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 Betreff des Beitrags: noch'n Gedicht:
BeitragVerfasst: 24.6.2007, 12:17 
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Es klingt ein Lied vom Himmel nieder
So wunderlieb, so klar, so rein,
Und deine Seele singts ihm wieder;
Sie will dem Himmel dankbar sein.
Die Andern lauschen rings im Kreise;
Dann siehst du, daß sie lächelnd weitergehn.
Sie sind zu klug, sie sind zu weise,
Um das, was dich beseligt, zu verstehn.

Es kommt ein Strahl vom Himmel nieder;
Er leuchtet in dein Herz hinein,
Und dieses strahlt ihn Andern wieder;
Es will dem Himmel dankbar sein.
Doch diese Andern stehn im Kreise
Und lächeln über dich, das große Kind.
Sie sind zu klug, sie sind zu weise
Und drum für das, was dich beseligt, blind.

Und käm der Himmel selbst hernieder,
Um dankbar dann auch dir zu sein,
Und füllte alle deine Lieder
Mit seinem ganzen Sonnenschein,
Die Andern ständen rings im Kreise
Und fiel das Lächeln ihnen wohl nun schwer,
Sie blieben doch so klug, so weise
Für das, was dich beseligt, wie vorher.

(Karl May, Himmelsgedanken)


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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 12:21 
hat das Jamben?


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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 12:55 
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Hallo Marlies,
ich habe exemplarisch die erste Strophe gelesen: Sie hat Jamben, einen strengen Betonungswechsel (der aber geradezu grausam klingt, wenn man ihn wirklich durchhalten will :oops: ) und eine abwechselnd weibliche und männliche Kadenz.

Viele Grüße
Stefan


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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 13:25 
Hallo Stefan
Wir haben ja eine regelrechte 'jam session' zusammen hier. Kadenz? und dann noch maennlich und weiblich? Jetzt hoert aber alles auf. Grad wo ich dachte ich haette das mit dem Jambusen hinter mir gebracht taucht wer auf mit Kadenzen.
Das fliegt mir ja nur so um die Ohren...mein Freund in den USA spricht von 'meter' bei seinen poems, und der Sharlih schreibt vom mujtass-metrum oder sowas wo er das Hafiz Buechlein des Mirza Djafar liest. (Vielleicht schreibt der May in mujtass-metrum und es hat deshalb so unerkennbare Jamben).
Dabei bin ich ueberhaupt nicht poetisch veranlagt.
Ich brauche einen Monat um einen vier-zeiler zu uebersetzen damit wer's verstehen kann ... ach herrjeminee

Aber das Gedicht ist schoen ... mir fiel da gleich eines ein das ich da mal an die Kuechentuer in Neuseeland 'bauern'gemalt hatte (wo ich noch da wohnte) ... was von anderen Leuten, und Kaelbern ... ich suchs mal heraus ich glaube ich habe die Schablone noch. Das wuerde dem May auch gerade gefallen - es hat etwas Satirisches daran/dabei/darin.


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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 16:40 
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"Betonungswechsel", ich glaub' es nicht ...

Wie oder was er "betonen" will, da hat jeder Sprecher und eben auch jeder Leser völlig freie Wahl ...

(In der Pfalz war's doch schöner ...)

:wink:


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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 17:40 
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Zitat:
Kadenz? und dann noch maennlich und weiblich? Jetzt hoert aber alles auf. Grad wo ich dachte ich haette das mit dem Jambusen hinter mir gebracht taucht wer auf mit Kadenzen.


Vielleicht hilft das weiter - die gefetteten Passagen werden "betont" - was natürlich nicht im Sinne von "Bedeutung", sondern von "Rythmus" zu verstehen ist:

Es klingt ein Lied vom Himmel nieder
So wunderlieb, so klar, so rein,
Und deine Seele singts ihm wieder;
Sie will dem Himmel dankbar sein.
Die Andern lauschen rings im Kreise;
Dann siehst du, daß sie lächelnd weitergehn.
Sie sind zu klug, sie sind zu weise,
Um das, was dich beseligt, zu verstehn.

Wenn das ein Lied wäre, könnte man an den gefetteten Stellen den Takt schlagen oder mit den Fingern schnippen.

Es lässt sich zweierlei erkennen:

a) stetiger Wechsel von unbetont / betont. Das Versmaß ist also ein Jambus.

b) Der Schluss der Verse wechselt zwischen unbetont / betont. Der Schlusstakt eines Verses ist die "Kadenz". Wird er nicht betont (also kein Trommelschlag, kein Fingerschnippsen), ist es eine "männliche" oder "stumpfe" Kadenz; entsprechend heißt die betonte Kadenz "weibliche" oder auch "klingende" Kadenz.

Betonen kann man übrigens nicht wirklich willkürlich - also jedenfalls nicht, wenn man nicht gegen seine Sprache anreden will. Man kann zwar mit einer gewissen Konzentration alle Wörter "falsch" betonen, hält das aber entweder nich sehr lange durch oder wird irgendwann von den anderen Sprachteilnehmern nicht mehr verstanden. Jede Sprache hat eine ihr eigene Rythmik & Melodie, die man nicht einfach ignorieren kann.

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Giesbert Damaschke, München
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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 18:46 
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Zitat:
Jede Sprache hat eine ihr eigene Rythmik & Melodie, die man nicht einfach ignorieren kann.


Nun gut, aber es gibt ja bekanntlich neben Schwarz oder weiß auch unendlich viele Abstufungen dazwischen. Jedenfalls, wollte einer das Ding so vortragen (oder beim Lesen so "hören") wie es da oben mit dem Fettdruck steht, der müßte ja einen Schlag mit dem Hammer haben.


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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 18:58 
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Bleiben wir mal bei einer Zeile, sonst wird's mir zu lang.

Es klingt ein Lied vom Himmel nieder

Also, was haben wir da für verschiedene Möglichkeiten des Betonens bzw. Färbens und Füllens, als erstes z.B. nur "Lied" betonen und alles andere nicht, oder "Lied" voll und "Himmel" halb, oder nur "Himmel", oder "Lied" halb und "Himmel" voll, das wären schon mal vier Möglichkeiten jenseits des angegebenen Schemas (gräßliches Wort, klingt wie Schemel).

Oder Verbindungen bzw. Zäsuren, was gäb's denn da, z.B. "Lied vom Himmel" zusammennehmen, oder Zäsur zwischen "Lied" und "vom", oder "vom Himmel nieder" zusammennehmen und auf Punkt sprechen, die ganze Zeile ohne "Pause" sprechen, auf einem Atem und in gleichbleibendem Rhythmus, oder vielleicht gar keine Betonungen; oder "gehaltene" (ohne Spannungsabfall) kleine Zäsuren etwa nach "klingt" und "Lied"; auch das alles Betrachtungen jenseits von Humptata und Tafel-Schema (ich seh's richtig vor mir, das mit der Tafel).

Und über das, was wir uns dann dabei denken, habe ich noch kein Wort verloren und gedenke das auch nicht zu tun.

:wink:


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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 19:16 
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rodger hat geschrieben:
Nun gut, aber es gibt ja bekanntlich neben Schwarz oder weiß auch unendlich viele Abstufungen dazwischen. Jedenfalls, wollte einer das Ding so vortragen (oder beim Lesen so "hören") wie es da oben mit dem Fettdruck steht, der müßte ja einen Schlag mit dem Hammer haben.

Natürlich müsste er das. Deshalb wird es ja auch nicht so vorgetragen. Es sei denn, man hat es in der Schule auswendig lernen müssen und "leiert es runter".

Was natürlich überhaupt nichts daran ändert, dass der Rythmus vorhanden ist. Es gibt gute und schlechte Tänzer, der Rythmus und die Musik, zu der sie tanzen, bleibt gleich.

Und so wenig, wie man, wasweißich, aus einem Walzer einen Charleston machen kann, wird aus einem Jambus ein Trochäus. (Aber es gibt ja auch Leute, die aus dem 5er-Rythmus von Take Five einen stinknormalen 4er machen und dem Stück das Genick brechen, ohne es auch nur zu merken. Alles schon gehört.)

Und ganz gleich, wie gefühlvoll oder gedankenschwer man die Mayschen Verse vortragen mag - das ändert nichts daran, dass es formal ein ziemlich armseliger Stückchen ist. Über den Inhalt sag ich, klug und weise, wie ich bin, auch besser nix :roll:

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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 20:16 
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Auch wenn die Form nicht beruecksichtigt wird, ueber Geschmack laesst sich ja nicht gut streiten.Ich habe selten ein so abgeschmackt-duemmliches Gedicht gelesen.
Apropos Giesbert,warum sind Sie denn kein Deutschlehrer geworden,bei Ihnen haette ich Unterricht sicher genossen.Aber wie ich leider schon oft die Erfahrung gemacht habe,die Nieten werden Lehrer.


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BeitragVerfasst: 24.6.2007, 20:27 
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Zitat:
ueber Geschmack laesst sich ja nicht gut streiten.


In der Tat ...

Zitat:
Ich habe selten ein so abgeschmackt-duemmliches Gedicht gelesen.


Und so findet das Gedicht ja inhaltlich seine volle Bestätigung ...

:lol:

(Der Thomas, dem ich überhaupt nicht böse bin und der halt rundheraus und geradezu seine Meinung mitzuteilen pflegt, ist halt, um das "abgeschmackt-dümmliche" Gedicht noch einmal zu zitieren, zu klug und zu weise ...)

:wink:


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BeitragVerfasst: 25.6.2007, 6:42 
Schoenen herzlichen Gruss in die Pfalz und danke dem Giesbert fuer die klare, verstaendlich technische Erklaerung ...

***

and now for some good news ... new scientific research has just found that cold hands don't cause blindness, so therefore anyone with cold hands can still watch irrational people have fun ... from Mars, perhaps, that's a heavenly body with a lot more rationality than Earth...I think...

Vielleicht haette ich das in Jamben sagen sollen ... hm ... aber dann ... rationalitaet ist so 'boring' und macht keinen Spass...neee...ich bleib beim May, der ist wie die Erde ... irrational und kunterbunt und excentric und -- habe ich schon gesagt irrational?


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BeitragVerfasst: 25.6.2007, 14:27 
Darf ich noch was fragen in Bezug auf das Gedicht? ... getraue mich fast nicht ... was ist denn nun eine Zaesur, und ein Trochaeus?
(Und Take Five erkennt man beim ersten Ton, wie 'Die Schoene Blaue Donau' auch - aber die ist im 3/4 Takt).


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BeitragVerfasst: 25.6.2007, 15:13 
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Eine Zäsur ist sozusagen ein Pauserl. Da gibt es irgendeine Symphonie, die fängt mit einer Achtelpause an. Otto Schenk hat hübsch vorgemacht, wie Karl Böhm das einstudiert hat, mit einer Art Schluckauf als kleiner Hilfe ...

Was ein Trochaeus ist müssen Dir die Herren von der wissenschaftlichen Fraktion erklären.

("Nennen S'es wie se wollen ..." - 88jähriger Arzt vor gut 30 Jahren in Oldenburg, als ein jüngerer Besucher ihm mit einem Fachbegriff kommen wollte ...)


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BeitragVerfasst: 25.6.2007, 15:41 
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Ein Trochäus ist gewissermaßen das Gegenteil eines Jambus.

Jambus: unbetont - betont
Trochäus: betont - unbetont

Beispiel: Herder, Der Cid:

Trauerndtief saß Don Diego,
Wohl war keiner je so traurig;
Gramvoll dacht' er Tag und Nächte
Nur an seines Hauses Schmach.

Oder Schiller, An die Freude:

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng getheilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

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Zuletzt geändert von giesbert am 25.6.2007, 15:46, insgesamt 1-mal geändert.

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