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 Betreff des Beitrags: Tibo Taka und der General
BeitragVerfasst: 11.4.2007, 3:11 
Hallo
Bin gerade am uebersetzen vom Old Surehand, und bin etwas perplexed. Der Tibo Taka ist Thibaut der Schwindler, und der General ist Dan Etters.
Beide sind da an der Kaktusfalle wenn Winnetou und Old Shatterhand und Bloody Fox die Komantschen fangen. Der General steht da mit Old Wabble wenn die 150 Komantschen einer nach dem anderen rauskommen und gebunden werden.
Nirgendwo in Old Surehand I, II, oder III, erwaehnt Karl May, dass die beiden 'alten Bekannten von 20 Jahren her' wo der Mord am Padre Diterico (Wawa Derrick) begangen wurde, im Llano Estacado 'zufaelligerweise' beide zusammen erschienen, einer als der Medizinmann der Komantschen (Tibo Taka) und der andere als der General.
Soll man annehmen dass die beiden Schurken sich nicht kannten im Llano? oder so taten als ob sie sich nicht kannten? oder dass der Thibaut so verkleidet war als medizinmann dass der General ihn nicht erkannte? Spaeter heisst es ja dass beide, Tibo Taka UND der General den Old Surehand als 'Bender' erkannten.
Wie soll der Leser den Zufall im Llano (Tibo Taka und der General beide da am gleichen Platz) verstehen?
Hat jemand da auch Gedanken?
cheers
Marlies


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BeitragVerfasst: 11.4.2007, 16:09 
Ich gehe davon aus das Karl May als er Old Surehand I schrieb noch keine Vorstellung von der Fortsetzung der Geschichte hatte. Gewöhnlich schrieb er drauf los, griff Handlungsfäden auf und ließ andere einfach liegen. Walter Ilmer hat im Old Surehand Sekundärband des Igel Verlags einmal die vielen Wiedersprüche dieser Geschichte gesammelt und ist der Frage nachgegangen warum sie beim Leser einen so guten Ruf hat.

Im Grunde ist schon der Titel irreführend. Old Wabble wäre wohl der besser gewählte Titel gewesen.


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BeitragVerfasst: 11.4.2007, 16:57 
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Zitat:
Im Grunde ist schon der Titel irreführend. Old Wabble wäre wohl der besser gewählte Titel gewesen.


Da zuckt, sozusagen, mein Feinempfinden zusammen.

:wink:

Zunächst einmal: wie klingt denn das, als Buch- oder gar Trilogietitel, Old Wabble. Es soll schon ein wenig ernsthaft-feierlich klingen, bei diesem Buch zumal (es sei denn man betrachtet alles nur unter dem Gesichtspunkt der Abenteuerhandlung, aber ich wage mal die Behauptung, dass die schon für May völlig sekundär war).

Und, Old Wabble ist zwar auch eine wichtige oder wesentliche Figur, aber Old Surehand ist der vielschichtigere, wesentlichere, um dessen „Erlösung“ es primär geht. Old Wabble spielt eine wesentliche Rolle, aber nicht die Hauptrolle.

*

Was Mays schlampige Art oder auch Nachlässigkeit betrifft, stimme ich zu. Ihm waren halt andere Dinge wichtiger. Für diese vordergründigen Unstimmigkeiten gibt es ja jede Menge Beispiele in seinem Werk. Ich habe mich nie daran gestört (May selbst auch nicht, er kommentiert solche Dinge gelegentlich mit feiner Selbstironie; vgl. z.B. Thread „Von Zeit, Schall und Rauch“ hier unter „Reiseerzählungen“, oder einige in dieser Hinsicht vielsagende Stellen im originalen Old Surehand II), ehrlich gesagt, sind mir diese Dinge kaum jemals aufgefallen. (Ich sehe eher wenn irgendwo ein für den Sinn wesentliches Komma fehlt oder ein Bearbeiter oder Redakteur sonst eine Feinheit nicht wahrgenommen hat.)

:wink:


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BeitragVerfasst: 11.4.2007, 17:03 
Ich glaube nicht das Menschen Old Surehand im Gegensatz zu Old Wabble in Erinnerung behalten. Wäre bestimmt eine interessante Frage für eine Umfrage.


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BeitragVerfasst: 11.4.2007, 17:09 
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Wenn nun bei dieser Umfrage z.B. fünfundneunzig von hundert Leuten äußerten, Old Wabble sei ihnen mehr in Erinnerung als Old Surehand, würde das an meiner Einschätzung indes überhaupt nichts ändern. – Um mich gerne noch einmal auf einen unvergessenen Ausspruch Herrn Harders zu beziehen: manchmal ist der Mond halt viereckig (sozusagen). Man muß nur richtig hingucken.

:wink:


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BeitragVerfasst: 12.4.2007, 9:59 
Das erklaert vieles, Danke ... mein AFKM login scheint nicht immer zu klappen so habe ich ein zweites erstellt mit meinem Vornamen, und das scheint besser zu sein.
Ja, der Old Wabble ... ein Dorian Grey in disguise! Ich finde ihn eine der best-gestalteten Charakteren von May.
Eines ist sicher ... mit uebersetzen von Karl May liest man, und untersucht man, jedes einzelne Wort und jede logische (und unlogische) szene ...
Der Titel 'Old Surehand' ist schon besser gewaehlt, Old Wabble ist der Spiegel den Old Shatterhand dem Old Surehand entgegenhaelt, und in einer mehr esoterischen Betrachtung ... Old Wabble ist was Old Surehand bekommen koennte wenn er den 'rechten' Weg nicht finden kann. (Hoffe ich habe es richtig ausgedrueckt - mein English ist besser als mein Deutsch).
cheers


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BeitragVerfasst: 12.4.2007, 10:05 
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Zitat:
Old Wabble ist was Old Surehand bekommen koennte wenn er den 'rechten' Weg nicht finden kann. (Hoffe ich habe es richtig ausgedrueckt - mein English ist besser als mein Deutsch)


Hervorragend. (Die [sprachliche] Form ist ja [hier] sekundär. Der Inhalt überzeugt).

Zitat:
liest man, und untersucht man, jedes einzelne Wort


Nicht nur beim Übersetzen ...

:wink:


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BeitragVerfasst: 12.4.2007, 12:22 
Ich glaube das Karl May mit der Figur Old Wabble etwas anderes im Sinn wie ihn als Bösewicht einzuführen, hatte als er sie einführte.


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BeitragVerfasst: 12.4.2007, 12:36 
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Glaube ich auch. Es gibt halt das allmähliche Verfertigen der Gedanken nicht nur beim Reden, sondern auch beim Schreiben.

:wink:


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BeitragVerfasst: 12.4.2007, 13:06 
Old Wabble ist kein Boesewicht. Der General und Tibo Taka sind die Boesewichte...der Old Wabble ist sein eigenes Opfer seiner Verbitterung ... er ist aufgewachsen ohne Liebe, hat nie die Liebe einer Mutter oder einer Frau (Ehefrau) gehabt, und sicherlich nicht die Liebe der Indianer ... wie er selber sagte als er starb, Old Wabble wurde nie gekuesst, nur erst im Traum kurz befor er starb. Vielleicht ist es mehr als nur Zufall dass ich mich mit Old Wabble waehrend Ostern so sehr beschaeftigte ... ich sehe ihn als ein Opferlamm (das ist mit Vorsicht zu lesen) er opferte sich damit Old Surehand (und Old Surerhand's familie) eine Zukunft hat (meine interpretation) ... das ewige sterben und auferstehen - wie in der Natur auch - der moder der alten Baeume liefert Nahrung fuer die Sproesslinge (Old Wabble ist fast 100 ... Old Surehand etwas ueber 20) ... sowas aehnliches findet sich in Old Death - Der Scout.


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BeitragVerfasst: 12.4.2007, 15:09 
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Nur-Bösewichte und Nur-Nicht-Bösewichte gibt es ja nicht (es sei denn auf Freilichtbühnen ...).

Natürlich ist Old Wabble auch "böse", aber wie.

Zitat:
ich sehe ihn als ein Opferlamm (das ist mit Vorsicht zu lesen) er opferte sich damit Old Surehand (und Old Surerhand's familie) eine Zukunft hat


Ich bin ja nicht zimperlich und es wird mir selten zu viel, aber, um mit Adenauer zu sprechen, jetzt haben wir die Situation.

:lol:

Der opfert sich doch nicht, wird allenfalls von seinem Autor geopfert, wenn man so will.

Die wesentlichen Figuren Mays sind Ich-Derivate, Aufspaltungen, Spiegelungen seines eigenen Ich, vermutlich durch die Bank.

Old Surehand ist eine May-Variante, Old Wabble eine andere. Wie es im Thread Deinerseits / Ihrerseits vorher an einer Stelle hieß, sinngemäß, so hätte es kommen können (der eine sieht im anderen sich selbst bzw. eine mögliche Variante).

Wabbles Zynismus und Atheismus ist ureigene May-Substanz, der Zweifler, der Verächtlichmacher in ihm selber. Wie Faust und Mephisto, das ist doch auch letzten Endes (oder eigentlich) einer.

Grüße

RW


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BeitragVerfasst: 13.4.2007, 2:56 
biblisch bin ich nicht veranlagt ... natuerlich geht der Old Wabble SEHR boese vor ... ich gehe aber davon aus dass Karl May selber sagte dass 'Boesewichte' halt nicht boes, sondern krank sind (kein Baby ist boese geboren sondern der Mensch wird 'boese' gemacht, durch Umstaende, Trieb, was auch immer). Natuerlich hat sich der Wabble nicht selber geopfert, sondern ist vom Autor geopfert worden. Schlussendlich kommt es doch aufs gleiche raus, da all die Charakteren ja 'Karl May' verhuellt (mehr oder weniger) sind. Wir sagen dasselbe, nur druecken wirs verschieden aus ... (hat der Adenauer Karl May gelesen?)
:lol:
cheers


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BeitragVerfasst: 13.4.2007, 7:10 
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Zitat:
all die Charakteren ja 'Karl May' verhuellt (mehr oder weniger) sind


Ja, da gehen wir völlig konform.

An Old Wabble, einen vereinsamten, verbitterten alten Mann, der halt - letzten Endes - nichts dafür kann wie er geworden ist und dem es erkennbar auch nicht allzu gut geht mit sich selbst, mußte ich gestern an anderer Stelle denken. Mays Menschen begegnen einem gelegentlich in leichten Abwandlungen auch im Leben (oder im Internet). Wobei es schon unterhaltsam und reizvoll sein kann, so einem herrlich bösen und originellen Wabble zuzuhören.

:wink:


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BeitragVerfasst: 13.4.2007, 7:33 
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Übrigens, Nachtrag:

Konrad Adenauer

1876 - 1967, Politiker

... schätzte Karl May, den er in seiner Jugend gelesen hatte und auch in seinen reiferen Jahren noch gern las.

Nach: Albrecht P. Kann, Karl May. So war sein Leben. Hamburg 1979, S. 154.

Quelle:

http://karlmay.leo.org/kmg/seklit/matkmf/13/1.htm


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BeitragVerfasst: 13.4.2007, 7:38 
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Dort (unter dem Link) auch:

Hans Albers

1891 - 1960, Schauspieler

Ein Film über den alten May? Prozeß in Berlin ... Wiener Friedensrede ... Old Schmetterhand, das mache ich.

Aus einem Gespräch mit Karl Serden (München, 9.2.1957).

*

Das wär's doch gewesen !
Allein, sich das vorzustellen, ist schön.

(wenn man z.B. "Vor Sonnenuntergang" und den Film (weiß nicht mehr wie er hieß) mit der Kloputzerei im Hotel gesehen hat - Würde und Größe im Scheitern)


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