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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 2.7.2016, 10:43 
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Gespannt bin ich auf Band 3, in dem es u.a. auch um Solveig und Peer Gynt gehen soll. "Wo war ich" fragt er sie sterbend, nach Jahrzehnten der Abwesenheit, und sie sagt "In meinem Glauben, in meinem Hoffen und in meinem Lieben." Das kann einem, salopp ausgedrückt, die Schuhe ausziehen, oder auch, ist eine der beeindruckendsten Stellen der Weltliteratur. (Wie die ganze Szene ...)


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 2.7.2016, 19:19 
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Die von Dir zitierte Stelle wird in Bd. 3 natürlich besprochen. Im Moment lese ich die Korrekturfahnen, eine Menge Arbeit. Falls ich bis Mitte Juli fertig werde (was ja wahrscheinlich ist), kann das Buch im Lauf des September oder schon Anfang September erscheinen.


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 24.7.2016, 15:12 
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Wir hatten es hier in diesem Thread vor einiger Zeit vom "Ich", vom Individuum ... Heute las ich bei Alfred Döblin, in einem seiner letzten Texte, über das "Ich" dies:

Zitat:
Ich muß es als eine Verunreinigung des Denkens ansehen.


Sehr hübsch. :D


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 24.7.2016, 19:17 
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In welchem Kontext steht das? Vielleicht meint Döblin nicht das Ich, sondern das Ego. :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 24.7.2016, 19:53 
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Vielleicht hätt' ich das gemerkt ... :D

Wenn man die zitierte Stelle in Google eingibt kommt man zum Kontext. :D

Das Buch ist übrigens lesenswert ... Döblin war zuletzt ein Pflegefall, sah den Tod nahen, und sah das alles recht entspannt ...


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 24.7.2016, 20:51 
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O.k, den Kontext habe ich soeben gelesen. Döblins Text, soweit ich ihn verstehe, leuchtet mir durchaus ein. Ich sehe auch gar keinen Widerspruch zu meiner Auffassung. Ich behaupte ja nicht, dass die Welt ohne mein Ich nicht funktionieren würde, ich sage nur, dass es mein Ich wirklich gibt, dass es also keine Illusion ist, vom Ich zu reden.


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 24.7.2016, 20:56 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Ich sehe auch gar keinen Widerspruch zu meiner Auffassung.

Das war auch nicht der Sinn bzw. die Intention ... Ich habe einfach in einem interessanten Text einen interessanten Satz gefunden, wozu mir dieser Thread wieder einfiel, in dem es auch um so etwas ging, und daher den Satz hier zitiert, da ich dachte, das könnte interessieren ...


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 24.7.2016, 21:29 
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O ja! Alfred Döblin interessiert immer ...


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 11.9.2016, 17:46 
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Kommen wir zum dritten Band der "Unsterblichen Paare" und gleich zu den Passagen, die sich mit Karl May befassen.

Daß es sich bei Old Shatterhands Beziehung zu Judith Silberstein bei etwas tiefergehender als oberflächlicher Betrachtung um eine Art verkappte Liebesgeschichte handelt, sieht Hermann Wohlgschaft ganz richtig, nennt das ganze sehr zutreffend eine "mehrdeutige, höchst ambivalente Beziehung" und führt es gar unter "aufregende Liebesgeschichten" (S. 86) auf.

Daß der mit May weniger vertraute Leser seines Buches sich anläßlich seiner Ausführungen wohl ein wenig wundern mag, ist Hermann Wohlgschaft durchaus bewußt, da "der Radebeuler Autor in der breiten Öffentlichkeit [...] fast ausschließlich als Jugend - und Abenteuerschriftsteller wahrgenommen wird und so gut wie gar nicht als Bedenker von Liebe und Tod".

"Auch May hat rational begriffen und persönlich erfahren: Eine bloße Diesseitsvertröstung, ein Leben ohne tragfähige, die Welt überschreitende Gottesbeziehung kann leicht in die Resignation führen." In der Tat. Yes. Well.

May hatte seinen eigenen Kopf und sprang nicht, wie es ja so bequem und beliebt ist, nach Art der Schwarzweißdenker auf diesen oder jenen "Wagen", diese oder jene "Richtung" auf, "nicht weil ihm die nötigen Einsichten fehlten, sondern weil er selbstständig zu denken vermochte".

May "erwies [...] sich als differenzierender Denker". Wohltuend, nach all der schnöseligen Überheblichkeit á la in etwa "Er war nun einmal ein ungebildeter Tropf ...", die man sonst heutzutage oft in Richtung Karl May zu lesen bekommt ... (von faden, uninteressanten Leuten, die sich sozusagen auf Mays Kosten in der 'Szene' offenbar ein wenig profilieren möchten ...)

(wird fortgesetzt)


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 11.9.2016, 18:15 
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"Der reifer gewordene Karl May war nicht nur ein eigenwilliger Denker, er war ein großer Erzähler [...]" ...

"Partiell vergleichbar mit Emanuel Swedenborg war der ältere Karl May ein Seher." Ein bißchen 'stark aufgetragen' vielleicht, aber besser so als unverständiges Heruntermachen ...

Der Tod Beyers in der Leichenhalle im "Verlornen Sohn" "lässt [...] unterschiedliche Deutungen zu", in der Tat, das war auch hier im Forum schon zu erfahren. Es wird "Hoffnung nahegelegt, aber nicht ausdrücklich in Worte gefasst." Schön gesehen. (Das weltliche Ende der Beyers ist grausam und nicht durch Liedbegleitung vom "stillen Vaterauge" o.ä. zu beschönigen. Aber daß sie im Tod erlöst sind, kann mitschwingen ...)

Daß im Tod Erlösung und Befreiung ist, ist in unserer "Kultur" den meisten fremd, andernorts gehört es zu den vertrautesten Gedanken ...

Und so sehe ich auch den "Todestag als Hochzeitstag" in Mays Gedicht an Klara nicht aufs kalendarische Datum bezogen, sondern auf den Gedanken des Erlöst- und Befreitseins vom Irdischen ...


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 12.9.2016, 10:59 
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Habe heute morgen die "Untersterblichen Paare" aus der Post gefischt. Bin jetzt völlig geflasht von dem Hochzeits-Gedicht. Himmel, dabei mag ich doch gar keine Gedichte (eigentlich). Schon gar keine alten, mit Reimen und ordentlichem Versmaß. Doch seit nunmehr fast einem Jahr erwischt er mich in regelmäßigen Abständen immer wieder aufs neue, der gute Karl: Pfeilgerade mitten in die Seele:

"Komm, Liebling, komm, wir wollen scheiden gehen;... "

Wenn May eines kann, dann sind es Anfänge. Ganz sicher. Sieben schlichte Worte und angekommen...

"... Wir haben ja nur das zurückgegeben,
Was von der Erde uns geliehen war. ...


Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub. Aber das Wesentliche bleibt. Die Erde als Person, wie schön. Assoziativ spontan irgendwie wie Mutter Erde aus den Wurzelkindern. Das hat May doch auch anderswo öfter, oder täusche ich mich?

...Wir sind auf Erden nur verlobt gewesen;
Der Todestag ist unser Hochzeitstag!...


Plötzlich hat auch das Bild von der Kirche als Braut Christi einen Sinn...

So, jetzt gehe ich Gedanken sortieren. Soll ja gelegentlich sinnvoll sein....

Viele Grüße
mugwort


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 18.9.2016, 12:11 
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mugwort assoziiert mit Mays Hochzeitsgedicht das - auf die alten Kirchenväter zurückgehende - Bild von der Kirche als Braut Christi. Das überrascht mich. Zwar bin ich katholischer Pfarrer, aber mit der Metapher von der Kirche als Braut Christi habe ich seit jeher meine Schwierigkeiten. Grob gesagt: Ich kann mit diesem Bild überhaupt nichts anfangen. Eine Braut kann doch immer nur eine konkrete Person sein. Und auch wenn ich die "Braut" metaphorisch verstehe, kommt doch wohl kaum ein Kollektiv, eine Organisation, eine (in vieler Hinsicht fragwürdige) Institution wie die Kirche in Betracht. Oder?


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 18.9.2016, 12:32 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
Eine Braut kann doch immer nur eine konkrete Person sein.


Hierzu fiel mir umgehend ein 'schräges' Gedicht Karl Mays ein, siehe (z.B.) hier:

http://www.karl-may-buecher.de/rezensio ... 17&_sort=A

:D


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 19.9.2016, 11:01 
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Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:
mugwort assoziiert mit Mays Hochzeitsgedicht das - auf die alten Kirchenväter zurückgehende - Bild von der Kirche als Braut Christi. Das überrascht mich. Zwar bin ich katholischer Pfarrer, aber mit der Metapher von der Kirche als Braut Christi habe ich seit jeher meine Schwierigkeiten. Grob gesagt: Ich kann mit diesem Bild überhaupt nichts anfangen. Eine Braut kann doch immer nur eine konkrete Person sein. Und auch wenn ich die "Braut" metaphorisch verstehe, kommt doch wohl kaum ein Kollektiv, eine Organisation, eine (in vieler Hinsicht fragwürdige) Institution wie die Kirche in Betracht. Oder?


Ich habe nicht präzise theologisch gedacht, sondern spontan frei assoziiert, da ging das Bild auf (bei mir jedenfalls):

Die KIRCHE steht für die Gemeinschaft aller Gläubigen. Nicht als Organisation/Institution, nicht einmal im wörtlichen Sinne als Kollektiv, sondern eher als "Sammelbezeichnung" - trivial ausgedrückt in etwa so wie "Obst" für alle Äpfeln, Birnen und so weiter. Ich nehme mir dabei die persönliche Freiheit, in diese "Gemeinschaft der Gläubigen" alle mit einzubeziehen, die an einen Gott der Liebe (im Mayschen Sinne ;-)) glauben, egal ob sie sich als Katholiken, Protestanten, Muslime oder Sonstnochetwas einsortieren.

Die HOCHZEIT steht metaphorisch für die Vollendung einer Liebesbeziehung.

Der Status einer BRAUT ist Symbol für den Beginn einer Liebesbeziehung, für die Vorahnung der möglichen Tiefe und Ewigkeit.

So verstanden ergeben dann alle drei Bilder folgende Summe:
Jeder Mensch (hoffentlich!) erfährt, auch welchen Wegen auch immer, meist durch zwischenmenschliche Beziehungen, das, was wir "Liebe" nennen. Der gläubige Mensch (im obigen Sinne) hat als "Braut" die Chance, diese irdische Liebe nicht "nur" als zwar tiefes, aber irdisch-vergängliches Phänomen wahrzunehmen, sondern in ihr bereits einen Abglanz, einen Funken der umfassenden göttlichen Liebe (die die Vollendung der zwischenmenschlichen Liebe in Ewigkeit einschließt, vgl. Wohlgschaft, Hermann, "Unsterbliche Paare: Eine Kulturgeschichte der Liebe, Band 1 bis 3 ;-)) zu sehen, in der wir uns nach dem Tode - "Hochzeit" - in Vollendung wiederfinden werden.

Viele Grüße
mugwort


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 Betreff des Beitrags: Re: "Unsterbliche Paare" von Hermann Wohlgschaft
BeitragVerfasst: 19.9.2016, 14:05 
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Danke, mugwort! In Deinem Eintrag fühle ich mich bestens verstanden. Was Du schreibst, entspricht genau meiner eigenen Intention, meiner Überzeugung, meiner Hoffnung. Mit meiner dummen Bemerkung von gestern wollte ich bloß ein bisschen provozieren. :wink:


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