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 Betreff des Beitrags: Die Identität der Mutter Thick
BeitragVerfasst: 20.5.2007, 20:22 
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Bei einer mehrtägigen Vergleichslesung von 4 Büchern gleichzeitig (Auf der See gefangen – Kapitän Kaiman [alte Variante] – Kapitän Kaiman [neue Variante] – Old Surehand II; mir brummt der Schädel) ist mir auch noch eine kleine Bearbeitungs-Feinheit (auch das gibt es …) in der neuen „Kapitän Kaiman“-Fassung aufgefallen:

In Old Surehand II leistet sich Karl May sozusagen einen ganz „dicken Hund“, indem er bei Mutter Thick in Jefferson-City eine Geschichte erzählen lässt, in der wiederum eine Mutter Thick vorkommt, allerdings in Hoboken, und erklärt dies hemdsärmelig-lässig mit dem Satz

Die Gleichheit der Namen ist nichts Auffälliges, denn der amerikanische Seemann pflegt jede wohlbeleibte Wirtin gern >Mutter Thick< zu nennen.


Die ältere „Kapitän Kaiman“-Fassung sprach hier von einer Mutter Dodd, um die Hobokener Dame etwas eindeutiger von der Jeffersoner in Old Surehand II zu unterscheiden.

Die neue Fassung geht wiederum einen anderen Weg: da heißt es seitens des erzählenden Treskow

„Dort residierte in ihrer Hafenkneipe unsere liebe, gute Mutter Thick“

„unsere“, statt „Dort giebt es, grad so wie hier, auch eine liebe, gute Mutter Thick“, also offensichtlich hat die gute Frau in dieser Fassung im Laufe ihres Berufslebens die Stadt gewechselt, ein später noch eingebautes

„damals in der alten Seemannskneipe unserer Mutter Thick in Hoboken - Treskow blickte zu der Wirtin, die ihm freundlich zunickte“

scheint diese These (zu der man sonst keinen Hinweis findet) zu bestätigen.

Interessant, oder ? (Indes: es braucht außer mir auch niemand zu interessieren …)

:wink:


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BeitragVerfasst: 21.5.2007, 1:09 
rodger schrieb: >>>Interessant, oder ? (Indes: es braucht außer mir auch niemand zu interessieren …) <<<
ABER DOCH SEHR !!!!
Ausser dem Gedicht (anderer Thread) hat mir Mutter Thick zu schaffen gemacht.
Und nicht wegen wad du da schreibst ... aber der Name ... DER NAME !!! Ums Himmels Willen. Mutter Thick auf English ist - Mother Thick - Thick heisst an neunter Stelle in meinem Woerterbuch (2001 Langenscheidt): 'dumm' ... und ist 'the word of choice in my neck of the woods' um jemanden als 'dumm', eben 'thick' zu bezeichnen. Arme Mutter Thick.
Die Frau ist eine 'smart' Businesswoman, und nicht eine 'thick' mother. So, mit und ohne Verlaub, die gute Mutter Thick verdient einen besseren Namen auf English. (Kompromisse, kompromisse!) ... mit einer schoenen Erklaerung in der Einleitung - damit die identitaet der Dame einwandfrei erwiesen ist.

Addendum:
Grad da wo die Stelle ist: 'Die Gleichheit der Namen ist nicht auffaellig ... etc' ist auch ein Bruch in der Erzaehlung 'Auf der See gefangen', (Und jetzt, Gentlemen, machen wir einen dritten Sprung...) und der Treskow macht weiter mit einer Erzahlung wo ein Peter Polter vorkommt. Ich hab mich immer gewundert ob das noch zur 'Auf der See gefangen' gehoert, oder zu etwas anderem (man weiss dass ich DAS Buch nicht habe). Der C. Lorenz Artikel (die wiederholte Geschichte) macht es mir auch nicht ganz klar, gehe ich recht in der Annahme dass May hier im Old Surehand II 2 verschiedene Varianten seiner 'Auf der See gefangen' zusammengebunden hat?


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BeitragVerfasst: 21.5.2007, 7:18 
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May ist ja ein deutscher Autor, und wenn er sein Gefühl von gemütlich, liebenswürdig, geerdet, in Harmonie usw. mit der Kombination von „Mutter“ und „Thick“ ausdrückt, dann, bittschön, nicht ändern. In seinen Ohren klingt’s gut, und das ist die Hauptsache. (Irgendwo in einer Dorfgeschichte oder Humoreske hat mal ein Bearbeiter aus einer Berta eine Elsa gemacht, sprachlich-assoziativ in etwas das Gegenteil, abgerundet-breit gemütlich hier, schlank-zart-feinnervig dort, womit jetzt nicht die jeweilige Frau, sondern der jeweilige Name gemeint ist). - Auch „Meister Sauerkraut“ oder „Piefkele“ etwa kann gut klingen, nicht so an der ursprünglichen Besetztheit der jeweiligen Worte festklammern, die Wertung bringt jeder selbst hinein wie er mag. (Aber nagut, in einer englischen Übersetzung meinetwegen ändern).

;)

In Old Surehand II werden zunächst andere Geschichten erzählt, dann ein erster großer Teil von „Auf der See gefangen“, dann wieder anderes, dann, von einem anderen Erzähler, ein zweiter großer Teil von „Auf der See gefangen“. Das ist an und für sich schon verwirrend. Wenn man das aber in vier verschiedenen Varianten in vier Büchern gleichzeitig parallel liest, wie ich dieser Tage, hat man schon Chancen, „raderdoll“ zu werden (das ist ein Begriff den ich nur von Willy Millowitsch kenne und der vermutlich unübersetzbar ist).

;)


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BeitragVerfasst: 21.5.2007, 7:30 
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Schreib' doch Mother Dick für die Übersetzung. Dann hat er als Deutscher den englischen Ausdruck benutzt, es paßt nicht so ganz aber klingt gut, und Du als englischsprachig benutzt wieder den deutschen Ausdruck, paßt auch nicht so ganz aber klingt auch wieder gut ...

:wink:


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BeitragVerfasst: 21.5.2007, 7:58 
... ich will hier jetzt gar nicht sagen was Mother Dick auf englisch heisst ... sonst werd ich rausgeschmissen. Anstelle lach ich mich mal leise rot im Gesicht.

Der Willi hatte viele unuebersetzbare Ausdruecke...wunder was der aus Mother Dick gemacht haette.


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BeitragVerfasst: 21.5.2007, 7:59 
was May mit Mutter Thick gemeint hatte ist mir angeborener Weise auch klar ... und auch ich fuehle mich bei dem Ausdruck angeheimelt ... ick red ja nich vom Germanischen ...


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BeitragVerfasst: 21.5.2007, 9:47 
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Ich hätte dann auch schon einen Besetzungsvorschlag ... Aber die gute Frau, von der ich schon beeindruckende Anekdoten gehört habe [unter anderem soll sie das Zuspätkommen zu einer Vormittagsprobe gleichsam achselzuckend mit einem leicht abgewandelten tageszeitbezogenen Sprichwort erklärt haben ...] ist, soviel ich weiß, schon in Ralswiek beschäftigt.

Müssen wir eigentlich immer abschweifen hier, schrecklich ... Du übst einen sehr schlechten Einfluß auf mich aus ...

:wink:

Zurück zur Mutter (wenn ich jetzt "Thick" weglasse, ist es ein Wagner-Zitat).

Witzig ist, daß es in "Auf der See gefangen" heißt: "Eine zweite Mutter Thick ist nicht zu finden", in Old Surehand II sah May das dann später ganz anders ... Er war auch so einer, der den Schnack von "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern" sehr verinnerlicht hatte.

Eine Vorläuferin von Mutter Thick ist Mutter Röse (von Übersetzungsvorschlägen sehe ich nach den gemachten schlechten Erfahrungen ab ...) aus "Unter den Werbern", einer Dessauer-Geschichte.

»die dickste und zugleich beste Wirthin des ganzen Anhalt'schen Landes« in Dessau; »wie eine Königin thronte sie zwischen zahllosen Flaschen, Gläsern und Krügen hinter dem langen, massiven Schenktische, hatte für jeden einen freundlichen Gruß, ein vertrauliches Kopfnicken oder wohl gar einen kräftigen Händedruck und ließ wie eine Sonne die Strahlen ihres vollen und stets lächelnden Gesichtes bis in die entfernteste Ecke fallen. Nirgends war das Bier so frisch und erquickend, nirgends der Braten so saftig und nirgends die Bedienung so aufmerksam wie bei ›Mutter Röse‹, und wem es gar widerfuhr, von ihr selbst bedient zu werden, der konnte sich diesen Vorzug für eine wirkliche Ehre anrechnen und wurde darüber von den Andern groß angesehen. Aber ebenso kräftig und entschieden konnte sie auch gegen Den auftreten, welcher es wagte, sie aus ihrem Gleichgewicht zu bringen, und gar mancher Gast schon hatte ein solches Beginnen mit einem blitzschnellen ›An die Luft setzen‹ büßen müssen.«

*

Tolldreiste kryptische Anspielungen, die der Zensor versteht, werden mit Recht verboten

(frei nach Karl Kraus)

:wink:


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BeitragVerfasst: 21.5.2007, 9:53 
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... und den Willy mit i schreiben hinten ergibt schätzungsweise zwei bis zwölf Jahre Fegefeuer. Oder die gleiche Zeitspanne Raab und von der Lippe gucken (das sind zwei Namen; nicht daß Du Dich jetzt totgrübelst).

:wink:


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BeitragVerfasst: 21.5.2007, 10:14 
...teilen wir die Zeit im Fegefeuer dann :twisted:


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BeitragVerfasst: 21.5.2007, 10:18 
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Ich habe von Fegefeuer gesprochen, nicht von [Fege-]Hölle ...

:lol:

*

Es hätte mich, um der Wahrheit die Ehre zu geben, übrigens auch nicht gewundert, wenn Karl May irgendwo seinen bzw. seine beiden Turnersticks hätte aufeinander treffen lassen, vielleicht bei Mutter Thick, und etwa so

„Verblüfft blickte der gute alte Frick sein ihm in Haltung, Gebärde, Sprache und Ausdruck wie ein Ei dem anderen ähnliches Spiegelbild an. „Sag mal wo kommst Du denn her“, floß es entgeistert von seinen Lippen, aber ehe Heimdall, vermutlich, wie wir ihn kennen, mit einem Kalauer hätte antworten können, war schon die gute alte Mutter Thick dazwischen und fragte nach der Herren Begehr. Als die beiden sich dann beim Bier gegenübersaßen, murmelte Heimdall kopfschüttelnd, ein ums andere mal: „Mein Spiegelbild in Jefferson, das hätte ich nicht für möglich gehalten …“

:wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Identität der Mutter Thick
BeitragVerfasst: 7.2.2017, 21:32 
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Verwirrung in Sachen Mutter Thick ergriff offenbar auch den Betreuer des HKA-Bandes "Aus der Mappe eines Vielgereisten", der die gesellige Wirtshausrunde auf S. 576 im Editorischen Bericht nach Hoboken verlegt. No sir, Jefferson City, bitt'schön.

:wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Identität der Mutter Thick
BeitragVerfasst: 8.2.2017, 10:57 
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In "Auf der See gefangen" ist das Boardinghouse der Mutter Thick in der Tat in Hoboken, erst im Surehand wird dies nach Jefferson City verlegt.

Helmut

Wenn ich den ganzen Faden vorher gelesen hätte, und nicht erst danach, hätte ich gemerkt, dass dies ja "oben" schon steht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Identität der Mutter Thick
BeitragVerfasst: 8.2.2017, 12:02 
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Helmut hat geschrieben:
In "Auf der See gefangen" ist das Boardinghouse der Mutter Thick in der Tat in Hoboken, erst im Surehand wird dies nach Jefferson City verlegt.

Genau darum geht es im Kommentar:

Zitat:
Bei der Vorbereitung des zweiten Bandes von Old Surehand griff May 1895 noch einmal auf Vom Tode erstanden zurück. In diesem Band tragen im Rahmen einer geselligen Wirtshausrunde bei Mutter Thick in Hoboken diverse Anwesnde ihre Erlebnisse vor.


"In diesem Band" bezieht sich eindeutig auf "Old Surehand II" -: Also: Jefferson-City, Firestreet No. 15 ;-)


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Identität der Mutter Thick
BeitragVerfasst: 8.2.2017, 16:13 
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Das war mir schon klar; ich wollte nur versuchen, die Ursache des Fehlers aufzuzeigen, bis ich bemerkte, dass das ja schon in dem einige Jahre alten Beiträge hier steht.

Helmut


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