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 Betreff des Beitrags: kein ü für ein u
BeitragVerfasst: 8.11.2012, 23:59 
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HKA VI.I S. 311 Zeile 3 hat geschrieben:
kümmerten

:?: :roll: :!:

Ekkehard Bartsch schrieb am 20. Oktober 2003 in der Vorgängerversion dieses Forums

Zitat:
Das Zitat stammt [...] aus "Meine Beichte" von 1908, deren Text - überraschenderweise! - erstmals in dem Buch von Lebius "Die Zeugen Karl May und Klara May" (1910) abgedruckt worden war. Diesen Abdruck übernahm Dr. E.A.Schmid fürs Karl-May-Jahrbuch 1927 und dann ab 11. Auflage für den Band "Ich". Sowohl bei Lebius, als auch im Jahrbuch und in allen "Ich"-Auflagen bis 1989 stand "kümmerten". Erst beim Korrekturlesen für die Neuausgabe 1992 war mir die Stelle aufgefallen, da ich das Wort "kummerten" inzwischen mal anderweitig bei Karl May gefunden hatte. Da verglich ich den Text mit der Handschrift der Zweitfassung der "Beichte", deren erste vier Seiten ja im gleichen Buch faksimiliert sind, und siehe da - es stand dort "kummerten". Man kann also sicher annehmen, dass Karl May auch in der von Lebius abgedruckten Fassung "kummerten" geschrieben hat und dass der Setzer den U-Bogen für Ü-Striche gehalten hat. So konnte ich für die 38. Auflage den Fehler korrigieren.


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 Betreff des Beitrags: Re: kein ü für ein u
BeitragVerfasst: 9.11.2012, 7:39 
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Wenigstens mal den Satz durchlesen ob er mit "kümmerten" irgendeinen Sinn ergibt, hätte man ja wohl mal erwarten können.

8)

Wird es denn im editorischen Bericht erwähnt?


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 Betreff des Beitrags: Re: kein ü für ein u
BeitragVerfasst: 9.11.2012, 8:59 
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Nein !

Nun, es stand ja, wie Bartsch ausführte, jahrzehntelang falsch in den Büchern, aber ich bin der unmaßgeblichen Meinung, wenn man's einmal weiß dann merkt man es sich und hat es im Ohr, zumal der Satz mit "kummerten" suggestiv eindringlich, nachhaltig klingt, seitens seines Autors ganz bewußt mit einer Prise Dramatik und Pathetik unterlegt, der Rhythmus tut das seine, mit "kümmerten" aber klingt der Satz nach rein gar nichts ...


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 Betreff des Beitrags: Re: kein ü für ein u
BeitragVerfasst: 10.11.2012, 10:26 
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Interessante Entdeckung. Herzlichen Dank für diesen Hinweis. Auch in der "Weltbild"-Version steht "kümmerten". Dann hätten wir also hier mal den Fall, daß die Fassung der GW korrekter ist als die der HKA. Dies peinlich zu nennen, dürfte es wohl treffen.


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 Betreff des Beitrags: Re: kein ü für ein u
BeitragVerfasst: 2.12.2012, 12:28 
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"Hungern und Kümmern" klingt zweifellos anders als "Hungern und Kummern". Es mag mit beiden dasselbe gemeint sein, aber in der Literatur geht es ja nicht nur um das, was geschrieben wird, sondern auch und gerade um das, wie es geschrieben wird; also nicht nur um die Aussage, sondern auch um die Form. May schrieb zwar selbst, er befleißige sich keiner sogenannten künstlerischen Form (Mein Leben und Streben, 228), doch er meinte damit sicherlich nicht, daß die künstlerische Form unwichtig und für ihn und sein Werk irrelevant sei; sonst hätte er wohl auf den Zusatz verzichtet, daß die Zeit, in der ich meinen Arbeiten auch äußerlich eine ästhetisch höhere Form zu geben habe, noch nicht gekommen ist (Mein Leben und Streben, 228). Wer Mays Werk durchstreift, wird von Anfang an immer wieder auch auf feine literarische Delikatessen, auf Wortspiele und rhetorische Figuren stoßen. Karl May als bedeutender Mann der Feder konnte mit Sprache (in dieser oder eben auch in jener Form) umgehen! Immer schon, nicht erst in seinem Alterswerk. So kommt die Kombination „Hungern Kummern“ bereits in seinem ersten Münchmeyerroman vor: Ich mußte hungern und kummern, bis sich endlich nach Dreivierteljahren ein Holländer mein erbarmte. (Waldröschen, 2059) Auch in Weihnacht! taucht sie auf: Ich bin ein so blutarmer Teufel gewesen und habe mich bis zum heutigen Tage immer vorwärtshungern und -kummern müssen. (Weihnacht!, 454); aber eben auch in seinem Alterswerk läßt er sie in seinen Text einfließen: Frag die Völker, denen das grausame Los beschieden war, infolge solcher Versündigungen an Gottes ›Friede auf Erden‹ jahrhundertelang zu hungern und zu kummern, um abzubüßen, was Knaben sündigten! (Ardistan und Dschinnistan I, 343)


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