide oder eine Anzahl nach einander folgender kleiner Hügel, welche wie versteinerte Wellen in diesem Sandocean aussahen.


Waldläufer-Hoffmann [leicht bearb. Fassung von 1921]: Gerade unter ihm dehnte sich ein offener, kreisrunder Platz, der durch einen großen, unregelmäßigen Hag von Nopalpflanzen mit scharfen und dornigen Spitzen gebildet war. Einige wenige Gebüsche von Eisenbäumchen vermischten mit ihnen ihr blasses Laub.
An einem Ende wurde die Umzäumung durch einen wenige Fuß höheren, oben ganz flachen Hügel beherrscht. mit flachem Gipfel einige Fuß hoch und beherrschte diese Umzäumung nach allen seiten hin. Ringsherum dehnten sich kalktige Flächen, sandige Steppen oder Reihen kleiner Hügel aus, die in diesem Sandmeere als feste Wellen erschienen.


Waldläufer-May, S. 151 (Vegetation): Gerade unter ihm dehnte sich eine Art von Cirkus aus, welcher durch einen natürlichen, unregelmäßigen Hag von großen, mit scharfen Spitzen versehenen Caktus und von dornigen Nopalpflanzen umgeben war. Einige wenige aus Eisenbäumchen bestehende Gebüsche vermischten ihr blasses Grün mit den schmutzigen Farben der Cakteen und Nopale.
An dem einen Punkte wurde diese aus Pflanzen geformte Ringmauer durch einen kleinen, oben ganz flachen Hügel beherrscht. Um diese natürliche Festung her dehnten sich kalkhaltige Flächen, sandige Steppen und Reihen kleiner Bodenerhebungen aus, welche in diesem Sandmeere als feste Wellen erschienen.


Im Gegensatz zu dem gedeckten Tisch mit den leckeren Südfrüchten, hat Karl May diese Textpassagen zwar nicht wortwörtlich im "Waldröschen" wiederholt, doch tauchen die angesprochenen Pflanzen fast exklusiv nur im "Waldröschen" wieder auf. Da ist z.B. die Wurzelbäume, die - zusammen mit den Lianen - in Mays Werk nur noch im Kapitel 'Lebendig begraben' genannt werden: Die Küste bildete hier einen höchstens zwanzig Schritte breiten Sandstrich, an welchen der Wald stieß, gebildet von fieberathmenden Wurzelbäumen, welche von einem dichten Lianennetze umschlungen waren.

Während Mangle(s) nur noch in "Ardistan und Dschinnistan", Aron nur in "Robert Surcouf" sowie Arum und Nopal jenseits weitere Fundstellen im "Waldläufer" sogar überhaupt nicht mehr wiederverwendet wurden, und die Korkeiche neben dem 'Kubt' durchaus auch ein paarmal im 'Waldröschen' - allerdings nur in einem in Spanien handelnden Kapitel - benannt wird, ist der Eisenbaum, der sonst nur noch ein weiteres Mal im "Waldläufer", zweimal in "Robert Surcouf" und einmal in 'Kong-Kheou, das Ehrenwort' erwähnt wird, dreimal im "Waldröschen"-Kapitel 'Die Höhle des Königschatzes' zu finden:

»Wo ist Dein Pferd?« fragte Büffelstirn. / »Dort rechts hängt es an einem Eisenbaum.«

Hier stieg er ab, band sein Pferd an den Stamm eines Eisenbäumchens und verschwand hinter den Büschen.

Helmers erblickte den Berg El Reparo vor sich, dessen schroffer Hang zumeist mit Eisenbäumen bestanden war.


Eine Ausnahme hinsichtlich der Fundstellen-Dominanz im "Waldröschen" findet sich nur bei Sum(m)ach(en). Hier gibt es keine Fundstelle im "Waldröschen", eine in "Deutsche Herzen, deutsche Helden", drei in "Der Sohn des Bärenjägers" und je eine in "Weihnacht" und "Winnetou IV"

Die letzte Seitenzahl zur Vegetation ist S. 475, dort kann eigentlich nur dieser Satz in Frage kommen: Er befand sich nun auf der Mitternachtsseite des Gebirgsstockes und wollte schon nach als er auf dem mit rothblumiger Granella bewachsenen Boden die Fährte zweier Reiter bemerkte. Dieser Satz ist Teil eines frei nacherzählten Textpassage, eine entsprechende Passage in der Füllner-Übersetzung oder gar der Hoffmann-Version war nicht zu finden. Auch gibt es zu einer Granella keine weitere Fundstelle auf der Werke-CD.

Ergiebiger ist hingegen die Suche nach dem 'Wundkraut' welches in der Liste mit S. 131 des "Waldläufer" in Verbindung gebracht wird: "(...) Es kommt eine Kompresse von zerstoßenen Kräutern darauf, und dann hat die Sache nicht viel zu bedeuten. Pepe, suche doch eine Hand voll Oregano zusammen, was hier zwischen den Büschen steht, und zerstoße es zwischen zwei Steinen, während ich die Wunde säubere!"

Im Vergeich dazu wieder die Füllner-Übersetzung [Band 1, S. 97]: "(...) beruhigt Euch, fügte er hinzu, indem er die auf die Wunde geklebten Kleidungsstücke abnahm, nachdem er sie mit Wasser angefeuchtet hatte, ein Verband von gequetschten Kräutern darauf und man wird keine Spur davon sehen. Pepe, sieh doch zu, ob Du Dir nicht eine Hand voll Oregano verschaffen kannst; quetsche es zwischen zwei Steinen und bringe es mir her. Und die Kurzfassung bei Hoffmann: Dann feuchtete er die Wunde mit Wasser an und bat José, eine Handvoll Oreganoblätter herbeizuschaffen.

Der Befund hinsichtlich der Wiederverwendung in Mays Werk ist hier wieder eindeutig. Sämtliche weitere drei Fundstellen für Oregano sind im "Waldröschen", bzw. - wie bei den oben zitierten Fundstellen übrigens auch - im "Königsschatz"-Kapitel von "Old Surehand II". Offenbar hat Karl May seine "Waldläufer"-Bearbeitung speziell für die Kapitel 'Die Höhle des Königschatzes' und 'Lebendig begraben' ausgewertet, also jenen Handlungsteil, der in der Tat am stärksten durch den Waldläufer beeinflußt ist.

Ich aber werde gehen, um das Kraut Oregano zu suchen, welches jede Wunde heilt und kein Fieber in dieselbe kommen läßt.

Das Kraut Oregano ist klüger als der Arzt.

Das Kraut Oregano wird ihm Hilfe bringen.


Das nächste Stichwort in der Tabelle ist "S. 146 Reiter". Hier ist nicht so recht ersichtlich, warum May diese Stelle - die übrigens gegenüber Füllner und Hoffmann ebenfalls überarbeitet ist, dort wird der Bandit jeweils lediglich zu Fuß verfolgt - angestrichen hat, zwar gib es da eine Verfolgungsjagd zu Pferde, dabei jedoch keinerlei spezifische Ausdrücke oder Sätze, die der Autor nicht bereits zuvor verwendet hätte. Das gilt selbst für das ventre-à-terre, welches bereits 1878 in "Die drei Feldmarschalls" Verwendung findet. Außergewöhnlich erscheint da wegen unfreiwilliger Komik allenfalls der Satz: (...) das Herz des Menschen verfügt über stählerne Kniekehlen. Nun gibt es im 'Königsschatz'-Kapitel des "Waldröschens" immerhin eine Pferdbändigungsszene, in der das Attribut stählern zu lesen ist: (...)aber der eisenfeste Reiter gab nicht nach; mit stählernem Schenkeldrucke preßte er das Pferd zusammen (...). Allein hat May einen derartigen Kampf zwischen Mensch und Pferd bereits schon in "Die Rose von Ernstthal" (1875) und auch sonst recht häufig geschildert, ein Rückgriff auf die zudem ganz andere Szene im "Waldläufer" hätte also überhaupt gar keinen Sinn gemacht.

Auch der nächste Eintrag in der Liste hat nmit dem "Waldröschen" nichts zu tun. "S. 339 Büchsen / Kleidung dürfte sich wohl auf dieses Zitat beziehen: Was keiner der Anderen bemerkt hatte, das fiel ihm sofort auf, die echt Forster'schen Büchsen, welche die zwei ärmlich ausstaffirten Papagos zwischen ihre Kniee gestemmt hielten. Indessen sind die echt Forster'schen Büchsen der beiden falschen Papagos ansonsten im Werk Mays nicht im Gebrauch und die echten Papago-Indianer bevölkern vorallem den Roman "Deutsche Herzen, deutsche Helden".

Der letzte Eintrag auf der Liste ist "Sujet Engländer" und ist ohne Seitenzahl vermerkt, es ist alllerdings unschwer zu erraten, daß sich May hier nur auf Sir William Wallerstone beziehen kann, dessen kleidung er in knappen Worten so beschreibt: Er war ganz in einen grau und blau karrirten Tuchstoff gekleidet und trug einen breitrandigen Panamahut tief hinten in dem Nacken. Seine Augen (...) waren mit einem großen, kreisglasigen, goldenen Lorgnon bewaffnet, und seine Rechte, die von dem grauen Glacéhandschuh (...) befreit war (...) (S. 476)

Lorgnon und Glacèhandschuhe gehören aber ansonsten zu keiner weiteren Garderobe einer der zahlreichen Engländer-Figuren bei May, Ähnlichkeit mit Wallerstone besitz ansonsten vorallem Lord Halingbrock aus "Scepter und Hammer": Der Fremde trug durchweg einen graukarrirten Anzug; seinen Kopf bedeckte ein breitrandiger Panamahut. Allerdings trägt auch er eine Sehhilfe - ein blauglasiges Pincenez - und fleischfarbene Gummihandschuhe. Die Staffage von Lord Henry Lindsay, des 'Engländer' im "Waldröschen", wird indessen nur indirekt geschildert, als er seine Kleidung mit Trapper Geierschnabel tauscht, ein spezieller Rückgriff Mays auf den "Waldläufer" wird dabei freilich nicht erkenntlich: Ein Anzug von grauem Tuche, Gamaschen, Lackschuhe, grauer Cylinderhut, gelbe Handschuhe, Regenschirm und ein Zwicker.

Jenseits der in der Seitenzahl-Liste dokumentierten Stellen dürfte es bestimmt noch weitere Textpassagen oder einzelne Begriffe geben, die May für die "Königsschatz"-Episode wiederverwendet hat. So heißt es im Nachwort zum Reprint dazu auch: Im Text des Buches gibt es auf sämtlichen hier bezeichneten Seiten (und an einigen weiteren Stellen dazu) verschiedene Bleistift-Anstreichungen (...). Da würde sich also bestimmt noch die Auswertung dieser weiteren Anstreichungen lohnen.

Des weiteren kann man etwa auch noch auf die exklusive Erwähnung des Gottesnamen Wakondah (bzw. Wacondah, Wakonmta) in "Der Waldläufer" und "Das Waldröschen" hinweisen. Dabei sind übrigens alle Fundstellen im "Waldläufer" in frei erfundenen Textteilen zu finden, insbesondere im 'Falkenauge'-Kapitel, indem auch die schöne Häuptlingstochter Mola ihren von May erfundenen Auftritt hat:

(...) wenn der Thau von den Sternen fällt und Wacondah die Blumen segnet.«

Wacondah hat jedes rothe Weib verflucht, welches einen weißen Mann liebt; (...)

Sie erhielt sie von der Mutter, als diese in das Land Wacondahs ging.


Das letzte Zitat findet sich am Schluß des Buches bei der großen Verabschiedung: Wakondah gebe ihnen lange Tage und einen starken Arm (...)

Und auch im "Waldröschen" gibt es - wiederum allesamt im Kapitel 'Die Höhle des Königschatzes' - insgesamt vier Fundstellen:

So danke ich Wahkonta (Gott), daß er mir erlaubt hat, mit Dir zu sprechen.

Wahkonta gebe Dir seinen Segen.

Wahkonta hat dem Menschen versagt, Alles zu wissen; (...)

Wahkonta hat sie geschaffen, um Fleisch zu fressen, den Menschen aber hat er geschaffen, damit er gut sein soll.


In dem KMG-Jahrbuch-Artikel "Gustave Aimards Roman 'Freikugel' als Inspirationsquelle Karl Mays" führte Wolfgang Hammer die Erwähnungen von Wahkonta im "Waldläufer" auf Airmands Roman zurück: Auch den Gottesnamen Wacondah (so in der Ausgabe 1861; in der Borowsky-Ausgabe Waconda) fügt er mehrfach im 'Waldläufer' ein (...), und zwar in dem Teil, der im Lager der Comanchen spielt und bei Ferry keine Entsprechung hat. Das gleiche gilt übrigens auch für die oben zitierten Lorgnon und Glacèhandschuhe Wallerstones: Herr de Beaulieu trägt ein Lorgnon und Glacéhandschuhe (Freikugel 9), die May in seiner 'Waldläufer'-Bearbeitung Sir Wallerstone zuschreibt: Beide kleiden sich genau wie in ihrer Heimat, was May für weitere Engländer beibehalten wird.

Leider gelang es Hammer - der in seinem Artikel einige beindruckende Listen von Motivvergleichen vorlegt - aber nicht, auch handfeste wortwörtliche Textübernahmen aus der 'Freikugel' nachzuweisen. Dies spricht eigentlich dafür, daß May eine andere übersetzung benutzt haben könnte. Hammer geht in seiner Analyse von der Standard-Übersetzung von E. Drugulin aus, die 1861 bei Kollmann erschien (und im Verlag Lothar Borowsky - übrigens zusammen mit Füllners "Waldläufer" - leicht modernisiert wieder herausgeben wurde), tatsächlich gab es aber unter dem Titel "Prärieblume oder Natan Orann, der Fürst der Steppe" noch eine von Carl Wirth 'für die Jugend bearbeitete' Ausgabe von 1873 (Gebhardt's Verlag). Wenn jemanden zufälligerweise diese Fassung über den Weg läuft, könnte es sich also möglicherweise lohnen, mal einen genaueren Blick in das Buch zu riskieren.


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BeitragVerfasst: 1.4.2005, 15:53 
Hallo Thomas,

ein vorzüglicher Beitrag, den ich mit sehr großem Interesse gelesen habe.

Ich finde es zudem sehr gut, dass Du die Beiträge in diesem Forum veröffentlichst - das den richtigen Rahmen bietet - und nicht in jenem Forum, das sich zwar auf Karl May bezieht, aber durch seine Beiträge kaum mehr mit dem von mir so geschätzten Autor aus Sachsen etwas zu tun hat.

Viele Grüße
Kurt


Zuletzt geändert von Gast am 1.4.2005, 18:35, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 1.4.2005, 16:16 
Hallo Kurt!

Danke für dein Lob, für mich persönlich gibt es aber keine Rangfolge hinsichtlich der Karl-May-Foren. Daß ich dennoch die meisten meiner längeren Beiträge hier poste - Ausnahmen wie zu den 'Quellen des Lichtspenders' oder den 'körperlichen Details' (in letzteren Thread wird u.a. übrigens auch die Verbindung zwischen Waldläufer und Waldröschen theamtisiert) bestätigen dabei sicherlich die Regel - liegt ja nun zum erheblichen Maße auch daran, daß, und dies galt auch schon beim alten Forum, man hier bei der Karl-May-Stiftung Gestaltungsmöglichkeiten beim Schriftbild hat, also die Texte z.B. kursiv, fett, unterstrichen oder farbig darstellen kann, was bei dem Umfang meiner Beiträge und den darin häufigen Zitieren von Texten eigentlich unverzichtbar ist, um dem Leser einen noch einigermaßen übersichtlichen Beitrag anzubieten; insbesondere, wenn die Sätze so lang sind, wie dieser hier.

VieleGrüße
Thomas


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BeitragVerfasst: 1.4.2005, 16:31 
Hallo Thomas,

es ist aber sehr schade, dass Du dich nicht dazu durchringen kannst, deine Beiträge - zumindest einen Teil davon - als Buch zu publizieren.

Mir gefällt an deinen Beiträgen, daß Du dich oft auf den Pfaden des von mir so geschätzten Walter Ilmers bewegst, der - wie Du - durchaus dem Spekulativen einen größeren Raum widmete.

Hatte ich einen Beitrag von Walter Ilmer gelesen, klappte ich das buch zu und sagte mir, ja so könnte es gewesen sein und ich bin mir sicher, dass es auch so war.

Du, lieber Thomas, bist sein würdiger Nachfolger und darauf kannst Du stolz sein. Das ist - um Mißverständnisse zu vermeiden - absolut ehrlich gemeint.

Viele Grüße
Kurt


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BeitragVerfasst: 1.4.2005, 20:41 
Kurt Altherr hat geschrieben:
Hallo Thomas,

es ist aber sehr schade, dass Du dich nicht dazu durchringen kannst, deine Beiträge - zumindest einen Teil davon - als Buch zu publizieren.



Finde ich auch.
Und vielleicht, lieber Thomas, haben Sie einmal die Gelegenheit,
die "magischen" Worte zu sprechen: SIE SOLLTEN MEIN VERLEGER SEIN!

Humorvoller Gruß
Joachim Wöbking


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BeitragVerfasst: 1.4.2005, 21:41 
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Ich möchte mich den Wünschen meiner Vorredner aus ganz egoistischen Gründen anschliessen. Der einzige (für mich aber gravierende) Nachteil dieser Beiträge ist, dass es für mich schier unmöglich ist, Texte dieser Länge und Komplexität auch nur einigermaßen am Bildschirm zu verfolgen. Mir geht's nämlich regelmäßig so, dass wenn ich mal "zurückblättere" (und das ist manchmal nötig), einfach irgendwann den Faden verliere und deshalb dann aufgebe.
Texten dieser Länge, die auch eine gewisse Konzentration beim Lesen erfordern, kann ich einfach nur auf Papier die nötige Aufmerksamkeit zuwenden.

Helmut


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BeitragVerfasst: 1.4.2005, 21:48 
Hallo Helmut,

es gibt auch die Möglichtkeit - ich tue dies bei den Beiträgen von Thomas stets - sich die Beiträge auszudrucken. Inzwischen füllen seine Beiträge schon einen dicken Ordner.

Ich sammle seine Beitzräge lieber als so manches Fach-Magazin. :lol: :lol:

Viele Grüße
Kurt


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BeitragVerfasst: 1.4.2005, 22:01 
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Hallo Kurt,
da hast Du mich an dem wunden Punkt erwischt, denn ich versucht habe zu übergehen. Da ich mich hier mit der "abgelegten Hardware" meiner Söhne begnüge, habe ich's noch nicht mal zu einem Drucker geschafft.
(Das ist nicht ganz wahr, ich habe einen Uralt-Tintenspritzer, der ca. 5 Min pro Seite braucht und nach 100 Seite eine neue Patrone.)
:(

Helmut


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BeitragVerfasst: 3.4.2005, 21:34 
Hallo Helmut,

nun diese ausgedruckten Sachen ersetzen in keiner Weise ein Buch. Große Teile von Hermann Wohlgschafts alter Karl-May-Biografie habe ich mir ausgedruckt und nun erscheint es - hoffentlich wird es bald wahr - als dreibändige Neuausgabe.

Viele Grüße
Kurt


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