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BeitragVerfasst: 26.6.2004, 12:15 
Hallo Rüdiger,

ich hoffe, daß Du den Film "Der Tod in Venedig" trotz aller heutigen Vorbehalte gegenüber Thomas Mann noch magst.

Ich selbst habe den Film inzwischen wohl über zehnmal gesehen und bin immer wieder tief beeindruckt.

Natürlich stellt sich die Frage, ist es bei dem Film die stark abgeänderte Vorlage Manns oder die hervorragende Regiearbeit Viscontis, dessen Filme - besonders "Der Leopard" - ich sehr schätze.

Und es freut mich besonders, daß es doch Filme gibt, die wir beide sehr mögen.

Viele Grüße
Kurt

P.S. Was hältst du von dem Film "Lotte in Weimar" mit Lili Palmer?


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BeitragVerfasst: 26.6.2004, 12:35 
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Hallo Kurt,

ja, ich mag den Film immer noch, sehe ihn aber natürlich mit etwas anderen Augen als früher.

Ich denke daß es sowohl am Buch als auch an der genialen Umsetzung liegt.

"Lotte in Weimar" kenne ich weder als Film noch als Buch.
- Jetzt muß ich hier Bildungslücken zugeben, wenn das der Sandhofer sieht ... :lol: :lol: :lol:

Beste Grüße

Rüdiger


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 Betreff des Beitrags: Wie war das zu schaffen?
BeitragVerfasst: 26.6.2004, 16:35 
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Hallo zusammen!

Dass eine Vielschreiberei à la Kolportagen-May nur auf Kosten der literarischen Qualität und mit Einsatz von Drogen (wozu ich in diesem Zusammenhang auch Nikotin, Tabletten, Koffein und Alkohol zähle) möglich ist, steht wohl ausser Frage. Der Vielschreiber gab und gibt es viele; Groschenromanautoren bringen m.W. noch heut u.U. Tausende von Seiten jährlich unter verschiedenen Pseudonymen heraus. Irgendwo in meinem Hinterkopf habe ich auch ein Interview - entweder mit Simmel oder mit Konsalik - gespreichtert, in dem der betreffende Autor sich auch zu regelmässigen 5 oder 6 (50 oder 60?) Seiten täglich bekennt, alles natürlich für den geneigten Leser. Aber auch Autoren, die zu den besseren gezählt werden, weisen oft einen nachgerade unnatürlich wirkenden 'Output' auf: Balzac, Dumas Père.

Auf Seiten der Mann, Hesse & Co. natürlich ebenso Selbststilisierung. Das eine ist, täglich eine Seite zu schreiben, das andere ist: Was geschieht mit dieser Seite? Wird sie nicht einfach oft weggeworfen, weil es halt des Autors Tag nicht war?

Grüsse

Sandhofer


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BeitragVerfasst: 26.6.2004, 19:28 
Hallo Sandhofer, Hallo in die Runde!

Ich möchte mal behaupten, daß die allermeisten Autoren es sich nicht leisten können, einen schlechten Tag zu haben. Sie leben vom Schreiben, der Verleger sitzt ihnen im Nacken, der Kühlschrank muß gefüllt werden, die Kinder jammern und der Hund klappert mit dem leeren Napf. Wenn hier von Autoren wie Thomas Mann oder auch meinetwegen Simmel (der ja eher kein Vielschreiber ist, das von Dir, Sandhofer, erwähnte Interview dürfte wohl eher mit Konsalik stattgefunden haben) die Rede ist, so sind das die wenigen Glücklichen, die zu den gut Verdienenden gehörten bzw. gehören. Alle anderen müssen ackern, wie unser May zumindest bis zum Vertrag mit Fehsenfeld.

Zu den Drogen: Auch ein Arno Schmidt hat - wenigstens in den frühen Jahren - unter Alkoholeinfluß (es war glaube ich Klarer) geschrieben. Bei May waren es wohl Koffein und Nikotin. Wäre mal eine Untersuchung wert, ob es typische Kaffee-, Bier-, Wein- oder Marihuanaschreiber gibt. (Diese meine Zeilen sind übrigens unter dem Einfluß von - wendet Euch ab mit Grauen! - Cola light entstanden. Es steht aber auch noch irgendwo eine Flasche Bordeaux rum...)

Viele Grüße

Rolf


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 Betreff des Beitrags: Sein Leben mit Schreiben verdienen ...
BeitragVerfasst: 27.6.2004, 15:52 
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Hallo zusammen!

Zum Thema habe ich noch Folgendes gefunden:

Nobody, except he has tried it, knows what it is to be an editor. It is easy to scribble local rubbish, with the facts all before you; it is easy to clip selections from other papers; it is easy to string out a correspondence from any locality; but it is unspeakable hardship to write editorials. Subjects are the trouble - the dreary lack of them, I mean. Every day it is drag, drag, drag - think, and worry, and suffer - all the world is a dull blank, and yet the editorial columns must be filled. Only give the editor a subject, and his work is done - it is no trouble to write it up; but fancy how you would feel if you had to pump your brains dry every day in the week, fifty-two weeks in the year. It makes one low-spirited simply to think of it. The matter that each editor of a daily paper writes in the course of a year would fill from four to eight bulky volumes like this book! Fancy what a library an editor's work would make, after twenty or thirty years' service. Yet people often marvel that Dickens, Scott, Bulwer, Dumas, &c., have been able to produce so many books.
Mark Twain: Roughing it, Chapt. LV


Grüsse

Sandhofer


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BeitragVerfasst: 27.6.2004, 16:12 
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Übersetzungen des Buches, aus dem zitiert wurde, in das hierzulande immer noch eher gebräuchliche Deutsch sind unter den Titeln: "Im Gold- und Silberlande. Lehr- und Wanderjahre" und "Durch dick und dünn" erschienen.

:wink:


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BeitragVerfasst: 27.6.2004, 16:17 
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Rolf Dernen hat geschrieben:
Zu den Drogen: Auch ein Arno Schmidt hat - wenigstens in den frühen Jahren - unter Alkoholeinfluß (es war glaube ich Klarer) geschrieben.
Nicht nur in frühen Jahren. Man sollte mit Mutmaßungen hier sehr vorsichtig sein, aber so viel kann man woh sagen: Er trank erhebliche Mengen. "Ich saufe strategisch" sagt er irgendwo mal.

Zu diesem Thema (und auch sonst) ist übrigens auch Stephen Kings "Das Leben und das Schreiben" sehr lesenswert, er spricht da sehr offen über seine Alkohlabhängigkeit, bei manchen Romane könne er sich nicht mehr daran erinnern, dass er ihr Autor sei die habe er vollständig zugedröhnt geschrieben.


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BeitragVerfasst: 27.6.2004, 19:09 
War es der unvermeidliche Goethe, der mal gesagt haben soll. "Andere schlafen ihren Rausch aus, ich schreibe ihn nieder"?

Gruß

Rolf


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BeitragVerfasst: 27.6.2004, 19:17 
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Tatsächlich.

"Andere schlafen ihren Rausch aus, bei mir steht er auf dem Papier!"

Das hätte ich vom Herrn Geheimrat gar nicht erwartet.


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BeitragVerfasst: 27.6.2004, 20:35 
Ich schon. - Aber, Rüdiger, sei doch so nett und teile mir Deine Quelle mit. Ich hatte es nur so ungefähr im Kopf (Germanistikvorlesung von vor 30 Jahren).


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BeitragVerfasst: 27.6.2004, 20:41 
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Hallo Rolf,

ganz einfach: Google.

Was ich hier alles offenbaren muß ...

:shock: :lol:

Beste Grüße

Rüdiger


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BeitragVerfasst: 7.9.2004, 10:30 
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Hallo!
Ja, wie schaffte es Karl May, seine Fantasie zu Papier zu bringen? Er schrieb doch alles mit der Hand. Ganz abgesehen von dem kunstlerischen Erfindungsphaenomen, allein die mechanische Arbeit des Niederschreibens, des Zusammenstellens seiner Gedanken in logischer Folge auf dem Papier muss doch ausserordentlich zeitaufwendig gewesen sein. Ud dabei hatte er einen Hausstand, reiste, verkehrte mit Menschen hatte Termine einzuhalten und und und...
Dazu kommen noch beim Schriftstellern, vor allem in den Reiseerzaehlungen, das Lokalkolorit, die Sprach- und Kulturbrocken, die er einflicht. Da man heute weiss, dass seine Sprachkenntnisse doch beschraenkt waren, musste er bestimmt viel Zeit aufwenden, um die passenden Sprach-und Kulturstellen zu finden, auszusuchen und zu gebrauchen (und dann nicht zu vergessen!)
In seiner Literaturniche ist Karl May einmalig.
Gruesse, Su San
:roll:


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