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 Betreff des Beitrags: Winnetou und Geronimo
BeitragVerfasst: 29.7.2015, 19:06 
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Die diesjährige Juli-Ausgabe der "P.M. HISTORY" bietet als einen Schwerpunkt das Thema "Der echte Wilde Westen. Der letzte Apache. Billy the Kid. Der Eisenbahnbau - die Wahrheit hinter den Klischees"
Im Bericht über den Eisenbahnbau zum Beispiel denkt der Karl-May-Freund automatisch an das Greenhorn in "Winnetou I", das als Landvermesser für den Eisenbahnbau in den Wilden Westen geht. Oder z.B. an "Old Firehand". Oder an den Wild-West-Teil von "Auf der See gefangen". Oder "Winnetou III" So heißt es in dem Artikel auf Seite 44
Zitat:
Die Indianer haben der Eisenbahn den Krieg erklärt. Das eiserne Monster vertreibt die Bisons und das Wild, und die Weißen versuchen, sie wieder zum Umzug zu zwingen, in neue Reservate. Auf die Brutalität der Kavallerie und bewaffneter Bahnarbeiter reagieren die aufgebrachten Stämme der Prärie ähnlich gewalttätig. Schauermärchen von skalpierten und gefolterten Eisenbahnern machen in Hell on Wheels die Runde. (...) Aber die Indianer weichen stärkeren Gegnern aus und überfallen kleinere Bautrupps und die Landvermesser ...

Insgesamt räumt der Artikel gründlich auf mit einer Eisenbahnerromantik in den 1860er Jahren. Aber nicht die Gefährlichkeit von Indianern führt zur Bezeichnung "Hölle auf Schienen", vielmehr sind es die gesamten Arbeitsbedingungen für die Arbeiter auf der einen und die Skrupellosigkeit und Gewinnsucht der Gesellschafter auf der anderen Seite. "Die Union Pacific und die Central Pacific liefern sich einen brutalen Wettlauf. Hunderte Arbeiter sterben" - so die Zwischenüberschrift auf Seite 41.

Zitat:
Der letzte Apache
, um den es in dem Heft geht, ist Geronimo.
Der Autor dieses Beitrags beginnt mit dem Namen eines anderen Apachen - nämlich Winnetou - und vergleicht hier zwei Häuptlinge dieses Volkes, die nicht miteinander vergleichbar sind. Und letzteres weist der Autor, Thorsten Kolle, auch nach:
Zitat:
Winnetou wäre bei den Apachen niemals Häuptling geworden. Hätte es den von Karl May erfundenen "edlen Wilden" wirklich gegeben - zu keinem anderen Stamm hätte er weniger gepasst als zu den Apachen. Winnetous Gutmenschentum, das darin gipfelte, dass er brav zum Christentum konvertierte - Geronimo hätte ihm das nicht durchgehen lassen (S.65)

Freilich, Thorsten Kolle vergleicht einen realen Menschen und eine erfundene Figur vor dem Hintergrund der Realität des Kampfs von Geronimo gegen die Weißen. Und um letzteres geht es ja auch in dem Beitrag. Da ist der Platz nicht für eine Auseinandersetzung mit Winnetous - bzw- Karl Mays - Idealen.
Karl May kannte die Wirklichkeit im Wilden Westen nicht, und wenn, dann hätte er - VIELLEICHT - seinen Winnetou anders gestaltet - wer weiß?
Und hätte Geronimo Winnetou die Konvertierung durchgehen lassen? Auch hier: wer weiß? - Schließlich konvertierte Winnetou - zumindest offiziell - erst in seiner Todesstunde zum Christentum.
Was am Ende seines Textes (S.68) auch Kolle richtig wiedergibt:
Zitat:
Der sterbende Winnetou flüsterte Old Shatterhand als letzte Worte zu: "Schar-lih, ich glaube an den Heiland. Winnetou ist ein Christ. Lebe wohl!", und dazu sang ein weißer Siedlerchor das "Ave Maria".

und Kolle schreibt weiter:
Zitat:
Nach Geronimos Tod am 17. Februar 1909 warf ihm die "New York Times" einen hasserfüllten Nachruf hinterher: "Er war das beste Beispiel für die Wahrheit des Sprichwortes: Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer." Geronimo bedauerte auf dem Totenbett nur eines: "Ich hätte mich niemals ergeben dürfen. Ich hätte weiterkämpfen sollen, bis zum letzten Mann."

Eine verabscheuungswürdige Siegermentalität , die in der "New York Times" zum Ausdruck kam, und der selbst die Achtung vor einem verstorbenen tapferen Gegner fremd ist.
Und das "hasserfüllte" in dem Nachruf war ja ganz offensichtlich auch über 100 Jahre nach Geronimos Tod in den USA noch spürbar, bis in Weiße Haus hinein. Was ebenfalls in dem Artikel benannt wird:
"
Zitat:
Geronimo hat sich aber auch über Generationen in den Köpfen der Weißen, insbesondere der US-Militärs, als Bezeichnung für den Staatsfeind Nummer eins festgesetzt. Prominentestes Beispiel: Als am 2. Mai 2011 Präsident Barack Obama im Situation Room des Weißen Hauses per Videoschaltung mit CIA-Direktor Leon Panetta verbunden ist, schildert dieser live eine Mission der U.S. Navy Seals: "Sie haben das Ziel erreicht." Dann Kampfgeräusche. Stille. Schließlich meldet Panetta: "Geronimo EKIA." Enemy Killes In Action. Feind im Kampf getötet. Obama sagt: "Wir haben ihn." Geronimo? Nein. Osama bin Laden, den die Amerikaner unter dem Codenamen "Geronimo" jagten. Als dies publik wird, hagelt es Proteste aus der indianischen Gemeinde, eine Entschuldigung gibt es nie. (Hervorhebung: R.G.)

Osama bin Laden war Terrorist, Geronimo nicht.
Natürlich keine Entschuldigung, genauso wenig, wie es seitens der USA - im Gegensatz z.B. zu Kanada - nie eine Entschuldigung für Vertreibung, Mord und anderem gegenüber den Indianern gegeben hat. So etwas war noch nie eine Stärke der USA.


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 Betreff des Beitrags: Re: Winnetou und Geronimo
BeitragVerfasst: 30.7.2015, 6:22 
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Naja wenn man bedenkt dass Geronimos Bande unzählige Verbrechen an der Zivilbevölkerung in den USA und Mexiko beging,könnte man ihn schon einen Terroristen nennen sofern man darunter jemanden versteht der Terror unter unschuldigen Menschen verbreitet.Ich halte ihn eher für einen gewissenlosen Anführer einer Mörderbande.
May hatte keine Ahnung von Indianern,Winnetou ist eine Kunstfigur und meiner Meinung nach eine die ihm nicht gelungen ist.


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