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BeitragVerfasst: 30.9.2005, 7:41 
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Hallo zusammen,

wenn ich so lese, was Ihr geschrieben habt, dann sehe ich Karl May als Handwerker vor mir. Zu einem beträchtlichen Teil seiner Schaffenszeit als Schwerarbeiter. Da ging er in seine Werkstatt (Schreibzimmer) und dachte sich erstmal einen Rahmen, stöbert in geographischen Büchern, sucht sich die Gegenden aus, die interessieren, die ihn auch faszinieren, informiert sich darüber. Möglicherweise wächst dabei in seinem Kopf schon eine Geschichte. So- und dann braucht er die Figuren. Wen ham' mer den da? Den Kara, den Lord, den Scheik, den Hadschi (Hadschi bleibt in seinem Wesen immer gleich, kein Wunder! Denn mehr als jeder andere ist er das selber), den Firehand, den Westmann hier, den ..
Und dann baut er das alles zusammen. Mittendrin immer wieder lange Beschreibungen, aber dann auch wieder seine wundervollen, so richtig ins Laufen gekommene fantastischen Geschichten. Da ist er dann ganz Hakawati.
Gruß
Sylvia


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BeitragVerfasst: 30.9.2005, 17:20 
Nun, ich würde es auch so ausdrücken, er war Handwerker UND frei fabulierender Phantast. Wenn der geographisch-ethnologische-lexikalische Rahmen recherchiert war und bereit lag, dann schrieb er sicherlich einfach drauf los, zuweilen möglicherweise auch in einen tranceähnlichen Zustand. Man sollte da weder die eine noch die andere Seite überbetonen.

Daß jede Figur bei jeder Erzählung nun immer wieder ganz von vorne erfunden wurde, halte ich wiederum für etwas überinterpretiert, ganz sicher hat May seinen "Kamerad"-Lesern z.B. immer den gleichen Shatterhand, Winnetou, Hobble, usw. vorgesetzt. Daß hingegenn Ich-Shatterhand und Kamerad-Shatterhand nicht gleich sind, ergibt sich alleine schon formal aus den unterschiedlichen Erzählperspektive. Der "allwissende" Erzähler der Jugendschriften widerspricht diametral dem subjektiven Ich-Erzähler der Reiseerzählungen (In "Der schwarze Mustang" läßt May übrigens einmal anfangs des 2. Kapitels den Ich-Erzähler raushängen, als er von weißen und schwarzen Mustangs erzählt, und der ist nicht identisch mit Old Shatty)

Greetings from Apa

PS: Die Krüger-Bei-Erinnerung aus dem "Schut" findet man übrigens unter:
-> karlmay.leo.org/kmg/primlit/reise/orient/schut/k-02.htm
[Stichwort: Ehrenbissen]


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BeitragVerfasst: 30.9.2005, 22:05 
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Hallo Apa!

"Daß hingegenn Ich-Shatterhand und Kamerad-Shatterhand nicht gleich sind, ergibt sich alleine schon formal aus den unterschiedlichen Erzählperspektive"

Das sehe ich nicht so. Warum hat er dem Haupthelden dann nicht einfach einen anderen Namen gegeben?

Gruß
Sylvia


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BeitragVerfasst: 1.10.2005, 17:13 
Hallo Sylvia!

Vermutlich war May einfach so gestrickt, daß er gerne immer wieder mit vertrauten Namen und Charakterisierungen hantierte, selbst wenn die Figuren weniger als neunzigprozentig mit alten gleichnamigen Modelen übereinstimmte. Die Sache mit den Two Shatterhands kann man sicher so oder so sehen und für den "Alltags-Lesegebrauch" - zumal nach KMV-Lesart - ist eine solche Unterscheidung sicher auch nicht nötig.

Viele Grüße
Thomas

PS: In Bezug auf den Krüger-Bei-Einschub im "Schut" nehme ich alles zurück ... ohne jedoch gleich das Gegenteil zu behaupten. Der "Ehrenbissen" wird ja- wie auch die Haupthandlung - in der Vergangenheitsform als Rückerinnerung erzählt, da diese Krüger-Bei-Episode aber in der Haupthandlung selber nicht erwähnt wird (etwa im Unterschied zu Einem Australien-Abenteuer, von dem Kara seinen Freund und Diener Halef erzählt), sondern nur isoliert und zusammenhanglos eingeschoben ist, muß diese also nicht vor den Ereignissen um den Schut stattgefunden haben, sondern könnte ebenso auch danach erfolgt sein.

Andererseits hätte Kara Ben Nemsi Rih natürlich bei einem After-Schut-Abenteuer Rih erst einmal bei Halef abholen müssen, da der Rappe ja bei diesem "geparkt" war. Er hätte diesem also sagen müssen, daß er in für das nächste Abenteuer nicht benötigt, ... "Incredible!" würde Sir David shouten.


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 Betreff des Beitrags: Shatterhands
BeitragVerfasst: 1.10.2005, 17:52 
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Hallo zusammen!

Thomas Schwettmann hat geschrieben:
Daß jede Figur bei jeder Erzählung nun immer wieder ganz von vorne erfunden wurde, halte ich wiederum für etwas überinterpretiert, [...]

Das möchte ich so auch nicht behauptet haben. May hatte ein Figurenarsenal, mit gewissen Namen und daran gehefteten Charakterzügen und Geschichten. Vor allem letztere (aber auch erstere!)waren eher locker verbunden. Vom Äusseren mal ganz zu schweigen, das auch variieren konnte. Dies macht, dass im Grunde genommen jeder Old Shatterhand, Winnetou etc. nicht zu 100% deckungsgleich ist mit seinen Vorgängern und Nachfolgern.

Thomas Schwettmann hat geschrieben:
Andererseits hätte Kara Ben Nemsi Rih natürlich bei einem After-Schut-Abenteuer Rih erst einmal bei Halef abholen müssen, da der Rappe ja bei diesem "geparkt" war. Er hätte diesem also sagen müssen, daß er in für das nächste Abenteuer nicht benötigt [...]

Hmm ... "jenem sagen müssen"? :?:

Grüsse

Sandhofer


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BeitragVerfasst: 3.10.2005, 11:18 
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Naja, Rih war über eine Information gewiss auch sehr dankbar, musste er sich doch im Falle eines "Einsatzes" vorher immer für Wochen voraus vollressen..

Ich überlege gerade, warum May seine beliebten Abenteuergeschichten nicht mal aus der Sicht z.B. Winnetous oder des Hadschi oder des Sam Hawkens geschrieben hat.
Wahrscheinlich hatte er gar keine Zeit dazu. Es musste ja produziert werden. Und es ging wohl auch um dem Geschmack des Publikums. Er wurde also regelrecht in die Old Shatterhand-Schiene hineingedrängelt. Und hatte später seine liebe Not damit.

Gruß

Sylvia


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BeitragVerfasst: 3.10.2005, 11:59 
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Winnetou war eine Wunschvorstellung von jemand anders, Old Shatterhand von sich selbst. Hadschi Halef ein nach außen projiziertes Bündel von Teilaspekten seiner eigenen Persönlichkeit, Sam Hawkens vermutlich eine Mischung aus ein bißchen eigenem, ein bißchen von anderen und einem Wunschbild, wie er gern einen Kumpel gehabt hätte.

Ich sehe die Ich-Form nur für seine Wunschbilder Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi. Die anderen läßt er auch gerne mal länger erzählen (so auch Old Death, Old Wabble, die sagen auch viel über ihn selber), nur Winnetou ist eher schweigsam (Ausnahme: die 1893 hinzugeschriebenen Todesahnungen in Winnetou III). So jemand gibt's ja auch nicht, was soll der groß sagen.

;)


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BeitragVerfasst: 3.10.2005, 13:09 
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Ich weiß, ich bin jetzt ganz albern, aber wie wär's aus der Sicht von Rih?
:shock:


:lol:

8) Sylvia


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BeitragVerfasst: 3.10.2005, 13:13 
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Kein Problem.

Ich hätte ja fast Lust, da was zu schreiben ...

;)


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BeitragVerfasst: 3.10.2005, 13:14 
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Nachträgliches De-aktivieren :oops:

:shock:
:lol:
:roll:


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 Betreff des Beitrags: Können
BeitragVerfasst: 7.10.2005, 7:17 
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Hallo zusammen!
Hallo Waukel!

Waukel hat geschrieben:
Ich überlege gerade, warum May seine beliebten Abenteuergeschichten nicht mal aus der Sicht z.B. Winnetous oder des Hadschi oder des Sam Hawkens geschrieben hat.
Wahrscheinlich hatte er gar keine Zeit dazu.

Primär besass er wohl auch ganz einfach die Fähigkeit nicht dazu. May war ein genialer Erzähler - auf einem ganz beschränkten Gebiet und mit einer äusserst beschränkten Technik. Seien wir froh, dass er nicht aus einer andern Optik als der von OS und KbN geschrieben hat. Seine Gedichte sind schon schlimm genug :)

Grüsse

Sandhofer
PS. Mir will scheinen, dass wir hier ein bisschen off-Topic geraten sind. Vielleicht korrigiert das mal ein Admin?


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BeitragVerfasst: 7.10.2005, 8:21 
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Sandhofer!

Sorry wegen off-topic, mea culpa, ich bin ein großer Offtopicer..

Aber das kann ich so nicht stehen lassen. Zwar bewegt sich das schon wieder im Bereich der Spekulation, aber man kann auch nicht so einfach behaupten, dass May nicht die Fähigkeit dazu besessen hätte, mal aus einer anderen Perspektive zu schreiben. Seine Schwerpunkte beim Schreiben lagen ganz klar woanders als in differenzierten Sichtweisen.
Ich spekuliere mal, dass so eine Geschichte, meinetwegen aus Hadschis Sicht, vorausgesetzt er hätte die Zeit dazu gehabt, erstens eine ganz gute Übung für ihn gewesen wäre und vielleicht zu einer ganz guten Entwicklung geführt hätte. Leider hat dies niemand von ihm gefordert, und leider war er lange Zeit mit anderen Dingen aufgehalten. Schade für eine Begabung, die noch, wie ich meine, viel mehr Facetten hätte haben können.

Seine Gedichte.
Die sehe ich gar nicht als Werke, mit denen er Geld verdienen wollte. Die hat er geschrieben wie wenn man betet.

Gruß
wa


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 7.10.2005, 8:23 
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Nachtrag: Hallo

:)


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 Betreff des Beitrags: May
BeitragVerfasst: 7.10.2005, 10:33 
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Beiträge: 274
Hallo zusammen!
Hallo waukel!

Waukel hat geschrieben:
Sorry wegen off-topic, mea culpa, ich bin ein großer Offtopicer..

Nicht dass es mich stört. Solange ich nicht Admin bin ... (Und als Admin lieeebe ich es, Threads auseinanderzuschnippseln und neu zusammenzukleben!)

Waukel hat geschrieben:
aber man kann auch nicht so einfach behaupten, dass May nicht die Fähigkeit dazu besessen hätte, mal aus einer anderen Perspektive zu schreiben.

Doch, kann man. Habe ich ja soeben bewiesen. :lol: Im Ernst: In den beiden andern Gattungen Drama und Lyrik hat er, wenn wir ehrlich sind, nichts Nennenswertes geleistet. Und bei den Romanen müssen wir feststellen, dass es ihm selbst im Alter nicht mehr möglich war, aus dem Grundschema seiner "Ich bin der Grösste und Beste und diese Geschichte erzähle ich mal, und zwar in der Ich-Form und immer in der 'Reiten - Einfangen - Freilassen - Reiten - Selbergefangenwerden - Sichbefreien - Reiten - Schematik'"-Manie zu lösen. Karl May war limitiert. Das ist mal primär nichts Negatives. Du verlangst ja von Deiner Espresso-Maschine auch nicht, dass sie Dir noch den Boden aufwischt und ein Gute-Nacht-Lied singt ...

Waukel hat geschrieben:
Seinde Gedichte
Die sehe ich gar nicht als Werke, mit denen er Geld verdienen wollte. Die hat er geschrieben wie wenn man betet.

Ja. Aber er hat sie als Gedichte veröffentlicht. Und damit dem literarischen Urteil preisgegeben. Und das war und ist vernichtend. Zu Recht.

Grüsse

Sandhofer


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 Betreff des Beitrags: Re: May
BeitragVerfasst: 7.10.2005, 13:08 
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Registriert: 12.5.2004, 22:06
Beiträge: 274
Hallo!

Sandhofer hat geschrieben:
Du verlangst ja von Deiner Espresso-Maschine auch nicht, dass sie Dir noch den Boden aufwischt und ein Gute-Nacht-Lied singt ...

Nachtrag: Solange sie guten Espresso fabriziert ...

Sandhofer


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