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 Betreff des Beitrags: In den Gewölben von Schloss Grafenreuth
BeitragVerfasst: 14.1.2007, 14:46 
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In GW 78 sind zwei Erzählungen vorhanden:
-Die Titelerzählung Das Rätsel von Miramare. Sie ist ein Teil von dem Lieferungsroman Der Weg zum Glück.
-Sowie In den Gewölben von Schloss Grafenreuth, eine andere Version des Endes von Deutsche Herzen, Deutsche Helden.

Nun habe ich aber die Herzen und Helden noch nicht gelesen. Lohnt es sich trotzdem, In den Gewölben von Schloss Grafenreuth zu lesen?
Ich wäre dankbar, wenn mir jemand da "Auskunft" geben könnte.

Außerdem noch eine Frage zu den Herzen und Helden: In GW 60 Allah il Allah! steht vorne drin, dass dieser Band ebenfalls zu benanntem Lieferungsroman gehört. Doch GW 60 füllt doch eine Lücke im Orientzyklus und ist also auch in der Ich-Perspektive gehalten.
Inwiefern ist also die eben genannte Aussage zu verstehen?


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BeitragVerfasst: 14.1.2007, 15:02 
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Band 60 "Allah il Allah" wurde von dem Bearbeiter des Karl-May-Verlages, Franz Kandolf, so radikal bearbeitet, das er mit dem Originaltext Karl Mays nichts mehr zu tun hat.

Es war vielmehr das Anliegen des KMV, eine Reiselücke im "Orientzyklus" Karl Mays zu schliessen.

Der Band "Allah il Allah" erschien erstmals im Jahre 1931 und ist als eigenständiges Werk Franz Kandolfs durchaus lesenswert. Mit Karl May hat Band 60 eigentlich nichts zu tun.

Band 78 habe ich noch nicht gelesen und kann daher keine Bewertung abgeben.


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BeitragVerfasst: 14.1.2007, 17:58 
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Es heißt ja immer in der Sekundärliteratur, der Originalschluß von "Deutsche Herzen" sei besonders schlecht. Das fand ich nun gar nicht; den Roman als solchen fand ich zwar den schlechtesten von Mays Kolportageromanen, aber der Schluß hat mir nun wiederum gefallen; spannend, bildhaft, eindrucksvoll.

Als der Karl-May-Verlag die "Deutschen Herzen" in einer - recht gelungenen - Bearbeitung in den Bänden 60 sowie 61-63 vorlegte, wurde der Schluß neu und ganz anders verfaßt. In Band 78 steht dieser Schluß nun so, wie er ursprünglich war, allerdings wiederum bearbeitet (einerseits sprachlich/stilistisch, sowie Streichungen ganzer Passagen).
Man kann diese Fassung durchaus separat lesen.

Einen weiteren Alternativ-Schluß ("Das letzte Rencontre") hat Harald Mischnick verfaßt, ist als KMG-Sonderband erhältlich.

Band 60 ist die Auskopplung oder auch Separation einer in sich einigermaßen geschlossenen Episode aus den "Deutschen Herzen", wobei aus Oskar Steinbach Kara Ben Nemsi wurde, von der Er- in die Ich-Form übertragen, und Hadschi Halef Omar dazugebastelt. Das ist m.E. ausgezeichnet gelungen. Wären alle Bearbeitungen so wie dieses Buch, dann hätte ich kaum Einwände. Leider ist dem bei anderen Bänden duchaus nicht immer so.


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BeitragVerfasst: 14.1.2007, 18:27 
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Sehr interessante Ein- und Ansichten eines mir eher bekannten Textpuristen. :shock:


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BeitragVerfasst: 14.1.2007, 20:22 
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Tja, Kurt, Du weißt doch, es ist alles nicht so einfach ...

:wink:

Die kleinen Textänderungen in den Reiseerzählungen stören mich viel mehr als das komplett umgeschriebene "Allah il Allah", denn ersteres ist völlig überflüssig und nur ärgerlich, letzteres gut und überzeugend gemacht. Man kann die Bamberger Bearbeitungen der Kolportageromane (Bände 50-68 und 73-78 ) als Alternative zu den Erstfassungen betrachten und als solche gelten lassen, sie stehen auch alle in meinem Regal, wobei es da auch noch deutliche Abstufungen gibt, 56-64 und 66-68 gefallen mir deutlich besser als 51-55 und 65.


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BeitragVerfasst: 14.1.2007, 20:26 
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Es müßte übrigens "eines mir eher als Textpurist bekannten" heißen;
ich mußte eine ganze Weile nachdenken, bis ich überhaupt merkte, was gemeint war.

:wink:

(Verzeihung, aber, um einen Ausspruch von Fritz Kortner zu variieren, in jedem von uns steckt ein Sandhofer)

:lol:


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BeitragVerfasst: 14.1.2007, 20:28 
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Das sind allerdings sehr überzeugende Argumente, Rüdiger, denen ich gerne zustimme.

Viele Grüße
Kurt

Gilt übrigens für beide Beiträge.


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BeitragVerfasst: 19.1.2007, 17:17 
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Tolle Antworten, nur konnte mir keine bei meiner Entscheidung weiterhelfen. Ich habe mich nun entschieden In den Gewölben von Schloss Grafenreuth erst nach der Lektüre von Deutsche Herzen, deutsche Helden zu lesen.


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BeitragVerfasst: 19.1.2007, 17:43 
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Die Eingangsfrage

Zitat:
Lohnt es sich trotzdem, In den Gewölben von Schloss Grafenreuth zu lesen?


wurde durchaus beantwortet

Zitat:
Man kann diese Fassung durchaus separat lesen.


Aber da sieht man es wieder: Kommunikation ist oft ebenso illusionär wie durchaus verzichtbar

:wink:


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BeitragVerfasst: 20.1.2007, 15:37 
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Ist ja auch egal. Hatte nämlich diesen Thread vollkommen vergessen und mich auch so entschieden, zu warten.

Ich danke natürlich trotzdem für die vielen Antworten. :)


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BeitragVerfasst: 20.1.2007, 16:56 
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Kann natürlich dazu führen, daß man dann beim nächsten Mal sich ausführliche Antworten schenkt, wenn eh alles wurscht ist. Komische Haltung.

:?


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BeitragVerfasst: 21.1.2007, 14:22 
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Überhaupt nicht wurscht!
In Bezug auf Allah il Allah! bin ich jetzt viel schlauer und auch überhaupt - über die Herzen und Helden weiß ich nun mehr.


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 Betreff des Beitrags: Allah il Allah
BeitragVerfasst: 22.1.2007, 13:11 
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Hallo zusammen!

rodger hat geschrieben:
Die kleinen Textänderungen in den Reiseerzählungen stören mich viel mehr als das komplett umgeschriebene "Allah il Allah", denn ersteres ist völlig überflüssig und nur ärgerlich, letzteres gut und überzeugend gemacht.


Wobei die Bearbeitung in einem Punkt "hinter" Karl May zurückfällt, zurückfallen musste. Während nämlich der "Kolportage-May" Liebe und sogar ein bisschen Sex äusserst grosszügig über den ganzen Textkuchen streute / streuen liess / duldete, dass gestreut wurde (was auch immer), wurden diese Themen in seinen Reise- bzw. Abenteuerromanen um Kara ben Nemsi und Old Shatterhand zusehends in den Hintergrund gedrängt.

Indem die Lücke im Abenteuerroman mit einem Text, der aus der Kolportageabteilung gezogen war, "gefüllt" wurde, wurde gleichzeitig eine Liebesgeschichte importiert, die in der Abenteuerwelt schief liegt. (Etwas, das mich schon als jugendlicher Leser irritiert hatte!)

Irgendwo Mitte der Achtziger müssen sich in Mays Geist drei Welten geschieden haben: Die Kolportagewelt (am besten und fast wasserdicht geschieden, so wasserdicht jedenfalls, dass Karl May gleichzeitig mit einem Teil seines Wesens Kolportage schreiben und mit einem andern über die Kolportageliteratur herziehen konnte) - die Welt der Reiseromane - die Welt der Jugendromane.

Gedankliche Ökonomie (oder negativ ausgedrückt: Mangel an neuen Ideen) verführte May dazu, in allen drei Welten ähnliche, ja fast identische Charaktere (z.T. mit ähnlichen oder identischen Namen sogar) einzubauen. Dennoch lassen sich gewisse Unterschiede festhalten: Hie Liebe und ein bisschen Sex - da bunte Abenteuer, in denen die Helden aber auch schon mal leiden oder gar sterben, keine sexuellen Anspielungen, keine Liebe (allenfalls guckt mal eine holde junge Maid platonisch-verehrend zum Helden auf) - dort die grossen Vorbilder, die den jugendlichen Helden zweiten Ranges führen und leiten, wenig Tote (keine Helden und selbst die Bösewichte werden gern verschont).

Dies haben die Bearbeiter offenbar völlig übersehen.

Grüsse

Sandhofer


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