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 Betreff des Beitrags: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 15.10.2010, 9:59 
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Beim Umherschweifen auf der Werke-CD lief mir heute morgen dieser Satz aus „Mein Leben und Streben“ über den Weg:

Zitat:
Was sich in jedem Menschen vollzieht, ohne daß er es bemerkt oder auch nur ahnt, das vollzog sich in mir, indem ich es sah und hörte.

Da geht es um Bewusstheit … in dem Zusammenhang ist auch der Satz „Das Karl-May-Problem ist das Menschheitsproblem“ zu verstehen … Er konnte in sich hineingucken, und daher auch in andere … denn wir sind ja alle aus denselben Stoffen zusammengesetzt, wenn auch in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen …

Viele würden indes diese Bewusstheit, wenn sie sie denn hätten, schwer aushalten … und gucken daher vorsichtshalber lieber gar nicht erst so genau hin … unbewußt … um nicht sehen, nicht spüren zu müssen …

Zitat:
ich machte diese Beobachtungen mit einer Objektivität und Kaltblütigkeit, als ob es sich nicht um mich selbst, sondern um einen ganz andern, mir vollständig fremden Menschen handle. Und ich lebte das gewöhnliche, alltägliche Leben ganz so, wie jede gesunde Person es lebt, die von derartigen psychologischen Vorgängen nicht angefochten wird.


Zitat:
Ardistan gegen Dschinnistan […] die eingeborene menschliche Bestie gegen die Wiedergeburt, nach der jeder Sterbliche zu streben hat

(Wiedergeburt [vermutlich] nicht wörtlich zu nehmen)

Zitat:
Ob irgend Jemand an meiner Stelle das ausgehalten hätte, das weiß ich nicht, ich glaube es aber kaum.

Naja, das halten schon einige aus, aber die kompakte Majorität halt nicht … („Es können ja nicht alles kleine König Ödipusse sein“; herrliches Zitat eines [alters]weisen Gesprächspartners vor gut dreißig Jahren).

Man kann May immer wieder neu und mit anderen Augen lesen … bei der ganzen Passage in „Mein Leben und Streben“ habe ich eben bei erneutem Lesen den Eindruck gehabt, es geht einfach um Bewusstsein, Bewusstheit, hingucken, verschiedene Anteile ... schwülstig überhöht mit pathetischen Worten (damit sind nicht die zitierten Stellen gemeint)… vielleicht letzteres (das 'Überhöhen') seitens May gar ganz bewusst, für die Galerie, und mit klammheimlichen Augenzwinkern ? („Des Schneiders Fluch“ usw. !)

Augenzwinkern soll nicht etwa heißen, er habe die Angelegenheit nicht ernst genommen … nur ob die moralsierenden Wertungen, mit denen er sie in besagter Passage herüberbringt, wirklich seinem Empfinden entsprachen, möchte ich bezweifeln.

Hitchcock wurde dieser Tage erwähnt, Stevenson … (von inneren & äußeren Werwölfen mal ganz abgesehen …) Solche gedanklichen Querverbindungen sind das Salz in der Suppe bei der Beschäftigung mit Karl May (u.a. …). Genre- und schubladenübergreifend.

Um solche Dinge (Bewusstheit, Abgründe, hingucken, wahrnehmen, akzeptieren, integrieren‚ 'überwinden' usw.) geht es übrigens in hohem Maße auch in den „Himmelsgedanken“, denen man durchaus „etwas abgewinnen“ (putziges Zitat von Ralf Schönbach auf S. 377 seines Reprintbandes) kann.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 16.10.2010, 13:17 
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rodger hat geschrieben:
Zitat:
Ardistan gegen Dschinnistan […] die eingeborene menschliche Bestie gegen die Wiedergeburt, nach der jeder Sterbliche zu streben hat

(Wiedergeburt [vermutlich] nicht wörtlich zu nehmen)

siehe Ustad => Feier des Todestages, weitergedacht => Wiedergeburt evtl. auch als Auferstehung zu verstehen... *überleg*
=> Geisterschmiede, es entsteht etwas völlig Neues aus dem Vorhandenen/Bestehenden...
Der(das) Gleiche und doch völlig Neu (Anders)

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People may hate you for being different and not living by society’s standards, but deep down they wish they had the courage to do the same. (Kevin Hart)


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 3:48 
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Dass May eine besondere Begabung zur "Menschenanalyse"hatte,halte ich fuer Unsinn.Er hatte sicher eine gewisse Einsicht seiner Schwaechen,sein Groessenwahn faellt mir da ein aber zur echten Selbstkritik hat es nicht gereicht.So wurde die Old Shatterhand Legende nicht aus Einsicht sondern im Zwang aufgegeben aber sein Hang zur Selbstueberschaetzung fand schnell ein neues Ventil.Jetzt wollte der halbgebildete vorbestrafte Hilfslehrer die Menscheitsfrage beantworten wobei sich darunter ein jeder etwas anderes vorstellen kann.
Lassen wir dich die Kirche im Dorf,er hatte wundervolle Abenteuerbuecher geschrieben das ist die Essenz. Mehr konnte er nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 9:41 
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Thomas Math hat geschrieben:
Dass May eine besondere Begabung zur "Menschenanalyse"hatte,halte ich fuer Unsinn.

Ich nicht ... Er hat, denke ich, alle[s] verstanden ... naja, fast alle[s].

Zitat:
Er hatte sicher eine gewisse Einsicht seiner Schwaechen

Alles was einem im Außen begegnet, ist man auch selber, alles in einem selber findet man auch im Außen ... insofern ist "eine gewisse Einsicht" eigener Schwächen [und Stärken] schon hilfreich in Sachen [weiterführender] Durchblick ...

Zitat:
sein Groessenwahn faellt mir da ein aber zur echten Selbstkritik hat es nicht gereicht.

Hadschi Halef, Hobble Frank, Turnerstick usw., das sind alles Porträts eigener Anteile ... und das wußte er, denke ich, sehr genau ... im Fall Hadschi Halef hat er das später ja ausdrücklich geäußert.

Zitat:
So wurde die Old Shatterhand Legende nicht aus Einsicht sondern im Zwang aufgegeben

Das ist richtig, beeinträchtigt aber nicht das oben gesagte, ist insofern kein Argument zur Sache. Daß er zur Zeit der Old Shatterhand-Legende sozusagen völlig durchgeknallt war, bezweifle ich nicht ... (und auch nicht daß es gut und richtig war daß er gewaltig auf die Nase gefallen ist.)

Zitat:
aber sein Hang zur Selbstueberschaetzung fand schnell ein neues Ventil.Jetzt wollte der halbgebildete vorbestrafte Hilfslehrer die Menscheitsfrage beantworten

Interessante These. Versteh' ich. Könnte so sein (= (u.a.): ist aber nicht so). Eine Portion davon wird's haben. Ist aber mehr. Ist nicht darauf zu reduzieren. So einfach ist es nicht.

Zitat:
er hatte wundervolle Abenteuerbuecher geschrieben

Das mit dem Abenteuer ist Beiwerk, Gewand, Drumherum, weiter nichts ... Die Dorfgeschichten, Humoresken usw. sind mindestens genau so schön ... & genauso relevant ... teilweise sogar die Prozessschriften. Ich erinnere mich an eine Stelle wo er die Pauline Münchmeyer beschreibt, da laß ich jeden Indianerangriff für stehen ...

Zitat:
das ist die Essenz.

Die Essenz sind die 'Himmelsgedanken'. Aber die werden halt nicht verstanden.

Zitat:
Mehr konnte er nicht.

Daß zwischen Begabung und [handwerklichem, formvollendeten, eine 'solide' Basis habenden]'Können' eine gewisse Diskrepanz herrschte, sei unbestritten ... Ernst Bloch hat das sehr schön auf den Punkt gebracht. Aber ich lese lieber die teilweise schlampig-schludrig unter völliger Vernachlässigung der Form zusammengeschusterten Absonderungen eines Weisen als fade knochentrockene ausgefeilte Werke weniger weiser ...


Zuletzt geändert von rodger am 17.10.2010, 10:37, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 10:33 
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Aber bevor wir nun hundert Jahre hin- und herdebattieren, was er konnte, und was er nicht konnte, oder was er drauf hatte oder nicht drauf hatte ... ich werde die Welt nicht davon überzeugen, daß ich Recht habe (das ist auch weder meine Aufgabe noch mein Bedürfnis) ... auch in KMG-Kreisen ist ja die [elendig schnöselige] Haltung "Er war nun mal ein ungebildeter Tropf" sehr beliebt ...

also, lieber was Unterhaltsames, für die Galerie, oben erwähnte Stelle:

Zitat:
Als ich mit dem 'Heinrich' hinüber in die Wohnung kam, war es 'Pauline' zwar nicht möglich, jenes stereotyp verlegene, breite Lächeln zu verbergen, welches auch einem geistreichen Gesicht nur übel stehen würde; aber im Verhältnis zu ihrer sonstigen Intelligenz fand sie sich doch ganz leidlich in die für sie gewiß nicht angenehme Situation


:D


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 10:49 
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Zu Thomas Math:

Es ist, wie so vieles, eine Frage der Wahrnehmung. Das ›Phänomen Karl May‹ kann man so sehen und so bewerten wie Herr Math. Man kann es aber auch anders sehen und anders bewerten. Zum Beispiel so:

Karl May war eine hochinteressante Persönlichkeit. Über viele Irrwege entwickelte er sich vom vielfach geschädigten Kind und vom psychisch gestörten Straftäter zum angesehenen Autor. Er blieb nie stehen und er gab nie auf. Vom talentierten Jugend- und Abenteuerschriftsteller entwickelte er sich – über viele Umwege – zum religiösen Symboldichter und Verfasser eines literarisch bedeutenden Spätwerks.

Mich persönlich fasziniert dieser Entwicklungsweg.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 11:05 
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Zur »Menschheitsfrage«:

In seinem Vortrag in Lawrence/Massachusetts (1908) sprach May über »drei Menschheitsfragen«: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

Seit jeher bewegen die Menschheit diese drei Grundfragen. Es sind die Grundfragen jeder Philosophie. Wir finden sie – in der von May gewählten Formulierung – schon in der Gnosis (1. Jahrhundert n. Chr.), auch bei Heinrich von Kleist, bei Paul Gauguin und vielen anderen Autoren vor und nach Karl May.

Gemessen an diesen drei Menschheitsfragen sind alle anderen Fragen relativ unwichtig. Zumindest dies hat Karl May erkannt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 11:09 
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@Zitat über Pauline M.

Falls (damit ist zu rechnen) jemand [in dem Fall nicht der altfränkische, sondern] der menschenverachtende Zug solcher Äußerungen stört, sei angemerkt, dass er sozusagen hemmungslos auch über sich selber so geschrieben hätte; in „Am Rio de la Plata“ [z.B.] hat er es in überzeugender Weise getan; da findet er einen Brief, in dem er selber beschrieben wird …

Zitat:
Der Ueberbringer dieses Briefes hat sich mehrere Jahre lang unter den Indianern umhergetrieben, ein verwegener Kerl, dabei aber stockdumm und vertrauensselig, wie es von einem Dutchman auch gar nicht anders zu erwarten ist. Er will, glaube ich, nach Santiago und Tucuman und wird also durch die Provinz Entre-Rios kommen. Thun Sie, als ob Sie ihm ein Empfehlungsschreiben an Jordan geben, welches aber die beiden Kontrakte enthalten wird. Findet man sie bei ihm und er wird erschossen, so verliert die Welt einen Dummkopf, um welchen es nicht schade ist. Natürlich dürfen die Dokumente Ihre Unterschrift nicht enthalten; Sie unterzeichnen vielmehr erst dann, wenn Sie dieselben durch einen Boten Jordans zurückerhalten.
Am übrigen wird der Dutchman Ihnen nicht viele Beschwerden machen; er ist von einer geradezu albernen Anspruchslosigkeit. Ein Glas sauren Weins und einige süße Redensarten genügen, ihn glücklich zu machen.

Seine Menschenverachtung war nämlich gepaart mit sanftem Humor und Einsicht, und mit Herzenswärme („und das geht auch“; Herbert Grönemeyer). Das ist der erfreuliche Unterschied zu Thomas Mann.

(Nun könnte man noch einwenden, solche Sachen wie dieser Brief zeugten von mangelnder Selbstachtung. Mag sein, ja. Oder aber einfach von Einsicht dass es halt ist wie es ist (übertreibend veranschaulicht freilich).)


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 11:24 
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@Einwände ...

Mit solchen Läppigkeiten wie "Der Ich-Erzähler ist nicht der Autor" wollen wir uns gar nicht beschäftigen, das ist eh klar ... mal ist er es, mal nicht, auch innerhalb ein und desselben Textes übrigens ... in dem Fall ist er's ... auch wenn er nicht, wie im Zitat angegeben, bei den Indianern war, darum geht's nicht ...

(für die GermanistInnen: es mag sein, daß "es" eigentlich Lappalien "heißt", mir war aber für das Hauptwort nach einer Wortschöpfung, in der 'läppisch' anklingt. 8) )


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 11:59 
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@Wer sind wir, woher kommen wir, wohin gehen wir …

Eigenartig zusammengesetzte Wesen, gut & böse, stark & schwach, groß & klein, hart & weich, warm & kalt, dumm & klug … („lächerlich und heilig doch“ steht bei Thomas Mann, in etwas anderem Zusammenhang …)

Aus der Schöpfung ("Nenn' se's wie se wollen" ...). Die kennen wir nicht wirklich. Daher können wir das nicht beantworten …

Dito. Mit „In die“ statt „Aus der“. (Ist sprachlich so ähnlich wie bei „In der Festung“ und „Aus der Festung“ ... :wink: )


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 18:45 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Zu Thomas Math:

Es ist, wie so vieles, eine Frage der Wahrnehmung. Das ›Phänomen Karl May‹ kann man so sehen und so bewerten wie Herr Math. Man kann es aber auch anders sehen und anders bewerten. Zum Beispiel so:

Karl May war eine hochinteressante Persönlichkeit. Über viele Irrwege entwickelte er sich vom vielfach geschädigten Kind und vom psychisch gestörten Straftäter zum angesehenen Autor. Er blieb nie stehen und er gab nie auf. Vom talentierten Jugend- und Abenteuerschriftsteller entwickelte er sich – über viele Umwege – zum religiösen Symboldichter und Verfasser eines literarisch bedeutenden Spätwerks.

Mich persönlich fasziniert dieser Entwicklungsweg.



Also ob May psychisch gestoert war halte ich fuer zutiefst fragwuerdig,das gleiche gilt dem vielfach geschaedigten Kind wobei May sicher keine einfache Kindheit hatte,aber wer hatte die schon damals.
Trotzdem er war eine Musterbeispiel einer gelungenen Resozialisation und eine interessante Persoenlichkeit.
Im Gegensatz zu ihnen halte ich eher das Spaetwerk fuer ein Zeichen einer zeitweisen Verwirrung denn seine Straftaten.
Das Spaetwerk wird ausser von ein paar Juengern von niemandem gelesen und ist daher auch nicht bedeutend,eher schon der verfehlte Versuch ein Leben voller Luegen umzudeuten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 18:50 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Zur »Menschheitsfrage«:

In seinem Vortrag in Lawrence/Massachusetts (1908) sprach May über »drei Menschheitsfragen«: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

Seit jeher bewegen die Menschheit diese drei Grundfragen. Es sind die Grundfragen jeder Philosophie. Wir finden sie – in der von May gewählten Formulierung – schon in der Gnosis (1. Jahrhundert n. Chr.), auch bei Heinrich von Kleist, bei Paul Gauguin und vielen anderen Autoren vor und nach Karl May.

Gemessen an diesen drei Menschheitsfragen sind alle anderen Fragen relativ unwichtig. Zumindest dies hat Karl May erkannt.

Die Theologie ist die Stiefschwester der Philosophie habe ich mal irgendwo gelesen.
Fuer mich sind bedei voellig unnuetzes spekulatives Gelabbere.

Wir sind ein Produkt der Evolution und wir werden alle sterben aber wenn wir Glueck haben wird unsere Essenz (d.h.unsere genetische Information)in unseren Kindern fortleben und sich verbessern.
So das hat genau 2 Minuten gedauert Mays Fragen zu beantworten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 18:52 
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rodger hat geschrieben:
@Wer sind wir, woher kommen wir, wohin gehen wir …

Eigenartig zusammengesetzte Wesen, gut & böse, stark & schwach, groß & klein, hart & weich, warm & kalt, dumm & klug … („lächerlich und heilig doch“ steht bei Thomas Mann, in etwas anderem Zusammenhang …)

Aus der Schöpfung ("Nenn' se's wie se wollen" ...). Die kennen wir nicht wirklich. Daher können wir das nicht beantworten …

Dito. Mit „In die“ statt „Aus der“. (Ist sprachlich so ähnlich wie bei „In der Festung“ und „Aus der Festung“ ... :wink: )



Was hast Du denn immer mit Thomas Mann ?Auch Du weisst doch sonst die Persoenlichkeit des Dichters von seinem Werk zu trennen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 19:16 
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Thomas Math hat geschrieben:
Was hast Du denn immer mit Thomas Mann ?

Texte von ihm haben mich seinerzeit beträchtlich beeindruckt und teilweise tun sie das immer noch ...

Zitat:
Auch Du weisst doch sonst die Persoenlichkeit des Dichters von seinem Werk zu trennen.

Daß ich etwas "mit ihm habe" :mrgreen: (ich lach' Dich nicht aus aber die Doppeldeutigkeit ist halt hübsch) heißt ja nicht daß ich nicht Persönlichkeit und Werk zu trennen in der Lage wäre ... Gerade in seinem Fall ist es krass ... ich mag ihn überhaupt nicht ... aber Teile seines Werkes ...


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 Betreff des Beitrags: Re: Bei Durchsicht meiner CD oder Ein Kessel Buntes ...
BeitragVerfasst: 17.10.2010, 20:04 
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Thomas Math brauchte nur 2 Minuten, um Mays Fragen zu beantworten. Dietrich Bonhoeffer brauchte wohl etwas länger. Seine Antwort enthält das Gedicht »Wer bin ich?«, das er am 8. Juli 1944 im Militärgefängnis Berlin-Tegel verfasste:

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich trete aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Was ich auch bin, Du kennst mich,
Dein bin ich, o Gott!

Ich meine: Dieses Bonhoeffer-Gedicht atmet den Geist der ›Himmelsgedanken‹ von Karl May.


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