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 Betreff des Beitrags: Mariatheresientaler
BeitragVerfasst: 14.6.2004, 23:09 
Hallo!

Daß der Mariatheresientaler bis ins 20ste Jahrhundert gängiges Zahlungsmittel in weiten Gebieten Nordafrikas und - soweit ich weiß - auch Arabiens war, ist u.a. durch Karl May bekannt. Wie aber sind die historischen Zusammenhänge, daß es dazu kam?

Rolf


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 Betreff des Beitrags: Mariatheresienthaler
BeitragVerfasst: 15.6.2004, 13:44 
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Registriert: 12.5.2004, 22:06
Beiträge: 274
Hallo zusammen!
Hallo Rolf!

Mein Meyer von 1897 sagt dazu nur:

Meyers Konversationslexikon von 1897 hat geschrieben:
Mariatheresienthaler (Levantiner Thaler), der Konventions-Speziesthaler (s. Konventionsfuß) von 1780 mit dem Bildnis der Kaiserin Maria Theresia, = 4,21 Mk. Silberwert (Gold zu Silber = 15 1/2 : 1), von der Münze zu Venedig und seit 1866 zu Wien als blosses Fabrikat gegen Einlieferung von Silber oder Münzen gefertigt, wofür die kaiserliche Münze 1 1/2 Proz. Kosten erhebt; übrigens namentlich in Genf nachgeprägt. Der M. hat in Österreich selbst keine Umlaufsfähigkeit, geht aber von Triest über Tripolis und Alexandrien in Mengen nach Nordostafrika bis gegen den Äquator, wo er bis vor kurzem die einzige gangbare Münze (Bu-ter, Vogelthaler, in Abessinien Ber, Gersch, Chersch, in der Mehrheit Kurusch, an der Somalküste und in Aden Kersch, Kirsch) war, sowie nach Arabien etc., wo die M. (Fransi, Reali) neben den alten spanischen Piastern die Grundlage der Währung bilden.

Solches zitierend kommt man sich vor wie Kara ben Nemsi. Hat Karl May den Meyer übrigens verwendet?

Grüsse

Sandhofer


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BeitragVerfasst: 15.6.2004, 14:44 
Hallo Sandhofer,

Helmut Lieblang weist in seinem Aufsatz "Ich war noch niemals hier gewesen - die Quellen zu 'Satan und Ischariot'" (Karl May "Satan und Ischariot" Igel-Verlag 1999) nach , dass Karl May zumindest für diesen Roman "Brockhaus Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie" (Leipzig 1882-1887 13. Auflage) verwendet hat.

Viele Grüße
Kurt


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BeitragVerfasst: 15.6.2004, 18:53 
Hallo Sandhofer,
Hallo Kurt!

Auch der "Pierer" erwähnt die Tatsache, daß der Mariatheresientaler im Orient Verwendung fand. Nur: das wußte ich schon. Ich weiß nur nicht warum.

Gruß

Rolf


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BeitragVerfasst: 15.6.2004, 19:10 
Hallo Rolf,


in dem Buch "Aufbruch ins Unbekannte" von H. u. W. Senft (Leopold Stocker Verlag, Graz 1999) steht u.a.:

"Zweifellos handelt es sich um eine schöne Münze, und viele sehen im prächtigen Bildnis der Maria Thersia mit ihren in der islamischen Welt begehrten üppigen Formen eine hinreichende Erklärung für deren Beliebheit. allerdings befand sich im Orient auch immer der englische Sovereign mit deren jugendlichen britischen Königin Victoria im Umlauf, die eher liebliche Gesichtszüge aufwies als Maria Theresia." :lol:

Zumindest wäre jetzt die Beliebheit dieser Münze im Orient erklärbar. :lol:

Viele Grüße
Kurt


Zuletzt geändert von Gast am 15.6.2004, 22:04, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 15.6.2004, 19:22 
Lieber Kurt!

Die orientalische Vorliebe für "barocke" Damen - geschenkt. Mir geht es um historische Tatsachen. Es hat doch nicht irgendwann mal irgendjemand säckeweise Mariatheresientaler in diesen Ländern verteilt und dann fanden alle dieses dicke Weib toll. Mal davon abgesehen, daß die Darstellung von Menschen im Islam eher verpönt ist. Ich frage nochmal: durch welche politische, wirtschaftliche etc. Umstände gerieten diese Münzen in den Orient?

Historiker an die Front!

Rolf


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BeitragVerfasst: 15.6.2004, 22:24 
Als ich soeben in meine Geldbörse schaute sah ich zu meinem Erstaunen, daß sich ein 2 €-Stück in derselben befand, das nicht aus Deutschland stammte.
Ich unterzog es einer näheren Betrachtung und stellte fest, daß das Geldstück aus Österreich stammte und Berta von Suttner zeigte.

Da fragte ich mich schon, wie kommt so ein Geldstück aus Österreich nach Kiel an der Ostsee?

Und schau, es fiel mir Rolfs Frage ein und kam zu dem Ergebnis, so muß es auch mit den Mariatheresientalern gewesen sein. :lol: :lol:

Viele Grüße
Kurt


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BeitragVerfasst: 17.6.2004, 8:19 
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Beiträge: 158
Hallo zusammen,

ist es nicht so, dass der Mariatheresiathaler einen bestimmten Anteil an Edelmetall hat und dadurch einen gewissen Wert, abgesehen von der Prägung oder Währung. Und dadurch konnte er sich in weiten Kreisen als Zahlungsmittel durchsetzen. -? Für Reisende nach Afrika oder für Händler war das dann ja ganz praktisch, musste man sich damit nicht mit einheimischer Währung versorgen. Aber warum das gerade wieder nur in Afrika und Arabien so war? Manches entwickelt sich halt eben so...

Gruß
Sylvia


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 Betreff des Beitrags: Wertstabilität und Kaffeehandel ...
BeitragVerfasst: 17.6.2004, 11:11 
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Wohnort: Altenholz
Hallo zusammen,

Wertstabilität und Kaffeehandel scheinen die Faktoren
der Verbreitung des MTT zu sein:

"Der Taler gewann, als Währungsmünze in Österreich 1751 eingeführt (bis 1858 gültig), bald über den bloßen Metallwert hinaus einen 10 %igen Wertzuwachs und verbreitete sich rasch, vor allem in den Balkanländern, im Nahen Osten (Levante) und in Afrika.
...
Die Beliebtheit des Maria-Theresien-Talers, des münzgeschichtlichen Denkmals des Merkantilismus, beruht nicht zuletzt auf seinem ständig gleich bleibenden Silbergehalt, der sich nur einmal, 1780/81, änderte (seither ist der Maria-Theresien-Taler um 2,4 mg schwerer als zuvor), sowie auf seiner künstlerischen Gestaltung."
(http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.m/m215286.htm)

"Durch den Kaffeehandel mit den aus Äthiopien stammenden Arabica-Bohnen etablierte er sich lange Zeit als Landeswährung, und man sieht noch heute Frauen und Kinder stolz das doppelkinnige Porträt der Kaiserin als Amulett tragen."
(http://derstandard.at/?id=1626743)

Grüße aus Altenholz

Sven


Zuletzt geändert von sven.becker.kiel am 29.8.2004, 9:41, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 17.6.2004, 13:32 
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Beiträge: 600
Wohnort: München
nur mal so als Randeinwurf - "Mariatheresienthaler" gehört für mich zu den magischen Worten bei May. Ich hab als Kind rein gar nicht gewusst, was das ist (eine wertvolle Münze, das war klar) und die historischen Wurzeln, so interessant sie auch sein mögen, spielen für mich überhaupt keine Rolle. Allein der Klang des Wortes ist für mich untrennbar May, Orient, Wüste, frühes Leseglück verbunden.


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 Betreff des Beitrags: Mariatheresientaler
BeitragVerfasst: 17.6.2004, 13:48 
Hallo Giesbert, Hallo in die Runde!

Genau so ging es mir als 12-Jährigem. Und ich mußte unbedingt so eine Münze haben, bekam sie dann auch irgendwann. Kostete damals (1964) um die 5 Mark.

Danke an alle für ihre Antworten. Besonders die Schiene "Kaffeehandel" erscheint mir sehr einleuchtend.

Viele Grüße

Rolf


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.6.2004, 13:53 
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Registriert: 13.5.2004, 9:54
Beiträge: 158
Nur, um mal zu sehen, wieviel der Thaler wert war:

"Er wird auch in fast allen Reiseberichten der Zeit aus Nord- und Ostafrika als Zahlungsmittel erwähnt. Im Tschadseegebiet ist er das einzige Großzahlungsmittel und wird unterteilt in 4000 Kaurimuscheln. Die Preise für eine Milchkuh waren 3-5, für ein Pferd 15-25 und ein Sklave kostete 12-14 MTT. Er erhielt auch von den Einheimischen die verschiedensten Namen, wie Abu Teir = Vater des Vogels, Abu gnuchtu = Vater der Zufriedenheit, Reali moesi = schwarzer Taler, Rial kebir großer Taler und auch Rial namsawi = österreichischer Taler."

(zu finden unter: http://www.8ung.at/mtt/ )

Gruß
wau/ Sylvia


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BeitragVerfasst: 25.8.2004, 22:21 
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Registriert: 13.5.2004, 9:54
Beiträge: 158
Hallo nochmal in die MTT-Runde!

In der 'Skavenkarawane' habe ich nochwas über den Mariatheresienthaler gefunden. Auf S. 243 im Greno TB steht :

"Der Mariatheresienthaler wird nämlich im Sudan nur dann angenommen, wenn die Prägung deutlich ist; außerdem müssen sich die sieben Punkte des Diadems, von denen der Thaler seinen Namen hat (*, ferner auch die Agraffe und die Buchstaben S.F. scharf zeichnen. Fehlt eines dieser Merkmale, so wird der Thaler entweder gar nicht, oder um mehrere Piaster billiger berechnet.)

(*Abu Noktah = Vater des Punktes)


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