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 Betreff des Beitrags: Halbblut Vorurteil /// Forschungsarbeit
BeitragVerfasst: 30.7.2006, 8:13 
G'day from Australia - meine Uebersetzungs und Forschungsarbeit brachte mich zu einem Thema bei welchem ich nur mehr Fragen aber noch keine Antworten finden konnte. Ich Kopiere hier den Pinnwand Text damit meine Anfrage im Text gleich ist. Mein Deutsch ist etwas rostig und falls ich ein paar grammatische Suenden begehe, bitte ich um Verzeihung. --- Ich suche jemanden mit wem ich dieses Thema (nicht sosehr das Vorturteil per se, aber warum es nur in 'Der Schwarze Mustang' auftaucht) diskutieren kann und vielleicht ein paar Erklaerungen finden kann. --- Vielen Dank --- Marlies Bugmann --- Australian Friends of Karl May
*** *** ***
This is Marlies Bugmann, Australian Friends of Karl May. Ich uebersetze einige Karl May Buecher ins Englische - http://karlmay.ziby.net und darunter befindet sich Black Mustang (Der Schwarze Mustang) fuer welchen ich co-translator (mit-Uebersetzer) bin.

Der Schwarze Mustang scheint 'aus der Reihe' zu fallen mit dem Mestize Vorurteil, welches ich nur ein anderes mal in Winnetou's Erben mit einem Satz wiederfinden kann (Herzle fragt den alten Old Shatterhand) --- (vielleicht sind da noch andere Referenzen die ich noch nicht gefunden habe).

Das Vorurteil in der in Er-form geschriebenen Jugenderzaehlung ist folgendermassen 'Man weiß ja ganz genau, daß ihr halbblütigen Menschen nur die schlimmen Eigenschaften eurer Eltern erbt, und du bist der beste Beweis dafür, daß dies kein Irrtum ist.' (Quote Old Shatterhand)

Ich kann fuer den Grund dieses Vorurteiles keinen einzigen Hinweis finden, ausser einen ebenso verwunderten Bemerk im Vorwort zum Zeitschriftenfassungswiederddruck der Gesellschaft.

Ich moechte gerne jemanden finder der sich um diesen Punkt auch schon Gedanken gemacht hat. Speziell weil Karl May sonst 'Halbblueter' ganz anders behandelt hat (Old Surehand, Apanatschka und Soehne etc).

Dieser Band scheint speziell geschrieben zu sein um dieses 'Vorurteil' zu behandeln.

Ich waere dankbar fuer Kontakt von jemand mit dem ich diesen Punkt diskutieren koennte.

Vielen Dank und herzliche Gruesse von 'downunder' Tasmania

Marlies Bugmann
Australian Friends of Karl May


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BeitragVerfasst: 8.8.2006, 8:20 
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Karl May war halt ein sehr widersprüchlicher Autor, und es konnte bei ihm auch schon mal nach Lust und Laune gehen. Allzu ernst sollte man so etwas wie diese Anwandlungen im „Schwarzen Mustang“ bei ihm nicht nehmen. Mal (Band 11) lässt er an Chinesen kein gutes Haar, in Band 30 ist es dann völlig anders. In den Marienkalendergeschichten oder im „Lande des Mahdi“ verurteilt er den Islam teilweise sozusagen auf Teufel komm’ raus, an anderen Stellen (Rede am Grab von Mohammed Emin unter Einbeziehung von Koranstellen in Band 3, Gebet mit Moslems unter Vollzug derer Rituale in „Der Krumir“ in Band 10) sieht das ganz anders aus.

Ich habe es beispielsweise auch schon erlebt, dass einer, wenn er im Internetcafe oder beim Schneider nett behandelt wurde, gesagt hat, Türken seien eben sehr nett, angenehmer als Einheimische, und wenn dann entsprechende Jugendliche mal wieder aus Spaß an der Freud nächtens sein Fahrrad umgetreten haben, sah die Welt schon wieder ein wenig anders aus. – Oder die Sache mit Mamroth (mit dem hat Karl May manch bösen Strauß ausgefochten, dies zur Erklärung, falls sich das bis Australien nicht herumgesprochen haben sollte), man schmeckt doch (wachen Sinnes) immer wieder auch den Respekt Mays durch, und in stillen Stunden wird er sich vielleicht klammheimlich ein bisschen geschämt haben, wenn ihm mal wieder die Gäule gleichsam frühjugendlicher Emotion allzu sehr durchgegangen waren. - So ist das Leben, nicht schwarz oder weiß, sondern widersprüchlich, bunt und abwechslungsreich. Alles fließt, wusste Heraklit, so auch Karl Mays Anschauungen in Sachen „Mischlinge“ und anderes.

Das war jetzt nicht sehr wissenschaftlich, ich weiß, aber das Leben ist auch oft nicht so wissenschaftlich …

:wink:


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BeitragVerfasst: 8.8.2006, 16:36 
Hi rodger - change of scenery ...
Ist es wirklich nur so einfach mit May? Natuerlich bin ich kein Wissenschaftler, und ich denke, May (und sein Werk) verdient mehr als nur einen wissenschaftlichen Anblick (und das bringt mir dann wahrscheinlich schon wieder einen Kommentar von irgendwoher welcher nicht zum Thema ist). Dass er eine mehrfach gespaltene Persoenlichkeit besass ist ja schon klar - aber sollte es wirklich nur so einfach mit 'Lust und Laune' und 'Widerspruechlichkeit zu erklaeren sein?
Der Schwarze Mustang wurde im 1896 geschrieben, nach einer ziemlich erfolgreichen zeit - 93 Winnetou / 94,5,6 Old Surehand / 95 Kauf der Villa Shatterhand / 96 Kostuemphotos und Anfertigung der Silberbuechse und Baerentoeter, und 97 Freuden und Leiden eines Vielgelesenen liest sich doch als ob er sich auf einem 'Hoch' befindet (uebrigens war das meine erste English KM Uebersetzung - nun auf der Gesellschaft website!). Zudem vollzieht sich mit dem 'Stuecklein' auch die Old Shatterhand / Karl May identity Legende. Dass Karl May viele seiner Helden an wirklichen Personen in seinem Leben modelliert hat ist ja auch klar ... ich tue das auch selber in meinen anderen Buechern. Und dass er in soviele Zivil-, Straf- und andere Verfahren verwickelt war ist auch klar ... das bekam am Ende seine Identitaet ... Karl May ohne ...-Verfahren waere nicht Karl May ... und schlussendlich ist mir auch klar dass ohne Leute wie Klara May, die Lektoren, oder Paddy Frank, der May heute auch 'verschollen' waere - also das 'Prinzip' Karl May ist mir - so denke ich jedenfalls - 'klar'. Jedoch ist der 'Mustang' auffaellig anders - auch im Ende - als die anderen seiner 'Westerns'. Mal was gegen die Chinesen, die Tuerken, Islam oder andere 'ethnic' Gruppen zu haben um eine Geschichte interessant zu machen - na ja - Karl May Rezept, aber ein Mischling ist doch was ganz anderes - oder? Eine Theorie ist dass 'seinerzeit' Mischlinge hauptsaechlich aus der 'unteren' Schicht der Bevoelkerung hervorgebracht worden, und was von da 'unten' kam war 'sowieso' schlecht. Da wuerde sich Karl May doch im Prinzip selber verurteilen, da er ja von da 'unten' kam. Eine andere Theorie ist dass es sich hier (Ik Senanda = boese Schlange) um eine wirkliche Person handelt. Dabei handelt es sich mit dem Namen schon um einen Widerspruch ... ein Indianer sollte mit seinem Namen doch 'Ansehen' heischen - und Ik ist der Augapfel seines Grossvaters - warum dann 'boese' Schlange? ... Na ja ... vielleicht war's die Emma - und vielleicht wirds fuer immer ein Raetsel bleiben :-)


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BeitragVerfasst: 8.8.2006, 21:28 
Liebe Marlies,

Karl May war ein typisches Kind seiner Zeit. Als solches verfuegte er auch ueber die Vorurteile und Urteile seiner Zeit. Vielleicht waere es hilfreich fuer ein gruendliches Quellenstudium sich mit den damaligen Vorurteilen, die Karl May bediente, literaturkritisch auseinanderzusetzen.


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BeitragVerfasst: 9.8.2006, 7:52 
Vielen Dank
Grundsaetzlich hat meine Rundfrage ein erwuenschtes Resultat erbracht. Selbst wenn es nicht das 'lueften eines Geheimnisses' war, sondern die Uebereinstimmung von verschiedenen quellen dass es eben schlicht und einfach die portraitierung der seinerzeitigen culturellen Ansicht - an und fuer sich ist das ja auch der Sinn von JEDEM Schreiben das verfasst wird - genau wie Gemaelde, Musik etc - die sind der Spiegel der Kultur wie sie war als der Text oder das Bild oder das Stueck Musik geschaffen wurde.
Vielen Dank auch den 'privaten' Beitraegen - die sind sehr geschaetzt. Es geht mir darum in meinen Uebersetzungen (und Forschungs Project) das richtige Bild zu gestalten - und nicht etwas erfinden weil das 'subject' zu unangenehm ist fuer 'politically correct' und 'ethnically and culturally sensitive' Leser.
Mein Besuch zu den 'Foren' hat sich gelohnt und ich danke allen.
Bye for now!


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BeitragVerfasst: 9.8.2006, 7:54 
PS ... war er 'typisch' - wo sind denn alle anderen Karl Mays?
Ist mir nur so im nachhinein eingefallen.


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BeitragVerfasst: 9.8.2006, 8:52 
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Beiträge: 55
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Liebe Grüße insbesondere an alle unsere australischen Freunde,

Karl May unterlag den Zwängen seiner Zeit (wie an sich jeder von uns), aber er versuchte immer wieder auszubrechen (wie meist nur einige von uns). Das Ausbrechen versuchte er meist auf literarische Weise, in seinen Werken verkörperte er dann all die anderen 'Typen'.
Im realen Leben versucht er es zwar auch, z.B. auch in seiner Kostümierung als Old Shatterhand rsp. Kara Ben Nemsi. Oder früher schon für Opa Pollmer als 'Detektiv', oder später in Gartow als großzügiger Geldverteiler. Aber immer wird er ins reale Leben der damaligen Zeit zurückgeholt.
Mays Leben ist facettenreich und wenn wir etwas an ihm untersuchen, müssen wir auch die damalige Zeit mitbetrachten.

Thomas Grafenberg


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 Betreff des Beitrags: mestize
BeitragVerfasst: 23.8.2007, 22:18 
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zu beachten ist vielleicht auch noch die Tatsache, dass der zitierte Satz <Man weiß ja ganz genau, daß ihr halbblütigen Menschen nur die schlimmen Eigenschaften eurer Eltern erbt, und du bist der beste Beweis dafür, daß dies kein Irrtum ist> mitten in einem scharfen Verhör viel!

Hinweis: wer Old Surehand nicht kennt, nicht weiterlesen!!! Enthält mehr oder weniger die Auflösung des ganzen Rätsels!

Auch im Werke May's wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Halbblüter oder Mischlinge (ob Mestizen oder Mulatten) zu den damaligen beschriebenen gesellschaftlichen Verhältnissen sich ihren Platz suchen und um Anerkennung in der jeweiligen Gruppe der Gesellschaft ringen mussten. Zumal wenn deren Herkunft deutlich aufviel. Sie hatten hat ihren Platz weder in der einen noch in der anderen Gruppe der Gesellschaft und kamen doch besser in diesen zurecht, als die einen (z.B. roten) bei den anderen (z.B. weißen), was sie natürlich für Mays Geschichten als Spione besonders qualifizierte ... .
(auf der anderen Seite ist zum Beispiel Schako Mato ist mit seiner Wahl des alten Wabble als Spion auch nicht wirklich glücklich, obwohl der als Weißer und "Indianertöter" auf den Farmen natürlich keinen Verdacht erregt. Der würde wieder einem Halbblut -wegen seiner Abstammung- mehr Achtung und Vertrauen entgegenbringen.)

Bei den Benders viel deren Herkunft wiederum nicht auf, da der eine eher indianische Züge aufwies (Apanatschka) und der andere eher die eines Weißen (Old Surehand), was unter anderem vielleicht auch durch deren Erziehung zu verdanken war. Die einzigen Hinweise auf deren "gemischte" Herkunft waren ja bei Apanatschka nur der kräftige Bartwuchs (den sicher auch der falsche Medizinman hatte, der dort als dessen Vater galt, und daher bei den Comanchen nicht sooo auffällig war) und bei Old Surehand die kaukasischen Züge und die "indianischen" Augen, die nebenbei bemerkt nur einem so aufmerksamen Beobachter, wie Old Shatterhand auffielen (selbst Winnetou soll dies ja nicht bemerkt haben) :wink:

Das Halbblutproblem wird übrigens auch bei I. Allende in Zorro beschrieben. Dort können die Mulaten nur den Siedlungen der Freibeuter (Piraten) ein relativ freies, geachtetes und unbehelligtes Leben führen.

Sagen wir also die Figur der Böden Schlange bietet einen Gegenpol zu den Benders :wink: ohne irgendwelche Vorurteile besonders herausheben zu wollen.


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 Betreff des Beitrags: uups
BeitragVerfasst: 23.8.2007, 22:21 
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stelle gerade fest, dass der Beitrag bereits ein Jahr alt ist :oops:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.8.2007, 6:28 
wie schon woanders gesagt - der Inhalt machts - nicht das Datum (well - fast nicht) ... inzwischen - und mit der Leistung bin ich ziemlich zufrieden - sind die Dinger fertig geworden:

Black Mustang ist uebersetzt und gedruckt, und so ist auch Old Surehand (die ganze 'ununterbrochene' [!] Saga) - und hier erhaeltlich: http://www.amazon.com/s/ref=sr_st/103-6 ... k&x=11&y=9

:wink:

[uebrigens: AFKM war mein erster login (Australian Friends of Karl May) aber irgenwie kamen da Gremlins rein und der hat auf einmal nicht mehr funktioniert so hab ich nun einen login mit meinen ganz echten richtigen Namen! [mag Versteckdichspielen sowieso nicht - wie's im Schweizer Jassen so heisst ... ufem Tisch muesses verrecke])


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.8.2007, 9:21 
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Registriert: 12.5.2004, 18:21
Beiträge: 221
Ich finde es ja niedlich, bei einem über 100 Jahre alten Werk einen Spoiler zu setzen... ;)

_________________
Täglich neues zu entdecken bei www.karl-may-buecher.de


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BeitragVerfasst: 24.8.2007, 9:55 
man entdeckt Karl May taeglich neu - jeder Generation gibt er was besonderes - det soll so sein! :lol:


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BeitragVerfasst: 24.8.2007, 15:26 
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Registriert: 12.5.2004, 23:06
Beiträge: 274
JennyFlorstedt hat geschrieben:
Ich finde es ja niedlich, bei einem über 100 Jahre alten Werk einen Spoiler zu setzen... ;)

Och ... ich habe schon mal - in einem andern Forum - eine ziemliche Welle der Entrüstung ausgelöst, als ich das bei einem andern Klassiker mal nicht getan habe ... Es gibt immer welche, die ein Werk zum ersten Mal lesen und sich den Spass des Neuen nicht verderben lassen wollen. (Auch wenn ich das persönlich nicht nachvollziehen kann ...)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.8.2007, 15:53 
schnip>>>Auch wenn ich das persönlich nicht nachvollziehen kann<<<schnap ... det kann schon sein fuer dich ... aber fuer Maysterwerke die ich noch nicht kenne will ich auch eine Spoilerwarning! Das sind soviel ich rechnen kann SEHR viele. :wink:


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