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 Betreff des Beitrags: Karl-May-Chronik
BeitragVerfasst: 8.9.2005, 10:57 
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Aus dem Vorwort der Karl-May-Chronik von Dieter Sudhoff:

„Neben der gründlichen Materialsichtung ist die Objektivität der Darstellung eine unabdingbare Notwendigkeit jeder Biographie. Sie kann nur dann erreicht werden, wenn der Biograph keinerlei subjektive Interessen verfolgt …“

Aus der Verlagswerbung des Karl-May-Verlags:

„Das Ergebnis ist die umfassendste und zuverlässigste biografische Darstellung zu Karl May, die es jemals gegeben hat und voraussichtlich jemals geben wird. Zahlreiche, zu einem großen Teil bisher unbekannte Originaldokumente machen die Chronik nicht nur zu einem unverzichtbaren Grundlagenwerk für jede weitere Beschäftigung mit Karl May …“

Nach einer Durchsicht der ersten beiden Bände stelle ich fest, dass die Chronik nicht völlig frei von „subjektiven Interessen“ ist – das ist praktisch auch kaum anders möglich. Auch ist die Chronik gewiss nicht fehlerfrei. Somit werden leider „bis in die Gegenwart hinein Fehler weiterkolportiert“, was man laut Verlagswerbung eigentlich vermeiden wollte. Selbstverständlich ist die Chronik dennoch ein wichtiges Grundlagenwerk, welches bislang unbekannte biografische Informationen über Karl May enthält, also sehr empfehlenswert.

Ralf Harder


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 8.9.2005, 16:21 
Sehr geehrter Herr Harder!

Das waren die Fische. Gibt's auch Butter dazu? :roll:

Fragt begierig
Wolfgang Hermesmeier


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 Betreff des Beitrags: Sohn eines Oberförsters?
BeitragVerfasst: 9.9.2005, 19:06 
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Gleich zu Beginn der KM-Chronik lesen wir im ersten Eintrag „1842“, S. 26 oben:

„Heinrich August ist ihr [Mays Großmutter] außereheliches Kind: der Vater ist möglicherweise ein Oberförster (Forsthaus Hainholz; rich 54f.), dem Johanne Christiane [May] zeitweilig den Haushalt geführt hat.“

Heinrich August May – Sohn eines Oberförsters? Da kann doch etwas nicht stimmen! In der Tat ist in der Quelle „rich“ (gemeint ist Peter Richter / Uwe Neßler) derartiges nie behauptet worden:

Auf Hohensteiner Flur, am sogenannten „unteren Haynholz“ steht das Frosthaus Hainholz, wichtiger Romanort in Karl Mays „Verlorenem Sohn“. Außerdem dürfte es sich um jenes Forsthaus handeln, in welchem Karl Mays Großmutter für einige Zeit nach eine Anstellung gefunden hatte. [Bilder aus Ardistan, Sonderheft der KMG, S. 54.]
http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg ... /index.htm

Richter und Neßler beziehen sich auf Mays Äußerungen in „Mein Leben und Streben“:

„Einem abseits wohnenden Oberförster, den man als ebenso wohlhabend, wie edeldenkend kannte, war die Frau gestorben. Sie hatte ihm eine sehr reichliche Anzahl Kinder hinterlassen. Er wünschte Großmutter zur Führung seiner Wirtschaft zu haben. Sie hätte in dieser Zeit der Not nur zu gern eingewilligt, erklärte aber, sich von ihren eigenen Kindern unmöglich trennen zu können, selbst wenn sie einen Platz, sie unterzubringen, hätte. Der brave Mann besann sich nicht lange. Er erklärte ihr, es sei ihm gleich, ob sechs oder acht Kinder bei ihm äßen; sie würden alle satt. Sie solle nur kommen, doch nicht ohne sie, sondern mit ihnen. Das war Rettung in der höchsten Not!
Der Aufenthalt in dem stillen, einsamen Forsthause tat der Mutter und den Kindern wohl. Sie gesundeten und erstarkten in der besseren Ernährung. Der Oberförster sah, wie Großmutter sich abmühte, ihm dankbar zu sein und seine Zufriedenheit zu erringen. Sie arbeitete fast über ihre Kraft, fühlte sich aber wohl dabei. Er beobachtete das im Stillen und belohnte sie dadurch, daß er ihren Kindern in jeder Beziehung dasselbe gewährte, was die seinen bekamen. Freilich war er Aristokrat und eigentlich stolz. Er aß mit seiner Schwiegermutter allein. Großmutter war nur Dienstbote, doch aß sie nicht in der Gesinde-, sondern mit in der Kinderstube. Als er aber nach längerer Zeit einen Einblick in ihr eigenartiges Seelenleben erhielt, nahm er sich ihrer auch in innerer Beziehung an. Er erleichterte ihr die große Arbeitslast, erlaubte ihr, ihm und seiner Schwiegermutter des Abends aus ihren Büchern vorzulesen, und gestattete ihr, dann auch in seine eigenen Bücher zu schauen. Wie gern sie das tat! Und er hatte so gute, so nützliche Bücher!
Den Kindern wurde in vernünftiger Weise Freiheit gewährt. Sie tollten im Walde herum und holten sich kräftige Glieder und rote Wangen. Der kleine May [Heinrich August] war der jüngste und kleinste von allen, aber er tat wacker mit. Und er paßte auf; er lernte und merkte. Er wollte Alles wissen. Er frug nach jedem Gegenstand, den er noch nicht kannte. Bald wußte er die Namen aller Pflanzen, aller Raupen und Würmer, aller Käfer und Schmetterlinge, die es in seinem Bereiche gab. Er trachtete, ihren Charakter, ihre Eigenschaften und Gewohnheiten kennen zu lernen. Diese Wißbegierde erwarb ihm die besondere Zuneigung des Oberförsters, der sich sogar herbeiließ, den Jungen mit sich gehen zu lassen. Ich muß das erwähnen, um Späteres erklärlich zu machen. Der nachherige Rückfall aus dieser sonnenklaren, hoffnungsreichen Jugendzeit in die frühere Not und Erbärmlichkeit konnte auf den Knaben doch nicht glücklich wirken. […]
als Großmutter infolge der Versetzung und Wiederverheiratung des Oberförsters mit ihren beiden Kindern in ihre früheren Verhältnisse zurückgestoßen wurde. Sie kehrte nach Ernsttal [Ernstthal] zurück und hatte nun wieder jeden Pfennig direkt zu verdienen, den sie brauchte. Ein braver Mann, der Vogel hieß und auch Weber war, hielt um ihre Hand an.
[Mein Leben und Streben, S. 24ff.]

Diese Begebenheiten können sich laut Hainer Plaul (Anhang zu „Mein Leben u. Streben“, Olms-Reprint, S. 342) „am ehesten zwischen 1818, dem Todesjahr ihres [ersten] Ehemannes, und 1820, dem Sterbejahr ihrer Mutter, stattgefunden haben. [Später hatte sie] den gichtgeplagten und offenbar gehbehinderten Vater zu pflegen. Außerdem hat sie sich dann 1822 ein zweites Mal verheiratet.

Dass Heinrich August May (1810 geboren) der Sohn eines Oberförsters sein soll, ist mehr als unwahrscheinlich und ist bislang anderswo nie behauptet worden! Im Taufbuch von Ernstthal steht lediglich „Der Schwängerer soll ein Unbekannter gewesen seyn“.

Warum man jetzt behauptet, Mays Vater sei der Sohn eines Oberförsters, ist mir schleierhaft, aber ich lasse mich gern belehren …

Ralf Harder


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 Betreff des Beitrags: Karl May ein Oberförster?
BeitragVerfasst: 9.9.2005, 21:01 
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Hallo Herr Harder

Das mit dem Förster habe ich auch mal gelesen, wo weiß ich nicht.

Intresanterweise bin ich auf einen Artikel dazu gestoßen in dem auf die Problematik eingegangen wird.

http://karlmay.leo.org/kmg/seklit/m-kmg/010/index.htm

Kroeschell, Karl: May oder Kretschmar? In: M-KMG, Nr. 10/Dez. 1971, S. 23-28. Hamburg: Karl-May-Gesellschaft, 1971.

Plaul, Streben, S. 328-33 bietet dazu auch nicht mehr

Ergänzung dazu

nach einer mündlichen Überlieferung daß die damals in den Endzwanzigern
stehende Frau [Johanne Christiane Kretzschmar ] einem schönburgischen Förster die Wirtschaft geführt habe und da? dieser nach einer anderen Version der Graf von Schönburg selber der Vater des Kindes gewesen sei.
(Quelle: Huschke)

Huschke, Wolfgang: Karl May – Familienkreis und Vorfahren. In: Mitteldeutsche Familienkunde Band III. Jg. 13. Neustadt an der Aisch: Verlag Degener & Co. Heft 2/April-Juni 1972.

Zesewitz, Hans: Alte Urkunden sprechen. [Biographisches Material]. In: Jb-KMV 1932, S. 33-44. Radebeul: Karl-May-Verlag, 1934. [schreibt eventuell ein bayrischer Soldat]

Gruss Günther Wüste


Zuletzt geändert von Günther Wüste am 11.9.2005, 11:05, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Karl May – Enkel eines Oberförster?
BeitragVerfasst: 9.9.2005, 21:20 
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Günther Wüste hat geschrieben:
Hallo Herr Harder
Das mit dem Förster habe ich auch mal gelesen, wo weiß ich nicht.


Es ist nicht einmal sicher, ob sich überhaupt die Forsthaus-Episode zugetragen hat, da Karl May aus eigenem Erleben nicht darüber berichten konnte – er wurde schließlich fast 20 Jahre später geboren. Die Großmutter muss darüber berichtet haben.

Zitat:
Intresanterweise bin ich auf einen Artikel dazu gestoßen in dem auf die Problematik eingegangen wird.
Kroeschell, Karl: May oder Kretschmar? In: M-KMG, Nr. 10/Dez. 1971, S. 23-28. Hamburg: Karl-May-Gesellschaft, 1971.


Selbstverständlich kann Heinrich August May das Ergebnis eines Seitensprunges sein, das habe ich ja auch aus dem Taufbuch zitiert:
„Der Schwängerer soll ein Unbekannter gewesen seyn“.

Nach meinen Informationen gibt es aber keine primäre Quelle, die auf einen Oberförster hinweist! Sudhoff verweist in der KM-Chronik lediglich auf das KMG-Sonderheft "Bilder aus Ardistan" – und dort steht es nicht! Oder habe ich da etwas übersehen?

Mit besten Grüßen
Ralf Harder


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 Betreff des Beitrags: Karl-May-Chronik
BeitragVerfasst: 9.9.2005, 23:50 
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Sehr geehrter Herr Harder,
das Prinzip der Karl-May-Chronik ist es, daß sie Ihnen und anderen May-Forschern Informationen zur Verfügung stellt, über die Sie bisher nicht verfügten. Wenn sich keine Sigle-Nachweise finden, so bedeutet das nur, daß hier Informationen aus dem Nachlaß Mays oder aus Privatbesitz oder anderweitige eigene Recherchen vorliegen. Der Oberförster (zu dem übrigens weitere Recherchen laufen) ist allerdings ein schlechtes Beispiel, weil das "möglicherweise" nicht umsonst dasteht. Im übrigen tut es mir leid, daß Sie da etwas nicht verstanden haben: Der Hinweis auf "Bilder aus Ardistan" steht nicht umsonst nicht hinter der ganzen Aussage, sondern unmittelbar hinter dem "Forsthaus Hainholz": Sie sollten lediglich die Gelegenheit haben, sich das hübsche Forsthaus einmal im Bild anzusehen.
Noch etwas Grundsätzliches: Selbstverständlich bedeutet eine Sigle am Ende einer Aussage nicht, daß diese gänzlich auf die Quelle zurückgeht. Wir hielten es aber nicht für sinnvoll, in jedem Einzelfall darauf hinzuweisen, daß unsere vermittelten Kenntnisse über die Quelle hinausgehen (und sei es bei Personen nur um die Ergänzung von Lebensdaten).
Daß die Chronik nicht fehlerfrei sein kann, ist übrigens selbstverständlich angesichts der niemals dagewesenen Datenfülle. Für jeden Hinweis sind wir dankbar. Freilich dürfte er nicht aus der veröffentlichten Literatur stammen.
Um etwas mehr Sorgfalt vor vorschnellen Urteilen bittet
Dr. Dieter Sudhoff


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 Betreff des Beitrags: Oberförster
BeitragVerfasst: 10.9.2005, 12:58 
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Sehr geehrter Herr Dr. Sudhoff,

ich freue mich, dass Sie zur nächtlichen Stunde noch die Zeit gefunden haben, auf meine Einträge hier im Forum zu antworten.

Sie schreiben:

„Der Oberförster (zu dem übrigens weitere Recherchen laufen) ist allerdings ein schlechtes Beispiel, weil das 'möglicherweise' nicht umsonst dasteht.“

„Wir hielten es aber nicht für sinnvoll, in jedem Einzelfall darauf hinzuweisen, daß unsere vermittelten Kenntnisse über die Quelle hinausgehen (und sei es bei Personen nur um die Ergänzung von Lebensdaten).“

In der Regel dürfte dies die richtige Methode sein. Der Großvater Karl Mays ist aber nicht irgendeine Person! Bislang war in der May-Forschung niemals apodiktisch davon die Rede, dass Karl May Nachfahre eines Oberförsters ist. Das Wort „möglicherweise“, welches Sie in diesem Zusammenhang verwenden, ist schon eine recht deutliche Formulierung – Sie hätten ja auch „vielleicht“ schreiben können. In Ihrem Vorwort (S. 16) schreiben Sie völlig zutreffend, dass „die ersten 50 Jahre im Leben Mays bis zum Erscheinen der Fehsenfeld-Ausgabe aus verschiedenen Gründen dokumentarisch unterrepräsentiert sind“. Insbesondere wird dies beim ersten Band der Karl-May-Chronik deutlich. Es wäre genügend Platz gewesen bei neuen elementaren Forschungsergebnissen – insbesondere Abstammungsangelegenheiten! – ausführlicher zu sein. Dass am 8. Juli 1842 eine Sonnenfinsternis war – wie von Ihnen vermerkt –, ist nach meiner Auffassung für die May-Forschung weniger bedeutsam.

Sie schreiben ferner:

Im übrigen tut es mir leid, daß Sie da etwas nicht verstanden haben: Der Hinweis auf "Bilder aus Ardistan" steht nicht umsonst nicht hinter der ganzen Aussage, sondern unmittelbar hinter dem "Forsthaus Hainholz": Sie sollten lediglich die Gelegenheit haben, sich das hübsche Forsthaus einmal im Bild anzusehen.

In der Chronik steht bekanntlich:

„Heinrich August ist ihr [Mays Großmutter] außereheliches Kind: der Vater ist möglicherweise ein Oberförster (Forsthaus Hainholz; rich 54f.), dem Johanne Christiane [May] zeitweilig den Haushalt geführt hat.“

Direkt hinter dem „Oberförster“ erfolgt in Klammern eine Quellenangabe. Der Leser muss somit annehmen, der Oberförster hätte im Forsthaus Hainholz gelebt, Heinrich August wäre dort gezeugt worden und darüber wäre in der von Ihnen genannten Quelle berichtet worden. Stattdessen schreiben Sie jetzt, Ihnen wäre es nur darum gegangen, wie das Forsthaus aussieht. Verzeihen Sie, aber darüber muss ich herzhaft lachen. Das kann der Leser nun wirklich nicht ahnen. Und nicht jeder besitzt das KMG-Sonderheft, nicht jeder weiß, dass es im Internet zu finden ist. Wenn das „hübsche Forsthaus“ so wichtig ist, warum wurde es dann nicht im ersten Band abgebildet? Hätte man nicht zumindest schreiben können, dass in Sachen „Oberförster“ Recherchen vorliegen, auf welche im Abschlussband eingegangen werden? Ich bin sehr gespannt, welche primären Fakten für die Vaterschaft des Oberförsters vorliegen. Es wäre nicht gut, wenn sich Ihre Behauptung „möglicherweise“ als falsch erweisen würde – dann würden nicht nur „bis in die Gegenwart hinein Fehler weiterkolportiert“, es würden gar neue Fehler oder Legenden entstehen …

Wie der Fall des „Oberförsters“ zeigt, ist Ihre Zitierweise nicht immer eindeutig. In Ihrem Vorwort schreiben Sie, es sei dem Biografen Hermann Wohlgschaft darum gegangen, „May als verkannten 'Theologen' zu 'rehabilitieren'“. Da Theologe und rehabilitieren in Anführungszeichen erscheinen, muss der Leser vermuten, es wäre ein Originalzitat von Hermann Wohlgschaft, jedoch hat er niemals derartiges gesagt und gewollt!

In Ihrem Vorwort erwähnen Sie die „handschriftlichen Aufzeichnungen“ von Ludwig Patsch. Hier ist nach meiner Auffassung Vorsicht geboten. Diese Ansicht wird auch von Hans Wollschläger geteilt, wie er mir vor einigen Jahren mitteilte. Gelegentlich handelt es sich nur um Ortsklatsch.

Auf der Seite 211 der KM-Chronik schreiben Sie:

„[…] so soll die Ernstthaler Schneiderstochter Anna Elisabeth Schlott (*1860) zeitweise seine [Mays] Geliebte gewesen sein, […]"

Sie nennen dabei den Zeitraum 1874/75 („in den ersten beiden Jahren nach seiner Entlassung aus Waldheim“), als Quelle ist u.a. das „kmjb 1979, 209“ angegeben. Dort wird Hans Zesewitz zitiert; er wusste 1940 folgendes zu berichten:

„Ich fand, daß Karl May Mitte der 70er Jahre ein Verhältnis mit einem 16jährigen Mädel in Ernstthal hatte. Sie hieß Anna Schlott, geboren am 24. November 1860. Der Vater war Schneider und hieß Christian Friedrich Schlott, die Mutter Wilhelmine Ernestine geb Weickert. Das Mädel war schön (ich finde es nicht gerade), war abenteuerlich veranlagt und soll (!) mit May einige Zeit unterwegs gewesen sein. Ehe May auftauchte, verkehrte sie mit einem Musiker Vogel, der aber 'kein Stubenrecht' hatte. Als May kam, brach sie mit diesem Vogel, May bekam 'Stubenrecht'. Lachen Sie nicht, das sind Ernstthaler Ausdrücke und Gebräuche! Wegen ihres Verhältnisses mit May wurde sie aus ihrer Webstelle bei Stöhrel entlassen. Da schrieb sie eine Zeit für May, war also seine Sekretärin. Die Eltern wohnten gegenüber von Mays am Markte. Jetzt ist sie schon lange tot.“

Dabei dürfte es sich eindeutig um Ortsklatsch handeln. Anna Schlott war im Jahre 1874 bis zum 24. November erst dreizehn Jahre alt! Das heißt, sechzehn Jahre wurde sie erst Ende 1876. Zu diesem Zeitpunkt war für Karl May jedoch schon Emma Pollmer dominierend. Zweifelsfrei ist also die Romanze Anna Schlott mit Karl May eine Legende. Unter Polizeiaufsicht stehend, war eine echte Liebesbeziehung zu einem 13- oder auch 14-jährigen Mädchen in einem kleinen Ort wie Ernstthal gänzlich ausgeschlossen, schon gar nicht mit „Stubenrecht“!

Mit besten Grüßen
Ralf Harder


Zuletzt geändert von Ralf Harder am 11.9.2005, 18:35, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.9.2005, 15:35 
Sehr geehrter Herr Dr. Sudhoff,

Auch ich möchte paar Anmerkungen zu einigen Einträgen in der Chronik machen, die ich – um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen – insgesamt sehr positiv einschätze. Aber es nun einmal so, daß man sich in derartigen Fällen fast stets zu strittigen Punkten äußert, selbst wenn diese nur eine ganz geringe Prozentzahl des gesamten Werkes ausmachen. Meine erste Anmerkung ist dabei zudem lediglich nur eine Ergänzung.

1875.09 [S. 204] -> Im alten Neste --- Hier könnte man noch erwähnen, daß auch noch weitere später erschienene Humoresken in dem „Repertorium“ angedacht gewesen sein dürften: Titel wie „Ein Fastnachtsritt“, „Das Neujahrsblasen“, „Mutterschwein und Ziegenbock“ lassen an „Die Fastnachtsnarren“, „Die verhängnisvolle Neujahrsnacht“ und „Die verwünschte Ziege“ denken, während solche Überschriften wie „Die halbseidene Gustle“ an die halbseidenen (Wilhel)Mine in „Im Wasserständer“, „In den Heidelbeeren“ an den Sturz in die Heidelbeeren in „Im Wollteufel“ und “In den Rettigsbirnen“ an den Birnendiebstahl in „Auf den Nußbäumen“ erinnert. Da es freilich mehr als unwahrscheinlich ist, daß May bereits zu Repertoriumszeiten – ja, überhaupt je - zu allen 62 Titeln Humoresken verfaßt hätte, lassen sich aus Titel- und Themen-Übereinstimmungen alleine keinerlei Rückschlüsse auf die Entstehungszeit der Texte ziehen. Vgl. dazu auch: 1877.08 -> „Die verhängnisvolle Neujahrsnacht“: Möglicherweise ist die Erzählung wesentlich früher entstanden und eine der ersten Arbeiten Mays überhaupt. Dazu ist explizit in einem wahrscheinlich auf Informationen von Karl May fußenden Manuskript des Oberlehrer Langers, das in dem Beitrag „Oberlehrer Franz Langer - ein 'Pseudonym wird lebendig“ von Wolfgang Hermesmeier und Stefan Schmatz (In „Karl-May-Welten“, KMV 2006) abgedruckt ist, zu lesen: “Die beiden Nachtwächter“ war die erste Humoreske, der bald andere folgten. - wobei es freilich plausibel erscheint, daß damit die unter dem Titel „Die verhängnisvolle Neujahrsnacht“ abgedruckte, offensichtliche Erstfassung gemeint sein dürfte. Darüber hinaus gibt es in der Repertoriumsliste mit „96.) Zerrissen.“ übrigens eine weitere Übereinstimmung zwischen einem Titel und einem Textfragment, derselbe ist in „Karl May und die Musik“ innerhalb der „Pantoffelmühle“ abgedruckt. [S. 227] Bleibt nur noch zu hoffen, daß sich in der Zukunft in irgendeiner Publikation auch noch ein Plätzchen für „In den Eiern“ (sowie der erste „Verlorne Sohn“) finden wird.

1875.10.-12. -> zu einer noch nicht ermittelten Voredition --- Dieser knappe Satz scheint mir denn doch etwas zu unkritisch auf den Sachverhalt hinzuweisen, da Zweifel hinsichtlich einer solch frühen Datierung angebracht erscheinen: Der fragliche anonymen Abdruck „Aus der Mappe eines Vielgereisten. Erzählung nach wahren Begebenheiten“ [Plaul 8] wurde in der Bibliographie zwar noch vor dem regulären „Familienblatt“-Abdruck [Plaul 22] eingeordnet wurde, daß er aber ebenfalls schon ca. 1875 - eventuell sogar noch früher - erschien, kommt mir doch eher wie eine wilde Schätzung vor. Diese These wurde zwar wiederholt mit gebotenen Fragezeichen diskutiert, so etwa in Anmerkung 22 des Artikels „... und ich das einzige lebende Wesen“ von Jürgen Wehnert [ (..) muß eher damit gerechnet werden, daß es sich (...) um einen [späteren] Raubdruck handelt (...) oder um einen (...) Zweitdruck (...) ] oder in Christian Herrmanns „Der Mann, der Old Shatterhand war“ bzw. „Winnetous Blutsbruder“. Falls ich den Zusammenhang dort richtig verstehe, wird dort - unter dem Hinweis, daß sich die Annahme, diese Fassung sei vor 1975 entstanden, bislang „noch nicht beweisen“ ließ - gar der Schlußsatz aus eben jener textlich etwas abweichenden Fassung zitiert: Einige Wochen später feierten wir unsere Hochzeit. Dies entspricht aber nun dem Schlußsatz der Version, die in der Fischer-Ausgabe „Humoresken und Erzählungen“ abgedruckt wurde und z.B. auch in der Pawlak-Edition (Band 40, Im fernen Westen) übernommen wurde. Es scheint mir demnach doch wesentlich wahrscheinlicher, daß der anonyme Abdruck eine Nach- oder Voredition der offenbar von fremder Hand bearbeiteten Fischer-Buchausgabe ist, zumal laut Plaul 8 im Abdruck auch noch 6 Illustrationen beigefügt sind (In der illustrierten Ausgabe der „Humoresken und Erzählungen“ sind es nur 3), was bei einer Erstausgabe eines total unbekannten Autors ehe schon recht ungewöhnlich wäre. Es sollte deshalb vielleicht einmal von den von Plaul im Jbkmg 77 (S. 171/172) angemerkten Sachkennern mal klar formuliert werden, aufgrund welcher Merkmale man zu dem Urteil gelangt ist, es könnte sich „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ nicht nur um eine Erstveröffentlichung, und damit um einen derart frühen Druck wie 1875 sondern überhaupt um eine Ausgabe handeln, die deutlich vor der Jahrhundertwende entstand.

1882.09.-10. „Im ‚wilden Westen‘ Nordamerikas“ -> Wahrscheinlich geht der Text aber auf eine frühere Fassung zurück, die unter dem Titel Ave Maria bereits um 1880 (möglicherweise in Amberg) erschienen ist. Vgl dazu auch: 1890.09.25.-10.30. -> (...) eine vermutlich bereits 1881 erstmals veröffentlichte Variante (...). Die Theorie eines 1880/81er Frühabdruckes des „Ave Maria“ in der Textversion von 1890 widerspricht jedoch einigen wichtigen Merkmalen. Wie ich hier etwa im Thread zu den Both Shatters (unter Frühwerk) ausführlich anhand von ungekürzten Zitaten demonstrierte, hat May die Beschreibungen Winnetous im Frühwerk laufend graduell verändert, so daß gerade in der Phase bis 1883 in nahezu jedem Jahrgang eine ganz eigene unverwechselbare Charkterisierung des Apachen zu lesen ist. Und so weisen denn auch die Beschreibungen Winnetous in „Ein Ölbrand“ und „Im ‚wilden Westen‘ Nordamerikas“ weitaus mehr Ähnlichkeiten untereinander als im Vergleich zu „Deadly Dust“ auf., so etwa hat – um nur ein Beispiel zu nennen – Winnetous Frisur in „Deadly Dust“ noch nicht das charakteristische ein helmartiges Aussehen. (Ausführlich sind alle Unterschiede im erwähnten Both-Shatters-Thread dargestellt) Auch andere Einzelheiten, wie einerseits die Erwähnung des berühmten Westmannes Langer Haller in „Deadly Dust“ – hier ist der bei May bei Nebenfiguren öfter verwendete Figurenname möglicherweise eine Hommage an den Captain Haller aus Thomas Mayne Reids „Scalpjägern“ – sowie davon abweichend andererseits des „Langen Hilbers“ in „Ein Ölbrand“ und „Im ‚wilden Westen‘ Nordamerikas“ sprechen für eine zeitliche Nähe der Entstehungszeiten der beiden letztere Erzählungen. Dazu gehört auch, daß sich der dicke Walker im Gespräch auf das Abenteuer mit Sans-ear bezieht, was ebenfalls darauf hinweist, das „Deadly Dust“ vor „Ave Maria“ entstand. Oder daß May Winnetou mit Old Shatterhand in „Deadly Dust“ noch keine Apachen-Sprache in den Mund legt, in den beiden anderen Erzählungen aber schon. Auch in das Bowie-Pater-Kapitel des zwischenzeitlich entstandenen Roman „Die Juweleninsel“ hat May noch keine indianischen Sprachproben eingefügt und dabei selbst den Namen des Apachenhäuptlings Rimatta noch rein lautmalerisch gebildet. Obgleich bei May später derart häufige Sprachproben wie in der Geschichte um Winnetous Tod auch nicht die Regel waren, so bemühte er sich dann doch darum, den Indianern – zumal den Häuptlingen – keine Phantasienamen mehr zu geben sondern diese authentisch zu benamsen. Insofern darf man auch deshalb relativ sicher sein, daß „Ave Maria“ nicht vor dem „Bowie-Pater“ entstand. Und im übrigen sind meineserachtens auch die wenigen und dabei auch nur minimalen Abweichungen in „Ave Maria“ (dokumentiert auf S. 265 des KMG-Reprints) leichter erklärlich, wenn man annimmt, daß einzelne Wörter willentlich und/oder fahrlässig von May, einem Fulda-Redakteuer oder Drucker gestrichen worden sind, als daß sie ein stilistisch feinfühliger Theissing-Redakteuer eigenmächtig hinzugefügt hätte. Weiterhin ist ferner unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung der Winnetou-Texte auch anzunehmen, daß es sich bei der unter 1877.12.15 erwähnten Erzählung „Im fernen Westen“ mit Sicherheit um die Textversion der Buchfassung gehandelt haben dürfte, sondern daß May analog zu den Titelaustausch von „Leilet“ zu „Die Rose von Kahira“ der ursprünglichen „Old Firehand“-Novelle lediglich diesen Alternativ-Titel verpaßt hatte.

1885.04.15 -> (...) und Münchmeyer fügt mangels Manuskript in die laufende Lieferung von Die Liebe des Ulanen („Deutscher Wanderer“) einen vorliegenden, aber nicht zum Roman gehörigen Text Ulane und Zouave ein. --- Auch hier wurde eine Interpretation etwas unkritisch als Fakt präsentiert. Wenn Münchmeyer für diesen Einschub verantwortlich gewesen wäre, so hätte dieser nicht einfach mal so den Text aus der Schublade ziehen und einfügen können. Er hätte 1.) hellseherisch den Inhalt des dann später von May gelieferten Textes wissen müssen, da dann tatsächlich ein Ulan und ein Zouave eine nicht unwesentliche Rolle in der Kapitelhandlung spielen, daß aber May bei Lieferung des Manuskriptes des letzten Kapitelendes freundlicherweise die Kapitelüberschrift des nächsten – und nur diese – mitgeliefert hätte, erscheint dann doch zu abenteuerlich. Und in dem Falle, daß es sich um ein für „Der verlorne Sohn“ eingegangenes Manuskript-Fragment gehandelt hätte, müßte Münchmeyer dieses 2.) überarbeitet haben , da. May in diesen Roman neben der bereits in den frühen Kapiteln erwähnten Straf- und Irrenanstalt Rollenburg sicherlich nicht noch eine gleichartige Grollenburg eingebaut hätte. Natürlich wäre dies mit einem bloßen Hinzufügen eines Buchstaben zu bewältigen gewesen. Dennoch gibt es meines Wissens keinen wirklichen Beleg dafür, daß Münchmeyer für den Einschub verantwortlich gewesen war, ebensogut hätte May selber das Grollenburg-Fragment als Notlösung für den „Ulanen“ einschicken können – eine Interpretation übrigens, der ich persönlich eher zuneigen würde.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Schwettmann


Zuletzt geändert von Thomas Schwettmann am 12.9.2005, 16:27, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 15:46 
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Es geht auch etwas einfacher. Münchmeyer braucht Text, sieht die Überschrift "Ulane und Zouave", denkt, paßt ja, und zack, läßt es veröffentlichen, ob es nun [in Wirklichkeit] paßt oder nicht. Kolportageverleger pflegen nicht um sieben(undzwanzig) Ecken zu denken.


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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 16:07 
Wo bitte sieht er denn die Überschrift "Ulane und Zouave"? :shock:
Am Himmel über Dresden kreisen? :o

Und selbst als General-Verleger Heinrich-Hubert "Zack-Zack" von & zu & aus Münchmeyerickhausen hätte er wenigstens um eine Ecke denken müssen, um die Burg nicht weiter rollen sondern grollen zu lassen. :roll: :groll:

PS: Es gibt doch tatsächlich nur ein "roll" aber kein "groll"-Smilie. Böser Fehler!! :mrgreen:


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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 16:39 
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Ist irgendwo belegt, daß das Manuskript

a.) KEINE Überschrift trug und
b.) ob "Rollenburg" oder halt "Grollenburg" dort stand ?

Mag ja sein, mir halt nicht bekannt.

Was die Smilies betrifft, vermisse ich gelegentlich welche, die gähnen, sich langweilen, verzweifeln, oder "Aufhören !" rufen.


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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 16:57 
Es ist zumindestens belegt, daß es im Fragment keinen Ulanen und keinen Zuaven gibt und es deshalb nicht den geringsten Grund dafür gibt, das Teil so zu nennen, es sei denn, May selber hätte es als Verlegensheitslösung geschickt und diese Überschrift in dem Bewußtsein vorangesetzt, daß derartige Figuren im Anschluß an den Einschub noch im Kapitel auftreten werden. Wenn May das Fragment aber nicht nur ursprünglich als Fortsetzung für den "Sohn" geschrieben, sondern dann auch ausdrücklich als solche an Münchmeyer geschickt hätte, dann hätte er es aller Logik nach - die man mitunter auch schon mal bemühen sollte - kaum mit "Ulane und Zouave" überschrieben.

Und was die Smilies angeht, so gibt es ja die Möglichkeit, nichts zu kommentieren, wenn man der Meinung ist, daß es nichts zu kommentieren gibt und lieber schlafen zu gehen. Mache ich auch gelegentlich. :P


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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 17:18 
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>> Es ist zumindestens belegt, daß es im Fragment keinen Ulanen und keinen Zuaven gibt

Das ist mir durchaus bekannt. Und eben deswegen wird sich ja nicht irgend jemand die Überschrift aus den Fingern gesogen haben, sondern sie wird drüber gestanden haben.

>> als Verlegensheitslösung geschickt

Wieso geschickt. Ich ging immer davon aus, daß Münchmeyer das Manuskript gefunden hat. Es hat weder mit dem "Ulanen" noch mit dem "Sohn" zu tun. Vermutlich wird May selber nicht gewußt haben, was er damit einmal macht. Ob er es für den einen, den anderen oder sonst einen Roman verwendet.

Mays Arbeiten war ebensowenig linear und konsequent zielgerichtet wie das Leben. All diese nachträglichen Begradigungsversuche sind genau das, was ihre Verfechter eigentlich gar nicht mögen: reine Spekulation.


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 Betreff des Beitrags: Ein Ölbrand / Ulane und Zouave
BeitragVerfasst: 11.9.2005, 17:32 
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Wohnort: Karl-May-Geburtsstadt Hohenstein-Ernstthal
Hallo Herr Schwettmann,

auch ich bin der Anschicht „Im ‚wilden Westen‘ Nordamerikas“ ist 1882/83 entstanden. Für mich ist nicht vorstellbar, dass May seinen Winnetou um 1880 sterben ließ, um ihn wenig später in "Ein Ölbrand" wieder auferstehen zu lassen. Im Herbst 1882 entstand "Die Todeskaravane"; dort überleben Halef und Kara Ben Nemsi nur aus erzählerischer Notwendigkeit – von der Pest gezeichnet. Wenig später lässt May seinen "Winnetou" sterben, beide Texte haben somit eine ähnlich trübe Stimmung. Erst zum Ende seiner Kolportagetätigkeit verfasst May den "Sohn des Bärenjägers", um mit "Winnetou" einen Neuanfang zu wagen.

Zu "Ulane und Zoave" oder besser "Bertha-Brand-Fragment":

"Ulane und Zouave" erschien in den Lieferungen 88-91 der Münchmeyer-Zeitschrift 'Deutscher Wanderer', und zwar als zehntes Kapitel in dem Hauptroman "Die Liebe des Ulanen". In diesem Roman ist der Text ein Fremdkörper. Sowohl vorher als auch nachher hat er mit dem "Ulanen"-Roman überhaupt nichts zu tun! Deswegen wurde er in sämtlichen späteren Buchfassungen fortgelassen.

Mays Mutter starb am 15. April 1885, kurze Zeit später erlitt Mays Vater einen Schlaganfall. Aus diesem Grund entstand kein Manuskript. Als Notlösung gelangte der ursprüngliche Anfang der 3. Abteilung des "Verlornen Sohn" (nur dort passt das Fragment rein; später "Ein Magdalenenhändler") in den "Deutschen Wanderer" (eine Zeitschrift hat Vorrang). Dies konnte nur der Autor getan haben, der sich darauf einrichten musste, für den VS schnell Ersatz zu schaffen. Münchmeyer konnte nicht ohne Rücksprache mit May beide Romane negativ beeinflussen, schließlich musste der VS ebenso möglichst bald fortgesetzt werden. Hätte Münchmeyer einen Fremdtext in "Die Liebe des Ulanen" geschoben, hätte er den Text eines anderen Autoren verwendet – er musste doch froh sein, wenigstens einen Restmanuskriptteil für den VS zu haben!

Übrigens muss die Laufzeit des "Deutschen Wanderer", die Sudhoff in der KM-Chronik nennt (S. 300), falsch sein. Oktober/November 1883 ist als Starttermin angegeben. Somit wäre "Ulane und Zuave" deutlich nach dem Tod der Mutter Mays erschienen ...

Noch ein paar Sätze zum Oberförster: Klaus Ludwig schließt in seinem KMG-Sonderheft "Biographisches in Karl Mays Lieferungsroman 'Der verlorne Sohn'" nicht aus, dass Heinrich August May der Sohn eines Oberförsters sei, weil die Hauptperson des VS – Gustav Brandt – der Sohn eines Försters ist. Es mag jeder für sich selbst entscheiden, wie beweiskräftig das ist ...

Mit besten Grüßen
Ralf Harder


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BeitragVerfasst: 11.9.2005, 20:22 
Nur kurz mein Senf zu zwei Dingen:

1. Plaul 8 "Aus der Mappe eines Vielgereisten"
Hier bin ich auch der Ansicht, dass diese Veröffentlichung im Plaul völlig falsch einsortiert ist. Aus dem Bauch heraus tippe ich eher auf die 90er Jahre. Herr Bartsch könnte vielleicht etwas dazu sagen. Soweit ich weiß, besitzt er das Belegstück.

2. "Ulane und Zouave"
Die Überschrift bezieht sich auf den Teil des 10. Kapitels, der in den Roman "Die Liebe des Ulanen" gehört. Der nicht dazugehörige Einschub steht aber direkt am Beginn dieses Kapitels. Wenn also Münchmeyer selbst diesen Einschub vorgenommen hätte, dann würde es bedeuten, dass Karl May als letzte Zeile übersandten Manuskripts ausgerechntet eine Kapitelüberschrift geliefert hätte. Das wäre aberwitzig. Daher stimme ich mit den Vorrednern überein, die sich der These anschlossen, dass Karl May selbst diesen Fremdtext als Notnagel geschickt hat.


Zuletzt geändert von Hermesmeier am 11.9.2005, 21:03, insgesamt 1-mal geändert.

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