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 Betreff des Beitrags: Auf den Spuren von Karl May in Gartow und Umgebung
BeitragVerfasst: 29.5.2006, 17:06 
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Das Hotel Krug (Hauptstr. 15) gibt es nicht mehr. Da gibt es heute einen Bioladen. Ein Holzschild, das an den Aufenthalt Karl Mays erinnert, hängt noch im Eingang.

Auch das „Deutsche Haus“ (Hauptstr. 23) gibt es nicht mehr. Es gab dort wohl noch lange Zeit ein Lokal, jetzt stehen die Räumlichkeiten leer. Kein Hinweis auf Karl May. Als ich durchs Fenster in den leeren, noch als ehemals gastronomisch genutzt erkennbaren Raum schaute, sah ich einen kleinen, beschwingt gestikulierenden Mann im Raum stehen und schwadronieren. Aber nur vor meinem geistigen Auge.

In Kapern, wo unser ebenso gutherziger wie geltungsbedürftiger vermeintlicher Doktor ein armes Kind samt Vater ausgiebig beschenkte, erinnert eine an dem betreffenden Haus (dort auch „Zimmer frei“) angebrachte Tafel an den wohltätigen „Dr. Karl May“. Die Fahrt über Kapern nach Schnackenburg geht heute mit dem Auto etwas schneller als seinerzeit mit der Kutsch’. Schöne Gegend.

In Gartow bemerkte Karl May seinerzeit wohl (unter anderem) zweierlei: dass gesellig unter Mitmenschen sich befinden seine Bestimmung, oder auch sein Ding, letzten Endes wohl doch nicht so sehr war, und dass man heftig auf die Nase fallen kann, auch vor sich selbst, wenn man es übertreibt mit dem Auf-den-Putz-hauen und Show abziehen. Lehrreich.


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BeitragVerfasst: 20.7.2006, 14:57 
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Hallo Rüdiger,

in der Tat erscheint mir dein Argument, dass Gartow für Karl May eine recht lehrreiche Erfahrung war, durchaus nachvollziehbar, denn seine große Zeit als "Old Shatterhand, das bin ich" neigte sich seinem Ende zu.

Analysiert man in psychologischer Hinsicht Mays Aufenthalt in Gartow, so könnte diese Erfahrung des Aufschneidens in Gartow und dessen - wenn auch belanglose - Folgen, bei May selbst zur Erkenntnis geführt haben, dass es für ihn so nicht weitergeht.

So gesehen könnte man Gartow vielleicht als zentralen Wendepunkt in Karl Mays Leben betrachten.

Viele Grüße
Kurt


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BeitragVerfasst: 21.7.2006, 8:10 
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Ach, ich glaube, so wirklich und grundlegend verändert hat er sich letzten Endes nie, manchmal erscheint er einem ja, wenn man die letzten Chronik-Bände liest, in den späteren Jahren in seinem hemmungslosen Um-sich-selbst-kreisen noch unangenehmer als zuvor.

Ich glaube, er hat es sich immer wieder vorgenommen, sich zu ändern, geschafft hat er es nicht. Er blieb bis zuletzt ein großes, wenn man so will oft ungezogenes Kind.

Ich ben ne kölsche Jung, wat wells de maache.
Ich ben ne Kölsche Jung, un dun jään laache.
Ich ben och söns nit schlääch, nä ich ben brav.
Mi Leevlingswöötche heiß "Kölle Alaaf".


;)


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BeitragVerfasst: 22.7.2006, 13:27 
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Ich bin immer wieder erstaunt, lieber Rüdiger, wieviel differenzierter und kritischer Du Karl May betrachtest als dies noch vor 3 Jahre der Fall war. Wie kommt denn das?
Die Biografie von Hermann Wohlgschaft hat bei mir eher das Gegenteil bewirkt.


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BeitragVerfasst: 22.7.2006, 15:39 
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Hallo Kurt,

ich denke, wenn man sich intensiv mit Karl May beschäftigt, kommt man gar nicht umhin, ihn AUCH kritisch zu sehen. Du hast recht, ich sehe ihn wesentlich kritischer als vor drei Jahren. Das heißt nicht, daß ich ihn jetzt verurteile. Auch Ilmer hat ihn sehr geschätzt, was ihn nicht davon abhielt, seine sehr zutreffenden, klarsichtigen Äußerungen in "Hehres Anliegen im Zwielicht" zu machen. Auch wenn das unkritischeren Gemütern mit Hang zur Schönfärberei in Kreisen der KMG nicht in den Kram paßt und Ilmer deshalb einigen Ärger eingebracht hat, wie E. Bartsch hier seinerzeit berichtete.

Zuneigung, meinetwegen Liebe, und schärfste Kritik schließen sich ja nicht aus. Man tut weder Karl May noch sich selber einen Gefallen, wenn man Dinge nicht wahrhaben will, lieber nicht so genau hinguckt und unter den Teppich kehrt, anstatt ihnen radikal und schonungslos auf den Grund zu gehen.

Beste Grüße

Rüdiger


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BeitragVerfasst: 22.7.2006, 16:24 
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Hallo Rüdiger,

da hast Du natürlich in allen Punkten recht. Es ist vielleicht auch so, dass die Biografie von Wohlgschaft bei mir nicht mehr Sympathie für Karl May geweckt hat, aber mehr Verständnis für seine Person und warum er wohl so war.

Von dir stammt die schöne Formulierung, das Karl May oft "neben der Spur" war. Besser kann man es eigentlich gar nicht formulieren.

Viele Grüße
Kurt


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BeitragVerfasst: 22.7.2006, 16:29 
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"mental abseitig" (das ist, glaube ich, von Dir) ist aber auch sehr schön. Und sprachlich wesentlich KMG-tauglicher.

:lol:


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BeitragVerfasst: 22.7.2006, 17:26 
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In der Tat, Rüdiger, diese Formulierung hatte ich einmal verwendet, aber nicht Karl May gemeint.

Dennoch wenn ich mir den Brief Karl Mays an Fehsenfeld vom 27.02.1907 durchlese, diese mentale Abseitigkeit durchaus auch bei May auffällt.


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BeitragVerfasst: 22.7.2006, 17:47 
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"Niederrhein ist überall" äußerte einmal Hanns Dieter Hüsch, und erklärte, ihm falle immer mehr auf, daß die Leute von dort, die er so hübsch schildern und vorführen konnte, auch andernorts ganz ähnlich seien. So ist es wohl auch mit Karl May.

Ein bißchen Karl May sind wir doch alle, der eine mehr, der andere weniger.

;)


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BeitragVerfasst: 22.7.2006, 17:51 
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"Zudem kommt, dass Ludwig II. und sein Bruder Otto durchaus als mental abseitig bezeichnet werden können. Gleiches gilt wohl in gewisser Weise auch für Karl May."

hieß es übrigens seinerzeit (es ist nichts so fein gesponnen, dank gutem Gedächtnis und Suchfunktion kommt doch alles an die Sonnen). Na siehstewoll, da ging es ja auch schon um Karl May.

;)


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BeitragVerfasst: 22.7.2006, 20:46 
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Aus welchem Jahr stammt das Zitat und wer ist der Verfasser, Rüdiger?


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BeitragVerfasst: 22.7.2006, 23:30 
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Ein gewisser K.A. am 18.6.2005 in diesem Forum.

;)


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