Diskussionsforen der Karl-May-Stiftung

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 Betreff des Beitrags: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 13.4.2016, 16:17 
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Unter dem Titel "Karl May und sein Evangelium. Theologischer Versuch über Camouflage und Hermeneutik" hat Peter Hofmann vor wenigen Tagen im Ferdinand Schöningh Verlag Paderborn eine sehr lesenswerte, ja brillante Monographie (mit einem Vorwort von Helmut Schmiedt) publiziert. Der Autor ist Ordinarius für Fundamentaltheologie an der Kath.-Theol. Fakultät der Uni Augsburg und zählt zu den kenntnisreichsten und geistvollsten May-Experten, die ich kenne. Peter Hofmann hat sich über die Theologie Goethes habilitiert und Bücher u.a. über Richard Wagner und Gerhart Hauptmann veröffentlicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 13.4.2016, 16:34 
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umfangreiche Leseprobe hier:

https://www.schoeningh.de/uploads/tx_mb ... eprobe.pdf

Wo der Hermann mal gerade wieder dabei ist, ich habe gerade Dostojewskis "Böse Geister" alias "Dämonen" gelesen. Interessant, wie Dostojewski die Menschen sah, nicht gut, nicht böse, nicht stark, nicht schwach, sondern freilich alles sowohl als auch ... bunteste, wildeste Mischungen ... und selber (D. "als Mensch") ein armseliger Wicht, wie bei der Lektüre seiner Briefe man sich, wie es so schön heißt, "des Eindrucks nicht erwehren" kann ... :D Interessant. Yes. Well.

(Wie kriegen wir jetzt den May-Bezug aus dem Ärmel geschüttelt, Momenterl, zum Krickelanton fielen mir ja schon mal Myschkin und Ragoshin aus dem "Idioten" ein, der Anton hat das beides in sich, hat er ... Und Drewermann in Sachen Dostojewski hatten wir hier auch schon mal am Wickel ... Und Leut' (namens Buck :D ) haben schon Bücher über den einen (May) wie den anderen (D.) geschrieben ...


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 13.4.2016, 16:52 
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ach ja und das lächerliche gleich neben dem erhabenen, hatte ich noch vergessen, als der Stefanowitsch Dingeskirchen oder wie er heißt (nee, Stefan Trofimowitsch heißt er. Eine gewisse Verwechslungsgefahr mit einem ganz anderen besteht aufgrund dieser vertrackten Namen selbst beim Lesen ständig ... vielleicht ist auch das Absicht seitens D. ... wer weiß, was bei dem alles Absicht war ...) sich sozusagen verabschiedet, z.B., ist bei Karl May manchmal ganz ähnlich ...


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 14.4.2016, 10:39 
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rodger hat geschrieben:
Interessant, wie Dostojewski die Menschen sah, nicht gut, nicht böse, nicht stark, nicht schwach, sondern freilich alles sowohl als auch ... bunteste, wildeste Mischungen ...


und

rodger hat geschrieben:
Wie kriegen wir jetzt den May-Bezug aus dem Ärmel geschüttelt


Den Krikelanton bietest du an, ja passt, und noch mehr fällt mir da der Mir von Ardistan ein. Es würde zu weit führen, hier mit Zitaten aus "Ardistan und Dschinnistan", speziell Band II, aufzuwarten, aber für passend zum Dostojewski find ich ihn und seine Entwicklungsgeschichte in dem Buch allemal


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 14.4.2016, 11:18 
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Rene Grießbach hat geschrieben:
Es würde zu weit führen, hier mit Zitaten aus "Ardistan und Dschinnistan", speziell Band II, aufzuwarten

Warum ? Immer her mit den Sachen ... :D

(Mir fiel heute morgen zum Schweigen im Forum allenthalben schon "Doch - keiner spricht ? Sollt' ich hier lästig sein ? Am besten laß ich sie allein" ein, als Gast-Daland sozusagen, mir fällt ständig irgendsowas ein, na wenigstens etwas, ich kann ja auch nichts anderes, wurde mir mal in einem Forum mitgeteilt ... Fein wenn nun doch einer spricht ... :D )

Zitat:
aber für passend zum Dostojewski find ich ihn und seine Entwicklungsgeschichte in dem Buch allemal

Hm ... May versucht es ja, fast möchte ich schreiben wider besseres Wissen, bis zuletzt mit seinem Gut und Böse undsoweiter ... Mummpitz, "möchte ich sprechen" (H. Ehrhardt), (immer diese Zitiererei und diese alberne Attitüde, furchtbar, ja, ist ja gut :D) Also, wo waren wir, Dostojewski empfinde ich da schon differenzierter, (noch so ein Lieblingswort von mir, 5 x "halt" fehlt noch ...)

Dostojewski Botschaft empfinde ich, mal lockerflockig arg verkürzt auf den Punkt gebracht, in etwa als "Die Menschen sind gut und böse und stark und schwach und alles durcheinander und ob es einen Gott gibt oder nicht das weiß ich leider nicht aber ich hoffe es gibt einen und manchmal kann und will ich mich des Eindrucks nicht erwehren" ... Ungeschönt ... May macht manchmal ein bissel viel Bohei und Schönrednerei. Ich lese ihn trotzdem gern. :D


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 14.4.2016, 11:38 
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Aber es stimmt schon, das Thema Läuterung treibt May wie Dostojewski um. (Und der Mir ist ein gutes Beispiel.)
Und der eine geht damit halt (da haben wir's schon wieder ...) sozusagen feierlicher um als der andere. Jeder hat [halt] so seine Art ...


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 14.4.2016, 20:29 
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rodger hat geschrieben:
Rene Grießbach hat geschrieben:
Es würde zu weit führen, hier mit Zitaten aus "Ardistan und Dschinnistan", speziell Band II, aufzuwarten

Warum ? Immer her mit den Sachen ... :D


So sei es denn. Ich habe jetzt diese eine Passage ausgewählt, weil ich sie für besonders eindrucksvoll halte bzgl der inneren Entwicklung des Mir von Ardistan.
Karl May hat geschrieben:
Dieser Felsentempel hatte ihn ergriffen, hatte auf ihn gewirkt, und diese Wirkung bestand in dem Wunsche, nun auch uns ergreifen zu können. Darum stieg er hinab in die Dunkelheit, um aus ihr zu uns heraufzusprechen. Aber was wollte er uns sagen? Nichts aus dem Kuran, sondern etwas Besseres, Edleres und Heiligeres. Was konnte das sein? Er war doch nicht Christ!
Von der Höhe dieser Platte aus sahen wir den nördlichen Himmel genau so flammen und glühen, wie ich es gesehen hatte, als ich auf dem Tempel von Ussula saß. Und es wirkte hier, wo wir uns inmitten der Wüste und des Todes befanden, seelisch noch ergreifender als dort. Wie innig standen wir mit diesen Flammengluten in Verbindung! Sie waren es ja, die unsern Brunnen speisten; sie waren unsere Lebensretter! So führen feste, wohltätige Fäden im Menschenleben aus der Unbegreiflichkeit in das Begreifliche, vom Himmel zur Erde, vom Schöpfer zum Geschöpf und - - - und wieder zum Schöpfer zurück, sobald wir nur wollen! Wir traten von der Platte nun in das Innere des Tempels zurück, um den Augenblick, in dem der Mir zu sprechen begann, nicht zu versäumen. Wir setzten uns nieder und warteten still. Dann verging eine lange, lange Zeit. Er mußte schon längst unten angekommen sein und sagte noch immer nichts. Das machte meine Gefährten ungeduldig, ich aber konnte es wohl begreifen. Es war der Anblick des Tempels, der ihn jetzt noch mehr ergriff als vorher. Er fühlte sich innerlich überwältigt. Es gingen Dinge in ihm vor, die ihn so ganz und gar für sich in Anspruch nahmen, daß wir vor ihnen weichen mußten. Es war überhaupt eine ganz wunderbare Fügung des Himmels, welche den Mir gezwungen hatte, unter den gegenwärtigen Umständen nach der 'Stadt der Toten' zu gehen. Schon unser Weihnacht hatte ihn gepackt, die Liebe und die Güte, die Gnade und Barmherzigkeit. Hier kam der Ernst dazu, der gewaltige und drohende Ernst der Jahrhunderte und Jahrtausende. Ich habe schon einmal die 'Geisterschmiede von Kulub' erwähnt, in welcher die Menschenseelen gehämmert, gestählt und geschmiedet werden. Der Mir befand sich jetzt in diesem psychischen Kulub, in dieser Geisterschmiede, und es war mir von höchstem Interesse, zu erfahren, mit welchem Erfolge oder Mißerfolge er sie verlassen werde.

Karl May: Ardistan und Dschinnistan II, HKA , S. 303/304




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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 22.4.2016, 9:33 
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Moin zusammen,

erst einmal vielen Dank für die Eröffnung des Themas - das Thema Karl May/ Religion ist eines, das mich persönlich sehr bewegt, daher ist die Monographie (natürlich) schnurstracks vom Händler in mein heimisches Bücherregal gewandert. Gelesen ist sie mittlerweile auch - auch wenn, zugegebenermaßen, bei weitem nicht in allen Teilen verstanden. Dafür ist der Text für eine philosophisch nur mit Allgemeinwissen ausgestattete Nichttheologin einfach zu "schwere" Kost. Dennoch würde ich mich, auch auf das Risiko einer Blamage hin, gerne darüber austauschen.

Vieles war für mich unglaublich interessant, vieles nachvollziehbar, doch auf vieles irritierend.

Den Grundansatz der Betrachtung - die Wechselwirkung zwischen Camouflage und Hermeneutik auf verschiedenen Ebenen - meine ich verstanden zu haben. Dass Mays Sicht auf die Welt sich nicht sprunghaft von einer Schaffensperiode zur anderen verändert hat, sondern einen gewissen "roten Faden" aufweist, ist auch nachvollziehbar - in oberflächlicherer Weise als dem Autor der Monographie fällt dies auch einem Greenhorn wie mir bei Lektüre der "Geographischen Predigten" auf (das "Buch der Liebe" ist hier noch ungelesen).

Was mich aber, um es umgangssprachlich auszudrücken, "umgehauen" hat, ist das Ergebnis der Monographie: Karl May war kein Christ, seine "Botschaft" keine christliche Botschaft (oder habe ich da etwas völlig missverstanden???).

Daher würde ich gerne einen ersten Diskussionspunkt in die Runde werfen:

Welches "Minimum" an welchem religiösem Inhalt muss jemand propagieren, der sich legitimerweise öffentlich als Christ bezeichnen möchte? Ab welchem Grad der Abweichung setzt man sich dem "Verdacht der Camouflage" aus?

Viele Grüße
mugwort


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 22.4.2016, 15:48 
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Ich habe das Buch nicht gelesen, nur den im Netz zugänglichen Teil.

mugwort hat geschrieben:
Karl May war kein Christ, seine "Botschaft" keine christliche Botschaft [...]

Das sehe ich auch so ...

(Ich ahne sozusagen Stürme der Entrüstung, wenn denn dieses Forum beachtet würde, was ja kaum der Fall zu sein scheint ...)

Will sagen: Karl May hat im Laufe seines Lebens "zu Gott gefunden", was keineswegs so pathetisch gemeint ist wie es in oberflächlich oder unreflektiert voreingenommen wahrnehmenden Ohren klingen mag, sondern ganz nüchtern und sachlich ... Und ob man seinen Glauben nun sozusagen der Einfachheit halber christlich nennt oder sonstwie, und wie er selber das "verkauft", das "bleibt sich gleich" ... (Denken wir an "Ein Mann wie Du bleibt da nicht stehen wo der Zufall der Geburt ihn hingeworfen" usw., und vor allem an die großartige Ringparabel ...)

Zitat:
Welches "Minimum" an welchem religiösem Inhalt muss jemand propagieren, der sich legitimerweise öffentlich als Christ bezeichnen möchte? Ab welchem Grad der Abweichung setzt man sich dem "Verdacht der Camouflage" aus?

Die Fragestellung liegt mir sozusagen nicht ... "legitimerweise" ... "Camouflage" kann auch sinnvoll, angemessen, gut sein ... Wenn man z.B. für den "Hausschatz" oder Fehsenfeld-Abonnenten den eigenen Glauben sozusagen in ein christliches Kleid packt, damit die Leut' es damit ggf. etwas leichter haben ...


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 22.4.2016, 16:42 
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Zu mugworts Eintrag möchte ich gerne etwas bemerken, komme im Moment aber nicht dazu, da ich heute und in den nächsten Tagen eine ganze Menge von zeitaufwendigen Terminen habe. Ich denke, in der nächsten Woche kann ich mich zu Hofmanns Monografie näher äußern.


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 22.4.2016, 17:22 
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Zitat:
(Ich ahne sozusagen Stürme der Entrüstung, wenn denn dieses Forum beachtet würde, was ja kaum der Fall zu sein scheint ...)


Was ich sehr schade finde - an die kmg-mailingliste traue ich mich immer nicht so recht zu schreiben, ich fürchte, das ist ein Riesen-Verteiler, lauter May-Koryphäen. Hilfe!!

Zitat:
Will sagen: Karl May hat im Laufe seines Lebens "zu Gott gefunden", was keineswegs so pathetisch gemeint ist wie es in oberflächlich oder unreflektiert voreingenommen wahrnehmenden Ohren klingen mag, sondern ganz nüchtern und sachlich ... Und ob man seinen Glauben nun sozusagen der Einfachheit halber christlich nennt oder sonstwie, und wie er selber das "verkauft", das "bleibt sich gleich" ... (Denken wir an "Ein Mann wie Du bleibt da nicht stehen wo der Zufall der Geburt ihn hingeworfen" usw., und vor allem an die großartige Ringparabel ...)


Den ersten Teil würde ich unterstreichen. Ohne das jetzt "hermeneutisch" fixieren zu können (zumindest nicht so auf die Schnelle), hatte ich immer den Eindruck, Karl May habe bei allem Zweifel, bei aller Anfechtung letztendlich im Innersten seiner Seele, möglicherweise in manchen Jahren tief verschüttet, an dem Wissen um einen liebenden Gott festgehalten und sich dabei - selbstverständlich - als Christ, in biblischer Tradition, gesehen.

Zitat:
Die Fragestellung liegt mir sozusagen nicht ... "legitimerweise" ... "Camouflage" kann auch sinnvoll, angemessen, gut sein ... Wenn man z.B. für den "Hausschatz" oder Fehsenfeld-Abonnenten den eigenen Glauben sozusagen in ein christliches Kleid packt, damit die Leut' es damit ggf. etwas leichter haben ...


Camouflage halte ich nicht per se für schlimm. Bewusste Tarnung ist letztendlich eine moralische Frage, wie viel "Lesertäuschung" zu welchem Zweck gerechtfertigt und vertretbar ist. Doch mir fällt es schwer, in dem quer durch alle Texte durchscheinenden expliziten Bekenntnis Mays zum Christentum eine bewusste Camouflage zu sehen. Dafür gab es doch schlicht und ergreifend keine Notwendigkeit, oder? Hausschatz, Fehsenfeld & Co. hätten seine Werke doch auch ohne so viele und ausdrückliche religiöse Bezüge gedruckt. Was unbewußte Camouflage betrifft: Wie unendlich tief kann man einen Menschen, der sich zu einer Religion bekennt, verletzten mit dem Vorwurf, sein Glaube "passe" gar nicht zu dieser Religion, er tarne also sein "Selbstgestricktes" mit einem "gestohlenen Mantel"? Hierauf zielt meine Frage: Was ist es denn, das May vertritt, das ihn quasi "exkommuniziert"?

Dazu steht in der Monographie natürlich jede Menge, aber wie Eingangs schon erwähnt: Das ist ein echter Fachtext eines versierten Fundamentaltheologen - da muss ein Laie mehr als einmal lesen, um zu verstehen (und ich fange gerne mal an zu reden und zu diskutieren, bevor ich alles verstanden habe. Eine gewisse Ungeduld ist bei mir systemimmanent...

Viele Grüße
mugwort


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 22.4.2016, 17:23 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Zu mugworts Eintrag möchte ich gerne etwas bemerken, komme im Moment aber nicht dazu, da ich heute und in den nächsten Tagen eine ganze Menge von zeitaufwendigen Terminen habe. Ich denke, in der nächsten Woche kann ich mich zu Hofmanns Monografie näher äußern.


Danke, das würde mich sehr freuen!


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 22.4.2016, 18:07 
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mugwort hat geschrieben:
lauter May-Koryphäen. Hilfe!!

"Hilfe!!" würde ich [teilweise] unterstreichen, aber nicht, weil es lauter Koryphäen wären ... Die sind hier. Zumindest ein paar. Viele gibt's nicht. 8)

Zitat:
selbstverständlich - als Christ, in biblischer Tradition

Was ist bzw. wäre daran selbstverständlich ... ?

Zitat:
mir fällt es schwer, in dem quer durch alle Texte durchscheinenden expliziten Bekenntnis Mays zum Christentum eine bewusste Camouflage zu sehen.

Vielleicht ist das durchscheinende [vermeintliche] explizite Bekenntnis teilweise 'Camouflage', und dann vielleicht noch jeweils ganz unterschiedlich motiviert ...

Zitat:
Dafür gab es doch schlicht und ergreifend keine Notwendigkeit, oder? Hausschatz, Fehsenfeld & Co. hätten seine Werke doch auch ohne so viele und ausdrückliche religiöse Bezüge gedruckt.

Ja schon, aber so etwas "putzt ungemein", um Wollschläger bzw. Thomas Mann zu zitieren, von dem er es hat ... So wie ich ihm (May) z.B. seine Empörung über Emmas spezielle Wünsche in der "Studie" teilweise überhaupt nicht abnehme [sondern für Taktitk und Camouflage (da haben wir es schon wieder ...) halte], nehme ich ihm auch nicht jeden schwülstigen Quark in Sachen Religion ab, man schaue nur mal in die Marienkalendergeschichten, da wird einem ja teilweise die Milch sauer ... Ein Teil der im "Hausschatz" und bei Fehsenfeld erschienenen religiösen Textstellen ist tief empfunden und glaubhaft, andere Teile m.E. eher nicht ...

Zitat:
Was unbewußte Camouflage betrifft: Wie unendlich tief kann man einen Menschen, der sich zu einer Religion bekennt, verletzten mit dem Vorwurf, sein Glaube "passe" gar nicht zu dieser Religion, er tarne also sein "Selbstgestricktes" mit einem "gestohlenen Mantel"?

Ich glaube nicht daß May verletzt wäre wenn er hier mitläse ... oder ich täusche mich in ihm. Das glaube ich aber nicht. :D

Zitat:
Was ist es denn, das May vertritt, das ihn quasi "exkommuniziert"?

Engherzigen Dogmatikern oder wie das heißt ist er stellenweise zu überkonfessionell, zu beliebig ...

Zitat:
Das ist ein echter Fachtext eines versierten Fundamentaltheologen

Laß Dich mal von sowas nicht beeindrucken ... Haben wir schon z.B. in den "Meistersingern" oder in "Bürger Schippel", die einen können die Regeln und sonstnochwas und die anderen können singen ... Ist ja schön wenn man beides kann. Aber eher selten. :D

(Ich war nachdem auf den ersten zwölf oder wieviel Seiten ca. 25 gefühlte mal das Wort "Hermeneutik" auftauchte davon so genervt daß ich vom Erwerb Abstand genommen habe ... andererseits, nach dem was Du heute geschrieben hast über des Autors Fazit erwacht mein Interesse gerade wieder ...)


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 23.4.2016, 11:52 
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Zitat:
Was ist bzw. wäre daran selbstverständlich ... ?


Stimmt, selbstverständlich ist das nicht. Ich habe es nur immer so wahrgenommen - nach dem Prinzip: Wer seinem Wunsch-Ich stets ein christliches Bekenntnis in den Mund legt, teilt dieses Bekenntnis oder hat zumindest den Wunsch danach. Möglicherweise ist meine Denke hier zu schlicht.

Zitat:
Vielleicht ist das durchscheinende [vermeintliche] explizite Bekenntnis teilweise 'Camouflage', und dann vielleicht noch jeweils ganz unterschiedlich motiviert ...


Möglich ist das. Das zu analysieren, ist (auch) Inhalt der Monographie von Hofmann.


Zitat:
... nehme ich ihm auch nicht jeden schwülstigen Quark in Sachen Religion ab, man schaue nur mal in die Marienkalendergeschichten, da wird einem ja teilweise die Milch sauer ... Ein Teil der im "Hausschatz" und bei Fehsenfeld erschienenen religiösen Textstellen ist tief empfunden und glaubhaft, andere Teile m.E. eher nicht ...


Da gehe ich grundsätzlich mit. Ich kann mir gut vorstellen, dass May in dem einen oder anderen Text extra-dick aufträgt, um, wie man heute so schön sagt, "adressatengerecht" zu schreiben. Um diese Texte geht es (mir jetzt gerade in diesem Kontext) nicht. Das ist bewußte, oberflächliche Camouflage. Die Analyse Hofmanns geht, soweit verstanden, wesentlich tiefer.

Zitat:
Engherzigen Dogmatikern oder wie das heißt ist er stellenweise zu überkonfessionell, zu beliebig ...


Dieser Frage, respektive der Antwort darauf, möchte ich mich nähern: Wo ist die Grenze? "Überkonfessionell" im Sinne von grenzüberschreitend katholisch/evangelisch/sonstwaschristliches dürfte noch nicht das Christsein als Solches in Frage stellen. Aber wo verlässt May den Boden eines "christlichen Minimalkonsenses", so dass sein "Evangelium" nicht als christlich bezeichnet werden kann/darf. Hofmann führt hier als Beispiele an, May sehe Jesus lediglich als "ethisches Vorbild", nicht die "soteriologische Bedeutung der Passion Jesu" (S. 141) und May predige ein Evangelium der Humanität, zwar bezogen auf einen personalen Gott, jedoch nicht konform zum "christlichen Trinitätsdogma" (S. 151).

Jetzt frage ich mich: Treffen diese (und weitere) Beispiele wirklich zu? Wenn ja, wie weit muss ein Individuum, das seinen Glauben als Nachfolge Jesu begreift, tatsächlich und in welcher Tiefe derartige Glaubenssätze "für wahr halten", wie weit darf das Individuum abweichen, welchen Spielraum gibt es, ohne sich der "Ketzerei schuldig" zu machen? Und wo steht hier May - auf der einen oder auf der anderen Seite dieser Grenze? Und wo wollte er stehen?

Zitat:
Laß Dich mal von sowas nicht beeindrucken ... Haben wir schon z.B. in den "Meistersingern" oder in "Bürger Schippel", die einen können die Regeln und sonstnochwas und die anderen können singen ... Ist ja schön wenn man beides kann. Aber eher selten. :D

(Ich war nachdem auf den ersten zwölf oder wieviel Seiten ca. 25 gefühlte mal das Wort "Hermeneutik" auftauchte davon so genervt daß ich vom Erwerb Abstand genommen habe ... andererseits, nach dem was Du heute geschrieben hast über des Autors Fazit erwacht mein Interesse gerade wieder ...)


Ich gehe schlicht und ergreifend mal davon aus, wenn es jemand zum Professor für Fundamentaltheologie gebracht hat, kann er sowohl die Regeln wie auch singen. Wenn man sich an den gefühlten 25 Auftritten des Wortes Hermeneutik nicht ernsthaft stört (es werden noch mehr...) und bereit ist, sich auf katholische Dogmatik einzulassen (Freund google hilft an der einen oder anderen Stelle ;-), ist das Buch wirklich lesenswert.

Viele Grüße
mugwort


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 Betreff des Beitrags: Re: May-Monographie von Peter Hofmann
BeitragVerfasst: 23.4.2016, 16:58 
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Die wichtigsten Aussagen der Monographie „Karl May und sein Evangelium“ finden sich auch im Jahrbuch der KMG (Jb-KMG 2015, S. 223-255) unter dem Titel „Der geographische Prediger und sein Evangelium. Religionsphilosophische Texte und Subtexte im Werk Karl Mays“. Als ich diesen Beitrag Peter Hofmanns zum ersten Mal las, regte sich bei mir spontaner Widerspruch. Ich setzte mich, schon einen Tag später, an meinen Schreibtisch und verfasste einen Gegenentwurf, der voraussichtlich im Jb-KMG 2017 erscheinen wird. Allerdings habe ich meinen „Gegentext“ inzwischen an manchen Stellen – zugunsten Hofmanns – korrigiert. Bei der nochmaligen, gründlicheren, Lektüre des Hofmann-Aufsatzes bzw. der Monographie wurde mir nämlich klar, dass Hofmanns Position und meine eigene Sicht gar nicht so weit voneinander entfernt liegen.

Gleichwohl, in einigen Punkten bin ich anderer Meinung als Hofmann. Auch nach der Lektüre der Hofmann-Texte halte ich Karl May für einen Christen. Warum ich an dieser Auffassung festhalte, habe ich in meinem Beitrag fürs Jb-KMG 2017 ausführlich begründet. Etwas zugespitzt geht es – das sieht mugwort völlig richtig – um die Frage: Muss man alle christologischen und trinitarischen Dogmen explizit für wahr halten, um ein Christ zu sein? Oder genügt schon der gute Wille, in der „Nachfolge Jesu“ zu leben, d.h. z.B. die „Bergpredigt“ Jesu (Mt 5-7) als ideale Richtschnur fürs eigene Leben und Streben zu betrachten? Kurz gesagt: Rein dogmatisch gesehen gibt es in Mays Christsein durchaus Defizite. Ich halte diese dogmatische Sichtweise aber für problematisch. Wenn die offizielle kirchliche Dogmatik der absolute Maßstab für das Christsein wäre, dann gäbe es wohl nur sehr wenige Christen. Mit dem jetzigen Papst aber bin ich der Ansicht, dass die persönliche Ausrichtung an der Verkündigung Jesu viel wichtiger ist als die Dogmatik. Jesus verkündet einen Gott der bedingungslosen Liebe und Barmherzigkeit. Auch May „verkündet“ dieses „Evangelium der Liebe“. Deshalb ist er in meinen Augen ein Christ. Wie gesagt – ausführlicher werde ich meinen Standpunkt im Jb-KMG 2017 darlegen

Zu Peter Hofmann: ich durfte ihn inzwischen persönlich kennenlernen, er lud mich nämlich zu einem Vortrag über „Winnetou IV“ die Kath.-Theol. Fakultät der Uni Augsburg ein. :wink: Zuvor trafen wir uns zu einem mehrstündigen Meinungsaustausch. Peter Hofmann, das darf ich wohl so sagen, ist nicht bloß ein brillanter Professor, er ist vor allem ein äußerst liebenswürdiger Mensch. :wink: Überdies ist er literarisch sehr gebildet, er kennt sich bei vielen prominenten Dichtern (übrigens auch Komponisten) bestens aus. Und was speziell die Kenntnis der May-Schriften besitzt, ist Hofmann ein Experte allererster Güte. Ich wage die Behauptung: Peter Hofmann schätzt unseren Autor sehr, ja er liebt ihn geradezu! :wink: Wenn Hofmann im Zusammenhang mit Karl May das Wort „Camouflage“ etwas weniger strapazieren würde, wären wir in Sachen May sehr weitgehend derselben Meinung. :wink:

Zu rodgers Einträgen werde ich mich – wegen Zeitdrucks – erst in den nächsten Tagen äußern. :wink:


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