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 Betreff des Beitrags: Old Shatterhand Legende
BeitragVerfasst: 4.11.2006, 7:15 
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Ich bin immer wieder fasziniert wie man May jahrelang seine Schwindeleien glaubte.
Besonders was seine angeblichen Sprachkenntnisse angeht,ist es mir bis heute unklar,dass man ihm nicht frueher auf die Schliche kam,es gab wohl kaum jemanden,der seine nicht existenten Arabischkenntnisse konstatieren konnte.Aber soweit ich weiss sprach May auch kein Englisch,gab es unter seinen Bekannten denn niemand,der eine von May angeblich fliessend beherrschte Sprache sprach und ihn so der Luege ueberfuehren musste?


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BeitragVerfasst: 4.11.2006, 8:43 
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Die ganze Old-Shatterhand-Legenden-Angelegenheit war ein gewaltiger Ritt auf sehr dünnem Eis. Tollkühn und wider jede Vernunft.

Interessant dabei ist, dass Karl May Jahre vorher solche Dinge, solche Gefährdungen gleichnishaft beschrieben hat, wie beim Ritt über den Salzsee im „Krumir“ oder auf sehr schmalem Sumpfpfad mit Kochta alias Jaguar in „El Sendador I“. Und dann hatte er diese gefährliche Zeit überwunden, war vom innerlich kleinlauten, ehemaligen Kriminellen mit permanenter Angst vor der Vergangenheit zum Erfolgsautor aufgestiegen, und hätte es nun sozusagen in aller Entspanntheit etwas ruhiger angehen lassen können. Aber nein, es ist in seinem Wesen, und er fordert es heraus, begibt sich erneut und von sich aus auf Eis, das eigentlich gar nicht anders kann, als irgendwann zu brechen.

Das ist diese unbewusste innere Destruktivität, die so manchen umtreibt. Erich Fromm hat ein Buch darüber geschrieben. Jorge Luis Borges drückte es an einer Stelle in einem Essay mit den Worten „Hitler will besiegt werden“ aus (dieses Gefühl bekam er, als er in den Augen eines hohen Offiziers sozusagen ein heimliches und dem Offizier selber wohl nicht bewusstes Leuchten sah, dass zum Inhalt des Gesprächs, das sie führten, nicht so recht passen wollte).

Einige Muster pflegen uns halt lebenslänglich zu begleiten. Beim einen sind sie etwas simpler gestrickt, beim anderen etwas verworrener. Aber wenn man etwas genauer hinguckt, kann man auch die Verworreneren als Muster erkennen.

Man kann es sich natürlich auch leichter machen und einfach „Alles Quatsch“ sagen.

;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Old Shatterhand Legende
BeitragVerfasst: 4.11.2006, 10:53 
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Hallo zusammen!

Thomas Math hat geschrieben:
Ich bin immer wieder fasziniert wie man May jahrelang seine Schwindeleien glaubte.


Wie es um die Sprachkenntnisse in Mays Bekanntschaft stand, entzieht sich meiner Kenntnis. Soweit ich Mays Biografie in Erinnerung habe, hat er persönlichen Kontakt mit "echten" Weltreisenden eher vermieden.

Und dann: Es gibt noch heute, 2006, Leute, die glauben, dass Brittni Schpiirs singen könne und dass sie vor der Ehe keinen Sex gehabt habe. Es gibt noch heute Leute, die glauben, dass der Profi-Radsport endlich dopingfrei sei.

Im Nachhinein ist man immer klüger, pflegte meine Grossmutter zu sagen.

Als "Fan" hast du keinen Grund zu hinterfragen. Als "Nicht-Fan" wirst du dich hüten, dich dem Mob der Fans auszusetzen.

Und dann gab's wohl auch schon damals die grosse Menge derer, die May bestenfalls zur Kenntnis nahmen. Allenfalls amüsiert, aber nicht weiter interessiert. Schlimmstenfalls abgestossen. Man nenne mir Frank Schätzing, Dan Brown, Rebecca Gablé, Diana Gabaldon, Daniel Kehlmann, Paolo Coelho - ich weiss, dass sie existieren, soweit ist ihr Ruhm gediehen. Sie lesen und mich um ihr Privatleben kümmern, werde ich nicht (mehr).

Grüsse

Sandhofer

PS, @rodger: Der Reiter und der Bodensee, von Gustav Schwab?


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BeitragVerfasst: 4.11.2006, 11:26 
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Da bin ich aber froh, mir mit Sandhofer mal einig zu sein, was Frank Schätzing und Paolo Coelho betrifft nämlich.
Von Dan Brown und Daniel Kehlmann habe ich noch nichts gelesen, und die anderen genannten kenne ich nicht.

Da google ich auch gern mal für ihn: ja, "Der Reiter und der Bodensee" ist von Gustav Schwab. Den ich bislang ebensowenig kannte wie das Gedicht.


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BeitragVerfasst: 5.11.2006, 0:06 
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May hätte wahrscheinlich einen Zweifler angeschaut, den Kopf etwas schief gelegt und gesagt: "Wollen Sie mich examinieren, mein Herr?"
Außerdem wächst ein Mythos oft genug ohne großes eigenes Zutun. Nach ein paar Aufenthalten in Nordafrika und ein paar aufgeschnappten Brocken Arabisch galt ich bei meinem letzten Aufenthalt am Nil für meine Mitreisenden als großer Arabischkenner und durfte dann alles mit den Leuten dort regeln. Das funktionierte auch recht gut, was aber eher an den Englischkenntnissen der Ägypter lag. Bitte nicht weitererzählen.

Rolf Ben Nemsi


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BeitragVerfasst: 5.11.2006, 9:48 
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Zum Schwindeln gehören immer 2: Einen Schwindler und der, der beschwindelt wird -- oder: werden möchte.

Die OS-Legende hat zumindest auch deshalb funktioniert, weil die Leute es glauben wollten, die mussten nicht erst groß überzeugt werden.

Ich hab eine ähnliche Erfahrung wie Rolf gemacht, nämlich einmal bei einem Klassentreffen nach 10 Jahren.

Irgendwann habe ich angefangen, Nachfragen nach einem Mitschüler, mit dem ich zusammen studierte, der aber nicht zu dem Treffen kam, mit abenteuerlichen Geschichten zu beantwortet. Der sei nach Südamerika ausgewandert. Frauengeschichten. Und überhaupt. ("Sag mal - was macht eigentlich der Peter, ihr studiert doch zusamen in Bonn, oder?" - "Also als er mir das letzte Mal schrieb, war er Honduras, glaub ich" - "Was!? Erzähl mal" - und dann erzählt man halt)

Die Tatsache, dass man ausgerechnet diesem Mitschüler so etwas nun am allerwenigsten zugetraut hätte, trug wohl ihren Teil dazu bei, dass man mir umso begeisteter glaubte, je dreister ich log.

Bis ich aus der Rolle fiel und lachen musste.


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BeitragVerfasst: 5.11.2006, 10:03 
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Der Regisseur und ehemalige Theaterintendant Prof. Dr. Karl Wesseler pflegte sich gelegentlich einen Spaß daraus zu machen, die absurdesten Geschichten so glaubwürdig vorzutragen, daß man es so lange glaubte, bis er dann schließlich irgendwann doch vor Lachen nicht mehr weiterkonnte.

So erinnere ich mich an eine Geschichte, daß, wenn ein Flugzeug wegen Nebels nicht am Zielflughafen landen kann, sondern eine andere Stadt anfliegen muß, die Stewardess schon mal mit dem Teller rumgeht, um Geld einzusammeln, wenn die Fluggäste den Piloten bestechen wollen, doch zu landen. Es kämen immerhin schon mal um die hundertfünfzig Mark zusammen, wenn jeder fünf gäbe, immerhin steuerfrei, und dann lande der Pilot im dicksten Nebel.

Bei einer anderen Geschichte haben es ein paar andere wohl etwas früher gemerkt, ich nicht. Er erzählte, hingerichtete Chinesen hätten früher mit abgeschlagenem Kopf noch "Großer Gott wir loben Dich" gesungen. Einige Zuhörer entfernten sich bereits kopfschüttelnd, als ich ihn mit großen Augen und völlig verdattert fragte, ja aber wo wäre die Stimme denn dann herausgekommen. "Ja, aus den offenen Stimmbändern", so oder ähnlich konnte er gerade noch herausbringen, bevor es ihm, offenbar vor allem wegen meines Gesichtsausdrucks, dann endgültig die Sprache verschlug, er hatte schon vorher schwer mit dem Lachen gekämpft. Ich aber wunderte mich über zwei Dinge: erstens, wie kann das sein, zweitens, warum lacht der so.

;)


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BeitragVerfasst: 6.11.2006, 9:01 
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:D
Ich glaub' ja viel, aber das glaube ich Dir jetzt nicht.


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BeitragVerfasst: 6.11.2006, 11:57 
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Frag' ihn, er wohnt in Köln. - Und selbst wenn er sich an die Geschichte nicht mehr detailliert erinnern sollte, an mich wird er sich recht gut erinnern, und daher keinerlei Zweifel hegen, daß es genau so war, wie hier geschildert.

:lol:


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