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 Betreff des Beitrags: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 30.7.2014, 12:38 
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Aus einem anderen Thread:

Zitat:
Der Leser des Zeitschriftenabdrucks von "Am Tode" weiß am Ende nichts von einer bevorstehenden Rettung Halefs und Kara Ben Nemsis. Man hat eher den Eindruck daß es wirklich ums Sterben geht. Vermutlich ist dieser Schluß die Stelle, an der May seinen Hadschi Halef sterben lassen wollte, das dann aber doch nicht 'übers Herz' brachte.


Bei Thomas Mann las ich heute (in "Buddenbrooks")

Zitat:
Mit dem Typhus ist es folgendermaßen bestellt: In die fernen Fieberträume, in die glühende Verlorenheit des Kranken wird das Leben hineingerufen mit unverkennbarer, ermunternder Stimme. Hart und frisch wird diese Stimme den Geist auf dem fremden, heißen Wege erreichen, auf dem er vorwärts wandelt, und der in den Schatten, die Kühle, den Frieden führt. Aufhorchend wird der Mensch diese helle, muntere, ein wenig höhnische Mahnung zur Umkehr und Rückkehr vernehmen, die aus jener Gegend zu ihm dringt, die er so weit zurückgelassen und schon vergessen hatte. Wallt es dann auf in ihm, wie ein Gefühl der feigen Pflichtversäumnis, der Scham, der erneuten Energie, des Mutes und der Freude, der Liebe und Zugehörigkeit zu dem spöttischen, bunten und brutalen Getriebe, das er im Rücken gelassen: wie weit er auch auf dem fremden, heißen Pfade fortgeirrt sein mag, er wird umkehren und leben. Aber zuckt er zusammen vor Furcht und Abneigung bei der Stimme des Lebens, die er vernimmt, bewirkt diese Erinnerung, dieser lustige, herausfordernde Laut, daß er den Kopf schüttelt und in Abwehr die Hand hinter sich streckt und sich vorwärts flüchtet auf dem Wege, der sich ihm zum Entrinnen eröffnet hat … nein, es ist klar, dann wird er sterben. –


Bei Karl May lesen wir

Zitat:
»Ich sehe --- wer --- wer ist das? Das ist der --- Pe --- der Pe --- Pedehr und --- und --- ich muß fort --- fort von dir! --- Wer --- wer --- wer bin --- bin --- wer bin ich und wer ----«
Da stand der Ustad mit einer unerwartet schnellen Bewegung auf und rief ganz auffallend laut und deutlich:
»Du bist Hadschi Halef Omar, der Scheik der Haddedihn! Hörst du? Hadschi Halef Omar, der Scheik der Haddedihn vom Stamme der Schammar!«
»Had --- Hadschi Hal --- Halef --------«
Er brachte nur diese Silben zusammen; dann verhauchte seine Stimme und wurde nicht mehr gehört. Nun ließ sich der Ustad wieder nieder, bog sich zu mir herüber und fragte mich, leise flüsternd:
»Begreifst du, was ich that?«
»Nein.«
»So denke nach! Ich habe ihn zu sich zurückgeführt.«
»Ist es denn möglich, eine Seele, welche bereits im Begriffe steht, ihre Verbindung mit dem Körper zu lösen, durch Worte festzuhalten?«
»Ja, das hast du jetzt erfahren und wirst den Beweis bald kommen sehen.«


Hanno geht, Halef bleibt ...


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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 31.7.2014, 17:59 
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Wenn der Hadschi für einen Anteil an ihm selbst steht, dann stand also der Mayster im Begriff einen Teil, eine Persönlichkeitsstruktur, etwas von oder an sich, oder dergleichen, gehen/sterben zu lassen. Im letzten Moment brachte er dies nicht übers Herz, bzw. entschloss er sich dies nicht zu tun.
Gesetzt den Fall, daß Halef wirklich für den Aufschneider, das Großm..., den Prahlhans, stand, dann wollte sich May letztendlich doch nicht von diesem Part an seinem Inneren verabschieden. Nachdem er sich dessen bewusst geworden war und nach seinen Aussagen in den Skripten in Richtung 'Edelmensch' sehr verwunderlich, dass er doch nicht den letzten Schritt in diese Richtung gehen wollte. War ihm bewusst, dass er ohne diesen Teil nicht mehr wirklich er selbst sein würde, oder dass er doch nicht die Kraft dazu hatte, diesen Akt voll durch zu ziehen? Oder gar, dass er, sollte er sich soweit in seine Gefilde zurückziehn, er den Kontakt/die Verbindung zu seinen Lesern verlieren würde, die ihm ohnehin nur ansatzweise folgen konnten?
Oder, weitergesponnen, Halef stand für den/das Suchende in ihm, dann konnte er dies (noch) nicht, da er (Kara Ben/May)nach wie vor auf dem Weg und noch lange nicht angekommen war...
:roll:

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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 7:08 
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Doro hat geschrieben:
Wenn der Hadschi für einen Anteil an ihm selbst steht, dann stand also der Mayster im Begriff einen Teil, eine Persönlichkeitsstruktur, etwas von oder an sich, oder dergleichen, gehen/sterben zu lassen. Im letzten Moment brachte er dies nicht übers Herz, bzw. entschloss er sich dies nicht zu tun.
Gesetzt den Fall, daß Halef wirklich für den Aufschneider, das Großm..., den Prahlhans, stand, dann wollte sich May letztendlich doch nicht von diesem Part an seinem Inneren verabschieden. Nachdem er sich dessen bewusst geworden war und nach seinen Aussagen in den Skripten in Richtung 'Edelmensch' sehr verwunderlich, dass er doch nicht den letzten Schritt in diese Richtung gehen wollte.

Er konnte es nicht ...

Die vermeintliche große Wandlung nach der Orientreise war in Wahrheit nicht allzu tiefgreifend ... Kritisch formuliert, könnte man sagen, er hat nur die Taktik geändert, war er vorher der vermeintlich Größte in Sachen Reiten, Schiessen usw., dann war er jetzt der vermeintlich Größte in Sachen Leiden, Ungerechtigkeiten hinnehmen usw. ... Aber der Größte wollte er schon noch sein, darunter sollte es nicht sein ...

8)

Zitat:
Oder, weitergesponnen, Halef stand für den/das Suchende in ihm

Wohl nicht ...

:D


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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 9:39 
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Doro hat geschrieben:
Gesetzt den Fall, daß Halef wirklich für den Aufschneider, das Großm..., den Prahlhans, stand,



Ich glaube nach wie vor und eigentlich immer mehr, dass das so als Beschreibung der Persönlichkeit Halefs nicht voll gerecht wird.
Zitat:
Wenn der Hadschi für einen Anteil an ihm selbst steht

heißt das für mich auch, dass der Hadschi mit all seinen Schwächen (Aufschneider, Großm..., Prahlhans) und ebenso all seinen oftmals geschilderten Stärken im Gegensatz zur Kunstfigur Kara Ben Nemsi für all die Stärken und Schwächen des Menschen insgesamt und die Stärken und Schwächen Karl Mays im konkreten steht. Eine somit zwar literarisch verfremdete aber doch bis zu einem bestimmten Punkt realistisch gezeichnete Figur und Wiederspiegelung der menschlichen Eigenschaften.
Was Kara Ben Nemsi nicht (oder besser: kaum) von sich behaupten kann, er ist die literarische Darstellung des Idealbildes, wie der Mensch sein sollte.

Die Absicht, Halef sterben zu lassen. D.h., einen Teil seinen bisherigen Ich zu begraben. Er brachte es nicht übers Herz. Was nicht heißt, dass es ihm mit seinem Wunsch nach innerer Wandlung und Selbstveränderung nicht ernst war. Er öffnete sich (m.E.) für neue Sichtweisen, aber weder er noch irgendjemand anders, der das im heutigen realen Leben tut, kann sich dazu einen völlig andern Körper, ein völlig anderes Ich wählen. Das Ich muss bleiben, aber es hat sich zu verändern. Mit allen Fortschritten und Rückschlägen, die eine (Selbst)Veränderung mit sich bringt. Und auch deshalb musste letztlich Halef - der in diesem Zusammenhang eben mehr ist als eine reine literarische Kunstgestalt - im Buch am Leben bleiben.

(Übrigens auch eine nicht uninteressante Sache. Wir sagen "AM Leben", nicht "IM Leben". Das erinnert mich gerade an den Buchtitel "AM Jenseits", dessen (geplante ???) Fortsetzung "IM Jenseits" nie geschrieben wurde. Warum sagen wir "AM Leben", nicht "IM Leben"? Und warum gibt es "AM Jenseits", aber nicht "IM Jenseits"? Bin grad am Grübeln, ob hier nicht ein bisher nicht beachteter Zusammenhang, wie Karl May den Buchtitel und das Buch verstanden wissen wollte, besteht.)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 10:01 
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Zu der Sache mit der Selbstveränderung,
Zitat:
Das Ich muss bleiben, aber es hat sich zu verändern.

der die Selbsterkenntnis vorauszugehen hat, finden wir - übrigens passenderweise in "Am Jenseits" - ein längeres Gespräch zwischen Kara Ben Nemsi und Halef.

Zitat:
»(...) Hörst du wohl, ich sage 'dir und mir'. Weißt du, was ich meine?«
»Nein.«
»So oft ich von uns beiden spreche, bin ich so höflich, dich zuerst zu nennen; das habe ich stets gethan. Du aber sagst stets 'mir und dir' oder 'mich und dich', stellst also immer dich voran! Das habe ich jahrelang beobachtet und niemals eine Ausnahme bemerkt. Kannst du dir wohl denken, als welchen Beweis ich mir diesen an und für sich geringfügigen Umstand wohl habe gelten lassen?«
»Sihdi, von diesem Umstande weiß ich ja gar nichts!«
»Das ist es ja eben! Wenn ich mit dir von uns beiden spreche, so denke ich nicht nur an die dir schuldige Höflichkeit, sondern auch an meine Freundschaft und Liebe zu dir, welche mich bestimmen, dich stets voranzusetzen. Du aber weißt nichts davon; du denkst gar nicht daran, und weil du dich für einen ungeheuer bedeutenden Menschen hältst, bringst du dein liebes Ich ohne alle Ausnahme stets zuerst.«
»Ist das wahr, Effendi?«
»Ja.«
»Das möchte ich aber doch kaum glauben!«
»Ich könnte es dir beweisen, wenn auch nur indirekt.«
»Wodurch?«
»Du weißt, daß ich in meinen Büchern auch unsere Reisen und Erlebnisse beschreibe. Du hast mich gebeten, dich ganz genau so zu schildern, wie du bist, um Allahs willen ja nicht anders. Das habe ich gethan, und nun kann jeder, der ein solches Buch in die Hand bekommt, nachschlagen und sich überzeugen, daß du mich immer hinter dich stellst, mich stets erst nach dir nennst.«
Da faßte er mich schnell und kräftig am Arm, zog mich einige Schritte fort, als ob jemand dastehe, der seine Worte nicht hören solle, und fragte mich in erschrockenem, hastigem Tone:
»Du, Sihdi, steht das wirklich in den Büchern?«
»Ja.«
»Und jeder kann es lesen?«
»Meine Bücher befinden sich in mehr Händen, als du denkst. Hunderttausende haben es schon gelesen.«
»Sei barmherzig und sag, daß es nicht so ist!«
»Das kann ich nicht, denn es ist wirklich so.«
»Alla kerihm! So sei Allah mir gnädig! Was müssen diese Leute alle von mir denken! Für was müssen sie mich halten, den Scheik der Haddedihn vom großen Stamme der Schammar! Wenn mein Mich stets vor deinem Dich zu finden ist, ohne daß ich deinem Dir vor meinem Mir den Vortritt lasse, so ist zu befürchten, daß unser Uns auch stets an der unrechten Stelle steht! Mein ganzer Ruhm ist hin! Man wird mein Ich für ungeheuer rücksichtslos halten und mich mit Recht der unhöflichen und also unverzeihlichen Zurückstellung deines dir mit vollstem Rechte gehörenden Du beschuldigen! Die Ehre meiner bescheidenen Unterwürfigkeit ist hingeschwunden und der Glanz meiner schönen Umgangsform in Finsternis verwandelt! O Sihdi, warum, warum hast du das mir, deinem treuen Halef, angethan!«
»Du hast es so gewollt. Ich sollte dich ja nicht anders beschreiben, als du bist!«
»Das ist wohl wahr; aber als ich diesen Wunsch aussprach, war mir das Mich und Dich ganz unbekannt. Nun ist dein Hadschi Halef im ganzen Abendlande ein anrüchiger Mensch geworden, und all mein einstiger guter Ruf hat sich in Schimpf und Schmach verkehrt. Ich bin eine verdorbene Wassermelone, ein fauler Apfel, ein wurmstichiger Buchecker geworden, den kein Sindschab47 verzehren mag! Sei gütig gegen mich, Effendi, und sag, ob das nicht noch zu ändern ist!«
»Was einmal im Buche steht, kann leider nicht daraus entfernt werden!«
»Aber wie da, wenn du ein neues schreibst?«
»Da will ich dir ganz gern deinen Wunsch erfüllen und zeigen, daß du dich geändert hast. Nur muß diese Aenderung auch Wahrheit sein!«


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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 15:56 
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Rene Grießbach hat geschrieben:
Kara Ben Nemsi [...] ist die literarische Darstellung des Idealbildes, wie der Mensch sein sollte.

Habe ich nie so empfunden. Es schmeckt immer ganz gewaltig der Mensch May durch, und der ist nicht ideal ... Er ist menschlich. Und sympathisch. Aber kein Ideal.

Zitat:
Das Ich muss bleiben, aber es hat sich zu verändern.

Schön gesagt.

Zitat:
Wir sagen "AM Leben", nicht "IM Leben".

Der Bearbeiter von Band 22 der Grünen Bände, "Satan und Ischariot", ich glaube es war Euchar Albrecht der Sprachgestalter höchstpersönlich, schreibt [auf der ersten Seite] "war am Sterben gewesen", fällt mir dazu launigerweise ein. Im Ruhrpott an der Trinkhalle spricht man auch so. :D


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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 16:22 
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Nochmal zu Halef, so einfach ("Er ist das und das") ist es nicht, er ist mal eine erfundene oder auch empfundene Figur, Kamerad und Freund, mal Ich-Anteil, dies wiederum mal mehr, mal weniger bewußt seitens seines Autors ...

Andere Schriftsteller machen das übrigens auch so :D daß Figuren mal teilweise für sie selber, teilweise für jemand anders stehen und teilweise für sich ... Habe ich dieser Tage dem Thomas Mann -Handbuch entnommen bzw. eigene Eindrücke dort bestätigt gefunden, daß Thomas M. in Thomas B. einerseits seinen Vater, andererseits sich selber sieht, und im beeindruckenen emotionalen Disput Thomas-Christian einerseits seinem Bruder die Leviten liest, anderseits sich selber ... (auch ein geneigter Leser kann sowas übrigens für sich so empfinden ... er liest als ob er selber einem bestimmten anderen die Leviten liest und fühlt in der Standpauke gleichzeitig sich selber angesprochen ...)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 20:42 
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rodger hat geschrieben:
Kritisch formuliert, könnte man sagen, er hat nur die Taktik geändert, war er vorher der vermeintlich Größte in Sachen Reiten, Schiessen usw., dann war er jetzt der vermeintlich Größte in Sachen Leiden, Ungerechtigkeiten hinnehmen usw. ... Aber der Größte wollte er schon noch sein, darunter sollte es nicht sein ...

Das klingt sinnig...

Zitat:
Wohl nicht ...

Warum nicht (auch)?

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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 20:58 
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Rene Grießbach hat geschrieben:
Ich glaube nach wie vor und eigentlich immer mehr, dass das so als Beschreibung der Persönlichkeit Halefs nicht voll gerecht wird.
Das habe ich auch nicht behauptet ...
Zitat:
er ist die literarische Darstellung des Idealbildes, wie der Mensch sein sollte.

... sich hinentwickeln sollte... das war im Wesentlichen doch auch die Aussage aus Mays Spätwerk, denk ich...
Zitat:
Die Absicht, Halef sterben zu lassen. D.h., einen Teil seinen bisherigen Ich zu begraben. Er brachte es nicht übers Herz. Was nicht heißt, dass es ihm mit seinem Wunsch nach innerer Wandlung und Selbstveränderung nicht ernst war.
Das war auch keineswegs die Aussage, noch nicht mal angedeutet ...
Zitat:
Er öffnete sich (m.E.) für neue Sichtweisen, aber weder er noch irgendjemand anders, der das im heutigen realen Leben tut, kann sich dazu einen völlig andern Körper, ein völlig anderes Ich wählen.
Um einen Aspekt von sich zu verabschieden, oder anders ausgedrückt, gehen zu lassen, braucht's das auch gar nicht... Im Gegenteil, würde das jemand tun bzw. können und tun, dann wäre die Öffnung bzw. das Gehenlassen des Aspekts, wirkungslos.. Soll heissen, umsonst. Es wäre dann ja nicht mehr der/die/dasselbe Mensch/Persönlichkeit/Wesen. In der Gesamtheit gemeint ...
Zitat:
Das Ich muss bleiben, aber es hat sich zu verändern
Wunderbar gesagt! Eben!
Einen Aspekt gehen zu lassen, um Platz für Neues zu schaffen heißt nicht, sich zu verbiegen, oder komplett jemand anderer zu sein.... mir fällt dazu wieder einmal ganz spontan die Geisterschmiede ein ...
Zitat:
Mit allen Fortschritten und Rückschlägen, die eine (Selbst)Veränderung mit sich bringt. Und auch deshalb musste letztlich Halef - der in diesem Zusammenhang eben mehr ist als eine reine literarische Kunstgestalt - im Buch am Leben bleiben
Hmm, nun ja, das seh ich nun nicht ganz so ...
Zitat:
(Übrigens auch eine nicht uninteressante Sache. Wir sagen "AM Leben", nicht "IM Leben". Das erinnert mich gerade an den Buchtitel "AM Jenseits", dessen (geplante ???) Fortsetzung "IM Jenseits" nie geschrieben wurde. Warum sagen wir "AM Leben", nicht "IM Leben"? Und warum gibt es "AM Jenseits", aber nicht "IM Jenseits"? Bin grad am Grübeln, ob hier nicht ein bisher nicht beachteter Zusammenhang, wie Karl May den Buchtitel und das Buch verstanden wissen wollte, besteht.)
Sehr interessante Frage! *mitgrübel

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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 21:06 
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rodger hat geschrieben:
Nochmal zu Halef, so einfach ("Er ist das und das") ist es nicht, er ist mal eine erfundene oder auch empfundene Figur, Kamerad und Freund, mal Ich-Anteil, dies wiederum mal mehr, mal weniger bewußt seitens seines Autors ...

So einfach ist es nie! Und das ist gut so...

Es macht einen Menschen aus und auch eine gut ausgearbeitete Figur in Buch, Film etc...
Die schillernden Facetten der Persönlichkeit, die sich widerstreitenden Anteile... gerade auch bei Menschen, die sich mit sich selbst auseinander setzen. May ist ein Paradebeispiel für einen immer mit seinem Alter-Ego im Clinch liegenden Menschen, so man seine Aussagen im Spätwerk schätzen mag...

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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 21:35 
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Doro hat geschrieben:
Rene Grießbach hat geschrieben:
Ich glaube nach wie vor und eigentlich immer mehr, dass das so als Beschreibung der Persönlichkeit Halefs nicht voll gerecht wird.
Das habe ich auch nicht behauptet ...



Ich weiß :wink:
Meine Worte waren hier eher als Ergänzung denn als - sagen wir - Polarisierung gemeint.


Doro hat geschrieben:
Zitat:
Die Absicht, Halef sterben zu lassen. D.h., einen Teil seinen bisherigen Ich zu begraben. Er brachte es nicht übers Herz. Was nicht heißt, dass es ihm mit seinem Wunsch nach innerer Wandlung und Selbstveränderung nicht ernst war.
Das war auch keineswegs die Aussage, noch nicht mal angedeutet ...

Richtig, dass das nicht deine oder eure Aussage war. Aber meine Überlegung


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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 22:12 
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Kapiert und verstanden :D

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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 1.8.2014, 22:53 
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rodger hat geschrieben:

Die vermeintliche große Wandlung nach der Orientreise war in Wahrheit nicht allzu tiefgreifend ... Kritisch formuliert, könnte man sagen, er hat nur die Taktik geändert, war er vorher der vermeintlich Größte in Sachen Reiten, Schiessen usw., dann war er jetzt der vermeintlich Größte in Sachen Leiden, Ungerechtigkeiten hinnehmen usw. ... Aber der Größte wollte er schon noch sein, darunter sollte es nicht sein ...


Während er in der Tat nie der Größte „in Sachen Reiten, Schiessen usw.“ war, und das Wörtchen „vermeintlich“ in diesem Zusammenhang sehr wohl angebracht ist, sah es aber doch „in Sachen Leiden etc.“ ein bißchen anders aus. Karl May wurde in den letzten Jahren seines Lebens systhematisch fertig gemacht. Es war ein Rufmord sondersgleichen, der damals stattfand. Karl May hatte das schmerzvoll erkannt und benannt:

Zitat:
Ich habe schon über zehn Jahre lang tagtäglich die Schläge, Hiebe und Stiche meiner Gegner auszuhalten.


Könnte es nicht sein, daß er es diesmal einfach nur ganz exakt auf den Punkt gebracht hat?


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 Betreff des Beitrags: Re: Auf der Kippe
BeitragVerfasst: 2.8.2014, 7:03 
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Nun, zum einen war er nicht unschuldig an der Angelegenheit, zum anderen hat er auch in dieser Zeit seine Neigung zu Pathetik und Überhöhung nicht abgelegt ... Es gibt den guten, alten Schnack 'Lerne leiden ohne zu klagen', den hätte er mehr beherzigen können ...


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